Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1515 (2.5.1923)
- Date
- 1923-05-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vv Wien, Mttwoch Mienen Mongsn-eiiknnA. s. Mai 1988 m. MS i Schießerei in Paris. Paris, 1. Mai. (Tel. der „Wr. Movgenztg/^) Die Markier, an der sich die ganze Arbeiterschaft beteiligte, nahm YaMÜer einen ruhigen Verlauf. Erst am Abend kam es zu Zusammenstößen [stoischen Demonstranten und der Polizei, wobei von beiden Saiten Schüsse gewechselt wurden. 61 Polizisten DWden verwundet, darunter mehrere sehr ichwe«. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. 3n Italien. Rom. 30. April. Die Blätter sagen einen nchigen Verlaus de- 1. Müi voraus, da die Avbeit durch die Konföderation freigegeben worden sei. Die Poliz^ hat eine Versammlung, die der MvitarilsMche Abgeordnete Matteotti am 1. Mai abhailten wollte, verboten. ,/Lribuna" kivndigt die Sperrung derjenigen Betriebe an, deren Arbeiter am 1. Mai streiken, Das Mailänder kommunistische Blatt ,Kavoratore" ist wegen eines Ausvufes zur Feier des 1. Mai von den Fas« giften beschlagnahmt worden, Die Faszisten besetzten die Druckerei. Paris, 1. Mai. (Havas.) Der heutige Dag ist sowohl hier wie in der Provmg vollständig ruhig verlaufen. In Mailand drangen Faszisten in die Arbeiterkammer ein und zündeten sie an. Die Avbeit war zum größten Teil rächt unterbrochen. Karabiner: und Nationalmiliz hielten die Straßen besetzt. Auch vor den Werfftatten waren Posten ausgestellt. In Triest explodierten mitternachts in verschiedenen Stadtteilen gleichzeitig sieben Bomben, die aber keinen Schaden anrichteten. In Bologna stießen gestern nachmittags Faszisten mit einem Zug von Kommunisten zusammen, wobei Revolverschüsse gewechselt wurden, Ein., Kommunist und ein Faszist wurden schwer verwundet. In Neapel explodierten gestern nachts in der Remise der Straßen-bcchn bei Avbeitsschluß zwei Bomben. Pier Straßenbahner wurden hievbei schwer verletzt. Die Faszisten drangen darmef in das Horm der Straßenbahner ein, 8n England. London, 1. Mai. (Wolfs.) Der 1. Mai hat in London und m der Provinz einen ruhigen Verlaus genommen, Ml der Grafschaft Durham stierten 200.000 Bergarbeiter, Sie Rücksicht ans die finanziellen Serhllltnlffe Ungarns. Budapest. 90. April. Das Ungarische TÄ.-KorD.--Bure>au meldet: Die SozraldeMAkratische Partei hat beschlossen, an den mit dem Ministerpräsidenten Grasen Bethlen getroffsaen Vereinbarungen fsftzuhalten, und durch keinerlei störende Momente bis der Besserung der finangieVlen Lage des Landes dienende TätßMt des MMffteÄpvDdenlteu und des Finanznrmffters zu erschweren. Demzufolge Nimmt die Partei das pMgeiliche Verbot von VersamarÄungen u-üd llmZÜArn zur Keermtnis und wird den 1, Mai nur durch ArbeiOnrhe ststzyr, Marschall Joch in Wim. Gestern früh ist der französische GeUeMrssimM Warschckl Foch auf der Reist von §j^rris nach Prag in Wien anHÄo-mmen. Da er inkognito reiste, unterblieb jeder Empfang. Der Marschall verblieb den Tag über im Hotel Imperial mw fuhr abends nach Prag -werter. Die von seiten der Hakenkvenzler angskündigke Demoustratton gegen den frcmzbstschen Gemvcck fand nicht statt. Auflösung der nationalsozialWchen Partei kn Hefien. Darmstadt, 1. Mai. (Wolfs.) Das Ministerium des Innern hat auf Grund des § 14, Absatz 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik die nationalsozialistische Arbeiterpartei für den Freistaat Hessen verboten und die hessischen Ortsgruppen Ar aufgelöst erklärt. " - Sie Anleihereise der ungarischen Minifier. Paris, 1. Mail. (Havas.) Der ungarische Mwisterpräsrdeni Graf Bethlen und FmanzmÄnster Kallah ' sind heute früh hier emgetroffen. Sie haben die Absicht, Freitag Vormittags vor der ReparatioKskommission eine Lmychonde Schilderung der FinanKage llwgatttg und der Pläne zu geben, die geeignet wären, den aus dem Sturz der Wvgarischen Krone sich ergebenden wirtschaftlichen und finanzMen Schwierigkeiten Äbzuhelstn, , 7^ Tie Wahlen in Spanien. Madrid, 1. Mai. (Havas.) Sämtliche Minister und die Whrer der verschiedenen Parteien der Kammer sind wiedergewählt worden, darunter Maura (klerikal), Sanchez, Guerra, Bacierva, Lerroux (ÄvnwMmst) und Pablo Jglesias (^ülldemokrüt). Mber den sozialist ischen Wahl erfolg in Madrid erklärte der Minister dös Innern, der Erfolg scheine zu zeigen, daß zahlreiche Wähler, obwohl sie nicht die sozialistischen Ideen teilen, für pst sozialistische Aste gestimmt haben, weil sie wünschen, -daß de politischen und administrativen Verantwortlichkeiten für m Katastrophe von Melilla im Jchre 1921 gmau so festgestellt Werder, wie es beziiglich der militärischen geschehen fei. Annahme der Arbeitslosen in BerNn. Berlin, 1. Mai. Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist nach den letzten Mitteilungen stark gestiegen. So hat sich die Zahl der Arbeitslosen in der Metallindustrie allein ans 89,000, die der Kurzarbeiter auf mehr als 70.000 erhöht. Ser Hunger ln Rußland. Moskau, 30. April. (Wolfs.) Nach den Mitteilungen des Ausschusses für Hnngerhilfe haben alle ausländischen Organisationen im April im Wolga-Gebiet 1,900.000 Kinder und 300.000 Erwachsene, in der Ukraine 400.000 Kinder und 75.000 Evtvachsme ernährt. Festsetzung eines internationalen Mammen» über Verkehr- und Lranfitwesen. Genf, 1. Mai. Die Kommission des Völkerbundes für Verkehrs- und Transitwesen hat ihre Arbeiten beendet und den Text für mehrere Entwürfe für ein internationales Abkommen über das Eisenbahnwesen, den Verkehr in den Häfen, den Transitverkehr, die elektrische Energie und die Ausnützung der Wasserkräfte, die dem gleichen Flußgebiet, aber politisch mehreren Staate« angehören, ststgestellt. Diese Entwürfe sollen den betvefstttden Regierungen mitgeteilt und der zweiten allgemeinen Konferenz für Verkehrs- und Transitwesen unterbreitet werden^, die am 15. September in Genf Zusammentritt. Univerfitütrstryk in Athen. Athen, 1. Mn. (Havas.) Infolge Einführung einer neuen Prüfungsordnung sind die Studenten an der hiesigen Universität in den Ausstand getreten.. fiurzon vertritt Bonnr Law. London, 1. Mar. (Reuter.) Curzon wird Bonav Law an der Spitze der Regierung, Bald Win das Kabinett -im Unst-vhanst vertreten. Tagesbericht. Berlfingemng der österreichischen ßhegesehe in Reu-Italien. Rom, 30. April In der ParlamenMommisfüm für die Reform des buvgeÄichen Gesetzes -beantragte Abgeordneter Ferri die Erweiterung der EhetvenmMgsgttinde. Die Kommission nahm diese Erweiterung an und beschloß strner die Erstreckung der Gültigkeit der österxerchH. fchen Ehegesetze aus Westers fünf Jahre. ,-Eorrreve d*Ital!a" stM fest, daß die E h e t r e nnnng selbst nicht einmal beantmgt worden fei, und fordert im ttallenischen Mnfftevpräjwenten auf, mit den ilebe-rblsxbseln der Revolution au^uränimen, Mosaryks Sattln schwer eMantt. fr Prag, 1. Mai. (Tschecho-Mo. Pveßbureau.) Die Gemahlin des Präsidenten Masarhk, die schon seit längerer Zeit a« Artsriosklerofe leidet, ist heute nachts von einer Lähmung der Sprachovgane rmd der rechten Seite betroffen worden, Nie Bilanz der Hernals« Semonstrattonen. Gelegentlich -der Ausschreitungen, welche aus Anlaß der nationalsozialistischen Versammlung am 30. April 1928 in Hernals stattfanden, wurden 34 Organe der Sicherheitswache, ^iehungsworse der Stadtschutzwache, -darunter zwei leitende Beamte, zumeist durch Steinwürse verletzt. Ein Sichecheitswachbeamter, Len ein Stein an der Brust getroffen hatte, mußte von der Rettungsgesellschaft in seine Wohnung geschafft werden. Bei der Räumungsaktton der Sicherheitswache 'wurden zwei Demonstranten durch Säbelhiebe leicht verletzt. Arretiert wurden insgesamt 21 Personen, und zwar -wegen öffentlicher Gewalttätigkeit, wegen Anslaufes, wegen boshafter Sachbeschädigung, wegen unbefugten Wasfentrage-ns, beziehungswerst polizeiwidrigen Sie papierene Untergrandbahn. Man sollte es nicht für möglich halten, aber es ist doch so: Men besitzt genau so wie die meisten anderen Weltstädte eine Untergrundbahn. Bitte, dtt g ibt es gar nichts zu lachen. Wenn auch bisher noch niemand mit dieser Bahn gefahren ist, noch nie jemand auch nur eine Spur davon gesthen W, die Tatsache, daß es in Men eine Untergrundbahn gibt, besteht. Noch dazu eine ganz moderne, nach den neuesten Errungenschaften der Technik angekliegte. Dieses Verkehrsmittel besteht nicht etwa erst seit jüngerer Zeit, nein, schon feit einer Reihe von Jahren existiert es. Freilich ist es kein Berkchrsmitteil aus Eisen oder Stein, sondern unsere Untergrundbahn unterschsidet sich von denen anderer Städte dadurch, daß sie aus Papier besteht. Sie bewogt sich auch nicht auf eisermn gjliatten Schiewn in Tunnels aus GifeUbeton und Stein fort, sondern unsere Untergrundbahn befindet sich, in der Schublade einer 'Kommission und fcchrt in einem nicht einmal übermäßig großen Zimmer herum. Um es kurz zu sagen: Won unserer Untergrundbahn existieren rmr die Pläne. Sorgfältig ausgeführte Zeichnungen^ Projekte, BerechMMn -und Zählen« Material. In einem Roman eines brannten Schriftstellers tofitfj das Leben in den Ruinen Wiens nach dem Untergang det Stadt geschildert und dort kommt ein Steuerbeamter vor^ der inmitten einer KuftvmMugostürzten Welt, unter Schuft und Moder, in der Verwesung und dem —* einer gestorbenen Kultur Dag für Dag in sein Amt und die vorgeschvrebene Amtszett in einer wahrhaft gespenstischen TätWett verbringt: Er Mt Parteienverkchr ab für Leute, die längst nicht mehr loben, schreibt Steuern aus an Gespenster von Steuerzahlow und registvvert gewissenhaft alle Vorfälle, die mit seiner ^AmtMtWeitt' zufammenhängen. Die ganze Hoffnungslosigkeit einer ba|hfc gegangenen Zeit offenbart sich in dieser FtMr...! Im Rathaus ist eine Abtvilwng für Verkehrswesttt^ .Dort wird auch unsere Untergvrindbahn verwaltet. ©§ ge-, schieht dies mit einer gewissen liebevollen Sorgfält. Gewifferchaft werden alle Veränderungen im Kanaffysten?^ soweit im Untergrundbahn davon tangiert Wird, einge-! zeichnet und genau registriert. Genau so, als ob d>iefe noch ungebovene Bahn wirklich da wäre. Wie etwa eine die ein Kind unter dem Herzen trägt, das Ungeboren^ zärtlich Met. Und doch weiß jeder dev Beamten —- auch wir.alle wissen es auch — daß diese papierene Untergrunds bahn wohl ewig nur Papier bleWen wird, daß der (§8 danke immer nur Gedanke bleiben und' wohl niemals Kmu und Gestalt amrehmen wird. -! Im Gegensatz zu dieser Bahn km embrhonvleN 'Zu-! stand haben wir in Wien ein anderes Verkehrsmittel, dvS, längst gestorben ist — den verwesenden Leichnam einer Bahn: die Stadtbahn. Dort wo vor wenigen Icvhriett noch mtt geschäftigem Keuchen und Pusten, donnernd, stinkend! und qualmend die Stadtbahn fuhr, dort wuchert jetzt Gras^ und Unkraut. Die Schwülen Modem, die einst blankeft Schienen find rot vom Roste. Das Leben dich» Bahn ist erstorben, Sttlle herrscht auf dm Linien dev Stadtbahn« Die Nägel, mit welchen die Schienen an den Schwelle^ befestigt warm, sind aus den zevumrschendM Schwellest herauAgefallen, dis Schimm haben sich verschoben wtb leep und öde gähnen die Vevvußtm Tunnels. In dvn verlvsseuest StationsgMudM dvängm sich keine Fahrgaste mehr ustch von Dag zu Dag fchvettet der Berstm weiter fort. M Stadtbahn ist gchorbm und wem Man sie wied er MÄ Leben erwecken wollte, müßte man viele, Viele MMardeft dazu verwanden, mouatevcmye ArbeA wäre nötig, um M Stadtbahn wieder in betviÄPfWgen Zustand zu vechtztzW Wim ist eline arme Stadt und so wird die StMbcchn wohl tot bkeibm..« " '1 Draußen zwWm dm RMnhützM des KaWenbergeS zog «Luft die KahlvUberMhn unter StohnM und Aechtzen recht und' schlecht Ticmfende von fvAWchen, lufthUngvWen Loutm aus die bewaldete Höhe. Mtze — gute und schlechte — wurden über das „Zügle" gemacht — aber es fuhrj Auch' das Zügle fährt nicht mehr, schon lange nicht. Zuerst war es die Kohlerttouevung und die Verweigerung einer Subventtowierung, die dm Betrieb stilllvgte. Dann kam der Verfall — heute ist die Kahlmbergbahn m:r noch das Skelett einer Bahn, ein Gespenst. Die Schimm sind zum Teil gestohlm, die Schwellm von den Leuten als Heizmaterial weggetragvn, ker und' Lide liegt die nackte Trafst da, die Stelle, wo Änst Lebm pulsierte.... Der Embryo einer Bahn, der Leichnam dev Stadtbahn und das Gespenst der Kahstnbevgbahn drei Marksteine, bk bemberrageft M WS ans emev großen ' g—d. Frau Feritza wieder in Men. , KW berichtet wird, ist die aestierte Opernsängerm Frau Maria Ieritza von ihrer >Amerikareise hmte früh mit dem Pariser D-Zug in Wien emgetvoffen. Auf dem Mstbahrchoife' hatten sich einÄe Bekannte eingsftmden, die ebenso wie die Mit-' wi-enden. als sie die Künstlerin «Micken, dieselbe herOichst begrüßten. Die Künstlerin äußsvbe sich, daß sie sich schon -Mr sehnte, erpeiü. Mahmns SermatOM. Die ,-Berliner Böttenzsitung" veröffentlicht den folgenden Bericht über die Äusgrabung-M tu Ittttt Die wÄltestm Stätten der menschlichen Kultur, Orte, bie uns bisher nur dem Namen nach im -Alten Testament überliefert waren, echeben sich aus dem Schutt der Jahrtausende wieder zum Licht urtt> reden in steinerner Sprach^ von einer Wergcmgenhert, um die Mythus und frommer Glaube bisher einen ^heimnisvollen Schleier gewoben! haben. In der ganzen Welt hat die kurze Nachricht, daß e8 gelungen sei, die cckttestamentarische Stadt Ur, die Heimaft Abrahams, fteizulogen, die größte Aufmerksamkeit gesund den, und mtt noch gesteigerter Spannung wird man vevj nehmen, was bisher an uralten Dokumenten dem bergend den Schoß der Erde abgowonuen -worden ist. Durch Luftpost hat die „Daily Mail" soeben den ersten ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der Ausgrabungen erhalten, die gemeinsam vom Britischen Museum und dev UniversiM Philadelphia in Ur, der ,-Stadt der Ehaldäer" deL Alten Testaments, unternommen worden sind, der Stadt, aus der Abraham auszog, um über Haran nach Kanaan zu wandern. Der glückliche Umstand, daß die Cha-ldäer zur schrist^ lichen Auszeichnung von Tagesereiguissen und geschäftlichen Abmachungen Ziegelstetntafeln benutzt haben, hat Viels GROSSE OKKASION Regenmäntel , . K 125.000 H Ulflfgl}- Lelnenwaren. Wasch waren, V . Stoffe, wasche - sehr bBIBIg B Wjj [Schiff mann II., TaborstraOe Telephon 47"1>7Q Bii gros By cfet ÜBmBUBB