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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-11 · Heft 1524 (11.5.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1524 (11.5.1923)
Date
1923-05-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. Ifeyi Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 11. Aia: 1923 Vene 3 jldere verlangen. Wir wollen dem Staate Polen unsere Äten Kräfte zur Verfügung stellen. Das Wohl des Ganzer: t natürlich auch das Wohl eines Teilest Unser Ansehen im sejrn ist trotz allem äußeren -Schein ein sehr hohes — bei. hnen, die urteilsfähig sind. - „Was ist der Grmnd dev oppositionellen Stellung des Mischen Klubs?" . . . - Unsere oppositionelle Stellung ist keine prrnzrprelle, oie wir oft erklärt haben. Wir lehnen aber jede Tendenz ch, die uns die durch die Konstitution gewährleistete vleichberechigung nehmen oder auch nur schmälern will. Hede loyale, dem Wohle der Gesamtheit ohne Ausnahmen twchstrebende Regierung darf unbedingt auf unsere Unterstützung rechnen. Man meint draußen in der Welt im allgemeinen, die Frage der nationalen Minderheiten sei unlösbar. Ich teile diese Ansicht nicht, glaube vielmehr, daß diese Frage, welche keine speziell Polnische, sondern eine ziemlich allgemeine ist, mit der Zeit in ein Stadium kommen wird, wo es im Sinne des amerikanischer: Prinzips des Selbstbesümmungsreches aller Nationalitäten und des Versailler V-rtrages zu ihrer Lösung kommen wird. Man wird sich Überzeugen, daß die gerechte Regelung des Nationalitäten- Problems nicht nur nicht schädlich, sondern in hohem Maße wohltätig auf das Leben der Völker wirken wird. „Welche Gründe haben zum Neuaufleben des Antisemitismus in Polen geführt?" Die Heftigkeit des gegenwärtigen Antisemitismus in Polen führe ich unter anderem auch auf den Umstand zurück, daß die führende Rolle in der Politik demjenigen Teil der polnischen Nation zufiel, der während des Zarenregimes die tiefe Erniedrigung der Juden geschaut hat. Seine eigene Entrechtung sah der Pole als Verbrechen an, die der anderen wurde „zum liebgewordenen Brauch". Polen ist neugeboren. Heute nach fast fünfiährigem Bestand steckt das politische Leben noch in den Kinderschuhen. Wenn das Land an Kraft und Einsicht wachsen wird, dann wird es deutlicher erkennen, welchen Schatz an kulturellen, wirtschaftlichen und auch politischen Werten es an seiner fast vier Millionen starben Judenheit besitzt. Sesterreich. ßine Aede des Bundeskanzlers ln Salzburg. . Salzburg, 10. Mai. Bundeskanzler Dr. Seipel erschien heute in der Handels- und Gewerbekammer, wo imter-dem Vorsitz des Bürgermeisters Preis eine Tagung des Landesgewerbebundes stattfand. Nach den Begrüßuugsworten durch den Bürgermeister ergriff der Bundeskanzler das Wort und.führte aus: . Wie es überall in der' Welt der Fall ist, haben auch wir manche Einrichtungen geschaffen, die sich nicht vollständig bewährt -haben; es sind gewiß auch bei uns Einrichtungen getroffen worden, die niemals Hütten eingeführt werden sollen. Wenn <Ae nun die Frage aufwerfen, wie ist es gekommen, daß in der Umsturzzeit die Entwicklung so sehr nach einer bestimmten Richtung hin sich vollzogen hat und die anderen nicht so stark zum Wort gekommen sind, antworte ich: well die Organisation der Gegenseite älter war, weil sie stärker und energischer durchgeführt wurde. Wenn Sie aber glauben, daß die Mehrheit aller nichtsozialistisch orientierten Gruppen, die Regierungsmehrheit, allein schon genüge, um rasch und sicher geirug jetzt alles in jene Entwicklungsbahnen zu lenkendie im Interesse der von ihnen vertretenen Stände eingehalten werden müsste so täuschen Sie sich. Es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, «wenn Sie nicht Mitwirken. Die Regierung ist stets bemüht, kerne Verfügungen ohne Anhörung der interessierten Kreise hinauszugeben. . In aner Volksversammlung sagte Dr. Seipel: Wenn Die mich heute fragen, ob ich Ihnen mit gutem Gewissen sagen kann: Oesterreich wird gerettet 'werden, so kann ich d a s t u n, und zwar im Vertrauen darauf, daß das österreichische Volk den zur Sanierung beschvittenen Weg als richtig erkannt hat und ihn nicht mehr verlassen wird. Der Bundeskanzler -betonte sodann die Wichtigkeit des §nit Italien abgeschlossenen, Handelsvertrages, durch den der erste Weg geöffnet werdender hinaussühre. aus den Amklannnemng<M wirtschaftlicher Natur, hinaus aus bm Verbotsystem in Handel und Verkehr. Dieser Weg müsse weiter gegangen werden. Wir werden, erklärte der Bundeskanzler, nich: rasten und ruAn, As wir so weit gekommen sind, da s Handel und Verkehr und damit Industrie und Gewerbe und unsere ganze BoKswirtschaft wieder genug Lust haben, frei atmen zu können.! Der Bundeskanzler teilte mit, -daß' die Bundesregierung in wenigen Tagen Mit dem Plane der v ollkomwenen Umgestaltung der öffterretchischen Bundesbahnverwaltung herbovtre-ten Wörde. Wenn dieses Werk gelingt, dann kann die Regierung auch daran gehen, manches nachzuWen, was jetzt Zurückbleiben Mußte: die Reform der Befoldungsberhältn i s f e der öffentlichen Angestellten, die Investitionen fiir ösfentliHe Arb^it-en usw, Hollands Garmtie. Haüg, 10. Mwr. In der zweiten KanWer -wurde in -ex Debatte über den Regierungsentwurf betreffend die Beteiligung der/Niederlande an der Gawntrewng der Bölkevbundanleihe für Oesterreich von mehreren Rednern ch Weisungen an den englischen Vertreter. London, 10. Mai. (Havas.) LoÄ Curzon hat dem 'britischen Vertreter in Moskau die Weisung erteilt, Moskau zu verlassen, falls die Solvjetregierung die britische Note nicht binnen zehn.Tagen beantwortet. Baldwin teilte im Unterhause auf eine Anfmge Maedonalds mit, daß eim Gelegenheit für eine D e b a t t e u n d eine Ab st i mm u n g über die Frage der^ russischen Note gegeben werden würde. Die Eröffnung könm am Dienstag stattfinden. Der Moskauer Berichterstatter des „Manchester Guardian" berichtet, er habe mit verschiedenen Mitgliedern BBBKSBaiHHZHHBKHHnnnEBaMnBHanaBflnHiHnnBgnBnKflK a ■ Zionistische Frauenorganisation Wien Morgen Samstag den 12. Mai, 4 Uhr nachmittags, im Hotel Continental grosses Jüdisches ■ iFMUENMEETING: ■ Hednerinnen: Frau Abg. Melzer-Pomeranz (Polen), jj Frau Na Margulles (Berlin), Frau , Moshenson (Palästina), ■ Frau Turnowaky (Berlin). Jj 5 Jüdische Frauen, erscheinet in Massen!! der Wunsch nach Abänderung an dem Entwurf ausgesprochen. Zu di-esem Zwecke -wurde aus Ersuchen des Ministers des Aeußern die Beratung auf den 23. Mai vertagt. Wlludermlg der Gewerbeordnung. Die Bundesregierung bereitet gegenwärtig eine Verordnung vor, wonach die Gew erbeord n u n g in mehreren Punkten Abänderungen erfahren soll. So soll das Einvernehmen, das mit den Genossenschaften gepflogen werden muß, oder deren Anhörung in den §§ 1,13 a, 14 a, 14 d, 23 usw. gestrichen werden, da die Befolgung dieser Bovschrist mit Rücksicht auf die große Zahl dieser Körperschaften schon aus formalen Gründen schwer möglich ist und das Gutachten dieser Körperschaften schon bisher in den meisten Fällen nicht nmnitttlbar, sondern im Wege 'der Kammern für Handel, Gewerbe und Industrie eiygeholt wurde. Eine zweite wichtige Abänderung betrifft die Einschränkung des Jnstanzenz u g e s. In Fragen des „freien Ermessens soll der Jnstanzenzuges schon beim Landeshauptmann enden. Diese Bestimmung soll für Wien nicht gelten. (,Mr. Nachr.") Ale». Fachs Reise. Warschau, 10. Mai. (Köln. TÄ.-Ag.) Marschall Foch ist gestern MH von Posen zmAckgekehrt. Er wurde im Bahnhof von einer untzcheurm Menschenmenge stürmisch aMamievt. Abends reiste der Marschall nach Lemberg ab, wo er einen Tag verweibm wird. Sodann wird er sich für drei Tage nach Krakau begeben und am Sonntag nach der Tfchecho-Slowakei reisen. Parteilonfereuzeu der Witos-Yartei. Warschau, 10. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Hiev tagte eine Konferenz des Warschauer Kreises der Mtos- Partei unter dom Präsidium des Abg. Dombski. An der Konferenz nahmen 2200 Delegierte teil, unter denen auch Vi-Äe ans den anderen Woiwodschaften erschienen waren. Nach dam Referat des Abg. D o-m b-sk i wurde ihm einstimmig das Vertrauen ausgeDrochen, die Koalition mit don Nationaldemvkvaten abgÄöhnt, die Schaffung einer parlamentarischen Regierung gefordert, die sich nur auf die demokratischen Parteien stützen soll. Man nimmt in gut-unterrichteten Kreisen an, daß Wg. Dombski die Bestrebungen Wrtos' a:ff Perfektion'ieruntz seiner Abmachungen E den Nationaldemokraten energisch bekämpfen wird. Sollte Witos jedoch, desM ungeachtet, die DerhaMuugen mit -den Nationalldemokraten abMießen, so Mterliegt es keinen: Zweifel, daß Abg. Dombskii mit feinen Anhängen: ans dev Witos-Partei anstreten wird. Interessant. ist, 'daß di« Konferenz in der Woiwodschaft Krakau Wütos voststes Vertrauen für feine Bemühungen zur Schaffung einer rein tz-ol.-nii-schen Majorität ausgesprochen hat. Re FahrMtge 1898 As 1993 erhalten (eine AuslandspMe. Aus Warschau wird uns berichtet: In: Sinne.des neuen Erlasses des Kriegstmnisteriuims dürfen den Angehörigen der Jahrgänge 1898, 1899 lmfo 1900, die diensttauglich find, keine Pässe ins Ausland ausgefolgt werden. Die Jahrgänge 1902 und 1903 können ebenfalls keine Auslandspässe echcllton. Der Verband der panischen Reserüeosifizteyr für den Ausschluß der Inden. Ans Warschau schreibt, man. uns: der russischen Regierung gesprochen, die dagegen protestiert hätten, -daß die britische Note in Form eines; Ultimat u m s gehalten sei. Einige der Forderungen böten nur geringe Schwierigkeiten, andere gingen sehr weit. kutsendung eines englisches Kriegsschiffes. London, 10. Mai. (Wolff.) Die Russen haben neuerlich einen englischen Fischdampfer im Weißen Meer beschlagnahmt. Ein britisches Kriegsschiff habe Befchl erhalten, heute von Hüll nach der russischen Küste zum Schutze der britischen Fischerfahrzeuge abzugehen. ■HBWaBBaMMBMSBMtMMSBMBMBBBBMBHilllllBIIHil)llllll II11W»SEBBaft Wie bereits gemeldet, hat vor einigen Wochen die Warschauer Organisation des Verbandes der Reserveoffiziere den Beschluß gefaßt, die Inden aus ihrem Verbände ansgu-» schlließen. Dieser Beschluß mußte jedoch durch die Konferenz der Delegierten sämtlicher diesem^Verbande unterstellten Or. ganisationen bestätigt werden. Die letzthin in Warschau tagendz Konferenz hat nun nach langen Debatten den Bejschll'uß ge. faßt, daß dem Verbände der Rcherveolffiziere „nur ge« borene Polen" mit Ausschluß der Juden äuge, 'hören «können. Selbst getaufte Juden können dein Ver. bande nicht ange-hörem Die bereits dem Verbände angohören. den jüdischen MMieder werden ans dem Verbände ausgeschlossen. Die,^3ratnia Pomoe". Die große pvknische Studentenorganisation Bratnia Pomvc (Prüdechillfe), die für chre Hiffs. institutionen sehr ost an die jüdischen Kreise a p p e l. liert, pflegt seit einiger Zeit immer 'deutlicher eine ausgesprochen antisemitische -Tendenz. Am ÄeMberger Pollytechnikunz beschloß Bratnia Pomoc, aus ihren wissenschaftlichen Zir-ksämtliche Juden, auch Assimilanten, auszuschließen. Die an der Warschauer freien Universität bestehende Bratniq Pomoc beschloß sämtliche Juden zu entfernen. Der Protest des Rektovs K-alin'owski gegen den Ausschluß del Juden wurde nicht ibeachtet. Die unabhängigen, sowie die so. zialistffchen Mademiker an der freien Universität legten gegeq den Ausschluß der Juden einen stieEchen Protzt ein, woraus der Ausschuß der Bratnia Pomoc seine Dyniffchn einreichte. Ma«e». Ausweisung der Wiluaer Fude«. Kowno, 10. Mai. (Tel. h. ,Mr. MovgjeWitunff^ Die Regierung hat eine Vewvdrmng erlassen, wonach die ans Wilna stammenden Inden-ans Lrtauen aus ge. wiesen tverden. Auf diese Weife rÄhnet die Regierunz die Zahl der jüdischen WAMewWaHt zu dev kleinern. Durchführung dieser Vevordmurg wurd, bereits mit der gegenwärtig in Litauen eigenen Brutalitä! durchgeführt. Die Ausgewiesewm werden Vis zur Grenz, von MilitarPatroMen geführt, miWmMb und ausge. raubt. Eine Deputation der jüdischen! Frauen ersuchte de« jüdischen Minister Friedmann mtt JnterveMon bei -der Regierung. Friedman« erklä«rte jedoch, daß er gegen diß Ausweisungen weder protestieren noch bei der Regierung einschreiten werde. Es ist festzuhaAen, daß die litauische Regierung, die vor zwei Jahren die Wllnaer J.udenschafs für den Anschluß an Litauen aufforderte, herrte die ir Litauen lebenden Mluaer Inden ausweist.- Viel inter essantev ist allerdings, daß der Mische Minister Frial mann diese Praxis der Regierung billigt M deckt. Rundschau. ßrmordung des mUchen Bertteters iu Laujauue. Lausanne. 10. Mai. (Wolff.) De» russische Bevollmächtigte Woromski ist ermordet morde». Re Botschafterkoufere«;. Paris, 10. Mai. (Havas.) Die BotschafteMnferenz hat sich in ihrer gestrigen Sitzung mit der M i Xi t ä r k o trolle in Ungarn und Bn-lgarten, beschäftigt. Es wurde festgesteM, daß die interalliierte Ko-ntrollkommiffion unter schwievigen Verhältniffen arbeite. Die Konferenz hat die geeigneten 'Mittel erwogen, um diesem Zustande abzuhelfen. Fermer beschäftigte sich die Konferenz mit der weiteren Prüfung der Frage der Aufteilung des rollenden Materials zwischen Ungarn rrnd Oesterreich. schließlich hat die Konferenz einen Prdkest gegen dr>. voreiligen Beschluß Litauens vorberciter, wonach der Stadt M e me l ein autonomes Regüne gewährt werde, sowie gegen die um-Mrzlerische Proklanration des Oberkommandanten der litauischen Armee, die auf die Wiederbesitznahme von Wilna abzielt. GROSSE OKKASION SSrSra!! Schiffmann II., TaborsfraUe 48 Telephon 47-1-7S En gros En detail

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