Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1536 (24.5.1923)
- Date
- 1923-05-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wre^ Lsmsttstag Wiener Morgenzeitung. 24. -Mai 1923 NL ma knAmd und PMWa. Kn Borttag von 61c Wyndhm Leeds. Mon unserem Londoner Korrespondenten.) Wahlen zum 13. Hionisten-Kongreß. Die Executive der Zronfftischen Organisation gibt bekannt: . ' -v . Der 13. Zionistenkongreß wird am Abend des 6. ArMst im Schützenhause in Karlsbad mit einer feierlichen Sitzung eröffnet werden. Die Exekutive hat soeben die Bovschrrfkn betreffend die Wähl von Delegierten zum Kongreß veröffentlicht. Die zionistischen Verbände wurden aufgefordert, die Schekelsammklngen rechtzeitig abzuschließen, damit sämtliche Schekelgelder nicht spater als am 6. Juni bei der Exekutive eintvesfen. Auf Grund der bis zu diesem Datum bei der Exekutive eingelaufenen Schekalim wird die Zahl der Delegierten für zionistischen Verband bestimmt werden. Grundsätzlich entfällt nach dem Statut auf 2000 Schekelzahler je ein Delegierter. Für kleinere Verbände srnd im Statut Ausnahmen vorgesehen. Verbände, di«, obwohl sie sich auf das Gebiet eines ganzen Staates erstrecken, insgesamt . nur 1000 Schckelzahler umfasten, sind zur Wahl eines Delegierten berechtigt. Noch kleinere Verbände haben sich miteinander zur Wahl eines Delegierten zu verbinden. Die Wahlen werden innerhalb eines jeden. Landesverbandes und einer jeden Landesgruppe eines Sonderverbarweß selbständig durchgeführt.- Die Verbände und Gruppen eines Landes sind jedoch berechtigt, sich.zwecks gemeinsamer Durchführung der Wahlen zu einer Wahlgruppe zu vereinigen. Gemäß dem neuen Ovganisationsstatut wird es in diesem Jahre zum ersten Male zur Pflicht gemacht, die Wahlen nach einem System du'rchzusühren, das auch den Minoritäten die Möglichkeit einer Vertretung sichert. Wahlgebiete, die 'nur einen Delegierten zum Kongreß entsenden, wählen wie bisher mit Stimmenmehrheit. Alle anderen Wahlgebiete dagegen sind verpflichtet, das Proportionalwahlrecht oder «in anderes der bekannten Minderheitswahlsysteme einzuführen. Die betreffenden Bestimmungen hat jeder zionistische Verband in Form einer Wahlinstruktion auszuarbeiten und der Exekutive bis zum 31. Mai vorzulegen. Die Wahltermine müssen so bestimmt werden, daß die Wahlen rechtzeitig vor dem Kongreß beendigt sind und daß die Meldung über die Wahlergebnisse nicht später als am 27. Juli bei der Exekutive einläuft. Es wird angenommen, daßder 13. Kongreß von 400 bis 600 Delegierten beschickt wird. Vorbereitung' der Kongreßberichte. # Das Keren Hajessod-DiEorium teilt mit: Es ist ein oft geäußerter und durchaus berechtigter Wunsch der Delegieren der Zionßstenkongresse, die' Materialien, die Grundlage der Verhandlungen,' nicht erst beim Kongreß, sondern schon geraume Zeit vorher aüsgehändigt zu bekommen, um die Berichte gründlich studieren zu können. Das Hauptbureau des Keren Hajessod bereitet, ebenso, wie zum 12. Kongreß -und zur letzten Jahreskonserertz, . «uch 'für den 13. Zionistenkongreß die Herausgabe eines- Berichtes vor, der über die Gesamtentwicklung des Keren Hajessod und über die Arbeit für den Keren Hajeffod in den einzelnen Ländern Rechenschaft gibt. Das Hauptbr^eau hat an' sämtliche Komitees ein Rundschreiben gerichtet mit der Aufforderung, alle Abrechnungen und Materialien, die für die Aufstellung dieses Berichtes notwendig sind, ohne Verzögerung dem Hauptbureau des Keren Hajessod in London zugehen zu lassen. Di« rechtzeitige Fertigstellung des Berichtes des Hauptbureaus ist davon abhängw, daß jedes einzelne Komitee -dieser Aufforderung ohne Verzögerung Folge leistet. Wenn auch nur eine.kleine Anzahl von Komitees dies nicht tut, fft das Hauptbureau außerstande, rechtzeitig seine Abrechnungen zu schließen und das endgültige Ziffern- und Tatsachenmaterial zu verarbeiten. Das Keren Hajessod-Direktorrüm macht daher darauf aufmerksam» daß die Erfüllung des Wunsches nach rechtzeitiger Vorlegung' .eines Berichtes über den Keren Hajessod von der Promptheit abhangt, mit welcher die einzelnen Keren Hajestod- Komitees der an sie ergangenen Aufforderung zur Berichterstattung und Abrechnung Fo'lge leisten Werden. Die Vorbereitungen der amerikanischen Zionisten. I. C. B. meldet: Die amerikanischen zionistischen Kreise sind bereits mit den Vorarbeiten zum bevorstehenden 13. Zio-nisterckongreß beschäftigt. , W wird ein genaues Programm der Reorganisation Lusgearbeitet, welches insbesondere die Fragen des Keren Hajessod, der Jewifh Agency, des Jüdischen Naiionalfonds, des Sitzes der zionistischen Executive und der -wichtigsten Methoden der Geldinvestierungen in Palästina berührt. Das Memorandum wird durch die Herren Abraham Äoldberg und Louis L.ipskh ausgearbeitet uttb zunächst durch das Komitee der amerikanischen Zionistischen Föderation und -dann durch den noch einzuberusenden Par- Mag (Konvention) geprüft werden. Nach der Billigung vürch »die Konvention soll es als deren Programm den Monistischen Föderationen und Persönlichkeiten zur Einicht und Stellungnahme überreicht werden,. Die "amerikanischen Zionisten beabsichtigen, dieses Programm dem 13. Ziomstenkongreß als Grundlage für -ie Erörterung der Reformpläne in der zionistischen Tätig, feit vorzuschlWW Der früMe Zibilsekretät der palästinensischen Regier rung.Sir.WKn d H a mDe eds sprqch in einer von der English Zioüist Federation veranstalteten Versammlung überfeine Eindrücke-in Palästina während seiner drei Jahre dauernden Amtstätigkeit. N Sir Deeds begann mit der, Erklärung, daß er dem High. Commissioner Sir Herbert Samuel vor seiner Mreise versprochen habe, bei jeder Gelegenheit, über Palästina zu sprechen. Das tut er auch mit großer Freude, weil ihm die große Ehre zu Teil wurde, f ü r d i e ü d i s ch e H e i mstätte zu arbeiten. Sein lediglich probritischer Standpunkt sei zugleichein . pryeuropäischer und projüdischer. England müsse den I u d e n d a n k b a r sein, daß es in der Lage sei, das größteunddasschö.nst eftB erkdes Krieges auszuführen und zugleich eine Schuld zu tilgen, die vor 2000 Jahren die gesamte christliche Welt den Juden gegenüber auf sich geladen hat. Es ist für einen Engländer, für den das Wort „Home" das teuerste Wort ist, eine Ugroße Genugtuung, an der Entwinlung eines Heimes für eine so lange heimatlos gewesenes Volk mitzuarbeiten. Aber man darf auch nicht vergessen, daß ohne den Zionismus England nie in Palästina wäre. Aber wenn nicht mehr Juden in P a l ä st i n a wqhnen werden, dann wird England nicht in der Lage sein, das guszusühren, wofür es in Palästina ist. Und der Z i o ni s m u s muß verwirklicht werden, weil die Juden ssinen Ort in der Welt haben sollen, wo sie für. ihre Kultur leben und die jüdischen Kinder in einerjüdischen Atmosphäre erzieh« sollen. Doch es ist rncht möglich, den Geist zu kultivieren, ohne des Körpers dabei zu gedenken. Das Land muß daher aufgebaut werden, damit es wirklich die jüdische Heimstätte werden kann. D.as ist die Aufgabe der Juden der Weltz denn die H e i m st ä t t e ist für alle 15 Millionen Juden und nicht nur für die wenigen, die das Glück haben, in Palästina zu leben. Nach Palästina müssen die besten, die repräsentativsten Juden gehen. Unter diesem^ Gesichtspunkte betrachtet, erscheinen die so viel kritisierten Emigrationsbestimmungen in einem anderen Lichte. Alle die qnkommen, können herein, kein Schiff kehrt zurück, ohne daß Emigran-' ten landen. Die Emigration muß jedoch der Aufnahmefähigkeit des Lau des an gepaßt sein. Kapitalien sind nötig, um die Aufnahmefähigkeit des Landes größer zu machen. > Man sagt, die Chaluzim seien Bolschxwiki, andere behaupten, .sie seien Atheisten,. .wiederandere beklagen sich, über, ihre Moral. Herrn man Bestrebungen zur Besserung des Lebensstandes „Bolschewismus" nennen will, dann sind sie Bolschewiki, aber nur in diesem Falle. Wenn man sie als Atheisten betrachten will, weil sie den Geist der Religion suchen und ihn über den. Buchstaben'stellen, mag Man es ruhig tun. Was Moral betrifft,ffo haben sie jene sicherlich in lveit höherem Grade als diese, die.sich gerne als Moraliffctt gebärden. Nichts erschreckt sie, weder Hitze noch Kälte noch Gefahr.' Sie kommen nach Palästina, um das Land anfzubauen, und sie leben wahrlich nicht konfortabel. Ueber- Sesterreich. hauptckommen die Juden nicht nach Erez Israel, um Ätzt mögen zu erwerben. Sie erwerben Vermögen, aber diesej ist geistiger^ Natur. Achtundneunzig Prozent der jüdisches -Einwohner Palästinas sprechen die eigene Spracht Das ist das ' i größte Ereignis der Geschichte der letzten Jahre. Es gibt-natürlich auch in diesem Fm Kritiker. Aber es gibt keine dümmere Kritik als diese. Es die höchste Zeit, daß die Juden ihre eigene Sprache sprechest Zu lange haben sie ihre Harfen an fremden Bäume» hängen lasten.' In diesem Zusammenhänge fordert dry Redner die Anwesenden auf, die hebräische Univev s i t ä t s g r ü n d u n g zu unterstützen. Es gibt nichts, wa» er mit mehr Sehnsucht erfüllt sehen möchte, als di» Schaffung dieser jüdischen Stätte des jüdischen Wissens. Zur A r a b e r f r a g e übergehend, erklärt der Redner diese überaus wichtige Frage wäre heute nicht so zugespiht wenn man sie in der Vergangenheit mit etwas mehr Taft . behandelt hätte. Man hat den Arabern eingeredet, daß. di» Juden sie von ihrem Boden vertreiben wollen. Bei de» Wahlen hat man ihnen gesagt, sie würden ihr Land ver, lieren, wenn sie ihre Stimme abgeben werden. In dieses Frage hat die englische, aber auch die englisch-jüdische Press, die größten Mißverständnisse hervorgerufen. Die Zionistisch, Organisation und ihre Vertreter in Palästina und London bemühen sich sehr, zu einer Einigung mit den Arabern zu gelangen, und Redner glaubt, daß diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Es sei anzuerkennen, dah der größte Teil. der arabischen Führer die Opposition korrekt geführt habe, was sicherlich die Hoffnung auf eins ftiedliche Regelung der Frage vergrößere. Sh Wyndhan, habe den Arabern öfters erklärt, daß sie heute nicht in der Lage sind, ihr Land selbst zu regieren, und daß England ihnen keinen größeren Anteil an der Landesregierung geber» kann, als sie schon heute haben. Was die britische Administration betrifft, so stehen diß Juden ,in der Kritik derselben keineswegs den Arabern nach, Es sei gut, daß man nicht zu schnell an die Ausführung der Balfour-Deklaration gegangen sei. Aber es sei ausdrücklich festgestellt, daß - , kein Prinzip über Bord gewsrfe« , wurde. Nichts von dem, was man vör d r e t jfa h r e r» auszuführen beabsichtigte, wurde ausgegeben. Die britische Politik ist nach wie vor für einß nationale Heimstätte für das jüdische Volk. Diß Administration des Landes, mit Sir Herbert Sämuel an der Spitze, ist in ihrer großen Mehrzahl mit dieser Politik eng verbunden. Man habe von keiner Seite Sir Herbert gegenüber mit der Kritik gespart, und doch, gibt es.keinen zweiten Mann/' der für diesen schweren Posten geeigneter .wäre. Unter Herbert Samuels Administration werde, dir ^nationale Heimstätte für die Juden aller'Welt ins Leben geufen werden, und .es. wird -nicht nur ein--großes Ereignis in der jüdischen, sondern auch in der britischen Geschichte , sein. , . , - ' 1. Ser Bundeskanzler Wer die restliche« Aufgaben des gegenwärtigen Parlaments. Der christlichsozial-e Verein Mariahilf hatte für Dienstag abends eine Versammlung mit Bundeskanzler Dr. Seipel und.Minister a. D. Heinl als Redner einbevuftn. ' . Bundeskanzler Dr. Seipel führte unter anderem aus: Wenn wir jetzt aus die letzten Monate zurückschauen und sehen, daß wir uns in der Zeit der größten Verwirrung in Europa hier wie auf einer Felseninsel 'behaupten, an die die Wogen zwar immer wieder heranstürmen, ohne sie jedoch untevwühlen und zum Sturz bringen zu können, mästen wir als Ursache dieser Veränderung das eine erkennen, daß das Vertrauen wiedergekehrl ist. Das hypnotisierte Starren nach der-Anleihe, das ausschließliche Reden nur von unserer Rettungs- und Sanierungsaktion ist vorüber. Wir -haben in den letzten Tagen vor Pfingsten im Parlament vier Verträge mit auswärtigen Staaten erledigt. Das. isi überraschend leicht gegangen, .obwohl darunter der erste wirkliche Handelsvertrag, der mit I t a l i e n, und. außerdem ein wirtschaftlich sehr bedeutender Vertrag mit Jugoslawien waren. Man tut jetzt wicher so, als wenn es immer so gewesen wäre. Vör. einem hakben Jahre hätte man uns vexlacht -und -wir hätten uns selbst verlacht, wenn uns jemand zugemütet hcithe, wir sollten uns in dieser Zeit mit Handelsverträgen Md derartigen Dingen abgeben.' . In der nächsten Zeit werden »wir uns -mit unserem Wahlgesetz, zu beschäftigen ha'ben/ damit wir zum gesetzmäßigen Termin, irn Okiober, die Neuwahl des Nationalrates durchführen können. Das Gesetz wird-keine -Ueberraschung bringen. Welches Wahlgesetz immer wir haben werden,-der Ausgang -der Wahlen wird ganz davon abhäugen, in welchem» Maße sich die Einsicht dessen, was für unser Vaterland nottvendig ist, "bei der Wählerschaft durchsetzt. . Dam werden wir unS aufs erMste mit einer großen J Was. waltu ng, befasten müssen. Das Neue ist, daß w i t unsere Bahnen nicht verkaufen, aber eine Wirtschaft einführen: wollen, wie sie ein geschickter und kluger Kaufmann inseinem Geschäft, hat. Der Entwurf wird verschieden« Aenderuugen erfahren können. Wenn uns von. maßgebenden Seiten Verbeff-erungen vovgefchlagen werden, -Werder», wir sie gerne annehmen. Aber bei der Beurteilung mutz! man sich vor Augen halten, -daß wir eine -wiMch nicht all-! tägliche Sache vot uns haben und daß es sich dabei un» eine Lebensfrage handelt. Als drittes harrt der parlamentarischen Behandlung das, Problem unserer vsfentiichen Angestell-: t e,n., Wir müssen endlich dazu kommen, den^ BuUdesangestellten, die einen besonders großen Teil der allgemeinen: Saüierungslasten - tragen, weil sie durch die Notwendigkeit; des Abbaues in eine gewiste Unsicherheit hineingestoßen! und dabei in^ ihren Bezügen, gemessen an dem, was. sie: früher einmal gehabt haben, noch lange unter der! Friedens Parität sind, diese Bezüge so zu regulie-, ren, .daß sie auch wieder mit ganzer Seele bri der Arbeit, für die Allgemeinheit sein können. Wir müssen wieder dazu kmnmen, daß zwischen den jungen und ledigen Leuten- und zwischen den lange .dienenden Angestellten und Fa-' milieyerhaltern ein entsprechender Unterschied ge> macht wird. Wir müssen zwischen die Bezüge der v^rschiedemn Kategorien der Angestellten eiiu solche Spannung hineinbrjpgen, daß es für jeden dasürsteht. sich anznstrengen und sich hinaufzuarbeiten. Wrr müsten zu einem System kommen, daß. wir dann im geeigmim Augenblick auch nicht mchr der Krücke des Index bedürfen. Schließlich werden wir auch in den letzen Monaten, die dem gegenwärtigen Parlament noch gegönnt sind, groß'' Arbeit zum Zwecke der Herstellung möglichst g u t e r v e rtragsmäßiger Beziehungen zu allen Nachbarstaaten zu leisten und daher auch eine grund. legende Nettgestaltung unseres Zolltarife s vorzunehmen haben, so daß wir endlich in brr Lagit' seinwerden, das Verbotssystsrir, das uns umgibt,^ ent-; fernen und. unserer Volkswirffchaft wieder ein^ freies j , Feld der Betätigung eröffnen zu können,- nach dem sie fe| 'ziviMO vManM v