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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-05 · Heft 1518 (5.5.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1518 (5.5.1923)
Date
1923-05-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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v^>- GeVr 4 Men, SamStay Wiener Morgenzettung. 5. Mai 1923 Nr. 1518 Me Nationalsozialisten in Favoriten. kiue mißlungene Massenversammlung. - Große Tumulte. - Schiebende Halenlreuzler. Für gestern abends harte die „Lar.dcsltituug Wien der NutionaLsozialistishen Partei" abermals eine Versammlung i^rnc Anhänger einbernfsn Diesmal Maren die Tl»rm!r>rpps wieder in einen Arbeirerbezirt g-:loden. Die Versammlung fand •in Hofftnannß Ros:n,ä!en in der Favoritenstratze statt. Die Einladung zu dieser Brrsanrntlung hielt' sich in dem gleichen Provokatorischen Ton wie alle Hetzplakate der letzten Zeit, und besagte: c jüdische Verführung hat die deutsche Arbeiterschaft dem Deutschen' VoÄsbund entfremdet. Diese wertvolle Schichte dem deutschen Volke wieder Mmckzugewmnen, ist die vornehnttiche Aufgabe der MKonasiozialistischen deutschen Arbeiterpartei. Möge das Judentum die Abhaltung nationalsozialistischer Versammlungen als Provokation ansfassen, wir wenden uns deshalb von dem Hebräer-Volke von unserem vorgezeichnetem Wege nicht äbibringen lassen." Für die Besucher der Versammlung war ein Kostenbeiskrag von 1009 Kronen vorgeschrioben worden. Die Arbeiterschaft des Bezirkes, der mit dieser Veranstaltung beglückt wurde, zeigte die gleiche Haltrrr.g wie die Hernalser Arbeiter am Montag Mend. Schon in den späten dtachmN-agsstunden war die Umgebung des Dersammlungslokales von einer großen Menschenmenge erfüllt. Die Polizei war wieder in großer Starke ansgerückt und nahm kurz nach sechs Uhr bereits umfangreiche Absperrungen vor. Me Versammlung hat unter den Arbeitern des Bezirkes große Erregung hervorgerufen und nach Arbeitsschlnß zogen sie vor die in der Favoritenstraße liegenden Rosensäle. - Infolge der drohenden Haltung der Arbeiter bekam der Besitzer des Restaurants Angst, und inachte die Vermietung des SaalüS rückgängig. Infolgedessen konnte die- Versammlung nicht abgehalten werden, 'und angesichts der Situation entfernten sich di« im Saale anwesenden Hakenkrenzler — es waren im ganzen nur zwei- bis dreihundert — durch einen rückwärtigen Ausgang, der in die tzumboldtgasse führt. ' Eire Strecke weit konnten die Nationalsozialisten unbehelligt gehen. Als jedoch die Arbeiter Kenntnis erhielten, daß die Hakenkrenzler durch die HrmBoldtgasse äbzogen, drängten sie nach und fielen über sie her. Dabei gab einer der Sturm-' trupple? > > , mehrere Schüsse ' ö:5, durch welche eän Arbeiter verletzt wurde. T-'.e Wach« mußte mehrfach einschreiten und auch von der Wafs-e Gebrauch machen. Es würden elf Personen verhaftet. Zu weiteren Ausschreitungen kam e8 noch nach dem Abzugs der Hakenkrertzler. Die erregten Arbeiter hielten die Straßenbahnwagen auf, durchsuchter:' sie nach Hakenkreuzlern, zogen mehrere Personen aus den Wagen, rmd verprügelten sie. Als di« Wache die Ordrmng wiederherstellen wollte, wurde sie von den Demonstranten mit Steinen beworfen, wobei fünf Wachbeamte verletzt wurden, darunter einerschwer. > Die Favoritenstraße wurde geräumt und die Massen abgsdrängt. Vor dem Arbeiterheim in der Laxen-bnrgerstvaße kam cs zu einer Ansammlung von jugendlichen Personen. -Auch ar:s ihren Reihen sollen Schüsse abgegeben worden sein, ohne daß jenrattd verletzt wurde. Gegen 10 Uhr nahm die Polizei auch die Räumung der Laxenb arger st raße vor und nach dieser Zeit trat verhältnismäßige Ruhe ein. Die Polizei hielt jedoch noch längere Zeit hindurch vor den Rosensälen und dem Arbeitecheim den Ordnungsdienst aufrecht, da die Befürchtung bestand, daß die Hakenkrenzler, die sich in Nebengassen in kleineren Gruppen aufhielten, später den Versuch, die mißlungene Versammlung in irgend einer Form nachznholen, unternehmen könnten. Deshalb gab der kmmnar,-- dierende Polizeioffizier den Befehl, jede Ansammlung sofort auseinanderzutreiben. Wache zu Pferd rmd zu Fuß patrouillierte lange noch in den Straßen. Auch auf dem Fadoritenplatz sammelten sich Hakenkrenzler, die nicht mehr zu dem Versammlungslokale gelangen konnten, wurden jedoch von der Wache zerstreut. , Die Rettungsgesellschast hatte mrf dem „Kriegsschauplätze" eine fliegende Ambulanz errichtet, die in mehrerer.« Fällen intervenieren mußte. « Wie die Korrespondenz Wilhelm in später Nachtstunde mitteitt, wurden bei den Zusammenstößen zwischen Leiden Parteien durch einen von einem Nationalsozialisten abgegebenen Schuß der Gisenbchmmgestellte Karl Still im UntevleiLe .verletzt und von der Wiener FveiwAigen RettungAgesellfchaft in das Wiedner Spital geschafft. Die der Tat dringend Verdächtigen wurden sofort angchatten. Auch mehrere andere Personen wurden leicht verletzt. Ein anderer Arbeiter, der Dreher Franz Kas, wurde durch einen Stich schwer verletzt. So viel bis.zur Stunde bekannt wurde, wlrvben aus Seite der Sicherheitswache insgesamt dreinndzwauzig Wachebeamte, zumeist durch Stemwüvst, darunter einer schwer, verletzt. 'Kabinett ist noch ein Grund vochanden: Ich will RuMaud und allen arideren Ländern zeigen, wie wir über die Juden denke n." In einem anderen Brief während der WaWa-mPagn« schreibt Roosevett: ,^Jch habe faktisch an niemanden in feiner Eigenschaft als Jude, Protestant oder Katholik appelliert, sondern ich wollte erklären, daß jeder seinen Teil bekommen soll, unbekümmert darum, welchem Glauben er angchört. Ich hoffe, daß dieses Land seine jetzigen Regievungsfovmon noch einige hundert Jahre behalten wird. Wenn dem so ist, wird es sicher dazu kommen, daß es in den Vereinigten Staaten Prä-, sidenten geben wird, die Juden oder Katholiken sind, daher ist es jetzt meine Aufgabe, als Präsident Inden und Katholiken genau so zu behandeln, wie ich wünsche, daß ein Mischer oder katholischer Präsident einmal Protestanten behandeln soll. Mit anderen Worten, ich benehme mich als guter Am er :ik-an er, der sich gegen alle seine MMrger gleich benimmt, ohne ihren Glauben oder das Land, aus dem ihre Väter gekontimen sind, in Rechnung zu ziehen." ■BSBRSBSSnflCSaSaBBEaBI Roosevett hat in seinen Interventionen zugunsten der Juden in Rußland und Rumänien darauf hingewiesein, daß die Judenfrage keine innere Frage dieser Länder sei, sondern anch Amerika durch die sich daraus ergebende Auswanderung berühren. Dieser Standpunkt Roosevelts ist auch auf Strauß' Einfluß zurückzuführen. Die Memoiren Strauß', die sehr einfach geschrieben sind, halben in den politischen Kreisen Amerikas starke Beachtung gefunden. Zuterefsante Fmuenportwits. nicht wegen der großen Zahl ihrer Kinder, sondern wegen des starken mütterlichen Einpfindetrs -dem ganzen Volke gegenüber. Wir freuen uns, Gelegenheit gefunden zu haben, dieser Führerm der jüdischen Frauen Amerikas zeigen zu dürfen, daß auch die Jüdinnen WienS ihren Stolz und ihre Ehre daran setzen werden, ihr Bestes für das Judentum zu leisten. Von Anitta Müller-Cohen.! Mt Freude begrüßen die jüdischen Frauen Wiens die 17 Landern Europas und Amerikas hier versammelten Frauen, die gemeinsam Wer die. sozialen Probleme beraten wollen, die für das jüdische Volk von Lebenswichtigkeit sind. Zu den markantesten Erscheinungen gehört wohl * Mrs. K ohut. Es war in der Nachkriegszeit. Wir waren so Mflos und bttteravm geworden, daß wir um fremde Hilfe betteln mußten. Eine Anzahl Delegierte aus verschiedenen Ländern kam in unsere Stadt. Manche haben uns die Aufgabe, unseren Avmen zu -helfen, leicht und manche schwer gemacht. Doch es ist nicht an der Zeit, Kritik zu üben. Eines Tages erschien Frau Alexander Kohut im Bureau der Sozialen Hilfsgemeinschast. Man gewinnt beim ersten Anblick den Eindruck, daß hier nicht nur eine schöne, tavpo- * saute Frau, sondern auch ein tvirklich guter, liebenswerter Mensch einem entgegentritt. Sie bezaubert durch denEharm ihres Wesens. Eine echt jüdische Frau, mütterlich in dem x Sinne, wie Rachel eine Mutter in Israel genannt wird, Mrs. Eliner Sachs-Barr lernte ich kennen, als ich mit einem der Kindertransporte vor Jahren nach Holland kam. Es erwarteten mich auf der Bahn drei Damen in schmucker Uniform. Es waren dies die Europeen Junion des Council of Jewish Women. Ihre Führerin ^war Mvs. Eliner Sachs-Barr. Tagsüber gingen, wir alle unserer Arbeit nach, spät abeNds trafen wir uns in unserem kleinen Stübchen tat Hotel Pomona, im Haag. Wir saßen hier bis spät nachts beisammen und erzählten uns von unserer Arbeit, von unseren Hoffnungen und Enttäuschungen. Bielen arbeitenden Frauen in manchen Ländern der Erde bin'ich begegnet, aber selten hatte ich vor den schaffenden Frauen und ihrer Arbeit einen so großen Respekt wie vor -dem Schaffen dieser jungen Damen. Einer schönen und schweren Ausgabe haben sie sich unterzogen. Sie sollten die einzelnen Frauen und dij» Organisationen In -den Hafenstädten zur gemeinsamen Arbeit vereinigen, die den Emigranten und vor allem den Frauen und .Andern zugute tarn. Es ist überflüssig, zu sagen, daß diese Aufgabe, so groß und schwer sie war, eine ungeheure Anspannung aller Kräfte brauchte. Wüßte ich nicht, wie Mrs.'Eliner Sachs- Barr in feinster Bescheidenheit jedes Lob ablehnt, ich würde ihr all das sagen, was andere über sie zu berichten wußten. Wir sind stolz, sie zu den MiWmpsermnen in der Müschen FrauenbewöWng zählen zu dürfen. / In einer ALendsitzung des jüdischen Heimes in Z ürich habe ich Frau Strauß-Drehfuß kennen gelernt. Die führenden jüdischen Männer und grauen der Schweiz waren beisammen, ein wenig müde, denn an demselben Tage war gerade der erste Kindertransport über die Grenze gekommen. Hoffend und Langend 'war ich zu dieser Sitzung gekommen. Es war eigentlich meine Aufgabe, mich für den warmen Empfang unserer Kinder zu bedanken. Aber unbescheiden, Nüe ich um der Sache willen, der ich diene, sein muß, galt es, dein Schweizer Komitee auseinauderzusetzen, daß dieser erste Kindertransport nur der Beginn der Schweizer Hilfstätigkeit sein könnte. Frau Strauß-Drehfuß war eine der ersten, welche die Notwendigkeit dieser Forderung erkannte. Als ich einige Tage später nach Basel kam, als ich auch in ihrenr. eigenen wunderschönen Heim ein Wiener Kind sand, das schon nach weniger: Tagen fast unkenntlich für jenen geworden war,s der es als müdes, verhärmtes Ding kennen lernte, da wußte ich, daß die Sache unserer Kinder Lei Frau Drehfnß gut aufgehoben ivar. Ich hatte, mich nicht getäuscht. Der Auf-! enthalt in dem Heim, das sie in Alswill schuf, ist den Wiener Kindern ein Märchenparadies geworden. Viele Wiener Mütter und Kinder gedenken ihrer heute in dankbarer Verehrung, da sie als Delegierte der Schweizer jüdischen Frauen in unserer Stadt tveilt. Frau Melzer-Pomeranz. In wirren Kriegs« tagen lernte ich sie kennen, als auch sie die .Kriegsereignisse' nach Wien gebracht hatten. Sie kan: oft und oft in unsere Fürsovgesiellen, um Hilfe zu erlangen für einen oder den anderen ihrer besonderen Schützlinge. Sie war aber keine von denen, die sich 'damit begnügten, ihre Visitkarte abzugeben oder durch eine Vorsprache formell ihrer Pflicht Genüge getan zu haben, und da sie selbst viel half, leitete sie begreiflicherweise davon die Berechtigung -ab, auch von anderen viel zu verlangen. Jahrelang sah ich die mutige Frau dann nicht, hörte nur immer von ihren Freunden, die aus Polen kanten, wie eifrig sie. die inzwischen Abgeordnete wurde, sieb an der sozialen Arbeit betätige und wieviel sie leiste. Auch in den neutralen Ländern, wo ich Hilfe für unsere Kinder suchte, hörte ich oft ihren Namen. Sie war meiner Arbeit „eine gefürchtete Konkurrentin" und hat überall, wohin sie kam, mit unermüdlicher Energie und Uebevz-eugungskraft für die. armen indischen Kinder des Ostens geworben. Ms ich bei meiner erster: Reise nach Polen Gelegenheit hatte, das Haus! zu sehen, das sie nach dem Kriege schuf, 'das Haus des Kindes, aber auch das .Haus der jüdischen Frau, da mußte ich mir sagen, daß ihre unermüdliche Arbeit von wirklichem Erfolg gekrönt war. Ihr Wiener Besuch ist für ihre vielen Freunde in dieser Stadt eine wahre, innere Freude. Das Wiener vorbereitende Komitee für den Kong re: der jüdischen Frauen besteht aus Frau Prof. Pick, Frcm Direktor Nllmann, Frau Erna Patak und Fvcyri Anttta Müller-Cohen. Mitteilungen aus dem Publikum. Lea Waldbaum Cholojow Owadje Bermann Wiznitz Verlobte Wien, im Mai 1933 Der Akademische Verein Jüdischer Mediziner gratuliert seinem Obmannstellvertreter Herrn Jakob Rosenblaft cand. med.' anlässlich seiner Vermählung mit Fräulein Erna Gretsch imprägnierte Stoff-Raglans für Herren und Damen. Engros Export. — Jenö Deutsch, III. Apostelgasse 24 Kultus-u. Justiztalare u. Barette 2351 liefert in schönster Ausführung dlo bekannteste Spezialürma RUDOLF GOmSTEIti Gegründet 1866 - Oroße Auswahl feinster Stoffe für Maßbesteliungen j Vereinsfahnen Fahnenbänder Banner Komplette Kultuseinrichtungen ss? fiEVSMAN Wien, VII., Mariahjlferstrasse 96. Tel. 37-600 Damen: ► Iauerschutz Kerren: Pessar, klastisch, ärztl. empf. 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