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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-27 · Heft 1539 (27.5.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1539 (27.5.1923)
Date
1923-05-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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DKM ® Wien» Sonntag Wiener Morgpnzertung« 27. Mai 1923 Nr. Landwirtschaftliche oder Ae-bmg? ' Eine Erch^ernngf ' Bon Zug. Moritz FromÄlich. Unter dem DrtÄ ,^ie FcHurrgÄvaft Pvtästrnas^hat D-avis Trietsch Tlnsichtw Wer die Ernwanderungsrnechoden in Palästina AiuZdmck gegeben,*) die nicht tut* -vDevs-Pröchen Äeibendürfen, zmnack sie in ftmdamerrtalem Degensich zu den uns beinahe zur Tradition gewordenen Grundsätzen in beMg auf den Aufbau Palästinas und die Regeneration des Mischen Volkes stehen. Es ist hierbei don geringerer Bedeutung, daß Trietsch in feiner statistischen Schönfärberei Ziffern, nennt, die wohl ftinem Optimismus in bqzug auf das Mische' BoAeiN sthortes Zeugnis artsstellen, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und Genauigkeit jedoch nicht in Äebereinsimmmltg zu hringen sind. Welcher ernste Forscher konnte ihm 5., B. folgen, wenn er die Weltziffer der Juden' mit Über 17 Millionen bezeichnet, und nach den'ungeheuren Verheerungen des Krieges und der Nachkriegszeit von' einer Verdoppelung der Judenzahl in der letzten Generation spricht, oder wenn er gar bei der Berechnung der Ansiedlnugskapazität Palästinas zu einer Zahl von 20 Millionen auf em Fünftel des ÄMkdes in den heutigen Mandatsgrenzen gelangt?! Mel wesentlicher ist, daß Trietsch das Heil und den ganzen Erfolg der PalMna-Wanderung vornchml-kch in der Einstellung auf die industrielle und städtische Kolonisation sieht. Bisher — behauptet Trietsch — sei die jüdische Einwanderung und Kolonisation nach Pa-, lästina von. den naivsten Gesichtspunkten ausgegangen und sei meist auf primitiver landwirtschaftlicher' Grundlage aufgebaut. Es sei aber ein Widersinn, den Juden zuzumuten, die landwirtschaftlichen Ueberschüsse, die Palästina schon hat, zu vermehren, obwohl unter allen denkbaren Berufen gerade die Juden sich für die Landwirtschaft am' allerwenigsten eignen. Die landwirtschaftlichen Ueberschüffe' Palästinas sind in Wirklichkeit so groß, daß sie nicht einmal; die eigenen Bedürfnisse des Landes vollständig zu decken, ßmstande sind, und beispielsweise Mehl aus anderen; Ländern eingeführt werden mutz. Es mutet etwas befremdlich an, wert» ein Mann wie -Trietsch von der mangelnden Eigrtung der Juden für die Landwirtschaft spricht, obgleich die Geschichte der landwirtschaftlichen Bewegung unter den Juden gerade das Gegenteil erwiesen hat. Wo die Juden zur Landwirtschaft griffen, haben sie sich nicht nur behauptet, sondern auch meist sehr gut bewährt. Die größten polnischen Gutsbesitzer Galiziens verpachteten mit Vorliebe ihre Güter ^an Juden, weil diese sie am besten zu verwalten.verstanden; jüdische Bauern in der, Ukraine und die Weinbauern in Beßarabien stachen günstig aus ihrer, bäuerlichen Umgebung hervor, und auch unsere landwirtschaftliche Koloniicction in Palästina mit einem Menschenmaterial, das vor keiner Einwanderung der Landwirtschaft völlig ferne gestanden war, Hai jedenfalls den Gegenbeweis erbracht. Wenn die Juden im allgemeinen geringen Anteil an der Landwirtschaft nahmen, so lag die Ursache hierfür an den. Gesetzen, die' sie in der Erwerbung landwirtschaftlichen Hodens bchmderten, und an den Geboten der persönlichen Sicherheit, Ivel che die Juden veranlaßt, sich in geschlossenen itädtischen Gebieten anzusiedeln. Das Märchen von der geringen Eignung der Juden für die Landwirtschaft ist mrch die Tatsachen längst widerlegt. Aber selbst wenn diese Nichteignung in Wirklichkeit jestünde, dürfte sie uns nicht davon abhalten, den Ausbau Palästinas nur von dem Grundsatz aus zu bewerkstelligen, haß die Juden daselbst ein seßhaftes und erdverwurzelies Kolk werden müsien. So lange Wir in unserer sozialen Struktur unter allen Völkern der Erde eine Artsnahmejtellung einnehmen und uns der Bauernstand fehlt, ist die szudensrage ungelöst. Um wieder ein landeigenes Volk zu --erden, müssen wir mit der Scholle verbunden sein. Nur rin erdverwachsenes, bodenständiges Volk kann sein Land ms die Dauer gegen alle Macht der Erde behaupten. So stieb Posen ein polnisches Land, .auch nacht^m es dem mächtigen Deutschen .Reiche einverleibt wurde, trotzdem üeses ungeheure Mittel und den ganzen Machtapparat seiner staatlichen Autorität aufwandte, um es zu einem Deutschen Lande zu machen. So lange der, polnische Bauer ms der Scholle blieb und in Posens Erde mit seiner Arbeit und seinem Schweiße wurzelte, war alle MaHmtfaltung der Deutschen Reiches vergeblich. Im Gegenich. hierzu haben, die Juden nie in einem Lande dauernd Wurzel fassen können, weil ihnen die Verbundenheit mit ier Scholle, fehlte. Wenn , die Juden nach Palästina gehen, M dort Städte zu bauen mid Industrien zu gründen, chne auf dem Lande festen Fuß zu strssen und dasselbe mt ihrer Hände Arbeit zu bebauen, wird der Bestand des bdischen Palästina nicht gesichert sein. . Die ,sogenannten" idealen Gesichtspunkte decken sich dckit auch völlig mit der praktischen Ueberlegung, -welche \a%u führt, daß städtische und industrielle Kolonisation mr gleichzeitig mit . einer fortschreitenden landwirtschaftichen Entwicklung erfolgen kann. Eine gesunde und lebensahige Industrie muß zunächst den eigenen heimischen Bedürfnissen entsprechen und sich auf sie stützen können, ötädte können nur gebaut "werden und gedeihen, wenn sie wn einem Kranz von läMichen Siedlungen umgeben ind, welche ihre Versorgung bewerkstelligen und mit denen ie in wechselseitigen Güteraustausch treten können. Erst *),Wiener Morgenzeitamg" vom..17. und 16. Mai IMS. der,^Sr.' üte' n'gchrMtagS kam 4M LmMG SG MaP Jn-Her MMen ^MtzttngeHt ändauf GOssdfatzP M?R?eHavati«M durch Grieche^Mnbi ' < 2. Vertzicht M'Türken auf eine Entschädigung in Barem. ' 3. Gr«nAe8icht^g«.Utz. in' der''Mgönd^vM Karrägätsch^^öhne Kilnla— BurgaS—Karragatfch-oder DimoÄto mit einbezogen würde.' Die Sachverständigen halben auf dieser Grundlage zu arbeiten. , f, '' , * 41 Gegenseitige Rückerstattung. der Schiffe, welche i GPechenlltnd und die Türkei seit d«n Waffenstillstände be-> ,Habens ‘ Äe serbischen Delegierten machte, einS^ Vorbehaltes Wvs.di^ GrertzbevichtiHnngen, -rklärtv -jäoch, dem Friedensschluß nicht im Wege stehen zu wollen DemM Pellet ftihpte den Vorsitz und legte de» Ständpun^' ,derAlMerieir bar, wormrf in die Diskussrm eingetreten wurde. Jstmt Pascha stellte folgende Frage „Wenn wir unter Berücksichtigung der Wechten Finanzlag, Griechenlands das Prinzip des Verzichtes auf Reparatione, m bareck anttahmen, wückm die Alliierten auch unsev Finanzlage in den Fragen, die uns betreffen, berückst chti gen^ Die' Alliierten antworteten bejahend,- woran Jstnet Pascha die Hoffnung aussprach, daß die noch schwo banden'aber'bereits besprochenen Fragejr noch im Labs der nächsten Woche erledigt würden. Dann wurde die MtzMg aufgchoben. Eine der'Bedingungen für die Teilnahme , des ' arabischen Hedschas am Kriege auf' der Seite der Entente war die Zusage Englands an den König von Hedschas, sein Haus in die Herrschaft ■ bestimmter arabischer Gebiete einzusetzen, England geht nunmehr daran, seine Zusage,' einzulosen. Nachdem einer der . ' Söhne König Husseiins von Hedschas, Emir Faisu-l, " ," den.'die Franzosen aüS Damaskus vertrieben haben, Äs Herrscher von Mesopotamien (Irak) einge--. setzt worden ist und der zilveite, Abdallah,, die Regierung des an Palästina grenzenden Transjordanien erhalten hat, soll nunmehr der Vertrag mit König .Hussein geschlossen worden und TransjoÄ-anien die Unabhängigkeit erhalten. Es ist zu hoffen, daß diese Maßna-hinen geeignet sein -werden, die auch; von Hussein und seinen Söhnen genährtem arabischen Hpiraiionen ans Palästina, mit der Zeit zum Still- ' ' stanh. zu 'bringen. Ein Vertrag, mit dem Hedschas. London, 26. Mai. (Reuter.) Per Entwurf des Vertrages zwischen Großbritannien und Hedschas wird, wie man erwartet, binnen htrzem in London unterzeichnet werden. Der Vertrag berührt nicht die gegenwärtigen Beziehungen anderer Natiorten zu den arabischen Ländern. Er ändert auch die gegenwärttge Regierung von Pack ä st i n a n i cht a b. Er sieht einen bleibendenFried e n zwischen beide n?Iä n d e r n und die Regelrtng der Grenzfragen durch freundschaftliche Unterhandlungen vor und trifft ferner Bestimmungen für die Pilgerzüge nach Mekka. Beide Parteien verpflichten sich, kein Abkommen 'mit einer dritten Partei abzuschließen, das mit den Interessen der beiden Regierrtngen in Widerspruch stünde. Der Vertrag erkennt die arabische Unabhängigkeit an. Mp die UreEjängigkeit Lransjordaniens. Jerusalem, 24. Mai. (I. C. B.) Die palästinensische Regierung hat soeben die folgende Kundgebung veröffentlicht: „Die britische Regierung ist mit der Errichtung einer selbständigen Regierung in Transjordanien wenn di^st Vorbedingungen erfüllt sind, kann di-e Industrie die Expansion nach außen suchen. - Niemand ^bestreitet, daß -Palästina in dieser Hinsicht infolge feiner günstigen Lage die -besten ZukunftSntögttchkeiten bietet. Ms wirtschaftsstrategischer Brückenkopf zwischen dvei Weltteilen gelegen, ist keilt Land wie Palästina berufen, die Juden zu Mttlern zwischen Orient und Okzident zu machest und ihnen jene Rolle zu. sichern, wie sie etwa die Phönizier im Altertutne innehatten oder die Engländer mit Erfolg heute noch behaupten. Es ist auch unrichtig, daß alle nicht landwirtschaftlichen Berufe mehr oder weniger direkt verpönt und Volk und Land nicht nach ihren tatsächlichen Verhältnissen und Möglichkeiten beurteilt wurden. Weiß Trietsch nichts von der Vorbereitung der C h a l u z i m für best technffchen Altfbau, für allerlei Bau'handwerke und von ihren anerkennenswerten Leistungen im Städte- und Mgeihgu und in. der Entwässerung und Trockenlegung der Sümpfe? ,, Tvietsch' ' Ansichten sind geeignet, den Eindruck zu erwecken, /daß die bis-her geübten Methoden beim Aufbau Palästinas grundsätzlich falsche. und für das Wachstum des Jischuw schädliche seien; sie durften dämm nicht unwide^prochen bleiben. Etwas anderes ist es, wenn Trietsch mit "dem Fortschritt des Aufbaues, beziehungsweise mit, 'dem Tempo desselben, unzufrieden ist. .Die Ursache hierfür liegt aber, nicht in den Methoden selbst, sondern in den geringen MMn, die bisher dem Aufbauwerke zur Verfügung standest, und es fft unser aller Aufgabe, die BefcHeunigung des Aufbaues zu ermöglichen. Der Aufbau Palästinas aber 'darf nicht nur ein tvirtschaft'licher, sondern muß auch ein geistiger mch knltüreller sein. Wohin-würde es ftihren, wenn wir die landwirtschaftlichen Siedlungen vernachlässigen und unser Augenmevk vornehmlich auf'Städte- und Judustriegvündungen richten stckrden, die gär bald Gewinnsucht, und Spekulation wecken und die ideellen Kräfte in den Hintergrund .stellen würden? Welchen Sinn hätte ein Aufbau, wenn er alle Schlacken der Gatuth ist sich äufuähme' und die^ideelley Triebe! jm Keime' erstickte?! Nicht das amerikanische ''Wa'chsMrn' Tel- Uwiws ist das jMsbende in WjereM.Aufbautverke, jonunter der Bedingung einverstanden, daß der Völker b u n d s e i n e Z u st i m m u n g hierzu erteilt, die neue Regierung eine k0nstituN0neile sein und Groß britannien die Möglichkeit gegeben wird, die mit Be zug auf dieses Land übernommenen internationale, Verpflichtungen zu erfüllen." Die Erklärung wurde kurz nach dem jüngst stattge fundenen Besuche des neuen Zivilsekretärs .der palästt, nensischen Regiertmg, Brigadegenerals Sir Gilbert El äh t 0 n, bei Emir Abdallah von Transjordanien in deffe, Haupfftadt Amman abgegeben. Emir Abdällah soll in de, nächsten Zeit in Jerusalem eintreffen, um verschieden, zwischen Palästina und Transjordanien schwebende Fra» gen, besonders über die Zölle und die Hatldelsbeziehungen der 'Lösung zuzuführen. Bisher werden alle Einfuhrzölle für Waren nach Transjordanien von der Zollbehörde in Palästina erhoben, wo auch die sonstigen Formalitäten erledigt werden. Di, palästinensische Regierung zahlt an Transjordanien vor den eingegangenen Summen der Ein- und Ausfuhrzölle einen Pauschalbetrag, welcher dem Anteil Transjordaniens an dem Wirtschaftsverkehr mit dem Auslande angemeffen erscheint. * Hussein treibt Propaganda. London, 26. Mai. (Tel. der „Wiener Morgeuztg."'. König Hussein von Hedschas.richtete einen Appell a v b ie Ar ab er-in Pa l äst iI.g,. in welchem. er eÄrtr der soeben durch seinen Vertreter aus England überbrachte Vertrag enthalte.. die Verpflichümg der englischen Re. gierung, den Arab«cn an der Errichtung einer p a na r ab i s ch e n U n i 0 n, welche Arabien, Mesopotamien, Trans, jordanien und Palästina umfaffen solle, behilflich zu sein. Das arabische Komitee in Palästina erließ hieraus eine den Auftuf Husseins enthaltene Proklamation, welche vorschlägt, daß der Tag der Unterzeichnung dieses Vertrages durchs England - als arabischer Nationalfeiertag gefeiert werden soll. Als die palästinensische Regierung von der Verbreitung dieser Proklamation erfuhr, erließ sie um verzüglich eine offizielle Erklärung, daß i m p 0 l i t i s ch e n Zustande von Palästina keinerlei Aende* rung eingetreten sei, auch nicht durch den Vertrag mit König Huffein. dern das Enfftehen jener Siedlungen 'der EhäluMr, welche, mit allen herkömmlichen Ueberliefevungen brechend, neue Menschentypen schaffen und die Aufmerksamkeit der ganzen Kulturwelt a-uf.sich zu lenken begrünen. So bedauerlich auch das bisherige langsame Tempo unseres Aufbaues ist, so ist es doch auch andererseits eine NvtwendiMt, eine unterschiedslose Massenwauderuug, wie sie gerade Trietsch wünscht und welche die ganze Erneuerung des Juderrtu«S in Frage stellen würde, für den Anfang zu verhüten. Wir müssen das Aufbauwerk mit dem Aufgebote aller unserer Kräfte beschleunigen, aber wir brauchen im Anfänge eine Auslese don Menschen. Nur dann wird Wertes Kdffche Palästina entstehen, das Menschen^ braucht, welche, wie unsere Ehaluzim, von edler Begeisterung und von reiner und selbstloser Hingabe an das große Werk erfüllt sind. Beratungen Wer die neue Rote. Berlln, 26. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Reichskanzler Dr. Cuno und Reichsaußenminister Dr. Rosen-, berg hatten heute längere Besprechungen mit den Parteiführern. Man erörterte dabei die Schritte der deutschen Regierung im Hinblick auf die letzte Antwortnote. Ueber das Ergebräs der Verhandlungen wirb strengstes Strllschwek gen geübt. \ V Die von der belgischen Regierung nach Paris übermittelte l Note batrMend die Reparationen werbe es Barchou und Del«-; crotg ermöglichen, für die nächste Zeit eine Unterredung 'derfranzösischen mit den belgischen Ministern vorzubereiten. Brüssel, 26. Mar. (Haväs.) Unter de.m Vorsitze des japanischen Botschäfters ' A d a t e i als Berichterstatter des Völkerbundes für die strittigen Angelegenheiten betreffend Siebenbürgen such heute hier die Abordnungen ttn* g ärn s und Rumäniens zusamnteugetreten, um"einen

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