Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1549 (6.6.1923)
- Date
- 1923-06-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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GNe I i Men, Mttwo'ch schwer festzustellen, was eigenilich die Entstehung dieser Legende verursacht habe. Es sei möglich. daß Pilfudskis VergauHsnhe.it unld der bekannte Wilnaer Aufruf, der dann von der Schminajovität zunichte gemacht wurde, wie auch sein Kanipf «mit den Nationaldemokraten die Entstehung dieser Legende ermöglicht lDb-en. Trotzdem aber habe PilMski nicht eine einzige Hoffnung der nationalen Minderheiten erfüllt, und die Juden haben mehr als einmal an PilsudÄti eine Enttäuschung erleben müssen. Die Juden konnten nie begreifen, wie es möglich geworden sei, daß unter den Soldaten, die unter seinem Einfluß standen, .in den ersten Jahren der Entstehung Polens der Antisemitismus in so brutaler Form wüten konnte. Ebensowenig konr.-ten sie es verstehen, warum das Kriegsministerimn, das unter der Führung seines Kampfgenossen gestanden ist, fortivahrentd eine antisemitische Politik geführt habe, aber gegenwärtig sei es nicht am Platze, darüber zu sprechen. — Gvüubaum wolle keineAvcgs die um die Persönlichkeit Pilsudskis entstandene Legende zerstören. Der Fovtbestar.d dieser Legende sei notwendig, damit der Nachwelt überliefert werde, daß in Pollen ein Mann gewirkt habe, der ein Großpollen für sämtliche darin wohnhaften Böller ausibauen wollte, jedoch von seinen Zeitgenossen mißverstanden worden sei. Das polnische Konsulat in Jerusalem. Das im Monat Mai eröffne:? polnische Konsulat in Jerusalem hat bereits seine Täti^eit eröffnet. Der Konsul Adamkowicz erklärte ir« einer Unterredung mit dem I. C. B.- Vertreter. er wolle in Sachen der Entwicklung von Handelsbeziehungen Wischen Polen und Palästina mit der Jowish Agency Zusammenarbeiten. (I. C. B.) Der unverureidliche Rostig. Im ,/Lodzer TaAIatt" teilt Abg. Rosenblatt mit. daß Dr. Alfred Nosjig. der. wie bekanr-t. im Jahre IM in Warschau an einer Polnisch-Mischen Verständigung gearbeitet hat, jetzt wieder nach Warschau kommen will, um die Vermittlur.gsrolle Mischen der Regierung und den Juden §u übernehmen. Mg. Rosenblakt warnt die Judenschast Polens vor den Machenschaften des Dr. Rostig, zumal die Judenschast. gegenwärtig eine gesetzliche und autoritative Vertretung im Jüdischen Klub habe. Nur diese sei berechtigt, in jüdischen Angelegenheiten mit der Regierung oder anderen maßgebenden Organen zu verhandeln. Es sei daher für Herrn Tr. Nossig und seine Genoffen ratsam, sich um eine so «rüste politische Frage nicht zu kümmern. Ungarn. Bethten gibt sei« Fiasko zu. Budapest, 7. Juni. (U. T.-K.-B.) Ministerpräsident L eih len gab in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung Erklärungen über das Erge'bms seiner AuslalÄsreise. Er betonte, die Regierung sei in der Anleiheftage von allem Anfänge an für die Ausschaltung aller politischen Momente eingetreten. Das Ansuchen um die Aushebung der Generalpfandrechte mußte gestellt werden, weil ohne ausländische Anleihe der verzweifelten wirtschaftlichen Lage des Landes nicht abgeholfen werden kömte. Die Frage muhte auch aus dem Grunde angeschnitten werden, weil zu befürchteu stand, daß die Reparationskommiffion in der Frage der Wiedergutmachung ohne Anhörung der ungarischen Regierung entscheiden werde. Ungarn habe seit drei Jahren alle Anstrengungen unternommen, um aus eigener Kraft die finanzielle Krise zu überwinden, doch hätten alle Maßnahmen den Sturz der ungarischen Krone nicht aufhalten können. Ohne ausländisches Kapital sei ei*$ Förderung der Produktion nicht zu denken. Die Entscheidung der Reparationskommission verschließe sich zwar der Erfüllung der ungarischen Wünsche grundsätzlich nicht, stelle jedoch Bedingungen, die es unmöglich erscheinen lassen, ihre Nachgiebigkeit nutzbar zu machen. Sollte dieser Beschluß, so eMärte der Ministerpräsident, aus politischen Gründen gefaßt worden sein, so ist dies nicht nur aus Kosten Ungarns geschehen, sondern auch auf Kosten der wirtschaftlichen Lage der Nachbarstaaten, die ein größeres Interesse an der wirtschaftlichen Wiedererstarkung Ungarns als an der Zahlung von Reparationen haben. Die Ruhe Europas hängt von der - Ruhe Mtteleuropas ab. Der Ministerpräsident sprach sodann England und Italien den Dank für ihre Bemühungen aus, mw gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch Frankreich einem neuen, entsprechenderen Beschluß, der die unbeschränkte .Aufhebung der Pfandrechte und die Verweisung der Frage an den Völkerbund Vorsicht, die Wege ebnen werde. Redner halte es für billig und notwendig, daß auch die Nachbarn Ungarns um die Zustimmug der finanziellen Mederaufrichtung Ungarns angegangen werden; es steht jedoch zu befürchten, daß die zur Verfügung stehenden Mittel der Ueberzeugung sich vielleicht noch als ungenügend erweisen werden. '» Unserer nationalen S ouveränitat, erklärte Bethlen, lassen wir jedoch nicht Abbruch tun und zur Einmengung in unsere inneren Angelegenheiten werdeu wir niemals Gelegenheit geben. Die Regierung gedenkt, die begonnene Aktimr nach zwei Richtungen fortzusetzen. Einmal will sie den nicht entsprechenden Beschluß der Med^rgutmachungskonnnifsion zu einem entsprechenden umändern lassen, andrerseits aber will sie auf die kritische Lage verweisen, die die Regierung zu.unverzüglichen Schritten veranlaßt. Vom ftnanziellen Gesichtspunkte aus, stehen.die drei schwersten Monate bevor. Es werden verschiedene Auslandsschnlden fällig. Die'Devisenzentrale'habe Rückstände, die bloß, was die staatlichen Lieferungen anlaugt, 14 Millionen Schweizer Franken äntzmachen. - - _Mörien Morgenzeitürrs.__ 6. Juni 1923 Nr. 1549 Die Ampfgemeinschaft der Wenkeuzler. Unter Führung Ludendorffs und Hitler». München, 8. Juni. (Tel.) In den letzten Tagen hat in Innsbruck eine Versammlung der Vorstände der völisch-antisemitischcn Verbände. stgttgefUlNden, in der geheime Jnstruttionen^ausgegeben wurden. ' Die „Münchener Post", berichtet über diese Versammlung: In Bayern halben sich die Organisationen Bund Oberlands Bund Blücher, Bund Stahlhelm, Bund Reichslagge, Wikkingerbund, Organisation Niederbayern und die Nationalsozialisten zu einer Kampfgemeinschaft nationaler, VeMnde zusammeugeschlossen. Die Führer dieser Kampfgemeinschaft sind Ludendorff und Hitler. Ludendorff tritt aber aus politischen Gründenweniger in die Oesfentlichkeit. Die militärischen Aktionen leitet Generalleutnant v. Tutschek. Bei der Oberleitung befindet sich auch ein Bureau, in dem die Stammrollen aller wehrfähigen Männer angelegt werden. Die Daten hierzu werden von diversen Staatsangehörigen geliefert. Die nationalen Eiden Verbände wollen in Deutschänd 5 0 Regimenter zu je 10.000 Mann aufstellen, von denen 18 in Preußen, 4 in Bayern, 7 in Sachsen und Oberschlesien, je 5 in Baden und Württemberg, 3 in Pommern, 3 in Thüringen, 6 in den Nordseeprovinzen sich bilden sollen. Waffen, Äusrüstungsgegenstände stehest g enügend zur Berfiigung. Auch einige Batterien Feldgechütze sind vorhanden. Zwischen den ehemaligen Einwohnerwehren und' der Kampfgemeinschaft bestehen schwere Gegerrsätze. Escher i ch und Hitler stehen einander gegenüber wie Hund und Katze. Das Teusche Reich ist offiziell nicht zu haben für die Sache, doch steht man immerhin durch Mitglieder der D e u tfch na tionaIen Partei in ständiger Fühlungnahme. In ganz.Deutschland sind schon gegen 200.000 Mann vorbereitet. Oberleutnant H ö rl ist der ständige Kurier zwischen München und Innsbruck. Dce erste Aufgabe der völkischen Organisationen ist die Beseitigung der Juden, Sozialdemokraten und anderer Richtungen, die Bedenken laut werden lassen gegen die Umtriebe der Hakenkreuzler. Die Nationalisten. Me schon berichtet, fand letzhin in München eine Beratung der Vertreter der nationalsozialistischen Parteien Bayerns, der Tschecho-Slowakei und Oesterreichs statt, an der unter anderem Hitler, Knirsch, Fahrner und Dr. Walter Riehl teilnahmen. In. dieser Beratung kamen auch die im Herbste in Oesterreich stattfindenden Neuwahlen in den Nationalrat zur Sprache und es wurde beschlossen, der Nationalsozialistischen - Partei Oesterreichs vollkommen freie .Hand zu lassen. Gegenüber den nunmehr auch offiziell anerkannten kommunistischen.Hundertschaften in Thüringen und Sachsen wurden geeignete Maßnahmen" beschlossen. Im Solde Poincares. Mönchen, 8. Juni. (Tel. der „Wr. Movgenzeitmrg".) In dem heute fortgesetzten Münchener Hochvervatsprozeß spielt eine außerordentlich bedeutsame Rolle der französische Oberst Augustin Taver Richert,, der sich durch rechtzeitige Flucht der Verhaftung entziehen konnte. Seine Bekanntschaft mit Fuchs bestand schon seit Herbst 1920; Im Sommer 1922 führte FuD Richert Mach aus zu. Richert ist französischer Generalstabsoffizier, Saarkohlenkommifsar, hat Verbindungen zün den besten französischen Regierungsstellen, besonders zum Qüai d'Orsay. Machaus führte die Verhandlungen mit Richert, Richert kam 'entweder selbst nach Bahew oder Machaus suchte ihn unter verschiedenen Decknamen im besetzten Gebiet auf. Die erste Besprechung fand in Reichenhall statt. Sie hatte die finanzielle und militärische Vorbereitung Ueber die Rede des Mnisterprastdenten entspann sich keine Debatte; diese wird erst im Laufe der parlamentarischen Beratung über die Jndlevrnitätsvorlage Üatffinden. Doch muß. man . aus ber entschlossenen Stellungnahme Bethlens gegen' eine „Einmischung in die inneren Angelegenheiten" darauf schließen, daß sämtliche politischen Parteien gegen die Einsetzung eiwchr Kontrolle, wie sie die Reparationskommiffion Vorsicht, und gegen jene imperative Durchführung innerpolitischer Maßnahmen sind, wie diese von der Reparationskommiffion ebenfalls als Vorbedingung für die Suspendierung der Generalpfandvechte aufgestellt wurden. AlMm. Ae achte Vollversammlung des Wische« Ratioualrats. Am 23. inft St. Wa» fand nt Jerusalem die 8. Sitzung des Waad Leumi statt. Ussischkin referierte über die Lage und erklärte unter anderem, daß die letzthin verbreiteten Gerüchte Über die beborstchender« Aenderungen im Politischen Status von Palästina jeder offiziellen Grundlage entbehren. Auch der neue ZivWsekretär, Sir Elayton, habe wiederholt erklärt, daß er die Politik im Sinne des Weißbuchs- und in Uebevkinstimmnng mit dem High «. Commission er zu führen . geLenke. Kalvaryski erstattete den Gericht des Departements für arabische Angelegenheiten und wies darauf hin. daß die aeaerMärtiae B erlländiauna des geplanten Putsches, politische. Besprechungen un8 wirtschaftliche Zusagen Richerts namens der französischen Negierung für die Zeit während und nach der heakbsich-i tigten Aktion zum Inhalt. Die Geldmittel, die Richert von^ Oktober 1922 bis Ende 1923 Fuchs und Machans aus französischen Staatskassen zufließen ließ, sind sehr beträchtlich. Die Mittel sollten zur Aufrichtung und zum Transport militärischer Verbände dienen, außer Geld sicherte Richert AusrüDllngsgegen stände und Waffen zu. In wirtschaftlicher Hinsicht versprach Richert die Lieferung von Baumwolle, Kohle und Kali, so daß Machans bereits Ende. Dezember mit den »virtschaftlichen Vorbereitungen fertig zu sein glaubte. Breiten Raum "'nahmen im -heutigen Verhör die Erörterungen darüber ein, ob Richert namens Frankreichs die Annexion des linken Rheinufers verlangt habe. Es ist immer festzuhalten, daß dieser Machaus, der sich vorgestern entleibt hat, Redakteur des Hittevschen Blattes war. In seinem Verhör verwickelte sich Professor Fuchs in Widersprüche. Es ergibt sich aber, daß der geplante R eg e u t s ch a f t s r a t bei Gelingen des Putsches aus Fuchs, Kühles, Machans, Munk und einem Doktor B e r u h über bestehen sollte. Der bekannte Vauernfthrer Dr. Hei nr. sollte in R e g e n s b u r g verhaftet werden. Fuchs bestreitet, daß diese Dinge hochverräterischen-Charakter trugen. Machaus ivar auch nach Innsbruck gefahren, um den faszistischen italienischen Abgeordneten Cetaldi telegraphisch 'zu Besprechungen einzuladeu. Mit Cetaldi sollte Munk verhadelu und dann mit Mayer nach Prag fahren. Mayer fuhr aber nach Berlin, wo er an Fuchs berichtete, der Bolschewisulus würde sich um etwaige Putschvorgänge in Bayern nicht kümmern. Als Fllchs erklärte, er wolle von einem monarchistischen Bayern nichts wissen, hält rhin der Vorsitzende einige Proklamationen vor, in denen vom Königreich Bayern die Rede ist und eMärt wird, bei der allgemeinen Verwirruivg sei' es dem König im Augenblick unmöglich gemacht, den Staat zu regieren. Deshalb' werde der Regentschaftsrat eingesetzt. Mehrere vorbereitende Verordnungen erinnern an solche der Münchener Räterepublik und sehen für viele Fälle, politische Betätigung ufw., Todesstrafen vor. Diese strengen Maßnahmen können nach Angabe Fuchs' alleMngs rmr für den Fall gelten; daß das Reich in Trümmer ginge. Die antisemitische Hochschülerbewegung m Polen. Der ' letzthin stattgefavndene . Kongreß der polnisch-akademische« Korporationen hat einen Beschluß gefaßt, auf Grund dessen kürftig Leuten nrosai-. scher Konfession als Beikennern der tal^ludischen Moral keine^ Satisfaktion im Sinne des Ehrenkodex gewährt weiden soll. Dieser Beschluß findet auf Mische Offiziere der polnischen Armee wie auch auf Ordensritter" keine Anweydüng. Gleich;eitN wurde die Parole des ökonomischen Boykotts der Juden äusgcgeiben. Einige 'Tage später faßte die Gener alversa mmlung des U n t e r st ü tz n n g s v e r e i n s technischer Hochschüler den Beschluß auf Aenderung des Verein-sstätuts fo. daß alle Studenten, mit Ausnahme der dem Mischen Glauben angchörendem, dem Verein als ordentliche Mitglieder angchären können. Der Referent begründete den Antrag mit der Bcihanptung. daß die Juden als F r-e mdbo’ltt, dessin Interessen denen des polnischen Volkes zuwiderlaufer-, auf das entschiedenste bekämpft werden müssen. Der Antrag ivurde mit einer Majorität von 33 Stimmen. angenommen. woraus der Deremsansschuß, der sich mit diesem Gewaltstreich nicht solidarisch erklären wollte, einstimmig seine Mandate zurücklegte. zwisck-en Juden und Araberin Fortschritte^, mache. Colorel Kisch reiserierte über die politische Lage und stellte die Gerüchte Mer die bevorstehende klmterstellung^ Palästinasunter die Herrschaft Emir Abdallahs energisch in Abrede. Die britische Regierung sei bestrebt, die nationalen Forderungen der Araber zu befriedigen, ohne jedoch unsere Bestrebungen in Palästina zu beeinträchtigerc, aber die garcze-Situation zwinge uns zur Er'kennwis der Notwendigkeit einer Ar.-näherung an unsere Nachbarn. Colonel Kisch verbreitete sich sodann über die Wege unserer Verständigungspolitik und die Möglichkeit der genceinsamen Tätigkeit der beiden Völker. Äußer der politischen Annäherung nmsse auch in sozialer und wirtschaftlicher Baziehung eine Annäherung angestrebt werden. 200.000 Mat>Sammlttttg der Branders Gruppe für PMstina. New-Aork, 3. Juni. (I. C. B.) In einer von 200 Mitgliedern besuchten Versammlung der Brandeis-Gruppe regte Richter Br and eis eine energische Mion für Palästina - an. Felix Frankfurter sagte, die Zionistische Organisation führe nunmehr eine Politik, tvelche derjenigen, der durch die seinerzeitige Konferenz in Cleveland abgesetzten führenden -amerikanischen Gruppe gleich sei. Eine Summe von,200.000 Dollar wurde für die weitere Palästina-Arbeit gesammelt. Die Konferenz.übernahm die Verpstichtung, bis Ende des JahrdS e ln e Million D -.l l a t zu sammeln. rr; -:,h .\v ii ml n y wihi—i»i 111 imun —nir—t