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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-03 · Heft 1546 (3.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1546 (3.6.1923)
Date
1923-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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GtazebrammerKlOOO Wien: ZnmAbholeninder Expedition, II., T abo vstr.1-3, oder in einer Verschleisstello (Trafik) monatl. K 280)00 Mit Postversand für Wien n. Qesterr. monatl. K 28.000 rsclrocho-S lo'Wakei: Mon. K17. Ung arn: Mob. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 40.' Po len: Mon. Mk.l5.000.D eut sch Land: Mon. Mark15.000. F rankr., belxien: MoaatL Fres. 8 MT Naabsahlnogen *lHi Sei Preberfeölumyen Vorbehalten lener tsCHBdlOriflOWBliarf: «schecli. K 1-! Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl .90 Lei bezw., Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich" Frau 3 Redaktion u. Administration Wien, ün Taborstrasse.1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel.-Adr.: »Morgenzeitung*4 Wien Öesterreichisehes Postsparkassen-Konto' Nr. 150.693 9lt. 1546 äBten, Sonntag, S.gnni 1826■ 5. Jahrgang Die Parade der Reaktion. Wie», 8. Stml Heute wnL> es m Wmr wieder eine Heerschau der Feinde der. RepuM gelben. Die FwnWmpfer lassen eine Fahne weihen, mit der sie nachher über den Ring marschieren. Auf dem SchwwMLevg-Platz, vor dem Denkmal des Siegers von Leipzig, werden sie und ihre KEero^chaWvewaride feierlich defWeren, und wie es heißt, wird Conrad von Hötzendors selbst die Parade chnchmen. Man wird die Herrschaften, die seit Jahr and Dag da s öffentliche Lebm Oesterreichs beunruhigen, in ihrer neuen Ausrüstung scheu: Skrrrrchebme, Windjackm und Leibriemen, und man wird sie in der Begleitung der gleichgesinnten Organisationen erblicken, men Programm der Hatz gegen die Republik und die Gesundung des Staates ist. Der deutschnatronale ChaudWlsvms, der gegen Juden und Ds^chen sich in der setzten Zeit besonders heftig engagiert hat, wird sich heute in festlichem Zug entrollen, zu welchem alle Behörden die ZustimWung gegeben haben und die damit joohl auch die Berantworlung für alles auf. sich nehmen, Vas bei dieser Gelegenheit unter Gottes freiem Him- NÄ Mammengeredet wird. Den Text der Reden, kennt mau schon lange. Neu wird nur der Man sein und es P sicherlich richtig, daß . die Frontkämpfer und HakenkveuKer als die Schoßkinder der Nachkriegsentwicklung M vielen Hoffnungen in die Zukunft sehen. Es wird Mevorten gezundelt und die vielen Ankündigungen, daß sroch dieses Jahr blutige KvnftMe in Europa bringen (ayde, wollen nicht verstummen. Es mag zienllich lächerlich anmuten, daß sich auch in dem kleinen DoncmstaaL Parteien bilden, die an der kriegerischen Revision der Friedensverträge Mitwirken Völlen. Oesterreich scheint die geringsten Borausietzrmgen für, eine L^rartige Rechnung Zn besitzen, da es m allem und jedem auf Gnade usid Wohlwollen angexnefen ist; seine BevWerung ist durch die schweren Er- Ügmsse des Krieges, van denen sie doch am mmnttelölwsteu betroffen worden war, zermürbt, und durch die rigenen Führer dazu erzogen worden, in den Großstädten im Westen den obersten Richter, ja sogar die oberste Behörde für jede politische Aeußerung zu erblicken. Trotzdem konnten auswärtige Hetzagenten, -enen jedes Verständnis für die Wünsche urw Ansichten der Bevölkerung fchlt, sich hier einnisien und mit ihrer Propaganda einen ziemlich großen Teil der Hakbintel- Ügenz erfassen. Die Demokratie hat ihnen das Feld fast kampflos überlassen und es insbesondere versäumt, die Heranwachsende Jugend mit frischen und fteien Impulsen, mit den Ideen des Friedens zu erfüllen. Sie bat nirgends den Kampf gegen die giftige Invasion der mr Krieg zu schänden geschlagenen Parolen der Rache ausgenommen, hier nicht, in Deutschland nicht und nicht in Frankreich. Der Gedanke , des Völkerbundes ist verdorrt. ° Welche Stimmungen leben in Menschen, die heute im Gleichschritt Wer den Wiener Ring marschieren wollen? Sie wissen das große Geschenk der Freiheit nicht ^u würdigen, das ihnen der Umsturz gebracht hat. Sie wissen nichts von der Vormundschaft der Bureaukratie, die vorher bestand, nichts von dem Elend der Kasernen und von 'dem Zwang der Uniform, die nicht nur die Körper, sondern auch die Gehirne bis zur Stumpfheit fesselte; sie wissen davon nichts und es hat ihnen auch niemand von diesen Dingen gesprochen. Die Führer des geistigen und kulturellen Abens, die der Umsturz um ihre soziale Geltung gebracht hat, sprechen dieser Jugend nicht von der geistigen Oebe der vergangenen Zeit, sondern nur von den Zuständen, die heute bestehen, als ob diese, so wie sie sind, aus sich selbst entstanden und nicht eine direkte Folge der traurigen Politik wären, die in dem Möbilmachungsbefchl vom August *1914 ihren Kulminationspunkt fand. Diese Führer, die heute das Rezept des Hasses und der Rache auf ihre Fahne geschrieben haben, hätten das Elend verhindern können, wenn sie sich damals nicht feige geduckt und das entsetzliche Rechenexempel der zwei wider sieben mit Liedern und Illuminationen gefeiert hätten. Alle Professoren, Politiker, Intellektuellen, wußten/ was der Krieg bedeute, sie hätten den Pöbel der bezahlten Schreier und profitlüsternen Lieferanten . zuvückscheuchen . können, wenn sie es gewollt und Versucht hätten. Sie haben geschwiegen und tragen heute ihre Schuld. Aber sie wollen heilte nicht schweigen, sie sehen noch irnmer das Reich von Neichenberg bis Nagusa, von Triest bis Podwoloczhska, und sie träumen von dem Rachezug, als ob Tschechen, Polen, Slowenen und Italiener jemals aus;fsejent Willen wieder, in den Schatten des. Doppeladlers Ae deutsche UnanshaltsMer Sturz der Mark. Berlin, 2, Juni. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".) Nichts' scheint die Mark mehr m ihrem ' Sinken aufzuh alten. Die Reichsbank hat. jede Stützungsaktion eingestellt. Die Panik in Berlin dauert fort und auch au!f den auswärtigen MarNen werden Milliarden Marksummen zum Verkaufe angeboten. . So notierte heute in Zürich die Mark 0.0071, gegen 0.0077 am Vortage. . Demgemäß sind auch in Berlin die Devisenkurse weiterhin stark gestiegen. Die wilde Hausse dauerte. den vorgestrigen Abend und den gestrigen Tag. ununterbrochen an. Der Dollar stieg weiter und notierte 79.601. gegen 74.164'am, Vottage, das Pfund 364.586 gegen 341.893. Die deutsche Industrie sucht sich für ihren Kohlenbedarf mit englischem (Selbe, zu versehen, um damit die englischen Kohlenftachten bezahlen zu können. Sie hat den deutschen Markt nrit ihren Forderungen so überlastet, daß imt 50 Prozent der angeforderten Summen zugeteilt werden konnte». Der französische Franken notierte 6162 gegen über 4877.60 am Vortage. Selbst die österreichische Krone ist um sechs Kronen gestiegen und notierte 109.70 gegenüber 103.70. De, Zusammenbruch ist vollkommen. Nichts scheint ihn mehr aufhalten zu können. Verteuerung der Leöenskosten. Berlin, 2. Juni. Der „Lokalanzeiger" schreibt: Im Laufe des vergangenen Monats hat sich eine sprunghafte Verteuerung aller Lebensbedürfnisse vollzogen. Als Monatsdurchschnitt gerechnet stieg der T e u er u n g s i n d e x von 29,93 im April, auf 40,03 im Mai, was einen monatichen Bertesterungsgrad von 3 3,8 Prozent bedeutet. Im April chatte dem gegenüber der Steigerungsgrad im Vergleiche zum Vormonat nur 6,5 Prozent, betragen.. l; - Unruhe unter der Arbeiterschaft. Die fast stündliche Verteuerung der Lebenskosten hat die Arbeiterschaft aller Richtungen überaus unruhig gemacht. In vielen Berliner Betrieben berät die Arbeiterurd Beamtenschaft ohne Einvernehmen mit der Gewerkschaft eine durchgreifende Lohnerhöhung, und zwar soll diese nach österreichischem Vorbild nach dem Teuerungsindex automatisch erfolgen. Morgen finden von den Kommunisten einberufere große Demonstrationsvevsammluugen gegen die Teuerung statt. Die Sotzialdemolraten Vevanst-alten Dienstag Kundgebungen gegen die Bedingungen der Industrie. Auch in der Provinz mchren sich die Unruhen. So saniden in Darmstadt große Kundgebungen der Arbeiter statt, Lord ßecilfüt die Zichernng des Weltfriedens. London, 2. Juni. (Tel. der „Wr. Morg-enzeitung".) Lord Ce e i l sprach gestern abermals über die Notwendigkeit einer Verständigung zwischen England und Amerika. Er führte u. a. aus: „Heute, in einem Europa, das stärker bewaffnet ist als vor dem Kriege, ist es mchr als notwendig, Friedensgarantien durchzuführen. Auf dieisem Gebiete sind die Interessen der engtischsprechenden Vöster identisch. Es ist erforderlich, daß England und Amerika nach besten Kräften Zusammenarbeit c n, um Sicherheit gegen die von Europa drohende Kriegswut zu erreichen, die geeignet wäre, die Zivilisation vor dem Untergang zu schützen. Jeder überzeugte Christ ist verpflichtet, sich an diesem Kampfe um den Weltfrieden zu beteiligen." Schwierigkeiten in Lausanne. Lausanne» 2. Juni. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Finanzexperten haben gestern nachmittags die Diskussion über den Zahlungsmodus fiir die Coupons der ottom attischen Schuld wieder aufgenommen. Da es jedoch unmöglich war, zu einer Verständigung zu gelangen, wurde die Behandlung der Frage bis zum Eintreffen V e n i s e l o s' v e r t a g t, der am Montag aus Paris hierher zurückkehrt. Auch die abends stattgefundene Besprechung zwischen I s m e t Pascha und General Pellet hätte einnegativeL Ergebnis. BÄdwin besucht Poinmre. Paris, 2. Juni. (Havas.) Wie der „Temps" aus London meldet, beabsichtigte Premierminister B a l d w i n, nach den französisch-belgischen Besprechungen zu einer Konferenz mit Poinear6.nach Paris zu kommen. zurückkehren würden. Ern Blutbad, wie es der Weltkrieg kaum war, müßte solchem Resultat die Quelle sein und es wird unter allen, die heute ihre schmetternden Exerzierplatzreden loslassen, kaum einer sein, der ernst an eine solche Entwicklung glaubt. Es geht ihnen - Um«he« n«d IemonftraÜoue«. die so stürmischen Umfang annahmen, daß die Polizei Panzerwagen und Stacheldrahtbarrikaden gegen die Demonstranten aufrichten mußte. -In Köln befinden sich sämtliche städtischen Arbeiter im Streik. Es streiken Straßenbahn, Wasser?, , Elektrizitäts- ' und Gaswerke, Fuhrwerk, Theater, städtisches Bureau. Auf, den 'Wasser- und Elektrizitätswerken, werden die Notstandsarbeiten durch die. Arbeiter selbst' aüsgeführt.Der Streik greift so weit um sich, daß heute morgens; die Arbeiter des. WestfrieLhofeL entgegen dem Beschluß des Betriebsrates sich weigerten,' die °Leichen» aus den Wagen zu heben. Die' Gewerkschasten erklären, daß sie mit diesem Streik nichts zu tun haben und daß er gegen ihren Beschluß zustande gekommen sei. Der englische Kreis-, offizier hat vier Mitglieder der Streikleitung' verhaften lassen. Auch die Stadt, Düsseldorf ist ohne. Gas und ein sch." großer Teil der Stadt auch ohne Licht. Die neue Note. In parlamentarischen Kreiisen rechnet mar: mit ziem» licher Sicherheit damit, daß die neue deutsche diote ' Mitt« nächster Woche abgesendet wird.. Danach soll es sich um eine ergänzende Note der letzten.deutschen Note handeln, die sämtlichen beteiligten Mächten zugehen.wird. Nach dem „Sozialdemokratischen Parlamentsdienst" hat sich die Mehrheit der Kabiuettsrnitglieder dazu durchgerungen,^ eine festeS umme anzubieten. Es besteht bic Absicht, eine neue Verm ögenssteuer durchzuführen.; . Warum Stinnes in Italien war. Hugo Stinnes . hat, ernenn römischen Bericht' des „Daily Chronicle" zufolge,' in Mailand den Versuch unternommen, die Baue a Comm erci a le zu einem, großen Vorschuß für die .Reparationen zu.. bewegen; ' Dieser V.oWstß -würde durch die deutsche Reg-rerMg.-/unddie durch Hugo Stinnes geführte Jndustriegruppe garantiert.. Ler Mlkerbnnd soll helfen. Stockholm, 2. Jmri. (Havas.) Die interparlamentarische Gruppe des Reichstages hat der: Beschluß gefaßt, der Regie. °rung den Vorschlag zu unterbreiten, den Völkerbund auf* zufordern, im Interesse der L 5 f u n g des Reparationsproblems e i n z u g r e i f e n. Da die Gruppe der Ansicht ist, daß der Völkerbundrat außerstande -ist, - die Frage, zu lösen, verlangt sie, daß die Bölkerbundversammlung. einen n e u e n A u s s ch u ß einsetze, der sich, in Zusammen-' arbeit mit dem bestehenden wirtschaftlichen Ausschuß mit der Angelegenheit zu befassen hätte. Die AbrLstnngsfrage. Genf, 2. Juni. (Schweig. Dep.-Ag.) Die A b,r ü st u n g s-, ko m mislsio»n des VMerbunIdes wird am 4., d. in ttif^ zu ihrer siabenien Tagung zusammentreten. Die Session. sich inerster Linie mit der Vorbereitung eines 5ßtoigixmtm8| für die gegensciti ge G arantie zwischen den Staaten, beschäftigen zu dem Zwecke, eine a llge m ei ne Ab r üst u n g gemäß den: von der VÄkerbundvevsammlung im September 1922 gefaßten Beschlüsse zu ermöglichen. Washington» 1. Juni. (Reuter.) Wie verlautet, hat. Präsident Hardi ng die Absicht, eine neue',Konfcrcnz zur Beschränkung der R ü st u n g e n einzuberufen, die sich zunächst mit der Beschränkung der Rüstungen in der Luft und zu Wasser beschäftigen solle. ® Paris, 2. Juni. (Wolff.) Der- .Berichterstatter der Kammerkommission für die Waishingtoner A b r ü st u n g svertrage, Abg. Guevuier, hat gestern einem Vertreter der „Chicago Tribüne" erklärt, haß das ftättzösischc Parlament die Verträge ratifizieren werde, '.ohne, wie ursprünglich vorgesehen war, Vovbchatte zu machen. Frankreich werde sich jedoch. durch die in Washington vereinbarte VcrlMnisMer für die Stärke der verschiedenen Flattert nicht über das Jahr 1936 hinaus 'gebunden erachten. Gn internationales KisenbahnMommen. Bern, 2. Juni.' (Schweiz. Dcpcisch^-Ageutur.) Die internationale Ei senb ah nkonferenz, die noch bis in die nächste Woche hineitt'dauern wird/ dürfte zu emvm Abkommen über den Pe rs o n e nun d Gepäck sve rkeh r sichren, das als großer - Fortschritt, gewertet werden kann. auch gär nicht in erster Reihe um dieses Ziel. Die Demitfmtk wollen sie erwürgen, den Bürgerkrieg entfesseln und diesem Zweck dient die Pvräde'.. die .sich heute vor dem Denkmal des großen Mordens von 1813 entwickeln soll.

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