Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1512 (29.4.1923)
- Date
- 1923-04-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980593--14593-3001342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
.IWfc'l_ Men, Sonntag jwtt die Erhaltung der Mischen Gemeinden sicherzustellen, i Redner spricht sich gegen die Ausschreibung der Wahlen nach dom Men Wahlrecht ans und verlangte die Einführung eines demokratischen Wahlrechts., In der Debatte erklärte der Vertreter der Regierung, daß die Regierung die Richtigkeit der Forderungen des Abgeordneten S ch i.P P e r einfehe. Die. nationaldsmokvattschm Redner stimmten der Neuausschreibung der Wahlen zu, verlang- L« jedoch die Schaltung des Kurien sh sie ms, da die Einführung des allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts imr zur Stärkung des zionistischen Elementes in der Mischen Gorminde -ertragen könnte. In >der doraLlsfoigenden Abstimmung wurde, der Dringlichjkertsatttvag des Jüdischen Klubs mit 12 gegen 14 Stimmen angenommen. Für den Antrag stimmten außer den jüdischen Abgeordneten die Witos-Partei, Whzwolenie uüd die Sozialdemokraten. Zum Referenten im Plenum Wurde Abgeordneter Doktor Schipper bestimmt. Die Numerus üausus-Frage. Warschau, 28. April. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) A* gesamte Presse bespricht den Beschluß der Unterrichtskommission, wonach die Numerus clausus-Debatte auf unbesttmmte Zett aufgeschvben wurde Der Beschluß wurde mit 17 Stimmen geigen 12,gefaßi. Bis zur letzten Minute glaubte man allgemein, daß der Skumerus Gansus mit den Stimmen der Rechten und der Volkspartei in der Kmnmission zur Annahme gÄan^n wird. Ganz unverhofft stelltejedoch der Vertreter der Witos-Partei '.n der Kommission den Antrag auf Aufschiebung der Angelegercheit, der auch trotz energischen Protestes des Vertreters der Nattonaldemokraten, Paters Lutoslawski, mit Strmmenmehrhett angenommen wurde. Die Warschauer und Lemberger Zeitungen heben hervor, daß dieser Beschluß auf die Initiative des Abgeordneten Reizes zurückzufühven ist, dessen Bemühungen es gelungen ist, dieses Resultat herbeizuführen.; Wie „Moment" berichtet, hat der Vorsitzende in der Sitzung des Jüdischen Klubs dem Abgeordneten Reizes die'Anerkennung des Klubs für dessen Bemühungen um die mit der aktuellen jüdischen Politik zusammerchängerÄen Angelegenheiten ausgesprochen. Diese Anerkennung wurde auch ins Prowkoll ausgenommen. Zar Gutachten der Krakauer philosophischen Fakuüät Wer de» Rumernr elausus. ■ Ans Krakau wird uns geschrieben: Das Memoran- : vmn der hiesigen philosophischen Fcckultät in Angelegenheit; des Numerus elaufus verdient besondere Beachtung. Wie bereits gemeldet, hat sich diese Fakultät in schärfster Weife gegen die Einführung des Numerus elausus ausgesprochen. In dem oberwähnten Memorandum führt die Fakultät aus, daß die Ueberfülluny der Fakultät mit nichtpolnischen Elementen keinesfalls Anlaß zur Besorgnis geben darf, daß dies für die nationalen Interessen von Nachteil werden könnte/ Die Fakultät glaube an die Lebenskräfte des polnischen Volkes, wÄches stets auch bei der größten Unterdrückung die Fähigkeit bewiesen habe, seine eigene Kultur zu schützen. ,Angesichts der Wiedererlangung des eigenen Staatslebens wollen wir um ßo mehr jene Mittel meiden, die wir in den iZeiten unserer Knechtschaft als entWÄrdigend angesehen haben." Die Fakultät warnt vor der Einführung des Numerus clausus, weil dadurch nur die Reibungsflächen zwischen den verschiedenen Nationalitäten verschärft werden könnten. Die Einführung des Numerus clausus wurde außerdem die Autorität der Lehrer und der Universität schmälern. Diese Ubsioßungstaktik könne nur von Nachteil für den Staat und die Gesellschaft fein, und würde die so Behandelten einer Hemden, dem Polentum geradezu feindlichen KMrr in die Arme werfen. ' Zionistisch« Landeskongretz. Aus Warschauwird uns fgeschrisben: In der letzten Sitzung des Zionistischen Zentral- Komitees wurde beschlossen, für den 10. Mas den 6. Zionijstischen Landeskongreß in Polen einzuberufen. An diesem LamdeAongreß sollen auch Vertreter der Zionisti- , scheu Organisationen in Ostgalizien und Wilna teilj nehmen. Auf 'je 300 Schekslzahler wich ein Delegierter gestrählt, Der LandeÄvngreß wird sich auch eingehend mit den ^Problemen des'Nächsten Ziomst-enkongresseS beschäftigen/ '• &OienJ. JVfldpr&fmjrkl 4 ■j/ü&es, -Kos tumes, Jflanleawc, feagomns et &ourturea JT&lef&n 6$273r Grosse Olckasion* von Frühjahrs-Modellen und preiswerten Etaminkleidem Wiener Morgenzeit^tns. 29. April 1923 MLM» Mfi Sine Fei« fit Fapan. DaS Pveßbureau der Zionistischen Organisation er-., sielt einen Bericht ans Schanghai über eine Feier/die anläßlich der Eintragung des j ap a n i s ch e n M i n i st e r s >eL Aeußern Grasen Uchida in das goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds abgehalten wurde. Da Graf Uchida, von Schanghai beruflich abwesend, an der Feier persönlich nicht ieilnchmen konnte,!icß er sich durch den'Generalkonsul T. Funatsu vertreten, der auch das Diplom namens des. Ministers übernahm. Rabbiner Hirsch drückte den Dank .der Zionisten an das japanische Reich für dessen Förderung der. jüdischen Sache aus und gab der Hoffnung Ausdruck,, daß die japanische Regierung dieses freundliche Verhältnis zu den Inden auch weiter aufrechterhalten werde. Nach einer Erläuterung der auf dem Diplom sichtbaren Symbole des goldenen Buches wies der Redner /darauf hin, daß es der japanische Botschafter gewesen ftvbW die Resolution unterbreitete, die in der Ratifizierung des Palästtna- Mandats ausklang. Zum Zeichen der Dankbarkeit habe nun die Zionisttsche Organisation in Schanghai den Minister des Aeußern in das goldene Buch eintragen lassen. Generalkonsul Fimatsu gab der Persicherung Ausdruck, daß er sich der Ehre bewußt sei, die ihm durch diese Feier zuteil werde. Japan habe sich stets der Mischen Nation gegenüber von freundschaftlichen Gefühlen leiten lassen und nicht gezögert, ihre nationalen Aspirationen zu unterstützen. Dem japanischen Volk sei die Verfolgung anderer' Nationen stets fremd gewesen, und das, jüdische Volk habe Wffiftöui Verdoppelung des Kapitals der Mischen Arbeiterbsnk. Jerusalem, 24. April.. (I. C. B.) Die jüdische Arbeiterbank in Palästina erhielt von der Regierung die Erlaubnis, eine neue Serie Aktten aus die Summe von 30.000 äg Y ptischen Pfund zu emittieren. Nach Verkauf der neuen Serie wird sich das ^Kapital auf 60.000 ägypttsche Pfund erhöht haben. * Ueber die Entwicklung der Arberterbank 'kt' abgelausenen Jahre schreibt „Haarez" anläßlich-der VeröffeMichung ihres ersten Rechenschaftsberichtes ü. a.: Im Laufe des Rechnungsjahres hctt die Bank in die öffentlichen Arbeiten ruNd 59.000 Pfund im Wege von Darlehen investiert. Diese Darlehen-wurden für 47 Arbeits- und ' Baugebiete gewährt, deren Gesamtumsatz im Sinne dev Verträge den Betrag von rund 295.000 Pfund ausmacht. Der - Umsatz umfaßt also einen fünftnal höheren Betrag, als der von der '■ Bank investterte. Aus dem Rechenschaftsbericht geht weiters hervor, daß die Zahlungen an die verschiedenen Arbeitsgruppen durch: die Regierung und die sonsttge« Arbeitgeber direkt an die Bank geleistet wurden. Es gelang her Arbeiterbank mit Hilfe verhältnismäßig kleiner Mittel Arbeit um Hunderttausende von Pfund zu konzentrieren, denn jeder, der unsere Arbeit im Lande mehr oder weniger kennt, weiß, daß ein Darlehen im Lande einem Unternehmen nicht nur hilft, sondern es größtenteils initiiert und schasst. An einer anderen Stelle des Rechenschafts-, berichtet lesen wir diesbezüglich ganz klare Worte: „Durch die Darlehen an das Amt für öffentliche Arbeiten (gemeint ist das Amt der jüdischen Arbeiterorganisationen), wurde diesem die Möglichkeit gegeben, beim Bau von Häusern, Stallungen, Wagen, Straßen, Kanälen, Ameftorierungen, ' Entsumpfungsarbeiten, Bohrarbeiten, Wasserlütungen, Errichtung von Zelten, Bau von Brücken, usw. an allen Enden des Landes um einen Betrag Aon 450.000 Pfund Unternehmerarbeit zu leisten und im Laufe des Jahres 21.000 Arbeiter zu beschäftigen, In dieser, Summe sind zirka 100.000 Pfund Kr Bauarbeiten, Entsumpfungen, Kanalisierungen und Straßenbau inbegriffen, und zwar , an verschiedenen landwirtschaftlichen Punkten. Die übrigen Arbeiten umfassen den Bau neuer Stadtviertel, die Errichtung öffentlicher Gebäude, den Bau von Stmßen, die. Errichtung zionistischer Regierungsinstitute. Ein großer Teil dieser Arbeiten hätte in diesem Jahre nicht dnrchgeführt werden können, wenn nicht die stärkende Kraft der Arbeiteror-. ganisation vorhanden wäre und die finanzielle Hilfe der Arbeiterbank. Die Arbeiterbank erscheint uns hier als ein wichtiger Faktor bei der Schaffung von Arbeiten im Lande und selbst- - verständlich auch bei der Verbreitung unseres Aktionsradius. Denn, wenn mit Hllse dieser Kredite Bauten errichtet, neue Stadtviertel gegründet, Kanäle gebaut.werden, usw., ist es nicht bloß eine Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten Kr Arbeiter und eine Verbreiterung der Aufuahmsfähigkeit des Landes Kr Einwanderer, sondern es ist auch K u l t u r a r b e i t i m h ö ch st e n S i in n e und die Schaffung besserer Lebensbedingungen Kr unsere Koloni- ■ satwn. Insgesamt wurden im Laufe des Jahres Kr land-, wirsschaftliche. Gvedlungen 51:000 Pfund an Darlehen gewährt. Wir, die wir den Zustand des heurigen Budgets keMen, vermögen uns vorzustellen, was das . Schicksal dieser Siedlungen in diesem - Jahre ohne die Kredite der Ärbeiterbank gewesen wäre. / E Im Lause der letzten Jahre hat die Zlonistische Organisation viel Geld in das Kolonifattonswer? gesteckt. Nicht wenig Worte der Kritik wurden -darüber gehört, -MWchk MchtzM- . NG zu allen Zeiten die Erfchvnng machen kömm, daß vie's japanische Nation ihm gut gesinnt sei. Graf Uchida weche sicherlich glejch ihm selbst von dieser Ehrung fveuhbg .Kenntnis nehmen. Nach dem^ Generalkonsul sprach der bekannte indische JouMalist und Dozent für indische Phllosophie Prof. A. Sh astri, und führte Ms, daß .er, i obgleich N.ichtjude, an der geistigen Entwicklung pes Mischen Volkes tiefes Interesse nehme. Ueberzeugt von der Wichtigkeit der Mission dieses uralten Volkes habe er den innigen Wunsch, mit den Juden au. der Erreichung ihrer Ziele mitzuarbeiten. Die Juden, waren zu allen Zeiten von der Wichtigkeit des, Fortschrittes erKllt mw> trotz aller mißlichen VevMtnisse, unter denen sie zu leiden hatten, haben die Juden wundervollerweise zun» Fortschritt der Wissenschaft und der Zivilisation beige« tragen. Die Juden dürfen sich nunmehr nicht eher befriedigt zeigen, als bis die. j üd i ch e.He im stä tte i n Palästiua errichtet sei, von welcher . sie die Möglichkeit haben werden, geisttg auf Europa einzuwirken. Di« 320 Millionen Seelen in Indien, rief Prof, Sh astri den versammelten Zionisten zu, wünschen Ihnen den bestem Erfolg Ihrer Bemühungen. Wir wünschen, daß bald du Tag kommen möge, an dem zum Zeichen des gegenseitigen Einvernehmens zwischen Juden und den übrigen Asiaten Bersanimlnugen abgehalten Werder ' mögen, in Peking, Teheran, Delhi, Eobul usw./ auf da^ die wirkliche Verständigung unterekander praktische For- . men annehmen möge. über alle Krittk erhaben ist -das Werk der Arbeitervack. - welche die Zionisttsche Organisation zu errichten gcholfen hat. Mit wenigen Mtteln wurde durch sie ein großes Werk geschaffen. __ Zur Geschichteter Verträge über dm M'moriMenschutz. Im Sitzungssaal der Buda-pester Akademie de-, Wissenschaften hielt am 26. d., wie uns aus Budapest be-! richtet wird, Generalkonsul Ernst Ludwig im Rahmen! der von der Gesellschaft für auswärtige Angelegenheitenvemnstailteten Bortragsserre einen Vortrag über den^ Minoritätenschutz, m welchem diese Frage einer! historischen Beleuchtung. unterzogen wurde. Der 2krhxi*j gende stellte vor allemssest, baß der Trianonerj F r i e d e wohl: in jeder Hinsicht einen Sklavenfvrchen dar- \ stelle, in einigen Mnkten jÄtochgewisse Bo «.•■teii'ig --O-j bracht habe. Einer dieser Vorteile betrifft den Minori-! tätenschntz, den Ängarn nur in den -losgetrennten! Gebieten gegenüber den Nachfolgestaaten geltend machenkann. Dieser Vorteil war nach Ansicht des Vortragenden: zwei Umstünden zu danken. Erstens dem Umstande-, daß die,' Großmächte als eine ninerläWche Bedingung der.Gebiets-! abtretungen und Gvenzvegulievungen zugunsten der kleinen! Entente die Unterserttgung der Minderhettsschutzvertrage! Saint-Germain bezeichneten. Zweitens aber dem Um-j stände^ daß die internationalen Vertretungen der Juden-> schast bei den Pariser Friedensvevhandlungen alle Hebel: in Bewegung setzten, damit die Lage der jüdischen Mno-i ritäten in Polen und Rumänien (und in Ungarn?, Die Red.) einer grüMichen Revision unterzogen werde.! Sie unterbreiteten diesbezüglich ein ausführliches Elabo-! rat, das aus taktischen Gründen nicht nur die eigene kon-! fessionelle Frage, sondern den gesamten Minderhettsschutzj bchprach und den: mit dieser Frage betrauten Subkomiteej der Friedenskonferenz als Unterlage diente. Dieses Elabovat wurde beinahe ohne Abänderung angenommen uttd fand zuerst im polnischen Vertrag seine Verwertung. Die übrigen Minovitätenverträge, also; auch der Trianon-Vertvag, enthalten analoge Be-! stimmungen. Was die Mnhevheitsftage im allgemeinen betrifft»^ so beziehen, sich die hierauf bezüglichen Verträge auf Min-l decheiten der Rasse, der Sprache, der Religion! und der Nationalität.. Historisch sst 'der Schutz derkonfessionellen 'Minderheiten indessen vorbereitet gewesen/ denn schon anfangs des dreizchrtten-^Jahvhunderts wurde! König Ludwig dem Herligen von Frankreich das Prote?/ tovat über die Maroniten in Kleinasien übertragen, dasj in späteren Jahrhunderten auf. alle in Kleinasienleben-! den Kacholiken erstreckt ivurÄe und dann ein Attribut der; Könige von Frankreich blieb. Rußland erhielt im Frieden! l££enjv fäatiefrmixtrfä