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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-09 · Heft 1552 (9.6.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1552 (9.6.1923)
Date
1923-06-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1552 Men, Samstag Wiener Morgenzeitung. 9. Jum 1923 Sorte 3 Vas neueröffnete Tuchhaus Br. Haber VI!. LINDENGASSE 20 BIÜTET zu ein Föhr UN gs pr eis^n besondere kaufgeleqenheit für Schneider, Händler und marktfahrer ZU SEHR GÜNSTIGEN KONDITIONEN»_ 057 Der Bund der össenllichen Angestellten gegen die BorWkge de» Bundeskanzlers. Gestern fand eine Vertranensmännerverfammlung des Bundes der öffentlichen Angestellten statt, um zu den Vorschlägen der Regierung Stellung zu nehmen. Das Referat erstattete der Bundesobmann Janitzki, der in scharfen Worten das Vorgehen der Regierung in der Besoldungsfrage, die er im Zusammenhang mit der Saniermtg behandelte, kritisierte. Die Beamtenschaft — die öGenÄichen AngeftEten — seien die am meisten bevorzugten. Opfer der Samerüngsaktion, jetzt gehe das Bestreben der Regierung darauf hinaus, den Index abzuschassen, und zwar, wie der BundeAkanKler erKärte, aus voVkswirlfchastlichen Gründen. Sollte es die'Regierung auf einen Kampf ankommen lassen, dann steht es fest, daß wir in diesem Kampfe nicht allein stchen weiden. Me der B-undeSkcmKer bisher die Verhandlungen führt, ist es klar, daß er planmäßig es auf eine Kraftprobe ünkommen lasten will. Der Referent berichtet nun eingehend über den Verlauf der gestrigen Beratungen der Gewerffchastskmmnissron, in der dde AngestelltenlsMioni die Vorschläge der Regelung einmütig, entschieden und endgültig ab gelehnt hat. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen und der Bundesleitung die Ermächtigung erteilt, im Sinne der von der Gcwerkschastskommistion abgesteckten Richtlinien ^den Kampf weiterzuführen. bin Memorandum der tschechischen MnorM in Sesterreich an die Liga der Rationen. Bekanntlich wird im Lrufe dieses Monats die BMerbundliga in Wien eine Beratung unter Vorsitz des Bundespräsidenlerr abhalten. Die s l a w i s ch e n M i n o r itäten in Oesterreich werden an der Beratung durch einen Ersatzmann vertreten sein. Der tschechische Nationalausschuß in Wien wird dem Kongreß ein umfangriches Memorandum über die Verfolgung der tschechischen Minorität in Oesterreich und über den schlechten Stand des tschechischen Schulwesens in Wien überreichen. Mckkehr der ukrainischen Kmigratlon. Wie wir erfahren, wurden bereits sämtliche Institutionen der ukrainischen Emigration in Wien abgebaut und aufgelöst. Eine große Zahl der Emigranten ist leihweise nach Ostgalizien zurückgekehrt, während ein anderer TeA in die Ukraine AbeUsiedellte. Der Führer der ukvainHchen Emigration Dr. Petriuische Witsch hat ebenfalls Wien verfassen mtlb befindet sich MgenIMMch in Berlin. Die Badener Hakenkrenrtumnlte. Im gestrigen Morgenblatt haben wir über die Skandalszenen bei der am Mttwoch in Baden bei Wien stattgehabten nationalsozialistischen Versammlung berichtet. Das Signal - zu den Tumulten bildete ein Revolvers chuß, den 'ein Hakenkreuzler abgab. Daraufhin eilten sozialdemokratische Demonstranten herbei, die das Lokal blockierten, wahrend ein Zug Frontkämpfer den Nationalisten zu Hilfe kam. Die Gendarmerie schritt ein. Schließlich forderten die Arbeiter, daß die Nattonalisten nach Waffen durchsucht werden. Man fand denn auch zwei Revolver, fünf G u m miknütte l, Stöcke und Ochsenziemer, die beschlagnahmt wurden. Die Arbeiter bildeten dann ein Ordners Malier, durch das die Hakenkrouzler abziehen mußten. Bei den Raufereien wurden vier Personen verletzt. Darunter der Bezirkshauptmann Buxbaum, dem ein Hakenkreuzler einen Hieb mit dem Gmnmiknüttel versetzte. Tschecho-Slowakei. . Tschechisch - obligatorisch. Prag, 8. Juni. In der heutigen Sitzung des Senates wurde der Gesetzentwurf über den obligatorischen tt n r e r r ch t der t s ch e ck i' ch n S p r a ch e an alten o t;i i { % t r. Mitteisch ..n d:r T,checho-Slowakei sowie der Geictzeurwurs üb« die B v r st a a t l i ch it ug der 3T* uitfct; i'ljraic*. (£';;•• >r b *•.!'u; zweiter und dritter Lej.mg angeno.mneu. Jugoslawien ki« Mose Dr. Riukic'. Belgrad, 8. Juni. Minister des Aeußern, Dr-. Nineic, erklärte in seinem vor der S k u p s ch t i n a gehaltenen Exposee, daß mfoilge des Bestrchens der Besiegten, sich den VerWichtungen der Fvieldensvovträge zu entzichen, die Verbündeten stäMg ihr: Kräfte organisieren müßten, um die'nMe Lage zu seistigen. In der gogeiiwärtiigen Krise konnte fcstgeftellt toorünen, erklärte der Minister, wie fest die Bande sind, die die Mitglieder der Keinen Entente verknüpfen. Mit iet' kleinen Entente geht auch Polen zusammen. Ae Sitzung der zionistischen Attiouskomitees. Welttongreß und Sttoifö Agenty. Rahmen der Tagung des Mttvnskomitees fand eine Sitzung des Direktoriums des Keren Kajemeth l'Jsrael statt, ferner eine Sitzung des Aussichtsrwtes der Kolonialbainr, m der das Dircliorium einen Bericht über die Ergebnisse des Geschäftsjahres 1922 erstattete. Aus diesem ergibt sich, daß der Gewinn dieser Periode rund 20.000 Pfund beträgt; da aber Ausstünde aus früheren Jahren eine vorsichtige Beurteilung notwendig machen, so soll der nächsten Generalversammlung vorgeschlagen, werden, daß 'eine Gewinnausschüttung gegenwärtig nicht vovgerwmmen und daß der Gewinn zur weiteren Stärkung der Mittel der Bank verwendet werden soll. Das Aktionskomitee nahm einen Beschluß an, die Geschäfte in folgender Reihenfolge zu behandeln: die Frage der Jewish Agency und des jüdischen Weltkongresses, sodann des'Keren Hajessod, die Frage der Berevnheitlichnng der Finanzaktionen u-nd sodkmr die politische Debatte und die übrigen Punkte der Tagesordnung wie auch die Budgetsragen und eventuell Besprechung einer Reform des Organisationsstatnts. Im Namen der Exekutive brvichtete Herr Sokolow über den W e l t k o n g r e ß und die bisher unternommenen Schritte über die Erweiterung dev Ae-vish Agency. Der ' '' . Palästina-Weltkongreß sei ausschließlich auf Fragen des PalWna-Ausbawes beschränkt und gedenke nicht im entferntesten, sich mtt Fragen allgemeinen Weltpolitik, geschweige denn mit der jüdischen Politik in den einzelnen Ändern, der sogenanten Landespolitik, zu befassen. Er ging sodann auf die Besprechungen mit Vertretern der englischen Körperschaften — des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association — ein, die, wenn auch nicht offiziell geführt, so doch jetzt so weit gediehen feien, daß das A. C., refp. der Zionistische Kongreß ÄcM Stellung nehmen und DiEiven für die weiteren Verhandlungen erteilen müßten. An die Frage der Erwerte- MNg der Jewish Agency durch Heranziehung der Vertreter der einzelnen Strömungen im Judentum müsse um so cher hevangegangen werden, als die Parole des jüdischen Weltkongresses und'die Bildung der Jewish Agency durch diesen bisher nicht den entsprechenden Widerhall gefunden habe. Herr Sokolow bringt eine von der Exekutive boschlosfene diesbezügliche Resolution ein. An der anschließenden Debatte beteiligten sich die Herren C h w j e s, Stricker, H a n t k e, Reich, H a lpern, Rubafchew, Katznelson, Ussifchkin, Der Minister erörterte sodann die Stellung des Königreiches S. H. S. auf der Lanfanner Konferenz und erklärte, im wchlverstaüdenen eigenen Interesse strebe das Königreich gute, freundschaftliche Beziehungen mit Italien an. Im Verhältnis zu Bulgarien fei für b'c Schaffung gutnachbarlicher Beziehungen ein günstiger Umschwung durch Erzielung einer V e r st ä n d i g u n g eingetvoten, die eine neue Ae.ra begründen werde. Mit der Türkei würden alsbaD int gegenseitigen Einvernchmen die diplomatischen Beziehungen wieder hergestellt werden. Mit O e st e r r e i ch wurden verschieden.!' Konventionen abgeschlossen und über zahlreiche nachbarliche Angolegercheiten verhandelt. U nge.regeN ist nach'die Sch ulfr age für die Slowenen, in Kärnten. - Bedauerlicherweise zeige die ungarische Regierung keinen guten Willen zur Herstellung g u nach b arli ch e r Bez ieh-n ngen und zur loyalen Dnrch- M)rnng der Bestimmungen des Friedensvertrages von Trianon. Der Minister schloß, cs sei ^unwahr, daß General L c rond in irgendeiner kriegerischen Angelegenheit nach Belgrad gekommen sei. Das einzige Ziel der Politik des Königreicheü S. H. S. sei die Erhaltung und Sicherung, des indernationalen Frivdens. Polen. As Amnestiegefetz. Warschau, 8. Juni. (Tel. der „Wr. Morgeuzeitung") In der letzten Sitzung der Justizkomnlission sprach sich der Justizminister N o w o d w o r s k i für das von der Subkommission vorgeschlagenc Gesetzesprojekt über die Erweiterung der Amnestie auf alle jene politischen Fälle aus, deren Hintergrund nationale Motive waren. Nach einer längeren Debatte wurde beschlossen, das Gesetz mit dem 16. März 1923 in Kraft treten zu lassen. Die jüdischen Abgeordneten verlangten die Erweiterung der Amnestie auch auf finanzstrafrechtliche Vergehen. Nach einer längeren Debatte wurden die Amendements der jüdischen Abgeordneten betreffend die Amnestie jener ostgalizischen Deserteure, die vor dem 11. Mai 1923 vom Militär desertiert und im Laufe eines Monates sich freiwillig zum Militärdienst melden werden, mit 18 gegen 12 Stimmen angenommen. Die übrigen Amendements der jüdischen Abgeordneten wurden ab gelehnt. Das Amnestiegesetz dürfte noch vor den Sommerferien im Plenum behandelt werden. Naidi tsch, Nereminsky, Fvrbste'rU, Jo^oibson, Lichth-ejm,.Barth und Grünbaum, von denen die meisten zwar für die Gewimmug wetterer Kreise sind, sich aber g e g e n die Teilnahme von Vertretern, die weder vor dem Zionistenkongveß noch vor irgeudemer, anderen aus demokratischen Wahlen herdorgegangensn Körperfchast vevcmtwoMch sind, aussprochen.. Das I. C. B. meldet aus BeMn: In der FwyL der Jowifh Agency kamen drei grundsätzliche Mettmngen zmn Ausdruck. Ein Teil der RÄm-er war der Ansicht, daß die Zionistische Organisation ai'lein berufen sei, die Funttiomn der Jewifh Agemy auszuüben und daß alle Versuche zur Hevartzichung anderer Elemente unvermeidlich die Zeoniftische OrMMisatüm schwachen Müßten. - Die Mehrheit der Redner trat für einen jüdischen Kongreß ein und bekämpfte die Meinung dev Leitung, daß diese Ausgabe gegenwärtig MvMssühvbv« sei. Bon einer Seite wurde vorgeschlagen, die Heranziehung außenstehender Elemente zur Palöftina-Arbett durch die Vermittlung des Keren Hchessod in die Wege zu leiten. Abgeordneter Grün bäum bssürwortete die Embemfung jüdischer Landeskongresse. In seinem Bericht über die politische Lage betonte Sokolow, daß trotz der letzten offitziellen Me dev britischen Regierung im ntchen Osten England «ach Wie Vor fest entschlossen sei, die PoMk der Mischen nationalen Heimstätte in Palästina fortzusetzen 'und unterstrich nachdrüMch, daß Palästina in die neue panarabische Föderation nicht eintreten werde. ä>er Vorsitzende der Zionistischen Exekutive in Palästina, Uffischkin, wies darauf hin, daß die. englische Politik die jüdische Position in Palästina zu schtvächen geeignet fei und 'daß die letzten polttischen Akte Englands in Palästinai eine labile politische Lage schaffen. Das Atttglied des Finanz- und' Wirtschaftsrates Dr. G. Halpern gerichtete, das in Amerika in Aussicht genommene g r o ß e F i u a n z i n st i t u t, an dessen Zustandekommen eine Reihe von N i ch t z i o n i st e n teilzrmehmeu bereit wären, sei dazu bestimmt, den Bedarf Palästinas an jeder Art Kredit zu decken. Das Grundkapital für dieses Institut würde fünf/Millrone-n DoTlar betragen. Demission Van Vrieslands. Wie aus London gemeldet wird, hat Van V r i e s l a n d, der Schatzmeister der palästinrnsischen Zionistischen Exekutive, deinissioniert. Venera! Haller - VeaeralWektor der Armee? . Warschau, 8. Juni. (Tel. der „Wr, Morgenzeitrmg".) Än gut unterrichte^u Kreisen verlautet, daß zum Nachfolger des demnächst zurücktretenden Finanzministers Grabski der ehemalige Finanzminster M i ch a l s k i ernannt werden soll. Im Zusammenhang mit der Demission des Generalstabschefs Pilsudski verhandelte der Ministerpräsident Witos mit dem gewesenen Ministerpräsidenten Sikorski und schlug.ihm die Uebernahme der Generalstäbschefstelle vor. Sikorski lehnte jedoch den Antrag Witos ab. Ein. ähnlicher Vorschlag wurde auch an den Kommandanten des Posener Korps, General R o s z e!vs k i, gerichtet, der ebenfalls eine ablehnende Antwort erteilte. In den Kreisen der Nationaldemokraten wird das Gerücht verbreitet, daß General Haller zum Generalinspektor der gesamten Armee ernannt werden wird. Der Generalinspektor der Armee ist gleichzeitig Vorsitzender des engeren Kriegsrates und wird im Kriegsfälle mit dem Oberkommando der ganzen Armee betraut. General Haller befindet sich gegenwärtig auf einer Tournee in Amerika, wo er in der polnischen Kolonie Geld für die Nationaldemokratische Partei sanrmelte. Haller befindet sich auf der Rückkehr nach Polen. Ebenso soll der frühere Vizeminister Urbanowicz aber, mals zum Vizeminister ernannt werden. Wie bekannt, mußte U rbanowicz wegen Vorfälle im November vorigen Jahres foi* Amt niederlegen. Anschluß einer deutschen Kolonie an Tel-Awiw. Die deut. sche Kolonie Wilhelm« in der Nähe von Tel-Awiw hat sich an die Gemeindeverwaltung von Tel-Awiw mit dem Ersuchen gewandt, der Gemeinde Tel-Awiw angeschlossen zn werden. Den: Ansuchen ist Folge gegeben worden. Neue Propagaudamethoden unter den Arabern. Außer den speziellen Propagandamarken, die seit einiger Zeit im Umlauf sind, hat dje palästinensisch-arabische Delegation eine Spezialkarte von Palästina herausgegeben, mit einer Karte von Hedschas auf der Rückseite. Auf der Karte ist keine der jüdischen Kolonien verzeichnet. Der Text einer arabischen Nationalhymne ist. darunter gedruckt sowie Aufrufe des Inhalts: „Araber! Euer ist dieses Land! Hütet es wohl, verschachert es nicht!" Die Delegation beabsichtigt, Sammelbüchsen nach dem Muster derjenigen des jüdischen Nationalfonds auszugeben. (I. k. B.) Wohlfeile Woche! Regenmäntel . . K 125.000 n Lelnenv aren, Waschwaren, f Stoffe, tVäscha — sehr billig ■ Um7 I Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-76 Eit gros En tietali I

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