Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1528 (15.5.1923)
- Date
- 1923-05-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9tt IM Men, Dienstag Sie Preissteigerungen. Tier Ander NM 5 Prozent gestiegen. >:• Die auf Gmund des Mbaugefetzes singssetztie parÄÄffche KcmNnliffivin hat nach vin>er amtlichen Berlautbamng gsstson Kon Jn-dex gemäß der hierfür fsstgelegt-en Mchoide nach Einvovmchme Vor Dachverständrgon berechnet und die Aenße- MNg abgegeben, daß sich die Kosten der LebenShMung vom Jj5, April bis 14. d. um fünf Prozent erhöht Haiden. Für den hohen Index ist hauptsächlich die Beebenerung der Fleisch«, Fe^- und Mehrpreise maßgebend gewesen. DextÄtvaven sind dagegen etwas bMger geworden. In msormiertien Kreisen nimmt man an, daß dile in dm letzten Da gm schüchtem zum Bonschein gekommene Tendenz der Preissenkung sich voranSsichtiliich verstärkm dürfte und vermutet, daß daS nächlstemal wahrscheinlich kein positiver Index mehr errechnet wer« den Wird. Für den Staat bedeutet der schichte Index eine Budget« belastung von 18 Milliarden, da sich die Bezüge dsr Staats« angestelltvn um 7,8 Märzjbezüge, von 156 auf 163,8 echichen. Was kostet das Wiener Pflaster? Das Stadtlbauamt hat sine Ausammenstslluing ausge- ^che'It'öt, welche die Aufwe>nIdun>M der Gemeinde Wien für die StraßeMchaltunig im heuviyon Jalhre orsichMch macht. MM man die Zahlen dem Aufwand für dis Sbraßenechal« tumg im Jahre 1913, der damals etwa dreieinhalb Millionen Kronen betrug, den jetzigen Leistungen der jGSmein-ds Wien gegenüber, so ergibt sich, daß die Gemeinde für die Straßen im heurigen Jahre -nngefähr doppelt so viel ausgilbt wie vor dem Kriege. Der erste Voranschlag im heurigen Jahve sicht für die GtraißemchaMng einen Betrag von siebzig M i l l i o r d e n Kronen vor. Dayu kommen nun. im Rahmsn des Nchstandsprogramms weitere 33 Milliarden, so daß insgesamt für diesen Zweck dreiundneunzig Milliarden anfgewsnbet werden. Der Bericht des Stadtbaumntts ficht die Um- Pflasterung und Ausbesfevung von nicht weniger als 37 3 Wienor Straßen vor. 3«m Schutze des Praters. Wie verlmritet, ist die Gichsrheidswache angewiesen worben, iin Interesse der Erhaltung der Kulturen im Prater auf pir CinIhaNling dar zum Schutze des Praters bestehenden Borsch«rüf<te, strenge zu achten. Anlaß zu dieser Verfügung hat vor allem der. Umstand gsgvben, daß das ,-wilde Fußballspiel" 'hm Prater dsrart übvchand genommen Hai, daß niicht nur die Anlagen zeötreten werden., sonder« auch schon Spaziergänger verletzt wovdsn sind. Ebenso sind Spaziergänger wiederholt schon durch Befahre« der Gehwege mit dsm Fahvrade, wie durch ein förm- §ich«S Wett fahren von AutomobAon gefährdet worden. - ' Künftighin soll allen diesen U-ebekständen auf das fchärsiste entgegengetret-en werden, und speziell daS Fußballspiel nur auf den vom Praterinspeliiorat bestimmten Platzen gsstartet werden, das sind die J e s u i t e n w i e s e, die angrenzende Wiese Üm Rüsten sch ach er, mit Ausnahme Mer Tmlo, welche cm die Hauptallee grenzen, die Sulzwiesie und die Wiesen längs des DonauLanals mit Ausnahme der Kaiser« schüttolwiese. Me AMengesellschast zur Berhsttung des Wiener Hstuserverfailr. Unter Führung des Herw Dr. GranichstädtenjCerva hat sich in Wien ein vorbereitendes Komitee gebildet, welches sich die Aufgabe gestellt hat, den Wiener Hausbesitz zu veraktionieren. Bekanntlich ist für den Hausbesitz von Sparkassen, beziehungsweise von Hypothekenanstalten, für Hausreparaturen kein Geld oder in den seltensten Fällen nur sehr wenig zu erhalten, was zur Folge hat, daß viele Häuser dem Verfalle entgegengehen. Dr. Gvamchstädten und seine Genossen halben nun ein Projekt ausgeavbeitet, welches dem Hausbesitzer es ermöglichen soll, durch Einbringung seines notleidenden Eigentums in eine Aktien'ges e l l s ch a f t, in der er die absolute Majorität behält, durch Verkauf von Aktien bis zu 49 Prozent sich Geld für Reparaturen zu verschaffen. Es wird also jemand durch Ankauf solcher Haus>aktien — nicht durch Ankauf eines Hausanteiles — TM-aber eines Hauses, das nun repariert werden kann, während der Eigentümer, da er die Majorität seiner. Hausaktien hat, einen größeren Ertrag feines ,mn reparierten Hauses genießen wwd. Die Proponenten des neuen Unternehmens haben, wie wir hören, ihr Projekt auch der Gemeindeverwaltung vorgelegt, damit diese dazu Stellung nehme. Bis jetzt ist aber von seiten der Gemeinde noch keine Stellungnahme erfolgt. __ Las Aend unter der Fudenfchaft der Krim. Laut Nachrichten , der Jüdischen Welchilfskonferenz aus der Krim 'befindet sich die dortige jüdische Bevölkerung in einer furchtbaren Notlage. Die angestammt jüdische Einwohnerschaft der Krim MM buchstäblich Hungers. So sind zivm Beispiel in Kavaftchazar, wo ungefähr 950V Juden leben, nichr als 400 Kinder unter 1L Jahren an Hunger und Epidemien zugrunde gegangen. . VERGNÜGUNGSPARK Direktion i BObm-Bronner Morgen Mittwoch den 16. Mai: Mene« Morgenzeitung. 15. Mai 1923 Seite » DIANABAD HEUTE ERÖFFNUNG DER SCHWIMMBÄDER UND DES WELLENBADES TÄGLICH FAMILIENBAD " *■" .F's ' MW Mitteilrmsen ns dem Publikum. pepciu Stein ChaimThau empfehlen sich als Verlobte ' Zablotow, im Mai 1923 Kuitus-u.Justiztalare u. Barette liefert in schönster Ausfiihrtmg dis bekannteste Spesialilrma 236 nnnniB F'AI neTPlW Ziviland Uniformschneider KUUULr UULDSlOn Wien.IL laborstr. 54. Tel.45-6*29 Gegründet 1866 - Oroße Auswahl feinster Stoffe für Maßbestellungen Die Jüdische WMsilfKkonftrenz hat in der letzten Zeit zur Linderung der Notlage unter der Judenschaft dsr Krim 2200 Kisten verschiedener Konserven und einen großen Transport Medikamente und Kleider nach der Krim gesandt. Der Vertreter der Krim-Gegierung und der Delegierte der Nansen- Kommission sprachen der Jüdischen Welthifskonsereng den Dank für ihre Hilfe aus. * Das Neueste ist...« Das Neueste ist nämlich der Berater. Vom Kompagnon oder Teilhaber unterscheidet er sich dadurch aufs Vorteilhafteste, daß er kein Geld hergibt, sondern nur dreinredet. Mr haben vorläufig einen Generalberater, der uns darüber belehrt, wieviel Kaffeebohnen die abgebaute Frau Qberpostamtrevident in ihren Kaffee tun darf und der obendrein noch zu Nutz und Frommen unseres Vaterlandes entdeckt hat, wie außergewöhnlich rasch und angenehm das Fortkommen in Brasilien ist, wenigstens das Fortkommen ans dem irdischen Jammertal. Neben dem Oberberater wird uns nun noch ein Berater für die Bundesbahnen beschert, der dafür sorgen wird, daß die Seßhaftigkeit in Oesterreich gefördert wird, ein Berater für das Tabakmonopol steht uns bevor, dessen Aufgabe es sein wird, der Nikotinabstinenz Freunde zu getotouwn, und wenn unsere Postverwaltnng dann etwa auch, noch durch ausländischen Rat unterstützt wird, dann dürfen wir auf eine Renaissance der Briefschreibekunst rechnen, denn dann werden sicherlich nur im äußersten Notfall oder nur für die Herausgabe im „Nachlaß" Briefe geschrieben werden. Der. gute Bürger steht verwirrt und beschämt der Ueberfülle an Teilnahme und Ratsbereitschaft gegenüber, die sich über uns ergießt und weiß nicht, ob er sich zuerst der unangetasteten wirtschaftlichen Unabhängigkeit Oesterreichs freuen oder ihre Notwendigkeit beklagen soll. Dringend wünschenswert aber erscheint iss jedermann, daß das System eine wettere Ansgeftaltiung erfährt. Wir nennen ja, gottlob, noch Bundestheater unser eigen, die, gottlob, auch ein. tüchtiges Defizit haben und sehr ratsbedürftig sind, wir haben Staatsschulen, die nicht ertragreich sind, wir haben zweieinviertel Bergwerke, Forste, Gärten, Wasserkräfte, Wi!nd, Sonnonscheijn, Ragen und Luft, schr, sehr viel öirftu Für die Verwaltung dicher Natnvkräfte brauchen wir Berater. Wenn schon unsere Finanzen nicht dadurch saniert werden, dann doch sicherlich die Finanzen der freundlichen Ratgeber selbst. Denn immer mehr lernen wir die alte Spruchweisheit verstehen: guter Rat ist teuer. Kater Murr. * Dgs Wort Gottes. Me Besucher der Rudolfski.vche in der Märzstraße hatten am Mittwoch und am Donnerstag Gelegenheit, das Wort Gottes in einer etwas seltsamen Form zu vernehmen. Der Priester, der \v dieser Kirche die Lehren des Christentums verkünden soll, hat nämlich eine etwas — sagen wir eigentümliche Auffassung dieser Aufgabe und scheint geglaubt zu haben, in einer christlichsozialen Wählerversammllung zu sein, denn anstatt von Nächstenliebe, Gottes Güte und arideren Dingen der Erbauung gu sprechen, benützte dieser würdige Diener der Kirche 'die Kanzel zu politisch-antisemitischen Hetzreden. Am Mittlvoch hatte er. es scharf auf die Sozialdemokraten und donnert« kräftig gegen diese. Der eigentliche Geist aber kam am Donnerstag Mer chn. An diesem Tage erging sich der Priester chen Namen konnten wir leider bisher Dicht feststellen) in wüsten Schmähungen gegen die Juden. Es scheint, daß der streitbare Herr alle Hetzplakate der Hakenkrenzler auswendig gelernt hat und diese Ergüsse zum Text für seine Predigten wählt. Die Erbauungsreden richten sich besonders gegen die Ostjuden, die. an allem Unheil schuld sein sollen und gegen die man dcher zu Felde ziehen müsse. Er predigte mit einem Wort den ,Haöerckreuzzug" genau so wie vor etlichen Jahrhunderten sein Vorbild Johann Capistranus von der Kanzel am Stephansdom zum Judemnord auftref. Und genau so wie im dunklen Mittelalter darf es der Hetzer im geistlichen Ornat auch heule ungestraft tun, da es in Oesterreich bis heute keinen „Kanzelparagraphen" gibt, der, wie in Deutschland, den Mißbrauch der Kanzel zu politischen Zwecken verbietet. Jedenfalls ist dieses Debüt eine höchst merkwürdige Art, Gott zudienen. * Chewra Kadischa, 12. bis 15. Bezirk. Am 39. April d. I. fand die Generalversammlung der Chewra Kadifcha für den 18. bis 16. Bezirk statt. In Vertretung des Präsidenten bekpüßt der Vizepräsident Herr Oskar Goldschmied die Erschienenen, besonders die Deleaicrten der Kulttisameinde, und zwar Herrn Kommerzialrat Markus und dm Obmann des Dempelvostmrdes Herrn S. Bernhard, und gedenkt sodann jener Mi-tglieder, die durch 'den Tod abgegangen sind. Nach einem Rückblick über dtt Tätigkeit des Vereins erstattete Herr Löw h den Rechenschaftsbericht; es wurde beschlossen, den Mitgliedsbeitrag auf 16.000 K. festzusetzen. Hernach wurde der alte Vorstand Par acclamation wiedergewählt, und Kwar: Goldschmivd, Fritz und Radingor. * Auf fremden" Gruud und Boden. Die jüdischen Einwohner des Städtchens Zwierzyniez tn Polen wurden, wie seinerzeit berichtet, vor mehreren Monaten durch Gutsknechte des Grafen Zamojski aus ihren Häusem vertrieben und die Häuser selbst zerstört, weil oiese angeblich auf einem der Familie Zamojski gehörigen Grund aufgebaut waren. Diese Häuser standen aber seit hundert und mehr Jabren auf demselben Grund. Ein Appell der vertriebenen Juden an das Lubliner Kreisgericht hatte keinen Erfolg. Nunmehr befinden sich die vertriebenen 80 Familien in kritischer Lage, da sie infolge der großen Wohnungsnot kein Obdach finden können. Die vertriebenen Familien sandten eine Delegation an die Warschauer Joint-Abteilung mit der Bitte um Hilfe.. Die Leitung des Joint stellte eine Geldzuwendung für den Ankauf von Grundstücken zwecks Aufbau der zerstörten Häuser in Aussicht, knüpfte aber daran die Bedingung, bafr Die Warschauer jüdischen Philanthropen auch ihrerseits eine entsprechende Summe beisteuern. * Lag'baomer-Fsier. Sonntag den 6. d. veranstaltete die Jüdische Tischgesellschaft Breiteimsee iim Festsaale der Zionistischen BezirPssektion 18-16 eine Laig^baomer-Feier zugunftm der hebräiljchm Schule Breitensee. Obmann Max Sprinzelis eröftnete die Feier und betonte die Wicht igle it der veraMaltmdm Gssellfchaft für die Wische Arbeit im Bszirk, insbesondere ans dem Gelbiete der Jugeudevzichung. Es folgten hebräische und Wische Lieder, von Frau Hilda Dnlicka meistechaft Vovgetragen. Qbevkcvntor Pordes sang jüdische Melodim, von Prof. Hermann GhMch trefflich bereitet. Frl. Rita Regenbogen, ein junges, talenttertes MMied der Tifchzeisellschast, rezitierte Gedichte, worauf Prof. Ehrlich die schöne Feier mit dem Vortrag eigmer Kompositionen beschloß. * „Neue Wege in Palästina", lieber dieses Thema spricht heute, halb 8 Uhr abends, der bekannte Wiener SchrWteller Arnold Höllriegel O)r, Richard A. Bermann) im Festsaale des G e w e r b e v e r e i n s 1. Bez>. Eschenbachgasse Nr. 11. Arnold Höllriegel, der soeben von einer Reise durch das jüdische Palästrna Mrückgekchrt ist und dessen Aussätze Über die Mischen Pioniere und die neuen jüdischen Kolonien großes Aufsehen erregen, wird die Eindrücke, die er während dieser Studienreife enrpfing, zusammenfassend wiedergsben. Der Abend wird vom Zionistischen Verein ehemaliger Akademiker veranstaltet. * Palästina-Dienst des Service Maritime Roumain. Die Gesellschaft Service Maritime Roumain nimmt mittels Eilpostdampfer einen regelmäßigen Schiffsdienst zwischen Konstanza, Konstantinopel, Haifa, Jaffa und Alexandrien und retour auf. Das erste Schiff, die „Romaia", sollte am 1. Mai von Konstanza abdampfen und am 6. Mai in Haifa und am 6. Mai in Jaffa eintrefsen. * Jüdisches Realgymnasium. Anmeldungen von Schülern für die 1. bis 6. Klasse werden bis Ende Mai täglich zwischen 11 bis 18 Uhr in der DirMonskanzlei, 2. Bez., Castellez« gaffe 86, entgegengenommen; daselbst werden auch alle gewünschten Auskünfte erteilt. wünschten Auskünfte erteilt. Wahl derschönsteaf rauWiens 3 Preise im Werte von 5 Millionen Venetianische Nacht mit Koriandolikorso und Belustigungen Bai champetre (Tanz im Freien) ESST* f'a*! "rn«sri VaricUm e - — u> - > .,,n! *i Iv’noll n " S*ä