Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1518 (5.5.1923)
- Date
- 1923-05-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie in I t a l i e n, so hoffen auch wir hier, daß die Arbeiter einen guten Teil der Kämpfer des Faszismus bilden werden. Rumänien! Der FaszismuS ist unsere Erlösung!" Wie das genannte Blatt weiters mitteilt,. haben sich her Bewegung schon große Teile der Jugend, darunter zumeist Studenten angeschlossen, die fetzt, nachdem inzwischen die Satzungen vom Innenminister genehmigt »worden sind, ganz offen auftreten. Bei ihrer Aufnahme leisten die Faszisten einen Eid. Der Paragraph 21 der jSatzungen teilt die Aktion der rumänischen Faszisten in drei Gruppen: in eine politische, soziale und kulturelle. ■ Das Hauptziel der politischen Aktion ist die B e k ä m pjfttttg der sozialistischen Parteien, der schädlichen Fremden und der Gegner des Staates. In zweiiter Reihe richtet sich ihr Kampf gegen Spekulanten, vererbte Beamte, gegen den Alkoholismus und — gegen die Ausbeuter dev Prosttution. In „kultureller" Hinsicht setzt sich die rumänische faszistische Aktion die geistige und leibliche Erziehung des Rumänentums zum Ziel und nimmt in diesem Punkte auch den Antisemitistuts als Kanrpf- —^ment mit. ' l Ae antisemitischen Hochschulexzesse. Aus Jassy Wird gemeldet: Vom MmrsLerium für öffentlichen Unterricht langte an die Universität ein TÄegramm ein, worin das Bedauern ausgedrückt wird, >Laß die LÄnung bisher nicht wrederhergestellt wurde sowie die Wiedereröffnung der Universität eventuell mit Hilfe der ^Behörden verlangt wird. Dieses Telegramm beantwortete ider akademische Senat der Universität dahin, daß die Mitglieder des Professorenkollegiums gegen die Entschließungen 'sind, dem MilAKr das Betreten dev Universitätsräume!zu gestatten, und dev Ansicht sind, daß die Universität sogar Lr8 zum Herbst geschlossen bleibt. Bis dahin, so. ' glauben die Untversitätsprosessoren, werden sich die Gemüter von selbst beruhigen. ' Wie die „Dimineatza" weiters erfährt, haben die euzistischerr Studenten eine neue Methode emgeschlagen. Sie verfolgen die jüdischen Studenten bis in die WlWWN, tzrsbesondere jüdischen Qartrere. Mndfchmt. Re Srienttrise. Kämpfe im Mosiul-MstM? Angora, 3. Mai. (Reuter.) Die britischen Bataillone habm im Bezirke Rewanduz die mÄitärffchen Operationen begonnen. GnWsche Flieger bombardieren die Dörfer. Wewauduz liegt .im MoMgchret.) Ae türkische Antwort. r' Konftanttnvpel, 4. Mai. Die Antwort der Türkei an Frankreich soll dilatorisch sein urd dartun, daß die Truppenzusammenzöchung an dev syrischen Grenze eine Sicherheitsmaßnahme darstelle. kugland und Mesopotamien.. Lrndon, 4. Mai, rT«:l.°Knnp) Im Unterhaus Ee gestern Schatzkanzler Baldwi-N mit, daß mit König Faisul ein Vertrag abgeschlossen worden sei, wonach England Mesopotamien räumen werde, sobald dieses Land h. den Völkerbund aufgenonrmrn worden sei, spätestens aber vier Iah?-? n t> ch R at ifrzi erung des türkischen Friedensvertrages. (Die Räumung Mcsopodcmriensvon ^den englischen Truppen ist mehrfach von oppositioneller Seite im Unterhaus gesoridert worden. Die Erklärung der Regierung spricht hier zum ersten Male von eir.-rck bestimmteren Räpmungstermin. Da. auch Mesopotamien W den Mandatsgebieten gehört, ist . die Angelegenheit mit Rücksicht aus Palästina beachtenswert.) Ae Frage der Fewish-Agenry. Aus London wird uns geschrieben: In der letzten Sitzung der Antzlo-Jewish Association wurde die Einladung der Zionistischen Organisation an die Anglo-Jewish Association wegen ihrer Beteiligung an der Jewish Agency zur Verlesung gebracht. In der Einladung wird erklärt, daß die Zionistische Exekutive den Zeitpunkt bereits für gekommen erachtet, mit anderen Wischen Körpevschasten, Wiener Morgenzettnng. Zionistische Sektion, II„ Prater Heute Samstagden 5. Mai 1923, präzise 8 Uhr abends, inr Cafe „Venedig1“ (Winkler), II., Stuwerstrasse 1 ■ MSum über „Pie Jetzige Lage in Palästina“ jOhg Robert Stricker die gewillt sind, den Wiederaufbau Palästinas zu unterstützen, in Verhandlungen zu treten, um mit ihnett über die Zusammenstellung der Jewtsh Agency zu beraten. Die Association wird eingeladen, zwei Vertreter zu 'delegieren. Nach einer längerett Debatte wurde beschlossen, den Prä deuten Goldschmidt und Sir Robert Waley Cohen zu den Verhandlungen der Zionistischen Exekutive zu delegieren. (Eine Ähnliche Einladung ist bekantlich an den Board of Depnties ergaitgm und vm ihm angenommen werden.) Tumulte im preußischen Landtag. Berlin, 4. Mai. WM.) Im preußischen Landtage wurde heute der von den Deutfchnationalen gegen den preußischen Minister des Innern Severing.angebrachte Mißtrau eusant rag in namentlicher Abstimmung mit 248 gegen 79 Stimmen abgelehnt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung kam es bei der Geschästsordnnngsdebatte, in der der kommunistische Abgeordnete Katz schwere Schimpfworte gegen die Sozialdemokraten.! gsbrauchte, zu einem großen Tumult. Die Sozialdemokraten rissen Katz von der Rednertribüne und schlugen mit Fäusten auf ihn ein, so daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilte der Präsident mit, daß der Abgeordnete Katz auf 14 Tage von den Sitzungen ausgeschlossen sei. Da aber Katz trotzdem im Saale verblieb, mußte die Sitzung abermals unterbrochen werden. Ier Prozeß gegen Krupp. Werden, 4. Mai. Der Krupp-Prozeß hat honte hier vor dom französischen Kriegsgericht bvgonuen. Als die Angeklagten, cm ihrer Spitze- Krupp v. Bohlen-Hülbach, in den Saal geführt wurden, erhoben sich alle anwesenden Deutschen spontan von den' Sitzen. In der Anklageschrift werden den ‘ Beschuldigten ein Komplott und Machinationen gegen die Sicherheit der französischen Truppen, Verstöße gogon zwei Verordnungen- sowie Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen. Außer'drei deuöfchsn Verteidigern fungiert auch der Genfer Rechtsanwalt Morräud als Verteidiger. Ms erster Angeklagter wurde Krupp einem eingehenden Verhör unterzogen. Er hatte sich unter anderem über die Vorgänge an dem verhängnisvollen 31. März zu äußern. Kurz vor 8 Uhr vormittags, so gab er an, sei Direktor Havtwich zu ihm gekommen und habe ihm mitgetM, daß gemäß einer Vereinbarung mit dem Betriebsräte um 9 Uhr die Sirenen in TätrgjkeD gesetzt werden würden. Mus eine Zwischensrage des Vorsitzenden uNd Staatsanwaltes, ob ihm nicht der Gedanke gekonrmen sei, einzugreisen, um ein Unglück zu verhüten, erklärte Krupp, daß' ihm ein solcher Gedarcke auch nicht im entferntesten gekommen sei. Nach 11 Uhr sei jemand ins Zimer gesUrzt mit dsv Mitteilung, eS fei geschossen worden. Damit war die Vernehmung KvuM beendet. Dev Wozeß. wmde^^eM-^moMn^rL.Uhr vormittags/ Ms aller Welt. Ak o m, 4, Mai.. Der Postmknister hat die MandStele» grammgebührerr probeweise' vom 1, Juli ' an um 40 Prozent herabgesetzt. Rom, 4. Mai. In der elektrischen Zentrale der Mailänder Bahnen sind die Arbeiter wegen Androhung einer Geldstrafe für die Arbeitsruhe am 1. Mar teilweise rn den Streik getreten,. Die Direktion hat daraufhin den Betrieb gesperrt. Santiagode Chile, 4. Mai. Die panamerikanische Konferenz hat ihre Arbeiten beendet und enrmüria eine von den Vereinigten Staaten vorgelegte Ent- Wießung angenommen, in der der Krieg verurteilt und das Prinzip ausgestellt wird, daß keine Nation Kriegsschiffe von mchr als 85.000 Tonnen erwerben möge. ■ ' Tagesbericht. Sie Spendeneiugkiuge des FüdWen NUisnal« ff. Mlt‘1923 einen neuerlichen empfindlichen Rückgang dar. Doch scheint nunmehr der größte Tiefstand erreicht zu sein und, wie aus der Nebeneinanderstellung der sechs Monatsfummen des letzten Semesters hervorgeht, eine kleine Erholung einzutreten. Oktober 1922 —, November 1932 3361, Dezontber 1922 6032, Jänner 1923 7952, .Februar 1923 10.290, März 1933 10.473. Die spärlichen Eingänge, weiche dom Hauptbursau unmrttelibar nach seiner Ueberstedlung im -Oktober zugingen, wurden dem Vormonat zugoschlcvgen. Der unverkennbare Atchstieg, welcher sich seither ergab, ist wohl der belebenden W i rk u n g zuzuschreiben, welche die U e b c r s i e d l u n g de? Hauptbureaus auslöste. MlkgMg der Wischen Bevölkerung in Böhmen und Möhre«. Die jetzt publizierten Daten über die Ergebnisse der Volks zählung in der tschecho-slowäkischen Republik zeigen, was die jüdische Bevölkerung betrifft, wieder die schon seit den letzten drei Jahrzehnten beobachtete Erscheinung des Rückganges der jüdischen Bevölkerungszahl in Böhmen und in Mähren. Während die allgemeine Bevölkerung in Böhmen vor 6,781.963 im Jahre 1910 auf 6,670.578 im Jahre 1921, also um 1.64 Prozent gefallen ist, ist die Zahl der Juden in Böhmen von 86.927 auf 7 9.7 7 7 g e s u n k e n, hat also 7.16 Prozent ab. genommen. In Mähren ist die Gesamtbevölkerungsziffer von 2,633.027 auf 2,662.884, also um 1.13 Prozent gestiegen, dagegen hat sich die Zahl der Juden in diesem Lande mehr als in Böhmen, nämlich um 7.91 Prozent vermindert, indem sie von 41.255 im Jahre 1910 auf 37.989 im Jahre 1921 sank. Jntereffant ist, daß in Böhmen die jüdische Bevölkerungszahl in den Kreisen mit tschechischer Mehrheit am stärksten abge. nommen hat, während in Mähren die umgekehrte Erscheinung zu konstatieren ist, dort ist die Abnahme der Juden am stärkster in den Bezirken mit deutscher Mchrheit. Diese Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Böhmen und Mähren ist diesmal stärker als im vorhergehenden Jahr« zchnt. Zn den bereits von früher her bekannten Ursachen (Geburtenrückgang, Landflucht) kommen diesmal noch iunverhäll nismäßig starke Kriegsverluste der jüdischen Bevölkerung in Böhmen und Mähren. Wiener Gemeinderat. h Neuerliche Milliardeukredite. Die Meidevausbiauavbeit der eGmainde schreitet vorwärts-. In der gestrigen Sitzung wurden 6,000.000 K. als Zuschuß« kredrt Mn Ankauf von Lehrmitteln für die 24 Vor-' stlchMassen der Allgemeinen Mitteffchulle^ ferner zur Errichtung^ einer Repavaturwerfftätte und eines Wohlsahrt s g e b ä n«‘ das im Kraftwerke GngerHstrahe der Städtischen Elektrizitätswerke, Sachkvedite von Dsmwnen 3 Milliarden Krön en ibÄvrlligt; Ebenso ein'Sachkredii von 3.500,000.000 K. fiir den Unübnu der Schaltanlage im Kraftwerke Sinmtering' der Städtischen WeLrizitätswerke. Die Mdecknny.Wird aus den kaufenden Betriebsmitteln der Fahre 1633 und 1933 bestritten. Im Verlause der Sitzung wurde nach einem Referate Speisers der Grundlohn und die starre Teucrungszulage der im KolleNVvertrage sichenden Bediensteten dev ÄagerhäNser erhöht Und die BeZugsausZa-hlung cm die aktiven AngestMen am 30, April 1083 genehmigt, die BArmz der Gemeinde Men — städtischer Kohlend und Hohstelle", welche vonder Länderbank als ßbfr. sührevm der Gemeinde voMegt. Dev m der Mauz a..-. totefene Reingeüvimr von 165^93.715 K. 86 H. ist in der Liquidierungsbilcrnz vorzutvagen und sind dre -EvgöbniszUern dieser Bilanz in die kamevÄisÄsche' Verrechnung zw überführen und im HauPtrechnWvgsabschlusstz dev Eigenen Gelder Pro 1923 aus- Mveisien. Der Zentval-euvopüischeln Länderbauk Wird zur VerteAung an >das in der Geschäftsführung tätig gewesene Per-'; svnäl eine Reimmevation von 50 MWonen Kwnen zur Per-/ » Das Jevnsallemer Hauptbureau des Jüdischen NatwMl- 'fonds hat mt Hckkbjahr vont 1. Oktober 1922 bis A. März 1923 an Gesamtspenden den Betrag von 37.108 Pfund eingenommen, worin die Monatsrate des Keren Hajessod für Oktober im Betrage von 1000 Pfund enchälten ist. Diese Beträge siüd aus Sammlungen von msgeisamt 42 Ha>uptsamm-elstellen hewougegangen. An erster Stelle stcht Nordamerika, welches ungefähr ein Drittel des Gesamtbetrages aufgelbracht hat. Palästina selbst rangiert mit 1618 Pfund an sechster Stelle, Oesterreich mit 344 Pfund an sechzchnter. Die GesamtspendensuMme von 37.000 Pfund ist angesichts ider großen Investitionen, Verpflichtungen und Aufgaben des Nationaffonds als höchst unbefriodiger-d zu bezeichnen, und stellt, darüber hinaus, im Vergleich gegen die entsprechende Periode des Jahves 6682, welche noch 54.366 Pfund einbrachte, Roosevelt und die Zndmftage. Aus de» Memoiren Oskar Strauße ' Dev bekcmnte amerikanische Diplomat Oskar Stmatz, zuB- Zeit der Präsidentschaft- Theodor R-ovsevelts dess-en Handelsminister, später Botschafter in Kvnstanti-nopel, ein Jude» dessen Familie aus Bayern nach Amerika eingc>. wandert ist, hat jetzt seine Memoiren in New-Bovk erscheinen lassen. Sie geben viel interessante Emze'lheiten über die jüdischen Bechältwisse m Amerika und auch über die Ge-samtpolit-ik des Landes. Den Memoiren ist zu entnehmen, daß die Intervention Roosevelts gegen die Judenverfolgungen im Mistischen Rußland und gegen die nicht lange -darauf erfolgten antijüdischen Exzesse bei den Agrarunruhen in Rumänien auf Strauß' Einfluß zuvückzuführen ist. Strauß bringt in seinem Memoiren- Werk auch einige Briefe Ropsevcklts, welche ziemlich scharfe pMtifche Streiflichter werfen..' Während der WalMatnpcvgne im Jahre 1904 warfen Roosevelts politische Gegner ihm -vor, 'daß er sich zu stark bemühe, die nationalen Minderheiten für sich zu .gewinuem Da-rauf -lud Roofevelt demonstrativ einen Neger zu sich ein und saß mit ihm bei Tisch (bekanntlich in Amerika etwas Unerhörtes), um so zu beweisen,' daß er jedem Rassenhaß 'abhold sei. Zu diesem Diner war auch Straß geladen und in der schriftlichen Einladung sagte Roosevelt: ,/Jch will Sie in meinem Kabinett haben, weil ich Ihren Charakter^ Ihre Fähigkeiten und Ihre Schicklichkeit hoch schätze. Außer diesen persönlichen GrwÄen für Ihre Teilnohnte an meinem 6R055E OKKASION Regenmflntel . ■ K 125.0001 Leinenwaren, Waschwarenf V Stoffe, Wäsche — sehr billig ■ II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 ______... ..,.UKta> ,.a __En gros En detail ton