Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1535 (23.5.1923)
- Date
- 1923-05-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980616--14838-3001610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
£4fc-t \ " Men, Mittwoch ' ‘"A\ Sesterreich. Ar Acworth beim Bundeskmrler. Gestern nachmittags erschien der zur Slbgabe eines Gut^ ,chten8 über di« Reform der BundeSbohnoerwallUrty ö-rufen« «nMche Ei-ser.bcchnfachmann Dir William Ac worth in Begattung des GeneralkommissärS Dr. Zimmerman beim Bundeskanzler. An der an diesem Besuch angeschlossenen Konferenz beteiligten sich die Mnister Dr. Grünberger, Doktor Kienböck und Dr. Schürst. Ungar«. Bethlea vom Papst dekoriert. Ter politisch« «affwMstand. Budapest, 22. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Ministerpräsident Graf Bethlen ist Montag nachmittags von Rom abgereist und trifft Mittwoch abends in. Budapest ein. Montag wurde er in einstündiger Audienz vom Papst empfangen und erhielt das Grötzkreuz d e S Pius-Ordens. ‘ Die Nationalversammlung, die für Mitwoch einberufen ist, wird wahrscheinlich bis zum 80. d. vertagt werden, weil der eigentliche Zweck dieser Sitzung — der Rechenschaftsbericht des Ministerpräsidenten — wegen dessen Abwesenheit nicht erfüllt werden kann. Die opposittoneüen Parteien schlossen mit der Regierung vor der Abreise Bethlens eine Art Waffenstillstand bis zum morgigen Tage ab und verpflichteten sich, während dieser Zeit gar keine politischen Aktionen gegen die Regierung vorzunehmen. Um die Verlängerung dieser Frist zu erwirken, rief Außenminister Daruvarhfür heute mittags eine Obmannerkonferenz zusammen und beantragte die Verlängerung der „Treuga bei" um eine Woche. Irr neue gustirmiuifter. Aus Budapest wirduns gemeldet: Der Abgeordnete Emil Nagy wurde zum Justizminister ernannt. Die Veröffentlichung der diesbezüglichen Handschrift des Reichsverwesers erfolgt in den nächsten Tagen. Verbot des Wisch-uugaMe» HochschAerverbandes. Die ungarische Regierung hat sich wieder -eine unerhörte Niodertrachr gÄeistet. Sie hat durch ihre Polizei die Abhaltung der Generalversammlung des Verbandes jüdisch-ungarischer Hochschüler verboten und dom Präsidium des Verbandes gleichzeitig mitgeteilt, daß die Tätigkeit des Verbandes suspendiert sei. Begründet wird diese Entscheidung mit der Unwahrheit, daß der Verband angeblich politische Arbeit.leiste und nicht auf jener Me figuriere, welche die Umversitätsbehörde in Budapest über die an der Hochschule zulässigen Studentenveveinijgungen festgesetzt und herausgegeben hat. Der Verband Mischer Hochschüler in Ungarn hat in Wahrheit niemals Politik getrieben, wenn man die Beratungen darüber, wie den durch den Numerus clausus und die sonstigen Verfolgungen und Bedrückungen so hart betroffenen Mischen Hochschülern materiell und moralisch geholfen werden könnte, als politische Betätigung zu bezeichnen geneigt ist. Die armen Mischen Studenten, selbst diejenigen, die auf Grund des Numerus clausus zur Universität zugcklassen wurden, leiden bittere physische und seelische Not und es ist nur allzu begreiflich, da sie auch darüber miteinander beraten, wie sie sich gegenseitig zu helfen vermöchten. Im Verlaufe dieser Beratungen ist es natuMimäß unmöglich, Ursachen und Wirkungen ihrer Notlage zu erörtern und so ist ihr Notschrei, so,sehr sie sich auch ‘‘temüfy hatten, ihn zu dämpfen, ins Ausland gedrungen. Diese Wirkung der durch die Regierung verursachten Not der Mischen Studierenden, hat es der Bethlen-Regierung angetan. Sie unterdrückt konsequent jedes Organ, welches geeignet erscheint, im Auslande ein Echo der Schandtaten der Horchy-Regierung hervorzurUfen. Die Bethlen-Regierung will, daß die Juden in Ungarn und ganz besonders die Intellektuellen seelisch und physisch Zermürbt und aufgerieben werden, die Schläge, die ihnen die verantwortlichen und unveranwortlichen Regierungsmänner stündlich verabfolgen, geduldig ertragen und den Schmerz vevbeißen, damit das Ausland davon nichts erfahre und dem politisch und moralisch bankrotten ' Horthy-Ungarn die Geldmittel zur Verfügung stelle, -welche die heimische Reaktion füttern, und den Haß gegen alles nichtmagyarische organisieren helfen sollen. Deshalb mußte auch der Verband der jüdischen Hochschüler daran glauben und aus. der Art, wie die noch Swrhandene jüdische Presse diese Schändlichkeit bchondelt, sieht man, wie eingeischüchtert die ohnehin schwache öffentliche Meinung in Ungarn bereits ist. Pole«. Sas Kabinett SikorM und die neue Minorität. Warschau, 22. Mai. (Tel. der „Wt. Morgenzeitüng".) Ministerpräsident Sikorski beabsichtigt, trotz des zustandegekommenen Uebereinkommens der Witos-Partei mit den Nationaldemokraten nicht zw demissionieren. Aus diesen: Grunde beabsichtigt die neugebildete-Majorität, in einer der nächsten Sejmsitzungen die Vertrauensfrage zur Sprache zu bringen. Die Sozialdemokraten und „Whzwolenie" bemühen sich, die Deutschen, Ukrainer und Weißrussen für ein' Vertrauensvotum für Sikorski zu gewinnen. Wie in gutunterrichteten Kreisen verlachet, sotten jedoch hiese Minoritäten in einer gemeinsamen Beratung beschlössen'haben, gegen SitoM zu stimmen. Demzufolgewerden dtt Stirn-. nvn,.-eL indischen AbgeordnLten Mtscheihenb sein. Der' Wiener Morgenzeitüng. Lv. Mar IS88 m. «a jüdische Klub ist jedoch entschlossen^ auch diesmal wegen Sikorskis Politik- -gegenüber gegen ihn zu stimmen.; ' V Sie Numerus tlmtfits*9rage. Warschau, 22. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Me in gut unterrichteten Kreisen verlautet, beabsichtigen die rechten Parteien,' in der nächsten Sitzung der BildungSkomwission die Frage her Einführung des Sft um ei * r u s clausus auf die Tagesordnung zu setzen. Die Einführung des Numerus.clausus ist eine der wichtigsten Verpflichtungen der Rechtsparteien ihren Wählern gegenüber und sie sind entschlossen, mit aller Energie auf der Verwirklichung dieser Forderung zu bestehen. In jüdischen parlamentarischen Kreisen herrscht angesichts der neuen Situatron eine ungeheure Erregung, da die , Einführung des Numerus clausus den ersten Schritt zur Aufhebung der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden.in der polnischen Republik bedeuten würde. Sie Fudm in der Armee. Warschau, 22. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die gesamte hiesige jüdische Presse bringt die Nachricht daß die polnischen militärischen Behörden eine neue Verordnung zur Entfernung sämtlicher Juden aus den Kanzleien der polnischen Armee ohne jede Motivierung erlassen haben. Auf Grund dieser Verordnung sind bereits aus zahlreichen Militärischen Aenttern Juden entfernt worden. Ratioualdemokratische antisemitische Terrorakte. Warschau, 32. Mai. (Del. d. „Wr. Morgenzeitüng".) In den letzten Tagen haben sich wieder Uebelsälle ans jüdische Passanten in den Straßen Warschaus ereigmt. An einem der letzten Albende überfiel eine. Gruppe von Naftonaldemokraren Mische Passanten in der Nähe des Sächsischen Gartens und ging aus dieselben mit Knütteln, und Stücken los. Die Juden setzten sich zur Wehr, doch wurden einige J'wen verwundet. Unter den Rufen: „Tod den Juden:" veranstalteten die Nationaldemokraten -inewilde Hetze, die bis weit über M'.tterr.acht dauerte. Dir Polizei erschien erst am Schlüsse der Prügeleien und verhaftete mehrere Juden. In letzter' Zeit haben sich, mehrere Faszisten böswillige Verunreinigungen des Mischen Friedhofes zuschulden kommen lassen. Ebenso wurden auch jüdische Grabsteine zerstört und auf Mische Leichenkondukte Uebsrfälle. veranstaltet. Die- Verwaltung der Mischen Gemeinde in Warschau hat der.» Regierungskommissär um die Beistellung einer ständigen Polizeiwache zur Mfrechtechaltung der Ruhe auf dem jüdischen Friedhofe angesucht. Der Mische Sejmklub brachte in der letzten Sitzung eine Interpellation in.der Ar.ge-leigeühvit dev sich häufenden terroristischen Attentate hegen Mische Persönlichkeiten und; Institutionen ein. In der Interpellation wird besonders das Gomb-enattentat auf das R-edakdi-onsgebäude des „Nowy Dz i e n n i$" in' Krakau behandelt und daraus hingewiesen, daß, obgleich in der letzten Zeit sech s Bo mbe nattentate vörgekmn'men sind, bis heute die Urheber nicht entdeckt wurden. Die Interpellanten verlangen die sofortige Einsetzung einer besonderen parlamentarischen Unt ersuchungskommisfion, die im Verlaus eines Monats dem Plenum einen Bericht über das Ergebnis ihrer' Untersuchung zu erstatten hätte. Krakau, 22. Mai. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitüng".) Seit dem Bomlbenattentat auf 'das RedattionsgMüde des „Nowy Dziennik" lebt die Krakauer Judenschaft in At.gst vor neuen Terrorakten. Die Polizei hat bereits in mehreren Wohnungen hiesiger Studenten, die der National demokratischen Partei angehören, Hausdurchsuchungen durchgesührt. Fünf Studenten wurden bereits verhaftet, die Untersuchung hat jedoch bis nun nichts Konkretes an den ' 2ag gefördert. Die Redakt ioi.en der hiesigen Blätter haben von der Terrorifteuigruppe, die. das Attentat auf den „Nowy Dziennik" veranllaßt hat, Briefe erhalten, die mit anonymen UMevsMisten und einer Stampiglie „Adler" Vevscheu warm. In deu Briefen. werden die Redaktionen gewarnt, Artikel gegen die Terroraktior., zu veröffentlichen, da die Terrorgruppe einen unbarmherzigen Kainpf gegen Judentum, Kommunisten und all jene, die sie unterstützen, ausgenommen habe. Es sei dcher Pflicht der Zeitungen, wenn sie diese Aktion nicht unterstützen, sich neutral zu verhallten. Die polnische Hochschüljugend hat bereits eine Versammlung einberrffen, 'um zur Verhaftung der vben erwähnten fünf Studsnter? Stellung zu nehmen. Mchrere Wilsche Persönlichkeiten haben von der Terrororganisatchn „Mer" anonyme Drohbriefe erhalten, in welchen weitere Attentalte auf Mische Persönlichkeiten und Institutionen an gekündigt werden. Me Unterstützung unbemittelter jüdischer Akademiker vor dir Sejmkommission. Auf der letzten. Sitzung der Sejmkommission für Blldnngsangeleger.heiten wurde der Antrag des Mischen Deputierten Dr. Wi^odskh verhandelt. der verlangt, daß mittellos jüdische Akademiker in der gleichen Weise wie die polnischen Akademiker aus staatlichen Mitteln unterstützt werden. Es wurde schließlich der Vorschlag der ncktionaldemokratischen Deputierten Frau Sokolnieka angenommen, daß nur solche Akademiker staatliche Beschützung echatten sollen, die sich durch einen „ur.be-- fleckten bürgerlichen Charakter" auszeichnen. I >$Ble«er MrgemchmT"! PalWm. Araber protestiere« gege« den von dm NationalWe« ansgeAte« Terror. Ms Jerusalem wird gemeldet: Die national moslemischen Vereinigmgen von Nablu8, Jerusaleg und Hebron haben an den High Commissivner einen Pro, test gerichtet gegen das terroristische Vogehen der aniizionisti, schon Araber, wodurch die Wähler an der Vornahme de^ Schlußwahlei? in den Legislative Council gchindert werden Lffizielle Registrierung der Rnthenberg-Vesell! schast. Aus Jerttsalem meldet I. C. B.: Die Registrierung dep Gesellschaft 'zmn Ausbau der Wasserkräfte Pa l stine Electric Corporation Ltd. wurde ofsü ziell verlautbart. Als Grüüder der Gesellschaft erscheine« Ing. P. Ruthanberg, I. L. Magnes, Harry Sacher, Alexander B e r k e n h e i m, van V r i esland, I. Leharow und George Bradlow. Das Gvündungskapital der Gesellschaft beträgt eine M i llion englische Pfund, verteilt auf eine Million Aktien. 1 5Ü Das Ruchenbergsche Elektrizitätswerk hat iitcmnchr die -eisernen Masten für die Leitungsn in den Hauptstraßen von TelMviw und Jaffa errichtet. Die erste der beiden Trarrsformatovenstationen wurde an der Ecke der König Geor-g- Straße gegenüber Morums erbaut, während die andere im Ajami-Viertel errichtet werden soll. Zahlreiche Araber unterfertigeneine Petition an die Regierung, Rntihmtberg twtz der Gegvnagstatwn der antizionistischen Araber die Elektrifizierung Jaffas zu übertragen. / , , Das erste Flugmeeting in Palästina. Aus Jerwalew. wird gemeldet: Das erste Flngnleetücg in Palästina fand vor einigen Tagen im Aerodrom in Ramlch statt. Eine große Anzahl von Notabeln aller Nationälitäten wohnte dem Meeting bei. Ms den Dörfern und den Mischen Kolonien waren Neugierige in Massm herbei-geströmt. Rundschau. 8ine PalSsti«a>Kolo«isaÜonrgesellschast ln Paris: Eintritt Baron Cdmund Rothschilds m . die Jewifh Agency? Paris, 22. Mai. - (Tel. der -,Mr. DLorgenzeitnng".), Hier ist in den letzten Tagen eine neue jüdische Körperschaft für die Kolonisation Palästinas geschaffen worden, welche gemein.sam mit der „J c a" arbeiten und deren'gesamte Palästina-Arbeit besorgen soll. Man.nimmt all, daß Baron James Rothschild an die Spitze - der neuen Gesellschaft treten wird, ivährend diese angeblich durch dessen Vater Baron Edmund Rothschild, den altbewährten Förderer des Palästina-Gedankens, in> der Jewish Agency vertteten sein soll. . Sie Wahlergebnisse in Litauen. Aus K o w n o wird gemeldet: Bei den Kannnere Wahlen wurden gewählt: 14 Anhänger der Landwirtschaftlichen BereinMng, 14 christliche Demokraten, 4-5 Anhänger der Föderation der Arbeit, 16 Nationalsozialisten, 9 Sozialdemokraten und -14 Vertreter nationaler Minderheiten (Weißrussen, Juden und Polen). (Die nationalen Minderheiten verfügten bisher, über zehn Mandate.) Sie Tmerung in Seutschland. Berlin, 22. Mai. (Wolff.) Das Reichskabinett hat eine Erhöhung der Abgabepreise der Reichsgetveidestelle vom 4. Juni an beschlossen. Es ist mit einer Verdoppc, lung des Brotpreises zu rechnen. Am 1. Juni tritt die Tariferhöhung del Reichseisenbahnen in Kraft. Die Güter- und Frachttarife werden um 50 Prozent, die. Personenttnb. 'Gcpäcktarise um 100 Prozent erhöht.1 Sie verstärkte Ruhrbesetzung. Essen, 22. Mui. (Tek.-Komp.) Die vor :>uig-',-> Tagen von den französtschrn Blättern angMndi-g:en B e r st ärku u g e w der Besatzungstruppen im Rnhrgebiet sind nunmchr eingetrosten.. Mustmaustritte aus der Fssristenpartei. Berlin, 22. Mai. (Tel.-Komp.) Nach e-imm^römifchen TÄe«- gramm der „Vossischrn Zeitung" ist in Neapel aus der Faszistenpartei ein Masser.-austritt erfolgt. Im ganzen sind nicht iveniger als 40.000 Arbeiter aus der Partei ausgclroten. Zur Bellogung der Krise hat Mussolini den Generallssimns lder fasWschen Miliz Dabo ne nach Neapel geschickt Am aKer Welt. Warschau, 21. Mai. Der Vizepräsident des Landwirü schaftsamtes Ladislaus Olewieski ist ermordet worden. Der Mörder gab bei der Einvernahme an, daß er die Tat aus persönlicher Rache verübt habe. ) Paris, 22. Mai. Mehrere iausend Tonnen, chentischer Farbstoff e. die jüngst in der Badischen A n i l i n f a b r i k beschllagnahmt ivoriden waren, sind nach Frankreich ab ge- . gangen. Eine Sendung wird unverzüglich Nach Belgien geleitet werden. . : . , , Mexiko, 22. Mai. Boi Laredo' (Teras) sind 88 Leich e n aus dem Rio.Grande gezogen worden. Es handelt.sich vermutlich um eine Gruppe von) Personen, zmnerst Italienern, die bei einem Versuche, heimlich über die Grenze nach den Bereinigten Staaten zn gelangend ernwrdet und ansgeranbf wuvdeiu