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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-30 · Heft 1542 (30.5.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1542 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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:WW « - sBies, MMöoH ~~ - Wiener MörgMMMS« ««stritte aus dem 8«de«t«m. bteinLerg Marcel Ernst, geb. 1. September 1908, Bukarest, Realschüler, 4. Bez.. Waaggasse 17; , Bettelheim Elsa, geb. Auaust 1900, Teschen, ouuä. mväiemLs, 1. Bez., Bognerrasse 7; Frenkl AMsta. geb. 16. August 1888, Warschau, veamttn, 9. Bez., Sechsschimmelgasse 22; Kleso Blanko geb. lkornfesti, geb. 11. Febnmr 1895, Waidhofen a. d. MbS, BeamtenS- »attiu. 1. Bez., Ruprechtsplatz 6; Ampel Charlotte, geb. 26. Okiüber 1896, Zaloszyki, 3. Bez., Untere Viaduttgasse 69; Bortstieber Erich, geb. 27. November 1906, Wien, Lehrling, 7. Bez.. iteustiftgasse 26; Buchwald Lea reets Großfeld, geb. 10. Juni 1896, StaniSlau, 1. Bez., Schottenring 14; Goldberger Edmund, geb. 7. April 1875, Wien, Betriebsleiter, 3. Bez„ HörneSgasse 9; Kruber Dorothea, geb. 24. November 1848, Stein, 13. Bez., öinzersttaße 14; Genin Fttta, geb. 10. Ottober 1896, Bobrinetz, Studentin, 9. Bez., Alsersttaße 32; Frenkel Ncmdi.geb. 11. März l.908, Braila, Schüler, 13. Bez', Auhofsttaße 66; Götzl Josef, ,eb. 2. Juni 1916, Wien, 2. Bez., Große Mohrengasie 32; Fürst Olga geb. geb. 22. Marz 1888, Wien, 9. Bez., Pflugraffe 8; Hirsch! Selma geb. Radiwill, geb. 19. Februar 1899, Wien, 9. Bez., Berggaffe 29; Holz Samuel Nissen, geb. 26. Dezember 1880, Brody, Automonteur, 9. Bez., Glasergaffe 24; Kittenplan Risa geb. Weiß, geb. 80. Juli 1881, Wien, 3. Bez., Oelzeltgaffe 10; Knöpfelmacher Elsa, geb. 15. Juni 1907, Wien, 13. Bez., Auhofstraße 78 s; Koch Karl Michael, geb. 22. Dezember 1893, Hochschul-Affistent, 13. Bez^, Hütteldorfersttaße 367;?enz Walter, geb. 5. Jänner 1903, Wien, Beamter, 9. Bez., Währingergürtel 106 Dr. Mayer Helene, geb. 10. Ottober 1894, Wien, Beamtin, 19. Bez., Lannerstraße 12. , Bereise, DorttSge «ad Bersamml««gea. Verein fü°r jiidische Geschichte und Literatur in Wien. Heute im Saale der Gemeinde- »ibliothek, 2. Bez., Ferdinandsstraße 23, III. ordentliche Keneralversammlung. Vorher Vortrag Dr. Lrnst Müller: „Alte und neue mystische Sttömungen im Judentum." Beginn 7 Uhr abends. Gäste willkommen. — Lheologia, Verein jüdischer Hochschüler in der isr. - theol. Lehranstalt in Wien. Huf Grund der zu Beginn de3 Sommersemesters 1922/23 vorlenormnenen Wahlen wurden gewählt: Max B r o n ft e i n, Präsident; Schalom Lilienfeld, Vizepräsident;R.Sere- , r e n i k, 1. Schriftführer; Benjamin K l a r, 2. Schriftführer; q. I. Zimwels. Kassier. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde Herr Dr.'K o h l b e r g einstimmig zum Ehrenpräsidenten gevählt. — Zion. Bezirkssektion XX. Heute um ialb 8 Uhr abends im Vereinslokale, 20., Karl Meißelstraße 6/1, Versammlung TagesordnMg: Der bevorstehende Kongreß. Ref.: Dr. Gelber. — Jugendverein Ahawath Zion, Restaurant Menczer, 2. Bez. Ausstellungssttaße 15. heute, 8 Uhr abends, Vortrag Schwertfinger. Gäste willkommen. -Jüdischer Jugendverband. Donnerstag den!1. Mai, 9 Uhr früh, 2. Bez., Taborsttaße 20 a, Sitzung. Tagesordnung: 1. Bericht der Leitung. 2. Wahlen züm Kongreß. 3. Eventuelles. Alle Gruppen werden aufgefordert, einen Vertreter zw Sitzung bestimmtes zu entsenden. Urania: Deute: GroßerSaal: Halb 3 Uhr: Schülervorttag: Märchenvorlesung für jung und alt. — rinematogramme. 5 Uhr: Knud Rasmussens Polarfahrt. Halb $ Uhr: G'schicht'n aus'n Wienerwald. — Kleiner Saal: halb 8 Uhr: Der Ausbau der österreichischen Wasserkräfte. II. Zng. Franz Kuhn: Der Bau des Mbs-Werkes bei Opponitz. - Kurssaal; Halb 7 Ubr: Dr. Robert Kluma k: Anleitung zur Himmelsbeobachtung. HI. 8 Uhr: Dr. Fritz Lieben: Ernährung und Stoffwechsel. I. — Klubfaal: halb 6 Uhr: Dr. Kwl W i t t h a l m: Hebbels Frauengestalten. III. Halb 8 Uhri Dr. Marianne T h a l m a n n : Geheime Gesellschaften des 18. Jahrhunderts und ihr literarischer Niederschlag. ,_ krnShrm Sie Lebensmittelmarke. Neuerliche FleischpreisechNhung. Anschließend an die Preiserhöhungen auf dem vorgestrigen Rirchevrnartte in St. Marx halben sich gestern auch bereits die Preise im Groschände! in der GroßmarAhalle erhöht. Es verteuerte» sich Rirä>sleijch um 2000 Kronen, Schafe um 1500 Kronen. Kälber nud Kalbfleisch um 1000 Kronen pro Kilogramm. Di« Grünwaremnärkte waren anßerordeEch Mt beschickt. Die im Großhandel am Montag eingetretenen Preisermäßigungen machten sich bereits im Kleinhandel fühlbar. Hiesiger Salat hat sich weiter etwas verbilligt. Ungarischer Scilat ist ausgeblieben. Trotzdem war das Angebot mehr als ausreichend. Große Sendungen von Gemüse sir.d Mch aus Italien m verzeichnen. Namentlich viel Kartoffeln sind angekommen, so daß eine weitere Verbilligung «u verzeichnen ist. Dagegen kommen die bis jetzt eingetroffenen Obstmengen für den Konsum der breiten Schichten wegen der hohen Preise überhaupt nicht in Betracht. Italienische Kirschen kosten auf dem NaschmarLt im Großhandel 9000 bis 12.000 Kronen pro Kilogramm, ungarische Kirschen stellen sich sogar augenUM'ich. noch höher und notieren 10.000 bis 14.000 Kronen das Kilogramm. Selbst für Kirschen, die havariert auf dom Naschmarkt eingolangt stnd. wird ein Kilogrammpreis vor.« 3500 bis 4000 Kronen gefordert. Ungarische Ananaserdbeeren, die gestern zum ersten Male auf dem NaschmarLt eingetroffen waren, notierten im . Großhandel 25.000 Kronen pro Kilogramm. Amerikanische Rinder in Wien. Gestern vormittags wurden in den Anlagen des KontumazmaMes der Gemeinde Men die ersten amerikanischen Rinder geschlachtet. Bei den gestern vorgenommenen Schlachtungen wurde das Fleisch als hochprima bezeichnet. Infolge der hohchr Frachtfpefen und der übrigen mit dem langen Transporte verbundenen Ausgaben darf jedoch mit einem Sinken der Fler schpreise, auch wenn diese amerikanischen Rindertransporte zahlreicher erfolgen, nrcht gerechnet werden. So wurden heute die schönsten dieser ausländischen Rinder mit 22.000 K. für ein Kilogramm Lebendgewicht bezahlt, während für die mindere Ware Wj500 K. gegeben wurden. Durchschnittlich halten die Tiere ein Gewicht von etwas mehr als 700 Kilogramm. Es wird sich also um ein Fleisch von weitaus besserer Qualität als jenes unserer einheimischen Tiere handln, alber der Preis wir auch entsprechend teuer sein. Ms eine Entlastung des inländischen Fleifchmarktes ist diese Fleischzufuhr hoch willkommen und dürften voraussichtlich schon in der nächsten Zstt am Kttmsvorte nach Wien kommen» Bühne und Kunst. Aus de« Wiener Theatern. Abbau und Pensionierungen in den Staatstheatern. — Romberg verlaßt das Burgthvater. — Jarno und Reinhardt. Schon im Jänner d. I. wurde der Perfonalftcmd des Bnvg- und Operncheaters um ungefähr 60 Personen vermindert. Da aber im Budget für das laufende Jahr ein Abbau der Ausgaben für das Personal um ein Fünftel vorgesehen ist, ergibt sich die Notwendigkeit werterer Entlassungen. Unter dem Personale der Staatsbühnen herrscht begreiflicherweise große Erregung, da inan noch immer nicht weiß, welchen Umfang die weiteren Abbaumaßnahmen nchmen werden. Der kommende Freitag (1. Jum) wird jedenfalls neue Opfer fordern, Loch sollen, wie wir erfahren, mn pensionsreife Mttglieder der Staatsbichnen zunächst abgebcmt werden. Indessen schweben noch Verhandlungen zwischen den beteiligten Faktoren Md man darf annehmen, daß auf Grund von Vereinbarungen Härten vermieden bleiben. Hermann Romberg scheidet freiwillig aus dem Burgcheater. Er hat insbesondere durch Leistungen in der letzten Zeit erwiesen, daß sein Abgang einen großen Bevlust bedeutet. Da Neuaufnahmen vermieden werden sollen, ist es fraglich, ob im Künsüerbestande des Buvgtlheaters gleichwertiger Ersatz für diese erste Kraft zu beschaffen sein wird. Romberg wird sich an den Wiener Robert-Bühnen betätigen. Reinhardt wird, entgegen anderen MMur.gen, die er selbst dementiert, das Jos-chstädtertheater übernehmen./Die Eröffnung unter Reinhardts Leitung soll nach erfolgtem Umbau am 5. Oktober statt finden. Es verlautet aber, daß Jarno das Jos-eWdtertheater nicht völlig verläßt, sondern' gemeinsam mit Reinhardt irr führender Stellung an dieser Bühne seiner großen Erfolge wirken wild. Die Saison am Jofesstädterrheater unter der DirÄtion Jarno wirb am 16. Juni geschlossen. Kuustgemeinschaft. In der reich beschickten FrMahrsausstellnng, die an interessanten neuartigen Problemen ärmer ist als an technisch abgerundeten Leistungen, fallen zunächst die zahlreichen Werke Klara Sulzers ins Auge, die, in einem Saale znfammengefaßt, eine UebeÄsicht über ihr Schaffen erntbglichsn. Bilder, die starken Sinn für Koloristik verraten, und solche, in denen das rein Zeichnerische etwas ,-verschlampt" ist, wechseln mit einander ab, Städtebilderauistzüge und BoKsstzenen find mit sicherem Formgefühl und Farbensinn erfaßt. Auch sonst bringen die wsMrchen Mitglieder der Vereinigung manches Schöne: da ist Elisabeth Jung mit -ihren Wiener Bildern, wie dem winterlichen ,-Kcrvlsplatz", da ist Franzi Wilfer-Horst mit ihrem hübschen ,Miu-Motiiv" und dem ,-Hochwasser in der Klosterneuburger Au", Lily Hofmann mit ihrem ,^Jnterieux", Margarete Siebenschein mit Alt-Wiener Widern» die in ihrer Farbenmischung an Klara Sulger gemahnen. — Ein überaus repräsentatives Bild hat I. V. Krämer in seiner gewaltigen ,-Pieta" geschaffen, die entfernt an Klinger anklingt, Maximilian Erlers feine Winievlandschcvften aus den Kitzbüchlerbergen, dem Dachstein- und Großglocknergebiet atmen in Lust und Licht die jungfwüliche Reinheit und Klarheit des ewigen Eises. Erwin Pendl hat einige seiner ausgefeilten Aquarelle ausgestellt, seine Wiener Kirchenbilder und namentlich sein »Musiwereinsgebäude" heimeln durch die behagliche Wiener Wärme an. Auch teilweise charatteristische Porträts von Rudolf Stern ad, das traumhafte ,-Frühlingserwachen" von Josefe Propst-Pfeiffer, die reizvollen Märchenillustrationen von Robert Kautsky, Werke von Skala, Waagner und Liberaki, schließlich Plaketten von Anton Weinberger, treffliche Mulpturen von Josef Urbania und namentlich wohlgelungene Plastiken von Karl Gelles, unter denen wieder der weibliche o r s o" besonders hsrvovKuheben ist, seien in aller KÜM erwähnt. _ e. s. FMsche Schaaspieler im Mterlum. Wer auch nur ganz oberflächliche KenntMe in der Geschichte der modernm Schauspielkunst hat, und die Namen der Rachel, Sara Bernhardt, Dawisons und Sonnenthals gchört hat — die Namen Lebender wollen wir nicht verzeichnen, um nicht deren Bescheidenheit zu verletzen —, weiß, daß die Juden Äs Schauspieler in der Neuzeit keine unbedeutende Rolle auf den Brettern spielen, die angMich die Welt bedeuten. Aber es hat, obwohl die alte Literatur des Mischen Volkes dramatischen Aufführungen nicht günstig war, sicherlich auch im Altertum jüdische Schauspieler gegeben, die in Rom und in Griechenland durch ihr Talent sich zur Geltung brachten. Aus«der Art, in der, der alte jüdische Historiker Joseph us in seiner Lebensbeschreibung einen Zug aus dem Leben eines jüdischen Schauspielers berichtet, ist zu ersehen, daß die Existenz eines solchen nicht zu den unerhörten Ausnahmen zählte. Der Fall selbst, in welchem wir von einem Men, menschensreundlichen Auftreten eines jüdischen Schauspielers erfahren, ist nicht undntereffant. Der Historiker erzählt im Kap. 3, daß einst — als Felix Prokurator in Judäa war — einige ihm befreundete Priester, die er als ehrenwerte, fromme Männer schr schätzte, das Unglück hatten, wegen einer ganz geringfügigen Sache angeklagt und Mch Ro>m geschickt wurden, um sich vor dem Kaiser zu verteidigen. „Da ich," führt Josephus fort, ,-sie zu reiten suchte, es waren fromme Männer, die in ihrem Unglücke nicht ihre Fvömmigkeit außer acht gelassen hätten, sie aßen auch aus der Reise ttichts als Feigen und Nüsse, so begab ich mich selbst mch Rom. Aus der Reise hatten wir viele Geschren zu bestehen. Mitten im Advia- Mcheu Meere ging uu-er Schiff unter owk sechshundert ~~ 'SO. Mai 1928 .. ■' ‘ ’ Kt. 1513 Schiffbrüchige suchten sich durch Schwimmen zu retten. Gegeü Morgen erschien uns, dank der göttlichen Vorsehung, sin cyrenäisches Schiff, das mich und ungefähr achtzig Personen» die allein am Laben geblieben waren, aufnahm. So kam ich nach Dicäarchia oder Puteovi, wie die Italiener die Stadt nennen, und lernte daselbst einen gewissen Alityrus, einen Juden, kennen/der als. Schauspieler beim Kaiser Nero in großer Gunst stand. Durch ihn wurde ich auch der Gemahlin des Kaisers, der Poppäa, empfohlen, bei der ich durch Bitten die Freisprechung der Priester bewirkte. Außer dieser Gnade beehrte sie mich noch durch kostbare Geschenke, und ich lehrt« sodann wieder in meine Heimat zurück." Den Mischen Schauspie-ler Alityrus haben tvir somit, nach dem Zeugnis des Historikers Josephus, in einer RMe auftreten gesehen, die seinem Herzen alle Ehre macht. Mr wissen nichts weiter über seine Leistungen auf der Bühne, aber aus dom Umstande, daß er bei Nero, der sich für ein'großes Schauspielertalent hielt, (rief er doch mit Selbstbewunderung aus: ,Melch großer Schauspieler geht mit mir verloren!"), in so hoher Gunst stand, dürfte gefolgert werden, daß Mthrus ein hervorragender Schauspieler war. Bon den schauspielerischen Leistunge« des Wityrus erfahren wir aus dem Josephus, der offenbar keine besondere Vorliebe für das Theater hatte, nichts. Wenn also die Nachwelt auch diesem Mimen keine Kränze der Bewunderung für sein Spiel auf der Bühne flechten kann, so bleibt doch sein Name chrend mit der Vollbringung einer Men, menschenfreundlichen Tat verbunden. rm. Der literarische Nachlaß Nestrohs. Die meistert von der Hand Johann Nestroys geschriebenen Theaterstücke, die sich im Besitze der hochbetagten Schwiegertochter des Dichters, Stephanie Nestroy-Bene befanden, wurden durch die Tätigkeit oir.es Komitees, das bei einigen Kunstmäzenen, darunter dem Fürsten Johann Liechtenstein, Baron Louis Rothschild, dem verstovbenen Generalrat Dr. Rosenberg und anderen die notwendigen Mitteln ausbrachte, stur die Gemeinde Wien erworben. Gestern vormittags erschienen die Mtglieder des Komitees in der StadtbMiothek und übergaben dem Direktor der städtischen Sammirmgen. Trost, den literarischen Nachlaß Nestroys. der aus vierzig handschvifÄchen Manuskripten besteht. Aus 'Barnahs Erinnerungen. Der berühmte Schauspieler Ludwig B a r u a y, der jetzt in Hannover sein Greisona'lter in heiterer Ruhe genießt, veröffentlicht in einer BeMner Zeitung einige lustige Erinnerungen. Die eine ist nicht mehr ganz unbekannt: ,^Jm Jahre 1884 war ich," so schreibt Barnay, „mit einigen musikalischen Freuivden bei dem großen Klavierkünistler Rub>instein im Hotel Bellevue zu Gaste. Nach dem Souper, es war schon recht spät geworden, entwickelt sich eine ziemlich lebhaste Debatte über eine bestimmte Chopin- Sonate. Rnbinstein, der zufällig auf dem Klavierftuhle vor dem offenen Flügel saß, begann als Beikräftigung seiner Ansicht dre ersten Takte des letzten Satzes zu spielen. Da aber Rubinstein, jo>bald er die Klaviertasden berührt hatte, sofort die Umwelt vollständig vergaß, spielte er den ganzen Satz in schnellstem Preftissimo zu Ende. Da trat ein Kellner zaghaft in den Salon und überreichte Rubinstein einen abgerissenen Zettetl einer nebenan wohnenden Dame, die offenbar keine Ahnung davon hatte, wer ihr klavievspielender Nachbar sei. Der Zettel enthielt einige Bleistiftzeilen, die der Meister lachend voülas; sie lauteten: .^Jch vevbitte mir entschieden, daß Sie so spät nachts nebenan Klavier spielen. Und wenn Sie schon spielen, so bttte ich. wenigstens nicht fortwährend falsch zu spielen. — verstanden?" Die Vorlesung erregte eine stürmische Heiterkeit. Rubinstein aber händigte dom Kellner als Llntwovt seine V i s i t e n ka r t e ein. auf die er geschrieben hMe: ,^Jch bitt' um Verzeihung, ich will's nicht wieder tun!" Die nachbarliche Dame war am folgenden Morgen mit dem: ersten Zuge abaedampst." Die zweite Anekdote ist neu: ,^Jch splelte", berichte Barnah, Uriel Acosta. Auf die Frage des Requisiteurs, wie der Tisch der examinierenden Rabbiner beschaffen sein soll, antwortete ich: .Kinfach w?e ein Gerichtstisch. griine Tischdecke, einige. Micher. Men uisw." Das Wort erstarrte mir im Munde, als ich in der Abendvorstellung auf dem Gerichtstische, von zwei Kerzen bolMchtet. vor den Rabbinern ein mächtiges Kruzifix ausgestellt fand. Aus de« Theatern. Burgtheaterr Morgen, 2 Uhr nachmittags, „M* d e a". Abends 7 Uhr „Antonius undCleopatra". Akademietheater: Morgen, 3 Uhr nachmittags. „D o r g u t e K ö n i g". Abends halb 8 Uhr „D e r K r e i S". O p e r n t h e a t e r: Die heutige Vorstellung von „M an o n" wird infolge Erkrankung deS Herrn Piccaver abgeändert. Es gelangt zur Aufführung „H ä n s e l n n d G r e t e l" und »D i« P u p p e n f e e". Jur Raimund-Theater spielt heute Mittwoch Emanuel Reicher zum letzten Male die Titelrolletn „John Gabriel Borkman", morgen Donnerstag den Leiser Frenkel in Tschirikows Schauspiel „D i e I u d e n", inszeniert von Karlheinz Martin, und beendet damit sein Gastspiel. Freitag den 1. Juni beginnt das Gesamtgastspiel des Berliner Leffing-TheaterS mit Shakespeares Lustspiel „W i e e s euch gefällt". In der NeuenWienerBühne findet SamStag den 2. Juni die Erstaufführung von Oskar Wildes Komödie „Ein idealer G att e^ mit Arnold Ko rff als Lord Goring statt. In den K a m m e r s p i e l e n eröffnet Erika Glässner ihr Gastspiel Dienstag den 5. Juni in dem Lustspiel „L i s s i, die Kokotte". Als zweite Rolle ihres Gastspiels wird die Künstlerin die Titelrolle der Groteske „G r e t ch e n" spielen. Josef st ädter-Theaterr Kurt G ö tz beendet morgen sein Gastspiel in „I ng e b o r g". Freitag den 1. Juni „Totentanz" mit Josef Jarno. Samstag den 2. Juni geht der ftanzösische Schwank „Die Frau Präsident i n" von Maurice H e n e q u i n und Pierre Weber mit Martha Clemens in Szene. Im Apollo-Theater bringt heute die Exl-Bühw als Paul Wilhelms Volksstüch „Der Mvrterstei-' in neuer Einstudierung zur Aufführung. Im Wiener Vergnügungspark findet morgen Donmersta-.i den 31. d. ein großes Fest statt. Unter der DevSse „Das Fest dev WdaMnigin" soll eines >der schönsten -Pa-riser Feste in Wien eingeführt werden. Die schönste ftrem Wiens wird durch Wahl zur Maikönistin erkoren. Für das Fest herrscht reges Jntereffv vor. da es mit Mreichen BelnftigunHen, Äal champetre (Tanz im Freien) und Ko-riaudolikorso zu einer ftöhlichen veneziaruschey Nacht zu werden verspricht. Vntgettlich.)

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