Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1550 (7.6.1923)
- Date
- 1923-06-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«Ml 1 ' __ Wett, MWHWg Berschielmng der Saufannet Konferenz? Die türkischen ßsirponr AWfmme, 6. IM. (TA. der ,M. Morgen^ itung".) -D-L Bchwechmpgm unter den Eerten Delegat'wttSchoft wmÄm hruw DKLttooch fortgcfttzt. Zunächst begab sich der crmerAanffche Botschafter Crewe zu General Pelle, mn mtt chm über die Chester-Konzession Fu sprechen. Veuiselos suchte zunächst Sir Rnnckold, darm General Pelle und schließlich Jsmet Pascha Es verlautet beharrlich, daß Veniselos den englischen und französischen Dchegationschefs mrigeteilt habe, daß sich Griechenland genötigt sähe, mit . den Türkey einen Separatfrieden zu schließen. In türkischen Kreisen stcht man diesem Anbot ziemlich günstig gegenüber und ist geneigt, darauf emzugehen. Die Türken würden auf diese Weift die Möglichkeit erhalten, einen Teil ihrer Truppen zu demobilisieren. Außerdem rechnen sie mit der Möglichkeit, daß Griechenland ein'willigen werde, die Reparationsscherne zu b^cchlen.. - schWalrentscheidend. Seit heute nachmittags, ist viel von einer Verschiebung der Konferenz die Rede. Bis zur Stunde wartet man immer auf die Antwort Jsmet Paschas ans die Hm von den Alliierten vorgeletzten Plänen betreffend die Coupons. Diese Antwort wird über das Schicksal der Konferenz entscheiden. Die Türken wollen zunächst die Coupons in Pa Pier franken bezahlen und erst später, wenn sich die Türkei wirtschaftlich und finanziell erholt hat, in Goldfranken. Genf, 6. Juni. (Schweizerische Depeschenagentur.) -In der gestern abends «ibgchaltenen Unterrvdmtg zwischen Jsmet Pascha und dem amerckanischen Delegierten G-rew wurden gegenftitig die Vollmachten zur Eröffnung direkter Verhandlungen zwischen den Bereinigte« Staate« u«L der Türkei ansgetauscht. Die Verhandlungen werden in der nächsten Zeit beginnen und haben den Abschluß eines Handels üb erein ko m mens zum Ziele. kntentedemarche wegen der Abrüstnng. Budapest, 6. Juni. (Tel. der ,-Diener Movgenzeitmdg") In politischen Kreisen mißt man der Pariser Meldung, wonach eine Demarche des Bvtschafterrates wegen enevgi. scherer Durchführung der Abrüstung bevorstehe, keine besondere Bedeutung bei. Ministerpräsident Bethlen erschien heute beim Reichs- Verweser Horlhy und erstattete chm Meldung über die Demarche. welche schon mittags erfolgt fein ftll, doch in einer Form, welche als nicht gefährlich für Ungarn bezeichnet werden kann. Rene Beeidigung der Bahnbeamten. Budapest, 6. Juni. (Tel. der „Wiener Dlorgengntung".) Der Generaldirektor der Staatsbahnen richtete an alle Bahnämter «ine Zirkulardepesche mit dem Inhalte, daß sämtliche Angestellte der Staatsbahnen, von den Direktoren bis zu den Dienern, sofort einen neuen Diensteid zu leisten haben, in dem Sinne, wie es der jüngste Ministevrat beschloß. Der neue Eid beinhccktet den Verzicht auf Streiks und öffentliche Lohnbewegungen. Palästina. Ser Wische Landbesitz. Ans Jerusalem wird gemeldet: Der jüdische NationalfoM hat socken mit der Palestine Land Development Company Ltd. einen Kaufvertrag abgeschlossen, auf Grund dessen sich die Nationaffondsbesitzungen in Palästina erhehlrch vergrößern. Die Nruevwerbnng betrifft ungefähr 2 0.0 0 0 Du na m, welche Ländereien zu-m größten Teil rat Einek Israel liegen, wo im ganzen ungefähr 74.000 Dmram Boden dem Natwnälfonds gehören. (Die Güter des Nationalfonds in ,-Lmek" ttegzn alle, an brr Haifa—Damaskus-Eisenbahn. In ihrem jetzWN Umfange erstrecken sie sich von einem 9 Kilometer von Haifa entfernten Punkt am Mittelmeer bis Beisan im Jordan-Tale. Außer den zwei großen Gütern Nahalal (zirka 13.000 Dunam) und Nuris (über 24.000 Dullmn) hat der NcnioMffonds nun in Tel das 10.000 Dunam, in Merhavia 60M Dunam, ferner 2000 Dunam in Rtcka el Nafra erworben, die zusammen mit Baffouria ein drittes großes Gut bilden, welches zwischen den beiden anderen Territorien liegt. Zwischen diesem Gut wiederum und Nahalal sind in Djm-djar 4500 Dunam erworben worden.) Die erste« Borlesange« am mikrobiologische« Fnstitut. Auf GrMd der Z'awendungen der Mischen Aerzte in Amerika wirb in Jerusalem ein mikrobiologisches Institut eingerichtet. Nunmehr wurde frort mit den ersten Vorlesungen begonnen. Vorläufig liest Prof. Fodor aus Halle, von dessen Eintreffen in Palästina wir seinerzeit berichtet haben, einmal wöchentlich, und zwar vorerst in deutscher Sprache, über Biochemie. Mrs. Snowden Wer das Mische Rationalheim. Die bekannte englische SoziaMn Frau Snowden, 5ic soeben aus Palästina, wo sie die politischen und Aonomrschen Bckrngungen Äes Landes eingehend studiert hat, zu rückgelehrt ist, erklärte, daß sie diesen Studien zlvöls Stunden täglich gewidmet habe. Alles spreche zugunsten des jüdischen N^rtionalheims in Palästina. Dies hänge durchaus nicht davon ab, ob die britische Regierung ihren Versprechungen Nachkomme und oib die schwache arabische Opposition zum Schweigen kommen werde, sorcker» einzig und allein davon, ab die Juden allein die Durchführung des Planes hinreichend fördern werden. Das .Heim bedürfe noch mehr ihrer moralischen Unterstützung denn ihrer finanziellen. Ein technisches Amt der Handwerkerorganisaüon in Jaffa. Wie aus Jaffa berichtet wird, hat die Handwerkewrganiscvtion in Jaffa eine besondere Mteilung „Techmisches Amt für Banarbeiten" gebildet, das die verschiedenen Bauarbeiten übernimmt und unter die einzelnen Mtglirdrr verteilt. Vorläufig hat dieses Amt bereits mehrere Bauarbeiten von Privatpersonen übernommen; es werden jedoch jetzt auch Verhandlungen mit verschiedenen Institutionen wogen 'Uvberr.ahme von Bauarbeiten geführt. Bei günstiger Entwicklung in Jaffa iverden Zweigstellen auch in Jerusalem und Haifa errichtet werden. , , ♦ Völkerbund und Abrüstung. Genf, 6. Juni. (Schweizerische Depeschenagentur.) Die Bölkerbundkommisfion für die Herabsetzung der Rüstungen begann gestern nachmittags die Prüfling der Frage des Gorantiopakies. Lord Robert Cecil erstattete Äs Präsident der Sonderkommission, die im Februar mit der Prüfung seines Plattes betraut tvorden war, Bericht. Er erinnerte daran, daß die Kommission beauftragt worden sei, eine Herabsetzun>Z der Rüstungen vorzuberetten. Seiner Meinung «ach bilde der Abschluß eines allgemeinen Vertrages, der die moralische Abrüstung mit sich bringe, die Voraussetzung für eine Herabsetzung der Rüstungen. Immerhin müsse «r zugoben, daß es in gewissen Fällen nötig sein werde, besondere Verträge abzuft/ließen, tun dte An- Wendnng des allgemeinen Vertrages wirksam zu gestalten. Die Kommission beauftragte das Sekretariat 5>cS Völkerbundes gemäß dm Bestimmungen des ArtikÄs 8 des Völkerbundpakies, der vorsieht, daß die Mitglieder >deS Völkerbundes sich verpflichten,. umfassend und offen Aufschluß üiber den Stand ihrer Rüstungen, ihrer MMärprograimne und die Arbeitsweise derjenigen Industrien, die für Kriegszwecke verwendet werden könnten, zu geben, alljährlich die erhÄtenen Auskünfte zu veröffentlichen. Die Kommission stimmte schließlich den Schlußfolgerangen zweier Unberkmmnissionen über die statistische Untersuchung der Rüstungen und Wer die B e s ch r ä n k u n g der Ausgaben für Heer, Marine und Flugwesen auf die Summe vom Iah re 1-943 zu. Der Münchener Hochverrntsbrozeß. München, 6. Juni. Me Vecha-Mung im Hochverrats- Prozeß wurde huvte vormittags fortgesetzt. Es wurdm zunächst mehrere Telegvamrue zur Besprechung gebracht, die Fuchs seinerzeÄ unter Decknamen an Richert gesendet hat und in denen er in versteckter Form MittoÄungen machte über die geplante Mion und weitere Geldsumme« verlangte. In den Telegrammen wird vielfach das Wort Zement gebraucht. In einem Telegramm, das nach Wiesbaden gerichtet war, heißt es am Schluß: ,Dringe noch Säge« mit!" Fuchs sagte, das Wort Säge bozeichnete Mllionen. Er habe Viel Geld aus den Franzosen für nat tonale Zwecke herausziehorr wollen. Der Berteivjger des Fuchs, Rechtsanwalt Graf Pestalozza, bear.-tra^e, es möge die damalige politische Lage und die politischen Strömungen in der Verhandlung besprachen und Sachverständige aus den verschiedenen Parteilagern zugezogen tottföeit. Der Staatsanwalt bestritt, daß diese Zuziehung von' Sachverständigen nötig sei, weil es sich bei dar Anklage gegen Fuchs nur darum Ha-Me, festzustellerz daß Fuchs die Absicht gchalbt habe, Bochern vom Reiche zu trennen, eine Tatsache, die die Sachverständigen nicht beantworten köm.en. Das Gericht lehnte nach einer Beratung den Antrag der Verteidigung ab. Sodann erfolgte die Zeugenvernehmung. Major Mayr erzählte über seine Bekanntschaft mit dem Angeklagten. Er, Machaus und Fuchs Haber.' sich sehr für die Freikorpsfache interessiert. Der Zeuge habe gchört, daß Fuchs über ausgez-sichnets Informationen im In- und Ausland verfüge. Gr sei der Sache nun weiter nachgegangen und habe einem Herrn Friedman v, einem MnxMvd der vaterländischen Verbände, vorgsschlage«, sich mit ihm zusammenzutun, um die Atachina!tonen Mochaus-Fuchs' auszudecken. Ms Oberst Richert erwartet wurde, haben er und Friedmann die Wohnung des Machaus überwacht. Ms Richert kam, hielt man in einem Restaurant «ine Besprechung ab, m der das Ur.'ternchmeu Machaus-iFuchs erörtert wurde. Machaus soll damals dem Fuchs gesagt haben, Mahr sei ftkbst Bolschewik, und man Msse ihn gerade deshalb hevanziehen, tvm sich vor ihm zu sichern. Mayr sagte, e>r sei in ftincc außenpolitischen Gesinnung BolschowA, das heißt, er. sei für eine Zusammenarbeit mit Sowsetrnßlan^, aber nur zu dem Alveck, uni sich Sowljetivußländ nicht über den Kops wachsen zu lassen. Den Angeklagter.» Fuchs lernte Mayr am 2. Jänner d. I. kennen. Fuchs habe gelsagt, es handle sich nur um ein riin wirtschaftliches und nicht um ein swlWches Unternchmon. '' ..A»V* WitkuMi'f 7. Juni 1928 9tt W0 In einer MirerbiespveclMng am 8. Jänner drängte Wachaus, die Aktion zu beschleunigen, wobei unter Mion die Besetzung von Regieirungsgebäud-e-n, die Besetzung der Mainkinie u>jw. gvmvmt gewüse« fti. Do« einem geplanten Rogenischaftsrat habe er später sprechen gehört. Der Zeuge Hobe damals eine Ausstellung gsmacht, die er dem Machaus gab. Dieser habe sie dann dom Richert gegeben. Die Aufstellung er.chiÄt die militärischen Mittel, die Frankreich zur Dm-chführung der Mio« liefern sollte. Er bezeichnet diese Ausstellung als utopisch. Der Zeuge tvilt da>M einiiges über die Befpuechungon über die Tfchecho- Slowakei mit. Er hätte mit Murck nach Prag reffen und dort dem Ministerpräsidenten Benasch und Mtgffedern •kt tschecho-flotvaNschen Regierung vorgestellt werden solle«. Es fti die Rede von einem Korridor gewesen, der nach Polen hi-itüber geschafft« werden sollte. Munk habe ihm auch 500 tschechische Kronen zur Reffe nach Pvag gegeben. sei aber nicht nach Prag gefahren. AMemMfche Propaganda im Srient. Aus Beirut melden die Londoner Matter, daß ein Armenier zehn Pakete antifemitifcher Literatur in französischer Sprache nach Syrien einftrhren wollte. Auf Vorstellung des Obervahibrners Dr. Tagger wurde jedoch die ganze Sendung von der Regierung beschlagnahmt. Blutiger Liratzenkampf in LeWg. Leipzig, 6. Juni. GVM.) Für heute nachmittags hatte das Gew'erkschaftsÄartiell Leipzig gemeinsam mit der Sozialdemokratischm Partei eine Mchftnkundgebung auf dem Au-gustusMatz einberufen. Bereits um 4 Uhr hatten sich am Eingang der Grinrawschsn Straße zum Augustus-Watz u-ndiszipilinierte Elemente angesamünelt, die die dort stationierten Polrzeibeamten prügelte« und den Versuch machtet!, sie zu entwaffnen. Hierbei erlitten einzelne Beamte Verletzungen. Obwohl Verstärkungen herongezogen worden waren, wurdet: die Beamtendennoch zu rück gedrängt. Au dieser Zeit langte der Demotfftvationslzug auf dem Augustms-Pilatz in voller Ordnung ein und die Demonstration ftWst nahm einen nchitzen Verlauf. Wilde Redner benützten eine Ruhepause, um die Massen auifzuhetzen. Die Monge trahm tatsächlich eine immer bedrohlichere Haltung an und verlangte, daß die Polizei ab ziehen sollte. Da die Gefahr bestand, daß die Polizei angeschnitten tm$> gestürmt würde, wurden weitere Verstärkungen herangezogen, die die Menge zurückdrängten und den Angustms-Platz räumten. Aus den Reche« der Demonstranten fielen hierbei einige Schüsse. Hinauf wurde auch von der Polizei geschossen, zunächst blind, dann aber auch scharf. Nach den bisher voÄiegenden Berichte« sind sechs Tote und 23 Verwundete gn bÄkygm. Plünderungen wurden durch Polizei Md OrtmvwgSdbeNst verhindert. Der GewerrschaftKord««ngsdion'st vermochte sich nicht zu halten und zog sich zurück. Einzelne Ordner wurden von der Menge mißhandelt. Die Stirmmmg in der inn-even Stadt ist wach wie vor erregt. Im weiteren Verlaus der polizeMchen Akt-ionwurde auch eine berittene Abteilütttz eingesetzt. Das Vorgehen der Polizei ist von drn Leitern des Geweiffchfftsverdcmdes dem Polizeipräsidenten gegsnübev als im jeder BeKÄhnng kovrM bezeichnet worden. Ar SamÄots dn rvi. Haie SwischwM«. Paris, 6. Juni. (Tel. der ,Miener Morgenzeitung".» Der Direktor des „Eclair", Abbe Trochu, ließ zwei Camelots du roi verhafte n, die ihn unMässig verfolgten. Es wurde feslgestelllt, daß sie beauftragt waren, Trochu, der ein Anhänger des jüngst übersallmen Mare Sangnier ist, zu überwachen. Im Justizpalast, wo sich der Direktor der „Action Francaise", Mourras, tmd der Leiter der Organisation der Camelots, Real del Garte, in Begleitung einer Leibwache von Camelots du roi eingefunden hatten, beschimpften diese den dort in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt anwesenden früheren Staatsanwalt Bi ölet, der ebenfalls erst vor kurzem von ihnen überfallen worden war. Violets Freunde wollten ihn in Sicherheit bringen. Akaiserin Mn in PiMvre. Mailand, 4. Juni. Nach Meldungen aus Rom soll Ex^ kaiserin Zita die Absicht haben, sich in Jtalier.» niederzulassen. Die Brüder der Kaiserin, Feilix und Franz Bourbon-Parma iverden bei der italienischen Regierung die Erlaubnis hierzu erbitten. Zita will sich in der Billa in Pianore in der Provinz Toskana niederlassen. Die Billa gchört dem Hause Bonrbmt-Parnta. Der Frai okkupiert Revsndnr. London, 5. Juni. (Habas.) Die Truppen des Irak habex das Gebiet von Revanduz, das als zu.Mesopotamien ge. hörig betrachtet wird, besetzt. (Revanduz liegt im Petroleumdistrikt von Mossul.) Aus Iller Welt. Tokio, 6. Juni. Das Kabinett hat beschlossen, I v f s t die Bedingungen für die B o r v e r h a n d l u n g e n mit bcuj Vertreter der Sowjetregierung zu überreichen. Saragossa, 6. Juni. Es bestätigt sich, daß Kardinal- Erzbischof S o l d e v i l a vor seiner Ermordung weitere ano. nyme Briefe erhalten hat, worin er mit dem Tode bedrohs wurde. Der Mörder des Kardinals wurde in U t e b« (Provinz S a r a'g o s s a) verhaftet. R r w - A o r k, 6. Juni. (Tel.-Komp.) Blätiernteldung« zufolge, wurden irr den m e x i k a n i s ch e tt Bergwerksdistttls von San I u a n B a p t i st a irn Staate Navarit neu« Gold-und Silberminen erschlossen, deren Eraiebigkeii diejenige der bisüer abgebairten Mirren weit übertrifft.