Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1546 (3.6.1923)
- Date
- 1923-06-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980627--14957-3001740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' SeSe 'A ~ Wken, SönMitz LlckdAucht in den Bereinig ttn Staaten. Im Jahre 1922 sind in den Vereinigten Staaten mehr als 2 Millionen Menschen, das sind etwa 3 Prozent der Gesamtbevölkerung, vom flachen Lande in die Städte Mgewandert. Nimmt man an,, daß von diesem Verlust an Landbevölkerung etwa die HÄste durch den Geburtenüberschuß aus dem Lande und die Ansiedlung von Städtern wettgemachl wurde, so bleibt doch am Jahresschluß ein Marcko von einer Million Menschen auf dem flachen Lande der Vereinigten Staaten. Die Binnenwanderung vom Lande in die Stadt ist eine allgemeine Begleiterscheinung der großkapitalistischen Wirtschaftsordnung mit ihrer Industrialisierung, die sich in den Bereinigten Staaten zur Vertrustung steigerte. Vor hundert Jahren waren die Bereinigten Staaten noch ein Agrarland, 70 Prozent der Gesamtbevölkerung wohnte auf dem Lande, während. 30 Prozent die Städte bewohnt haben. Jetzt ist das Verhältnis gerade umgekehrt, doch ist die Abwarwerung in die Ptaht nie so groß gewesen wie im vergangenen Jahre.' 'Man kann geradezu von einer Landflucht spreche«. In den Verewigten Staaten begnügt man sich im allgemeinen damit, diese Erscheinung, durch den im letzten Jahr besonders stark verringerten Kapitalsertrag der Landwirtschaft zu erklären, ber jtm Gegensatz zur Industrie hinter der Gcsiwerbilligung zurückblieb, das heißt, nicht in gleichem Maße wuchs, wie man das Geld verästent hat. Dies ist seit je die Ursache der Abwanderung vom Lande in die Stadt, reicht aber nicht aus, um die im letzten Jahre einsetzende Landflucht zu erklären, um so mehr, als der Krieg, Wie überall, die wirtschaftliche und finanzielle Produktion der Landwirtschaft gestäickt hat. In den Vereinigten Staaten war dies bei dem starken Goldzufluß, der auch auf das flache Land strömte, mn so mehr der'Fall.. Zur Erklärung der Landflucht" m den Vereinigten Staaten ist es notwendig, darauf hmzuweisen, daß in den letzten Jahren nach Beendigung des Krieges der hohe Stand des amerikanischen Dollar auf den europäischen Märkten es Europa fast unmöglich machte, für europäische Währung Getreide aus den Vereinigten Staaten zu beziehen. Der amerikanische Farmer blieb also auf den einheimischen Markt angewiesen, wo er jedoch keine hohen Preise erzielen konnte. Die guten ErMen der letzten Jahre drückten noch den Preis. Aber etwas Wesentliches kommt noch hinzu, um die Lage der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten schwieriger zu machen, ein Umstand, den man sich dort nicht eingestehen will. Es ist die Beschränkung der Einwanderu n g. Sie hat insbesondere im letzten Jahre einen großen Mangel an Arbeitskraft hervorgerufen, und dies erhöhte natürlich die Löhne. Da die Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten angesichts des ziemlich extensiven Farmenshstems, mit welchem, große Strecken bewirtschaftet werden, auf verhältnismäßig viele Arbeitskräfte angewiesen fft, so erhöhte die Lohnsteigerung die Betriebskosten beträchtlich und verminderte dadurch den Ertrag. Eine größere Zuwanderung würde wohl nicht bedeuten, daß der amerikanische Landwirt seine Arbeiter aus der Reihe der Immigranten nehmen würde, sondern sie würde auch eine Senkung der Löhne auch in der Landwirtschaft bedeuten, da für die Saisonarbeiten mehr Hände zur Verfügung wären. Beim heutigen Stand der Dinge lohnt es keinem in einem' städtischen Betriebe Arbeitenden, der eine Jahresarbeit hat, diese Beschäftigung gegen Saison- oder Wochenarbeit aus dem Lande zu vertauschen. Diesem Zustand suchte man durch Heranziehung von Arbeitskräften aus dem benachbarten Kanada, von wo die Einwanderung nicht beschränkt ist, zu begegnen. Tatsächlich ist aus Kanada eine starke Abwanderung nach den Vereinigten Staaten zu konstatieren, die monatlich etwa um 10.000 Köpfe zunimmt und iyr letzten Jahre wanderten aus Kanada mehr Personen nach den Staaten der Union aus, als Kanada durch Geburtenüberschuß und Einwandecung gewann. Da aber die Beschränkung der Einwanderer aus Europa in den Bereinigten Staaten bei gesteigerter industrieller Produktion, wie sie im Jahre 1922 nach der zwei Jahre dauernden Krise wieder einsetzte, rege Nachfrage nach industriellen Arbeitskräften hervorrief, kam der größte Teil der kanadischen Zuwanderer der Industrie zugute, und die unverändert hohen Löhne, welche in der Stadt bezahlt wurden, übten auch auf dem Lande ihre Wirkung, erhöhten dort noch mehr den Lohnstandard und verminderten so den Ertrag. Das konnte ein großer Teil der Landwirtschaft nicht aushalten und so kam es zur Landflucht. In den Bereinigten Staaten will man den engen Zusammenhang zwischen dieser Erscheinung uno der Einwanderungsfrage nicht sehen, obwohl es doch klar ist, daß der Immigrant, mag er nun aufs Land kommen oder in der Stadt bleiben, der Landwirtschaft in keiner Werse Abbruch tut. Bleibt er in der Stadt, so ist damrt ern neuer Abnehmer für landwirtschastiche Produkte gewonnen. Geht er aufs Land, so ist entweder neue landwirtschaftliche Arbeitskraft gewonnen oder ein unbebautes Stück Land neu besiedelt. Und unbebautes, verlassenes Land gibt es heule gerade infolge der Landflucht iü den Bereinigten-Staaten noch mehr als früher. Die Beschränkung derEintvandenrng, welche aus-einseitigen volkswirtschaftlichen Motwen beruht, hat mw durch die iganb* flucht, welche sie verstärkt hat, eine wirtschaftllche Situation in den Bereinigten Staaten geschaffen, die sich in absehbarer Zeit, werden nicht Maßnahmen getroffen, die die Ursache des Uebels beseitigen, /schr ungünstig auswirken kann. Lord 8ecU und die englische Bötterbnndllga. London, t Jrmi. (Havas.) Lord Robert Ceeil hat seine Stelle als Präsident der englischen VvKerbuMiga mit dar Begründung zmückgelegt, daß diese Stelle mit der eines nnivewrubar fei. Wiener Morgenzeitung. 3. Juni 1983 Nr. im Ir. (Rennet weist alles zurück. Cirren Vorgeschmack dessen, was der bevorstehende Wahlkampf zutage fördern wird, gab die gestrige Nationalratssitzung,'in der die Generaldebatte über das Budget beendet wurde. Zuerst, -kam der unvermeidliche Professor Z e i d I er, dem es schon wieder nach einem Krieg gelüstet, er sang ein Lied von der Notwendigkeit, daß das deutsche Volk Machtpolitik treibe, und ließ die Wetterwolken eines neuen mitteleuropäischen Krieges Heraufziehen, aus welchem Grunde er dafür eintrat, daß das Bundesheer kanlpftüchtig gemacht und national erzogen werde. Die Staatskorrespondenz unterließ es wohlweislich, diese Fanfaronaden zu registrieren, die nur Wasser auf die Mühlen jener sein können, die der Gesamtheit des deutschen Volkes unstillbare Macht- und Herrschgier cmdichten, um eine Pegründung zu haben für ihr Vorgehen an der Ruhr. Poineare und Millerand könnten sich ersparen, ihre Haßreden zu konzipieren; sie brauchten nur diese Zstidleriaden zu verlesen, u.n die gewünschte Wirkung bei ihren Zuhörern zu erzielen. Die Großd rutschen sollten doch wenigstens so viel politische Rücksichtnahme auf den österreichischen Staat bekunden, daß sie die Mundwerktcitigkeit des Professors Zeidler auf weniger verfängliche Themen beschränken. Sein professorales Geschwätz, das ihm zwei Stunden lang von den Lippen floß, vertrieb schließlich alle Zuhörer. Dann sprach Abgeordneter C z e r u i n unter weiser Bedachwahme auf seine getauften und ungetansten jüdischen Wähler. Cr platzte am Schlüsse mit der Enthüllung ins Hans, daß Dr. Renner als erster Kanzler der Republik, den englischen Oberstleutnant Stratt aufgefordert habe, Oesterreich mit englischen Truppen zu besetzen. Nun kam Leben ins Haus. Die Sozialdemokraten lärmten und bezichtigten Czernin der Lüge; dieser hielt seine Behauptung aufrecht, und schließlich sprang Dr. Bauer für den nicht im Hanse anwesenden Dr. Renner in die Bresche und suchte darmtun, Laß die Behauptung Czcrnins offensichtlich unwahr sei. Am Montag wird die Spezialdebatte über den Bundesvoranschlag beginnen und das Haus bis Freitag beschäftigen. Freitag nachmittags soll die erste Lesung der Regierungsvorlage über die Bundesbahnen stattsinden. Nachfolgend der Sitzungsbericht: Ava. Dr. Zeidler (großdeutsch): Die politische Richtung, die von der Regierung Serpel-Frank eingeschlagen wird, ist die einzig mögliche. In Besprechung der äußeren Lage gab er der Meinung Ausdruck, daß die jetzige Gestaltung der Weltpoliiik keineswegs ein definitives Gepräge habe. Die Jahre 1914 bis 1918 waren vermutlich nur die erste Etappe des Weltkrieges, wenn auch Dr. Adler in Hamburg erklärte, so etwas dürfe nicht mehr geschehen. Auf den widernatürlichen Schöpfungen von heute kann das Gleichgewicht Europas, aber auch das der Weltpolitik, nicht, aufgebaut werden. Das, was sich jetzt ab^- spielt. ist dev Kamr>i um die Vorherrschaft in Europa, der in dem Augenblick zwischen Frankreich und England Plastisch in die Erscheinung treten mußte, wo das Deutsche Reich zugrunde ging. Neu ist nur, daß Frankreich nichts anderes ist als der Exekutor der Wünsche der Vereinigten Staaten. In dieser komplizierten weltpolitischen Lage wird dem deutschen Volke eine ungeheure Aufgabe zufallen, die es hoffentlich besser lösen wird, als es seine Leitung in der Gegenwart vermuten läßt. Auch über Oesterreich werden hiebei schwere Stürme brausen. Das Ziel, dein wir zustreben müssen, ist der christlich-deutsche Staat, ein Staat, in dem nur d i e D e n t s ch e n auch wirklich Vollbürger sind. Wir werden daher über kurz oder lang bei aller kulturellen Schonung, die die Gegenwart erfordert, zu einem F r e m d e n r e ch t kommen müssen, unter das alle gestellt werden, die nicht unseres Volkes und unserer Rasse sind. Es mag sein, das; an den Hochschulen sehr begabte jüdische Forscher lehren, aber Kunst und Wissenschaft sind nicht ein internationaler Selbstzweck, sondern lediglich ein Mittel zur Ertüchtigung des eigenen Volkes, und von den Herren Einstein und den anderen kann man eine Ertüchtigung des deutschen Volkes nicht erwarten. Wir wollen den Abbau der jüdischen Schernkultur und den Aufbau des echten deutschen Volkstums. Wenn die Verträge von Versailles und Saint-Germain ausgehoben würden, wurde damit auch ein Fülle von Privile- . gien der jüdischen Rasse aufgehoben sein. Da die jüdische Rasse sich hinter viele Paragraphen von Friedensverträgen duckt, so ist sie dafür, daß diese Verträge aufrecht bleiben. Abg. Czernin wendete sich unter anderem der Besprechung der Ereignisse der jüngsten Zeit zu, es vergehe kaum eine Woche, in der man ' nicht von Prügeleien, Raufereien, Schießereien und gesprengten Versammlungen hört. -Begonnen wurden diese Terrorakte von den Sozialdemokraten, die Bildung der Frontkämpfer und der Heimwehren war eine direkte Folge der sozialdemokratischen Organisationen. Soweit sich diese bürgerlichen Organisationen auf die Abwehr des Terrors eingestellt haben, billige er sie vollkommen. Er finde es begreiflich, daß sich die Bürger nicht wie Schafe abschlachten lassen, sondern sich wehren, wenn mau gegen sie aufmarschiert. Nur einen Umstand müsse Redner außerordentlich bedauern, daß sich die Frontkämpfer-Organisationen rein antisemitisch eingerichtet haben. Da er ohnehin als Führer einer Judenpartei und als Judenknecht verschrien sei, könne er über die Sache ganz rücchaltlos sprechen. Er verstehe vollkommen den Haß gegen die bolschewrkischen Führer, die — das ist eine historische Tatsache — 'zu 9 9 Prozent Juden sind und überall, wohin sie kamen, die Bevölkerung ins^ Unglück stürzten. Er verstehe auch die Antipathie gegen die jüdischen Schieber, obwohl er feststellen müsse, daß es auch christliche Schieber gibt, der größere Teil von ihnen sind allerdings Juden. Es gibt aber Tausende und Tausende von Juden, > die nicht so sind, sondern anständige patriotische Menschen, die helfen wollen. Er sei fest überzeugt, daß der Beste unter den Christlichsozialen, der Bundeskanzler selbst billige diese antisemitische Hetze nicht. Würde er sie billigen, dann hatte Redner nicht die Achtung vor ihm, die er tatsächlich empfindet. Es ist nicht nur nicht freiheitlich, es ist nicht christlich, einen Menschen nur wegen seiner Abstammung zu verfolgen; es ist auch politisch nicht klug. Denn man wird zugeben, daß irr dem großen Werke, an dem k/ wir alle m der GesoUchaft des Bundeskanzlers zur Rettiwa Oesterreichs arbeiten, auch die Juden! .ihren Platz fanden. CS Mt nun tausende Juden;, die -nicht herdovtreten, die man nicht kennt, die aber durch diese blinde antisemitische Hetze in das gegnerische Lager getrieben werden. Das ist politisch nicht klug, so stark auch oer bürgerliche Block sein und so fest inan auch überzeugt sein mag, daß die Wahlen das bekräftigen werden. Wähler zu verlieren, knnn sich keine Partei gestatten. Redner habe den Eindruck, daß viele — nicht nur Juden, sondern auch andere Menschen, die nach ihrem Gedankengang nicht Antisemiten sind und seinerzeit dem bürgerlichen Block angehört haben —'durch gewisse Vorfälle in das Lager der Linken getrieben wurden. Das ist insbesondere knapp vor einer Wahlschlacht nicht die richtige Taktik. Wenn ich offen zugebe, daß ich die Taktik der Frontkämpfer mißbillige und politisch für unrichtig halte, so muß ich doch ans der andern Seite auch ein Wort für die Frontkämpfer sprechen. Ich habe den Eindruck, daß die Unternehmungen, die von den Frontkämpfern und von der linken Seite ansgehen, nicht immer mit gleichem Maße gemessen werden. Hört man j. B. davon, daß eine sozialdemokratische oder kommunistische Versammlung oder ein Umzug verboten wurde? Die Fahnenweihe der Frontkämpfer wurde jedoch mit der Begründung verboten, sie könnte gestört werden. Ein Verbot hat sich nicht gegen den zu richten, der gestört werden könnte, sondern gegen den, der stört. Abg. Dr. Ellenbogen: Andere machen auch nicht Veranstaltungen mit geladener Waffe. Abg. Czernin kam dann auf den Antrag Bauer über die Bestrafung des Landesverrates und auf die Ausführungen mt sprechen, die Dr. Bauer zur Begründung dieses Antrages hielt. Von den Fällen, aus die Dr. Bauer in seiner Rede ansvrelte, kenne Redner nur einen ein- Sigen, bei dem er die ausschlaggebende Rolle spiele und dieser fall trug sich noch zur Zeit der Monarchie zu. Damals habe iedner den Grafen And ras sy ersucht, Oesterreich von den Segnungen des Bolschewismus eventuell durch englische Truppen schützen zu lassen. Das konnte freilich kern Hochverrat gegen die Republik sein, die noch gar nicht bestand. Doktor Bauer hat Aristokraten, Großindustrielle und Bürger als „/Sdj'ufl'e", „ehrlose Gesellen" und ,-Lumpen" büschimpst. Da Freunde von mir von Dr. Bauer in dieser Weise provoziert wurden, bin ich verpflichtet, das was sich damals abgespielt, öffentlich mitznteilen. Einige Zeit nach dem Umstürze wurde von der englischen Regierung Oberstleutnant Stratt nach Wien geschickt; es ist derselbe, der Kaiser Karl von Eckartsau in die Schweiz brachte. Ich bin von Oberstleutnant Stratt autorisiert öffentlich, nntzutcilen, daß er in einer Unterredung wie er mit schreibt, am 22. März 1919, im Bundeskanzler- Valais in der Herrengasse'vom damaligen Bundeskanzler Dr. Renner beschwort wurde, englische Truppen hieher schicken zu lassen. (Hört! Hört!-Ruse rechts.) Abg. Bauer: Das ist eine freche Lüge! Abg. Sever: Und das glauben Sie? Abg. Bauer: Ich weiß nicht, ob Oberstleutnant Stratt lügt oder ob Sie lügen, aber einer von beiden- oder beide lügen. (Lebhafte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten — Lärm.) ' Mg. Czernin: Sprechen wir von der zweiten Eventualität, daß ich lüge. Wenn Sie das annehmen, brauchten Sie nur den Oberstleutnant Stratt schriftlich zu fragen, und seine Antwort im Wortlaut zu veröffentlichen. Dann werden wir sehen, ob ich lüge.( Der Behauptung, daß Oberstleutnant Stratt lügt, fehlt jede innere Wahrscheinlichkeit. Er kam damals zu mir, erzählte mir mit Erregung über die plötzliche Neuigkeit den Fall in allen Details. Er habe Dr. Nenner sehr heftig geantwortet — es war die letzte Unterredung mit Dr. Nenner — es falle ihm nicht ein, zu intervenieren, denn er wisse sehr gut, Renner wolle diese Truppen nicht, um das Volk zu schützen, sondern nur, mwsich und seine Freunde zu schützen. (Stürmische Hört! Hört!-Ruse rechts. — Zwischenrufe und heftiger Widerspruch links.) A!bg. Dr. Ellenvogen: Erzählen Sie wicht.orientalische Märchen! Abg. Czernin: Schreiben Sie Oberstleutnant Stratt einen Brief und veröffentlichen Sie feine Antwort. Abg. Dr. Dauer: Wir tverden noch anderes veröffentlichen. AbS. Czernin: Ich weiche einer, Untersuchung, nicht ans, ich wünsche, daß in diese Angelegenheit volle Klarheit gebracht wird. Ich halte meine Behauptungen vollkommen aufrecht. Abg. Dr. Bauer: Ich. werde nur auf den letzten Teil der Rede des Herrn Czernin antworten. Vom Oktober 1918 haben wir im Lande den schwersten Kampf gegen die furchtbare Gefahr einer Besetzung Oesterreichs durch fremde Truppen zu führen gehabt. Niemand, der die Geschichte sich ans Tratsch relonstrurerrn will, wird ernsthaft bestreiten können, dos; wir ein ganzes Jahr bis zum Abschluß des Friedensverlraaes die schwersten Oplser gebracht, um die Beisetzung durch fremde Truppen zu verhindern, lind diesen Kampf hatten wir zugleich gegen den inneren Feind in nuferen Reihen zu sichren, der von hier aus fortwährend nach der Besetzung geischrien hat. Der Herr Czernin spricht von der inneren Wahrscl^Michkeit. Ja. bei wem -ist denn die innere Wahrscheinlichkeit gewesen, daß er die ausländischen Truppen verlangt, wenn nicht bei denen, die sich vor der Revvbution gösiirchtet hab^n? . . Abg. Czernin: Bleiben Sie beim Oberstleutnant Stratt! Abg. Dr. Ellenbogen: Wenn das wahr ist, was Sie von ihm sagen, dann ist ct ein schurkischer Verleumder! Abg. Dr. Bauer: Der Mg. Czernin hat mm den Einfall, zu behaupten, daß irgendein Sozialdemokrat, ja das; der Chef der damaligen Regierung, der Abg. Neuner, einen solchen Wunsch jemals selbst.geäußert hätte. Damals, etwa im Februar des Jahres 1919, also unmittelbar nach dem großen Wahlsieg der Sozialdemokraten, und unmittelbar nach der Neuwahl der Regierung, sollte der Abg. Dr. Renner keinen anderen Wunsch gcha'bt haben, als bk soeben gewählte, unter seiner Führung stehende Negierung dadurch zu erschüttern. daß er fremde Bajonette ins Land hin einruft, um sich selbst zu schützen. Gegen wem denn eigentlich? Denn daß diese Regierung damals eines Schutzes etwa gegen die Vol'ksmasfen bedurfte, das können Sie nur Kindsköpfen einreden wollen! (Lebhafte Zustimmung bei den Soziaildomdkraten.) Aber kein ernster Mensch .wird das glauben. „ „ . . Der Oberstleutnant Stratt ist als ein Hofkavabier dein Kaiser Karl beigegeben worden, um sich ein Paar Wochen in Eckartsau aufzuhalten und dann den Kaiser in die Schweiz zu begleiten. Wenn man damals VerhanNnngen mit der britischen Regierung führen wollte, hat man sich wirklich Nicht au, diesen Herrn gewendet, denn es waren damals offizielle ^Vertreter der britischen Regierung hier, mit denen Wir tätlich! verkehrt haben. Keinem Menschen wäre es eingefallen, mitdem Oberstleutnant Stratt über Politik zu reden. Mit ihm hat man nur über den Mtransport Kart Habsbuvas in dttz