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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-09 · Heft 1552 (9.6.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1552 (9.6.1923)
Date
1923-06-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Grtk t ' i '!; «tan, ««matsy Mmatm» an Ismet Pascha. Lausanne, 8- Juni. (Tel. der „Wiener Movgenzertung") Wie autz sicher?: Oaelle mügeteKt ttwd. sind die Alliier^ en' ernschlcssen, der B e r, ch. t p p x « rf bc: DiÄussion ein Ende zu machen u«d nächsten i.n Ultjmatum on Jsme! Pascha zu richten. Mederaafmchme der MMSrkimtrolle durch die ßnteute. Paris. 8. Juni. (Tel. der .Mmer Morgenzettung'.) P a i n c a r e lich h:u:r Marxens dem Leutchen Geschäftsträger , ö ck eine Note der Botschaftevkonferenz übvweichen, worin die deutsche RegieMntz von dem einstimmigen Beschluß d:r Alliierten unterrichtet wird, -die Mi l.eä-rkoni rolle m Dmtschland wieder aus-unehmem. Aafhörea der »Welle« Brotversorguus in Deutschland. Berlin, 8. Jmri. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages nahm heute einen Antrag an, wonach die offizielle Brotversorgung mit dam Io. September 1923 beendigt wird. Der oberfchlefische Beegarbekterftreik. Beuthen, 8. Juni.'(Wolfs.) Der Streik in den oberschlesischen Bergwerksbetrieben dauert unvermindert an. Die Läge ist äußerst er.nst. Die Belegschaftsversammlung der staatlichen Hütte, der Hultschrnski-Werke, faßte gestern nachmittags den Beschluß, am kommenden Samstag die Auszahlung einer einmaligen Teuerungsbeihilfe von 300.000 Mark pro Kopf zu verlangen - und im Falle der Ablehnung der.Forderung in den Streik zu treten. Die Belegschaft der Grude Sosnice legte gestern nachmittags die. Arbeit nieder, wodurch die Zahl der im Ausstand befindlichen Großbetriebe sich auf 13 erhöht. Unter den Ereilenden macht sich allenthalben eine Sttmmung gegen den Streik bemerkbar. In großer Zahl sind Arbeiter bereits an die Gewerkschaften herangetreten mit der Bitte um Schutz, da der Terror sehr stark ausgeübt wird. Ae Ursache» des Markfturzes. Berlin, 8. Juni. Der Untersuchungsausschuß des Reichskages über die Ursachen des Marksturzes setzte heute seine offiziellen Beratungen fort. Es handelt, sich um eine Reihe von Einzelfragen, so rmter anderem über die Kontrolle der Devisenablieferung. Auf eine Frage, in welcher Weise der Devisenbedarf des Reiches gedeckt wird, erwiderte Reichsbankpräsident Hav'enstein, daß der Devisenbeirat die Exportdevisen auf verschiedene Bedürfnisse verteile. In Frage käme vor allem die Getreide- und Kohleneiinfuhr und die Begleichung der Logischen Schatzwechfel; weiter teilte Havenstein mit,, daß die Reichsbahn, die sich früher die Devisen seWst beschafft habe, sie mm über den'Debisenbeircrt beziehe. Biviani - stumm. Paris, 8. Jmri. (Havas.) Ms Biviani heute vor dem Gerichtshof plaidierte, verlor er Plötzlich die Sprache. Er wurde nach seiner Wohnung gebeitet. Aue Schlacht zwischen arabischen Ststmme» in Syrien. Jerusalem, 6. Juni. (I. C. B.) Nach auS Syrien eingetroffenen Meldungen wird in den letzten Tagen in den Provinzen Aleppo und Ho ms zwischen verschiedenen arabischen Stämmen eine förmliche Schlacht ausgekämpft. Hunderte Dörfer sind verwüstet, an einem einzigen Tage sind auf beiden Seiten hundert Mann gefallen. Der französischen Behörde ist es bis jetzt nicht gelungen, der Wirrnisse Herr zu werden. Der,/Syrische vereinigte Rat" fordert die französische Regievung jri einer scharfen Resolution auf, die energischesten Mittel zu ergreifen. Tagesbericht. zioniften! Das Zionistische Landeskomitee wendet sich an sämtliche Gesinnungsgenossen mit der Aufforderung, Beiträge zum außerordentlichen Parteifonds zu leisten. Angesichts der zahlreichen Aufgaben, die unsere Organisation im Laufe der nächsten Monate zu erfüllen hat, sind wir gezwungen, die Gesinnungsgenossen zu außerordentlichen Beitragsleistungen aufzufordern, da die ordentliche Parteisteuer zur vollen Deckung unseres Budgets nicht ausreicht. Der Ausbau unserer Organisation, die Chaluzimfürsorge, wie auch die Echaltu-ng der, dem Landeskomitee unterstellten Institutionen (Cchaluzheim Kohlenbergerborf, Jugendamt usw.) erfordern bedeutende Summen, die auf dem Wege der ordentlichen Parteisteuer nicht gedeckt werden können. Wir glauben daher annehmen zu können, da.ß die Gesinnungsgenoffen die Wichtigkeit unserer Aufgabe anerkennen und größere Betrage zum Parteifonds leisten werden. Wir erwarten, daß unser Appell aus Zahlung größerer Beträge zum Parteifonds nicht wirkungslos bleiben wird. Ziönistischer Landesverband für Oesterreich, Wien, 2. Bez., Taborstraße 20 A. Zahlungen sind an das'Bureau des Zionistischen LaA deskomitees, 2. Bez., Taborstraße 20 A, oder an die Postsparkasse, Konto Nr. 113.447 Zionistischer Landesverband p; sWerreich, M xrchten. Wiener Morgenzeitung. 9. Juni 1323 Nr. 1653 Kn verwegener Raubaufall auf eine» Kaffenbeamteu. 38 Millionen geraubt. Im Hause Gchwederchlatz 8, an der Ecke des Laurenzerberges, wurde gest^n mittags ein Raubüberifall aus einen Kaffenbeamten der Dvnauregulieru'ngs-Kom'nvission, Paul Pölderl, verWt. Dieser, ein älterer Herr, war von seiner. Unternehmung beauftragt worden, in der Postsparkasse 38 Millionen Kronen zu beheben. Ms er auf dem Rückweg %tn Hausflur betrat, wurde er in dessen Hintergrund von emem unbekannten Individuum überfallen und durch, Schläge mit einem schweren Gegenstand auf den Kops betäubt. Er kam bald wieder zur Besinnung, doch hatte ihm inzwischen -der Räuber die Tasche mit dem GeD entrissen und war gefluchtet. Don anderer Seite erfahren wir: Eine von Wache« beamten unverzüglich in den benachbarten Gassen und öffentlichen Lokalen vorgeriommene Streifung verlies ergebnislos. Der Uebersallene konnte angelben, daß er auf dem Heimwege .auf der Stiege überfallen und durch Schläge mit einem wuchtigen Werkzeug niedergefchlagen worden sei. . Pölderl wurde ins Spital der Barmherzigen Brüder geschafft. Dort wurde er nachmittag mit Genehmigung der Mrzte einvernonmven. Er gab an, daß er den Auftrag erhalte» habe, mit vier Schecks 38 Millionen Kronen im Postsparkassenamt zu beheben. Dabei standen mm neben ihm zwei Damen und einige Herren. Das Geld steckte «r in die Tasche und ging über den Fleisch mar kt und Laurenzerb erg zurück auf den Schwedenplatz. Ms er im Haufe zwischen dem HaWstock und dem ersten Stock war, bekam er plötzlich von hinten mehrere Schläge über den Kopf und stürzte zu Boden. Noch im Sturze sah er emen Manu, der großer war als er, der nach der Mentasche griff, die er krampfhaft in der linken Hand hielt; danÄ verlor er für kurze Zeit das Bewußtsein. Weiter konnte Pölderl nichts angäben. Seine Verletzung ist, da der Knochen getroffen ist, schw er, und er mußte gleich im Spital operiert werden. Eine Comptoiristtn will von einem Balkon aus den Täter gesehen haben. Sie beschreibt den Verdächtigen ' als 26 bis 30 Jahre alt, mittelgroß, mit dunkelgrünem Anzug und dunklem, weichem Hut. Die Nachforschungen nach dom Täter werden mit. allem Eifer betrieben. —MW Ae BekSm-fang der Geschlechtskrankheiten. * Im Nationalvatsausschüß für soziale Verwaltung wurde gestern über die Bekämpfung der GöschilechtskraMeiteu debattiert. Ein Abgeordneter erklärte es als rotwenldig, daß der Staat, das Augenmerk auf die vorbeugenden Maßnahmen richte. Leider herrsche in den bürgerlichen Kreisen noch eine gewisse Prüderie, die den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten sehr erschwere. So werde §um Beispiel dem Professor Uhde verboten, in den Kirchen Wiens gegen die Geschlech tskvancheit er- und die Gefahren des Mkoholismus zu predigen. Ilhde sei ein guter Katholik und seine Predigten wsilden zweiMos viel Nrrtzen stiften und zur Aufklärung nicht wenig beitragen. Zwei Christlichsoziale wendeten sich gegen die Forderung von Predigten in den Kirchen gegen die Göschlechtskrantheiien. . . Der Vertreter der Regierur.g Sanitätsrat Dr. Müller vom Ministerium für' soziale Verwaltung machte die Mitteilung,'daß bei den Razzien in den Stundenhotels nach den Besttmimrngen des in Ausarbeitung stehenden. Gesetzentwurfes von nun an beide, Geschlechter gleichmäßig. bchandellt werden sollen und daß sich die M ä nlst e r elbenfo wie die Frauen einer ärztlichen Untersuch ung unterziehen müssen. Der Antrag, womit die Regievung ausgefordert wird, einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Gdschlecht skranlhe iten im Haufe einzubringen, wurde einstimmig angenommen und zpr R efe.rent i n. die Abg. Schirmer bestellt. Irr Kongreß der Agudas Fsroel. Anläßlich der Sitzung des geschäflsführenden Ausschusses der Agudas Jsroel fand Mittwoch abends im Hotel „Continental" eine von der Wiener Aguda einberufene Versammlung statt, welche die Teilnehmer über die Bedeutung des für den kommenden August einberufenen Agudisten-Kongresses, der „Kenessio Gedaule" aufklären sollte. Das Referat erstattete der Abgeordnete des polnischen Sejm Rabbiner Schapiro (Sanok), welcher die Entwicklungsgeschichte der Aguda zu schildern versuchte, und die Notwendigkeit auseinandersetzte, daß sich das thoratreue Judentum zusammenschließe, weil die Thora in'Gefahr sei. Als besondere Aufgaben der polnischen Aguda bezdichuete der Redner die Arbeit für Palästina, für orthodoxe Erziehung und die Abwchr der jüdisch-sozialistischen Entjudungspropaganda, der gegenüber die Orthodoxie ihrerseits an die Erziehung der jüdischen Massen zur Produktivität schreiten müßte. Das Referat, das sich im übrigen von jener, hetzerischen Aggressivität fernhielt, welche die Westlichen Agudisten in vielen Fällen charakterisiert, bewegte sich größtenteils in allgemeinen Wendungen, ohne viel Konkretes zu bieten und über das Programm der Kenessio aufzuklären. Rabbiner Schapiro bezeichnet die Behauptung, daß' die Aguda für Palästina nichts übrig habe, als eine Verleumdung. Der Gegenbeweis liege darin, daß die politischen Erfolge in bezug auf Palästina nur der Orthodoxie zu danken seien, welche den Zusammenhang des Judentums mit Palästina auftechterhalten habe; , über die Palästina-Leistungen der Aguda wußte er nichts zu berichten, erklärte vielmehr, daß bald die Zeit für die Aguda gekommen sein werde, um sich dieser Arbeit zuzuwenden, Nach Rabbiner Schapiros Rede stimmte Herr Rosenheim (Frankfurt) einen Hymnus auf die künftige Kenessio an, auf die er die Auferstehungsmisston des Propheten Jecheskel in Anwendung brächte; irgendwie Programmatisches erfuhr man auch von diesem Redner nicht. Die Mgarisch-iüdischen Assimilantenvechindern die Legalisierung der zionistischen Srganlsatio«. Kennern der zionistischem Geschichte ist es nicht unbekannt, daß die Zionisten Uivgarns, die seit mehr als. zwanzig Jahren ihre Tätigkeit entfalten, bis heute eine behörd.liche Bestätigung ihrer Organisation, nicht : „Wiener Morgenzeitimg"; erwirken konnten. Seit dom Jahre 1903, also seit vollen zwanzig Jahren, bemühen sich die ungarischen Zionisten, die Legalisierung ihrer Statuten'zu erlangen, aberDalle BemM-ungen sind an der Gegnerschaft der RepräsMtanzen des ungarischen Judentums gescheitert, welche ihre Stellung dazu benützten, Mn diesen Bestrebungen ein Bein zu stellen. In den Zeiten der liberalen Aerv kn Ungarn wußte die israelitische LanheskanAei, die Vertretung der „fortschrittlichon" ungarischen Juden, die Forderung der Zionisten stets zu hintertreiben imd die RcKievung berief sich auf deren Girtachten, um ihre Ablehnung zu begründen. Doch tourde das Msuchen nicht auSdrüMch zurückgewiesen, vielmehr durfte die Zionistische Organisation Ungarns aus Grund ihres Genchmiguugsgesuches provisorisch eine Bereinstätigkeit entfalten. Dieser Zustmid dauerte bis 1920. Denn zu Ende 1919 erschien eine Mini- ., sterialverorduung, welche allen Or-gan-isationeu jedwede Tätigkeit verbot, solange ihre Statuten nicht vom Jnnenmmisterium legalisiert wären. Die wetteren Versuche, diese Legalisiemug zu erlangen, hatten, kein günstigeres Ergebnis; denn noch im Jahre 1913 war vom Innenminister i u m ein Gutachten des Kultusministeriums eingefordert worden, welches seinerseits bei der Kanfler der. fortschrittlichen Irden ein Votum einholte, die trotz zahlreicher Urgenzen die Erlediguing salbotierte und den Akt durch Jahre, bei sich liegen ließ. Er st vor einem Jahre gelang es, diese Kanzler nach energischem Einschreiten zur Abgabe ihres Gutachtens zu bewegen, ivelches natürlich, negativ ausfiel. Der Verfasser des Aktes ist der alte Assimrlant Dr. Moritz Mezei, dessen antizioniftische Jnterventionstätigkett bei' der Regierung beretts ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern kann. Aber die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. In Ungarn gibt es ja auch eine orthodoxe jüdische LandeskanKei, und catch an diese wurde der Mt zur Begutachtung geleitet. Die Herren Orthodoxen aber erwiesen sich als gelehrige Schüler der Neologen und auch sie suchten die Beantwortung zu verschleppen. EMich gelang es vor ein Paar Wochen nach vielfachen Interventionen, die Kanzlei der magyarisch-jüdischen Orthodoxie zu einem Votum zu veranlassen. Aber auch dieses fiel gegen die angesuchte Legalisierung aus und damit bleibt jede zionistische Tätigkeit in Ungarn bis auf wetteres verboten. Um dieses Verhalten der beiden Kanzleien richtig zu beurteilen/ muß man sich bloß vor Augen hMen, daß von ihnen nienmnd ein Bekenntnis zum Zionismus -oder ein Eintreten für seine Tendenzen gefordert hat; ihre Aufgabe war es bloß, zu evkälren, ob vom Gesichtspunkt der staatlichen Ordnung gegen die Legalisiemug ein Einwand vorliege. Aber echten Assimilanten magyarischer Färbung erscheint kein Mittel zu schlecht, wenn es gilt, dem Zionismus eins am Zeug zu flicken, und in dieser löblichen Tätigkeit treffen sich die asstmilatorffchen Magharonen mit den Vertretern des »irennungsorchodoxen Obskurantismus. Sie sind einander tvürdig, die neolloge und die orthodoxe jüdische Landeskanzlei! Grsßer Kaffeneinbruch in der F««ere» StM. 400 Millionen Schabe«. Gestern nachts drangen Einbrecher in das im Hause Köd' nerhofgasse 5 befindliche Bureau der Universal-Baugesellschaft ein. Dje Diebe haben sich wahrscheinlich schon am Abend in eine im Keller des Hauses gelegenen Werkstatte eingeschlichen und sind von dort nach Durchbruch einer Mauer ins Stiegenhaus gelangt. Im Bureau der Gesellschaft erbrachen sie zwei Kassen, die dritte öffneten sie mit.dem OrigrnalschlüsselZder .in der einen Kasse eingeschlossen war. Die Beute, die den Dieben w die Hände fiel, besteht aus 180 Millionen Bargeld, aus zahlreichem Schmuck und Wertpapieren. Der Gesamtwert der Beute beträgt zirka 400 Millionen Kronen. Auf die Ermittlung der Täter ist eine BelohMng von drei Millionen und fünf Prozent des Wertes der gestohletwn Juwelen ansgesetzt. ' * r. ' ■ ■ X, :

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