Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1512 (29.4.1923)
- Date
- 1923-04-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Rv. «W Err, Vomtka^ Mette« MorsenzettttttA M. ÄPW IMS >»■■•■•—- >'■■■>■■■ .»--—>.i- -• 1" 11 11 Von Kttczug-Kainardzr däs Protektorat über.die^griechisch- -orthodoxe .Kirche in Kleinasien. Die Kongresse von W i e n -und Berlin von 1816 und 1878 haben den Schutz -bet j konfessionellen Minderheiten weiter ausgebaut. Der!Wiener Kongreß vom Jahre 1814 kann auch als! Ausgangspunkt des NationaliWenschutzes angesehen ^werden, in dem damals Polen als Nation, aller-!dinys nur in der Fovm anerkannt wurde, daß der Zar ein Mandat erhielt, die polnische Nation im Nahmen des russischen .Kaiserreiches zu konsolidieren. In: Kongreß von BÄlin wurde hinsichtlich Bulgariens das erstemal die Frage der nationalen Minderheiten aufgerollt und im Artikel 4 heißt es, daß ,M jenen Orten, wo Bulgaren gewischt mit Türken, Rumänen, Griechen und an- -deren Nationalitäten Zusammenleben, die Rechte' und 'Interessen dieser Völker geschützt werden müßten, insbesondere im Hinblick auf die Wahlen und die Organifa- ,tionsstatuten". Die Minoritätenschntzverträge von Saint« Gevmain enthalten nur einen Mindest schütz. Der ,Vortragende bemühte sich mm im weiteren Beirlcmf seiner Ausführungen zu beweisen, daß den magyarischen Konuationalen gegenüber der Minoritätenschutzvertrag von Lrianon in den Nachfolgestaaten nicht eingehalten werde. Rundschau. Der Kampf gegen die bayrische« Halenkrenzier. Berlin, 28. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Mach einer Meldung des „Lokalangeigers" aus Atünchen, >fft der Gründer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Drexler am Freitag mit Eisenstangen jaus seiner Arbeitsstätte hinausgeschlagen worden >und 'liegt schwer verletzt in seiner Wohnung. Aus 'Anlaß dieses Vorfalles hat Hitler gestern in einer 'großen Propagandaversammlung erklärt, daß seit dem Erjlaß der Verordnung über die Entwaffnung des Saalschutzes hundert seiner Anhänger.teils in Lazaretten, teils in Wohnungen verletzt liegen. Hitler versicherte, daß seine Anhänger fortan alle Versammlungen rücksichtslos rnit Waffen schützen würden. Ae Hakenkrenzler von gaffh. Die Iassher Universität wieder gesperrt. V»S Bukarest wird uns gemeldet: Die Iassyvr Hakeidj^vu-^tudenten haben beschlossen, den jüdischen' Hochschülern lMrtev allen Umständen den Zutritt zur Universität zu verwehre« und «inen Pmnanenzdienst an der Universität emgeirichtet, der sich auch aus die Nacht erstreckt. Die Universität *nk“*L* dalhov neuerlich für 15'Tage gesperrt. Sie Konferenz in Lausanne. . Lausanne, 38. April. (Tel.-Komp.) Die Sitzung des iLKvtljchastMnmteeL hat den heutigen Vormittag der Prüfung «or Bestimmungen -betreffend die K 0 nzess i o n e n gewidmet. Die alliierten Delegierten verlangten, daß die während des Mieges von den tüMschen Gerichten gegen alliierte Staatsimgehörige gefällten Urteile und Maßnahmen durch ein Schiedsgericht redilgiert werden. Die Türken lchnen aber chie brshM das Eingreifen eines gemischt Schiedsgerichtes ^ab. Dann schritt man zur Prüfung der Frage 'der Konzessionen. Da jedoch über diese Frage gegenwärtig in Konstanjtmopel zwischen der türkischen Regierung und den Interessenten ,verhandelt wird, wurde beschlossen, das Ergebnis dieser Ver- ^Handlungen abzuwarton. Jsmet Pascha verwahrte Istch gegen diese Verschiebung.. In der Frage' der Vor-! kriegsschulden nahm Jsmet Pascha die Formel der -Wirerten an, wofür ihm der Präsident des Komitees Mon- -tayna seinen Dank ausspvach. Hieraufwurden die Konventionen und Ver träge besprochen, die den Bestimmungen des Friedensvevtrages nicht zuwidevlauftn Müsen. Ae Krankheit Bonar Lawr. Der Ministerpräsident plötzlich abgereist. London, 28. April. (Dvl.-K'mnp.) Bonar Law hat an Bord tElwes Kreuzers England verlassen und wird erst nach den Pfingstserien seine Arbeiten in London wieder ausinelymen. Er hat sich gestern bereits vom König verabschiedet. Bonar Law -wich Während seiner Abwesenheit von dem Schatzkanziler Baldw in vertreten werden. In Politischen Kreisen Wird die Abreise Bonar Laws M ein sehr ernstes Ereignis betrachtet. Man erklär, es sei noch nie vorgekommen, daß ein enMcher .Premierminister tvähreNd einer.parlamentarischen Session Vas Land plötzlich verlassen habe, ohne dem Parlament davon Mitteilung zu machen, und mau weist bc-muif hin, daß die politische Lage gerade gegenwärtig außerordentlich ernst sei. Aus der einen Seite könne der Ruhrkonflikt UeberraschunM zeitigen, da. man einen deutschen Vorschlag erwarten könne. Andererseits verlange die Lausanmer Konferenz die ständige ^Anwesenheit des Regierungschefs in London. Die Abreise Bo Ausländer Exporteure kaufen am vorteilhaftesten » erstklassiger Qualität und Ausführung bei Regmano, Gammimäatelfalirik, Win m III.,Beatrixgasse 26 ' 585 III., Heumarki7 An unsere % L. Abonnenten! Am 1. Mai 1923 beginnt ein' neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die BezugSgebühren rechtzeitig einzuzahlen, beziehungsweise das. Trafikabonnement rechtzeitig zu erneuern, damit die Zustellüng des BlatteS keine Unterbrechung erleide. AezngsgebWen ab 1. Mai 1923: Abonnement für Wien (zum Abholen im Expedil ober in den Verfchteitzstellen) monatlich.... . St. 28,000.— Sonn- und Wochonkagsnnmmer.K. 1.000.— Monlagsnummer ..Ä» 700.— Das Abonnement wolle gefälligst rechtzeitig in der nächstiegenden Verschleißstelle erneuert und die VezugSgebühr gleichfalls dortselbst. erlegt werden. Oesterreich monallich .'. K. 28.000»— rfchecho-SlowaKei monattich. . . tschech. K. 17.— Polen monatlich.pol». Mark 12.000»— Jngostawien monatlich....... Dinar 35.- Deultchlanb monallich.Mark 8.000»— Bumünieu monatlich. Lei 75»— Solland monattich ......... . holl. fl. 1.50 Italien monalttch.Lire 10.— Schweiz monallich .... Schweizer Franken 3.— Frankreich monatlich.. Franken 8.— Belgien monatlich ....... belg. Franken 8.— England monatlich. ....... Schilling 3.— Amerika monattich. Dollar 1»— Zahlstellen: Oesterreichifches Pvstsparkastenkonlv 150.893. Ttchecho-flowaklfches Postfparkafsenkonto (Prag) 50.351. Polnisches Posttparkattenkonto (Warschau) 100.227. Deutsches Posttchechkvnto (Berlin « 7) 108.722. Rumänien und Bukowina: Ostbank A. G. und deren Filialen. Schweiz: Schweizer Dolksbank iy 2t. Galle». Jugoslawien r Posttparkattenkonto (Zagreb) 40,085. Italien r Soziela di Eredilo Commereiale Trieste» Dia Wazzini 30. Die Derwallung der „Wiener Morgenzeitung" Wie», II., Taborstraße 1—3 Telephon 44.038, 43.319. nur Laws sei um so erstaunlich11, aks vor üinigen Tagen berichtet wurde, daß die Krankheit des Mmsterpräsidenten geheilt sei und er schon die Zusicherung gegeben hatte, am 4. und 11. Mai in öfseMichen Versammlungen zu sprechen. In.Downmgstveet verweigere man jede Auskunft, die über das offizielle Commun'igue htnausgcht. Man erklärt nur, daß Bonar Law am 30. Mai zurückkohven werde, und daß seine Reise keinen politischen Hintergrund habe, sondern nur auf Veranlassung der Aerzte unternommen werde. Die Krankheit des Premierministers könne mtr durch längeren Aufenthalt am Meere gchoN -werden. Sin «en« tschechisch-nngarii-er 8renzzwWeafM. Prag, 26. April. Das Tschecho-sWoiccktsche Pveßhureau meidet: Durch eine amÄiche Untersuchung wurde festgestellt, daß unsere aus zwei Mann böstehende Genda-vmeriegrenKvache bei dem Dorfe Saloky überfallen tvUrde. Ungarischer, seits tvuvden aus die Wache v ier Schüsse abgegeben. Unsere Wache nahm deshalb eine Abwehrstellung ein und fand, daß aus ungariischem Gebiet ^zwei ungarische Soldaten von der Stelle aus, von welcher die Schüsse gefallen waren, die Flucht ergrissen. Der Zwffchensall bildet den GeAnständ einer weite» ren amtlichen Untersuchung. - Der 1. Mai. " Berlin, 26. April. Der 1. Mai wird diesmal, wie aus Gewerkschaftskreisen deir Mättern berichtet wird, im Zeichen völliger Berlkehvsnche stehen. Auch die städtischen Werke sollen an diesem 'Tage stillgelegt, dagegen Elektrizität, Gas und Master für den Hausgebrauch geliesett werden. Am 1. Mai werden 16 große Züge von den eintzelnen Stadtteilen nach den Sammelplätzen marschieren. Budapest, 26. April. Die svzialdemokmtische Parte-ilertung erschien heute beider Pol-izei und meldete zehn Hfentliche Versammlungen für den 1. Mai an. Die Versammlungen wurden nicht gestattet. Die Partei wendet sich au den Müister. Präsidenten. Wetzlar, 28. April. Die Franzosen haben die Abhaltung von Maifeiern -im besetzten Gebiet verboten. Aus aller Welt. London 28. April. ,/Times" teilen mit. daß in den ersten drei Mbonaten dieses Iahers 6,663.000 Tonnen Kohle nach Frankreich ausgeiführt -wurden gegenüber 3,647.000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres; nach Italien gingen 2,006.000 gegenüber 1,468.000 und nach Deutschland, wie schon mitgeteilt, 3-378.000 gegen 1,078.000 Donnen. Paris. 27. -April. Dem Seinepräfekten ist ein Gesuch wegen Veränstaltuing von radioelek-trischen Konzerten (mittels drahtloser Telegraphie) auf den öffentlichen Plätzen der Stadt Mgegangen. Eine französische Gesellschaft foll sich arbötig gemacht haben, täglich solche Konzerte unentgeltlich zu geben. Dortmund, 86. April. In der vergangenen Nacht kam eS hier zu ein« Schießerei zwischen Feuerwehrleuten und Kriminalpolizei, einerseits -und Einbrechem andererseits. Prag, 86. April. Wie die Abendblätter erfahren, hat der in der Bohemia-Ba-nk-Affäre kompromittierte Abgeordnete Kubicek aut tein Abgeordnetemna-ndat vernichtet. 8 8m »ürsealandn Angenehm verbringt man das Pestachfest iN Burgen^ lan-d. Man karm sich dort m läMichem. und zugleich jüdi-j schcm Milieu leichter als in der Großstadt ausmalen, wie: wohl so ein Pessachsest in Erez Jisrael aussehen mag, urch kann auch ohne allzu große Schwierigkeiten der Aufforderung des Hohenliedes Folge leisten: „Gehen wir hinaus in die Felder und laßt uns übernachten in den Dörfern!" Unsere Vorfahren liebten die Natur und konnten den Nissaw als Frühlingsmonat feiern; ich freilich mußte ’fym« in Mattersdorf int Ueberzieher zähneklappernd bei Sonnenschein umhergehen. Doch seit kurzem heißt der Ort nicht mehr Wkattersdovf, sondern M a t t er sb u rg, da zu einem Burgenlande doch schließlich auch Burgen gehören, und hat auch schon eine neue Gemeindevertretung. Und diese ist es, dieuns auch als Juden ein wenig interessiert, denn hier wie in den übrigen Orten des Buvgenlandes mit größeren jMschen Minoritäten war den Juden die Möglichkeit gegeben, eine ihrer Zahl und Bedeutung entsprechende Anzahl von Mandaten in der Gemeindevertretung zu erlangen, wenn sie. einig austraten. Daß sie dies aber nicht taten und sich nicht schlechthin als Juden auf ein Programm und ei.ne Kandidatenliste einigten, sondern gleich zwei Ableger der Czernin - Partei bildeten, -deren jeder auf ein paar christliche Stimmerc rechnen zu können glaubte, tatsächlich aber nur aus den Familienangehörigen der jelveiligen selbsternannten -Listensühver bestand und damit die heilige Einigkeit der Genteinde untergrub, das bildet ein nicht gerad. rühmliches Kapitel des österreichischen Judentums. Erklär«, lich sind solche Vorgänge höchstens aus der ungarischen Er ziehung der burgenländischen Juden, -verzeihlich aber nicht, da es nur ein Wunder zu nennen ist, wenn nicht alle Mandate den Juden verloren gingen. ' Kaum weniger unverzeihtlch ist es aber auch/ wen» nun diese neugewahlten jüdischen Gemeindeväte beider „Parteien" auch weiterhin nicht miteinander zur Wahrung jüdischer Interessen in FMung treten, denn es wäre gerade Sache dieser einzigen auf demokmtischer Grundlage gewählten jüdischen Mandatare im Lande, gemeinsam -einer- -Gefahr gegenüberzutreten, die dem jüdischen Besitzstände und allen künftigen jüdischen Generationen im Lande durch; den drohenden Abbau der jüdischen Volksschulen »droht. Bei der Abwehr dieses Unglücks könnten die Juden des Burgenlandes, wenn sie selbst sich der Situa-j tion gewachsen zeigen, gewiß der moralischen und auch ma-s teriellen ■ Unterstützung ihrer Brüder im übrigen Oesterr' reich sicher sein. Diese jüdischen Schalen werden vom Staate erhalten und sollen nun im Zuge der allgemeinen Evsparungsmaßnahmen teils eine Verringerung ihrer Lchrerzahl erfahren, teils ganz geperrt weÄen. Da wäre es nun nicht nur Sache der jüdischen 'Mandatare im 'Lande und -der jüdischen Oeffentlichkeit Oesterreichs überhaupt, helfend einzugreifen, sondern auch ganz -besonders Ausgabe -der Mi- - schen Mern im Burgenlande selbst, für ihr teuerstes, für die gediegene, jüdische und vor: Hemmungen freie Erziehung; ihrer Kinder Opfer zu bringen, die sie sonst früher oder^ später in allgsneine Volksschulen schicken müßten. Wenn nicht von allen Seiten der Ernst des Augen-! blicks erfaßt wird, sind die Mischen Schulen verloren. Dies anderen konfessionellen Schulen im Burgenlande find 'bedeut tettd günstiger gestellt, da meist da, wo es zum Beispiel eine! evangelische Schule gibt, nicht nur eine kleine Minderheit,! sondern das 'halbe oder das ganze Dorf protestantisch Ms Solche Schulen sah ich gelegentlich eines Ausfluges, den ich von Mattersburg aus nach Eisenstadt mit zwei Freun-s den unternahm; tvir berührten da aber auch ein Dorf, das! in religiöser Beziehung in Oesterreich ein Unikum hMvNj dürfte, denn in diesem Dorfe — der Name ist Nebensache —.j gibt es nicht nur fast zu gleichen Teilen Katholiken und! Protestanten, . sorckern auch etliche Baptisten und Adden-j trsten. Hier scheint also noch etwas aus den Sturmtageri der deutschen Reformation übrig geblieben zu sein. j Wir gehen über sonnige Felder, die der FrühlingKwiüdl noch etwas rauh bestreicht, und sehen aus dev Ferne das schönste Städtchen des Landes, Eisenstadt, langgestreckt' daliogen. Freundlich winkt es zwischen niedrigen 58)2^ bergen hervor, von denen ein großer Teil der alten jüdi-j schen Firma Wolf gehört, deren Ehef Herr Sandorj Wolf, der gegenwärtig m Palästina weilt, als Mischer! Mäzen bekannt ist. Er -hat die Herausgabe des "großen, Wachsteinschen Werkes über die Eisenstädter Epitaphien er-j möglicht und dieses Werk selbst durch einen vollendeten! Beitrag über Grabsteinkunst bereichert. Er hat ab« auch', zur Unterbringung eigener, zum Teil auf ausgedehnten, Reisen zusannnengetragener Sammlungen ein eigenes M u-i seum im EisenstadterJudenviertel erbautdas samt der' großen Bibliochek, die es entM, Zeugnis ablegt von demj Kunstsinn und der ^Großzügigkeit feines Schöpfers. Dieses! Museum enthält, von prähistorischen Funden angchrngerr,! die aus der Gegend von Eisensladt stammen, über Denk«! mäler aus der Römerzeit -hinaus alles bis zu einer Sabbat--! Konbept Roth Wien, VH., MariaWlferstrnssa 88 a (»lahofll TcleDhon 35-I-S1 i-’