Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1533 (20.5.1923)
- Date
- 1923-05-20
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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\ IM Wim, Sonntag feilt ihm Las traurigste Zeugnis aus. Entweder sind diese Kreise unfähig, das wirtschaftlich zu vertreten, was den Interessen ihres Standes fiommt, oder sie sind böswillig .und versuchest, die Anstwerksamkeit auf eine falsche Spür zu senken. Sie vergessen aber dabei, daß sie sich selbst das schlechteste Zeugnis ausstellen, weil sie dadurch zugeben, Laß sie eigentlich keine wirtschaftlichen Argumente zu ihrer Verteidigung haben. Es müssen sich doch diese Leute fragen, welches Interesse denn die „internationale Judenischaft", wie es in. einer Floskel einer antisemitischen Phi-!lippika. hieß, daran haben könnte, daß die Landwirte '.Deutschösterreichs, die eine Null sind gegenüber der Landi Wirtschaft der ganzen Welt, sich ausleben oder nicht ausleben. Vielleicht wäre es vernünftiger, wenn diese Kreise darüber beraten würden, wie sie tatsächlich die Landwirtschaft heben könnten und wie sich das Genossenschaftssystem richtig entwickelt, bevor sie darauf achten, was die anderen über sie sagen. Ist es nicht lächerlich, daß es in ganz Oesterreich nur 550' Raiffeisenkassen und 380 Milchgenossenschaften gibt, daß also nicht einmal in jedem Dorfe eine Raiffeisenkasse oder eine Genossenschaft sich befindet? Schon dies allein dokumentiert, wie unentwickelt diese Landwirtschaft ist. Ihre Wortführer mögen gefälligst auf die. Mängel in ihren eigenen Reihen sehen, bevor sie sich guf die hochtönenden Argumente der Angriffe durch das internationale Judentum berufen. Sie mögen zuerst die ^Ursachen untersuchen, warum gerade fast im letzten Dorfe die Banken ihre Filialen und Niederlassungen haben, und warum gerade aus jenen Kreisen die meisten, Börsenaufträge stammen? Sie werden vielleicht zu ganz anderen Resultaten kommen. Die Interessenvertretung der Landwirtschaft hat wahrlich ganz andere Aufgaben, als eine Verfechterin der antisemitischen Demagogie zu sein. —g. Me PalWua-Handels- und ZuduWe A. G. i« Prag. Aus Präg wird uns gemeldet: Eiste Gruppe hiesiger jüdischer Großindustrieller hat sich als vorbereitendes Komitee fiir die Gründung einer Aktiengesellschaft konstituiert, welche neue industrielle und kommerzielle Beziehungen zwischen der Tschecho-Slowakei und Palästina änbahnen und die bereits vorhandenen ausbauen will. Die Gesellschaft beabsichtigt die Beteiligung an Unternehmungenbeziehungsweise Gründungen, welche die palästinensischen Landesprodukte und Bodenschätze gewinnbringend verwerten sollen. Insbesondere ist die Er-!richtung einer SPirituLfabrik in Chedera bei Haifa geplant, wobei an die Erzeugung von Spiritus aus den Durrha-Früchten gedacht wird. Es wird darauf hingeitviesen, daß eine Fabrik dieser Art in Palästina völlig fehlt, obgleich die Durrha in großen Mengen eingebaut und Spiritus andrerseits in beträchtlicher Quantität nach Palästina importiert wird. Die Gesellschaft hat einen Waggon Durrha nach Böhmen importiert und diese probeweise verarbeiten lassen. Das Resultat hat alle Erwartungen bejfriedigt. Der Fabrik soll eine Kohlensäuregewinnungs- Mage angeschlossen werden, da auch für dieses bisher importierte Produkt lohnender Absatz im Lande möglich ist. Einbereits mit der Kolonie Chederah geschloffener Vertrag sieht die Verwendung der bei der Erzeugung gewonnenen Schlempe zür Viehfütterung vor, wogegen die Gesellschaft das ausschließliche Verkaufsrecht der Molkereiprodukte der Kolonie erhält. Weiters ist von der Gesellschaft -die Uebernahme einer bestehenden Kork-undJsoliermäterialsabrik in Jaffa beabsichtigt, da infolge der starken Weinproduktiott das Land einen starken Bedarf an Flaschenkorken hat. Auch für die Verwendung der Abfälle bei dev Korkfabrikation ist bereits vorgesorgt. Schließlich will die Gesellschaft den Warenhandel zwischen Palästina und der Tschecho-Slowakei pflegen und hat bereits die ,Vertretung einer ganzen Reihe von Jndustriefirmen für Palästina übernommen. Das auf 100.000 P'fund präliminierte Aktienkapital wird in Aktien zu 10 Pfund Nominale geteilt, die zum Kurse von 11 Pfund zur Zeichnung gelangen. Ae Budapester Mrsenreform. Budapest, 18. Mai. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heutigen' Sitzung des .Börsenrates erstattete .Vizepräsident Fleißig Bericht über seine an der Wiener Effektenbörse gemachten Erfahrungen betreffend die Abschlietzung und Abwicklung von Geschäften. Da unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Wiederherstellung, der Institution der befugten Börsenagenten ohne starke Erschütterung des Marktes nicht möglich erscheint, wurde aus Anftag des Redners beschlossen, daß in Hinkunft auch an der Budapester Börse nur Mitglieder des Giro-Vereins sowie deren beim Börsenrat angemeldeten Bevollmächtigten berechtigt sind, laute Waren- oder Geldangebote zu machen, bezw. die Angebotsteller beim Wort zu halten .Ferner wurde beschlossen, daß die Giromitglieder zur Erlegung einer entsprechenden Kaution verhallen werden können. Wiener Morgenzeitnng._ AeÄÄdaÄeihe. . Die 8prozentige. Goldanleihe vom Jahre 1922 wird , am 1. Juni d. I. fällig und gelangt zur Rückzahlung. Die Be-' sitzer hüben das Recht, inder Zeit vom 1. bis 30. Juni d. I. die Rückzahlung nach ihrer Wahl entweder in Dollar oder in Kronen zu verlangen. Durch eine Kundmachung wird rechtzeitig bekanntgegeben werden, bei welchen Stellen die Stücke zur Einlösung einzureichen sind. Den Inhabern der Schatzscheine ist schon seinerzeit bei der Begebung das Recht eingeräumt worden, ihre Schatzscheine in Titres der Völkerbundanleihe umzuwandeln. Die Teilausgabe für Oesterreich wird am ■, 1. Juni 1923 zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt werden. Es steht heute bereits fest, das; das Bezugsrecht der Inhaber der Lprozentigen Schatzscheine auf den Bezug von Titres der Völkerbundanleihe mit ganz besonderen Begünstigungen ausge- '> stattet sein wird. Dieser Begünstigungen wird jeder Besitzer der - 8prozentigen Goldschatzscheine, der seine Titres in solchen der) Völkerbundanleihe konvertiert, teilhaftig, wenn er nur die Konvertierung innerhalb der voraussichtlich den ganzen Monat Juni 1923 umfassenden Subskriptionsfrist vornimmt. Er hat also, ohne irgend eine der Begünstigungen zu verlieren, einen - vollen Monat Ueberlegungsfrist. Den Besitzern der 8Prozentigen Goldanleihe 1922 wird eine Konversionsprämie eingeräumt werden, durch welche sich der Erwerb der neuen Anleihe für sie billiger und demnach die Rentabilität der Anleihe höher stellen . wird als für neue Zeichner. Es wird ihm die neue Anleihe nur mit dem Emissionskurs angerechnet, ferner der Dollarbetrag seiner 8Prozentigen Schatzscheine zum Tageskurs, der gegenwärtig 70.800 steht, also um 800 höher als der Betrag von 70.000, den er seinerzeit bei Zeichnung der Goldschatzscheine dafür erlegt hat. . . .... Deutsch-ruUM Mrtschastrbeziehmgen. - Der deutsche Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas hat als Vertreter der „Gesellschaft für wirtschaftliche Beziehungen mit dem Osten" während seines Aufenthaltes in Moskau einen Vorvertrag mit der Sowjetregierung über eine Holzkonzession im Gebiete der Moskau-Rybinffex Eisenbahn und über den Ausbail dieser Eisenbahn abgeschlossen. Die Gesellschaft erhält ein Waldareal von etwa 900.000 Hektar, wo sie im Lause von 20 Jahren bis zu 9000 Hektar jährlich abholzen kann. Sie verpflichtet, die gesamte gefällte Holzmasse zu verwerten und zu diesem Zwecke Sagemühlen und Betriebe für Imprägnierung von Eisenbahnschwellen und für chemische Verarbeitung von Stubben zg errichten. Nach Ablauf von zehn Jahren kann die Sowjetregierung auch die Errichtung eines Zellulosewerkes verlangen. Vorbedingung für Gewährung der Konzession ist die Verpflichtung der Gesellschaft, den bereits vor Jahren begonnenen Bau neuer Bahnstrecken von insgesamt etwa 330 Kilometer zu Ende zu führen. Die Sowjetregierung hat am 8. Mai einen Vertrag des Außenhandelskommissariats mit der doutschen „Westöstlichen Europäischen Warenaustauschgesellschast" bestätigt, wonach die Gesellschaft unter Voraussetzung der vorschriftsmäßigen Genehmigungen für die einzelnen Operationen bis zum 1. Jänner 1924 Waren für mindestens 1,200.000 Goldrubel ans Rußland aus führen und Waren im Höchstwert dieser Ausfuhr nach Rußland einführen darf. Ihre Abschlüsse darf die Gesellschaft mit staatlichen und genossenschaftlichen Organen sowie mit Privatpersonen tätigen. Der Wiener Geldmarkt. Nach der Beendigung der Prolongation hatten sich die Geldverhältniffe wieder wesentlich gebessert. Es wurde wieder Geld zu einem halben Prozent Angeboten. Es ist allerdings dies ein höherer Geldstand, als es vor einer Woche der Fall war, doch wird in manchen Kreisen befürchtet, daß mit Rücksicht aus die bevorstehende Völkerbundanleihe sich die Verhältnisse in dieser Beziehung noch schlimmer gestalten werden. Es wird mit einer gewissen Knappheit gerechnet, zumal das vom Finanzministerium erlassene Emiffionsverbot eine Anzahl von Jndustriegesellschaften in eine ziemlich präkäre Lage bringen dürfte, da diese in der Hoffnung auf ihre Emissionen gewisse Engagements eingegangen waren, nunmehr , das Geld benötigen und es nicht bekommen können. Sie werden sich infolgedessen an die Banken und den Geldmarkt wenden. Die Banken werden ihren Kunden die Wünsche nicht versagen können und daher auch knapper mit den dem Geldmarkt zur Verfügung stehenden Mitteln sein. Es verlautet sogar, daß sie ihre Äl zurückziehen werden. Dieselbe Taktik soll auch vom Postsparkaffenamt, das doch auch große Mittel dem Markte zur Verfügung stellt, eingeschlagen werden. Diese Umstände dürften eine neuerliche Verschärfung der Geldverhältnisse im Gefolge haben, und es ist wahrscheinlich, daß ein gewisser Pessimismus gerechtfertigt ist. Aus alle Fälle ist für die nächsten zwei Monate mit knappen Verhältnissen unbedingt zu rechnen. Neuregelung des Devisenclearings seitens der OesterreWschen Nationalbank. Die OefteMichische Nationäl'bmrk, Bankabteilung, bringt hierdurch. zur Kenntnis, daß sie mu 20. Mai 1923 Seite 13 Dienstag den 22. d. den Dcdisenclearing an allen Werktagen, mit Ausnahme der Samstage, abhalten wird. Die Bedarfsanmeldungen für den Cleariidg müssen demgemäß ab 22. d. an 'dem dem betreffenden Clearing vocherg-chenden Werktag bis längstens 12 Uhr mittags, an Freitagen (für den Montagsclearing) bis halb 2 Uhr nachm, bei dein hierzu bestimmten Schalter der Bankabteilung eingervicht werden. An Samstagen werden Einreichungen von Bedarfsanmeldungen nicht entgegengenoinmen. Ms Kflfsetag gilt nach wie vor der dem Clearing folgende zweite Werktag. Die schriftliche Anmeldung der Verkaufs- und Tanschaufträge für ausländische Zahlungsmittel hat wie bisher an den 'Clearingtagen bis 1 Uhr mittags zu erfolgen. In i>en beiden Wochen vom 20. bis 26. d. und vom 27. d. bis 2. Juni wird somit der Clearing wie folgt d&getoicM't werden: Einreichung: Freitag den 16. d., Dienstag den 22. d., Mittwoch den 23. d., Donnerstag den 24. d., Freitag 'den 25. d., Montag den 28. d., Dienstag den 29. d., Mittwoch den 80. d., Freitag den 1. Juni. Für den Clearing vom Dienstag den 22. d., Mittwoch den 23. d., Donnerstag den 24. d., Freitag den 25. d., Montag den 28. d., Dienstag den 29. d., Mittwoch beit' 30. d., Freitag den 1. Juni, Montag den 4. Juni. Kassetag: Donnerstag den 24. d., Freitag den 25. d., Samstag >den 26. d., Montag den 28. d., Mittwoch den 30. d., Freitag den 1. Juni, Samstag Den 2. Juni, Montag den 4. Juni, Mittwoch den *6. Juni. Die Kassetage für den Wechselstubenverk-ehr werden hierdurch nicht >berührt. Hierdurch erscheint mn-em wiederholt geäußertem Wunsche der Handels- und Jndustriekreife nach weiteren Erleichterungen in der Devisenbeschaffung Rechnung getragen. Ausfuhrverbote in Polen. Das Ministerialtornitee für Wirtschaftsangelegenheiten beschloß, das Ausfuhrverbot für Brotgetreide auf die Gerste für Brauereizwecke auszudrhnen. Boscl mch der Westböhmische Bergbau-Aktienverein. In finanziellen Kreisen verlautet, daß das Interesse, das sich in der letzten Zeit für die Aktien des Westböhmischen Bergbau-Aktien« Vereins kundgab, darauf zurückzuführen ist, daß Bösel, der bekanntlich in den Derivaltungsrat dieser Gesellschaft eintritt, die genannten Aktien in größerem Adaßstab am Praaer und Wi'iicp Platze aufkanfen läßt. Bon de« in- und mMchkscheuvuremMLn. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng".) Chemikalien. Die Lage am Ehemikalienmarkte hat keine sonderliche Ver» änderung erfahren. Es treten in letzter Zeit bereits wieder Exportkäufer auf den: hiesigen Platze auf, die speziell ihr Interesse für Harzprodukte zeigen. Terpentinöl, welches auf den amerikanischen und französischen Märkten einen stärkeren Rückgang erfahren hatte, hat sich in den letzten Tagen etwas erholt. Die Bordeauxer Notierungen bewegen sich bereits annähernd an. 6 Franken, was gegen.den letzten Tiefstand eine Erholung von zirka 15 Prozent bedeutet. Die hiesigen Produzenten haben, was speziell Terpentinöl betrifft, ihre Preise nur ganz geringfügig ermäßigt. Der Harzmarkt ist von Material vollkommen entblößt. Die Zuschübe an ftanzösischem Harz sind noch immer äußerst gering und decken nicht im entferntesten die große Nachftage. Von W ach s en hat Carnaubawachs seine feste Tendenz gehalten, dasselbe gilt auch von Japanwachs. In Paraffin liegt der Markt etwas ruhiger. In Montanwachs ist infolge des starken Markrückganges in nächster Zeit mit Preiserhöhungen seitens der deutschen Werke zu rechnen. Die derzeitigen hiesigen Notierungen für letztgenannten Artikel sind unter Berücksichtigung der Markentwertung als äußerst günstig zu bezeichnen. Die rückläufige Bewegung für S ch e 11 a ck hält weiter an. Der Wiener Markt verfügt jedoch über wenig Ware, so daß die vorwöchentlichen Notierungen auch weiter ihre Position behaupten. In T erpentinölersatzprodukten wie auch in russischem Terpentinöl ist die Nachftage nach wie vor sehr lebhaft. Die letztgenannten Artikel haben alle ihre Preise behauptet und teilweise Preiserhöhungen erfahren. Die allgemeine Lage auf dem Chemikalienmarkte kann daher als ruhig, aber fest bezeichnet werden. Jucker. Das Geschäft auf dem hiesigen Platze war mäßig und mm schritt nur zur Deckung des allerdringendsten Bedarfes. Tschechische Ware per prompte Lieferung ab Grenze war um 5 Punkte schwächer, während Preise pro Juni—Oktober—Dezember unveränderten Stand behielten. Ab Lager Wien konnte man bis 100 K. billiger ankommen. Am New-Aorker Markte waren prompte Zentrifugalzucker zurückgegangen, stiegen dann im Anschluß an die Bewegungen des New-Iorker Zuckermarktes. In L o n d o n fielen Preise für weißen Zucker der laufenden Ernte auf 30 Schilling zurück, erholten sich aber später. Die Märkte in Paris, Antwerpen und Amsterdam wiesen stärkere Schwankungen auf; in Paris blieb neue' Ernte vernachlässigt. Die Erzeugung der Rübenzuckerernte wird wie folgt angegeben für 1922/23; Abgeerntete Aecker 541.113 Acres, Rohzuckerzeugung 615.936 Tonnen gegen 817;388 Acres und 911.190 Tonnen Erzeugung in 1921/22. Die ftühere Schätzungszahl fiir 1922/23 hatte 625.000 Tonnen gelautet. Anfangs Apnl war sie auf 616.000 Können ermäßigt. Die Weltzuckervorräte betragen zurzeit 3,637.900 Tonnen gegen 3,472.600 Tonnen und 3,411.100 Tonnen gleichzeitig in den beiden Vorjahren. Die amerikanische Regierung laßt gegenwärtig durch eine nach Kuba entsandte Kommission dort Erhebungen über die Kosten der Zuckerproduktion anstellen. Später soll eine gleiche Untersuchung auf Porto Rico, Hawai und den Philippinen stattfinden. Börsen-KommlsslonsgeschSft und Wechselstube NAGID & Co. Wien, l.v Hohenstaufengasse 11 4027 UNGiRAH