Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1533 (20.5.1923)
- Date
- 1923-05-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1538 _Wien, Sonntag B'nei B'rith und der Aufbau PalLDnas. Dieser Tage fand in Jerusalem die Jahresversammlung der palästinensischen B'nei B'rith-Loge statt, die etwa 400 Mitglieder zählt. Auf der Jahresversammlung wurde, als Hauptziel der palästinensischen Loge festgestellt, die B'nei B'rith-Logen der ganzen Welt für die Aufbauarbeit in Palästina zm interessieren. Die Palästina-Loge will ferner die Logen in Palästina, Aegypten und Syrien zu einer einheitlichen Organisation mit dem Zentrum in Jerusalem vereinigen. (I. C. B.) Ein Arbeitslosenfonds. Die jüdische Arbeiterorganisation Palästinas hat die Gründung eines Fonds für Arbeitslose beschlossen. Der 6. Mai war als Sammeltag bestimmt worden, um vas erste Grundkapital für den Fonds aufzubringeu. Außerdem wurden alle Arbeitenden in Palästina aufgefordert, Sen Ertrag e i n e s A r b e i t S t a g e S dem Fonds zu widmen. Die „Hadassah". AuS Jerusalem wird berichtet: Die Lage der medizinischen Organisation „Hadassah" hat sich insofern gebessert, als der Keren Hajessod seine monatlichen Subventionen von 2000 auf 8000 Pfund hinaufgesetzt hat. Da man auch noch fernerhin auf die Stütze des amerikanischen Joint rechnet, hat man von den Plänen, verschiedene Spitäler der „Hadassah" zu. schließen, abgesehen. (I. C. B.) Rundschau. Ae Pariser Miame bei Bethlen. Aus Paris wird uns berichtet: Das Präsidium der Alliance Jsraelite Universelle glaubte eine Pflicht den ungarischen Inden gegenüber zu erfüllen, als sie dem hier weilenden ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen durch eine Abordnung die bekannten Beschwerden über die Verfolgungen und Bedrückungen der Inden in Ungarn vortragen und um Abhilfe bitten ließ. Das -Pflichtböwußtsein der Miance Jsraelite in allen Ehren, aber es war von ihr doch mehr politische Kenntnis und vor allen: die Kenntnis der politischen Zustände in UiMrn vorauszusetzen. Besätze sie diese Vorkenntnis, so hätte sie sich den Wog zu Bethlen und die von ihm erholtem Antwort erspart. Bethlen will eben nicht mit den Vertretern der Rechtsansprüche der Juden zu tun haben, denn auch in seinem eigenen Lande läßt er diese nicht zu Worte konrmen, unterdrückt ihre Presse, wenn sie ein energischeres Wort wagt, und wie zu Hause in Horthy- Ungarn, wo die großen Bankjuden mit den Erwachenden ’ Geschäfte machen, will Betihlen auch im Auslande nur mit den Bankjuden zu tun haben, die sich geschmeichelt fühlen müssen, wenn , er sie bei dem Geschäft, das UlMrn abschließen will, auch verdienen läßt, ohne daß sie jedoch irgendwelche dumme Forderungen von Gleichberechtigung der Juden, von innerer politischer Konsolidierung, von Abschaffung des Numerus clausus und ähnlichen Gemeinplätzen laut werden lassen. Daß Bethlen es noch gewagt hat, der Abordnung zu erklären, daß der Numerus clausus nicht gegen den durch den Friedensvertrag gewährleifteten Schutz-der nationalen und religiösen Minderheiten verstoße, und daß auch sonst in Ungarn alles sein und friedlich zugehe, ist nur ein Beweis dafür, daß Bethlen . zur Zeit, als er die Abordnung der Alliance Jsraelite envpfing, sich schon klar war darüber, ,daß seine Pumpreise ein schmähliches Fiasko ist, weshalb er auf diese lästigen Juden keine Rücksicht mehr zu nehme:: hatte. Gegenklage kachln». Paris, 19. Mai (Wolfs.) Abg. C a ch i u und vier der aus Anlaß der Reise ins Ruhrgebiet im Jänner d. I. mit ihm des Komplottes gegen die Sicherheit des Staates beschuldigten Kommunisten halben gestern eine Klage wegen Fälschung von drei Aktenstücken eingebracht, die vom Gerichte zur Belastung der Angeklagten geltend gemacht werden. Nach dem „Populaire" ist eine der Fälschungen von: Kriegsminister selbst dem Untersuchungsrichter zugestellt worden. Kn vereitelter Putsch. Trier, 19. Mai. (Wolfs.) Heute vormittags drangen, während die Belegschaft des städtischen Elektrizitätswerkes eine Betriebsversammlung abhielt, größere Abteilungen von teilweise bewaffneten Smeets-Leuten in das Elektrizitätswerk ein, bemächtigten sich der T el eph onzentra l e und vertrieben das P e rsonal -Rasch herbeigeeilte Polizei warf die Smeets-Leute schleunigst wieder aus den: Werk heraus. Aus aller Welt. Paris, 19. Mai. Wie der „Matin" meldet, haben die Regierungen der Alliierten ihre Vertreter in Athen angewiesen, in: Hinblick auf die in Griechenland herrswende Erregung energische Vorstellungen zu erheben. Paris. 1L. Mai. Wie „Le Journal" meldet, ist das Automobil P o i n c a r e s gestern vormittags mit einem Lastauto z <u | a m m e ri gest o ß e n. Der Ministerpräsident blieb unverletzt. 6R0S5E OKKASION Schuhe! Wm _Wiener Morgenzeitung. 20. Mai 1923_-_Seite 8 Ir. Rertolr Seime! über de« Kere« Haseffod. In» Wachstum der PalMna-Srundfonds. — Die Richtzioniften und PalMm. - Ae erst« Million Pfund Sterling. Der Direktor des PalaUna-GvuMonIds (Keren Hajessod), Herr Dr. Bertold Feiwel, weilt gegenwärtig in Men. Dr. Ftziwül, dem einer der verantwortungsvollsten Posten in den Jahren des beginnenden Ausbaues der Mischen Heimstätte ar.vertraut ist. gehört bekanntlich zu den ersten Weggenossen Theodor Herzls. HerA selbst hat ihn zum Ghesredaktenr des zionistischen ,Zentralovgans '„Die Welt" erwählt, und während der garten schweren zionistischen Kcmchfjahre stand Bertold Feiwel, der verantwortungsvolle Politiker und hervorragende Schriftsteller, im' Bordertresfen. Einer unserer Mitarbeiter benützte den . Anlaß, um mit Direktor Feiwel über das Wasen, die Bedeutung und den Wirkungskreis des Keren Hajessod zu sprechen. Das Gespräch, das wir nachstehend in großen Umrissen . wiedergeben, gewinnt durch die klaren Ausblicke auf die nächsten Stadien zionistischer Entwicklung an politischer Bedeutung. „Ohne geblendet zu sein von den Vorzügen des Kindes, dürfen die Anreger und Begründer des jungen ,Keren Hajessod" heute wohl sägen, daß er sich hoffnungsreich entwickelt. Vor allem ist festzustellen, daß' sich die Idee des Palästina-Grundfonds im Judentum durchgesetzt hat..Die Erträge sind nach Uebevwindung,einzelner Krisen jetzt in stetig auf steigender Linie und die Erstarkung des organisatorischen Apparats tritt deutlich in die Erscheinung. Das Wichtigste sei gleich vorweggenommen: Im letzten Arbeitsjahre hat der Wirkungskreis des Keren Hajessod sich Aber die zionistischen Grenzen ausgedehnt, und. vielerorts sind die uichtzionistifchen Kreise erschlossen worden. Allerdings stehen wir hier noch am Anfang einer Entwicklung. Es begegnet sich hier die aktive Tätigkeit des Keren Hajessod mit der vielfach noch nicht recht gewürdigten, aber zweifellos vorhandenen Palästina-Bereitschaft immer weiterer Schichten Per Judenheit, welche durch die Erlebnisse des Weltkrieges, durch die Zeitmnstände und durch die europäische Entwicklungstendenz nicht mirtder gefördert wurde, als durch das Bierteljahrhundertz zionistischer Propaganda. Den Zionisten erwächst die Pflicht, diese Menschen und diesen Geist der Bereitschaft zu erfassen und für Palästina politisch, kulturell und wirtschaftlich fruchtbar zu nvachen. Eines der Mittel zu diesem Zwecke, vielleicht das wichtigste, ist der Keren Hajessod. ' Ich will, soweit das im Rahmen eines Gespräches gestattet ist, über die alleüvichtigsten Probleme des Palästina- Grundfonds ein paar^Worte sagen. Was sein System betrifft, möchte ich den Kritikern gegenüber daran seschalten, daß der Keren Hajessod den Charakter eines Zentralfonds trägt und weiterhin tragen muß. Nur dieses System ermöglicht, meiner Meinung nach, sich allen wirtschaftlichen Notivendlgkeiten und Möglichkeiten anzupassen. Nicht zufällig wurde dieses System gewählt. Es ergibt sich vielmehr aus den drei Komplexen des wirtschaftlichen Lebens innerhalb jedes Gemeinwesens: 1. Soziale Fürsorge, 2. Oefsentliche Anstalten, 3. Förderung, der Privatwirtschaft (Ackerbau, Handel und Industrie). Nur ein Z e ntralsonds gestattet einheetliche Wirtschas-tliche Disposition, Budgetierung, Verwaltung und Kontrolle, kurz, was man den gouvernementalen Charakter des Wirtschaftssystems nennen könnte, das politisch ettva sein Gegenstück in der Jewish Agency hat. Auch möglichste Ausnützung der geringen verfügbaren Kräfte, möglich st' e Sparsamkeit und Bereinigung aller Schichten auf.dem Boden gemeinsamer Arbeit für den Wiederaufbau Palästinas werden nur dadurch ermöglicht, daß dieser Fonds allumfassend"ist. Alle diese Vorzüge schwinden, wenn man den Keren Hajessod in Spezi a l s o n d s oder, Gesellschaften zerlegen wollte: Konkurrenz der Spezialzwecke, Verwirrung unter den Spendern, müßten bestimmt der großen Sache Abbruch tun, wenn au die Stelle des zentralen Keren Hajessod eine Reihe neuer traditionsloser Zwecksammlungen träte. Um aus eine andere Frage.überzugehen: Sie wissen, daß jedes Gemeinwesen heute aus seinen Steuereingängen sowohl „unfruchtbare" als zinstragende Tätigkeit speist, zum Beispiel aus demselben Fonds ein Hospital und eine Trambahn, oder eine Sparkasse. Nur ein Zentralfonds kann sich gleichzeitig produktive und unproduktive Ausgaben leisten. Dies gegermber der Behauptung, es sei unsinnig oder unwirtschaftlich, einen Fonds für» verschieden geartete wirtschaftliche Tätigkeiten zu habe::, die teils einen Ertrag der Investition, teils aber von vornherein, keine Verzinsung erlvarten lassen. Es ist wirtschaftlich nicht zu Ende gedacht, zu sagen, daß. Unternehmungen der ersteren Art ausschließlich, privatwirtschaftlicher Initiative zu überlassen seien. So sehr ich das Element privatwirtschaftlicher Initiative, einschätze und seine größte Förderung für absolut notwendig halte, darf man doch nicht daran vergessen, daß in Palästina für absehbare Zeit bis zur Erreichung I eines normalen Wirtschaftslebens viele selbst rein privatwirtschaftliche Unternehmungen bis zu einem gewiss«! I Grade auf den Unternehmer doch nicht einen nur geschäftlichen, sondern dazu noch gewissermaßen einen Liebhaberanreiz ausAben können. Unsinnig wäre zum Beispiel die Hoffnung, das Davlehensiwesen für kolonisatorische Pioniere, obwohl es gewiß eine Chance für Verzinsung bietet, auf privatwirtschaftliche Initiative zu basieren. Zweifellos wird Investierungen ihalböffentlichen Charakters mit sehr beschränkter Möglichkeit des Ertrages nur ein großer Zentralfonds in der nächsten Zeit speisen. können. Und zurnindest in den Anfängen wird der Fonds solchen Unternehmungen die erste Hilfe geben müssen, bis sie allein zu gehen gelernt halben werden. Was die Verfassung des Keren Hajessod anbelangt, basiert sie auf der Anschauung, daß unter Beibehaltung des zionistischen Aktionsprogramms für den Aufbau Palästinas die Heranziehung der Nichtzionisten auf dern Wege stufenweisen Fortscheitens ihrer Teilnahme an - ^praktischer Arbeit herbeigesührt werden soll. So ergab sich folgerichtig und nnvernrerdlich der Gedanke des neutralen Keren Hajessod. Es ist. klar, -daß eine zionistische Monopolisierung des Palästina-Grundfonds seine Wevbekrast bei den Nichtzionisten beeinträchtigen muß. Andrerseits kann trotz angestrengtester und ^erfolgreichster zionistischer Propaganda nicht erwartet werden, daß sich die zionistische Organisation in' demselben Tempo 'ausbreiten würde,' wiees die Größe der finanziellen Aufgaben erfordert. So wird-die Heranziehung immer größerer Massen zur Beitragsleistung einfach l o g i s ch n o t w e n d i g. Und nur auf Grund dieser Erkenntnis und Praxis konnte die Leitung des Keren Hajessod bis zu jenem Stadium Vordringen, wo sich tatsächlich,schon die ersten Möglichkeiten, die man' auch als politische ansehen kann, aus ihrer Tätigkeit ergeben. Schon sind m e h r f ach r e p r ä s e nt a t i v e Persönlichkeiten der nichtzionistischen Kreise mit dem Keren Hajessod verbunden. Wer unser großes Problem bis in die letzten Möglichkeiten durchgedacht hat, sieht in diesen Schichten und ihren Nachfolgern die Kaders für die von der Zionistischen Organrsation zu schaffende breitere Organisation des Palästina- Aufbauwerkes mit ihrer Spitze in der Jewish Agency. Hierbei spielt das Institut des Councils und des Direkt o r iu m s d e s Keren H a j es s o d eine sehr wichtige Rolle. Die gewählten Mitglieder des Councils werden/ indem sie die Hälfte der Mitglieder des Direktoriums und des Board of Trustees bestellen, aus Beitragsleistenden zu einer mitverantwortlichen Repräsentanz. Und diese Erziehung zur Mitverantwortlichkeit stellt eine unentbehrliche Entwicklungsstufe zur Schaffung einer, wirklich aktionssährgen und zugleich umfassenden Jewish Agerny dar. Um diese Entwicklung zu fördern, wird sich eheste Zusammenfassung der hervorragendste:: Vertreter der neutralen Keren Hajessod-Komitees zu einer Konferenz empfehlen, welche die Fragen des Keren Hajessod und des Councils zu behandeln haben wird. In diesem Zusammenhänge möchte ich der Meinung Ausdruck geben, daß ich das Zustandekommen des jüdischen Weltkongresses für s r a g l i ch oder wert l o s erachten würde, wenn nicht vorher die Mitwirkung jener Schichten gesichert ist, die, wie ich ausfühvte, am besten durch den Keren Hajessod gewonnen wurden und. in wett größerem Maße noch zu gewinnen sind." Auf die Frage, ob die Forderung vieler, insbesondere amerikanischer,. Zionisten, die Leitung des Keren Hajessod müsse nach Palästina übersiedeln, begründet sei, erwidert Feiwel: „Aus dem Gesagten ist Wohl zu entnehmendaß für mich das Zentrum des Keren Hajessod kein bloßer Berwaltungsorganismus ist, sondern. eine^ Stelle mit sehr wichtigen Funktionen sinanzwirtschaftlicher, besonders aber politischo r g a n i s a t o r isch e r N a t u r. Wenn man die Ansicht teilt, daß die Ausbreitung des Kreises der am Aufbau Palästinas Mtwirkenden das Kardinälproblem des Keren Hajessod und der palästinensischen Finanzwirtschaft bedeutet, so wird man auch das vorläufige Verbleiben des Zentrums außerhalb Palästinas wünschen, müssen. Aus der speziellen Verbundenheit der großen Keren Hajessod-Ansgaben mit zionistischer Organisation und späterhin mit der Jewish Agency, ergibt sich, daß, solange-die politische Zentrale des Zionismus in London ist, auch die Zentrale des Keren Hajessod dortselbst ihren Sitz haben muß." Direktor Dr. Feiwel n:achte schließlich unserem Vertreter die erfreuliche Mitteilung, daß die Sammlungen des Keren Hajessod bis zum nächsten Zionistenkongreß die Höhe von einer Million Pfund Sterling ganz oder sehr nahe erreicht haben werden und daß mau mit dem Zusammen treten des Councils noch . in diesem Kalenderjahre,. womöglich jedoch schon im Hochsommer, unmittelbar nach dem ZionPeukongreß rechnen kann. sgenmäntei » > K 125*000 inenwaren, Waschwaren, affe. Wäsche — sehr billla Warenim Schiff mann II., Taborstraße 48 Telephon 47-W8 En gros En detail