Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1544 (1.6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I m. tm sssai, groitoe Wiener Moegenzettmi«. l.Jmii 1W8 _' WM.'. PMksche Kamvsmethoden der Faszisten. Paris, 31. Mü. Wie die Blätter aus R o m melden, wurde der fasziftische AbgomÄnete Mi surr, der aus der Partei ausgeschlossen worden war und gestern nachmittags 4» der Kammer «ne Rede hielt, in der er die po- Msche Haltung gewisser PevMichkeiten aus der Umgcbmig Mussolinis einer scharfen Kritik unterzog, nach dem Verlassen der Kammer aus dem Corsa Umberto von einer Gruppe von Faszisten überfallen und ernstlich ver-lotzt, so daß er ins Spital gebracht werde«. mußte. Der Unterswatssekretär für Ackerbau/ So rg in i, 'der den Abgoordnelen Misuri zu seiner im Parlament gehaltenen Rede beglückwünscht hatte, hat seine'Demission gegeben, die auch vom Ministerpräsidenten Mussolini ^genommen wurde. Das Unterstaatssekvetaviat für Ackerbau toitb ansgelcrffen werden. Achte 3«sto» der liberalst Parteien i« knglaad. London, A. Mai. Muter.) Wie,/DMh News" melden, hat die nationale Föderation mit einer MchrilM von 90 Prozent einen Antrag abgvlehnt, wonach die Führer der beiden Flügel der Liberalen Partei aufgefordert werden sollten, sich wegen des.Zusammenschlusses der benden PartePügel miteinander m Verbindung zu setzen. 'Die Földeration nahm .einen Antrag cm, worin Asquith das Vertrauen ausgesprochen wird, und lehnte in einer Resolution ein Bündnis mit den Korservativen und die Bildung einer Miitelpartei ab. Die ottomanische Schuld. Lausanne, 31. Mai. (SchweHerische Dchrfchen- Agentur.) Die Delegation der Alliierten verhandelte heilte mit Is m e t Pascha über das Verlängert nach Bezahlung der Coupons der ottomanischen Schuld. Diese Bezahlung soll in Go Idan leihe erfolgen. Jsmet Pascha legte dar, daß die Bezahlung in Gold unter den gegenwärtigen Umständen und angesichts der niederen Valuta für die Türkei eine Last darstellen würde, die sie 'laicht tragen könne. Von alliierter Seite und besonders von General Pelle — die Mühvzahl der Lttves der ottomanrschen Schuld befindet sich bekanntlich in Frankreich — wurde geantwortet, daß diese Frage die Konferenz in keiner Weise berühre. Sie müsse zwischen der türkischen Regierung und Vertretern der, Tctvesmhaber direkt geregelt werden. Es konnte keine Verständigung erzielt werden. Das neueröffnete Tuchhaus Br. Haber VW. LIN DEN GASSE 20 BIETET ZU EINFÖHRUNGSPREISEN . BESONDERE K A U F G E L E G E N H EIT FÜR SCHNEIDER, HÄNDLER UND MARKTFAHRER 'ZU SEHR GONSTIGEN KONDITIONENI «57 Tagesbericht. Sitte Nordm-Lrauerfeier in Moslau. Erst drei Monate nach Nordaus Tod war 'es möglich, in Moskau eine Trauerfeier für einen. Denker zu veranstalten, der im Kampfe gegen die Entartung der bürgerlichen Gesellschaft in vordersten Reihe gestanden war. Als anfangs April große schwarze Plakate in russischer Sprache ankündigten, daß am 25. April eine Trauerfeier für Max Nordau stattfinden werde, konnte niemand daraus entnehmen, daß es sich um einen Juden, um einen Zionisten handle, denn Judentum und Zionismus sind in Sowjet- Moskau verpönt; der Text sprach vom Revolutionär Nordau; wer die Trauerfeier veranstaltete, war auch nicht ersichtlich, und erst bei der Feier selbst 'wurde es bekannt, daß ihre Veranstalter Professor David Schorr war. Schorr ist ein bekannter Musiker und wirkt als Professor der Musik an einigen Konservatorien, welche die Sowjetregierung erhält. In der Trauerrede, welche Schorr, der Nordau persönlich gekannt hatte, selbst hielt, sprach er nur über die soziale Tätigkeit Nordaus. Er sprach daher über Nordaus Leben und Werke nur von dem Aspekt, soweit sie durch seine soziale Aktivität beeinflußt wurden und befleißigte sich auch, bei der Erörterung seiner literarischen > Tätigkeit der gleichen Zurückhaltung. Bei Besprechung der Ursachen, welche Nordaus soziale Mivität hervorviefen, konnte Schorr doch einiges über Nordaus Beziehungen zu Palästina (das der Redner aus eigener Anschauung kennt), einflechten und einige Lichtbilder vom jüdischen Palästina bringen. Er versuchte dabei unter Berufung aus die Stellung Klara Zetkins, zu nationalkulturellen Fragen wenigstens in nalionalkuliureller Hinsicht die zionistische Bewegung „reinzuwaschen". So muß in Moskau alles, was mit Judentum oder Zionismus zusammenhängt, behandelt werden. Der Trauerfeier, die im Saale des polytechnischen Museums stattfand und außer der Rede Schorrs noch einige musikalische Darbietungen (jüdische Volkslieder, ein Vi'olinsolö des „Kol-nidre" u. a.) brachte, wohnte eine zahl¬ M HM m MegersM tzntWmgen ist ungsrWen ParlamM. Vorgestern fand in der mvgcrrischen Nationaldersammiung wieder eine Debatte über die schändlichen Zustände in -dem Fntorniertenlager von Zalaege-rMg statt. Der Abgeordnete Eszergalyos berichtete über die Evfahruugc.il, die die parlamentarische Untersuch-uu^gskoin-ur'.ssto-n machen mußte. Die Internierten, die Bcschwerdeschriflen überreichten, wurden mit zehn Tagen Einzelarrest bestraft. Es wurden weiter Internierte geprügelt, -darunter auch Fronen. Ein Mann namens Szcles Ivurde, weil er Wasftr.verschüttet hatte, mit einem Säbel geschlagen und dann .gepeitscht. Ein Internierter namens Bcla Laszlo wurde in folgender Weife gcpvimgt: Gr wurde am Abend vor einer Baracke nackt mit kaltem Wasser begossen, dann mit Bürsten gerieben, wieder begossen und dann stehen gelassen. Laszlo, ein schwer Herzkranker Mann, ist.an dieser Behandlung am folgenden Tag gestorben. Als Minister R akovszky dies aibzuleu,gnen versuchte, kam es zu Lärmszenen. Gszergalyos forderte schließlich die A >u f l ö f n n g des Lagers. Der Dt >vn ist er antwortete auf diese Beschwerden in einer längeren'Rede, in der er altes Vorgebrachte teils beschönigte, teils Mougnete. Gr Motz mit der Erklärung, daß sich die Zustände in dem Lager gebessert haben. Abgeordneter Esztergalyos, der hieraus zur ReplÄ. das Wort nahm, ibomerAe, die Woute des Ministers scheinen alles 5tu rachts-er ti,gen, was der Interpellant behauptet hatte, Mehrere Mitglieder der Einheitspartei begleiteten diese Bemerkung des Redners mit höhnischem Gelächter, wodurch die Leidenschaften der SoKlaldemMaten, aber auch der liberal-büvgeMchen Fraktionen ansgestachÄt tourden, so daß es ailsbatüd zu -rrrbnllenten S-zene-n kam. Abgeordneter Stephan Farkvs (Soz.)r Jedes Wort ist da vergMich! Abgeordneter Propper (Soz.)r Jawohl, alles hat der Minister eigentlich zügegeben! Abgeordneter Kebelk (Soz.)r Wir wollen bei der Nntersuchung zugegen sein! Abgeordneter Reisinger (Soz.): Die Hauptsache ist: 'fein sein. Die Internierten aber mögen verrecken. Abgeordneter Statut (Einheit): Das Ordnung 8schutzgesetz muß geniacht werden! Abgeordneter Rupert (Reformpartei): So wollen die Herren eine Aus l a n d a n l e i h e bekommen? Augeordneter Sütö (Soz.)r D i es es H a u s ist r e i f, aufgelöst zu werden! . Abgeordneter Esztergalyos': Wenn die Regierung u n d d i e Mehrheit d a s Z a l a e g e rsz e g er Lager dennoch a u f r e ch t e r h a l t e n, s o m ö. g e j/e d e r S ch m e rz, d e r d o r t e n t sie h t, jeder Finchder sich dort d cit gep einigt en Lip p en entmin b e t, ü b e r i h r e H ä n p t e r k o nr m e n! Abgeordneter Peopper: D i e h a u p t st ä d t i s ch e n W äh lerlistensälscher sollte man internieren! Abgeordneter Peyer: D i e W a h l r e ch t. s f äck s ch e r schreien! Abgeordneter Aupert (Reformpartei): ES mangelt ihnen an jeglichem Humanitiitsempfinden. Abgeordneter Propper: F ä l s ch e n d a r s m a n! L Abgeordneter Stephan Farkas: Die Haupt st adt darffälschennnd Preistreiberei üben!? Abgeordneter Propper: Sie applaudieren d e r Brutalität und derBarbarei! Der Präsident stellte die Frage, ob das Haus die Antwort des Ministers zur Kenntnis nehme, aber seine Worte verloren sich im Lärm. Abgeordneter Stephan Farkas: D a s L a g er auflos e n! Abgeordneter Proyper: Batbarei! Eine Schande v o r E u r o p a! Abgeordneter Stean phFarkas: Ohne Urteil w e r d e n L e u t e e i n g e k e r k e r t l Abgeordneter Peopptze: Das ist garadezu Mord! Man _ will sie Krmgers sterben lasssn! S ch a n d e! N i e d e r t r ä ch t i g k e i t! Abgeordneter Peyer. Dafür gehen aberbeg n a d i g t e M ö r d e r f r e i u m h e r! . Abgeordneter Proppev: Das ist die christliche Liebe! , Abgeordneter PiKler: Solange Zalaegerszeg steht, wird es h i e r t ä g l i ch S k a n d a l e geben! . Abgeordneter Korvalh: So gibt es Keinen AusianSeKreSik! Abgeordneter Proppevr Das sind H e i d e n! Der Präsiöent ordnete, im größten Lärn: die Abstimmung an. Die anwesenden Mitglieder der Einheitspartei erhoben sich von chren Sitzen, döch erschien das Ergebnis zsveifelhäft. Äuf Wunsch der Opposition wurde die'Sttmmenzählung angeordnet. M i t I ä h a t t e n 41, m i t N e i n 2 6 A b g e o r d n ete ab gestimmt,- die Antwort wurde also zur Kenntnis genommen. reiche Befncherschar bei, vorwiegend aus dm Mische« AWeMassen und der Studenterchhaft. - MeWsche Kraft für PaMtzm. Mr Stand d«s RM-Eerg-Pr^eÜS. (Bvrr unserem Jaffcrew Kor re s p'oqvÄ^mt^-u.) Die jüngst von der Wischen Presse fast der ganzen Welt gebrachte Nachricht, daß Baron Edmund R oths ch i l d für die Ruthenbergsche EleUvizrtätsgeselbschast eine Million englische Pfund gezeichnet habe, vevcmlaßte mich, .Ruthenberg selbst aufzusnchen und ihn über den finanziellen Stund und die Fortschritte seines'Werkes, zur Elektrifizierung Palästinas zu befragen. Ruthenberg emp-. fing mich, in seinem echt amerikanisch eingerichteten Bureau im Hotel Balfouria in der Allenbeystraße in Tel- Awiw. Ich fand ihn in Poller Tätigkeit. Ehe ich noch meine Frage iiber die Richtigkeit der Meldung von der großen Zeichnung des Barons.Rothschild Vorbringen, konnte, sagte Mir Ruthenbevg, daß ihn die Uebertreibungen der jüdischen Presse sehr unangenchm berühren, da sie geeignet seien, falsche Vorstellungen über den finanziellen Stand der Unternehmung zu erwecken und ihr so schaden. Es stellte sich im Laufe der Unterredung heraus, daß Baron Edmund Rothschild tatsächlich hunderttausend Pfund vor einiger Zeit siir die Ruthenbevg-Untevnchmung gezeichnet hat. Ueber den Stand des Elektrifizierungsunternehmens machte mir Ruthenberg folgende Mitteilungen: Ende März 1923 wurde die Palestine Company Limited mit einem Grundkapital von einer Million Pfund registriert, die den Zweck hat, . die Ruthenberg-Konzession zu übernehmen. Nach dem' in Palästina gültigen Handelsrecht müssen 'zwanzig Prozent des Grundkapitals 'bar eingezahlt werden. Diese Bvrnnttel sind vorhanden, und Zwa't Vnrch die Uebernahine von hunderttausend Pfund durch Baron Rothschild, ferner hat die Zionistische Organisation hunderttausend P f u n d übernommen, wovon 60.000 bar eingezahlt wurden, das Joint Distribution Cmnnrittee hat 40:000 Pfund gezeichnet und bar oingezahlt, ferner beteiligt sich der in letzter Zeit berühmt gewönne ruMch-Wische Philanthrop Nassatitis mit bar eingezahlten'50.000 Pfund. Dieser Barbestand von zirka 340.000 Pfund ermögliichte der Gesellschaft die Registrierung. Vom Londoner Palesttne Economic Board und von dem amerikanischen Palestine Development Eouncil (Brandeis-Gruppe) ■ sind bisher Beteiligungen noch nicht erfolgt. Das Anbot der Londoner Gesellschaft, sich mit zwanzigtauisend Pfund zu beteiligen, hat Rnthenberg mit der Begründung ab gelehnt, daß dieser Betrag für das brttifche Judentum zu gering sei, wo es sich um eine Gesellschaft handle, deren Grundkapital mit einer Million Pfund festgesetzt ist und die britische Jrrdensrhaft an der'Spitze der Beteiligten stehen soll. ' Uebcr den' Stand der Arbeiten ' konnte Ingenieur Ruthenberg mir günstiges berichten. Die Pläne sind be-. reits in allen Einzelheiten aüsgearbeitet, lvas bekanntlich keine geringe Arbeitest. Die Ueberlandzeutrale in Tsl-Awiw, welche den' gesamten Jaffaer Distrikt mit Kraft zu versorgen haben Mrd, ist bereits fast, ganz fertiggestellt, ebenso fünf Transformatoren. Me Kraftstation im Jaffaer Distrikt wird 1000 Pferdekräfte haben. Sie dürfte im Lause des Monats Juni bereits in Betrieb sein können. Eine zweite Station für den Haifaer Distrikt, wird in kürzester Zeit gebaut werden. Me Verhandlungen Ruthenbergs miü den einzelnen Dbuniziplen, welche bekanntlich die' finanzielle Lage der Unternehmung wesentlich zu stälken geeignet sind, schreiten gut vorwärts. Der Kontrakt mit der Munizipalität von Tel-Awiw ist bereits unterzeichnet, die Unterhandlungen mit der Munizipalität in Jaffa und Haifa sind in vollem Gange. Auf meine Frage, ob die Abschlüsfe mit >den Munizipien, wenn sie programmgemäß durchigefuhrt weMn,. alle, finanziellen Probleme der Palestine Electric Corporation lösen würden, verneinte Ingenieur Ruthenberg mit der Begrrrndung,. die Lieferung elektrischer Kraft an die Städte bilde bloß einen Teil der Konzession. Um die Wasserkräfte Landes auszunützen und die elektrische Energie im ganzen Lande für industrielle und andere Zwecke zu verwerten, ist weit größeres Kapital erforderlich. Die Aufbringung des Kapitals hält Rüchenberg nicht für schwierig, da das Unternehmen sicher gewinnbringend ist. Er teilte mir mit, daß eine große Zahl von nichtjudischen Interessenten für vie 'Kapitalsausbringuug vorhanden sei. Dies brächte allerdurgs die Gefahr, daß die Kontrolle über das Unternehmen den zionfftischen, beziehilngsweise jüdischen Händen entgleiten könnte. „Und das liegt nicht in meiner-Absicht und ich hoffe, es wird much nicht nötig sein" — schloß Ingenieur Rut-hdnbevg. . .zionWches LMeskomtee. Die Londoner Exekutive hat den Endtermin der Abliese» rung der Schekalim bis zum 15. d. verlängert. Wir fordern daher alle Verbände und Bezirksfektionen ans, diese« Zeitraum für einen intensiven Schekelverkauf anszünüßen. Die Schekalim müssen spätestens bis 12. d. mit dem Landeskomitee verrechnet werden, damit dys Ländeskomitee die.Schekelgelder pünktlich «ach Lpndsn überweifen kann. Regonmäntiet . . K 125.000 Leinenwarcs, Wssettv-ersn', Stoffe, Wäsche — sehr billig Telephon 47-1-7ü En grbs En detail