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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-02 · Heft 1545 (2.6.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1545 (2.6.1923)
Date
1923-06-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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0& 1Ö45 Wiener Morgenzeitmtg^ 2. Juni 1923 Seite 8 Wien, Samstag l AA AiJS flfc A I Af Uf Der Beschluß dv- GemeinderateS vom l Jänner 1923 über di« Befsiat-tttugsordnung siirv die Feu-erH all-c der Stadl Wien und die Gebühren der Feuerbestattung wird vo-Uirrh ältlich wiederholt. (Beifall bei der Majorität.) Gem-eindevat Kunschak (christlich!,'oz.) beantragt die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung. Der Referent spricht sich dagegen aus, da der 8 85 der Genreindeverfasftrng den Bürgermeister ausdrücklich das Recht gilbt, einen Werten Beschluß zur neuerlichen Verhandlung in den Gemeinderat zu bringen. Der AntragKunschak auf Absetzung des Gogenstzmdes von der Tagesordnung wird bei der Abstimmung mit Stmmnenm-ehcheit gegen die S t i m me n der Christlichisozialen und de-r Deut-schnationalen abgelehnt. Gemeinderat Kunschak verlangt das Wort zur Geschäftsordnung, die Vorsitzende hat jedoch bereits das Wort dem Gemeinderat Skaret erteilt. >. Da-rmchhin Verl affen d4e Ehr ist >l i chs ozi a l-e n den Sitz uugsfaal. Getmeinderat Skaret (Sog.): Daß wir heute wieder gezwungen.sind, uns mit der Angelegenheit der Feuerbestattung .zu bsschäftigen, ist eine Ku^turscha nd e, d'rv man in Europa nicht verstehen wird. Ich kann nur das Veralten des Bundesministers und Gemei-nderates Schmitz in dieser Angelegenheit nicht anders zurechtlegen, als daß er den Hausknecht des Erzbischofs Piftfl cibgilbt. (Lebhafter Beifall bei Iber Majorität.) Ich habe dem Referat nichts beizufügetr. Um jedoch alle Unklarheiten und Mißdeutungen über den ausdrücklichen Dillen des Gemeinderates von vornherein auszuMießen, erlaube ich mir, folgenden Zusatzantrag zu stellen: Der Gemerndevat beschließt: Der Dlagistrat wird angewiesen» den Betrieb der Fenerhalle f-ort-tzus-e-tze n. (Lebhafter Beifall.) Damit-ist die Debatte geschlossen. Bei der Ab st i m m u n g w i r d u-nt er ft ü r m ischem Beifall sowohl der Referentenantrag als der Zusatzantrag Skaret einstimmig, d. h. mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Tschechen, Den tschnat tonalen, Jüdiischn at>ionalen und des Demokraten angenommen. Gemeinderat Speiser ruft: Hoch die europäische Kultur! (Neuerlicher Beifall.) Damit ist die Angelegenheit erledigt und cs wird in die Tagesordnung «mgegaugen. llngam. ffrhShmg der Aoatsbeamteubezsigr. Das nächste „Programm" Bethlens. Budapest, 1. Juni. (Tel. der ,Miener Morgenjeitung".) Gestern abends fand ein Ministerrat statt, der dse Erhöhung der außerordentlichen Teuevungszülag? der Staatsangestiellten um 5 0 Prozent beschloß. Am Vordergrund der Beratung stand die Frage der Sanierungsakiion. Die Regierung ist für Fortsetzung der Mion und erachtet es als ihre nächste Ausgabe, das Jnformationsmaterial für die von der Entente zu entsendende Stuvienkmmnlsiion fertigzustellen. Dies rst rin mageres Programm, wenn man bedenkt, daß die Regierung jetzt eigentlich an die Durchführung der von der Reparationskonunission geforderten Maßnahmen innerpolitischer Natur schreiten müßte. Davon ist aber vorderhand leine Rede: die Regierung brüstet sich im Gegenteil tn offiziellen Erklärungen, keine Einmischung in die inueren Augelegenheiten dulden zu Wollen, und behauptet, eine derartige Forderung -wurde seüens der Reparationskommission niemÄs gestellt. (?) Die nächste Konferenz der RegierungsPartei am nächsten Montag oder Dienstag wird die Entscheidung bezüglich des Austrittes der Gömbös--Gruppe bringen. Der Bruch scheint ans inner- sowie außercholitischen Gründen nnvermeidlM Serminiertuta der ReichsverweseMaft? . Wie ine gestrige Nummer des „5Bec.fi Magyar lljstvg" aus Belgrad zu melderr weiß, sind in dortigen diplomatischen Kreisen Pariser Informationen im Umlauf, wonach Ministerpräsident Bethlen während seines Pariser Artsenthaltes die Term iur erung dev ReichsveLweseirschaft Horthys zugesagr habe. Diese Bedingung soll eine der von der R e p-a r atio n s kommissiion auf-gestellten rudner- Ditischen Bedingungen sein. Aufgeschobene Waffeuilbuagen. Warschau, 1. Juni. (Tel. der „Wr. Morgertzeitung".) Die Waffenübungen des Jahrganges 1895, die im Juli stattftnden sollten, wurden bis zum Herbst Vers ch o b-e n. Litauen. Besetzung der neutralen Zone. Wilna. 1. Juni. (Havas.) Die Litauer haben die von der Botschafterkonferenz Litauen zugesprochene nent-rale Zone beisetzt. ' -1 * - .> . ' ,. - ———- - - ..- - Ludeudorff und Momevmm. Me Pläne der rnsstfchen Monarchisten. Das Prager uatio-nalsoMistische Organ „Coske Sl-ovo" verö-stsentlicht die folgenden MittcUmMin Die russische Enrigvantenpresse, die stark rechts gefärbt ist und die mit ihr syntpathisterenlde europäische Presse verölsfontlichl mit fre-lldigen Kommentaren eine Rede des bekannten Generals Baron Wränget, die er am 5. Mai zu Ehren des scheidenden Generals Schatilow in Belgrad hielt. General Schatilow, der ehemalige Chef des Hairptquartiers der Armee Wrang ei, reist jetzt als politischer Vertreter der Generale nach Frankreich, um dort an der großen politischen Arbeit der befreundeten Kreise teiilizunehmen. General Wrangel sagte, daß es sich unter anderem auch um die Gründung einer gern einsamen russischen nationalen Organisation handle, die in sich alle großen Kreise und Gruppen vere,inigen würde, die sich nicht mit -dem Kommunismus und Sozialismus identifizieren können. An die Spitze dieser geeinigten russischen nationalen Bewegung soll der ehemalige Oberkontmanldant aller russischen Armeen, der Großfürst Nikoiaj Nikolajewitsch gestellt werden, der bereits seine Zustimmmg zu dieser Ernennung gegeben haben soll. Die russischen Emigranten sind vereinigt im sogenannten „höchsten monarchistischen Rat", der im Jahre 1920 im Bad Neichenhall unter aktiver Mitwirkung von reichsdeutfchen und unga rischen Monarchisterentstanden ist, mit denen seit jener Zeit wLÄergearöeltet wird und von denen sie.auch finanzielle Unterstützung erhalten. Die russischen Monarchisten sehen in Frankreich den Schuldtragenden des heutigen russischen Zerfalles und lenken ihre Micke a'.rf die reichsdeut sch t\ monarchistischen 5treise, mit welchen sie im inr.-igstcr' Kontakt sichert und für die Erneuerrrn-g der Monarchie in Ruß land und Deutschland arbeiten. Die Pläne der russisch-deutschen Monarchisten wurden erst unlängst durch die „Chicago Tribüne" verraten. Die am» rikaNlische Zeitni.g behauptete, daß die russischen Monarchist«! mit Hilfe der deutschen Reaktionären und des Generals Ludendorss an der Spitze den Einfall in Sowjetrußlarrd vorbereitcn, u>w die Bolschewiken zu vertreiben. Nach der Wiederherstellung dez Monarchie in Rußland soll mit Hilfe russischen Militärs de> staatliche Umsturz in Deutschland folgen, wo die Hohen zoIlern nerierdirgs auf den Thron gelangen sollen. Ueibal diesen Plan sind Satvjetrußland als auch Frankreich und Eng land genau orientiert. Es wäre ja möglich, diese Nachricht der „Chicago Tri. bune" in die Rubrik der gewohnten amerikanischen Sensationen einzureihen, wenn wir nicht von ar.derer Seite verläßlich Nachrichten über die Mtion der russischen und deutschen Monarchisten in unserer nächsten Nähe — in Bayern — hauen In Bayern weilen der bekannte Mitarbeiter des ukrainische' Hetutans S k o r o p a d s k y, .der General B i s k u P s i i, de* Oberst C o a ldt, der Kapirän K a z i m Bei, General R i t t i ck usw., die eine internationale Verbindung zwiischen Hit le und dem reaktionären Europa aufrechterhalten. Vvn seiten der Deutschen arbeiten mit ihnen Hitler, Ludendorsf und Oberst Bauer. Ewe enge Verbindung besteht auch mit Ungarn, das dicj» Bewegung reichlich unterstützt. Me französischen Hllkenkreuzler. Paris, 1. Juni. (Tel.-Komp.) Gestern nachmittags wurde gegen die beiden Mgeordneten M o u t c t urd Marc S agn i o r sowie gegen -den früheren Ernährungsminister V i olette ein Attentat vevübr, als sich vre drei Genannten zu einer Versammlung 'der Liga für Menschenrechte begaben, die gegen die Me t h od e n des F a s z i s m u s protestieren sollte. Dem Abgeordneten Sagnier wurde nach faszistifchenr Vorbild Rizinusöl eingegeben. Der Abgeordnete Herr ro t hatte in der Kammer eine Interpellation über düsen Angriff der Royalisten emgereicht. Er wünschte zu wissen, welche Maßnahmen die Regierung zu ergreifen gedercke. um das Leben' der Bürger gegen Angriffe der Royalistenorgamsationen zu schützen. Eine ähnliche Interpellation hatte auch der Abgeordnete Emannel Brouffe emgereicht. Beide Interpellanten protestierten gegen ib-fae Einführung der f asz istischen Methoden in Frankreich Und erklärten, daß der AugeMick qur energischen Nrederschl-agung der royalistischen AuStschreitruMN glommen sei. Jnnemninifter Maunory erklärte daraufhin, daß ine Regierung die gestrigen Attentate nicht billige und entschlossen sei, «dagegen mit den strengsten Maßnahinen vor- Fngehen. Sie halbe den Beweis, daß eine Organisation bestehe,!die sich über ganz Frankreich erstrecke. ,^ch kenne deren. Führer", sagte der Minister, „awtb die Gerichte sind verständigt worden. Die Regierung wird ihre Wicht bis zwnr Ende erfüllen, um die Republik zu verteidigen." Es scheint indessen, daß die Tä-t<i>gkeit .der Royalisten auch in weiteren Partei-k-reisen mißbilligt wird. Dies mußte der Abgeordnete Leon Daudet erfahren, als -er heute nachnrittags in der Kammer erschien. Er wurde in den Wandelgänigen von ungefähr 10V A b g e o r.d n e t e n it m x i n g t, die ihm heftige Vorwürfe über die Tätigkeit der ihm tmterstellten Organisation nrachten. Einige Abgeordnete wollten es sogar zu Tätlichkeiten kommen lassen, denen sich Daudet nur durch schleunige Flucht ervtziehen konnte. Es ^ist.'beachtenswert, daß sich der gestern angegviGene Abgeordnete Mont et bei dieser Gelegenheit ins Mrbtel legte, um eilten royalistischen Pariser Abgeordneten vor seinen Feinden zu schützen. kuglische Kriegsschiffe an der MuMan-Küste. Loninm, 1. Juni. (Töl.-Komp.) Zwei englische Kreuzer und ein 5kanynenboot sind nach dem Weißen Meer ablgegaing.en« und haben sich der Mimnan-Ktiiste bis aus eine MeNe genähert, ohne aber die Feindseligkeiten zu eröffnM. In der Bucht von Kola sind fchwimmoud-e Minen anfyefischt worden'. * Eine richtige Frage des „Vorwärts". Zusammenhang zwischen den kommwristischen Unrnhen und den Franzosen. Berlin, 1. Juni. Der „Vorwärts" richtet zur Kennzeichnung des Zusammenhanges der Beziehungen zwischen den kommunistischen Unruhen und den Franzosen im Ruhrgebiet an die „Rote Fahne" die Frage, ob es üvckhr sei, daß französische Militärs den Kommunisten an der skuhr ihre Unterstützung sür den Fall angeboten hätten, daß sie die Fabriken und Anlagen im Ruhrgebiet besetzen würden, falls dafür Sorge getragen würde, - daß der P a f f i b c Widerstand anfhören und Kohle für Frankreich gefördert und verladen winde? Me Wischen Frauen von Damnskns. Die alte orientalische Handelsstadt Datnastus Hai den Ruf, die schönsten jüdischen Frauen zu besitzen. Jv 5Aeidutrg und Schmuck ahmen die jüdischetr Fratlen voll Damaskus alle Toilettenkünste der Araberin nach. Sie tragen die schwarzsei-dene „Malaje", schnütrken sich, färbep die Lippen rot und die Attgen bla-u, ziehen die Braue« mit dem Schwarzstift lang, sind putzfüchtig nd intrigierer, wie die Arabersrauen. Im Gegensatz zu den jüdischey Frauen artderer Gegenden des Orients besuchen sie um zweintal im Jahre die Synagoge, und zwar am Rösch Haschana und aut Jom Kipur. Palästina ausgenommen, ist Damaskus der einzige Ort jüdischer Frauenuni! Mkädchenarbeit im Orietrt. Die jüdischen Mädchen und Frauen von Damaskus, auch solche ans guten Familien, arbeitetr zusammen mit den Männern in einer Werkstätte. Die jüdische Bevöl,. kerung von Damaskus, welche heute etwa 20.006 Se el e tc zählt und eine uralte, sehr wechfelvolle Geschichte hinter sich Hat, besteht nur zunr kleinen Teil aus Kcmsleuten und Bankiers, zum größten Teil aber aitä Arbeitern und Handwerkern. Di-e Golds ch m i e d e a r b e i t, die weltberühmte Damaszener Schmiedekunft und die We'bevei sowie die Holzschnitzerei stich gänzlich in jiidischen Avbeiterhä'nden. Es ist aber interessant, zu konstatieren, daß die Unternehmer der Werkstätten, m denen die weltberühmten Damaszener Arbeiten hergestellt werdett, fast ausnahmslos C h r t st e \\ sind, vielfach christliche Araber, deren Antisemitismus jo bekannt ist. In den Werkstättetr für Damaszener.Arbeit sind über 4000 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, und unter ihnen befinden sich selbst vierjährige Kinder. Der Verdienst für die täglich zehn- und ntchrstündige Arbeitszeit ist karg, so daß in den letzten zwanzig Jahren eine starke Auswanderung von. Juden aus Damaskus eingesetzt hat, die sich insbesondere nach Amerika wendete. Zurzeit gibt es in New-Iovk an die dreitausend Juden aus. Damaskus, -welche sich in der Riesenstadt hauptsächlich als Schuhputzer sortbringen. Wahrend die übrigen Auswanderer aus dem Orient, wie zum Beispiel die Drusen, ahnl-ich den Italienern nur einige Jahre in AwevWa bleiben und dann in ihre Heimat znrückkehren, tun mit den Ersparnissen, die sie in Amerika gemacht haben, einen besseren sozialen Stand in der Heimat zu erreichen, bleiben die Damaszener Juden in Amerika. Ihre Frauen und Mädchen aber, ivelche zumeist in der Heimat, in der orientalischen Märchenftadt, Zurückbleiben mutzten, bringen sich dort als Sangermnen und Tänzerinnen fort, wie im gattzen Orient berühmt siüd. Pas ist das tvcntrige Los der verlassenen Frauen von Damaskus. Eine ftimMche Anleihe der Gemeinde Wien. In der gestrigen Sitzung des Gemeindemtes wtrrde eine Gesetzesvorlage über die Aufahme einer Wohnbauanleihe im Betrage von 10 Milliarden Kronen eingebracht, die zur Aussichrung des zweiten Notstandsprogramm, der Gemeinde benötigt wird. Diese Vorlage wurde ohne Debatte angenommen. Sodann referierte Stadtrat Breitner über eine Gesetzesvorlage betreff Aufnahme einer Anleihe von 30 Millionen französischer Franken, die zur Konvertierung der im ehemals feindlichen Besitze befindlichen Stücke des 1902er Anlehens gebraucht werden. Wohlfeile Woche! Regenmantel . « K 125.000 Lelnenwaren, Wasch waren, Stoffe, wasche — sehr billig K Mn Schiffmann II., Taborstraße 48 Talephon 47-1-76 En gros En detal

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