Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1535 (23.5.1923)
- Date
- 1923-05-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jfc ' Wierf, MtÄvoch Tagesbericht. Böllerbund und Mädchenhandel. Unterredung mit Mr. S. Cohen (London). Auf dem jüdischen Frauenkongreß' wurden mehrere Referate.über dre Frage des Mädchenhandels gehalten, von denen besonders jenes des Herrn S. Cohen, Generalsekretärs der I e w i s h Association for the Protection of Girls and Wo men in London durch seine Gründlichkeit Aufsehen erregte. Mr. Cohen, der gleichzeitig auch, Mitglied der Völkerbundskommission zur Bekämpfung des Mädchenhandels ist, erteilt uns über die Tätigkeit des , Bölkerbünoes auf diesem Gebiet die folgenden Auskünfte: ' Schon in den Friedensverträgen ist die internationale Bekämpfung des Mädchenhandels dem Völkerbunde überantwortet worden. Aber erst im Jahve IM kam es zur ersten Inferenz der Völkerbundskommission, in> der 33 Länder und auch die freiwilligen Organisationen zur Bekämpung des Mädchenhandels vertreten sind. Man wählte dort ein Direktionskomitee in dem neun Länder und fünf Organisationen ihre Delegierten haben. Neben der Internationalen Frauenorganisation und dem Bureau zur Bekämpfung des Mädchenhandels sind die katholischen, evangelischen und jüdischen Verbände durch je einen Delegierten vertreten. Die jüdischen Verbände habe ich zu repräsentieren. Im Jum 1922 wurde die erste Sitzungsperiode in Genf abgehalten. Man war sich über die Wege der Arbeit im.Klaren. Nur durch internationale Konventionen und Gesetzesbestimmungen kann der Mädchenhandel bekämpft werden. Dazu ist ferner nötig, daß Regierungen und Organisationen einheitlich Vorgehen. Bei unserer neuerlichen Versammlung in März l. I. wurden drei Fragen erörtert, die für uns Juden von besonderer Wichtigkeit sind. y Zunächst die Frage der Emigranten. Der Schütz der grauen uckd Mädchen während der Reise genügt nicht: man muß in den Ländern, wohin sie gehen, Arbeitsbureaus errichten, damit sie nicht in Tingl-Tangls und ähnliche Lokale getrieben werden. Eine besondere Fürsorge ist jedoch für, den Fall nötig, wenn sie in das neue- Land nicht eingelassen werden. Die Schiffahrtsgesellschaften sind zwar verpflichtet, sie in die Abgangshäfen zurückzubefördern, aber dann kümmert sich keiner mehr um sie. In den Häfen verschwinden diese Mädchen fast immer. Ein schwungvoller Handel wird mit I u d c n m ä d ch e n in Rußland/Polen und Rumänien getrieben; das ungeheure Elend der'jüdischen Bevölkerung dieser Gebiete macht manches junge, unerfahrene Mädchen den Lockungen leichter zugänglich. Der Händler, ruiniert sie erst und verschleppt sie dann nach Südamerika, Aegypten odw China, wo sie vn staatlich regulierten Bordellen untergöbracht wevden. Nun wurde auf Antrüg des' polnischen Delegierten S o l aI beschlossen, die Ausnahme landfremder Mädchen in Bordelle zu verbieten. Dies ist der zweite wichtige Beschluß der Genfer Tagung, der /übrigens, 'bereits -.vom BMerbuildrate genehmigt wurde. Seine, restlose Durchführung wird einen großen Fortschritt in der Be-' kämpfung des Mädchenhandels bringen und ist besonders vom jüdischen Standpunkt lebhaft zu begrüßen. Die dritte für. uns besonders wichtige Frage, die von der Kommission erörtert wurde, ist die Einberufung einer Enquete über die Probleme des Mädchenhandels. Der amerikanische Delegierte begründet-e diesen Antrag mit der Notwendigkeit der Aufdeckung -der internationalen Verbindungen der Mädchenhändler und ihrer Arbeitsweise in den einzelnen Ländern. Um die Diskussion zu evleichtMn, hat das -j ü d i s ch e Wiener: Morgenzeitüng.! Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt ieden Donnerstag zwanglose Zusammenünfte für Mitglieder und eingeführte Gäste ' Morgen Donnerstag den 24. Mai-1. j., .8 Uhr abends, im Cafe' Fetz er, II., 'Praterstrasse VORTRAG A. SCHWERTFINGER: „Die Ethik des Judentums" ';■ 814 ' Z e n t r a l b u r e a n i n London be-veits nvit der Sammlung von Daten begonnen,- um bei der kommenden Diskussion den Standpunkt 'der jüdischen Verbände vertreten zu können. , Als bestes Gegenmittel und als Prophylaxe gegen den Mädchenhandel im Osten betrachte ich die Ausbildung der jüdischen Mädchen für einen Beruf. Daß eine Organisation der Mädchenhändler besteht, dürfte als sicher gelten. Obwohl wir im Besitze ganzer Korrespondenzen sind, konnten wir z-edoch bisher einer internationalen Organisation der Mädchenhändler nicht auf die Spur kommen. Die jüdischen Verbände, von. denen der Londoner seit 1886 'besteht, haben vieles geleistet. Ihnen ist es zu danken, daß heute die Verhältnisse im Osten um sehr viel besser geworden sind.. Die Organisationen verhindÄn in vielen Fällen die Verschleppung 'der Mädchen von, Land zu Land und lassen durch die Behörden eine scharfe Kontrolle <m den Schiffen ausüben. Wir bedürfen noch der intensiven Aufklärnngsarbei-t drr R a b- Liner, um besonders im Oste n erfolgreich wirken zu können. Es ist jedenfalls in erster Reihe ans:das Konto der jüdischen Verbände zu buchen, daß heute gelwaltrsame Verschleppungen fast gar nicht mehr Vorkommen. ' Tie Menachem Kliar-Aistung Kr rumänische Kulturzweike. Vor einigen Tagen starb in Bukarest der jüdische Bankier. Iaques Elias, der fein gesamtes, rund 800 Millionen Lei betragendes Vermögen für rumänische Kulturzwecke und soziale Einrichtungen vermachte. Ausden Erträgnissen der Stiftung sollen ^verschiedene kulturelle und wissenschaftliche Anstalten erbaut, Laboratorien, . Bibliotheken, rumänische Studentenheime und -Küchen errichtet werden. Jede dieser Stiftungsanstal'ten soll entsprechend dem lletztwill^gen Wunsche des Stifters dem Andenken des Vaters des Erblassers, Menachem Elias, gewidmet sein, und an der Front der Anstalt die Ueberschrist „Menachem Elias-Stiftung" tragen. Weder die Verwandten des1 Testators, noch irgend eine jüdische Institution wurde auch nur mit einem Heller beacht. Der wackere Bankier 'Elsas mag wohl bei der Abfassung seines Testamentes, wie so mancher Großjude aus der alten liberalen Schule, fest davon überzeugt gewesen fein, daß er durch diese Großtat seinem jüdischen Volke einen großen Gefallen erweise, indem er alle diejenigen Kreise, die gegenwärtig den Numerus clausus als die einzige Lösung' des Weltproblems anfehen, zur Dankbarkeit gegen die Juden zwingt, und sie von ihrem Vorhaben, die Juden aus dem Kulturleben des Landes zu verdrängen, aus so ethische.Weise abbringt. Er war so sehr überzeugt von der Richtigkeit seies Vorgehens, daß er gar nicht daran dachte, in seinem Testament für die, von ihm gestifteten Anstalten die Anwendung des Numerus clausus gegen die Juden stiftsbri'eflich auszuschalten. 3S. Mai 1938 _7 ©etftj Harding über die Inden Amerikas. In einem an den Kongreß der j üdis ch-h istorV scheu Gesellschaft in Amerika gerichteten Schreiben dankt Präsident Har ding für die an ihn ergangene Einladung. Hierbei spricht der Präsident seine Genugtuung darüber aus, daß die Gesellschaft nunmehr an eine ' Geschichte der Teilnahme der Juden an der ErÄvickluug Amerikas, schreite., Präsident Harding nennt die Nolle der Juden in dieser Entwicklung „eine der ruhmreichsten Seiten der Geschichte unserer' gemeinsamen Heimat Amerika". Die jüdisch-historische Gesellschaft gedenkt, ein besonn deves GMude für ihre Zwecke zu errichten, welches gleichzeitig ein Denkmal für die-.im Weltkrieg gefallenen amerikanischen Juden sein soll. Milliardeulegate der Familie Mond skr deutsche Kultaranstalten. ■ Wie aus London gemeldet wird, ist die Witwe des im Jahr» 1909 verstorbenen bekannten englischen Jndusttiellen 'Dr. Ludwig Mo n d» und Mutter des bekannten englischen Zionisten, Ministers für öffentliche Arbeiten in der Regierung Lloyd Georges Sir Alfred Mond, am 17. d. in London verschieden. Pr. Ludwig Mond hatte in seinem Testament Universitäten und Kunstanstalten in Deutschland mit größeren Legaten bedacht und verfügt, daß die Legate nach dem Ableben seiner Frau zur Auszahlung gelangen., Auf Grund dieser Verfügung erhält nun 1 ie Ü ni v, e r s ität Heidelberg, 5 0.0 0 0 Pfun d, die Akademie der bildenden Künste in München 2 0.0 0 0 Pfund, der Magistrat der Stadt Cassel ebenfalls 2 0.0 0 0"P f u n d. __ AußerordeMche Landeskonfereuz des Kere« Kajemech l'Isrüel (Mischer Ratioualsoudr) l« Sefterreich. DaS Hauptbureau .des Keren Kajemeth l'Jsrael beruft für die Zeit des XIII. Zionistenkongresses die zweite Weltkonferenz deS Keren Kajemeth l'Jsrael nach Karlsbad. Behufs Besprechung aller Fragen deS Keren Kajemeth l'Jsrael, die auf dev Tagesordnung dieser Konferenz stehen und speziell der Frage der Erhöhung der Einnahmen des Keren Kajemeth l'Jsrael in Oesterreich, ruft die österreichische Landeskommission deS Keren Kajemeth für Sontag den 3. Juni, 9 Uhr vorinittags, in ,den Lokalitäten, 8.Bez., Bennoplatz 1, eine außerordeutlich e Reichskonferenz ein. Tagesordnung: Vormittagssitzung r 9 Uhr: Eröffnung, Wahl des Präsidiums. 9 Uhr 16 Min. r Lichtbildervortrag von Herrn Dr. Wolfgang W e i s l (Jerusalem, derzeit Wien) über: Die Arbeiten beS ' Jüdischen Nationalfonds, ihre Methoden und ihre Schwierigkeiten. 11 Uhr: Dr. Chaim ' Tar.tako w e r: Die Lage des Jüdischen Nattonalfonds und die Notwendigkeit neuer Sammelmethoden. 11 Uhr 4b Min.: Generaldebatte. NachmittagSsitzmrg: 3 Uhr 30 Min.: Fortsetzung der Debatte, Beschlüsse. 5 Uhr: Referat' Adolf B ö h m: Richtlinien für die Weltkonferrnz des 'Keren Kajemeth. Anschließend Debatte. rke Milch wird MZer. Infolge verschiedener Maßnahmen in -er letzten Zeit, besonders das Schlagobersverbot für die Kaffeehäuser, -und die verstärkten Milchzufuhren, ist für 'die nächste Zeit eine Herabsetzung des Milchpreises zu erwarten. In den nächsten Tagen sollen zwischen den beteiligten Behörden entscheidende Besprechungen stattfinden. Am der hebröifchen LitmtM. Das vorliegende 16. Buch der „Haikusah" stcht im Zeichen der Trauer. — Seine ersten Blätter sind dem Schöpfer und ersten Redakteur dieser periodischen 'Zeitschrift — David Frischmann — gewidmet, dessen Porträt — rin Werk Pros. Pasternacks — dcts Buch schmückt. Jstn Verlause ihres Erscheinens wurden in der „Hat- Mah" mannigfache Aenderung-en, sowohl hinsichtlich des iLesestosss als auch der Anordnung, borgen oimnen. Besonders ivar dies wahrznmhinen, nachdem Frischmann (mit Schluß des neunten'Buches) -ans der RedMion schied, und diese von den früheren Hilfsredakteuren Jakob Koch an und F. Lachvwer übernmnimen wurde. '■* ■ , Die Uebersetzungen 'aus srelnden Sprachen, aus die Frischmann 'ein besonderes Gewicht zu legen pflegte, wurden allnräh^ch eingeschräM und nur Gediegenstes wurde gebotem Mindere Arbeiten von Amatenvulbersetzern', die früher so zahlreich vertreten waren,. WUrde'n ausgeschaltet. Nun ist mit dem Vorliegenden Buche noch ein Dritter dem Bniide der Redaktion beMtreten — Jakob F i chmann, der zarte, melancholische Liederdichter sowie hervorragende Kritiker und Essayst, der bereits dre beiden hebräischen Monatsschriften„Moledech" und „Mabawth" nrit großer Sachverständnis leitete. Es läßt sich derzeit noch nicht fest-s stellen, was dem' Einflüsse Fichmanns gu^nschreiben wäre.l Boriläusiig fällt der große Raum aus, welcher der Kritik eingeränint wurde, sowie das Heraustreten ans der bisherigen akademischen Ruhe und' Reserviertheit zu einem scharfen Worte, welches in diesem Falle Fichmann selbst sehr schneidig ftihrt. (,Mt Und Neu", Seite 601.) ' Nahum So ko low ist der erste, der sei nein vcvju-voett-en* Freunde und einstigem Mitarbeiter einen Kranz, windet.' Seit, langen Jahren wieder ein hebräischer Aufsatz So-« kolows. Die. Sprache ist frisch und „ans erster Quelle", als wenn ihr Schreiber erst jetzt von den TalmUd-iTraktaten und Midrasch-Folianten ansstünde... Außer deni „Brief an seinc Freundin" vonR. Benjamin und den kurzen Ergänzungen Fichmanns zu seinem kritischen Artikel über Frischwann, den er noch bei dessen Lebzeiten schrieb/findet sich auch G. Sch offmann mit einigen' Zeilen über den verstorbenen Schriftsteller ein. Es ist die Art dieses Künstlers, eine Persönlichkeit in äusterster Kürze zu charakterisieren. Er gibt uns bloß das Essentielle ans-dessen Wesen, damit aber auch die MöKrchkeit, ihn ganz Kn . verstehen und zu begreifen. So waren feite Nekrologe nach seinen Freunden U. N. Gness'in und I. Ch. Brenn er. aus der hcbräiischen, und dom ihm so nahe verwandten Mtenberg aus der deutschen Literatur gehallten. , Diese Blätter sind das erste AuWiknchzen Wer den Verlust Frischmanns als Schriststellewund Mensch. Sokolow regt eine umfangreiche, gründliche Arbeit Wer Frischmann ■ an, „jetzt aber ist noch nicht die Zeit". . \ Die schöne Literatur ist mit einigen lfchv bekannten Namen vertreten. „Won Anfang" heißt die Erzählung aus dem Nachlasse Brenners, die auf dessen Ermorduntgsstät'te vorge- 'sunden und deren Lücken' laut einer anderen Variante ergänzt wurden. - s Das Thema ist jenes, das wir in' Wedeki'nds' „Fvi'chlings- -erwachen" finden. Die Brennersche Wendla ist zwar auch schr blutjung und naiv, findet sich jedoch schließlich mit den Tatsachen ab. Die Erzählung, welche in der Form von SchAeranfßeichmlngen' gehalten ist und den Eiuidruck der Unvollständigkci't macht, M)rt verinUtlich aus der Zeit her, als- Brcnner Lchrer für Hebräisch im Jasfaer Gymnasium war. „In Bedrängnis und Not" heißt eine Novelle von Schofsmann. Die Vorgänge spielen sich' zu Anfang des Krieges in Wien und Umgebung ab und zeichnen einige hiesige prominente Persönlichkeiten invölliger Realistik, so daß sie eine Lokalchronik abgeben könnten, wäre Nicht der eigenartige Schoffmannsche Hintergrund, der sie zu einen: Kunstwerk ersten Ranges emporhebt, und in -dessen Zeichnung ihn kein lebender hebräischer Erzähler erreichte - In einer -anderen europäischen Großstadt, in Antwerpen, spielt die Erzählung „In der Fremde" von S t e r n m a n n. Das Problem hat bereits vor einigen,Jahren A. B e il i n m „Die erste Nacht" fSammelheft „Sifrnth") vorgebildet. Die Steinmannsche -Erzählung -ist weitschweifig in -der EpisodenschilderUng und hat ebenfalls eine« starken, lokalen Einschlag.' Das Buch enthält außerdem ein« Fortsetzung von B i aliks Tell-Uebersetzung und zahlreiche Gedichte, darunter von Czernichow^ky und Koch an. Von den übrigen wären die Gedichte Steinberg und Vogels hervorzu-- Heiden. In den „Sonetten ans idem: Kafsechaulse" besingt Steinberg, der dekadenteste unter unferten Dichtern, den 'Kaffeehansqual-m, die kalten Marmortifchchen und das entartete Leben, welches dort Erleichterung und Erl'ösnng sucht. > * Dem Leser, der sich für die Wissenschaft interessiert, wird eine ganze Reihe,von gediegenen wissenschaftlichen Beiträgen, soziologischen und jüdisch-historischen Jichal'ts, geboten. In dem Essay „U'eber den Uebersetzungen" setzt sich Fichmann mit den Gegnern.von Uebersetzungen auseinander; ^.'achower gibt -eine Fortsetzung seiner Ubhand'knng -Wer B-erdyi cze-wski, und Jakob Rabinowicz bietet sehr inter- 'essante Mlifze.ichnungen über ,/Ost.uäd West". Außerdem bxin'gt das Buch eine ganze Fülle von kleinen Notizen publizipl-tben und kritischen Inhalts, darnntter von B-ar-Tobiah, Fichmann, Äachoüver, Schofsmann n. a. Jefchajahu' T rg-e r. - Regenmäntel! > . K 125.000 B Leinenwaren, Waschwaren, v Stoffe, Wäsche — sehr billig B II., Taborstraße Telephon 47-1-78 En gros En detail