Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1538 (26.5.1923)
- Date
- 1923-05-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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AQe Z_Wien, Samstag Tagesbericht. Kine nette ZeMrist der sephardWm Juden. Anfangs APÄ ist die erste Nummer «mer spaniolilschen AoitsthrD «tschieaM, die von dom Wiener akademischen Der» om der sePhaMschen Inden ,Mpevanya" herauSyegeben wird. Das Echcheiven des „Mnndolsephavadi" (Me stphardssche WM") hat nicht bloß amen literarischen Wert, sondern es P von großer kuLduDeller, ja beinahe historischer Bedeutung für dos ganze Judentum. Die neue Zeitschrift, welche &« Anschammgev der jüngsten Generation der sepharbischen Juden zum. Zlusdmck^ bringt, hat große Ausgaben für die ganze Mische Reucnssancebewegung. Seit mehreren Jahrhunderte« leben die Sephardim im Orient. Umgeben von MWew mit niedriger Kultur, konnten sie unter dem Einfluß der sie umgebenden KuVturen kein höheres ILiveau erreichen. Der Sephard» vsu MaroNo und der von KonstanUinopel konnte sich, infolge der kulturellen Bedingungen, in welchen er lebte, nicht weiter entwickeln als der Marokkaner und der Türke. Später, Äs die Strahlen der westeuropäischen Kultur in den Orient eindrangen, war die sophardische JnteMyeng in ihrem Hunger nach Kultur und Bildung gezwungen, die neue westeuropäische Kultur in sich auszunehmen. Es war eine große Gefahr Kr die Zukunft der scphardischen Intelligenz, daß sie gezwungen war, zusammen mit dem Inhalt der neuen westeuropäischen Kultur auch bereu Formen anFunehmen, und wer das Leben der sephardischen Juden naher kennt, muß zugeben, daß die fephardische Intelligenz sich asfimÄiert mÄ> daß die AsiiMÄationsbewegung bei den Sephardim diel stärker und tiefer ist Äs bei den Äschkenasim. Während die Aschkenasim m ihrer EntlwiMmg feit der Mranzipa-tion mehr older weniger kulturelle Werte schufen, vre nationale Sprache und mit chr die Mische Literatur und Kunst entwickelten, so daß ihr kulturelles Niveau gehoben und di« AsMAationsgeftchr gebannt wurde, ist dies bei den Sephardim nicht der Fall. In Osteuropa, wo das Zentrum und die Wege der neuen Mischen GoluÄultur war, konnte die Assimilation nicht die Formen einer Massenbewegung annehmen. Die breiten Volksmassen waren, dank ihrer jüdischen Kultur und Erziehung, imstande, die Assimilationsgefahr zu überwinden und den nationalen Charakter des Mifchen Lebens zu erhÄten. Die Sephardim dbet ließen es zu, daß ihre Intelligenz dom JUdenArm Mrimrtig wurde, und die Assimilation begann die breiten Vollsmasien zu umfassen. Dies erklärt den 'schwachen Anteil der Sephardim an der jüdischen Renaissancebewegung. Sie sind nicht imstande, aktiv, das heißt geistig, an der Erneuerung des Judentums mitzuwirken, ihre geringe Mische Kultur hindert sie daran. So sind die Spaniolen trotz 'ihrer Energie und Vitalität, trotz ihrer historischen Verbindung mit dem Mischen BoAe zurückgeblieben. / Aus dem Gesagten wird klar, daß die erste Aufgabe des sephardischen Judentums die ist, sich kulturell dem aschkenasischen Judentum zu nähern und znm Zusammenwirken der Heiden Gruppen an der Erneuerungsarbert des Gesamtijudentums zu gelangen. „Gl mundo sepharadi" ist eines der Mittel, durch welche wir die oben geschilderten Aufgaben und Ziele zu erreichen hoffen. Raphael Bens uff an. Sie Zerstörung des Mischen Tagblattes „Rowy Izieantt". Der Krakauer ,Mowy Dziennik" veröffentlicht ftnert Ausruf an die Judenschaft, für den Mederanfbau feines durch das letzte Bo-mbenattentat zerstörten Redaktionsgebäudes größere Geldbeträge zu spenden. Der „Nowy Dziennik" habe stets für die gerechte Sache des jüdischen VoAes gekämpft und werde auch künftig trotz der Terrorakte Kr die Forderungen des Mifchen Volkes eintreien. Der durch das Bombenattentart'verursachte Sachschaden beträgt Hunderte von Millionen polnischer Mark, es sei daher Pflicht derJudenschaft, den Mederaufbau des „Nowy Dziemvik" zu ermöglichen. si§s wäre wünschenswert, daß sich auch die m Wien wohi> hasten gÄizischen Juden cm dieser Mion durch größere Dpenden beteiligen. Me Beträge Lnwn in der polnischen Lanldeskasse P. K. O. Nr. 141.123 oder in der schwedischen EÄampte-Gank, Filiale Krakau, erlegt werden.) Die rMchen Juden in Men für die PMstim-Arbeit. Ans Anregung des örtlichen Verbandes zionistischer Studenten aus Rußland traten vor kurzem die angesehensten Vertreter der russifch-Mifchen Kolonie zu einer Beratung zusammen. Nachdem die Vertreter des Zionistischen Landeskomitees und des Jüdischen Nationalfonds auf die Wichtigkeit des Aufbaues Palästinas hingewiefen hatten, in welchem dem ruffischen Judentum Äs dem in jeder Hinsicht wichtigsten Träger der nationalen Rennaissanc-e, eine wichtige Rolle zusällt, wurden bei der Beratung die Mttel und Wege besprochen, um die in Wien ansässigen russischen Juden zur Palästina-Aufbauarbeit hevanKuziehen. ES wurde 'beschlossen, zunächst eine Beranstailtung der russifch-füdischen Kolonie zugunsten des Jüdischen NationÄfonds durchzuführen. Ms wichtigstes und nächstes Ziel wurde di« Schaffung einer alle russischen Juden Wiens umfassenden Pro-Palästina-Organisation, die dann eine systematische Tätigkeit entsalten könnte, in Aussicht genommen. Me Konferenz, an welcher auch einige Mitglieder der amerikamsch-Mischen Kolonie teilnahmen, die sich - für die Beteiligung der letzteren an der Nativ nalsonds-Veranstaltung aaÄivrachen, nahm einstimurig folgende Resocm, Wiener Morgenzeitung. An Roman ans der nahen Mischen Vergangenheit voll spannender Schilderung und packender Darstellung, ist „3n Pole«» Wäldern" von I. Opatocschu. Der Roman schildert das Leben der dolnifchen WaldMen er entwirft ein gvandiofes BW vom polnischen Aufstand im Fahre 1883 stellt in anschaulicher Weise dar Leben am Hofe des gaddil von Kozt dar und gibt einen Ausblick auf die neue jüdische Zeit. Dieser Roman beginnt in der autorisierten Uebertragung von Siegfried Schmitz in unserem Matte am 1. Fnni 1823 zu erscheinen. ,Me anwesenden Vertreter der jüdischen Kolonie Wiens ans Rußland und Amerika beschließen die Notwendigkeit ihrer Anteilnahme am Aufbau Palästinas, und geben ihrem Willen Ausdruck, organisiert an diese Aufgabe heranzutreten. Die Anwesenden wollen ihr möglichstes tun, um die gesamte ruMch-Hüdische Kolonie ans breiter Pro-Palästina-Grundlage zu organisieren. Die Anwesenden beschließen, die Wahl eines temporären Komitees, das sowohl die nächste Palästina-Arbeit als auch die volle Organisierung der Kolonie leiten soll." Das auf Grund dieser Resolution gewählte Komitee besteht aus den Herren: Bankdireiktor Jassny, Bankier Lewkow, Redakteur Weißmann, Fabriksbesitzer Mais el, Oberleutnant a. D. Verriet. Es wählte in der konstituierenden Sitzung Herrn Bcmkdirektor Jassny zum Präsidenten. Herr Bankier Lewkow wurde mit der Leitung der Organisat-ions- und Propagandavbeit, Herr. Redakteur Weißmann mit der Leitung der Nationalfonds-VeranstÄ't.ung betraut. Ile Rene der Sedenburger Tempelschünder. Wir berichteten seinerzeit über den Bubenstreich, den sich zwei.von antisemitischen Hetzern verleidete Höver der Ovdenburger Forstakademie und einige ihrer Freunde leisteten, indem sie die Fenster der beiden Oedenburger .Phnagogen zertrümmerten und die Wände beschmutzten. Wir wiesen damals auch darauf hm, daß diese von Chemnitz nach Oedenburg .transferierte Hochschule von den Steuergeldern der Oedenburger Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession erhalten wird. Der Vorfall hat damals allgemeine Empörung hervorgerufen und es scheint, daß die Mss-etäter unter dem Eindruck dieser Empörung und um der Relegierung aus der Anstalt zu entgehen, sich herbeiließen, in dem Oedenburger Regierungblatt „Sopronvarmegye" eine de- und wehnrütige Erklärung zu veröffentlichen. Me in der Nummer vom 8. Mai des genannten Blattes erschienene Erklärung hat follgenden Wortlaut: ,Mir Unterzeichneten, Rudolf Biczo und Johann Maier, haben unsere am 19. April 1933 begangene Tat, die darin bestand, daß wir die Fenster des Oedenburger orthodox-israelitischen Tempels und des Tenipels der israelitischen Status guo- Gemeinde in benebeltem Zustande emschlu-gen, in höchstem Maße bedauert. Für diese unsere unzurechnungsfähige Tat bitten wir sowohl die genannten sdultusgemeinden als auch die gesamte Gesellschaft der Stadt Oedenburg um Entschuldigung und wir versprechen hiermit, in Oedenburg nichts mehr zu unternehmen, was geeignet wäre, den konfessionellen F-ieden zu stören. Oedenburg, den 6. Mai 1933, Rudolf Btezo m. p., Johann Wiaier m. p." Es war ganz vernünftig von den Oedenburger Inden, . caß st.» sich mit dieser lamentablen Erklärung, der. erwachsenen Cchuljuuam zufrieden gaben. Allerdings ist diese Erklärung hiuterhalug genug, denn die Buben versprechen nur in Oedenburg, von dessen Gnade momentan ihre Zukunft abhängt, keine Gcmeinhelten zu begehen. Wir sind überzeugt, daß sie, sobald sie der Gastfreundschaft der Oedenburger Juden werden entraten können, ihn ihrem künftigen Leben für diese Güte an den Juden mgendeiner anderen Stadt Rache nehmen werden. Das ist nun einmal so au: isemi.ilche Wesenr.>r:. Die Kmeise nach Deutschland. Die Einreifebestimmungen nach Deutschland sind zur Förderung eines nützlichen Fremdenverkehres -wesentlich gemildert worden, so daß das Einreise- Visa nach Deutschland für Kur-, Erholungs-, Studien- und Vergnügungsreisen sowie zu ernsthaften geschäslltchen Zwecken von den deutschen Auslandsvertretungen ohne Schwierigkeiten erteilt wird. Auch die Regierungen der Länder haben die Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung allgemein gemildert: So hat B a d e >n von dieser gebührenpflichtigen , Genehmiguugsrrteilung ganz abgesehen; für die Einreise nach Bayern stellen die Konsulate des Deutschen Reiches V o r g e n e h m i g u n g e n aus, die von den bayrischen Ortspolizeibehörden im allgemeinen ohne weiteres bestätigt werden; ähnlich wird die Aufenthaltsgenehmigung in Thüringen und Wü r tt gchcmWbt ist die 'vielkM der-. 26. Mai 192»_., M. 1888 ärgernde Vorschrift -weggefallen, nach der für jeden Aus enthalMvechsel innerhalb des Deutschen Reiches eine nerq Aufenthaltsgenchmigung nachgefucht werden mußte. Dii Gebühr für diese Aufenthaltsgenehmigungen ist einheitlra geregelt und -wird nach Goldmark berechnet, so -daß aua eine Benachteiligung einzelner -Nationen^ von nun aj fortfältt. zkoniftisches Landeskomttee für Sesterrekch. Smmtag den 27. d. um halb 3 U'hr nachmittags findet im Lokale der Zionistischen BezirTssektion 6—Sj, 8. Bez., Bennoplatz 1, die Sitzung dä Partei rates statt. Tagesordnung: 1. Keren Hajessod (Referent Dr. Bert« hold Feiwel). 2. Der 13. Zionistenkongreß (Referent Ing. Stricker). 3. Ersatzwahlen. '4. Eventuelles. Konzert der Wiener Kantoren. Die Synagoge in der Turnergaffe war Donnerstag; der Ort einer eindrucksvollen künstlerischen Feier. Der Abend brachte dem Tempelrenovierungsfonds eine nanr« hafte Smnme, den opferbereiten jüdischen Kantoren aber neue Bewunderer und Freunde. Nach einem Orgelprälu« diunr des Professors V a l k e r hielt Rabbiner Dr. T a gl ich t die Festrede, in der er in eindrucksvollen Worten die Hilfe der Führer der Kultusgemeinde für die Renovierung des Tempels anrief. Das künstlerische Programm wurde durch den 100. Psalm eröffnet, der, von einem vollendeten Männerchor vorgetragen, ebenso gewaltig wirkte, wie die Chorvorträge des Mv horachamim und des. Psalms 114, Als Dirigenten boten die Herren Isidor Löwrt und Joses Zelnik treffliche Leistungen. Der Wettstreit der besten Kantoren Wiens bereitete dem begeisterten Publikum einen unvergeßlichen Genuß. Die Oberkantoren Müller, Frankel und Mer, Matyas» Margrllies und Schleifer boten ihr Bestes. Das zahlreiche Publikum:, in dessen Reihen man Oberrabbiner Doktor Chajcs, den Präsidenten der Kultusgemeinde Prost Dr. Pick, Vizepräsidenten Dr. Fried mann und mehrere Mitglieder des Wiener RaMnats sah, empfand es schwer, sich der Beifallskundgebungen an der geweihteni Stätte zu enthalten. Nach dem Konzert fand eine gesellige Zusammenkunft statt, bei welcher Herr Oskar Goldschmied den Wiener Kantoren für ihre OpsevwMgkeit in warmen Morten' dankte. Gestern ist der ehemalige Bürgermeister der Stadt Men, Dr. Josef Neumaher, im Mer von 79 Jahren gestorben. Neumayer, ein gebürtiger Wiener, Tldvokat von Bench wurde im Jahre 1895 in den Gemeinderat gewählt. Dann war er zweiter, später erster Vizebürger-> meister, und nach dem Tode Dr. Luegers wurde er am 22. Tlpril 1910 zum B ü r g e r m e i st e r v o n W i e n gewählt. Diese Stelle mußte er im Dezeniber 1912 zurücklegen, da der damalige sozialdemokratische Genreinderai S ch u h m e i e r tvegen der merkwürdigen Umstände bei deq Verleihung einer Stiftung in offener Gemerrckeratssitzung heftige Angriffe gegen ihn richtete. Dr. Neumaher war auch Vertreter der Inneren Stadt im Landtage und vom Jahch 1910 bis 1913 Vertreter des 13. B^rrkes rm Reichs rate Meine Lokalchrouik. Auf den: Zentraffriediho-fe wurde geistern ein Kr die i& Wien während des Krieges gestorbenen 460 italienischen Soldaten errichtetes Denkmal feierlich enthüllt. Auf einer Wanderung ruhte der Pridatlbeamte Ka^ Herold bei Potteubvunn aus. Er schlief ein und als er erwachte, war seine Reisetasche mit Wäsche und Meidungsstückeuim Werte von 8 Millionen Kronen verschwunden. WeMn des vor kurzem beim St. PAtner Großiudu» striellen Dr. Boith verübten Einbruches mit eine» Schadensfumme von 300 Millionen Kronen wurden Anton Fi-ckel, Richard Kropej und Leopold Burger verhaftet und dem Landesgerichte oingelieifert. Bei einer Razzia am Donaukcvncckrcher wurden 17 Personen, die dort nächtigten, auf-gegriffen. Bloß zjweii von ihne^ wurden vom Kommissariat Lcopoldstadt als unbedcnNich entlassen. ' Der Handelsakademiker Joses Holling er ist aus der Ringstraße von der fahrenden Äraßenlbcchn gestürzt und erlitt mchrfache Verletzungen. * Das Neueste ist... Das Neueste ist nämlich der spitzige Schuh. Er gehört zu den unfchlbaren und verläßlichen Kennzeichen der Eleganz und Flottheit. Nachdem die Fußbekleidung des modernen Gentleman durch längere Zeit vorne in ein! schaufelförmiges Ruder auslief und ein leicht verzogenes Rechts eck bildete, das vorne Zwei Höcker trug und für Lebewesen mit eckigen Füßen bestimmt war, hat man jetzt, mit der allgemein neu Rückkehr zur Natur und freien Sitte zum Schnabelschuh zurückgefunden. Der Fuß wird vorne zu einer Spitze zusammengedreh't, wodurch sich der Schuhpreis selbstverständlich um ein paar „Zehner" erhöht — die Annehmlichkeit, verbogene! Zehen zu haben, kann nicht zu teuer bezahlt werden. Neue, un-j geahnte Möglichkeiten erschließen sich der Hühneraugenschneide-. tunst, und wenn man nur sicher wüßte, baß die Mode sich einige! Zeit erhält, könnte man den ratlosen Maturanten doch tooj nigstens einen aussichtsreichen Beruf empfehlen. Leider muß> aber befürchtet werden, daß auch die Geltungsdauer dieser, reizenden Laune beschränkt ist, und da man keineswegs mit Be«j stimmtheit sagen kann, ob beim Schuh von morgen sich ditz Spitze wie der Kiel einer Gondel Hinaufbiegen oder die Fer-j senhülle in Form eines Korkziehers verlaufen wird, wäre es! jedenfalls vorschnell, seine Maßnahmen im vorhinein zu tres-!!en. Auch die Damenwelt bekundet eM/gewisse KoxsMt^züchj