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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-01 · Heft 1514 (1.5.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1514 (1.5.1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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'■ ■ '■' - ' ' '■‘l 1 T * I, ' > >*> ‘ ’ .1' ' 1;' .^J , ■ ■ ■ ' ’ t ' . 'I :■' ’r' . '11 FiWiif eat-i SüHest, Dienstag Oesterreich. 8rnst Pkner zeftorbe». Im 82. Lebensftrhre ist gestern Ernst P len er, der /^Mge" Plener, in einem Wiener Sanatorium gestorben. Er war im Jahre 1841 in Egor geboren, stand anfangs im diplomatischen Dienst der Monarchie und wuÄe im Jahre 1873 von der Egerer Handelskammer in das Abgeordnetenhaus entsendet, wo er die Deutschliberale Partei gründete und als Obmann bis zum Jahre 1893 leitete. In diesem Jahre wurde er nach dem Sturze Taaffes im Koalitions- Ministerium Windischgraetz Finanzminister, als welcher er die Valutareform durchstihrte. 1895 trat er zurück und schied gleichzeitig auch aus der Liberalen Partei, die sich damals Bereinigte deutsche Linke nannte. Er wurde Präsident des Obersten Rechnungshofes und trat seicher nur mehr als sozialpolitischer Schriftsteller vor die Oeffentlich- 'keit, die ihn als hervorragenden Kenner der Finanzwiffen- .schast ehrte. Er leitete den Verein der österreichischen Bolks- 'wirte, in welchem vor zwei Jahren Dr. Wilhelm Rosenberg seinen für die Sanierungsaktton entscheidenden Vor- 'trag hielt. Er gehörte auch vom Jahre 1990 an dem Herrenhause bis au dessen Ende an. Von seinen Werken sind die jSchrfften über die englische Fabriksgesetzgebung und das 'englische Baugenofsenschastswesen am bekanntesten geworlden. Auch zur LaffalleHorschung trug er viel bei. stugar«. Verbot polnischer Studentevdereine. Budapest, 30. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) fDer akademische Senat der Budapester Universität verjoffentlicht heute eine Kundgebung, laut welcher den UmzvevsitAAhörern unter Ausschluß von der Hochschule verboten wird, politischen Vereinen anzugehören. Dieses Verbot erstreckt sich aber weder auf den Verein der ^Erwachenden Magyaren noch auf andere reaktionäre Stu- ^entenvereinigungen, weil diese nicht als politische Vereine, sondern als gesellschaftliche Vereinigungen angemeldet sind. jDre Verfügung bezieht sich in erster Reihe auf l e g i t im istische Vereine, welche in der letzten Zeit große Anziehungskraft auf die Hochschuljugend ausüben. Polen. Die Berhandlnnzen Wer die Koalition. Warschau, 30. Aprll. (Tel. d. ,Mr. Movgenzeitung".) Eöi* Konferenz der Witos-Partei, auf der über die Koalition mit dem Rechisblock und somit über das Schicksal des Sikorski-Kabinetts entschieden werden sollte, hat lnoch keine völlige Klärung der Lage gebracht, da L4 Teilnehmer mit D o m b.s k i an der Spitze gegen die Koalition stimmten, wobei sie sich ausdrücklich freie Hand sür den Fall ihres Zustandekommens vorbehielten. Infolgedessen sind die Führer des Rechtsblockes augenblicklich eifrig gm Werke, auch die nationale Arbeiterpartei und die vier j-Ölarm starke katholisch-demokratische Partei für die Koalition zu gewinnen. In K r a k a u hat eine Zusammenkunft zwischen Kor-!f a n t i und dem Führer der Arbeiterpartei Wachowiak stattgefundeu. Die Verhandlungen dauern noch fort.!8in Mlndecheltsreffort im Fvneuministerinm. Warschau, 29. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) -In der letzten Sitzung des Ministerrates wurde ein Orgadttfattonsstatut für das Innenministerium beschlosien. Nach Diesem Statut wurde im Präsidialdeparte-ment eine neue «Abteilung für Minderheitsangelegenheiten leingeführt. Ebenso werden dem Innenministerium die re-, iligiösen Angelegenheiten unterstellt. Jüdischer Wiederaufbau. Das New-Borler Joint- Eureau hat die letzte Summe für den Wiederaufbau jüdischer Häuser in Pollen in der Höhe von 4 0 9.000 Dollar bereits flüssig gemacht. Damit ist das Programm des Joint für den Wiederaufbau der im Kriege zerstörten jüdischen Häuser in Polen beendet. AumSuieN. Re rumänische Arbeiterschaft gegen de» Antisemftisnms. Aus B Markst meldet I. C. B.: Das Demonstralkronspvogramm der rumänischen Arbeiterschaft für den |l. Mai umfaßt auch die Kmnpftosung gegen den Anttsesrmtismus. Die Arbeiter werden cmfgevufen.werden, dem -Antffemitismus schärfftens entgegenzutreten, da er von den Cuzaisten und Faszisten'als gefährliche Waffe gellen jeden Fortschritt des Larches gehandhabt wird. Polöftim. Re Arad« gegen den gesetzgebende» Rat. Jerusalem, 28. April. (I. C. B.) Die polästtnensischarabische Exekutive hat eine neue Proklamation erlassen, in der sie die arabische Bevölkerung auffordert, auch das zweite Stadium der Wahlen in den gesetzgebenden Mt zu boykottieren. Der Aufruf hängt offenbar damit zusammen, daß mau hier allgemein erklärt, die Regierung werde demlnoch st die A-.rh'en der zweiten Stnse ausjchreiben. das heißt Wiener: MveseWeKMks. 1'. Mär 1923 M. NW, m« urMkischer Bericht. Budapest, M. April. M. d. ,Mr. Miaz-qGmq":) Die Umgebung der Ortschaft H i m, wo sich Sonntag mittags die beiden Delegationen, zur Untersuchung der Grenzzwifchenfälle rm Schulgebäude emfarchen, war in ettrem Umkreise von 15 Kilometern militärisch ab gesperrt. Die tschechische Delegatton brachte viele Gendarmen, Soldaten, mehrere ärztliche und technische Sachverständige sowie Verwaltungsbeamte und Photographen mit. Ueber ihre Anregung wurde an der Stelle der Ermordung Sedlaeeks der ganze Vorfall noch einmal dcrvgestellt. Zuerst wurde der tschechische Soldat verhört, der zur Patrouille Sedlaeeks gehört hatte und Zeuge des Vorfalles gewesen war. Er gab an,' daß zuerst die Ungarn geschossen hatten und daß die Bajonettstiche den Wachtmeister Sedlacek in liegender Stellung trafen. Der ungarische Zugsführer Horvath erklärte als Zeuge, daß nach seinem Rufe die Tschechen sofort geschossen haben, worauf er mit dorgehaltenem. Gewehr gegen die Richtung der Stimme vordrang und den tschechischen Wachtmeister nieder st r e ckte. Der ungarische Leutnant Toth erklärte, daß er jemanden in der Dunkelheit laufen sah. Er schoß nach der lausenden Gestalt, „weil er wisse, daß ein Ungar niemals lauft". Sodann wurde der ungarische Gemeindearzt. verhört, der als erster die Leiche untersucht hat. Er gab an, insgesamt d r e i Stichwunden vorgefunden zu haben. Hierauf legte der tschechische ärzlliche Sachverständige eine Photographie der Leiche vor, welche bedeutend mehr Wunden an dem .Körper Sedlaeeks zeigte. Die'ungarischen'Mitglieder der Kommission behaupten nun, daß dies keine Stichwunden, sondern bloß Spuren von Blutunterlaufungen seien. Der ungarische Arzt erklärte, daß von den drei Bajonettstichen zwei unbedingt tödlich waren. Hierauf kam die ungarische Behauptung zur Sprache, daß -die Tschechen e i n e P r ä m i e auf den Kopf des ungarischen Leutnants Toth ausgesetzt hätten, was sehr viel zur Verschärfung der Gegensätze an der Grenze beigetragen hatte. Die tschechische Delegation wies die Unhaltbarkeit dieses Gerüchtes nach. Die gesamte Amtshandlung der beiden Delegationen fand aus ungarischem Boden statt. Die Amtssprache war die deutsche. Am Abend vereinigte ein vom ungarischen Außenministerium gegebenes Souper beide Delegationen. die Wcchlmönnerkollegien beauftragen, die zwölf Mitglieder des gesetzgebender.» Rates, die aus den Wahlen hervorzugehen ha^n, zu erwählen. ’ . Die arabische Exekutive erklärt in ihrem Aufruf, sollte der gesetzgebende Rat trotz des arabischen Boykotts willens sein, seine Funktionen zu beginnen, werde die arabische Bevölkerung Schritte unternehmen, um den Rat zu verhindern, seine Beschlüsse durchzufi'lhren. Das wird auch in dem Fall geschehen, wenn diese Beschlüsse für die palästinensische Bevölkerung 'sich als nützlich und fruchtbringend erweisen sollten. Die arabische Presse in Damaskus berichtet über ambische Propagarvdamarken, die vom Verein für das Erwachen Palästinas in Amerika herausgegeben werden. Die Marken wagen die Aufschrift „Palästina den Arabern" und enthalten eine Karte von Palästina, ferner Abbildungen der Omar-Moschee und der christlichen Grabeskirche. Die Marke kostet einen Cent, die Einnahmen sind fiir die palästiner.fischarabische Bewegung bestimmt. 1 Irr MaMrat von Haifa gegen Wische Arbeiter. Jerusalem, 28. Aprll. Die jüdische Presse Palästinas führt darüber Klage, daß die Haifaer Stadtverwaltung koinen einzigen jüdischen Arbeiter beschäftigt und zum Beispiel das Angebot der jüdischen Avberterorganifatton wegen des neuen Chcmsseebaues, obwohl es das niedrigste war, zugunsten eines italienischen Angebots verworfen..hat. Als daun der ibciliemsche Unternehme jüdische Arbeiter beschäftigen wollte, wurde ihm gedroht, -daß der Kontrakt rückgängig gemacht würde. Alle jüdischen. Proteste an den Gouverneur und an den Oberkommissär blieben ohne Erfolg. (I. C. B.) Jas enMche Kolonialamt Wer die Lage. London, 28. Aprll. (I. C. B.) Das Kölonialamt berichtet offiziell, daß das Ne b i -Musah -Fest, die * christlichen Ostern und das jüdische Passahfest in Palästina schon das zweite Jahr ohne Zwischenfälle Verliesen und daß in allen Teilen des Landes die Lage friedlich sei. De^schr zufriedenstellende FriMwgsregen läßt die Aussichten für die Getreideernte sehr günstig erscheinen. Eine Ausnahme machen die südlichen Distrikte, wo der Regen nicht ausreichend fiel. Die Entwicklung des Viertels Kirjath Samuel in Liberias. Die Besiedlung des Viertels Kirjath Samuel geht mit raschen Schritten vorwärts. Im Laufe der letzten zwei Monate haben Dutzende von Familien ihre finsteren und engen Wohnungen im Ghetto von Tiberias verlassen und sind ir.« das neu entstehende Viertel übersiedellt. Besonders bemerkenswert ist, daß ein großer Teil der Umzügler Mitglieder des alten, streng konservativen Jischub sind. Verbilligung des Bahnverkehrs in Palästina. Mit 1. Aprll wurden die Tarife aus den palästinensischen Bahnen bedeutend. reduziert. Die Ermäßigung beträgt beispielsweise aus der Strecke Jaffa—Jcriuaieiu bis ß'ft B r n ü c it t, aber Moniag vormittags MM mm zur UZöerpröftrnNMr solcher an devseWen Stelle dmgeLonmrerien ZwiGeufälle. Die KommGon Ämtfte ihve SKSvkk DiErg Muds bckrÄen. Re MnMwii bei KW. .Das tschecho-floivakische Preßbureau meldet: Gesteup nachmittags ist 'die mit der Untersuchung der ErmordMM des Wachtmeisters der Finanzwache Sedlacek betmute ffchecho-siowakffche Delegatton Leim LMdchen südlich von! Him mit der rmgarischen Delsgatton zufanMengetvoffen' rmd 'hat bis abends die UmMrde der Eomovdttng untersucht. Es wurde konstattert, däß sich der Vorfall auf der tfchecho-slowakischeu Seit« des GveiGveges bei dem erwähnten Wäldchen ereignet hat. Der ungarische' ZugMhrer H o r v a th gab zu, Sedlacek sieben B a j on e t ist i ch e beigebracht zu haben. Bei der Obduktion wur-' den jedoch neunzehn Verletzungen festgestellt. Die Untersuchung der übvigen Vorfälle, die sich gleichfalls an dieser Stelle ereignet haben, wird nwrgen durchgesührt werde::. Dem ungarischen Bericht ist zu entnehuren, daß von ungarischer Seite nicht zugegeben wird, Sedlacek sei auf tschechischem Boden getötet worden, ferner daß die Frage, ob die tschecho-flowakische oder die ungarsiche Patrouille zuerst von der Waffe Gebrauch genracht habe, nicht entschieden werden konnte. Für alle Fälle ist von beiden Kommissionen festgestellt, daß der Zwischenfall nicht auf ungarischem Boden sich ereignet hat. Heute vormittags ist die gemeinsame Kommission wieder zusammengetreten. ReAchechs-SkowÄelfsrdert NskeVemtgAnng. Prag, 30. April. (Tel. d. ,Mr. MorgenzeitMvg".)>An Mstärrdiger amtlicher Stelle erklärt man, daß die Untersuchung die völlige Stichhältigkeit der tschechischen Behaup.' tungen festgestellt habe, nämlich daß ungarische Bewaffnete auf tschechisches Gebiet eiugedrrmgen seien und tschechische Grenzorgane aus tschechischem Boden getötet hätten.' Die Tschecho-Sloivakei erhebt daher vollen Anspruch auf diplomatische Genugtuung sowie aus die Auslieferung der Schuldigen, die von tschechischen Gerichten abgeurteilt werden urüssen. Auch ist die ungarische Regierung in vollem Maße schadenersatz- Pflichttg für die Hinterbliebenen Sedlaeeks. 1,1 IIII llll I ■ auch aus allen anderen Linien 30 bis 40 Prozent. D-eft Verbilligung hat bereits zu einer bedeutenbsn Steigerung des Verkehrs auf den Eisenbahnen goM)rt, dem im letzter» Jahre durch den verhältnismäßig billigen, recht regen Automobil- Verkehr eine große Konkurrenz erstanden war. Palestine Electric Corporation Ltd. Die Gesellschaft, der die von der Regierung Ing. R u t h e n b e r g erteilte Konzession für die Ausnützung der Wasserlräste de? Jordan übertragen wird, wurde nunmehr von der palästinensischen Regierung unter dem Nan:en „Palestine Electric Corporation Ltd." registriert. Die Alliancelehrer für die hebräische Sprache. Aus ciitcV in Jerusalem stattgesundenen Beratnrrg der Lehrer der - Allianceschulen in Palästina wurde unter anderem beschlossen, daß nur diejenigen, die das H e b r ä i s ch e als U n t e rrichtssprache al.erkennen, Mitglieder der Organisation -der Alliancelehrer sein können. Zugleich wurde der Eintritt in die allgemeine jüdische Lehrerorganisation in PalMna beschlossen. (Dieser Beschluß ist darum symptomatisch, weil die Allianoe bekanntlich der Hort der assimilatorischen Tendenzen im Orient gewesen ist.) Der Kampf für die hebräische Sprache. Die zentrale Post- und Telegraphenverwaltung hat ihre letzter' Zirkulare und Mrechnungen für die jüdische:.' Abonnenten nicht in hebräischer, sondern in englischer Sprache versendet, o'bwohl diese gefordert hatten, daß die gesamte Korrespondenz in hebxäischer Sprache geführt werden soll, die nach dein Gesetz «ebenso wie die englische eine offizielle Landessprache ist. Der Vorstar.'d der jüdischen Gemeinde Jerusalems wendete sich nun an die jüdischen Einwohner Jerusäleins mit der Weisung, der Post- und Telegraphenverwaltung die englischen Zirkulare und Rechnungen z n r ü ck z u s e n d e n und ans der Erledigung in hebräischer Sprache zu best eher.-. Eine judenfeindUche Geschichte Palästinas. Der Verwalter des Lehrerseminars der Regierung in Jerusalem'' Kalil Muss« und der arabische Lehrer Mala Albnrguss i verfaßten gememsmn eine Geschichte PMstinas in arabischer Sprache, die offen-bar als Lehrbuch dienen soll. Das Buch ist voll Verleumdungen gegen die Juden. So" heißt es zum Beispiel: „Der größte Faktor des Auflebens des Zionismus unter den Inden sind die ständigen Jüdenversolgungen in Europa. Dort ist der Haß geger.« die 'Juden deshalb so groß, well sie schreckliche Wucherer sind und sich der Entartung nähern. Ueberall ist es ihr Bestzveiben, den Handel zu okkupieren.' Sie sind nicht modern. Sie sind stark religiös und fanatisch." Englische Parlamentsmitglieder in der BezMschnle ftfe Jerusalem. Das konservative Mitglied des englischen Parla-nrenLsl Sir M. Conwey. der im e:rgttschen Untechaus die Univer-! sitäten vertritt, sowie die AvbeiterfiHrerin Miß Snowden! befinden sich gegenwärtig in Palästina. Sie statteten der südi-, schen Kunstschule BezalÄ einen längeren Besuch ab und be-, sichtigten die mannigsaltigen Arbeiten der Schüler. Die e::g-> lischen Mhrer zeigten großes Interesse für-'die Tätigkeit cnffl Gobiet der Kennst und des Kimstgewerbes in Palästina? 445^979

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