Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1517 (4.5.1923)
- Date
- 1923-05-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn er sich an eine Dame älteren Jahrganges heranmacht, schwüle Seufzer auf den Lippen, die Augen aber auf den wertvollen Halsschmuck gerichtet, dem das Manöver gilt, muß der trockenste Patron vergnüglich losplatzen. Und eine Einlage von Pallenbergs Gnaden — Liebäugeln mit , silbernem Hausrat — ist prachtvoll. Aber ob dieser semmelgelbc Provinzkommis aus der Kolonialwarenbranche, den er sich zurecht gelegt hat, auch auf die unterschiedlichen Backfische, Küchendragoner, alte Jungfern, angehenden Großmütter zuverlässig wirkt, wäre zu bezweifeln. Ein Schuß „Tartüffe", eine unnachahmliche Geste der Unverfrorenheit und grundtiefer Galgenhumor, wenn das Spiel verloren ist, machen beinahe das Manko wett. Außerordentlich Frau Förster als Brautmutter in argen Liebesnöten. Frau Garden gibt eine Kokotte fraglichster Sorte ohne Anstand, also vortrefflich. Pallenberg, der den Text durch Mtenensviel und Worte mit Glück erweiterte, wurde, bejubelt. O. A. Die gestrige Aufführung von Bahrs „Wienerlinnen" im .Deutschen Vvlkstheater stand im Zeichen von Viktor K u U schera 8 Doppeljubiläu-m, der an diesem Tage das Fest seiner vierzigjährigen Vühuentätigkeit und seinen sechzigsten Geburtstag feierte. Das Publikum überschüttete den Jubilar, der einen;üfe,er*Cttt§ glücklichen Abend hatte, mit rauschenden Ovationen. Die eigentliche Feier fand nach dem ersten Akte in Anwesen-- jheit ldes gesamten künstlerischen Personals und der Deputationen jauif der Bühne statt. Es wurde eine ganze Reihe von An- ^sprachen gehalten, die, auf Pathos, Humor Md Freundschaft lgestinnnt, KuWera als Künstler, Menschen und Kollegen würidigten. Hervorgehoiben sei die fein pointierte Rode Dr.E.Wenigr as s als Vertreter der „Coneovdia" Und das Schreiben des idurch Krankheit verhinderten Direktors Bernau, welches, Vom Dramaturgen Glücksmann verlesen ' eine warme iWürdigung des Künstlers enthielt. Es gab zahlreiche Gaben,!Angebinde und viel warme Begeisterung. Der Geineinderat hat iKutlschera zum Bürger von Wien ernannt, seine Kollegenschaft!stiftete einen Kutschera-Wohlfahrtssonds, dessen Verwaltung dem ^Jubilar übertragen wurde. Kutschera dankte in einer humorwollen, warmen Ansprache, die stürmische Kundgebungen aus-!löste. Auch noch den übrigen Akten der wohltemperierten Anf- Iihrung wurde der Künstler stürmisch gefeiert. Burgtheaterr Morgen, 7 Uhr, „Antonius a n d C l e o p a t r a". A k a b e m i e t h e a t e r: Morgen, halb 8 Uhr, „D e r Krampu 8". VolkSoperr Heute Gastspiel Georg B a k l a n o f f als Tonto in „D e r B a j a z z o". Sein weiteres urspriinglich vorgesehenes Auftreten am 9. d. als Mephisto mußte wegen Verhinderung des Künstlers abgesagt werden. — Morgen „D i e G ö t t e r d ii m m e r u n „Prozeß gegen Gott , ein dreiaktiges Drama des TonbichterS Hosef Heller, dessen Oper „Frauenlist" in der Volksoper seinerzeit erfolgreich aufgeflihrt wurde, gelangt demnächst atu Wie nerKomödivn Haus zur Uraufführung. Das Strick stielt in Prag zur Zeit be8 honen Rabbi Löw. Dorkrag Martha Herold» Im Wiener Komödienharts!findet morgen, 3 Uhr nachmittags, ein Vortrag von Maria Martha!H ero ld statt. Das Programm umfaßt Dichtungen von Goethe,,! Schiller, Lilieneron, Dehmal, Arno-Holz, Tagore, Sova, Wilde, 'owie das Wildenbruch-Schillings Melodrama „DaS Hexenlied".!Karten an der Kaffa des Wiener Komödienhauses Wiertttr t Bolkswitt. Gestempelte Krone »»0.0078'/. Kentlmes. Auszahlung Wien -» 0.0078'/« stenNmes. In Zürich notierte '' die österreichische Krone . . 0.0078% (0.0077% am 2. Mai) die österr. gestempelte Krone 0.0078% («0.0078 , am 2. Mai) die tschechische Krone ... 16.47»/, (16.47»/, am L Mai) die Mart. 0.0148 ( 0.0178 am 2. Mat) Holland.. . . 216.75 (216.50 am 2. Mai) New-York ........ 583.50 (658.50 am 2. Mai) London ......... 28.66 ( 26.69 am 2. Mai) Paris' . .. 36.87 ( 37.37 am 2. Mat) Mailand z ...... . 27.05 ( 27.12 am 2. Mai) Belgrad .. 5.77»/, ( 5.76 am 2. Mai) Bukarest.(-.-■ am 2. Mai) Sofia.. i . . 4.20 ( 4.20 am 2. Mai) Budapest .. 0.10% ( 0.10»/, am 2. Mai) Warschau ........ 0.0115 C 0.0120 am 2. Mai) »«Wester WirtsAastsbericht. Budapest, .Ende April 1023. . Ge fallen ist der Weizeuyreis um einige hundert Kronen, nachdem er tvährend einiger Wochen bis 26.000 Kronen gestiegen ist. Eine bittere Ironie für den vom zugezählten Groschen das Dasein fristenden Kleinbürger, . der nicht so viel .verdienen kann, um die unerschwinglichen Brot- und Milch-, von Fleisch gar nicht zu sprechen, Preise m befahlen. Der „Genuß" von Fetten, Zucker und sonstigen als unentbehrlich, geltenden Bedarfsartikeln ist rein zum Luxus, das Anschaffen der allernotlwendigsten HEshMnngsgegerfftände, Kleidungs- und Wäschestücke unmöglich geworden. Und ta&w keine Hoffnung ans eine Bessevung, sozusagen stündlich höhere Preise, .gleichviel, ob die Züricher Notierung fällt oder unverändert bleibt, der Unterschied ist, daß bei einem Sturz de-tz Krone die Preise in rascherem Tempo •— mehrmals.im Tag steigen. Teurer, wnrden wieder: Die ErzMgnisse der Tabakvogie, Eier, Brot, und Mvingebäck (im Agrikulturstaat Ungarn «ine Semme-l 22 Kronen), Zeitungen, Bier, Zucker <ab 1. Mal um weiitere 260 Kronen höher, ivoran der Staat ebenfalls „botckligt" ist), Geflügel, Fleisch, Fette, Holz und Kchle sowie Bamnateviabien. Cs M Leirte, die glcku>ben, es »vevde jetzt besser, -da M>inistcchirä!sident Dethlen nnd Finlmzminister KvNa y nach Paris reisten und von-dort nach -London nnd Rom weitenfahren, wo sie den maßgebenden Faktoren die Lage des, Landes schildern und «vvöichen wollen, daßt ^Ungarn keine KrivgSentschädWMgen zu zahlen halbe. Nebenbei wären sie zUistiedenwenn es geilingen würde, eine ausländische Anleihe durchznsetzen. Vorläufig sind nicht einmal die Bastler Berhandlungen der Rqtsherren mit den ausländischen Gläubigern mit Erfolg beendet; wohl heißt es, die Stadt wirb' die Vorkriegsschulden in Monatsraten a 200 Millionen abtragen können, doch ist die Ve-vöinbarung noch nicht abgeschloffen. Inzwischen wird beim Magistrat emsig ün dem AnSkochen frischer Steuern gearbeitet. Einmal wird die Bclkenchtung verteuert. Ein andermal wird über das Einführen der 10proizentigen 'Kommunikatwnssteuer nachgedacht, nachher wird ^die Erhöhung der Kranöenlhansverpislegnng ^bcschlosstn und jetzt beabsichtigt man, sämtliche Getränke, auch Mincralwässtr inbegriffen, sowie alle Weischsorten nnd Geflügel zn besteuern, schließlich auch die Rauchfangkehrer-- und EichgcbUjren zu erhöhen. Der Ausstand der Angestellten der össtnflichen Betriebe hat. Zwar mit einem FiaSko geendet» wird aber, nachdem das Leben seither noch mehr erschwert wurde, in aller Kürze wiederholt. Die De Visen zentrale läßt w'iedcr — zum x-ten Male —- verlarrtbaren, es kämen in Bälde wöchentlich an einem Elearing-DaM Valuten zum Begleich alter Schulden zur Liquiblimmig; geklagte Forderungen hatten -bis zur Höhe von 60 Prozent das Vorrecht. Der allgomo'me Geldmangel ist auch ' im Zollamt« wahrznnÄhmen, indem dort fast gar kein Verkehr ist, tvoran allerdings auch die Einfu-Hrveöbote der Rcgierrmg Schuld tr-agen. Vattkeu und MttengesellschaftA Wi-ewohl die Unternehmen sich nicht allzusehr beeilen, ' ihre Bilanzen zn verößstnMchen, nachdem sie nicht wissen, welche Steuerlasten sie zu tragen haben, indem die Vollzngsinstruktion der neuen Gesellschaftsstener noch nicht erschierl, werden die Resultate des verfloffenen Gieschäiftsjahres doch allnrählich bekannt. Im" allgemeinen tvar die KonjunAtr günstig, au« vielen Stellen machte sich jedoch der GMnangol stark fühlbar und waren die Aktiengesellschaften gerungen, fremdes Geld in Anspruch zn nehmen, was naMrlich ganz ansehnliche Zinslasten zur Folge hatte, so daß die Zinsen den Gewinn zum gwßen Teil auifzchrten. Besonders erwähnenswert ist die Bilanz der Ui^g. Baubank, die zwei Jahre mit Verlust, im Geschäftsjahr 1922 jckdoch so erfolgreich arbeitete, daß sie einen Reingewinn von 269 Millionen ausweistn konnte. Auch der Altruismus hat hübsch getragen, Beispiele sind: Die Konsumgenossenschaft der öfientl. Angestellten, wo die Mitglieder einen Anteilschein gratis sowie 6 Prozent des eingezahlten Kapitals bekommen, außerdem den Kunden 10 Prozent von den Einkäufen vückerstattet werden, die Landes-ZentralEr-editgenosseufchaft 141 Millionen brutto, doch ist dieses Resultat zum Schluß auf 5 Millionen heruntergaschmolzen. Das vergangene Jahr hat aber auch Verluste gebracht, so z. B. der Eisfabrik Ujpeft, deren Aktionäre auf 29 Prozent ihres Geldes ein Kreuz machen können und die Mythos Chem. Werke-A.-G., wo' das StammKapital von 2 Mil- - lionen, allerdings ivähreud zweier Jahre, auf 150.000 K. -msammenschvumpfte. . Nengründungen. Die in G ya r zn errichstnden.West/: ''- die bereits in einem varhrriaon Berichte erwähn. n>- rd n.' sollen 41 Mal 1983_: «KM , bald in Betrieb gesetzt werden; die Maschinen der MaNfabrrk, die ihren Sitz ans Böhmen nach Ghör Werttöyt, sind, wie es' verlautet, schon -MterwegS und auch die VovaVbeiien .der UsbersiedluNg einer Papierfabrik find im Auge. Die Gvkd-!belgische Maudruckerei errichtet in Kelenfäkd eine We-' berei, einstweilen mit 760 Stühlen. Unter der Firma Budapest- Marnsdorfer Stosfabriks-A.-G. gründet eine Gruppe Wamsdorfer und Teplitz-Schbnauer Großindustrieller mit einem' Stammkapital von 260 Millionen ein« Weberei mit 60 Stühlen. Vermischte Nachrichten. Die hiesige Filiale der Anglv-Oesterreichischen Bank öU beitet jetzt als ZweiWiederlassung der Londoner Aniglo- Austrian Bank Limited weiter; di« Aktionäre bekommen gegen! vier alte Mticn eine neue auf den Nominalwert von 1 Wund! Sterling lautende Sötte. — Die Budapester Filiale der Kom» merzialbank, M deren Lokalitäten schon Mi hiesige Banken zu streiten begannen, scheint doch hier bleiben zu wollen, waS, mau daraus folgert, daß sie die MieGnSerhöhung der „Adria" | Versicherungsgesellschaft cmnohm. — Die Bäcker wollen ihren, LiMingsplcm, eine eigene Bank zu gründen, in aller Kürze! zur Ausführung bringen. Einer ministeriellen Verordnung zu-, folge, muß auch nach der VörseneoNrtage Verkehrsstouer ent-! richtet werden; nachdem solche rückwirkend bis September IM gefordert wird, bemühen sich die interessierten Kreise, 'zu erwirken, daß das Iinar.Ministerium sich damit begnüge, toen»1 die Steuer bloß vom 1. Jänner d. I. ab bezahlt wird. Jm^ Sinne« der neuesten Baugüterverordnung hat jede Privatlbank' 3 Millionen Kaution zu legen, die auch in Kriögsanleihe zu zwei Drittel des Nominalwertes angenommen wich, weshalb jetzt nach Kriegsanleihen starke Nachfrage herrscht, doch bekommt man solche im Wege der Großbanken von der Postsparkasse gegen eine Leihgebühr vor? M Prozent geborgt. Die Notenanstalt, die den offiziellen Zinsfuß.vor einigen. Tagen von 8 auf 12 Prozent erhöhte, beabsichtigt, wie es heißt, bei Krediten die BalovisatiorMausol anzuwenlden; mack befürchtet von dieser Maßregel ein weiteres Sinken' der Krone, indem das Ausland sehen wird, daß sogar eine amtliche Stelle dem Kaufwert des eigenen Geldes kein VertrMen entgegen«/- bringt. Bekanntlich wurden nach Tschechien Schweine geliefert. Der Erlös in Dollar wurde zckn Ankauf amerikanischer Fette verwendet, von tvelchrn der Bedarf der öffentlichen Angestellten gedeckt wird. Exportnachrichten. Die Regierung hat eingewilligt, daß bei.einer Fechsung von mindestens 60.000 KatastraHoch 900 Waggons Fisolen auSgesAhrt werden. Weiters wurde das ursprünglich mit 120o! Waggons Heu und Strch zur Ausfuhr -nach der Schweiz ststgefetzte Kontingent auf 1400 Waggons. erhöht. Demnächst beginnt der Export von monatlich 600 bis 1000 Hektoliter. Wein, doch sind die interessierten Kreise damit nicht zufrieden^ gestellt, da in Ungarn wenigstens 2 Millionen Hekivliter unverkauft lagern. London, Z. Mai. Das älteste und größte FiuanzinftitUp der Zionistischen Organisation, die Jüdische Kolönialbank | (Jewifh Colonial Trust), wird im März 1924 sein 2üjähvigeS GründuugSjMlänm feiern. In den 24 Jahren ihres Bestehens hatte die Bank große inn-ere und ä-ußerie Schwierigkeiten zu überwinden. Gegenwärtig nimmt daS Institut eine überaus achtbare Position in der Geschäfts- Und Bankenwelt ein, da es sich-auf gesunder geschäftlicher Basis Mtwickelt. Seit dem, Jahve 1902 hat die Jüdische KolomaGcmk elf Jahresdividenden im Gesamtbeträge van über 100.000 Pfund Sterling ausgeschüttet. Das bisher oingezahlte Kapital beträgt 388.000 Pfund. Im Jahve M hatte das Institut ein Umsatzkapital von 78,000.000 Pfund. In den Jahren 1920*01 wurde eine Dividende VM je fünf Prozent, das heißt ein Schilling vom Pfund, steuerfrei ausgezahlt. Die Jüdische Kvlowiallbank hat in Palästina ein Tochter» instiitui, An iglo Pale st ine Bank, gegründet, ebenso die Mö r t g a ge -B a n k (Hypothöken-Bank). Sie ermöglichte auch die Gründung der Jiidischen Arbeiterbank in Palästina und beteiligt sich mit 'beträchtlichem'Kapital an 'dem lRuthenbergschen Elektüffizterungs- und JrrigationSunternehmen in Palästina. Gleichzeitig unterstützt, sie noch eine erhebliche Anzahl gesunder geschäftlicher Unternehmungen im Lcnrde. Behufs Vergrößerung des Aktienkapitals wird jetzt in zahlreichen Ländern eine großzügige Aktion zum Absatz von Shares der Jewifh Colonial Trust durchgvführt. Dir Frier des 25jährigen Jubiläums wird voraussichtlich durch eine ganzjährige Kampagne in allen Ländern mit ftidischer Siedlung gekennzeichnet sein. Auch in Oesterreich wird in den nächsten Tagen cim größere Aktion zwecks Absetzung von Kolonialbank-Aküen unternommen werden. Die Zevisenvreise. In Zürich ist heute die Mark von 0.078 aus 0.018 g» funken. Auch die Devise BiElapest weist eine Keine Abbröckelung von 0.1050 aus, 0.1025 auf. Hingegen ist Wien von 0.007775 aus 0.007812 gestiegen. Ebenso hat sich die geistennpelte Krone von 0.0078 auf 0.007836 erhöht. Das Abbröckeln der Devise Budapest verdient Beachtung. Es scheint, daß dies nur der Anfang zu weiterem Sinken ist. In Berlin sind sämtliche tocstlichen Valuten stark in. die Höhe gegangen. So stiog der Dollar von 32.416.7v auf^ 40.049.60, das Pfund von 147.131.25 auf 183.04156, die Lira von 1660.05 auf 1945.10. Auch die österreichische gestempelte, Krone stieg von 46.30 auf 53.45. Wenn sich die Verhältnisse ins Berlin nicht bessern, geht di^-Mark neuerlich einer Katastrophe entgegen. , In Wien wurde gestern kein Gllarina albaeballl.n