Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1538 (26.5.1923)
- Date
- 1923-05-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung. 36. Mai 1923 Seite S der ismmvnistifchen Unruhe« im Ruhrgebiet. Dorwmnd, 26. Mai. Fm Amtsbezirk Lang en- M>enesc streiken feit heute sämtliche Zechen. In ß ö rd-e ist gestern eine Anzahl von Zechen im Anschluß 'an eine VersaümMug auf dem „Phönix-Werk" von zu-!meG jngeMichen Elementen Mgelegt worden. Hinter den KMffen der RuhMse. Mnig Stinnes. Berlin, 25. Mai. (Tel.-Komp.) Die konmmnistische -„Rote Fahne" berichtet über angebliche Verhandlungen von Hugo Stinnes mit Vertretern Frankreichs und erklärt: Wir behaupten, daß in den letzten iTagen Herr Stinnes nicht nur mit französischen Jnteressen- Ivertretern, sondern auch mit Vertretern der französischen Niegierung verhandelt hat. Sollte diese Nachricht dementiert werden, so werden wir den Herren mit Namen dienen. Herr Stinnes hat wieder die Franzosen aufgefordert, jden Verkauf der Eisenbahnen an deutsche jß vi v a tkup i t a l i st e n als Bedingung auszustellen. Ser belgische Borschlng. Brüssel, 25. Mai. Minister des Aeußern Jaspar Gat nach Paris eine Note abgesendet, worin er die »luffas.sung des Brüsseler Kabinetts bezüglich Her Regelung der Reparationsfrage darlegt. Die italienlsch-iugoslawMen Verhandlungen. > Belgrad, 25. Mai. Nach der „Politika" soll die wiederholt angekündigte Zusammenkunft zwischen Muss o l i n i und N i n c i c zur Förderung der Verhandlungen bezüglich Fiumes und der Verständigung über die in Mitteleuropa zu befolgenden Politik im Juni erfolgen. Mussolini werde den Besuch nach Abschluß der italienisch-jugoslawischen Verhandlungen im kommenden Herbst erwidern. „Corriere d'Jtalia" kündigt die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Italien und Jugoslawien über die Adriafrage für den 29. Mai in Rom an. Ae SesmwMen in Mauen. Sieben jüdische Mandate. Kowno, 24. Mai. (I. C. B.) Noch immer liegen seine offiziellen Resultate der vor einigen Tagen beendeten Dahlen in den litauischen Sejm vor. Auf Grund der bekannt gewordenen Einzelergebnifse läß't sich aber das endgültige Resultat bereits genau festsetzen. Der christliche Block errang 40, die Opposition 24 (Volks-Partei 16- Sozialdemokraten 8), die nationalen Minderheiten L4 M a n d a t e. Bon diesen erhielten die I u d e n 7 M a npate, die Polen 4, die Deutschen 2, die Russen 1 Mandat. Sie interparlamentarische Handelrkonserenr, Aus Prag Mrd uns.gemeldet: Die interparlamentarische HandelÄonferenz schloß gestern nach ausführlicher Debatte über Währungsfragen ihre Tagung. Es wurde die folgende Resolution angenommen: ,Z)ie internationale parlamentarische Handelskonferenz, die sich bemüht, die ernsten, durch die Währungserschütterungen in der Welt verursachten Verwirrungen zu beseitigen, spricht den Wunsch aus, 1. daß die auf der Konferenz vertretenen Staaten sobald als möglich die Mittel zur Besserung der W ä h r u n g s s i t u a t i o n überprüfen, 2. daß sie sich bemühen, sich soweit als möglich nach Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit zu richten, 3. daß sie sich bemühen, das Gleichgewicht in ihren Budgets durch Steurmittel herzustellen und sich, soweit es nur möglich sei, der Inflations- und Anleihe- Politik begeben, 4. daß sie die Mittel studieren, mit welchen es möglich tväre, Staaten mit besonders entwerteter Valuta internationale, wirksam garantierte Anleihen zu gewähren, die a'u s s ch l i e ß l i ch zur wirtschaftlichen Rekonstruktion dieser Staaten zu verwenden wären, 5. daß die lbeteiligten Staaten gegenseitig gerecht und rasch die Frage der interalliierten Schulden regeln." Eine Konferenz der Emissionsinstitute soll die Mittel zur Verbesserung der Währungsverhältnisse prüfen. Ser internationale Zozialistenkongreß. Die Reparationsfrage. Hamburg, 24. Mai. (Wolff.) Auf dem internationalen Sozialistenkongreß teilte der Vorsitzende V aride rvelde zunächst mit, daß die Exekutive einstimmig beschlossen habe, London als Sitz der neuen Internationale zu bestimmen. Zu Sekretären wurden Tom Shaw (Egland) und Friedrich Adler (Wien) gewählt. Sodann trat der Kongreß in die Beratung der Friedensverträge und der Reparationsfrage ein. Webb (England) polemisierte gegen die Friedensverträge. Die allgemeine Meinung der Welt gehe dahin, 'daß alle Staaten und alle Regierungen an 'der Verantwortung für den Ausbruch des Krieges mitbeteiligt seien und sie mitzutragen hätten. Im Vordergründe stehe einzig und allein die Frage der Wiedergutmachung für die im Kriege erfolgten Zerstörungen. Die Wiedergutmachung | BerbetAboweutevsördre I 1 „Wiener Rorgeuzettuus . dürfe aber niernals ein Motiv fibr eine Unterdrückung bilden. Durch internationale Kredite muß Deutschland ermöglicht werden, die zerstörten GMettz wiederherzustellen. Die Revision der Fviedensvertrügh müsse in d e m o k r a t i s ch e m Geiste erfolgen. Hilsferding (Deutschland) führte aus, die Er» Mung der deutschen Reparationsverpflichtungen in dem, Ausmaße des Versailler Vertrages und des Londoner! Zahlungsplanes sei eine Unmöglichkeit. Er wies darauf! hm, daß die Löhne der deutschen Arbeiter nur ein Fünszehntel des Betrages der amerikanischen und ein Fünftel! der englischen Arbeiter betragen. Blum (Frankreich) erklärtedie französischen untz die belgischen Sozialisten hätten stets gegen die Ruhrbesetzung gekämpft und würden weiter . 'dagegen kämpfe«.' Die Besetzung des Ruhrgebietes ruiniere die Finanzkraft Deutschlands und Europas rmd gewähre Frankreichs keinemilitärische Sicherheit. Die größte Garantie des Friedenssei die Anfrechterhaltung der Deutschen Republik. Blums! Ausführungen schlossen sich Crispien (Deutschland) und! B a n d e r v e l d e (Belgien) au. * , In das Exekutivkomitee der neuen sozialistischen Arbeiterinternationale wurden gewählt: Henderson (England), Brake (Frankreich), Van Hervel de (Belgien), Troelstra (Holland), Br an trug (Schweden), Bauer (Oesterreich), Modigltrauo (Italien), A b r a m o w i t s ch (Rußland) .und W e ls (Deutschland). Gegen Horthy-Ungarn. Dr. Siegmund . Kunst, Delegierter der emigrierten, Sozialdemokraten Ungarns, hielt gestern einen großen Bortvag über die Zustände in Ungarn. Der Kongreß nahm! eine Resolution an, wonach die Exekutive aufgefovdert wird,! bei der ungarischen Regierung wegen der Verhinderung! ver Reise der ungarischen Delegation zu Protestieren und! vollständige politische Amnestie zu verlangen. Die Rest-- lution beschließt, Ungarns politischen Kampf für bessere^ Friedensbedingungen zu unterstützen, wenn der, Terror gegen politisch Andersdenkende aufhört. Der! englische Delegierte B r a i l s f o r d hielt. ebenfalls eine! große Rede gegen Horthy-UnOarn. Die Poale Zion auf dem Hamburger Sozialistenkongreß. Auf dem Kongreß ist der 'Weltverband „Poale Zion" durch eine sie'bengliedrige Delegation vertreten. Während der dem Kongreß vorangegangenen Tagung 'der Wiener Internationalen -Arbeitsgem e i n s ch a f t, der der Weltverband Poale Zion arrgehörte, sprach Locker im Namen der Delegation. Einen besonderen Teil seiner Rede widmete er der Lage der Juden in Polen und klagte die p o l n i s ch e S o z i a l i st ische Partei (P. P. S.) an, daß sie chre elementarsten Pflichten gegenüber den Forderungen der jüdischen Minorität nach nationalen Rechten, ja selbst gegenüber der der ständig -wachsenden antisemitischen Bewegung nicht erfüllt -habe. Wohlfeile Woche! Regeiunäntel .. K 125.0001 Leinenwaren, Waschwaren, f Stoffe, Wäsche — sehr billig B [ii Schiffmann II., Taborstraße 84 Telephon 47-1*78 En gros En detail Konzerte. Bruno Walter?st in den letzten Wochen als Dirigent der neunten Beethoven-Symphonie und des „Messias" wie auch als Pianist der Rose-Abende stets nach Verdienst gefeiert worden, am echtesten aber ist die Freude an dem 'begeisterten Künstler immer wieder, wenn er seines iLehrers Gustav Mahler gedenkt, dessen treuer Jünger er jgeblieben ist. Haben wir auch derzeit keinen Mangel an Mahler-Interpreten, so überragt er sie doch alle mit seiner Wiedergabe der zweiten Symphonie. Da wird sie so recht >zür Auferstehungs-Symphonie, zur Verkünderrn von 'Untergang und Erneuerung tnt Menschendasein und in lder Natur, die der Pantheist Mahler später in seiner dritten Symphonie irr noch tieferer Symbolik ausdeutete. »Sieben Jahre hat Mahler mit der riesenhaften Architektur 'der „Zweiten" gerungen, in deren Firmle, wie stets bei lihnr, alle Fäden des Werkes zusammenlausen, und während idieser ganzen Schäffenszeit fahndete er nach geeigneten iTextworten, durchsuchte er, wie er in einem Briefe mitjteilt, „die ganze Weltliteratur bis zur Bibel, um das erslösende Wort zu finden." Zufällig wohnte er in wehmütiger jStimmung der Hamburger Totenfeier für den dahingcischiedenen Bülow bei, da intonierte der Chor von der /Orgel aus den Klopstockschen Choral „Aufersteh'n" und inun starrd klar urrd deutlich das Fürale vor Mahlers Seele,;nun hatte er den richtigen Text gefunden... Die tiefe ^Symbolik des Werkes wird wieder lebendig, wenn es!Bruno Walter aus gläubigen Herzen aufrichtet. Die Gejdänken von Tod und Unsterblichkeit, der gespielte Wundershorngesang der. „Fischpredigt" und der gesungene des ,'„Urlicht" finden bei ihrn erhebendsteil Ausdruck, selbst jwenn er gelegentlich vom Orchester im Stich gelassen wird. Der p h i l h a r m o n i s ch e Chor, der kaufmänNische Gesangsverein, die glänzende Solistin Gertrud«: Förste! imd die noch viel zu wenig geschätzte Enrrlie Bittner hatteil an dem Erfolge des Dirigenten teil. . Wie der Geist Mahlers in Bruno Walter weiter , wirkt, so hat sich Ferdinaild Löwe zeitlebeils für Anion rung von Brmckners „Neunter" und so war es eine Art Jubiläum, als er sie kürzlich im statutarischen Konzert des Konzert Verein es mit all der Weihe, die in ihr wohnt, tvieder aufführte. Namentlich das Adagio, das tröstend und verklärt nahe an Beethoven rückt, erfuhr die schönste. Wiedergabe. Er dirigierte noch die Pastoral- Symphonie, mit der der Konzertverein seine Arbeits- und erfolgreiche Spielzeit beschloß. Ein von Clemens Krauß geleitetes Orchester- Konzert begegnete um seines Prvgranrmes willen lebhaftem Interesse. Es galt det» Herbst-Symphonie von Joses Marx, die sich im Vorjahre bei den Philharmonikern nicht recht hatte durchsetzen können. Es mochte damals an . der nötigen Probenarbeit fiir das komplizierte Werk gefehlt haben, wie ja überhaupt seine großen Schwierigkeiten und seine gewaltige Länge einer häufigeren Aufführung leider hinderlich werden. Gleichwohl ist dieses Werk des. stets nur als Lyriker „gebrandmarkten" Tondichters eine der bedeutendsten Symphonien der Nach- Mahlerschen Aera, bereit überreiche poetische Schönheiten rnan erst unter der energischen Stabführung Clemens Krauß' voll zu würdigen vermochte. Der ideelle Zusancmenhang mit der Symvhonik Mahlers schien uns diesmal stärker ersichtlich, die Freude an der Natur und am Tanze, die sich in der Herbst-Symphonie in üppiger spätsommerlicher Fülle ausbreitet. Die polyphon und harnronisch überhitzte unrsikalische Atmosphäre ist freilich von Mahler weit entfernt, in den wunderbaren Licht- und Farbenmischungen mischt sich russische und romanische Akkordik, in der orgiastischen Bewegung, in den feurigen Steigerungen und in der Weißglühhitze der prunkhasten Instrumentation erglüht die starke Sonne seines fruchtbaren steirischen Heimatlandes, dessen Lebensgeister lebendig werden. Auch hier legt ein Poet — angesichts des Herbstes — ein kräftiges Bekenntnis zur ewig jungen Schaffenskraft der Natur ab. Gertrud F ö r st e l und Emmy Heim veranstalteten, von Stephan S t r a ß e r am Klavier geschmackvoll begleitet, einen Duettenabend, und man bewunderte die auserlesenen Perlen der Gesangsliteratur, die öfterer Auffiihrung wert wären. Wie reizvoll ist doch das Duett „Hüt Du mich" von Brahms oder der „Trost" von Dworak. Die Stimmet: der beiden Künstlerinnen boten im intimeren Raume des kleinen Musikvereinssaales, der jede Delikatesse des Vortrages um so schrtlackhafter machte, entzückende für beide Sängerinnen vorüber, um so vornehmer und verfeinerter wirkte ihre hohe Gesangskunst in Technik und Vortrag. — Fräulein Gertrud Gaulschi, eine sympa. thische Anfängerin, sang nrit zierlicher Soubrettenstimme ohne stärkeren seelischen Ausdruck Lieder von Mozart und Schubert. Artur Schnabel gab einen Klavierabend. Abgesehen von den großen Pianisten der älteren Generation, die bereits den Sechziger erreicht haben, besitzt kein einziger Klavierspieler eine derartige pianistische Durchbildung. Er kann alles, ohne es durch betonte Virtuosität merken zulassen, und zeigt so in seiner Beschränkung den .echten! Künstler. Keine flatternde Mähne, keine interessanten! Allüren, keine Kunstpausen! Dafür singt und klingt dev große blühende Ton, die. Geläufigkeit ist vollkommen, und! das freie Spiel der Phantasie, das er in den „Davids-! bündlern" entfaltete, sollte alle fleißigen Klavierspieler davor warnen, sich durch bloße technische Dressur zum Virtuosenberuf zu rüsten. Auch zur Pianistik gehört neben dem Drill der Finger, der übrigens von unseren Pianisten nur selten ganz erlernt wird, das Fluidum der Seele, neben dem Handwerk gehört zur Kunst die Persönlichkeit, de? Feind jener Mittelmäßigkeit, die das künstlerische Proletariat züchtet. * Diese Mittelmäßigkeit hat auch der abgelaufenen Kov . zertsaison vorwiegend ihr Gepräge gegeben. Wohl über die Hälfte der Veranstaltungen war durch die Person der Konzertgeber belanglos und uninteressant, die Zufuhr: frischen Blutes durch fremde „Künstler" stockte, während auch vom Ausland her die Kraft der Persönlichkeit durch die Güte der Valuta vielfach ersetzt wurde. Wer zahlt, der singt und spielt und wird gespielt! Und so wäre auch über, die Progrannne, die gespielt und gesungen wurden, etit; garstiges Lied anzustimmen: Das ewige Einerlei herrschte! vor. Neben den großen verstorbenen Tondichtern und! solchen, deren wohlerworbene Rechte geschont werden, gab. es auch jüngere und neuere. Doch nicht immer den besten begegnete man auf den Konzertprogrammen, oft nur solchen, denen Kapital oder eine große Clique geschäfts-! tüchtig nachhilft zum Schaden der Mnsikmoderne, die in-! solgedessen das Vertrauen der Musikliebhaber allmählich! einbüßt. Darübex ließe, sich noch viel berichten, doch wozu; die Klage! Es wird in der nächsten Saison darum nicht.- bester Werdern Erwin Fe.lber. ^Bruckner eingesetzt und es ist mit sein Verdienst, wenn 'Äruckners Syniphonik mit der religiösen Feierlichkeit ihrer Hdagios in weite Kreise gedrungen ist. Am 11. Februar '1903, vor Hemde 20 Wate Löwe die. .MaMM- Klemkunft. Die Zeit. des großen .Stimmaufwandes