Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1549 (6.6.1923)
- Date
- 1923-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1549 Wien, Mittwoch __ LesterreW. Me MlkerbundauMe. Wie die Korrespondenz Herwei von iufovmierter Seite «fährt, ist' damit zu rechnen, daß die verschiedenen.Tranchen der B ölkerb n n-d an leihe in den beteiligten Staaten bis Mitte dieses Monates zur Zeichnung aufgelegt sein «werden. Die iZeichnungsfrist wird in fast allen Staaten acht Tage währen. Nur England und Frankreich bilden eine Ausnahme. In England wird nämlich die Anleihe nur drei Tage laufen Md in Frankreich dünste wogen der eigenartigen «wirtschaftlichen Verhältnisse die Laufzeit eine längere sein. Es steht aber außer Zweifel, daß die Anleihe gegen Enlde dieses Monates vollständM untevgchracht sein wird. . In einer in der Bank von England gestern dbgehaltenen Besprechung sind die letzten Einzelheiten für die Begebung der österreichischen Anleihe festgesetzt «woNden. Die Kundmachnug bezüglich des genauen Betrages, der auf den britischen und den kor-tinentaiien Märkten zur Ausgabe* gelangen Wird, Wird im Verlaufe der WoHe erscheinen. -er zweite Berater eingetroffen. Der BerttKr der Oesterveichrschen Nattonalbank Schnhder v. Wartensee ist gestern in Wien eingetroffen. Im Laufe des Tages machte er dom Bundeskanzler, dom FincmMrnister irnd dem Präsidenten der Nationalbank Besuche. Heute vormittags wird er vom Bundespräsidenten Dr. Ha i n r sch empfangen werden. -ke öffentliche» Angestellten und die Abschaffung des Fndex. Bor dem Rathaulse und in der Bottshalle versammelten sich gestern abends um 6 Uhr die öffentlichen Angestellten, um für ihre. Gehaltsforderungen zu demonstrieren. Diese Versammlung bildet den Anstalt zu den heute beginnenden' Verhandlungen der Bundesangestellten mit Dr. Seipel. Me Regierung schlägt den Angestellten eine prozentuelle Steigerung des Krundgehaltes vor, deren Höchstausmaß 20 Prozent betragen soll. Dazu sollen noch individuelle Zuschläge kommen. Auf Schwierigkeiten stößt die Frage der Familienerhalterzulage. Wie es heißt, beabsichtigt die Regierung anläßlich der wsten Etappe der Bosoldungsreform einen Gesetzentwurf bÄreffend Aufhebung des Indexgesetz cs einmbringen. DK erste Debatte der Besoldungsreform soll sagende ZubesseMngen bringen:' 1. Erhöhungen der Familienzulagen. 2. Erhöhung rn> den .einzelnen Befol- Wwgsstufe«. ' Gegen die Abschaffung des Index macht sich unter Kn Angestellten starker Widerstand bemerkbar. Gegen. Kese Maßnahmen wenden sich die Angestellten aller Partei- Ichattierungen, Der Index sei das letzte Mittel, um die Kngestellten vor dem wirtschaftlichen Zusammenbrirch zu Kwahren, und in einer Zeit, da zwar die Krone stabilisiert sei, die Teuerung aber fortschreite, müsse der Index «Hecht bleibe«. ' Die VersaMrnlurch vor dem Rathause lvar autzervrdenNch zahlreich beucht. Nach Betriebsschluß gegen 8 Uhr begann der Anmarsch in geschlossenen Zügen. Auch dk städtischen .Angestellten nahmen an der Denionstra- Kott teil. Nachdem mehrere Redner zu den Jagesfragen Stellung genommen hatten, wurde folgende Resolution ein stimmig beschlossen und der Regierung überreicht: ' Me Versammlung hält die am 19. April gestellten Forderungen vollinhaltlich aufrecht. Sie spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen die Aufhebung des I n-> dexgefetzes aus, weil die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Aufrechterhaltung desselben gebieterisch verlangen. Sie ermächtigt die Leitung der Organisationen., in Verhandlungen über die Abänderung des heute geltenden, viele Härten und Ungerechtigkeiten enthaltenden Besoldungssystems einzutreten, fordert aber bei beni Umstand, als solche Verhandlungen ohne Zweifel längere Zeit in Anspruch nehmen werden, die s o f o r t i g e V c w i l l i g u n g 'der geforderten Lohnerhöhung ab 1. Iuui 1920. Die Versammlung ermächtigt die Leitungen der Organisationen zur Durchsetzung dieser Forderung zu allen ihnen geeignet erscheinenden g ewe rkscho ft! i ch cn Mi tteln, und fordert sie auf, bis längstens 15. Jdlni über das Ergebnis der Verhandlungen Ber'cht zu erstatten. Nach der Versammlung, die über eine Stunde -dauerte, wurde ein Demonstrationszug .über die Ringstraße veranstaltet, der ebenso wie die Versammtung in vollständiger Ruhe und Ordnung verlief. Ummerman bÄ llnrzs«. London, 4. Juni. (Reuter.) Minister des Aeußern C u rz o n hat heute.den Generalkommifsär Dr. Z i m an-e r in -a n im Außenamt empfangen. ^_Wienev Morgenzettimg._ Das neueröffnete Tuchhaus Br. Haber VII. UN DEN GASSE 20 BIETET ZU EIN FÜHR UN GS'PRE ISEN BESONDERE KAUFGELEGENHEIT FÜR SCHNEIDER. HÄNDLER UND MARKTFAHRER ' ZU SEHR GÜNSTIGEN KONDITIONEN! »57 selben darauf zu verweise«, daß der Abschluß des Handels- . Vertrages ein wichtiges Ereignis für das nationale Wirtschaftsleben darftelle. Wegen des Msaufes dev Zollvorschriften, des Friedensvertrages feien Vorkehrungen dringend rwtwendig, um eine schwere Schädigung des italkuischen Exports zu vermeiden, der auf lwm österreichischen Markte sein hauptsächlichstes unid natürlichstes Absatzgebiet finde. Weiters nahm der Mvniftervat die Bestirmnungen über die Einlösung der seitens Italkns äbgestsmpelkn, je" doch int ausländischen Besitz befindlichen Titres der österreichischen Borkriogsfchulden sowie dk Bestimmungen betreffend Are Uebernahme der itcttknffchen Quote der österreichischen Staatsschulden an. Passive RMenz Gram Metallarbeiter. Auf das Gerücht, daß die Verhandlungen zwischen den Vertretew der Metallindustrie urtd dem M etallarbeiterverbande in Wien zu keiner Einigung geführt hätten, traten dk Arbeiter der Wertzerschen - Waggonfabrik in Graz infolge Agitation einiger jüngerer Elemente gestern in die passive Resistenz. Me Betriebsräte des Unternehmens erklärten, diese Bewegung nicht veranlaßt zu haben und auch nicht um ihre -Meinung gefragt worden 31t sein. Gestern abends fand eine Bertrauensmännerversammlung 'des Betrkbes statt, um zu der geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Heute findet eine Sitzung des Industriellenverbandes Mt. In den übrigen Grazer Betrieben der Metallindustrie wird normal gearbeitet. -er neue Gesandte beim üuirinal. An die Stelle des von seinen Posten scheidenden Gesandten Kwiatkowski tritt, wie hoir erfahren, der bevollmächtigte Minister Lothar Egger-Möllw ald als österreichischer Gesandter bei der italienischen Regierung. - Eine aufgeMe Versammlung kommMiWcher Wchrmönner. Mch einer Meldung der „Roten Fahne" wurde vorgestern eine Versammlung kommunistischer Wehrmänner, die im Saal ,/zur schönen Schäferin" in Mariahilf stattfand, von der Polizei ans ge löst. Das Bundesministeriu für Heerwesen hatte die Teilnahme von Heeresangehörigen in Uniform an dieser Berfammlung verboten. Während der Rede eines «kommunistischen Agitators erschien plötzlich Polizei im Saale •' und löste die Versammlung ans. Die Namen der anwesenden Wohrmänner wurden sichergestellt. SszkaidTmokraten mb Kammnnifte». Der Vorstand der Kommunistischen Partei hat am 38. Mai beschlossen, ein „Mtiouskomitee gegen Kriegsgefahr und Faszismus" ins Sd&cu zu rufen und dem Vorstand der SaziaDemakratischen Partei brieflich die ,/Bildung eines gemeinsamen Aktionsausschusses" vorgeschlagen. Die „Arbeiterzeitung" veröffentlicht nun die Antwort des sozialdemokratischen Parteivollstandes, ir* der zunächst bemerkt wird, daß die Sozialdemokratische Partei imstande sei, „alle politischen Aufgaben, die im Kampfe gegen Kriegsgefahr und Fas- Visums zu erfüllen sind, auch tatsächlich zu erfüllen". Die Antwort au die Kommunisten fährt «dann fort: „Was die Aufforderung zur Bildung eines „gemeinsamen Mionsausschusses gegen FasziZnrus und Kriegsgefahr" betrifft, so wollen wir Ihnen ganz offen erklären, daß wir darin nichts anderes sehen, als einen der nun -bereits genugsam bekannten Versuche des?o m m u r-ist isch e n Schwindels mit der Einheitssront. Wir wissen,, daß die ^.„Komitees gegen Faszismus und Kriegsgeifahr" nur die neue Firma davstetten, unter der die Geschäfte mit der „Taktik der Einheitsfront" gegenwärtig im internationalen Maßstab weitergeführt tverden sollen.' Mer in keinem Lande wirkt die Durchführung des Moskauer Auftrages grotesker als in Oesterreich, wo die Kommunisten, ihre wirkliche Stellung zur EinheitÄfront des Proletariats bereits vor mehr als einem Jahre durch ihren Austritt ans dem A r b e i t e r r a t , restlos dokumentiert haben. Die Arbeiter Oesterreichs kennen die Kommunistische Partei als bewußte Gegnerin der solidarischen und disziplinierten proletarischen - Aktion; wir wißen, daß Sie von der Einheitsfront nur roden, in der Absicht, den mächtigen proletarischen Organisationen Oesterreichs Schaden zuizufügen. Die Arbeiterklasse Oesterreichs kann es daher Ihnen ülberlassen, so viele Komitees zu gründen, als Ihnen beliebt; sie wird den 'Kampf gegen Kriegsgefahr und Faszismus weiterführen im Vertrauen aus die Kraft und' Größe ihrer sozialdemokratischen Partei und ihrer Gewerkschaftsbewegung." s Beratung der HaridMe^a . L ä: l-. L. Wen KaMmer. Rom, 8. Juni. Der Mmistzerrat erteilte i-n seiner heMgen Sitzmrg dem Mnifter des Amßern die Ermächtigung, lden Handelsvertrag mit Oesterreich' in der Kammer eiuzubvmgen und in der Begründung des-; rMmzt Msrgenzeituug"; _6. Juni 1923 _ Seite V Tschecho-Slowakei. Das MinoriWeuhrMem. Studien des Völkerbundes. Prag, 5. Juni. Wie '„Ceske Slovo" erfährt, wiri demnächst der Generalsekretär des Bötterbundes Sir Eri Drummond in Prag eintreffen. Sein Bys-uch steh« tvahrscheinlich mit dem Minoritätonprokb-lem ir Zusammenhang. Weiters meldet ,/Pondelnik", der Völker Lurch habe einen Delegkrten nach Karp-athoruß, l a.nd entsandt, um die nationalen und Politischen Pro« bleme dieses Landes an Ort und Stelle zu stzMeren. Polen. Jer Züdische Klub und die Regierung. Warschau, 5. Juni. (SM. der „Wr. MargenKe«itung".) In der Debatte über -das Expose ' des Ministerpräsidenten Witos erörterte im Namen des Jüdischen Klubs Äbg. Grünbaum in einer einstimchiigen fachlichen Rede die Gründe, dk den Jüdischen Klub zur opp-ositiouell-en Haltung gegen die gegenwärtige Regkrung ZwiWen. Gvünbaums Rede wurde vom gcknKen Haus ruhig angchövt. Er erklärte, daß die Schaffung des gegenwärtigen KMnetts das Resultat der Bestrebungen dev fogeuanuten polnffchen Majorität sei. Wenn auch dev Mnffterpräfide-nt in seinem Expose erkkärt halbe, daß sich die Politik des gegenwärtigen Kalbinetts nicht gegen die Minderheiten richten werde, so' seit Redner überzeugt, daß sich im ganzen Hause kein Abgeordneter finde, dev chrlich twran glauben könnte. Schondie Parole einer re!in polnisch cn Maforlit-ät führe zur Verfolgung von Bürgern, bk n icht dem polnischen Botte angchören. SeWst die linken Parteien haben dieses Prinzip nicht ganz aufgegeben. Aus po!itifchen Gründen wäre es ihnen sicherlich genchm, wenn die Inden dk gegenwärtige Regierung der Nationaldemclratcn unterstützen würden. Der Jüdische Klub sehe in der gcge'nwärttgen Regierung eine Fortsetzung der antijüdifchen Pol-ittk des friüheven Kabinetts, welches sich ans die linken Parteien gestützt lha-t. Der wichtigste Punkt der Abmachung der Witos- Partei mit den Nattoncrldemokr-at-en sei die Aenderung der Wahlordnung, um awf diese Weise dk Anzahl der jüdischen Mandate zu verkleinern. Man spricht auch von dem Plan der Ei-nführu-ntz des Kurieusystcms, damitdie Juden in den Städten keine Mchrheit erlangen. Dies alles beweise, daß die gegenwärtiige Regierung die Iudenpvlitik des ehemaligen zaristiischen Rußlands zu betreibon gedenke. Dieselben Prinzipien habe auch die ehemalige.russische Duma deki Polen gegeMber anzuwenden gesucht, um den damaNgen polnischen Bürgern^ die Möglichkeit zu nehmen, eine größere Anzahl von Abgeordneten zu wählen. Witos habe erklärt, daß er die gerechten Forderungen der nationalen Minderheiten befriedigen werde. Welche 'Forderungen, ev aber als gerecht ansehe, habe er in seinem Expose nichtgenau beze'ichnet. Der Ministerpräsident habe versprochen, das Gesetz über die Aufheb u-Ng der Iudenbeschränkungen eiuzubringen. Dieses Versprechen sei bereits bei den MinisterPrÄsidenten Mode geworden. Schon Mi-n>'isterprösident -Po ui kow sk i hat dieses G>esetz eingebvacht, welches dann von der Regierung Nowak und Sikorski „unterstützt" wurde, trotzdem alber ist das Gesetzesprojekt bis zum heutigen Tag «icht verwirklicht worden. Dagegen habe der Ministerpräffdent- Wichtige Lebensfragen der nationalen Minderheiten Und der Juden, deren Lösung äußerst iiotwendig sei, nicht berührt. Mg. Grünbaum besprach dann die Schikanen, denen die jüdische eBvMermig auAgasetzt sei, die BchaMung des jüdischen Schuilwesens, und schloß seine Rede mit der EMörung, daß der Iüldische Klub zur Mewvärt-igen Regierung kein Vertrauen haben könne und aus diesem Grunde gegen das Vertrauensvotum stimmen werde. DK BkKärung wurde von den nationalen Minderheiten und den Anden ParKi-en rnrt Beifall ausgenommen. Eine äußerst scharfe Rede gegen die nationalen Minderheiten hklt der NativnaVdemokrat Strvuski, der noch vor einigen Jahren als Jude den Namen Lew in trug-. Während seiner Rede kam es zwischen' ihm und den-Aniken Parteien zu scharfen Auseinandersetzungen. DK Vertreter der -llikwiner msid Weißrussen, dk Abg. P odh-irski und Ta raszkiewicz, erMärkn im Namen ihter Klubs, daß sie gegen das VertraucusvotuUr für die gegenwärtHge R-egkrunig stimmen werden. In einer zweistündigen Rede kritisierte der ehem-al'ige Klubgenosse des Ministerpräfidenten Witos, Abg. Dabski, die Koalition dev Witos-PartÄ mit den Rattonaldemokraten, die er als eine Mnstliche Kombination" bezeichuete. Namens seines Klubs erklärte er sich ebenfalls gegen die Regierung. Bei der ^lbstrmnrung wurde, wk bereits gemeldet, das Vertrauensvotum für Witos mit 336 gagem 17d Stimmen angenommen. Zu bemerken ist, daß eine große Anzahl von Abgeordneten der . linken Parwkrr während der Abstmrmnnig nicht im Saale anwesend war, wodurch die Majorität von 5o Stimmen zu erklären ist. DK PiffrüM-Legende. Aus Warschau wird uns berichtet: Im Znsanrmenhanlg mit der Denrisfion Piffudskis als Geueralstabschef führt' Ahg. Grünbaum, in eir.em Artikel im a s z P e g I a d" . aus, daß PÄsudsWs PevsönlichKit in PoKn vom polnischen Volk mit einer Legettde nmwoben fei; auch die „fremden" VölÄr, dk fo-gsnannten nationalen Mnoritüte», erblickkn in PAfudski die PerfoniPkation Polens, jenen Manu, der danach strebte, daß sämtliche Völker Polens ander EntwiMmg -er RepuMk terl-nchwen und ui ch t durch das herrschende swlnische Bott ur^eödrückt werden Men. Es sei Wohlfeite Regenm8nteH . . K 125.000 Lelnenwaren, Waschwaren, Stoffe, Wäsche - sehr billig I Schiffmahn 11^ Taborstraße 48 Telephon 47-1-76 En gros En detail