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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-20 · Heft 1533 (20.5.1923) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1533 (20.5.1923)
Date
1923-05-20
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 20. Mar 1923 geschätzt werden kann, auch Frau G st ö t i n c r (Therese) und Frau Zötsch (Kresze-irz) boten gute Leistungen. Die kantige, scharfe Art Ferdinand Exls kam bei der Charakterisierung des Leonhard aufs günstigste zur Geltung, Herr Auer (Matthias) gefiel in der Rolle des bäuerlicher: Freigeistes ausgezeichnet. Die Episodenrollen des Pfarrers und des Lehrers waren unzulänglich besetzt. Am Ende des zweiten Aktes brachte der rollende Donner nicht nur die Wände, fordern auch die himmel'anstreöendcn Berge zum Zittern, Berge, die sich '"lberhau-pt durch besondere Beweglichkeit auszeichneten. K. M. gahresausftellnng im Mnftlerhans. Die vor kurzem eröffnete Ausstellung im Künstlerhaus bietet wieder eine überaus stattliche Anzahl von Nuurmern, die Gemälde, Graphiken, Plastik aller Art, Emailarbeitcn und Architeklurentwürfe umfassen. Ein einheitliches künstlerisches Programm darf man bekanntlich vom Künstlerhaus seit langem nicht mehr erwarten und die Führung in künstlerischen Dingen haben sich längst andere Wiener Gruppen erobert. Immerhin begegnet man auch hier manchen Arbeiten von guter künstlerischer Qualität, die freilich von einer Fülle gleichgültiger, konventioneller, glatter und süßlicher Arbeite:: erdrückt zu werden drohen. Werke, He an der Moderne Anteil haben und den Hauch eines neuen Geistes verraten, sind stark in der Minderzahl, eine Reihe von Ausstellern bewegt sich in den Bahnen des Impressionismus, ohne daß ihr Schaffen gegen früher her um irgendwelche neue Züge bereichert worden wäre. Anderes wieder ist in jenem halbnaturaliftischen Stil der Naturabschilderung geraten, der gegenwärtig schon stark akademisch anmutet. Für den Schmuck freier Wände in altdeutschen oder anderen Salons wird sich natürlich manches Geeignete finden, was aber für ernste Kunstbetrachtung nicht mehr in Frage kommt. Selbstverständlich stößt man wieder auf die alten Namen und auf so manchen, von dem man sich seit langem keiner Ueberraschung mehr zu versehen hat. Recht anständig ist die Plastik vertreten, in der natürlich das kleine und kleinste Formal überwiegt. Aus der Fülle seien die gut charakterisierten Arbeiten von Perl, ferner Philipp, Scholz und Unterhölzer genannt. In den Bahnen' der Moderme bewegt sich Ferdinand Opitz, der mit einer an den Kubismus grenzenden Formgebung einen überzeugenden Ausdruck für seine Motive findet. Das Porträt bietet nicht was über das Mondäne und Konventionelle hinausginge. Bon Landschaftlichem sei die Kollektion des früh verstorbenen Schneemalers Friedrich Beck genannt, ehrliche, nicht übermäßig originelle Arbeiten. Ms Landschafter von entschiedener Begabung lernt man Rudolf Böttger kennen, dessen Gemälde sich durch Frische unb künstlerisch abgestimmte Farbenkraft auszeichnen und echte malerische Eindrücke vermitteln. Nach langer Unterbrechung sieht man wieder etliche impressionistische Arbeiten von Karl Moll, die originell wirken, aber nicht ganz überzeugen. Windhagers Bilder erzählen zu viel, am besten wirkt er, wo er sich auf das rein Malerische beschränkt, so in seinem weiblichen Akt. Besondere Hervorhebung verdient Stur m- Skrla, wohl einer der besten unter den neuen österreichischen Malern, der diesmal ein paar prächtige Porträts von starker Charakteristik neben anderen interessanten Arbeiten beigesteuert hat, ein Maler, dessen starkes Können zu den besten Hoffnungen berechtigt. Tie Arbeiten von Brunner, Gorgon^ Lettner, Propst, Wagner und Konopa sind von beträchtlichem Niveau, das Stilleben erscheint durch Jost und Köpf recht gut vertreten. Unter den Graphikern seien die gut komponierten, wenngleich etwas süßlichen Arbeiten von Hruby, die Radierungen Eggelers sowie die illustrativen Zyklen des seit langem geschätzten Ferd. Staeger hervorgehoben. r. d. - WIENER KOMÖDIEN HAUS IX., NUSSDORFERSTRASSE IIIII litt JJII HM! I I! III I 11 I I i Ml I III I I II I I I I I I I III I I I I 111 I I | | | | | | || Nur 2 Tagei Heute Sonntag, 20. und morgen Montag, 21. Mai GASTSPIEL HALI PICON JACOB KA.L1C1H Zur Aufführung gelangt: ZIPKE FEUER Operette irf 4 Akten von Jakob Kalich Musik von Rumschinsky Beginn '/3 8 Uhr KARTENVORVERKAUF an den Kassen des KOMÖDIEN- HAUSES und in den THEATERKARTENBUREAUS. Die für den 18. und 19. 3U1 bereits gelosten Karten können für den 20. oder 21. umget&uscht werden. RONACHER Gastspiel der Jk Komischen Oper H aus Berlin. El Tagl. V*8 llbr die grosse Ausstattungsrevue „Europa spricht davon“ 22 Bilder // 200 Mitwirkende // 6 Prachtballets dargestellt von den berühmtesten Berliner Schauspielern u. a. MAX LANDA, ROSA FELSEGG, ALBERT XUTZXER, ARNOLD RIECK Lotte Dobischinsky, Else Reval, Käthe Mann, A.?Taiter8,ErichPoremskl,ErMiBartelti,PanlyFalk u.a. Mr. Alfr. JACKSON v. Casino de Paris m. engl. Girls. SJfczpiä'tzo von K 15 000 aufwärts. 185 Nr. DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung %£ I Täglich Qebrauohigegenstiinda Im Rössleru. Koiowrat-Saal, ferner von »/.3 bis '/.7 Uhr Im Ludwigstorff-Saal und speziell Jeden Mi. V.3 Uhr, Photo-Apparate, Ferngläser, Optik. Schreibmaschinen; Fr 25. V. V=3 Uhr MUslk- Instrumente. Musikälien; Fr l.VI. Jagdwaffen,Sportausrüstung, Fahrräder, Pelze im Ludwlgstorff- Täglloh auch Feiertage, mit Ausnahme Sonntag, 7 Uhr abends: Antiquitäten, Gemälde, Miniaturen, Perserteppiche, kunstgewerblicheLuxusgegenstände im Vergnügungspark, ehern. Venedig in Wien, im Prater. Di 22. bis Sa 26 V. 9. Kleine Auktion der Kunstabteilung: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik. Antiquitäten, Ausgrabungen, im Kunstauktions- Mo 28 bis Mi 30. V. V-3 Uhr nachm. Schönes Mobiliar,(Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer, Salon, Boudoir, Einzelmöbel}, Perserteppiche, Gemälde, Luster, Kunstgewerbe, Chinasilber, Ziergegenstände im Versteigerungsflg saal Margareten, V-, Strohbaofi- ■H gasse 6-8. Täglich Pretiosen; jeden Dl Silber und Chinasilber, jeden Ml Brillantenu, Perlenschmuck im Franz-Saal. Do 24., Ml 30. V. im Franz- Josef-Saal: Schöne Möbel, Persertappioho. Kunstgowerbe; Sa 26., D( 29. V. im Dechau-Saal, jeden Fr. im Hoch-Saal: Gemälde, Kunstgewerbe, Teppiche, Antiquitäten; Mi 23, Di 29. V. und jeden Fr im Glashof: Möbel, Kassen, Luster, Bilder, Hausgeräte. Do 24. V. XI. Technische Auktion: Maschinen, Werkzeuge, Autobestandteile, Rundeisen, Badewannen,Gattersägen,Buogywagen. VIII., Feldgasse 6—8. Di 2?.. Mi 23 V. Kunsthlstorlsohe Bibliothek. Dl 29., Mi 30. V. Autographon im Karl-Saal. Fr 25., Sa. 26., Mi 30. V. bis Sa 2. VI. Bücher im Eminger-Saal. Mi 23., Di 29 V. und jeden Fr Briefmarken, VI. Mariahitferstrasse 73. Ml 6. bis Fr. 8. VI., 9 Uhr vorm.: Dresse Mengen unbezogener Zollgüter am Zollob*ramt, Magazin I. Ausführliche Verzeichnisse im Dorotheum, Kommissions-Zimmer I. Täglich Sdiaustellungen abiUhr Beginn d. Versteigerung ab 3 Uhr. Näheres:, d. „Mitteilungen“ u. „Nachrichtenblättern“ d. Dorotheums. Wiener Gastspiel der Düse. Zwischen Eleonora Düse und Direktor Siegfried Geyer wurde ein Vertrag geschlossen, demzufolge Eleonora Düse im Herb st an der Neuen Wiener Bühne ein Gastspiel absolviert. Frau Düse wird im Verlauf von zwei Wochen in Wien viermal auftreten. Die Künstlerin trifft mit ihrem eigenen Ensemble, dem einige der besten Schauspielkräfte Italiens vGrpflichtet sind, am 1. Oktober aus Florenz in Wien ein und beginnt am 2. Oktober ihr Gastspiel. Zur Aufführung gelangen zwei Werke von Henrik Ibsen, und zwar „Gespenster" und ,,Die Frau vom Meere", und zwei italienische Werke „Cosi sia" von Gallaroti-Seotti und „Porta Chiusa" von Marco Praga. Puceinis „Mauon Lescaut" abermals verschoben. Wie verlautet, soll die wegen Urlaubs des Fräulein Lotte Sep mann bereits einmal verschobene Premiere von Puecinis „Manon Lescaut" an der Staatsoper wegen * weiterer «Schwierigkeiten im Einvernehmen mit den in Wien weilenden Komponisten bis September verschoben werden. Ein Theaterskandal der Hakenkreuzler in München. Wie aus M ü n ch e n berichtet' wird, erregten Nationalsozialisten und Hitler-Leute bei der zweiten Aufführung von Bertold Brechts. Drama „Im Dickicht" am Residenz" theater einen argen Theaterskandal. Es wurde gepfiffen, S t: n k b 0 m b e n wurden in den Zuschauerraum geworfen. Es kam auch zu Tätlichkeiten zwischen dem Publikum und den Demonstranten. Die Vorstellung wurde unterbrochen. Nachdem ein Teil der Demonstranten von der Polizei abgeführt und das Theater gelüftet worden war, konnte das Stück ohne Zwischenfall zu Ende gespielt werden. Aus den Theatern. Raimund-The ater bleibt Emanuel Reicher bis inklusive Donnerstag den 31. d. und spielt abwechselnd in dem Schauspiel von Tschirikok „Die Juden" und m Ibsens „John Gabriel Borkman". — Am 1. Juni eröffnet das L e s s i n g t h e a t e r unter der Leitung Viktor Barnowskys ein auf zehn Tage berechnetes Gastspiel mit dem Lustspiel von Shakespeare „Wie es euch gefällt" mit Elisabeth Bergner in der Hauptrolle und in der Inszenierung durch Direktor Viktor Barnowsky.. Im Deutschen Volkstheater wird heute d:e Komödie „Die Frau mit dem weißen Haar", morgen das Klosterstück „Die Bruder von St. Bernhard" wiederholt. Gegenwärtig werden Hermann Heyermanns „Kettenglieder" (Erstaufführung am Samstag den 26. d.) und Melchior Lengyels Schauspiel ,/LaifiuU" in neuer Inszenierung vorbereitet. Volks oper: Heute um halb 3 Uhr nachmittags „Martha", halb 8 Uhr abends „Cavalleria rusticana" — „Der Bajazzo". Morgen „Aida". Pfingsten in der Olhmpia-Riesen-Arena und im Zirkus Beketow. (Prater bei der Rotunde). Direktion Ludwig Folkmann- Belachini. Das unübertreffliche Weltstadt-Programm von dem ganz Wien spricht. Der Zirkus ist gedeckt, die Arenatribüne ist bei jeder Witterung geschützt. Eigene Kasse am Praterstern. Populäre Eintrittspreise. Haupteingang Kleine Zufahrtsstraße. Straßenbahnhaltestelle Ausstellungsstraße, Cafe Rotunde, Vorstellungen an beiden Pfmgstfeiertagen. Arena: halb 3, halb 6 und 7 Uhr. Zirkus: halb 3, halb 6 und halb 8 Uhr. Das schönste Stadion der Welt! (Entgeltlich.) tzerichtssaal. Zum Prozeß Hornik-Oppenheim. In der geistern cvbgehaltenen Sitzung der Vereinigung der österreichischen Tageszeitungen erstattete der Rechtsanwalt ■ des . Kommerzialrates Hans Bös>bauer, Dr.. Karl Wagner,- einenvorläufigen Bericht, aus dem hervovgehe, daß sich aus Gvunld der bisherigen Erhebungen keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben haben, daß Mischen Kommerzialrat Bösbauer! und Brück Bezichungen beständenhaben. Der Name Bösbaner. findet sich in keinem der Verzeichnisse vor. Nach Eutgegennahme dieses Berichtes wurde die Konferenz vertagt. (Es war behauptet worden, daß sich die Notiz in Brücks Aufzeichnungen „Der Dicke" ans Böslbauer beziehe.^ Noltswirt. Gestempelte Krone — 0.0078‘4 Centimes. Auszahlung Wien — 0.0078'/« kentimes. In Zürich notierte die österreichische Krone . . 0.0078'/« (0.0078»/« am 18. Maij die Lsterr. gestempelte Krone 6.0078'/, ( 0.0078‘/4 am 18. Malis die tschechische Krone . . . 16.54'/» ( 16.54 am 18. Mai) die Mark. 0.0115 ( 0.0120 mn 18. Mai) Holland.217.25 (217.15 am 18. Mai) New-Aork. 555.— (555.— am 18. Mai) London . .. 25.66 ( 25.66 am'18. Mai- Paris . 36.95 ( 37.02 am 18. Mai) Mailand . 26.95 ( 26.97 am 18. Mai), Belgrad. 5.77'/2 ( 5.75 H am 18. Mai) Bukarest ........ —( —.— am 18. Mai) Sofia. 4.47 ( 4.45 am 18. Mai)! Budapest.. . 0.10'/s ( 0.10*/8 am 18. Mai) Warschau. 0.0117 ( 0.0116 mn 18. Mal)! Antisemiitsche Wlrtschaftsbegriindmg. In diesen Tagen wurde die „Grüne Woche" der Land» wirte Oesterreichs abgehalten. Die Interessen der Land» Wirtschaft sollten besprochen und ihre Forderungen Wirt? schaftlich begründet werden. Was dort gesprochen wurde» dürfte vielleicht den Fachmann nur als solchen intercssie«! ren. Doch die Art der Diskussion verdient manches Inter«! esse. Sie zeigt, wie manchmal gewisse Interessentenkreise! sich des Antiseuritismus bedienen, nach ihm als einem! Rettungsseile greifen und mit der Phrase „der Jude ist! an allem schuld" alles zu entschuldigen versuchen, wennsie für gewisse Handlungen keine Argumente zu finden^ wissen. Daß dies bei der demagogischen Behandlung ge-! wisser Themen seit jeher der Fall ist, gilt als eine alte Tatsache, die gerade in Oesterreich und in Deutschland nur guj gut bekannt ist. Daß aber auch Interessentenkreise, dir tatsächlich nur zusammen gekommen sind, um über ihre» Wirtschaftsinteressen zu sprechen, denen sogar der Präsident der Republik eine Rede gewidmet hat, daß diese) Agrarier für ihre Begründung auch nichts anderes als ein antisemitisches Schlagwort benützen, zeigt nicht vielleicht,) daß die Interessen der Landwirtschaft in Oesterreich nich(' des Schutzes wert wären. Es zeigt nur, aus welch niedrigem Niveau gerade diejenigen stehen, welche diese Interessen repräsentieren. Die Vorgeschichte ist ganz kurz. Knapp vor Eröffnung der agrarischen Woche hat eine Wiener Tageszeitung botn Standpunkte der Städter den agrarischen Standpunkt angegriffen. Eine publizisttsche Polemik, die vielleicht bei den! Interessenten einen Versuch sachlicher Entgegnung hätte her^ vorrufen können. Man hätte erwarten können, daß die^ Agrarier sich dagegen durch wirtschaftlich begründete Arc gumente sträuben würden, was ihnen nicht verwehrt werden kann, wie man auch dem Artikelschreiber die Aeutzerung seiner Meinung nicht verbieten kann. Was lat aber der Präsident der niederösterreichischen! Landwirtschaftskammer, der vielleicht berufen wäre, sach-i lich auf diese Argumente zu entgegnen? Er sagte einfach:^ „der Jud' ist an allem schuld", das „Neue Wiener Tag-' blatt" sei ein Judenblatt, er erklärte feierlich, daß dieser! „konzentrierte Angriff des internationalen Judentums zu-! rückgewiesen werden müsse", und überließ es der gesamten! Oeffentlichkeit, „sich darüber ein Urteil zu bilden, was die! internationale Judenschaft den Landwirten ins Gesicht ge-! schleudert." Das war die geistreiche Entgegnung des Füh-! rers der Landwirte. In einer Volksversammlung hätte er nicht besser sprechen können. Die Phrase „Jud'" mußte! herhalten. Argumente sind nicht notwendig. Ein Blatt,! das seit jeher eine ausgesprochene Simülantenpolitik be-! treibt, das sich unzählige Male dagegen gewehrt hat, als! Verfechter jüdischer Interessen gelten zu wollen, wird so-! fort zum Sprachrohr des Judentums gestempelt, als ob! die Landwirte immer so christlich gehandelt, hätten, däß! ihnen nie ein christlicher Städter einen Vorwurf zu machen! hätte. Sie haben nicht in echt christlicher Nächstenliebe die! städtischen Kinder nach dem Kriege aus Milchmangel ver«! kommen lassen und dafür die Milch den Schweinen gege< Len. Sie haben nur aus purer Nächstenliebe das Biest ins! Ausland geschmuggelt, damit die Städter nicht durch übermäßigen Fleischgenuß die Gicht bekommen. Sie haben doch immer nur christlich gehandelt. Namentlich dann,- wenn manch arme christliche Städterin mit ihrem letzten! Kleide oder ihren letzten Schuhen zur Bäuerin hinausgewandert kam, und ihr dieses letzte Kleidungsstück um Einige! Kartoffeln oder einige Kilo Mehl hingegeben hat. Kein- Christ kann ihnen deswegen einen Vorwurf machen. Neins! Nur das Judentum hat ein Interesse daran. Als ob das! Judentum nicht andere Sorgen hätte: wie zum Beispiel' die Bekänipfung des Kretinismus. Es ist möglich, daß je-! mand infolge der geringeren Entwicklung der Schilddrüse! keine wirtschaftlichen Argumente finden und nur das Wort? „Jud'" lallen könnte. Doch Scherz beiseite. Die ganze Rede, dieser Versuch, all die Angriffe, die gegen die Landwirtschaft-Oesterreichserhoben wurden, nur mit dem Argument: „der Jud' ist am allem schuld" zu entkräften, ist der traurigste Beweis, wie! weit die.wirtschaftliche Unkenntnis gewisser Kreise reicht,! die sich nicht einmal mehr aufraffen können, -ihren ckirt-! schäftlichen Standpunkt zu vertreten. Es istschon vorge-! kommen,- daß Interessenvertretungen mit mehr - oder weniger stichhältigen Argumenten die Interessen ihres Standes vertreten haben. Man könnte diesen Argumenten zustim-' men oder nicht. Doch es waren Argumente. Die Phrase iftj kein Argument, und haß gerade der Kammerpräsident, tftö gleichzeitig der Landeshauptmann-Stellvertreter Niederösterrerchs ist, tick solcher Ladenscheiniger Beweise bedien^

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