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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-06 · Heft 1519 (6.5.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1519 (6.5.1923)
Date
1923-05-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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fflc, MÄ_ Me«!, Sonntag Loucheurs AuWeg. Der ftcmMsche PoMker Louis Loucheur stcht seü pvöi Jahre» im. Vvvdevgrund des allgemeinen politischen In- IteceffeS;■ 'fahr Name' tvnvde m der Politik zuerst durch daZ Wiesbadener UÄxweinkommen bekannt, das er mit dem inzwischen /von Mövderhanden meuchlerisch niedergestreckten WaLter Rathenan ab-schloß nr«d das damals als bedeutungsvoller Austakt zu einer wirkschaftspMischen Berständiigung zwischen Deuts<Wnd und Frankreich angeschen wurde. Jetzt ist Loucheurs Name in aller Munde durch feine Reise nach London, die der EvmöAichung einer BechandlungSbasis im RuhrkonfM galt. Breilfach gilt Loucheur als der „kommende ßj&mtt", der Pvmcare und dessen Politik ablosen soll. Es ist daher vo» Interesse, einiges über seinen Werdegang zu erfahren. Loucheur kam aus der Bauindustrie in die Politik. Er stammt aus dem Industriegebiet. Sein Großvater war einer jener bäuerlichen Handweber in Roubaix,-deren interessanter- Typus heute schon ausgesiorben ist. Der Vater war Baumeister und schickte den jungen Louis aufs Polytechnikum. Als Ingenieur trat Louis Loucheur mit 21 Jahren in die Dienste der französischen Rordbahn, begründete aber bald — im JalM 1889 — Zusammen mit einem Kollegen namens Giros die Baunntern-chmerfwrna Giros und Loucheur, welche sich durch seine Tatkraft zu einer der größten Bauunterrehmungen Frankreichs entwickelte. Diese Firma baute die El-ektvizttätswerke in den NorÄdepartements, eine Anzahl von Eisenbahnen und Elektrizitätszentralen. Große Arbeiten in der Türkei — die StraßeUbauten im türkischen Reich, für welche die Firma die Konzession erhielt, brachten mehr als hundert Millwuer.- Franken ein — und in Rumänien bringen bedeutende Gewinne. Im Kriege stellte Loucheur die Werke seiner Firma aus die Mstuugsindustrie ein und organisierte diese neue Tätigkeit so gläk<zend, daß er bald einer der bedeutendsten Rüstungsjndustviellen wurde. Im Jahre 1916 wurde er Staatssekretär im Munitionsmimsterium und ein Jahr später Mumtionsminister. Seither widmete er sich ausschließlch der Politik und legte seine 48 Aufsichtsratsstellen, die ihm 460.000 Franken jährlich einbrachten, nieder, um völlig der Politik leben zu tonnen. Er arbeitet seit dem Friedensschluß an dem Ziele der Berstärdigung mit Deutschland, deren wirtschaftliche Vorteile jfür beide Teile er unermüdlich propagiert. In diesem Punkte trat «rw verstand er sich bclld mit Rathenau, der, ebenfalls ans der Industrie hervorgegangen, als Maatsmann zur Leitung des deutschen Außenamtes berufen wurde und dessen Programm die Verständigung mit Frankreich war. Beide jMäuner kormten lange mit ihren Ideen nicht durchdringen; Rathenmr mußte sie mit dem Tode büßen, Loucheur wurde Iburch die Rnhvbesetzur^ eine Zoitlang in den Hnttergmud geldräwgt. Rn» hat er zur friedlichen Lösung dieses schweren 'KorrflWS im Mrwe seines politischen Programms Schritte mnternommov, die von großer Bedeutung sein können. Die lBevstandMMg Fvcmkrorchs mtt Deutschland ist ein schwerejStück Arbeit; auf beiden Seiten stchen starke politische Widerstande. DiÄlsicht wird aber Loucheur den Erfolg seiner Arbeit als Premievknimster sehen. Mitteilungen aur dem Publikum. rfw/nvwi rirww», m Ist der kunstvoll gearbeitete Original - Fignrformer 884 *„Henrtette Juno** * aus der Kunstwerkstätte Hme. Henriette IV. Margareteastrasse Nr. Helene Joffe Dr. Emil Glaser Verlobte Wien, im Mai 1923 Leonia Herzl ' Stanlslau Verlobte April 1923 Isaak Baller Kuty Regina Gewing Markus Weinberg St. Pölten Wien Ve r 1 ob t e April 1923 Feine °« M. U. M«IW!l! 1—Z Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse TEPPICHHAUS DRACK & Co. VI», Marlahlltorstraße 79 189 «rü &tes Lager la Teppiclien, Vorhängen, Tischdecken, Bettvorlegern sowie echte Knüpf- und Smyrna-Teppiche . 11 »m in’ i . . m, 1 ■■ ..J Wiener Morgenzeitung. 6. Mai 1923 Seite 7 Kultus-u.Justiztalareu. Barette liefert in schönster Ausführung die bekannteste Spezialflrma 235 niinniü ßftinfTlSlN 2ivil- und vnlformüchneiäer VuLllLlLlN Wien, II« Taborstr. 54. Tel.45-6-29; Gegründet 1866 - Oroße Auswahl feinster Stoffe für Maßbestellungen Arbeiferanzüge Arbeitsmittel Regenmäntel Windjacken EI&EEffE ERZEUGUNG! PHILIPP PORGES Wien, XV.. Rosinagaese 3 (Marlahilferstr. 152) Tel. 34533 I 90X270 cm zu K 750.000, 300X200 cm zu K 1,900.000 , fi und 330X230 cm zu K 2,400.000 wieder cingelangt 907 | | Teppichvertrieb ,Zitahof1, VII., Marlahilferstr. 88 a! 10.000 PRÄMIEN >N wtltl von . ytnxuLiiba:'* fS*dUüp]925. 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Aus Karlsbad wird uns berichtet; Die Hängepartien wurden bis auf das Spiel Grünfeld—C Hajes, das nach zwölfstündiger Dauer abermals abgebrochen wurde, durch, remis beendet. Die fünfte Runde brachte folgende Ergebnisse. A l j e ch i n gewann gegen Maroczy, Dr. T r e y b a l schlug Bernstein, Teichmann überwand den zähen Engländer Lord T h o m a s, Grü »feld blieb gegen Spielmmn Sieger, Sämisch gewann gegen W o l f und R u b i n st n i n mußte vor Röti die Waffen strecke». Die, tartie Dr. Tartakowe r—A ate 8 ergab remis, das piel B o g o l j u L o w—R i e m e o w i^ez wurde abgebrocheNi. In der s e ch st e n Runde gewamienr T t t ybal gegen Spielmanu, . T a r r a s ch gegen Bernstein, M a r o e zch gegen Chase 8, Niemcowic, aeaen Tartakower. Remis endeten die Partien G r it’ nfei d—R 6 ti, T e i ch m a n n—B o g o l j u b o w. Es verloren: Thonras gegen Rubi n st ein, Wolf gegen A l s e ch i n. Die Partie Nates gegen Sä misch wurde in besserer Stellung für Weiß abgebrochen. Stand nach der s e ch st e n N.u über Aljechin, Treybal 5, Boaojnbow 4, Maroczy, Niemcowicz, Näti, Teichmann 3V,. Grünfeld 3 (»), Tarrasch 3, Sämisch 2-/- (H), Rubinstein. Thomas, Tartakower 2V-, Nates 2 (6), Spielmann % Chajes IV, (H), Wolf 1V„ Bernstein 1. KlerueLokalchroutt. Auf dor Straßenbahn wurde d-einr Gustav Reicheth eine gdl'dsne Uhr im Werte von 10 Milliomn Kvonen gestohlen. Die Schneiderin Hermine K a st l «fuhr mit ihrem Fahrrade, über das sie in der steilabfallenden Karl B^ckgasse die Herrschaft verlor, in eine Anslagescheibe hinein und verletzte' sich schwer. Beim Rosenhngicl sprang die Private Stephanie Klar von der Straßenbahn ab, wurde mitgeschleift und erlitt mehrfache Verletzungen. * A«s Bernarö Shaws Kindheik. Kostbar ist, was de witzige Bernard Shaw über feine Kindheit erzählt: „Die Sammlung von Schulgeld war der .wirkliche Zweck meiner Schule. Keiner meiner Lehrer scherte sich einen Deut darum, ob ich etivas lernte oder nicht. Infolgedessen lernte ich meine Lektionen nicht, da ich viel Wichtigeres vor hatte, und die Resultate waren denn auch so, wie zu erwarten war. Meine Schule gab nur ganz toeuif.. vor, etwas anderes als Latein und Griechisch zu lehren. Als ich als keiner Junge dorthin kam, wußte ich ziemlich viel Latein, weil ich eS in ein paar Wochen privatim gelernt hatte. Als ich ein paar Jahre auf der Schule gewesen war, examierte mich 'dieser selbe Onkel und entdeckte als den Reingewinn meines Schulbesuches, daß ich vergessen, was er mir beigebracht, und nichts Neues dazugelernt hatte. Wenn ich auch heute noch ein lateinisches Substantiv deklinieren und ein paar von den' alten Paradigmata in der alten mechanischen Art Herleiern kann, so habe ich doch noch nie eine lateinische Grabschrift gesehen, die ich ohne Mühe hatte entziffern können. Was Griechisch angeht, so kann ich wohl den größten Teil des' griechischen Alphabets entziffern. Kurz und gut, in bezug auf klastische Bildung bin ich ein zweiter Shakespeare. Französisch lese ich so leicht wie Englisch, und unter dem Druck der Notwendigkeit kMn ich auch einige deutsche Brocken richtig anwenden und ein bißchen Opernitalienisch: aber alles das habe ich nicht in der Schule gelernt. Statt dessen lernte ich dort Lügen, unehrenhaftes Unterwerfen unter Tyrannei, schmutzige Geschichten, eine gotteslästerliche Gewohnheit, Liebe und Mütterlichkeit als obszöne Witze zu bettachten — Hoffnungslosigkeit, ‘ Hohn, Vorwände, Feigheit und alle niedrigen Kniffe, mit denen ein Feigling andere Feiglings einschüchtert. Und wenn ich ein Pensionär in einer englische« öffentlichen Schule gewesen wäre, statt ein TägeSschüler in einer irischen, könnte'ich diesen Schamlosigkeiten noch' schlimmere-hinzufügen. *„Die Börse" in der Tschecho-Slowakei. Wie die Tel.- Konrp. mitteilt, wurde dem Wiener Wochenblatt „Die Börse" in der Tschecho-Slowakei das Postdebit #, entzogen. Außenminister Benesch hat daraufhin sofort einen K abineitsrat einberufen und es durch gesetzt,.daß' dem Blattf das Postdebit wieder'g-egeben wird. * Salon Bruno. Wegen Kuppelei hat das polizeiliche Sittenamt die Kaufmannsgattin Sophie Bruno dem Landesgerichte eingeliefert. Sie hat in ihrer Wohnung nicht nur selbst Herrenbesuche.empfangen, .sondern auch Prostituierten gegen Entgelt Unterstand geboten,' uin Herrenbesuche^ zu empfangen. Ihr Gatte Ludwig Bruno ist. in Berlin wegezr Kuppelei im Jahre 1913 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wird abgeschafft. Das Wohnungsamt wurde in Kenntnis gesetzt. * Tagung für Kinderfürforge. Kürzlich veranstaltete btt Deutschösterreichische Gesellschaft für Bevölkerungspolitik im Saale der Gesellschaft der Aerzte in Wien eine Tagung, , di? ausschließlich den Fragen der Kinderfürforge gewidmet war und eine Fülle von Anregungen bot. Schon der Bericht Professors Dr. R o t t aus Berlin über die Stellung der sozialen Hygiene an der allgemeinen Wohlfabrtspflege und die anschließende Diskussion, in welche auch die Profestoren Hanrburger, Noll, Pirquet und Tandler eingriffen, brachte die allgemeine Anerkennung der Unentbchrlichkeit einer gesundheitlichen und einer wirtschaftlichen Säuglings- und Kinderfürsorge. Am Schluffe der Verhandlungen brachte der Vorsitzende Sladtrat Dr. Tandler eine von Proseffor Hamburger beantragte Entschließung, die ein KinoertfmDf.orgegesetz verlangt, zur Absttmmung. * Bitte um Bücher. Ein lanMhv'Mr und verdienstvoll-^ Pionier der Erez Jisroeil-Avbeit, der seit em-wn Jahve im Allgemeiniein Kvcmkenhcmse liegt und dem ein Fuß amputt-ort wurde, schrtt sich nach alt- und neuheib-räischep, ibezichungSweste fiddischer Literatur. Zusendung von Büchern «Äeten an die AdrMe des Fräuleins Regiue Lvwy, 2. Bez., Große Pfarrgasse 6, oder an Dr. G. Freudmann. 1. Bez^ Seitevstettengasse 2, Knttusamt. * Keren Kajemelh l'gsrael (Jüdischer Aationol fonds). Dienstag den 8. d., um 6 Uh; 15 Mn. abends, findet eine Sitzung der Landeskommission statt, und zwar n i ch t im Bureau, 2. Bez., Taborsttaße 59 sondern im Bureau des Zionistischen Land es k o mi tee s, 2. Be z., Tabor st raße 2 0 a. * Wetterbericht. In Oesterreich herrscht allgemein heiteres, warmes Wetter. Mittags erhob sich die Temperatur in- Wien auf 20 Grad, in Graz auf 21 Grad, in Innsbruck auf 25 Grad. Auch im übrigen Mitteleuropa herrscht schönes warmes' Wetter bei vorwiegend südwestlichen Winden. Dresden und Prag! hatten mittags 26 Grad, Paris 29 Grad. Voraussage: Schönwetter, tagsüber sehr wann. Keren Kajemeth l'gsrael (Ziidischer NMonalsonds) Wien, 2. Bez., Taborsttaße 59, Telephon Nr. 40-3-16. Ausweis Nr. 18 vom 26. bis 2. Mai 1923 --- 4,174.089 K., insgesamt 110,098.820 K. — Zentrale: Kalman Hammer 329, Robert Gutttnann, Prag 50. - 1. Bezttk: Alois Liebennann 200, d. Franka Mtennann: Kamilla Segall.161. — 3. Bezrrk r Bethmisverein.110. — 6./8. Bezirk r Ludwig Haller 500, Doktor Oswald Schwarz 100. - 18./19. Bezirk: d. Hofrat Dr. Ludwig Werner: Heinrich Lederer, Dr. Hermann Popper je 100. Tefilath Jeschnrun: 220. Bar Kochba: d. med. Hammer und S. Katz r 216. Akad. Landesverband: A. B. jüd. Med. anl. Hochzeit^Erna Gretsch u. abS. med. Jakob Rofenblatt 220, Lesemb Redehalle: d. Frl. Anni Rosenbaum 135. - Angern: b Frau Selma WichS: K. Sonnenfeld 235/ L. R. Wichs 80 Jng- Max. Feldmann 56. — Baden: d. Gust. Seidemann 60. —Bruck an der Leicha: Aron Klamka 60. - . Richtigstellung: Gesamtsumme der.Samml«m«M-TaKet im Austveis Nr. 16 49k

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