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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-10 · Heft 1523 (10.5.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1523 (10.5.1923)
Date
1923-05-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 1523 Wie», Donnerstag Wiener Morgenzeitung. 10. Mar 1923 .Xk «LeEtrffchen Zugsördemng das größte Augennrerr zuwenden, sD« Berichterstatter bittet den Minister um eine Aeußerumg, ob nicht ekle Erhöhung dev Dr die elektrische Zugchörldermvg paryesähenen Summen möglich ist. Unter Berücksichtigung des!jkn Voranschlags vorgesehenen Mbauos entfallen nunmehr den Betrie LLLLlometer durchschnittlich 17 Bedienstete. Wgevrldneter Dv. EMenbogem wenldete sich gegen Me Darstellung, M ob die Eisenbahnen nur wegen des Per- >jsom<tWbechlufles ein so großes Dsfizit anstoeiifen, und ölagte iden Buwaurvatismus des FinanMinisteriums vsif-enMch an, daß er durch seine intransigente Haltung die Bereitstellung jtem Mitteln für den Ausbau der W-eiktrifizierung der Staatsbahnen verhindert und dadurch zur Verteuerung der Baukosten wesenMch beigetragen habe. Schließlich verlaargte er die Erhöhung des für die Elektvilfizievung der Staatsbahnen prälimirvierten Betrages auf 900 Milliarden Kronen. Abgeordneter Haider (christlichsozial) trat entschieden gegen eine Entstaatlichung der Bundesbahnen ein. Abgeordneter Dr. Strassner bemerkte, daß die in der letzten Zeit geübte Kritik an den Bundesbahnen nicht so sehr den Zweck versorgt zu haben scheine, die Bundesbahnen jtt sanieren, als den, die Bundesbahnen in die Hände eines Privatmonvpols hinübevzuspielen. BurgenMdlscher Landtag. Sauerbrunn» 9. Mai. Der burgenländische Landtag erledigte in zwei Sitzungen den Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung des BudgetprovisoriumS vom 1. Mai bis 30. Juni, ferner das Gesetz betrefend die Frem-der^immevabgabe sowie ein Gesetz betreffend die Erhöhung der Heimatgebühren auf daS Vierfache. Prozeß Hornik—Appenheim. Gestern erschien Finanzminister a. D. Dr. Grimm beim Präsidenten des Nationalrates Dr. Weiskirchn-er und stellte das Verlangen, es möge ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß eingesetzt werden, der sein Verhalten M der Angelegenheit der Sachdsmobilisierung zu prüfen hat. In den politischen Kreisen hat der Verlaus des Prozesses die peinlichste Sensationerregt. Es bestehen zwei Pläne; der eine geht dahin, über alle Einzelheiten dieser schmutzigen Geschichte Gras wachsen zu lassen. Der andere bezweckt, alle im Verlause des Prozeßverfahrens zur Sprache gebrachten Korruptionsassären, und zwar die Affäre Brück, die Affären Dalphiner und Läufer, die Affäre der Milttärkangilei des Rumänischen Wirtschastsstabes und die mysteriöse Angelegenheit Mit den Schweizer Franke« zum Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung An mache«.; Sie Hakenkreuzler. Gestern vormittags wurde wieder ein W e r b c a u s r u f per Natlonalsogialisten plakatiert, der unter dom Scheine einer Polemik gegen die Sozialdemokratie wegen der Fadoritner Vorfälle sich über Terror beschwert und eine neuerliche konzentrierte Uebersicht des antisemitischen Kodex bringt. Daß in Favoriten ein Hakenkreuzler einen Arbeiter angeschossen hat, flckd in dieser SMevei nicht erwähnt.! Eine ^maßgebende Stelle" teilt mit, daß der Oberst Pan er wohl in Wien war, jetzt aber wieder eine andere Gegend beglückt. Wechabb ist dieser steckbrieflich verfolgte Puischhetzev nicht bei seiner Anwesenheit in Wien angchalten und in seiHe HeÄnai abgeschoben worden? i Wie die ,Munde" nritteitt, ist der gewesene deutschradAalv Abgeordnete von Znaim, der gewesene erste arische GnrkerchäMer, gewesener Kreisha-uptiinam: und Monarchist, Oskar Teufel, gegenwärtig emsig mit der Hakenkreuzlerci beschäftigt. Er verwaltet die Gelder und nimmt die Bofehlle des Auslandes entgegen. Schöne Seelen finden sich, Ungarn. Schwere Wahlniederlage der Erwachenden in SelegyhM. Felegyhaza ist bis noch vor kurzen: die Hauptstadt des thrisMchnationalen Tenors in dom Gebiete Kvischen Theiß und Donau gewesen. Eine uneiinnchmlbare Burg des magyarischen Rassenhasses unter der Meinheryschast derer von Hejjas. Vor wenigen Tagen wurde diese Festung des Erwachenden Magyarentums nach Mverem Kampfe eingenommen und die Erwacheuden ai:s Hr, wir wollen hoffen, für immer, vcrtri-eben. Vor einigen Tagen hat nämlich in dieser Stadt der ungarischen Ebene die Wahl für die Stadt rep rasen tanz stattgefnnden, und von den zur Besetzung gelangten 100 Gemeinderatsstellen wurden nicht weniger als 91 von den liberalen Achtundvierziger« errungen. Leicht war dieser Wahlkamps nichts denn eine ganze Woche vocher zogen tagtäglich die aus der Fremde herbeigem-femn Sturmtrupps der Erwachenden durch die Stadt, zertrümmerten die Fenster der von Inden und bekannten nichWdischen Liberalen bewohnten Häuser, behelligten mit ihren Guminiknübteln und Bleistöcken die Passanten, terrorisierten die jüdischen Kausloute und demokratischen Bauer« und drohten mit Pogromen und Plünderungen für den Fall, als die Liste der Erwachenden >Ungaivn bei. der Wahl unterliegen sollte. Der Terror hat diesmal sein Ziel nicht erreicht. Einfache Bckuevn, Arbeiter und Kausleute erklärten in der WahlversMmnlnng, daß sie sich dev traurigen Rolle schöanen, die Felegyhaza während der letzten vier Jcchre inder Geschichte Ungarns gespielt habe. Die ungarischen Brüder in AmereLa, die aus dem Als old in das demokratische Wer einJahresabountzment auf die „Wr. Morgenzeitung" im voraus bis rnm so. Mai 1923 bezahlt erhält das jüdische Slandardwerkr Graetz, „Geschichte der Süden" in drei elegMten Geschenkbänden (1931 Seiten stark, derzeitiger Ladenpreis zirka 200.000 Kronen) MÜS Dieses große historische Werk, einzig in der Literatur dastehend, schildert in erschöpfender. «ahrhettsgetrener und objektiver Weise die Geschichte der Juden non den Attesten Zeilen bis aus die Gegenwart. Unbestritten bleibl der Ruhm von Prof. Drz Keinrich Sraetz als Geschichtsschreiber des jüdischen Volkes. Er war der erste wahrhaft jüdische Geschichtsschreiber «nd ist bisher der einzige geblieben. Mil feinem Ohr hat Graetz überall die ttefranichende«- Quellen» welche das Seelenleben des jüdischen Volkes Snrchströmen» erlanscht; in gewandtem Stile entrollte er die denkwürdige Geschichte des jüdischen Volkes. Der Dersasser hat nicht nur neue Quellen erschlossen, er hat den bereits erschlossenen nicht selten neue Gesichtspunkte und überraschende AnsktLrungen abgewonnen. Das Geschichtswerk von Graetz ist zum Gemeingut der Jndenheit auf dem Erdenrund geworden. Kein jüdisches Saus ohne die .Geschichte der Zudeu" von Professor Dr. Heinrich Graetz Für die Erwerbung der Prämie sind folgende Jahresabonnementpreise einzuzahlen: Für Wien und Oesterreich SS0.888 K. (i n W i e n kann derBezug der „Wiener Morgen zeit rrng" durch j e d e T r a f i k erfolgen), sür die Tfchechv- Elowakei 204 tschechische Kronen, sür Jugoslawien SVV Dinar, sür Polen 290.800 polnische Mark, sür Rumänien 1288 Lei. sür Bulgarien 730 Lewa» für Deutschland 288.888 Reichsmark» für Italien 128 Lire, für Belgien und Frankreich 188 Franes» sür die anderen Lander das zwölfsache des am Kopse -es Blattes ersichtlicher Monalsbezugspreises. Die Verwaltung der „Wiener Morgeuzeitung" Wien. 2. Dez., Taborstrahe 1-3 Amerika ausgewanderi sind, hätten erklärt, ihre Heimat verleugnen zu wollen, wem: sie sich nach wie vor von der Politik des Hasses terrorisieren lasse. Dieses Schamgefühl und das Gchühl der Neue über die im Gelbi-et zwischen Donau und Theiß, ganz besonders in Felegyhaza begangenen Verbrechen an Juden und Arbeitern hat nun am Wahltag den Sieg davonigetragen und man knüpft in Ungarn an diesen beidentsamen Wahlsieg die Hoffnung, daß nunmehr auch in anderen vom weißen Terror eingeschüchterten Gebieten der' Mut zum Kamps gegen den Terror mit Erfolg ausleben werde. Sie Anleihereise der ««»arische» Minister Budapest, 9. Mai. (Tel. der „Wr. Movgenztg.") MnisterpräsDent Bethlen und Firanzmimster Kallah begeben sich Sonntag aus London nach Rom. Wildwest in Budapest. Budapest, 9. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im Borort Pest Szent Lörincz hat sich heute nachts ein Mutiges Drama abgespielt. Der Geheimpolizist Stephan Nemeth forderte eine betrunkene Gesellschaft zur Ausweisleistung aus. Drei Mitglieder legitimierten sich anstandslos, ein vierter aber, der Handlungsgehilfe Vasko leistete Widerstand, beschimpfte den Polizisten und gisrf ihn tätlich an. Darauf zog der Geheimpolizist den Revolver und schaß Vasko nieder. Der Mann starb, von vier Kugeln getroffen, aus der Stelle. Die drei Begleiter Vaskos wurden wegen Gewaltanwendung gegen die Behörde, der Polizist Nemeth wegen vorsätzlicher Tötung in Haft genommen. Streik dei de« Budapester Berstcherrmgsanftattra. Budapest, 9. Mai. (Tel.-iKomp.) Unter den Kaufmännischen Angestellten und den Bankbeamten ist eine Lohnbewegung im Gange, der . sich auch, die Angestellten der Versichernngsgesellschasten angefchllossen haben. Bei der Versicherungsgesellschaft Phönix und der Nationalen Unifallversicherungsgesellschaft sind die Beamten bereits in den Ausstand getreten. Budapest ohne Kleingebäck. Aus Budapest wird,gemeldet: Jnifobge der Austfperrung dev Bäckergehibfen Meb heute Budapest ohne Kleingebäcks Die Brotfabriken arbeiten weiter und in der Brotversorgnng der Stadt trat auch keine Störung ein, weil in Budapest die Fa- Milien meistens selber ihr Brot backen. Se ite H Men. ki« polnisch-englisches Wirtschaftsabkommen. Berlin, 9. Mai. (Tel.^Komp.) „Ost-Expreß" meldet' auSj Warschau: In den nächsten Tagen begibt sich eine polnische Delegation nach London zu Vechandlnngen über den Abschluß eines polnisch-englischen Wirtschaftsabkommens. Die Leitung der Vechandlnngen Wernimmt. der polnische Gesandte tn: London und ehemalige Außenminister Skirmunt. Bombenwürfe in Kraka«. Aus Krakau wird uns berichtet: In das Lolval dev Mischen Arbeiterorganisation „Bund" wurde eine B o m 6 e geschleudert. Das Lokal wurde gänzlich vernichtet, zun: Glück befand sich niema-nd darin. Cs wird angeno>mn:en, daß dieses Attentat von denselben Personen ausgchührt wurde, die vor kurzem das Haus des Rektors Nathansohn und das Theatergebände Bagatella, wo die Wilnaer Tr::ppe austrat, Bomben geworfen haben. Fochs Besuch in Lemberg. Aus Lemberg meldet man uns: Marschall Fach soll am 10. d. hier eintrefsen. Es schien eine Zeitlang'Iweifel'haift, vb Fach auf seiner Reise durch Polen auch Lemberg besuchen werde, und man sprach sogar davon, daß gewisse Bedenken in Hinsicht aus die persönliche Sichecheit des Gastes obwalten. Scheinbar rm Zusammenhang mit der bevorstehenden Ankunst des Marischalls Foch hat die hiesige Polizeidirektion die für den 10. d. anberaumt gewefeue Konferenz der ukrainisch-nationalen OvgaNffation verboten, jedoch 'den Einiberusern gleichzeitig bekannigegöben, daß sie gegen die Einberufung der Konferenz zu einem späteren Termin nichts einzuwenden habe. Einberufung der Aiomstischen Landeskonferenz in Ostgalizien. Aus Lemberg wird uns gemeldet: Die diesjährige Zion Mische Landeskonferenz soll für die letzten Junitage einbernfen werden. Man rechnet damit, daß dann bereits die polnischen Pavlamentsferien begannen haben werden, und so den zionistischen Sejmdeputierten und Senatoren die Teilnabwan der Landeskonferenz ermöglicht werden dürfte. Rundschau. Das Urteil von Werden. Im Reichstag. Berlin, 9. Mai. Im Reichstag führte bei Einritt i« die Tagesordnung Präsident Loebe zu dem gestrigen Ur-. teil im Kruplp-Prozeff und dem gestrigen Mainzer Urteil gegen die Gewerkschaftsführer der Eisenbahner aus: Landfremde militärische Richter haben den Versuch gemacht, den Mord an den Essener Arbeitern dadurrch zu verhüllen, daß sie die Landsleute der Ermordeten zu jahrzehntelangem Kerker verurtellten. (Lebhafte Pfuirufe.) Sie geben sich wM der kindischen Auffassung hin, daß sie die Augen der Welt damit blenden können. Ich beklage den Haß, der dadurch zwffchen zwei Völkern gesät wird und der immer tiefer wird; vielleicht, wie der Verteidiger im Prozeß ausgeführt hat, gegen den Willen eines großen Teiles des französischen Volkes, sicherlich aber mit bewußter Absicht der derzeitigen Machthaber Frankreichs. Ich darf im Namen des Reichstages den Betroffenen, allen die im Kepker schmachten und ihre Heimat verloren haben, und den Hinterbliebenen der Gefallenen sagen: Wenn die Geschichte das Weltgericht ist, dann könnt ihr mit Ruhe und Stolz dem Urteil dieses Gerichtes entgegenschen. (Lebhafter Beifall.) Wahrscheinlicher Protest der Regierung. In ^hiesigen parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die Reichsregiernng gegen das Urteil im Krupp-Prozeß, an Frankreich eine Protestnote richten werde. In der Presse. Berlin, 9. Mai. (Tel.-Komp.) Das Urteil des ftan» zösischen Kriegsgerichtes in Werden gegen die Krupp- Direktoren findet in der gesamten Presse ohne jeden Parteinnterschied die' schärffte ^Verurteilung. Viele Blätter ziehen eine Parallele mit dem Dreyfus-Prozeß und weisen darauf hin, daß das ftanzösische Kriegsgericht überhaupt keine Rechtsgrundlage für seine Anwesenheit auf deutschem Boden habe, da ein Kriegsgericht nach den Grundsätze!: des Völkerrechtes nur in einem Lande zulässig sei, das während eines Krieges von der feindlichen Macht besetzt wurde. Der ,Dortvärts" -bezeichnet das französische Kriegs gericht als ein Femgericht von Gewalthabern über die ihrer Gewalt Anheimgefallemn, das Urteil als glattesten Terror und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß dieses Urteil die sozialistischen Arbeiter an der Ruhr in ihrem Willen bestärken werde, der französischen Gewalt das' Recht entgogenzusetzen. Die deutschnationale „Tageszeitung" fordert die Regierung aus, von Frankreich die sofortige Freilassung der Verurteilten zu -verlangen und andernfalls zu Repressalien gegen die auf deutschem Boden sich aufhaltenden Franzosen zu schreiten. Abtransport der Verurteilten nach Düsseldorf. Berlin, 9. Mai. Wie dvs Wolffche Burem: aus Effen erfährt, sind die gestew in Werden Verurteilten in Automobilen in der Richtung nach Düsseldorf abtransportiert worden. ERB! GROSSE OKKASION wammmmmammm nraHBHH Regenmäntel) . . K 125.000 ® .(ifjM Leinenwaren, Waschwaren, W , Stoffe, Wäschesehr billig » I Schiff mann II., TaborstraSe 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail

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