Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1515 (2.5.1923)
- Date
- 1923-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jMnummsr K 700 |7ien: Zum Abholen in der. Expedition, II.,Taborstr. 1-3, Oder meiner Verachleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. pesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mob. K 600. Jugoslawien: Mon, Dinar 35. Polen: Mon. Mk.l2.000.Deutschland: Mon. Mark 8000. F ran k r„ Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT* Naebasablungren MO yef Preiserhöhungen Vorbehalten Rr. 1515 fschacho -Slowakei tschech. K 1.- Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, n., Taborstrasse 1 —3 Wien. Mittwoch. 2. Mai 1823 >* Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6Uhrabds. 19-483,16-301 Tel.- Adr.: .Morgenzeitung*1, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Paris, 1. Mai. (Havas.) Barthou führte gestern jei ermr Versammlung der UnivLvsitLisgvltPPe: für den Völkerbund den Vorsitz und ergriff, noch dem belgischen Minister H y m a n s das Wort. Er wies darauf hin, der Völkerbund sei aus der Periode der. Absichten,' Versprechungen und Hoffnungen in jene der Verantwortlichkeit, ier Entscheidungen und Ergebniffe eingetveten, habe durch reue Methoden heikle Fragen gelöst und gefährlichen Konjltften vorgebeugt. Der Völkerbund sei eine ' moralische Kraft, mit der die ganze Welt rechnen müsse. Lanier, die hu Frieden ihre in feierlichen Verträgen gegenge- * jeichneten Rechte geachtet sehen wollen, hätten vom Völkerkunde nichts zu firrchten. Der Völkerbund wurde sein Mandat überschreiten, wenn er unklugen und gefährlichen j llnregungen nachgäbe, die ihn auffordern, Fragen,auszuperfen, die nicht in seine Kompetenz fallen, wie las Reparationsproblem und die Besetzung des Ruhrge- »ietes. Frankreich und Belgien' würden nicht zugeben, daß tiefe Fragen ihren Händen entwunden werden. Der Völkerbund sei zu gut beraten, um einen sollen Irrtum zu besehen. Es gebe so: viele andere Aufgaben, die fernem Taten- »vang. genügen und. fernen berechtigten Ehrgeiz befriedigen, Lunten. . . Jer Streik im SaarDier. Saarbrücken, 30. April. (Wolff.) Di« auf Einladung der kvar^ästschen Grubenvevwaltung begonnenen Verhandlungen zur Beilegung des seit dem 14. Februar bestehenden Ausstandes der Bergleute haben zu keiner Einigung geführt, da die Streikenden nicht wieder eingestellt werden sollen., Die deutsche Note. Berlin, 1. Mai. (Wolff.). Reichskanzler Dr. Cuno hat heut« vormittags die Parteiführer empfangen. Die deutsche Note wird morgen den alliierten Regierungen überreicht werden. Krupp verhaftet. Esten, 1. Mai. (Wolff.) In der Untersuchungssache gegen die Direktoren der Krupp-Werke hatte der französische Untersuchungsrichter Herrn Krupp v. Bohlen und Halb ach vovgeladen, um ihn zum dritten Male als Zeugen zu vernehmen. Herr Kvupp hat' daraufhin seinen Aufer.'thakt in Berlin abgebrochen und sich heute vormittags. beim Untersuchungsrichter eingesunden, nach' kurzem Bechör erklärte chm dieser, daß er verhaft et fei. Er wurde ms Zuchthaus 'in Werden WevfWhrL. Krupps'Verhaftung ist, wie das Wolffsche Bureau erfährt, aus, den gleich e n Gründen erfolgtwie die der anderen - Direktoren. Irgendein besmrderer Tatbestand für die HeHafhtng liegt nicht‘ ->' Von französischer Seite ist Krupp vorgsworfen worden, dast er das H e u l e n d e r S i r e n e n N i ch t verhindert habe, obwohl er am Karsamstag in der Gußstahlfabrik anwesend gewesen sei. - . Die Feier des ersten Mai, 8« Me«. 250.000 Teilnehmer. Die diesjährige Maifeier, deren wichtigster Prograrmnjjunkt die Massenversammlungen der Arbeiterf^aft sämtlicher Wiener Bezirke vor dem Rathaus fcrEbete, übertras mt Teilnehmerzahl bei weitem die Veranstaltungen der letzten Ich«. Bis nach 10 Uhr vormittags dauerte ter Aufmarsch der Arbeiierhüge' aus den einzelen Bezirken und vollzog sich unter klinger.dem Spiel mchverer Musikkapellen; die uniformierten Gru ppeu der Feuerwchr, der Eisenbahner, der zum erstenmal emgereihten militärisch organisierten Ordnerwehren in Wauen Musen mit Ledergürtel und Tellerkappe, die Turnerschast, die Sportler und die Gesangvereine mit den kostümierten Bannertvagerr.' gaben ' dem Maffenaufzug ein buntes, savbenre'icheZ Gepräge. Born Schmerlingplatz bis zur Alserstraße, von der Hauptfront des Rathauses bis hinan zu den obersten Stufen des Buvgcheaters und zu beiden Seiten desselben bis nahe zum Parlament und zum Äiebonbergdenkmal reihte sich Kopf an Kopf, auf, 26 0.0 00 Personen wird die Menschenmasse geschätzt, . Vre in der Umgebung des Rat-, Hauses angesammelt war, ein Aufgebot, wie es bisher w dieser Zchl noch keine Kundgebung der Sozialdemokratie arrfzMve-isen hatte. Ein eindrucksvolles BÄd bot der Rachausplatz. Im Hrntevgmnd die Front des Rachauses, dessen Treppe bis zur obersten Stufe von zahllosen Menschen besetzt war, unter den Arkaden standen längs der ganzen Front die Fahnenträger postiert, in der' Mtte des Platzes echob sich die Estrade für das Orchester, um die Estrade gruppiert waren nahezu dvei- ' taufend Sänger. . Gingelertet wurde das Festprogramm nach 10 Uhr ntit Fanifaren des Bläserchors unter Letruug regle rs, >dem Musik- und Chörvorträae unter Leitung Schoo f s folgten. Hovnsignale kündigten dann den Beginn der Reden. Gesprochen wurde von fünfzehn Stellen. Dom Hauptplatz, unter dem großen Nachaustnrnr, aus spvach ' Präsident Seitz über die internationale Bedeutung des Tages. In der ganzen 'Welt manifestiert die Sozialdemokratie'.gegen die Gewalt und ttfc», w tut». „BÄAa«. . -Gkut. .K M. Ms. dss ,.FM, der Internationale, das Fest des Sozialismus, der den einzelnen befreien wird aus der Knechtschaft des Kapitals, die unterdrückten Völker aus der Knechtschaft des Imperialismus, dieses Fest M also unseren Aufgaben in der Welt. Wenn wir dennoch auch unserer heimischen Sorgen gedenken, so deshalb, weil Oesterreich das Versuchsobjekt sein soll, Kr beide Formen der Unterdrückung. Das Genfer Projekt bedeutet Preisgabe der staatlichen Souveränität, Versklavung der Volksgesamtheit. Es soll aber auch das Mittel sein, um das durch die Revolution befreite Proletariat im Furern zu knebeln. Abbau der Beamten, Arbeitslosigkeit und 'Kurzarbeit, Teuerung, Hunger und Not sollen die geistigen und manuellen Arbeiter gefügig machen, zur Preisgabe ihrer erworbenen Rechte." Der 1. Mai ruft die Arbeiter auch zur W a h l sch l a cht auf, zur Entscheidungsschlacht darüber, ob Oesterreichs'Finanzen saniert werden sollen auf Kosten der Wirtschaft, durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Hunger oder unter Aufrechthaltu-ng seiner Wirtschaft durch Arbeit; ob saniert werden soll aus Kosten der Arbeitenden allem, oder unter Opfergleichheit aller. Dieser Entscheidung gilt die Wahlschlacht, die im Oktober zu Wagen sein wird. Unter denj folgenden Rednern befanden sich die Nationalräte Dr. Deutsch, Glöckel, Leuthuer, Austerlitz. Kurz nach 11 Uhr erfolgte programmgemäß der Rückmarsch. Die MasseMmdgebung verlief in vollster Ordnung ohne Zwischenfall. Die tschechische und kommunistische Feier. Auch die von den tschecho-slowakischen Sozialdemokraten auf dem SchmeMngplatz abgchaltene Versammlung, verlief ohne Zwischenfall. Die Kommunistische Partei hielt in der Zeit von 11 bis dveivic-iel- 13 Uhr vornM-ags auf dem Karlsplatze eine van c.wa. öüOü Menschen besuchte Vevsammlung ab, nach deren Wamdigung die Teilnehmer geschlossen über den Ring bis zum Schottentor zogen imd sodann bezirksweise den Rückinarsch antraten. An kleineren Vorfällen smd zu verzeichnen: Hakenkreuzler und Frontkämpfer als Ruhestörer. Im achten Wiener Gemeindebezirke versuchten unn etwa eiuviertel 1 Uhr nachmittags zwei junge Burschen, die Hakenkreuzabzeichert 'trugen, einem an der^Spitze sine-r sozialdemokratischen Gruppe marschierenden Fahnenträger die Fahne zu enMKen. Me werden von der Sich'^ttÄoachs angchalten und dem Bezirkspolizeikommissariate JofofftM zur Ginlettnng der Strafamtshandlung überstellt. Zur selben Zeit wurden in der Henvestraße im zweiten Bezirke vier Passanten mit FrontkämpferabzeichLN von einigen jugendlichen Kommunisten angriffen und verprügelt. Die Sicherheitswache schritt auch in diesem Falle ein und stellte die Ordnung wieder, her. Sonst haben' sich bemerkenswerte Zwischenfälle nicht ereignet. Fu Berlin. Berlin, 1. Mait. (Wolff.) Die Maifeier ist in G roß- Berlin unter sehr großer BeteWgung voll ständig ruhig verlaufen. Sogialdemökraten und Kommunisten zogen bereits, in den Vormittagsstunden unter Musikbegleitung ansallen Teilen Gvoßbevlins nach dem Lustgarten und der Reitbahn am Zoologischen Gartekl. An beiden Stellen hielten zahlreiche Redner, darunter Reichs- und Landtagsabgeordnete und auch ein französischer Kommunist, Ansprachen. ' - Sitte MwehrresoWo« der Muer Weftä. Köln, 1. Mai. (Wolff.) Auch hier fanden -Maifeiern der ° soziaildemokratifchen Arbeiter unter großer BeteMigung statt. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: . Die rheinische Arbeiterschaft^ bleibt Mch. in diesem Augenblick treu und fest im Bunde mtt den Sozialisten der ganzen Welt in dem Bewußtsein, daß die arbeiiteude Bevölkerung der anderen Länder einig mit ihr in dem entWossenen Abweh rwillllep gegen die imperi-alisttz'chen Beftrebungen. ist. Das chemische Proletariat erneut in dieser Stunde höchster MachtböstWbüngen des fvanMschen und belgischen MMtariismius das B^enntnis zur Deutschen Republik. Der politische Konflikt kann-nicht bei gehegt werden unter Preisgabe auch' nur von einem Fußbreit ' deutschen Bodens. ' RuheiuMu. ' , Me«, -i. MaLi (Molff.) i§i?wW^'n"1reien ' ^IveW schäften im Ruhrgebiet Veranstaltete Maifeier der Arbeiterschaft ist ruhig verlaufen. In Essen fand heute vormittags eine Massendemorstration von mehreren hunderttausend Männern und Frauen statt. Die französischen Truppen mieden die Straßen. Nur französische MilttärfluMuge' beobachteten die Zuge der Massen und warfen Propagandasll-uKlätter herab. In den Mittagsstunden war die Kundgebung beendet. In den übrigen Städten des Ruhrgebietes wurden gleichartige Kundgebung».' und Umzüge veranstaltet. Ruhe in Miiucheu. . München, 2. Mai, 10 Uhr abends. ' Der 1^ Mai ist in München bisher vollständig ruhig verlaufeu. Die panikartige Stimmung, die durch die gestem abends m den Straßen verbreiteten Flugblätter der nationalen K a m p sv er bände erzerrgt worden war, ist insbesondere infolge der enerBschen Maßnahmen dev Regierung, bald gewichen. Die So- Kraldemokraten haben die von der Regierung getroffenen Anordnungen respektiert und jene Straßen, die vom Umzug ausgeschlossen waren, nicht betreten. ' ' In den ersten Vormittagsstunden fanden zwei sozialdemokratische Versammlungen, statt, woraus. deren Teilnehmer zur Theresierttviese zogen, wo die weitere Dtaifeier der sozialistischen Parteien programmgemäß und ohne jeden Zwischenfall verlief. ... Den Kommunisten war bekanntlich ein Umzug mit Fahnen- und dem Sowjetstern verboten worden. Bei dem heutigen Umzug trugen sie ihre Fahnen zwar entrollt, doch war der Sowjetstem verdeckt und an dessen Stelle eine Aufschrift angebracht. ... Die Regierung hatte noch gestern nachts Plakate mrschlagen lassen, worin auf Grund des gestemr um 10 Uhr abends gefaßten Ministerratsbeschluffes vor allen gesetzwidrigen Unternehmungen gewarnt und entschieden in Abrede gestellt wurde, daß die bayrische Regierung die vaterländischen Kampsverbände zum Schutze der Ordnung aufgerusen habe. Die Regierungsbehörden. wevden selbst für die Ordnung sorgen. Tatsächlich ist es bis zum Abertd zu keinem besonderen Zwischenfall gekormnen. In den großen Betrieben ist nicht gearbeitet worden. Es waren zwar kleinere Gruppen von Arbeitswilligev erschienen, doch konnten mit diesen geringen Kräften die Betriebt nicht aufrechterhälten werden. Im übrigen sind die Geschäft« alle geöffnet und'das Straßenbild ist kaum verändert. Abendi findet eine deutsche Maifeier statt, die von H i t l e r in Zirkus Krone veranstaltet wird. Man glaubt jedoch, daß ei auch dort zu keinem Zusammenstoß kommen wird. BWr Mseubahuverkehr in der Tschech»' Slowakei. -Prag, 1. Mai. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Der 1. Mrtt geplante zweistündige Streik der Eisenbahner i) i nicht durch geführt worden.