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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-30 · Heft 1542 (30.5.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1542 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ste. im _Wien, Mittwoch _Wiener Morgenzeitung. Jugoslawien «ege« den Farrismnr. . Laibach, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Regierung hat eine Verordnung erlassen, welche alle <ntPersonen unter 30Jahren erteilte Waffenpässe widerruft. Die Verorderung richtet sich gegen die faszistischen Verbände der Orjuna sowie gegen die von russischen Agenten betriebene Werbung von Freiwilligen für eine rm Raume von Pettau zu sammelnde Wrangel-Armee. Graz, 29. Mai. Die „Tagespost" meldet aus Marburg: Die Ausschüsse der Organisationen der jugoslawischen Rationalisten (Orjuna) in Pettau und Marburg haben heute van den Bezirkshauptmannschaften die Entscheidung der Regierung erhMen, wonach diese beiden Organisationen in Pettau und Marburg aufgelöst werden. Die Auflösung der beiden Vereine wird mit den letzten Begebenheiten in Pettau in Zusammenhang gebracht. Ungarn. Ser Pariser „Stfolg*. Paris, 29. Mai. Die ReparattonswnmiiMon veröffentlicht Mgende Erklärung: Die Art und Weise der Kontrolle, um sichevzuftellen, daß Ungar« die Aübeihsfonds ausschließlich fih?$ die finanzielle Wiederausrichtung verwende und rm Innern alle Maßnahmen treffen werde, die diese Wiederanfrichtung zu sichem geeignet siüd, wird noch geprüft. ES ist im AngerMicke unmöglich, die Wstmgen, zu denen es kdmmen wird, Vovcmsgusehem AntisemMsche Wahlmachinatton. Bechlen verspricht Abhilfe. tu Thorn verlangt wird. (Wir haben über diese Angelegenheit bereits berichtet.) Den unmittelbaren Anlaß bildete ein Schreiben des Konsulates an den Kreisvorstand des Deutschtumsbundes in Nowe Masto (Neustadt), das in den Besitz der polnischen .Regierung gelangt ist. Es geht aus diesem Schreiben unzweifelhaft hervor, daß das Thorner Konsulat bestrebt war, auf jene Deutschen, die sich mit der Absicht trugen, von dem Optionsrecht Gebrauch zu machen und nach Deutschland zu übersiEn, dahin emzuwirken, daß sie „im Interesse des Deutschtums in Polen" die polnische Staatsbürgerschaft erwerben und un Lande verbleiben. Eine solche Tättgkeit ist Wohl kaum mit dem völkerrechtlich genau umschriebenen Wirkungskreis einer Konsularbehörde in Einklang zu bringen. Es sei also verständlich, daß die polnische Regierung ähnliche Handlungen deutscher Konsularbehörden in Polen nicht dulden wolle. Zu bedauern ist, daß ein Teil der reichsdeutschen Presse diese Angelegenheit zu einer vehementen antipolnischen Agttation benützt, die gewiß nicht dazu beitragen kann, die deutsch-polnische Verständigung zu fördern. Obligatorischer Hrbräischunwrricht der jüdischen Schüler. Aus Warschau Ivird uns berichtet: In der letzten Sejmsitzung hat der Jüdische Klub einen Dringlichkeitsantvag aus Einführung des obligaten hebräischen Sprachunterrichtes für die jüdischen Schüler an den allgemeinen Volks- und Mittel sch ulen eingebracht. Nach diesem Antrag soll der Unterricht im Schuljchre 1923—4984 beginnen. Die Lehrer sollen über Vorschlag der jüdischen Gemeinden von den Schulbehörden ernannt werden. Im Unterrichtsministerium wäre ein spezieller Referent für den hebräischen Sprachunterricht zu bestellen. Rumänien. Budapest, 29. Mai. (Tel. der «Wiener Morgenzeitung".) Die anttsemittlsche Gemeindeverwaltung der Städt Budapest Keß die WühleÄisten für di« kommenden städtischen Wahlen fälschen. Nicht weniger als 160.000 wahlberechtigte Personen, meistens Inden, bccmwtfeet Advokaten, Aerzte, Ingenieure, wurden aus den Werzeichmssen gestrichen mit der Motivierung, paß sie den Besuch der vierten NovmalschMafse nicht nachwerfen konnten. Es gibt Rayons, wo 35 Prozent der Wahlbvoechtigten ganz einfach gestrichen wurden. Die liberale Opposition wollte wogen diesem Mißbrauch «me scharfe Kampagne eröffnen, doch versprach patte vormittags Ministerpräsident Bethlen den bei ihm erschienst« Führern der Opposition, baldigste Abhilfe zu schassen. Den mit dem Streik drohenden Staatsbeamten ließ der Ministerpräsident wissen, daß er eine endgültige und günstige Regelung der Beamtengehälter beabsichtige. Auch aus anderen Maßnahmen wird ersichtlich, daß die Regierung ^den schlechten Eindruck deH Beschlusses der Reparationskommission in der Anleihefrage zu verwischen bestrebt ist. Die Nationalvevsammlnng vertagte sich über Wunsch des Mimsterprösidenten aus vine Woche und Bechlen wird wahrend dieser Frist einen Pakt mit der Opposition schließen, um von den Intransigenten und Liberalen die ZubrmmU'ilg zu den Schritten 'der Regierung in der Anleihefrage ju erlangen. Gras Bethlen insormier>te heute abends die Nesiernngspartei über die „Ergebnisse" f&uuer Pariser Reise und vird morgen beide Oppositionsparteien hiervon in Kenntnis ietzen. Nächsten Dienstag wird Graf Bechlen in der Nationalwrsammlnng eine Erklärung über >die durch den Beschluß -er Reparationskommission geschaffene politische Lag« rbgoben. Polen. Ser Rücktritt Sikorskis. Aus Warschau wird uns bevrchtett In der Debatte tzber das Budgetprovisorium, bei der auch die Vertrauensfrage für Sikorski behandelt wurde, ergriff Abgeordneter Dr. Reich namens des Jüdischen Klubs das Wort. Er erklärte, daß Ministerpräsident Sikorski sein Konto hinsichtlich der Judvn allzu stark belastet habe. Bei seinem Regierungsantritt machte er den- Juden zum Vorwurf, daß sie Priv ile gien verlangen. Er verfolgte eine konsequente antijüdische Politik in der Frage der jüdischen Flüchtlinge, die rücksichtslos nach Rußland abgeschoben wurden. Sikorskis Kabinett habe sich äußerst passiv zur Frage des Numerus clausus und den Rechtsbefchränkungen der Juden verhalten. Aus diesem Grunde werde der Jüdische Klub, da er kein Vertrauen zu Sikorski habe, für den Antrag des Abgeordeten Moraczewski stimmen« Der Antrag Moraczewski schlug vor, daß als Ausgangspunkt für die Schaffung einer neuen Regierung vor . allem die Rücksichtnahme auf die Interessen des Staates und des polnischen Volkes auf der GruMage der Demokratie und der Gleichberechtigung aller Staatsbürger im Sinne der Verfassung 'zu gelten habe. Avg. Dombski hat mit den aus dem Klub der Mos-Partoi ausgetretenen 14 Abgeordne ten und ^Senatoren einen neuen Klub gebildet. La« -mische Konsulat in Thorn. Aus Warschau wird uns von polnischer Seite geschrieben: In der reichsdeutschen Presse werden heftige Angriffe gegen die polnische Regierung wegen einer dem deutschen Gesandten in Warschau überreichten Verbalnote erhoben, in der die Liquidierung des deutschen Konsulates Sin französischer Kredit. Paris, 26. Mai. (Havas.) Die Kammer hat heute den Gesetzentwurf verhandelt, womit die Regierung zu einem Vorschuß bis zum Betrage von 100 Millionen Franken an die rumänische Regierung ermächtigt wird. Berichterstatter Louis Marin betonte, es handle sich darum, Rumänien in der gegenwärtigen schweren Krise beizustchen und die Dienste anzuerkennen, die es der Sache der Alliierten während des Krieges geleistet habe sowie ihm zu ermöglichen, sich a u s z u ir ü st e n, um bei der Ausrechterhaltung des Weltfriedens behilflich zu sein. Re panarabische Föderation. Jerusalem, 36. Mai. (I. C. B.) Emir Ab da llah von Tvansjordan-ien ist in Jerusalem eingetroffen, um mit dem Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel, die Fvagen der Unabhängigkeit Tvansijordamens aus Grund der letzten ErNärnng der englischen Regierung, insbesondere auch die Zoll fragen zwischen Palästina und Transjordanien, Kl regeln. , Wie verlautet, wird sich König F aism-l demnächst nach Amman begeben, um dort mit seinem Bruder Emir ZWdallah über die Una>bhängig!keit Transjoidamens im Zusammenhang mit den: Vertrag zwischen Großbritannien und Hedfas, betreffend die panarabische Föderation zu verhandeln. Es ist ivahrischomlich, daß sich König Hussein von Hedjas seinen beiden Söhnen in diesen Beratungen anschließen wird. Es heißt ferner, König Hussein werde sich nach London begeben, um den Vertrag mit der britischen Regierung persönlich zum endgültigen Abschluß zu bringen. Die arabische Zeitung ,ßl Oa rme-l" teilt mit, König Hussein beabsichtige, die arabischen Führer aus Palästina, Syrier:, Mesopotamien, Transjordauien und Hedjas nach Mekka zu berufen, irm noch vor Abschluß des Vertrages deren Meinungen zu hören. Eine Abordnung der Vertreter des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina) erschien beim Oberkommissär von Palästina, um dessen Meinung über mögliche A-enderungen in der politischen Lage Palästinas infolge des neuen Vertrages Großbritanniens mit König Hussein, betreffend die Gründung einer panarabischen Föderation, zu vernehmen. Sir Herbert Samuel erklärte, der Vertrag mit König Hussein werde kernerlei Aenderungen in der Regiermng Palästinas mit sich bringe«. Das Znsammonawbaituen Pailästinas mit der arabischen Mdevatton wÄde ein rein wirtschastliches sein. Besprechmvgen über dieses Thema seien bereits mit Dr. Weizmann anläMnh seines Palästina-Aufenthaltes im T^zemiher vorigen Jahres gepflogen worden. •:?» . Äi -EAhi: Jüdisch-airabifche Verständigung. AuS Jerusalem wird gemeldet: Die in.Haifa erscheinende arabische Zeitung ^Anphir" beschloß, ein Wochenblatt ft« hebräischor Sprache herauszugckbon. Die neue Zeituvtz ^Haschoser" ist der Msch-avobischen Berständignng gewidmet. Die erste Nummer ist bereits erschienen. Für die medizinische Fakultät in Jerusalem. Der Verein Mischer Aerzte in Amerika hat 2000 Dollar zum AMms eines Geländes für den Ausbau der medigmischen Fakultät in Jevusalem geffwndet. (I. C. B.) Ei« Polizcihauptumnn «mordet. Der PEMHoMmaun des SMVistEes von Palästina ist ermordet uck> sein Ge- HHe schwer verwundet worden. Die Täter wurde» nicht ermittelt. 30. Diai 1923 Seite 8 Rundschau. Der amerilanisch-iüdische Kongreß — am 18. Moder. Aus New-Aork wird uns berichtet: In einer Sitzung des großen Ausschusses zur Borbereittrng des amerikanisch-jüdischen Kongresses wurde nunmehr endgülttg beschlossen, den Kongreß, der ursprünglich Ende Mai oder anfangs Juni hätte abgehalten werden sollen, für den 19. Oktober d. I. einMberuftn. Der Kongreß wird in New-Aork oder Washington tagen. Der Präsident .des Kongreßkomitees Dr. Stephan Wise betonte in seiner Eröffnungsrede, daß die Abhaltung des Kongresses infolge der Lage der Juden in der ganzen Welt d r i n glicher denn je geworden ist. Leo Motzkin, der hierauf ein ausführliches Referat über die Lage der Juden in Europa hielt, kam gleichfalls zu dem Schluß, daß die B e rteidttgung der widerrechtlich verfolgten JudeninEuroPa einen starken amerikanisch-jüdischen Kongreß notwendig mache, der in der Lage wäre, die Rechte der Juden in Europa Mt Erfolg zu verteidigen. Nach ihm hielt der bekannte Philanthrop Nathan Strauß eine große Rede, in der er sich gleichfalls mit den Verfolgungen der Juden in Europa beschäftigte und der Meinung Ausdruck gab, daß die Arbeit zugunsten der Juden in Europa eigentlich erst jetzt beginnen müsse und daß es Pflicht des amerikanisch-jüdischen Krongresses sei, seine Tättgkeit in dieser Richttmg Mt verdoppelter Kraft ausznnehme«. - Re sozialen Kümpse in Dentschlaud. Im Ruhrgebiet dauern die Kämpfe zwischen den kom urunistischen Hundertschaften und den Selbstschutzverbänden fort. Es gibt auf beiden Seiten Tote und Verwundete, während die ftanzösischen Ollkupattonstruppen sich einstweilen noch neutral zu verhalten scheinen. Diese Unruhen sind eine blutige Begleiterscheinung eines großen Streiks der Ruhr-Bergarbeiterschaft, einer Bewegung, die beretts unheimliche Dimensionen aunimmt und gegenwärtig eine ViertäMllion Menschen umfaßt. Sozialisten, christliche Arbeiter und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften gehen einig. Das Motiv ihres Ausstandes liegt darin, daß die Unternehmer eine dem Sinken des Geldwertes entsprechende Aufbesierung der Löhne hintertrieben haben. NaWehend die Mellmugen aus den einzelnen Unruhezentren: ' Köln, 29. Mai. (Wolfs.) Nach einer Meldung der /Mkluischen Zeitung" aus Gelsenkirchen ist die Arbeitsniederlegung im ganzen Bezirke allgemein. Alle Bergleute feiern. Die Arbeitswilligm haben nicht mchr den Mut, zu den Zechen zu gehen, weil sie Gewaltakte der Terroristen befürchten. Mt Gewalt wurden von starken Stoßtrupps die Schachtanlagen und Arbeiten stillgelegt. Die Stadt ist noch immer in der Geivalt der Kommunisten. Düsseldorf, 29. Mai. (Wolff.) In DWeldorf fanden an vielen Stellen der Stadt Ansammlungen von A rb e i ts l o s e n und Kommuni ste n statt, die sich zu einem geschloffen^ Zuge formierten und nach der Vorstadt Oberbilk marschierten, wo sie in den Fabriken die Arbeiter zur Sttllegung der Betriebe zwingen woWen. Bei der Werkzeugmafchinenfabrik Schieß stellte sich dm Demonstranten ein Polizeikommando entgegen. Ein Demorrstrant wurde tödlich verletzt. In der Mttagsstunde war die Ruhe wieder hergestellt. Der St reik der Berg- und der Elektri-tzitatsarbeiter dauert f-ort. Bochum ohne Waffer und Gas. Bochum, 29. Mai. (Wolff.) Nach einer Meldung der Kölnischen Zeiürng" war am Sonntag die durch Selbstschutz auf 2000 Mann verstärkte Feuerwehr Herr der Lage. Größere Zwischenfälle sind vermieden worden. Am Montag wurden auf einer Reihe von Zechen N o tstandsarb-eiten wieder ausgenommen. Die Stadt ist seit Sonntag ohne Gaszufuhr. Anr Montag wurde mit der Abstellung der Wasserzufuhr begonnen, da auch die Wasserwerke den Betrieb nicht völlig ausrechterhakten können. In E s s e n ist es gestern neuerlich zu T e u e r u n gskrawallen gekommen. Vor den LebensMttelgeschäften in der Stadt staute sich die Menge. Die Geschäfte waren bis mittags cnlsverkaust. Rückgang der Streik-Bewegung. Essen, 29. Mai. (Wolff.) In Gelsenkircheu und Bottrop ist die Streikparole zurückgenommen worden. Es ist mit der Wiederaufnahme der Arbeit für m o r g e n zu rechnen. Auch in H ö r d e ist in den Nach-, Mittagsstunden auf mehreren Zechen die Belegschaft wieder e'mgefahren. Auch in A a ch e n ist der wilde Streik bei der hiesigen Kleinbahn heute beendet und der Verkehr wieder aufgenommen worden. Streik ans de« Bremer Reedereien. Bremen, 29. Mai. (TellqKomp.) In den Nordseere-edereien ist infolge Lohndisferenzen ein Streik der Schiffer ausgebwchen. Äit heute früh ist kein Schrffsdampfer mchr ausgefahren. Ae Akademie fikr internationaler Aegt. Die unter MitwiMng der Cavregie-Gtffttmg für inter» nationalen Frieden errichtete ^lkademie für interna- Wohlfeile Woche! Leinenwaren, Waschwaren, f wncil Stoffe, wasche — sehr billig | |ß||g [ Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-76 En gros En detail

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