Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1519 (6.5.1923)
- Date
- 1923-05-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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>' M. W8. Men, Sonntag _ MogenhÄten, Frau Jeanette Simons-Harrys und Mm Mnor Sachs-Barr, -während Mm Anitta- Müller-Cohen, Men, die amerikanischen Konferenzteilnehmer in einem Artikel begrüßt, und die zu erwartende Krage, was wohl ein solcher Kongreß auszurichten imstande sei, wo doch die Parlamente aller Lander fruchtlose Arbeit Ästen uno die internationalen Verhandlungen j aller Art ergebnislos verlaufen, folgendermaßen Leantjwovtet: Wir Frauen haben ein besseres Programm, als alle PolMer, wir kommen mit reinem Herzen und warmen - Sympathien. Wir kämpfen nicht um die Macht, wir wünschen nichts, als die Wohlfahrt und die Beständigkeit j unseres Volkes zu fördern. Frau Berta Pappenhe im j zollt in ihrem Türffatz den amerikanischen jüdischen Frauen l verdientes Lob für ihre Initiative zu dieser Kongreßiarböit. Die Nummer -enthält auch sonst lesenAwerte Beirichte über die Tätigkeit verschiedener Frauenverbände in 'allen Weltteilen. _ Brief Mts Warschau. (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, 2. Mai. Der gestrige Dag kostete abermals zahlreiche jüdische -Opfer. Anläßlich der 1. Mai-Feier herrschte bereits seit >den frühesten Morgenstunden das regste Leben in den! Arbeiterbezirken. In den letzten Tagen führten die jüdrifchen Arbeitevpartäen Verhandlungen mit den polnischen ^Sozialdemokraten wegen ihrer Teilnahme an den Versammlungen, die am Dheaterplatz stattfinden sollten, wobei Isich die jüdischen Arbeiterparteien die Unterstützung der Sozialdemokraten gegen eventuelle Provokationen durch die faszistische Gruppe der polnischen Nationaldemokvatie sicherten. Die polnischen Sozialdemokraten stimmten «zu, daß die jüdische Versammlung ebenfalls, am Dheaterplatz stattfinde und die jüdischen Arbeiterparteien sich dem lDemonstratioszug der Sozialdemokraten anschließen sollen. iSie garantierten auch, daß die Ordnermiliz der polwschen Sozialdemokraten die jüdischen Arbeiter im Falle von Ueberfallen der Nationaldemokraten schützen werde. Schon vor der Versammlung waren in der Stadt Geaüchte verbreitet, daß die Nationaldemokratische Jugendorganisation einen Ueberfall aus die jüdischen Arbeiter Plane. Der Regiemngskommissär und das Innenministerium hatten die Versicherung gegeben, daß alle Maßnahmen zur Erhaltung der Ordnung getroffen seien. Gegen 10 Uhr vormittags sammelten sich die ersten Arbeiterformationen zu der für 11 Uhr angesagten Versammlung. Die jüdischen Arbeiterorganisationen hielten ihre Versammlung vor dem TheatergebaUde „Redoute" ab. In ihrer Nähe versammelte sich die kommunistische Jugend trotz des Protestes der jüdischen Arbeiterorganisationen, die mit ihr nicht den Platz teilen wollten, um allen Ko-nsliktmöglichkeiten aus dem Wege zu gehen. Sämtliche Auffchriften auf den Fahnen der jüdischen Arbeiterorganisationen waren in jüdischer und polnischer Sprache abgestrßl. Bon den jüdischen Arbeiterführern sprachen der Führer des „Bund" Stadtrat Ehrlich in polnischer Sprache und Ratmanu L ö w im Namen der Poale Zion. Die Zeive Zion und der rechte Flügel des Poale Zion hielten ihre Versammlungen in anderen Lokalitäten ab und nahmen an den Manifestationen keinen Anteil. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als starke Truppen nationaldemokratischer Hochschüler die Wiener! Morgenzeitung. Schuhe! jüdischen Arbeiterorganisationen angriffen. Die jüdischen Arbeiter leisteten energischen Widerstand. Es kam zu Prügeleien. Die polnischen Sozialdemokraten sahen gleichgültig zu. Die heranrückende Polizei begann die versammelten Arbeitevwaffen auseinander zu treiben, wobei sie jüdische Arbeiter verhaftete. Die polnischen Sozialdemokraten formierten inzwischen ihren Zug, und verließen den Dheaterplatz, ohne sich um die weiteren Exzeße der Nationaldemokraten zu kümmern. Der Zug der jüdischen Arbeiter löste sich allnÄhlich auf, und am Platze Web eine recht große Anzahl von Schwerverwundeten zurück. Die Nattonaldemokraten begannen nun gegen das jüdische Viertel zu ziehen. Ganze Truppen postierten sich in der Nalewkigasse, wo sie jüdische Passanten mit Steinen, die sie in Säcken mit gebracht Hatten, bewarfen. Unter den Nationaldemokraten war eine zahlreiche Gruppe von Feuerwehrleuten zu sehen, die unter dem Rufe: „Tod den Juden, die Budkiewicz ermordet haben!", jüdische Passanten mißhandelten. In einigen jüdischen Geschäften wurden auch die Fensterscheiben eingeschlagen. Ueber Intervention des Abgeordneten Hartglas kamen verstärkte Polizeipatrouillen heran, welche zahlreiche Verhaftungen Vornahmen. Unter den Verhafteten befindet sich auch eine große Anzahl von jüdischen Arbeitern, die den Nationaldemäraten Widerstand leisteten. Nach dem Berichte der Rettungsgesellschast wurden 60 Personen schwer und leicht verwundet. Nach den heute eingelangten Berichten verlief der 1. Mai auch in L o d z blutig. Hier überfielen die Faszistengruppen der Nationaldenwkratischen Partei die hinter den deutschen Kommunisten marschierenden jüdischen Arbeiterorganisationen mit Knüppeln, Messern, Kolben und blanken Säbeln. Cs wurden gegen hundert jüdische Arbeiter schwer verwundet, unter ihnen der jüdische Stadtrat Poznanski (Bundist). Die Nationaldemokraten zogen sodann ins jüdische Viertel, wo sie in der ul. Glowna in sämtlichen jüdischen Häusern die Scheiben einfchlugen. Aus den Tramwaywagen wurden die Mischen Passagiere herausgeschleppt und verprügelt. Seit dem Jahre 1905 hatte Loly noch nie einen so blutigen Tag zu verzeichnen gehabt. * Meneich. Der Bundeskanzler Wer die Aaatsvertriige. In einer Parteiversammlung in Rudolfsheim, in der Bundeskanzler Seipel sprach, teilte er mit, daß der Ministerrat über drei Staatsvertväge Beschluß habe fassen können, die am nächsten Dienstag dem Parlament Vovgelegi werden würden. Es sind dies der Schiedsgerichtsvertrag mit Ungarn, ein aus vier Teilen bestehender wirtschaftlicher Vertrag mit Jugoslawien und der Handelsvertrag mit Italien. ,Ich lege großes Gewicht daraus" — sagte der Bundeskanzler—, 6. Mai 1923_Seite 8 „daß ich a n demselben Tage mit drerVv-rl. lagen vor das Parlament treten kann, um dadurch' zu zeigen, daß wir uns nicht einseiti g, nach irgerch'einej Seite hin, binden, sondern daß wir mit allenuns seren Rach-bar« gute p o l i t i sche und wi^- schaftliche Beziehungen unterhalten wollen. Ich lege Gewicht darauf, daß einer diese? Verträge, der.mit Ungarn, ein Schiedsgerichtsvertrag ist, der uns davor sichert, durch irgendwelche Konflikte in einen Krieg, wenn auch nicht mit blutigen Waffen, so doch in einen politischen und wirtschaftlichen Krieg, hineingetvielben zu werden, ferner daß wir auch mit Jugoslawien zu einem Vertrag gekommen sind, der nach seiner Ratifizierung vor allem unseren Staatsbürgern die von IugA flawien sequestrierten Güter zurückgeben wird, sowie daß Wir mit Italien einen normalen Handelsvertrag abgeschlossen haben, der unsere ganze wirtschaftliche Produktion und ebenso die Italiens berührt, in dem uns die Meistbegünstigung gesichert ist, und durch den nun wieder ein jeder Geschäftsmann in die Lage gesetzt ist, in bezug auf das italienische Absatzgebiet sich einzurichten." Ungarn. Künstliche Ruhe in Budchest. Budapest, 6. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Wit im Zimmer eines Schwerkranken, wird den ungebärdigen Rangen von Budapest, den unverantwortlichen Elementen, der^ Maulkorb umgehängt und jedes Lärmen untersagt, solange Bethlen und Kallay an den Türen der Entente pochen und dort für die Streiche ihrer Garde in Budapest zur Verantwortung gezogen werden könnten. Die Erwachenden sowohl als auch die unter Führung Stephan Friedrichs stehenden Faszisten aller Schattierungen beginnen allerdings schon ungeduldig zu werden, denn sie vertragen die ruhige friedliche Arbeit nicht, die augenscheinlich ihre Ueberflüssigkeit und ihre> Schädlichkeit für das Land'demonstrieren würde. Aus diesem' Grunde wurde die für den 6. b. vom Verbände der E i> wachenden nach Budapest einberufene Landesversammlung,' die eine Heerschau hätte werden sollen, von der Polizei d e r-, boten. In der Begründung des Verbotes heißt es, daß die, Tagesordnung — Besprechung der wirtschaftlichen Lage der, öffentlichen Angestellten — keinen Anlaß zu einem Verbots geben würde, daß die Regierung jedoch den gegenwärtig gen Zeitpunkt, da sowohl der Ministerpräsident' als'auch der Jinanzminister außer Landes sind, für eine solche Versammlung ungeeignet halte. Ebenso erging es Stephan, Friedrich, der am 10. d. eine große Parade veranstalten' wollte, im Verlaufe welcher er dem Bürgermeister von Buda^ Pest das Geschenk, welches M u st a s a, K e m a l P a s ch a der! Hauptstadt von Ungarn durch Stephan Friedrich übermitteltes feierlich überreichen wollte. Nach dieser Komödie hätte auch" ein Aufmarsch durch die Straßen Budapests stattfinden sollen.- Gestern nun teilte Stephan Friedrich seinem Aktionskomitees mit, daß er über Zureden maßgebender Amtsstellen vorläufig von der Parade und dem Demonstrationszug Abstands nehme, da die Regierung die Führer der Budapester Gemeinderatsmäjorität aufmerksam gemacht habe, daß solche Freund-, schaftskundgebungen für Kemal Pascha und Demonstrationen^ gegen die Entente auf die vom Ministerpräsidenten gegen-' wärtig im Auslande geführten Verhandlung^ in schädlicher Weise einwirken würden. GROSSE OKKASION Regenmäntel . - K 125.000 ■ (IfaMn. Leinenwaren, Waschwaren, f Stoffe, Wäsche — sehr billig ■ [ Schiff mann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros Ein detail litt Rellamephantast. In Amerika, dem Lande der großen Reklame, ist bis heute -der Name eines Mannes unvergessen, der als Meister der Reklame gilt. Es ist der „kleine" Barnum, der Gründer des weltberühmten Zirkus Barnum und Bailay. Der „Deine" Barnum ist nun schon mehr als dreißig Jahre tot — er starb ewun-dachtzigjährig im Jahre 1891 —, aber -dev Mann, der das Wort von den ,/Tausenden entzückten Zuschauem" prägte, liebt noch heute im Interesse des amerikanischen Publikums fort, obwohl doch seine Re- Äameeinfälle und Reklametricks in dem Lande der unaufhörlichen quantitativen Entwicklung längst überholt und überboten sind. Erst jüngst ist ein neües Buch über den ,/kleinen Barnum" aus der Feder von R. Werner in iNsw-Aork erschienen. Dev Grund für diche Geltung des Namens Barnum Wag Wohl der sein, daß seine Einfälle und Ideen eigentlich irreal waren. Sie entsprangen nicht einer realen Unterlage, ldie etwa durch Vergrößerung und „Ausmachung" MM ReKametrick wurden, sondern sie waren Kinder seiner Phantasie, einer grenzenlosen Phantasie, die — von keiner Uebrrlegung gehemmt — geradezu kindlich naiv war. Es war ejne echt künstlerische Phantasie, eine Phantasie, MM. .Nie böse sein konnte, weil sie — durch ihre Weite WblWe «rch durch den Glauben dessen, der sie geh«mchte, Md dm sie M einem dev berühmtesten Namen MÄ bg/o alten Welt machte, ^lwWn MtMr NÄMch felsensöst an Mmv Phantasie und besonders dann, wenn sie gr- ZEt wwen, konnte fein Glauben durch nichts erschüttert Avtzsichmyd dafür ist schon, wie er den Weg zum . ihn Mw' berühmten Manne «.■+ehte GwßhuMnng.. Grms K^las etz m 'einer Zeitung anS PWdelPhia eine Norü einem EwblUeraent trete «ine 161 Jahve alte Negerin aus; sie sei in ihrer Jugmd Sklavin beim Vater George Washingtons gewesen und wisse allerhand Interessantes aus jener Zeit zu erzählen. Barnum glaubte felsenfest an die Wahrheit jedes gedruckten Wortes und besaß die Fähigkeit, selbst die ungereimtesten Dinge zu glauben, wenn sie gedruckt standen. Und als er die Annonce über die Negerin sah, war sofort sein Entschluß gefaßt: diese Attraktion zu erwerben und aus ihr Kapital zu schlagen. Vom Kaufpreis — tausend Dollar — besaß Barnum nur die Hälfte; kurz entschlossen verkaufte er sein Geschäft und setzte sein ganzes Vermögen aus eine Karte — 'die 161-jährige Negerin. Sofort begann er die Reklame für seine Attraktion in seinem, -im Gnvnmn-Stil. Vor allem kündigte er an, die Negerin sei Washingtons erste Amme gewesen; ferner, sie wiege im ganzen 49 Pfurw, sei aber außerordentlich rüstig und heiter, ja sie sei eine außerordentlich begabte Witzevzählerin; nach Aussage der Aevzte sei sie ein physiologisches Phänomen u. dgl. Es ist klar, daß Barnum diese phantastischen Ankündigungen und die unzähligen anderen Reklamenotizen, die er für seine Attrakttonen erfand, nicht glauben konnte, Aber seine Einbildungskraft entzündete sich an ihnen, so wie sie ihn: gedmckt Vorlagen und er «begann sie zu glauben. Dieser iGlaube und der Glaube an seine 'eWw KGft gab ihrn den Mut, sich an alles zu wagen, und was er ansaßte, wurde zum Erfolg. Seine erste Attraktion, 8A 161jährige Negerin, tvar ein Riesenerfolg. Als sie starb eMb die ärztliche Untersuchung, daß sie höchstens 80 Jahre alt gewesen war. Niemanden fiel es ein, den „Deinen Barnum" wegen Schwindels zu belangen; so überzeugend hatte sein Glaube amdas Alter der-Negerin aus die Massen gewirkt; und daß sie bei ihrem hohen Mter die Amme des großen George Washingtons gewesen sein Mißte, war-Kr Barnum so selbstverständlich wie etwa die Fotzerung, -daß .sß'Day fei, wenn die Sonne am Himmel f-oht. Diese seine gläubige Phantasie um tüte es Barnum möglich, der u»- heinbavsten seine Attraktionen kolossale Anziehungskraft r verleihen. Unzählige solcher Attraktionen hat er „gelacht" und sie wurden stets bewundert. Die Suggestionsast gläubiger Phantasie. Barnums berühmteste ,Mtraktion" war die „schwedj-. he Nachtigall", die berühmte Sängerin Iemch Lind, fttej c im Jahre 1860 nach Amerika brachte; er hatte als erster, m Mut, eine europäische Sängerin für eine Konzert- )urnee in Amerika zu erMgieren und wagte es, ls echer, ihr das damals märchenhafte Honorävi on tausend Dollar pro Konzert mit einer Garantie Kr 150, wnzerte zu bieten. Die Tournee wurde ein Trmmphzug ir die große Lind und ein Fischzug für den Deinen Bar-, um. Er ha^tte entschieden künstlerische, dichterische Auigen, der große Meister der Reklame. Seine gläubige Phantasie, die ihin den Erfolg Lauen Ms, ist echtes künst-I irisches Gut. Künstlerisch-dichterisches Wesen ivaven auch! üne Briefe, von denen der jüngste Biograph des kleinen iarnum einige -in seinem Buche veröffentlicht. Einer ist! eisonders interessant; den -hat Barnum einem seiner!;wevge ausgesetzt: Er lautet: Barnums „Abnormitäten".' „Seit ich durch die Welt ziehe, 'habe ich etwa 50.060 teilen durchreist. Ich habe schon mehr Kaffer gesehen alssgeudein Hankde, Alr. Barnum natürlich auAgenoyrmenö lnd Ich -habe schön etwa zwei Millionen Frauen. Wißt/ arunter so vornehme Damen wie die KömMpW M, malarch Fyarstveich, Belgien «Mi SpaMr. M daD M, daß «v mich Dein gemacht; dafür W . N 4» W»« WW «ite ÄchHH.- dG WautaMH,