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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-20 · Heft 1533 (20.5.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1533 (20.5.1923)
Date
1923-05-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. 1888 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. Las Museum für Geschichte der Medizin. In dem von Meister CainaleUi «Muren Jchephiiimn Mit seiner vornehnr-ernstein Schönheit, hat ein Mischer Gelchrter, Professor Dv. Max N,e u >b arger, in aller Stille, fernab vom ibautien Getrielbe des Wtaigs, in unermMichenr Weiß ein Werk geschaffen, das, ahgefchen von somvm fast un- . schätzbaren materiellen Wert, eine große kulturhistorische und wissenschaftliche Bcdoulluug besitzt: Das Museum für Geschichte der Medizin. Aus nichts ist diese schöne Scvmlmituny entstanden, ohne jede staatliche Hiffe, ohne materielle oder Moralische Unterstützung der berufenen Behörden. Wenn Prof. Neuburger die Entstchun>gsg.eschichte dieses Museums erzählt, dann sieht man, wie w diese Dinge, die da in Kästen geordnet stehen, mit ganzer Seele liebt, dann merkt man> wie viel Weiß, wie viel Arbeit notwendig war, um das alles, zu schaffen. Ein großer Teil der Sammlung ist das persönliche Eigentum Prof. Neuburgers, ein Teil — die Wachs-. Präparatensammlung und die. Bibliothek — stammen aus der Zeit Kaiser Josess des- Zweiten. Wenn man also vom uredi-, zinhistorischen Museum erzählt, so kann mau es nicht tun, ohne auch von Prof. Neuburger zu sprechen. Mus dev Klinik Menckebach, wo das Institut für Geschichte der Medizin recht und schlecht untergeöracht war, Wersiedelte es im Sommer Md ins Josephinum. Hier hatten während des Krieges Militärärzte — rnan muß sagen — gehaust. Die Räume waren gänzlich verwahrlost, glichen ' Misthaufen. Ein Raum, der jetzt MuseumZsaal ist, war eine Küche, und im selben Raum war auch gleich ein — Klosett. Nach mühevoller Cinrichtnngsarbeit wurde nach und nach die Einrichtung dev Sammlung zustande gebracht. Auf dem Dachboden lagen zu Hunderten schöne BilderrahmM aus Rosenholz mit GoMeisten herum, um die sich niemand Nrnmerte. Vitrinen ohne Glasscheibe«, 'Kästen, die herum-- standen, ohne daß jemand von ihrer Existenz wußte. Diese Sachen wurden herbeigeMeppt und für das Museum verwendet. Es ist also nicht zu viel gesagt, daß hier aus nichts etwas sehr Schönes geworden ist. Zunächst zeigt Prof. Neuburger die Bibliothek. Sie stammt zum größten Teil aus der josephinischen Zeit und I umfaßt 40.000 Bände medizinischer Literatur. Der mo-! derne Teil der Bibliothek wurde durch Spenden im Auslände, durch Kauf Und Tausch aufgelbracht. Viele Bücher h^ben Prachtvolle alte Leder einbände, und die ganze Bibliothek, die 'in vier Räumen unt'ergebracht ist, hat heute einen riiesigen Wert. Besonders der vierte Saal ist bemerkenswert. Er enthalt lauter albe WerPe von hohem Seltenheitswert. Da ist -um Beispiel ein botanisches Werk von Jaequin, worin alle MbWungm handkoloriert sind. Ferner ein großes anatomisches Werk mit prachtvollen Tafeln und ein Anatomiewerk aus dem Jahre 1643 von Bersalius. 'Dos Schönste aber sind die. herrlichen anatomischen Tafeln hon Leonardo da Vinci, ein Werk, das heute kaum wehr zu bekommen ist und das den Neid jedes BMioplMen erweckm muß. . Aus der BMiothek. geht es in die Wach sprä Para öen sammln ng. In RosenhoWiften Neigen da Prachtvolle anatomische Wachspräparate, jedes einze'Lne ein vollendetes Kunstwerk. Die Sammlung stammt auch aus der Zeit Josefs des Zweiten und enthielt ursprünglich 1190 Stücke, heute sind es nur mchr 'etwa 1000. Im Jahve 17-86 wurde sie unter den größten Schwreriigkeiten aus Italien, wo sie von einer Reihe von Künstlern unter Leitung von F o n t a n a und M! a s e a g u i angefertigt , worden war, über die Alpen gebracht. Eine Anzahl der Präparate wurde in späterer Zeit in Wien hergestellt. Diese Sammlung ist ttte der Florentiner die einzige in der Welk. Prof. Neuburger hat die BMiothek und die Präparatsnsammlunlg mit feiner eigenen Privatsammlung Vereinigt, die in weiteren drei Räumen unbergebra-cht ist. Dieser Teil des Museums gibt einen UeiberMck über die .Entwicklungsgeschichte der Medizin von den Urzeiten der Heilkunde bis zu unseren Tagen- Bilder berühmter Aerzte und Forscher aller Zeiten hängen an dcn Wänden> in Kästen sicht man uredizmische Instrumente seltsamster Art, von abenteuerlichen Formen. Jedes Stück hat seine Geschichte, jeder von denhier abgebilidetlM Männern hat seine Verdienste um die leidende Menschheit. Namen, wie van Slwieten, Frank, Augengmber, tauchen!aUf, in langer Reihe geht es weiter bis zur Blütezeit der Wiener medizinischen Fakultät, den Tagen, da Hirtt, Skoda, Helmer,/Oppolzer, Rokitansky, Kolletfchka, Hebra und Billilro th an der Universität wirkten. Ein schlichtes Bild zeigt uns Semmelweis, der an der Leiche seines an Leichenvergiftuulg gestorbenem Lchrers Kolletschka die Ursache, der schrecklichen SteM-ichleit auf der FrarieMinik erkennt und durch die Einführung von a-ntffeptffchen Waschungen dev Aerzte der' Menschheit einen ungeheuren Dienst leistet. Eine Vitrine enthält Z.nckerkandls Totenmaske und Hand, einem anderen Schrank liegt, einer der ältesten Auigensptegel, in der von Helmholtz geschaffenen Form. Und so ,ist jedes Stück -ein Stück-Geschichte, ein. Mavfftein ans denn Wege ernster Forschung. Ein-Schrank enthält eines der'ältesten Stethoskops, in verschiedenen anderen sin>d Manuskripte und Urkunden nntergebrachk,. unter milderem auch die Krankengeschichten aus dem Allgemeinen Krankenhaus seit- M6, und vieles andere Sehenswerte und Lehrreiche. So spricht denn dieses einfache, prunklofe. Mffe-um eine beredte Sprache von menschlichen: Fleiß, nie ermüdender, vorwärts strebender Forschung. Und es. ist auch ei« Dech^< mal, -das sich -ein schlichter Mischer Gelehrter selbst errichtet hat. Bar wir verspreche« wir. Wir bringen die neuesten Modelle Wir bieten die beste Qualität Wirstellen die niedrigsten Preise Jedes Stück trägt die Tanzpaar- Marke Wi®mr ZeniraUmreau für Engros und Export: Wien? 3/1, Tanzpaarhof ■Verkaufsstellen: I., Kärtnerstrasse 9 HI . Hauptstrasse 9 VI., Mariahilferstrasse 47 Torkaufsstellen in Deutschste t reich: Amstelten, Emil Korner, Wienerstrasse Baden, Schwestern Hermann, Rainerring 5 Bludenz, Maria Schmidt Bregenz, Luise Natter, Bahnhofstrasse 1 Deu sch-Landsberg, Maria Erhärt Dornbirn, August Zumtobel Feldbach, Johann Krois FUrstenfeld, Ernestine Köbtrl, Bismarckstrasse 67 Gasten-Bad, Wiesbaüer & Co., Kaiserpromenade Gasteln-Hof, Anny Kurz-Schweiger Graz, A. Wiefier. Hauptplatz 8 Hainburg a. d. Donau, Leopold Frühwirt Innsbruck, Th. Feicbtinger-Popp, Maria Theresienstrasse 24 Ischl, rZum Schmetterling“, Esplanade 12 Kapfenberg, Magdalene Schmidt, Steinorkof Klagenfurt, Franz Schappel, Obstphuz l Knittelfeld, Anna Santler, Postgasse 4 Kufstein, A. Mayr Leoben, Joh. & Käthe Paulin Lienz, Stephanie Abermann Lustenau, Maria Höllenstein Salzburg, Modes Drexler, Gstettengasse 51 Schwaz, Hedwig Kirchmayr Villach, Wallisch & Walter, Hauptplatz 12 Wels, Kerd. Kostka & Co. Wiener-Neustadt, Leopoldine Jescb, Bahngasse 21. Verkaufsstellen im Auslände: Belgrad, Bratislava, Budapest, Bukarest, Danzig, Toplitz-Scliönau etc. Weitere Verkaufsstellen sind in Vorbereitung. Allfäliige Anfragen wegen Uebernahme neuer Verkaufsstellen sind mit Berufung auf die „Wiener Morgenzeitung“ an das Zentralbureau in Wien, 111/1,Tanzpaarhof, xu richten. , _20. Mai 1923_Seite 7 Sie Krawalle vor dem Lpdenheimer-Haa». Eine historische Reminiszenz. Die Geschichte der Juden in Wien ist bekanntlich reick an spannenden Momenten und auch sie bildet ein Kapites der großen zwcitausendjährigen jüdischen Tragödie, in wel. cher, wie man weiß, auch die Judenberbrenuung und -Vertreibung keineswegs fehlen. Noch die Anfänge. jene- Jahrhunderts, welches sich das aufgeklärte nennt, zeigen das Aufflamyren des Judenhasses in seiner brutalste^ Form, der drs Pogroms, der allerdings damals durch hak Eingreifen der Behörden in den ersten Keimen erstickt wurde. Im Jahre 1661 hatte ein RegienMsbesehl an dey Wiener Magistrat „bei Vermeidung schwerer, unausblerb. licher straff" verordnet, daß die Juden „weder mit Wortey noch Werkhen auf einlicherlei weiß angetastet werden dürft ten, -weder mit stößen, schlagen, werffen oder übler Trac« tirung, wie die nun Nahmen haben mag", Aber bald dar« auf, 1670, werden die Juden aus Wien und Niederöster« reich ausgewiesen. Schon fünf Jahre später werden s« allerdings zur Rückkehr förmlich aufgefokdert, aber auch nachher ließ ihre Behandlung viel zu wünschen übrig und oft mußte die Behörde eingreifen, um sie vor den ärgsten Gewalttätigkeiten zu beschützen. In einer solchen Lage war es ein besonderes Ereignis, daß Samuel Oppenheimer, der dem Staate in finanziellen Dingen die größten Dienste geleistet hatte, neben Samson Wertheimer, dem reichen ,Hofjuden", im Jahre 1697 die Erlaubnis erhielt, ein eigenes Haus zu besitzen. Oppenheimers Geschäft blühte rasch auf, aber der Neid g^en den bekannten Wohltäter war so groß, daß die Berede Oppenheimers Haus in der Freisingergasse gegenüber dem söge, nannten „Rauchfangkehrer-Bierhaus" durch ein Wache, dis „Rumorknechte", schützen mußte. Diese Nachbarschaft der 'Rauchfangkehrer gab im April 1700 den Anlaß zu Ausschreitungen, welche leicht katastrophale Folgen nach sich ziehen konnten. Ein Kaminfeger, welcher im Kartenspiel verloren hatte und darob wütend war, erging sich in antisemitischen Beschimpfungen gegen die Betvohner des Oppenheimersche» Hauses, indem er behauptete, er sei von drüben ausgelacht worden. Einer der beleidigten Hausbewohner wandte sich endlich an die im Hause befiudliche Wache mit der Bitte, d§n Exzedenten zu beruhigen; es sammelte sich eine große Menschenmenge an, man verbreitete das Gerücht, ein Christ sei wegen eines Juden geschlagen worden und bald waren sämtliche Scheiben des Hauses Oppenheimer emgeschlagen. Die. wütende Menge wuchs immer mehr an, das Haus wurde gestürmt und geplündert und die gesamte Einrichtung auf die Straße geworfen. Die Bewohner hatten sich rechtzeitig in ein unter" irdisches Gewölbe gerettet. Erst ein kaiserlicher Befehl an die Hauptwache machte dem Treiben ein Ende, aber die. Herstellung der Ruhe ging nicht leicht vor sich, denn, wie die Geschichte meldet, lvurden einige Exzedenten erschossen und am Abend begannen wieder die Tumulte vor dem Hause, die aber rasch gebändigt lvaren, da das Gebäude mit einer Truppenabteilung besetzt worden war und auf der Straße sechs Geschütze aufgefahren waren. Während der Nacht wurden die Verhafteten verhört und um 4 Uhr morgens hingen zwei Rädelsführer zum abschreckenden Zeichen an den Fenstern des Hauses; ihre Leichen ließ man dort bis zum Abend hängen. Aber noch einmal sollte das Haus Oppenheimer Anlaß zu antisemitischen Ausschreitungen gehen. Diesmal gab der Sturz des Geschäftshauses das Stichwort. Es war im Jänner 1706, als sich wieder die Massen, diesmal un-! ter der Teilnahme der Studentenschaft, vor dem Oppenheimerschen Hause sammelten und die Austreibung der Juden verlangten. Etliche Tage vorher waren an der Universität Ausrufe angebracht worden, lwelche aufforderten, an den Juden Rache zu nehmen, da diese einen Studenten ermordet hätten. Auch bei diesen Tumulten, die sich nicht auf das Haus Oppenheimers beschränkten, sondern vor der Hofburg und in den Vorstädten ihre Fortsetzung fanden, so daß die Stadttore zwei Tage lang geschlossen blieben, bis die Ruhe wieder hergestellt war, wurden einige Leute erschossen und das ,Mienen Diarium" vom 30. Janner meldet, daß auf dem Hohen Markt eine ledige Mannsperson anderen zum Exempel und Abscheu mit dem Strang hingerichtet" worden sei. Ae zweite Welttonserenz des Keren Kaiemeth l'gfrael. Anfangs August in Karlsbad. Das Direktorium des Keren Kajenteth l'Jsrael hat auf Grund des von der letzten Weltkonfev^nz des Jüdischen Nattonalfonds in Karlsbad angenommenen Statuts die zweite Weltkonferenz für Anfang August nach Karlsbad einberufen. Die Konferenz wird sechs Sitzungen abhalten, auf denen die Herren Ü f f i f ch ki n, Dr. Z w e i g, Dr. Granowsky, Ettinger, Wilkansky und Wolf Böhm Referate halten werden. Die Zahl der Delegierten zur Konferenz und die Modalitäten der Beschickung werden noch festgesetzt werden. Man mißt der Konferenz eine ausschlaggebende Bedeutung bei. Die finanzielle Lage des Jüdischen Nativnalfonds ist außerordentlich kritisch und seine Zahlungsverpflichtungen belasten fein Budget über alle Maßen. Im Juli dieses Jahres sind allein übet? 40.000 Pfund Sterling an Ratenzahlungen für die alten Boden- : kaufe im Cmek Jesreel zu entriWn. . Die Einnahmen decken die Ausgaben fiir die BodeMufe in^ keiner Weise, so daß die Konferenz gezwungen sein wird, über die W<chl neuer Methoden zur St-eigerung der. Einnahmen!- drs Keren Kajemeth schlüssig zu werden. . 2

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