Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-05-19 · Heft 1532 (19.5.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1532 (19.5.1923)
Date
1923-05-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980613--14802-3001571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Merkte MwkgMMttris. IS. Mai 1928 SM« Ne Miaisterreise in der Nationalversammlung. Budapests 18. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) ^Die Ergebnisse^ der Reise Bethlens und Kallays werden möglicherweise schon am 23. Mai in der Nationalversammlung erörtert werden. Die Nationalversammlung wurde heute auf diesen Tag einberufen; Undor S z a k a e s hat für diese Sitzung eine Anfrage über die Ergebnisse der Ministerreise angemeldet. Polen. Ser Patt zwischen Witos und den Rational' demottaten perfett. Warschau, 18. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Heute wurde in der Wohnung des Abgeordneten Korsanty das Uebereinkommen zwischen den Rechtsparteien und der Witos-Gruppe abgeschlossen. Der Pakt legt das Programm der zukünftigen parlamentarischen Mehrheit fest. Der Präsident der Republik, der vom Zustandekommen des Uebereinkommens verständigt wurde, wird morgen die Führer der Mehrheitsparteien empfangen. Sie Dienstzeit in der Armee. Aus Warschau wird uns gemeldet: In der Militärkommission wurde die Frage der Dienstzeit i n d e r A r m e e behandelt. Abgeordneter Lieber- Manu verlangte die Einführung einer einjährigen ^Dienstzeit, gegen welchen Vorschlag sich die Vertreter der Nationaldemokraten und der übrigen Parteien aussprachen. Per der Abstimmung wurde der Antrag Liebermanns ab-!gelehnit, woraus Liebernmnn ein Minoritätsivotum anmeldete. 8ine Konferenz der Wischen Gemeinden. Warschau, 18. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) .In Warschau tagte eine Konferenz der Vorsteher sämtlicher Wischen. Genreindeverwaltungen der größeren Städte Wolens, die wie seinerzeit gemeldet, über Initiative der Krakauer und Warschauer Mischen Gemeindeverwaltung Mtt&mtfeit wurde. Die Konferenz hatte den Zweck, -den Dharakter sÄnWcher Mischer Gemeinden in Polen zu vereinheitlichen und ein Projekt für die zukünftige W a h lvrdnung in den Mischen Gemeinden auszuarbeiten. M der Konferenz nahmen die Vorstände der jüdischen Dsmemden von Warschau, Krakau, Lemberg, jWilna, Lublin, Bia ly st ok, Lodz usw. teil. Die Mischen Gemeindevorstände von Warschau, Bialystok, Lublin waren fast durchwegs durch z i o n i st i s ch e Manpatare vertreten._ Persische7 eppich- A Import Ges. m. b. H. Vahanjsbetcherian & Co. Wim, I, Mtfvi'ichgaase & im Philipphof Direktester Import* reichste Auswahl an: Keschern / JBonchara } Xäbris J Schiras Belitdsch / Schvrwan / Kamk Kirman etc. vv Verkauf en gros »7» Verkauf en detai^ J) Telephon Nr. 7UJII iraj Die Konferenz wurde vom Präsidenten der Lemberger Gemeinde, dem bekannten Assimilanten Dr. Diamant, eröffnet. Nach der Eröffnung erklärte der Präsident der Krakauer Gemeinde Nathansohn, daß die Krakauer Gemeinde den Beschluß gefaßt habe, die Einführung des demokratischen Prinzips in der Wahlordung zu verlangen, jedoch ohne Anteilnahme der Frauen. Ferner äußere die Krakauer Gemeinde den Wunsch, die Kompetenzen der Mischen Gemeinden zu erweitern und in dieser Richtung mtt dem Jüdischen Klub gemeinsame Schritte zu unternehmen. Der Lemberger Vertreter Dr. Diamant erklärte, daß die Lemberger Gemeinde beschlossen habe, auf das K u r i e n s y st e m nach dem Prinzip des Vermögens¬ und Bildungszensus nicht ganz zu verzichten und einen stufenweisen Üebergang vom/ jetzigen zum allgemeinen Wahlsystem zu schaffen. Abg. Dr. Wygodski Dionist) hielt im Namen der Mischen Gemeinde in Wilna eine längere Rede, in der er für die Einführung von demokratischen Wahlen unter Teilnahme der Frauen und für die Umgestaltung der jüdischen Gemeinde in eine Volksgemeinde, sowohl in wirtschaftlicher, politischer, wie auch religiös-kultureller Hinsicht, eintrat. Die Wilnaer Gemeinde fei eine nationale Gemeinde und hat ihren ^Vertreter beauftragt, für die Umgestaltung der jüdischen Gemeinde in diesem Sinne einzutreten. Nach einer längeren Debatte wurde beschlossen, daß sich die gegenwärtige Konferenz mit der Frage der Umgestaltung der Gemeinden nicht beschäftige, sondern sich , lediglich aus die Behandlung der Wahlordnung beschränke. Bemerkenswert ist, daß die Tagung für geheim erklärt wurde. . , Me Rszwoi-Hetze in Brodtz, Warschau,. 18. Mai. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Das' Innenministerium beantwortete die seinerzeit vom jüdischen Abgeordneten R eizes in -Angelegenheit der Rozwoj-Hetze in Brody eingebrachte Interpellation.. Mi« berichtet,, behandelte diese Anfrage die bekannten Zwischenfälle in Angelegenheit des Hauses KristianPolle.« in Brody. In der Antwort erklärt Innenminffter Si« korski, daß in Brody sich bisher keine.Rozwoj-Organisation konstituiert habe (?) und erklärt es als wt*: richtig, daß Staatsbeamte dieser Organisation angehören. Ferner nimmt die Antwort den Brodyer Bezirkshauptmann in Schutz, ohne auf dm eigentlichen Inhalt der Interpellation des näheren einzugchen. *" Sie Semeinderatswahlen in Lodz. ** Bei den letzthin stattgeftrndenen Gemeinderatswahler^ die -in einem erbitterten Kampf zwischen den einzelnen Parteien ausarteten, würden nachstehende jüdische Liften gewählt: Bund 4 Mandate, Poale Zion 1 Mandat. Zionisten 4 Mandate, Orthodoxe 4 Mandate, Bolkspartei 1 Mandat, Unparteiische 2 Mandate. Während des Wahlaktes ereigneten sich verschiedene Uebergriffe der Gemeindefunktionäre. Rumänien. Liquidation ehemals feiMiche» Besitzes. - Bukarest, 16. Mai. (Havas.) Die Oberste Sequester, kommisfton hat beschlossen, daß alle ehemals feindlichen Güter, Re unter Sequester stehen, gemäß den Besttmmungen der Verträge liquidiert werden sollen. Sie hat weiters beschlossen, auch die nichi unter Seqatefter gestellten ehemals feindlichen Güter zu liquidieren, auch wenn sie v on rumänischen,Bürgern erworben wurden. Die Schulden rumänischer oder alliierter Staatsangehöriger an unter Sequester gestellte Gesellschaften sind nicht mehr an diese Gesellschaft, sondern an die Liquidierungskommission direkt zu zahlen. GROSSE OKKASION Waren- Rundschau. Die Unterrednng Snrzon—Krasfin. London, 18. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ueber die Unterredung, welche Lord Curzon mit Krass in hatte, wird offiziell nichts berichtet. In anscheinend gut informierten Kreisen ist man der Ansicht, daß durch die Unterredung eine Verschärfung des Konflikts vermieden sein dürfte. Der Termin des Ultimatums soll verlängert worden sein, um Krassin Gelegenheit zu geben, sich mit seiner Regierung ins Einvernehmen zu setzen. Krassin hat gestern ein längeres Telegramm nach Moskau abgesandt. Die Verhandlungen sind bis zum Eintreffen der Antwort vertagt. \wm 125.000 Stoffe, Wäsche — sehr billig H ■W!HlFWli■Tllliilall^lWl;^^l|ly[|y| "i ui i f'in ji 1 imysMaammgggBMBHBBHBiaBHBfsg^KagBagae^B^aaiaBra^ lit Schiffmann II., TaborstraSs 48 Telephon 47-1-76 En gros En detail Set Gründer des Kew-WM jüdischen Knnsttheaters. Ein Gespräch mit Emanuel Reicher. Emanuel Reicher, in dem bis heute unvergessenen Brahms'schen Lessing-Theater-Ensemble, zusammen mit Bassermann, Oskar Sauer und Else Lehmann eine der Zierden vollendeter deutscher Schauspielkunst, istnach achtjähriger Abwesenheit aus Amerika zurückgekehrt. Der Krieg hat ihn dort festgehalten. Reicher war kein in Amerika Unbekannter mehr, als er im Jahre 1914 hinkam, wo sein Sohn Frank Reicher zu den bekanntesten Darstellern der jüdischen Bühne gehört. Vor seinen Triumphen ,im Lessing-Theater hat Reicher durch 23 Jahre als deutscher Schauspieler in Amerika gelebt. Er hat dort die allererste Aufführung von Ibsens „Gespenster" jenseits des Ozeans gewagt. Fast 25 Jahre ist d-s her. Darüber und über vieles andere Plaudern wir im dämmerigen Vestibüle des Hotels, in welchem Reicher abgestiegen ist. Er ist im „Auszug" begriffen; Verwandte haben ihn für seinen Wiener Aufenthalt ein Zimmer abgetreten. Das Gespräch kommt bald auf das jüdische Theater in Amerika, mit dem Reicher während seines diesmaligen Aufenthaltes in NewHork in künstlerische Beziehung getreten ist, welche für die Entwicklung des jüdischen Theaters von weittragender Bedeutung werden sollte. Reicher ist nämlich der Mitbegründer und erster Leiter des jüdisch en Kunsttheaters in NewHork, das dem New-Aorker jüdischen Theaterleben wertvolle künstlerische Impulse gegeben hat. In seiner bescheidengelassenen Art erzählt mir der Künstler die Geschichte dieser Gründung. „Das jüdische Theater in New-Dork war bis in die letzten Jahre nur Volks- und Stadttheater. Singspiele -und Operetten bildeten, abgesehen von gelegentlichen Versuchen mit ernster Literatur, feilt Repertoire. Das Interesse für erftere Theaterkunst wurde hauptsächlich durch üen-< deutschen Schauspieler Morris Morris so n gefördert, der, obwohl er deutsch spielte, oft in den jüdischen Theatern New-Iorks mit Stücken aus der großen dramatischen Weltliteratur, vor allem in Shakespeare-Tragödien, austrat und dabei auf künstlerisch abgerundete Aufführungen Wert legte, denen er selbst seine Negiebogabung lieh. Ich selbst, per ich das Jüdische schwer verstehe, es nicht spreche und die bebttiistbe OugdraMM tzaum leien Kann, 'hafte wewq Beziehungen zum jüdischen Theater. Da traten im Jahve 1920 der jüdische Dramatiker David P i n s ki, mit dem ich innig befreundet bin und den ich als Menschen und Künstler hoch schätze, der Schauspieler Ben Ami, welcher später an der jüdischen und dann an der englischen Bühne ungeheure Triumphe feierte und die bekannte jüdische Schauspielerin Cilli Adler an mich mit dem Plane heran, die Leitung eines jüdischen Kunstcheaters, welches sie gründen wollten, zu übernehmen. Ich sträubte mich lange, vor allem mit den: Hinweis auf meine mangelhafte Kenntnis der Sprache. Aber -das Zureden meines Freundes Pinski und mein künstlerischer, vielleicht auch jüdischer Idealismus siegte. Das jüdische Kunsttheater wurde begründet.und ich sein Leiter." * „Das Jarden-Theater, welches nicht wie die anderen jüdischen Theater New-Aorks mitten im Iudenviertel gelegen ist, sondern sich in der dem Zentrum nahen, aber dem jüdischen Publikum leicht erreichbaren 27. Avenue erhebt, wurde das Heim des ersten Mischen Kunsttheaters in New-Aork. Das Eröffnungsstück war Perez Hirsch- Leins „Die puste Krejtschme". Der Erfolg war außerordentlich. Zum ersten Male brachten die englischen Blätter Referate über jüdisches Theater und seither hat sich das jüdische Kunsttheater einen geachteten Platz im Kunstleben New-Iorks erworben. Unsere nächste Aufführung, David Pinskis historisches Drama „Der stumme Messias", hatte weniger Erfolg. Es scheint, daß dem realistisch gesinnten jüdischen Publimn historisches Drama wenig liegt. In diesem Stück" — Reicher lächelt — „und nur in diesem Stück trat ich als Schauspieler im jüdischen Theater auf. D-enn ich konnte eine stumme Rolle geben. Für jüdische Spr-echrollen fehlt mir leider die Sprache. Unser größter Erfolg war die jüdische Aufführung von Gerhart Ha-uptmauns „Einsamen Mens ch e n". Hans Heinz Ebers, der damals in Amerika war, wohnte dieser Ausführung Lei und der sonst durchaus nicht sanfte Kritiker schrieb mir einen begeisterten Brief. Wir brachten auch Ibsens „Nora" und Sven Lan ges „Samf o n undDalila". In dem letzteren Stück machte sich Ben Ami seinen Rainen auf der jüdischerr Bühne und spielte es baitit mit demselben Erfolge ans der englischen. Gewisse Unstimmigkeitein mit dem Manager des Theaters und der Wunsch, in Amerika ein künstlerisches Repertoiretheater in englischer Sprache zu begründen, auf dessen DuLchfübrnng ich viel Mübe verwendete und die ick doch durch den Mangel an Verständnis für ein ständiges englisches Repertoiretheater beinr Publikum und den Unternehmern nicht erreichen konnte — ich hatte bereits einen dramatischen Kursus errichtet, um für ein englisches Repertoiretheater ein Ensemble heranzubilden, aber ich hatte bezeichnenderweise vierzig weibliche und vier männliche Teilnehmer an diesem Kursus —, verarrlaßte mich, die Leitung des jüdischen Kunsttheaters zurückzul-egen. Cs wird jetzt von Morris Schwarz geführt, der es auf bedeutende Höhe gebracht hat. Cr ist iibrigens ein ganz ausgezeichneter Schauspieler." Unser Gespräch konrurt auf die Wilnaer Truppe, daS jüdische Kunsttheater in Europa. Reicher hat die „Wilnaer" nicht gesehen. Bon einer interessanten Persönlichkeit aber, nämlich von Henry Morgentau, der die „Wilnaer" in ihrer Heimat gesehen hat, hat Reicher begeistertes Lob über sie gehört. „Die Sehnsucht nach Europa hat mich nun wieder hergebracht" — fährt Reicher fort — „ich wollte ursprünglich nicht mehr spielen. Aber man hat mir so lange zugesetzt, bis ich in Berlin im Renaissaneetheater aufgetreten bin. Dort waren Tschirikows „Iudew^ ein großer Erfolg. Die herzliche Aufnahme, die mir das Wiener Publikum bereitet 'hat, ist rührend. Ich gedenke hier noch den „John Gabriel Bork mann" zu spielen. Gern würde ich in Artur H o l i t s ch e r s „Golem" auftreten; aber das Stück, das ich für ausgezeichnet halte, ist nicht leicht aufzuführen. Ob ich lange in Europa bleiben werde, weiß ich nicht. Ich bin jetzt auf der Suche nach einer interessanten, künstlerisch hochstehenden Rolle, die ich dann avz die englische Bühne bringen würde. Vorläuftg aber hat mein großer Erfolg in Tschirikows „Juden" es nur so weit gebracht, daß malt mir lauter Judenstücke anbietet. Ob ich gerade ftir Judvnstücke de/ geeignete Mann bin, weiß ich nicht." Reicher lächelt bescheiden. Ich sehe seinen herrlichen John Gabriel Borkmann und seinen Direktor Hassenreuter in Hauptmanns „Ratten" vor mir und ich glaube: für die üblichen Iudenstücke ist dieser Schauspieler mit den weiten Grenzen seiner Kunst nicht der geeignete Mann.- Sern Leiser Frenkel, dem'Reicher selbst, nicht der Autor, die Worte in den Mund gelegt hat, die ein menschliches Glaubensbekenntnis sind: „Es kann der Messias nicht kommen, wenn wir ihm nicht den Weg bereiten", beweist, daß dieser Künstler rricht bloße Schablone spielen kann. Dankbav verablchiedetü ich mich von ibrn. E, G, Fle ie-d.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.