Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1519 (6.5.1923)
- Date
- 1923-05-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Wien, Sonntag -Wiener MyrrstznOttuns. Der Senat verurteM — Brogi zu acht Tagen Karzer, Melger zu vier Wochen. Infolgedessen ohrfeigte bei der reichsten Gelegenheit der Student Klaatsch denselben Brogi, -und Fichte, der von seinen Kollegen aberrnals im Stich gelassen wurde, erklärte, das' Rektorat n i ederzulegen. Savigny stand gegen Fichte, mit dem nur Boeckh und Hufeland gingen. Klaatsch •toittlbett zwei Wochen Karzer diktiert, Brogi acht Tage, wegen Rachsucht, Feigheit und Denunziation. Eine Cingcibe einiger Studenten, die die Regierung bat, einzugreifen, wurde zwar an ihre Adresse befördert, doch forderte das Kollegium eine Bestrafung der frechen Einsender und eine scharfe Rüge Fichtes. Die Regierung fällte am 24. April 1811 ihre Entscheidung. Sie gab Fichte recht, Klaatsch wurde unter die Aufsicht des Senatgestellt, Brogi als völlig schuldlos erkannt, aber — Fichte erhielt die erbetene Entlassung, und Savigny wurde zu seinem Nachfolger bestellt. Wie man sieh, ist auch die Diener--Aera an deutschen Hochschulen nichts Neues, wenn schon ein Vergleich Herrn Dienermit — Savigny gestattet sein soll. Ser Präsident der Warschauer Wischen Gemeinde gestorben. Aus Marsch'au wird uns gemeldet: Der Präsident der jüdischen Gemeinde, Stadtrat Meier Rundstein, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene stand seit einigen Jahren an der Spitze der jüdischen Gemeinde und zählte gegenwärtig zu den Hauptstützen der Assimilanten. Aus Warschau wird uns gemeldet: Die jüdische Bevölkerung beteiligte sich zahlreich an der Trauerfeier, der unter anderen der Warschauer Stadtpräsident I a b- Zlonski, die Vizepräsidenten, die christlichen und jüdischen Stadträte, ferner ein Vertreter des Ministeriums für Unterricht, beiwohnten. Am offenen Grabe sprachen Vertreter der Stadtverwaltung, der jüdischen Gemeinde, des jüdischen Parlamentsklubs, des Rabbinais und verschiedener jüdischer Organisationen. Der Verstorbene, Präsident Rundstern, ein Lodzer, arbeitete in -den Jndustrieunternchmungen des bekannten jüdischen Industriellen Poznanski und übersiedelte dann nach Warschau, wo er bei? Verkauf der Lodzer Jndustrieartikel organisierte. Als die Diskontobcmk von Poznanski gekauft wurde, übernahm Rundstein die Leitung der Bank. Rundstein arbeitete auf den verschiedensten Gebieten der s o z i a l e n F ü r s o r g e, insbesondere erfolgreich war seine Tätigkeit während des Krieges. Im Jahre 1917 wurde er in den ersten Warschauer Stadtrat gewählt. Hier zeichnete er sich besonders durch seine Kenntnisse «rf dem Gebiete der Approvisionierultg «nd der Finanzwirtschast aus. Im Jahre 1918 wurde er zum Präsidenten der jüdischen Gemeinde gewählt. _______ i* Jpieixt. JVitöpfelrtiarkiZ. %JHoddles jRebes, KostämesJftanteam, .. feagomns et srourrures . STelef&n G5Ö73. Grosse QIckasion von Frühjahrs-Modellen und preiswerten Etaminkleidem Botschaft öit den Kongreß Verwahrung dagegen, daß die eng, lischen Kolonien gegen eine unabhängige südamerikanische Republik Gebietsansprüche erhebe und drohte mit bewaffnetem Widerstand. England bestritt damals das Recht der Bereinigten Staaten, da8 Monroe-Prinzip auch auf Südamerika anzuwenden, aber die Affäre wurde schließlich mit dem Sieg der Ur/ron beendet. In den letzten Tagen hat die Mvnroe-Doiktrin auch ans dem in Santiago de Chile abgehaltenen panamerikanischen Kongreß eine bedeutsame Roll« gespielt. Hier wurde das Prinzip verfochten, daß die südainerikanischen Staaten gewissermaßen ihre eigene Monroe-Doktrin mit dem Motto: Südamerika den Südamerikanern zu verfechten hätten«. Diese Stellungnahme verrät eine nicht ganz unbegründete Angst, daß die südainerikanischen Republiken der Reihe nach von d?n Vereinigten Staaten einverleibt werden-könnten, wie dies mit der Republik Panama bereits mit Erfolg durchgeführt wurde. Die Fronde gegen, die Vereinigten Staaten fand auch in einem Antrag der kleinen Republik Salvador Ausdruck, daß der Kongreß an die Regierungen von Spanien, Portugal, Frankreich un>d England Begrüßungstelegramme absenden möge, als Dank dafür, daß diese Staaten die Zivilisation und Kultur Amerikas begründet hätten. Die lateinischen Republiken haben den Antrag auch angenommen, ein Beweis dafür, mit welchem Mißtrauen die südamevikanischen Staaten gegen die Machtböstrebungen der Bereinigten Staaten von Nordamerika erfüllt sind, welche gerade diese kleinen Staaten mit der Monroe-Doktrin vor den — Europäern zu beschützen vvrgeben. Sie Zahrhnndertwende der Monroe-Lehre. Wohl erst am 2. Dezember d. I. wird der hundertste Geburtstag der Monroe-Lchre gefeiert werden, aber schon befassen sich die Journale und wissenschaftlichen Zeitschriften Amerikas mit der Entstehungsgeschichte, der Entwicklung ugd den Folgen der Monroe-Lehre für Amerika und die ganze Wett. Maser wirtschaftliche Lehrsatz verdankt seinen Namen seinem Begründer James Monroe, dem fünften Präsidenten der Bereinigten nordamerikanischen Staaten. Monroe lebte 17S8 bis 1831, war Jurist, nahm an dem Unabhängigkeitskrieg teil und gehörte zu jenen, die in der Armee Washingtonfür die Unabhängigkeit der Bereinigten Staaten kämpften. 1782 wird er Mitglied der Legislative des Staate- Virginia, 1783 Abgeordneter des Kongresses 1790 Senator, dann Botschafter in Paris, später Gouverneur des Staates Virginia, dann wieder abwechselnd Botschafter in Paris, London und Madrid, 1611 Staatssekretär des Präsidenten Madisonn, 1812 bis 1816 Kviegsminister, in welcher Eigenschaft er den Krieg gegen England führt, wurde 1817 zum.Präsidenten und 1821 zum zweitenmal einstimmig zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt und zog sich 1825 ins Privatleben zurück. Die Monroe-Lehre lautet kurz: Amerika den Amerikanern. Im Jahre 1883 erließ Monroe die berühmte Proklamation, in der dieser Lehrsatz die markanteste Stelle bildet. Mit dieser, von seir.«sm Staatssekretär John Quiney Adams verfaßten Proklamation hat Amerika zum erstenmal weltpolitische Prinzipien verkündet. Die Proklamation betont, daß die Union als freier und unabhängiger Staat es nicht dulden werde, daß die heilige Alliance ihr System und ihre absolutistischen Bestrebungen auch auf den fteien Boden Amerikas erstrecke, weü ein solches Unterfangen auch für die Freiheit der Vereinigten Staaten gefährlich werden müsse. In der Proklamation wird der Welt erklärt, daß die VeWinigten Staaten in Zukunft den auf die Unterjochung der unabhängigen amerikanffchen Staaten gerichteten Bestrebungen der europäischen Staaten mit Feindseligkeit begegnen und sie nötigenfalls auch mit den Waffen verhindern werden. Die Proklamation erklärt schließlich, daß künftighin auch nicht ein Fußbreit amerikanischen Bodens kolonisatorischen Unternchmungen der europäischen Staaten dienen werde. Diesem Monroe-Prinzip sind die Bereinigten' Staaten während der hundert Jahre seit ihrer Prvklamievung konsequent treu geblieber.' und auch die übrigen amerikanischen Republiken haben sich die Monroe-Doktrin zu eigen gemacht. Praktisch kam diese Doktrin im Jahre 1866 zur Geltung, als Napoleon der Dritte aus Aufforderung der Bereinigten Staaten gezwungen war, seine Truppen aus Mexiko abzuschieüen, was später die Ermordung Kaiser Max' zur Folge hatte. England gegenüber machten die Bereinigten Staaten im Jahre 189 6 das Monroe-Prinzip geltend.'Damals hatte England mit Venezuela Gre-iUtreitigkeiten auSzutKPB gl Mü W in keiner / Lar am meisten verbreitete Buch der Welt. Die weltberühme „Britische und ausländische Bibelgesellschaft", welche seit 1804 besteht und sich 'zur Aufgabe gestellt hat, die Bibel unter allen Völkern, in allen Ändern und Staaten zu verbreiten, hat jetzt ihren 116. Jahresbericht herauSgegeben. Aus ihm gcht hervor, daß daS Buch der Bücher das der-, breiteiste Druckwerk ist. Seit ihrer Gründung hat die Bibelgesellschaft 310,813.000 Exemplare der Bibel herausgegeben, die bisher in 528 verschiedene Sprachen und Dialekte übersetzt ist. Der letzte Bericht der Bibelgesellschaft umfaßt die Tätigkeit im Jahre 1919 bis 1920. In diesem Berichtsjahrwurden 8,515.980 Exemplare. der Bibel auSgegeben. Zu den bisherigen Uebersetzungen kamen neun neue Uebersetzungen in asiatischen und afrikanischen Dialekten hinzu, die sertiggestellt wurden, ferner wurde die Übersetzung in weitere neun Sprachen begonnen und zum Teile zum Druck vorbereitet. Es ist bekannt, daß die Ausgaben dkr Bibelgesellschaft sehr billig sind, ein Exemplar kostete früher 1 Schilling, jetzt beträgt der Preis 7 Schilling. Interessant sind die Methoden, welche die Bibelgesellschaft zur Verbreitung der heiligen Schrift anwendet.- Sie arbeitet mit dem System der Kolporteure, die für sie in allen Ländern tätig sind. Es ist oft nicht leicht, in gewissen Ländern Bibclkolportenr zu sein, und nur die Ergebenheit für die Sache, der sie dienen, läßt die Kolporteure der Bibelgesellschaft alle Schwierigkeiten überwinden. Sie sind heute ebenso unter den russischen Einwanderern in Kanada zu finden, wie bei den großen Religionsfesten der Inder, bei den Kohlengräbern in I a p a ni und bei den vielen Völkern Zentralasiens. Wie aus dem Bericht zu entnehmen ist, wurden zwei Kolporteure der Bibelgesellschaftwährend der politischen Unruhen in Kairo schwer verletzt; auf' andere wurden in Persien Raubüberfälle verübt. In Venezuela wurden zwei unter dem Verdachte revolutionärer Propaganda eingekerkert. Besonders pikant ist, daß in Columbia drei Bibelkolpörteure wegen ihrer Tätigkeit verhaftet wurden, wobei man sich auf ein Gesetz berief, welches die Kolportage unmoralischer Literatur verbietet. vor bekannt* orthopüdische Schuhmacher Rudolf KINDL früher Wien, IX., nria/fat* Im eigenen Schwarzspanierstr. 10 dXUClld Wlvllvl Hause, Wien* XVII., Haslingergasse 2a/Tel.5363/VI./ Strwsenbahnlinie 44 i M lannv r m mpr Norbert Roth Wien, Vll.y Marlahllfferstrasse 88 a (Zitahoff) ’fcleohon 354-81 6. SM 1923 Nr. IM Me Mohammed starb. Ein Freund unseres Blattes schreibt MS: Die in der Nummer vom 1. April veröffentliche er» greifende Darstellung „Wie Moses starb" (nach der StoW stellimg des Midrasch von G. E.) erweckt unwillkürlich bte' Erinnerung an die bei den Mohammedanern lebende, auf den Tod Mohammeds sich beziehende Sage. Abraham G e i g e r hat bereits als Zwanzigjähriger — in seiner bahnbrechenden, von der königlich Preußischen Rhein-^ Universität gekrönten Preisschrift ,ML hat Mohammed aus dem Judentume ausgenommen" (Bonn, 1833) auf die! tiefen, unlöslichen Bezi-chungen hingewiesen, die nicht nur zwischen dem Koran und >der Bibel, sondern auch mit dem alten jüdischen Schrifttum und der jüdischen Sagenwelt be-. stehen. Seither haben jüdische Grlehrte, die über gründe liche Kenntnisse aus beiden Gebieten verfügten, die Literatur über dieses Thema durch viele wertvolle Arbeiten be-' reichert. Mohammed hat bekanntlich währmd seines gan< zen Lebens, insbesondere aber in seiner Jugend, viel mit Juden, „dem Volke der Schvift", verkehrt, und da er selbst' alles, Mx kein Gelehrter war, bei ihnen viel Belehrung über den Inhalt der jüdischen Religion, über Sitten, tzlebräuche und Sagen der Juden geschöpft. Aber auch in den Sagen des Volkes selbst ist auf Schritt und Tritt brr Einfluß jüdischer Sagen und Legenden bemerkbar. Allerdings, hat auchmanches aus der mohammedanischen Sagenwelt seinen Weg in die jüdische gefunden. In W. C. Taylors „Geschichte des Mohammedeinismus und seiner Sekten" (1837) finden wir den Tod Mo-' hammeds nach der Darstellung, wie sie im Bolle sich erhalten hat, folgendermaßen geschildert: Sobald Seine Majestät (Mohammed) erkrankte, kam der Erzengel Gabriel zu ihm und sprach: „Wahrlich, Gott! hat mich gesendet, um dich zu ehren und fragt dich nach! dem, was er besser weiß als du: wie du dich befindest?" „O, Gabriel," erwiderte Se. Majestät hierauf, „ich. fi'chle mich sorgenvoll und krank." Darauf kam Gabriel zum zweiten Male und richtete dieselbe Frage an Se. Majestät, die ihm auch dasselbe ant-! wartete. Darauf kam er am dritten Tage und fvug ihn toi«; am ersten und zweiten Tage, und Se. Majestät gab ihm' dieselbe Antwort. Mit ihm kam zugleich ein anderer Engel,' Jsrnael genannt, der hunderttausend Engel unter seinem! Befehle hat und von denen einem jeden wieder hunderttausend Engel gehorchen. JSmael bat um die Erlaubnis,! sich Se. Majestät nahen zu dürfen. Se. Majestät fragte den! Gabriel und dieser erwiderte: „das ist so und so ein Engel". Ga-biel fuhr dann fort: „Der Dodesengel Azvael fragt, ob er zu dir kommen dürfe. Er hat vor dir noch keinen- Menschen um Erlaubnis gefragt und wird es auch nie wieder nach dir tun." Mohammed gab ihm darauf die- Erlaubnis. Da erschien der Dodesengel, machte einen Salem vor Sr. Majestät und sagte: „Wahrlich, Gott hat mich zu dir gesandt, Mohammed! Wenn du willst, nehme ich deine reine Seele mit, will du aber nicht, so lasse ich sie allein." Se. Majestät fragte: „Nimmst du meine Seele mit, Engel deS Todes?" Darauf dieser antwortete: ,^Ja, mir ist befohlen also zu tun und auch Euch' zu gehorchen." Darauf blickte Se. Majestät aus den Engel Gabriel, welcher sagte: „Wahrlich, Gott -will Euch gerne' sehen." Da sprach der Prophet zu dem TodeSengel: „Tue, was dir befohlen wird." Da nahm der Engel die Seele mit sich- Me allgemeiue RelativMstheorie. Einstein über seine Prager Zeit. Im Verlag von Fr. Bovovy in Prag er» scheint eben unter dem.Mell ,Theorie relativ ich' specielni i obrem" eine Ueibersetzrrng der Einste ruschen Lehren. Der Gelehrte hat der tschechischen Ausgabe ein Vorwort geschriebeir, daS dem Buche in deutscher Sprache vorangestellt ist und folgenden Wortlaut hat: . Es freut mich, daß das Büchlein, in dem die Haupts danken der Relativitätstheorie ohne die mathomatischs Durch i führung dargestellt sind, nun in der Nationallsprache desjenigen Landes erscheint, in dom ich die nötige Sammlung fand, um dem schon seit 1908 gefaßten Grundgedanken der all gemeinen Relativitätstheorie allmählich eine bestimmtere Form zu goben. In den Men Räumen des Theoretisch-Physikalischen Instituts der Prager Deutschen Universität in der Bmicna nlice kam ich 1911 ans die Entdeckung, daß das Aequivalonzprmzip eine Ablenkung der Lichlstrählen an der Sonne von beobachtbarem Betrage, verlangt, ohne zu wissen, daß mehr als hundert Jahre vorher eine ähnliche Konsequenz ans der Newtonschen Mechanik in Berlbindung mit Newtons Emisstonstheorie des Lichtes gezogen worden war. Auch die immer noch nicht einwandfrei bestätigte Konsequenz von der Rotverschiebung der Spektrallinien entdeckte ich in Prag. Den entscheidenden Gedanken von der Analogie des mit der Theorie vevbuNdenen urathematischen PrMenrs mit der Gaußschen Flächentheorie hatte ich alleMngs erst 1912 nach meiner Rückkehr nach Zürich, ohne zunächst Riemanns und Riccis sowie- Levi-Civitas Forschrmgen zu ’ kennen. Aus diese wurde ich erst drrrch meinen Freund Gwßmann in Zürich ausmerksam, als ich ihm das PrMem stellte, allgemein kovariante Tensoren Msznsuchen, deren Komponenten mir von Ableitungen der Koeffizienten der quadratischen Fundamental-invariante abhängen. Heute scheinerr sich Leistungen und Leistungsgrenzen -der Theorie schon klar übersehen zu lassen. Sie lieifert tiefe EvkeMtnisse Über die physikalische Natur, von Raum, Zeit, Masse, Gravitation, aber kein hinreichendes Mittel zur Lösung deS. ProlblornS der Quanten und der atomisttWen Konstitution dey. elektrischen ElementavgeWde. anS denen -die Mwtevis -beftstiht,