Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1511 (28.4.1923)
- Date
- 1923-04-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1AL Mett, SamSivg 8MMM" Wiens« Mottgenzettung. 28. Apvrl 1923 Seit«.» 3 Uhr nachmittags im Carl-Theater JAKOB KALIGH SOLOSZENEN ff LIEDER ff TÄNZE Karten: Buchhandlung Löwit, Karienhureau A3da,!!., Taborstrasse 6, „Wiener Morgenzeitung“, Carl- Theater, Warenhaus v Schiffmann, 11., Taborstrasse 48 Sa Scr britte Bericht Des GeneralkommistArr. Der Bericht des Dr. Zimmerman, der bereits durch eisten telegraphischen Bericht aus Genf der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, liegt. nun im Original vor. Die wichtigsten Stellen sind unseren Lesern bekannt. Es Ware nur noch zu erwähnen, daß die Ernennung eines ausländischen Sachverständigen für die Bundesbahnen bevorsteht. Weiter erklärt der BölkerbüMommissär, daß er die Freigabe der auf das Reservekonti bei der Nationalbank eingezahlten Summen nur dann gewahrt, wenn er sich versichert haben werde, daß m den verschiedenen Ministerien ernstlicher Ersparungslville herrscht. 8i» Berater für die Bundesbahnen. Wie wir gestern mitteilten, soll ein englischer .Eisenbahnfachmann nach Wien berufen werden, um ein Gutachten über die vom Völkerbund geforderte Reform der Verwaltung der Bundesbchnen abzugeben und einen Sanierungsplan auszuarbeilen. Es heißt, daß für diese Stelle Kolonel Paget, während des Krieges Leiter des Bahnwesens im französischen Kriegsgebiet, in Vorschlag steht. Die gestern aufgetauchte Nachricht, daß ein amerikanisches Sh rtdikat die gesamten mitteleuropäischen Eisenbahnen pachten und einem gemeinsamen Leiter unterstellen wolle, wird von informierter österreichischer Stelle als unrichtig bezeichnet. Auch an den Prager amtlichen Stellen wird diese Meldung dementiert. Sie Arbeitslosen vor dem Parlament. * Zusammenstöße mit -er Wache. ■ Trotz de» bereits zuswndegekoammnen parlamentarischen Xvmlpromffses in der AÄbeiitslosenjjragewurde die für gestern anyMndigt gewesene L-mmunistische ArdoiMosendvmonstvation dlrrchyeMhrt. Die BersaumMlüg der Komimmviisten hätte um 10 Uhr in der BoiKÄaÜe des Riathauses stattfinden sollen, da in dieser aber gegenwärtig, bwulliche ArbMen vorgMonumen werden, so nahmen die ArdeÄslÄsenzüge d ox dem Rachcru-s Auffwmrng. gefaßt, vor das Parlament Schritten unter Bomntragung Sowjetstern Mer den Ring zogen und die ParlamewtSvampe besetzten. Sämtliche Eingänge waren von einem starken Wache- Btmbeskanzler Dr. S6pel erschien dann und hörte die Forderungen der ArbeiMosen an. Er gab ihnen äu -foebettifen, daß rede Mehrleistung an die Arbeitslosen auf Kosten der Industrie und der in den Betrieben Stcheiwen gehen müsse. Der Staat sei außer st an-de, aus eigenen Mritelln beisteuern. eine Mehrbelastung könne er weder der Industrie mich den Arbeitenden auiDasten. Es kam dann zu einer lebhaften Kontroverse, als die Arbeitslosenvertreber fragten, was es denn mit der Kongrua sei. Minister Schmitz erwiderte: ,IÜr sind hier nicht da, um mit Ihnen Ai politisieren;" und drohte, falls die Erörterung in diesem Tone weitergehv, den Beratn^nhsscral zu verlassen. Der Kanzjler verwies schMeWch noch darauf, daß das Gesetz über die Verlängerung der Arbsitslosenver>ichcruug ein Kompromiß ^ller Parteien Larstellc und das; di» Regi-rrmg m materieller Dezichung nichts weiter verfügen könne. Die Vertreter der Arbeitslosen verließen hierauf mit der Erlläru-M, daß sie ihre Forderungen a u f r e ch 1 e r h a l t e n müßten, das Parlament. kiv Gesetz gegen die Tierquälerei. Gestern erschien im Parlament eine große Abordnung von Vertretern des österreichischen Tierpchutzvereiues, der Hundesportvereme und des Naät-rschutzvereines -und sprachen beim Bundeskanzler Dr.- Seipel sowie bei den Parteiöbmännern wegen ehester Schaffung eines Tievschutzgesetzes vor. Die Abordnung stellte an den Bundeskanzler das Ersuchen, .daß der schon seit langem im Iustizausschutz ruhende Entwurf eines Tierschutzgefetzes ehestens in Beratung gezogen und noch in dieser Legislaturperiode zum Beschluß erhoben werde. Die Abordnung überreichte dem. Bundeskanzler .eiltetx Entwurf für ein Tierschutzgesetz, wonach das Vergehen der Tierquälerei mit strengem Arrest von 10 Tagen bis 6 Monaten, bei erschwerenden Umständen und im Wiederholungsfälle mit Arrest von 3 Monaten bis zu einem Jahre geahndet werden "soll. Bundeskanzler Dr. S e i p e l erklärte, er stehe d?n Forderungen sympathisch gegenüber, könne aber aus den Iustizausschutz keinen Einfluß nehmen. Er werde sich jedoch mit dem Obmann des Ausschusses in Verbindung setzen, daH der Entwurf ehestens in Beratung gezogen werde. ' Parlament begeben werde.' darauf trat Sbille ein. Um fcüe Mittagsstunde versuchten MWh einige Demonstranten, den Polizeikordon zu umgchen und .das PauMrentsdor am Schmorlingplatz . zu stürmen. Die Polizei bemerkte aber rechtzestijg die Absicht. Ein kleines Detachement drang in den Park, um die Demoustvanten zu vertreiben. Einer der Demonstranten versuchte, einen Wachmann mederzurennen und schlug mit dem Stock auf ihn los. Der Wachmann zog vom Leder; das gleiche taten seine Kameraden und zersprengten die Demonstnmteir. Unter lärmenden Rufen erfolgte ein Stururlaus der erregten Menge in den SchmeMn^park. Die Polizei verhinderte aber das VordÄrmen zur rückwärtigen Front dä Parlaments und sperrte die Reichsvatsstvaße hd. Bald folgte ein neuer Sturmlaus, Cisenftücke wurden ans den Wachlordon geworfen. Dtan sah als Antwort wieder Säbel aufolitzen, was neuerlich von stürmWen Pfuirufen beKeitrt Mr-rde. Plötzlich fiel ein Schuß' aus der Menge der Demonstranten, dem rasch zwei weitere folgten. Sie lösten einen ungeheuren Sturm d e r E n trüstung aus.' Zwei große Eisenslücke flogen zum Wachekordou hinüber. Darms zog die Wache abermals vom Leder und räumte den Platz. Mittlerweile war in zNwr AntEebilen eine starke Reserve von Sicherhei'tsw'achleuten eingetroffen, die nun auch den SchmeTingplatz säuberten. Die Demonstranten, welche die Seitengassen abfipereten, gingen iveuerlich gegen das Parlament vor. Da trat berittene Sicherheitswache in Wtion, welche die Demonstvauten endgültig gegen die LcrcheniscDerstwße und die Neustiftgasse Mwau>gte. n 1 Uhr herrschte wieder Rühe , lre Meldungen besagen: Andere Der Lärm begann. die Abordnung längere Zeit im nalvate, angelockt durch.das Geschrei der Deinvnlstvanten, ans Fenster. Die, KouMiMten schrien und. ballten gegen die Abgeordneten die Fäuste. Auch flog ein Stein gegen das Haus, dar ein Fenster des Zimmers, in welchem die Abgeordneten sich befanden» zeMvnimerte. Die Deputation, die sich ixt PaÄamentZgchäiude emget'Mden hatte, wartete dort .vergebens ans den Kanzler Dr-. Ssi- ^der iMt^aai^e -ckcht anwesend war, und zog dann unter ^fi^e«rt^>ei!^le erschienen muziMe KabinecktsimitMieder im Und Mtnfftsr Schmitz empfing die bevsits abgezogM ^gewesene Mordnunia im Miwisterzimmer. Auch Ungar«. Horthy a« der i«goslMMen Grenze. Budapest, 27. April. (Tel. d. ,0c. Morgenzeituug^.) Seitdem Horthy vor ktt^em in ei-usr Rede in gcheminisvollen Worten den baldigen Eintritt wichtiger Ereignisse prophezeite, herrscht in Ungarn unverkennbare Unruhe. Als bekaMt wurde, daß Reichsverwefer Horthh mit großem «Gefolge von ostentativem militärischen Charakter eine InsPeMo-nsreise in die urWirisch-jAgoslawischen Grenzstädte wrtermmmt, dachte man sofort an jene Prophezeiung. Jur der Tat sieht das Auiftveten Horchhs aus, ferner Inspektionsreise einer militärischen Demonstration verteufelt ähnlich. Gleich in Fünfkirchen, der ersten Station seiner JnspÄtronsreise, war das Programm rein mMärisch. Es wmden TruPpenübttNgen vovgenommen, die Zöglinge der MMärcmsta'lt borgeführt und überall wurden hochpatmotische Reden gewechselt, in dem» die Wichtigkeit des ibedingnngslosen Patriotismus dieser Grenzbewohner, die angeblich unter der serbischen Besetzung so viel gelitten haben sollen, hervovgehoben wurde. Auch die Vertreter der einzelnen Konfessionen wurden dem -Reichsverwefer vorgefnhrt und auch dä sind die verschiedenen Mancen in den Antworten Horchys aus die Begrüßrmgsreden der einzelnen Deputationen bezeichnend. Der katholischen Geistlichkeit, die vom Bischof Grasen Z i ch y geführt wurde, sagte Horchy, daß er sie freudig empfange, denn sie fördere in den ihrer Obhut Anvertrawten nicht nur den Christusglauiben, sonderrr sei zugleich begeisterter Träger, des rmgarischnatronalen Gedankens und sorge für die Hebrmg des Nationalgestihls. Mr leben, sagt Horchy, heute in solchen Zeiten, daß der Dienst des nationalen Gedankens für Ms eine Lebensfrage ist. Deshalb wöge der kacholische Klerus sein HanMugemmrk daraus lenken, daß die Jugend im ch r i st l i ch n a t i o n a len Geist« exogen werde. In'ähnlichem Sirrne sprach er zu den in gemeinsamer DsPutaKon ersüstenenen Evangelischen und Resormierten, denen er gberchfälls den Patriotismus zuMigte. Hingegen antwortete er auf die Ansprache d^ QbervabbineiÄ Wal lenste i-n, der an der Spitze einer Deputation der Kultusgememde erschienen war, gcmz i»r Tone /der alten Kaiserveden: Es berührt wich angenehm, daß ich aus Ihrer Rede die Betonung Ihrer patriotischen GeMle ver-nchmen komrte. Mh bitte Sie, das Natirmälgefühl auch ferner in -ihrem Herzen zu pflegen, denn dessen bedarf unser vielgeplagtes Land . dringender je- Im übrigen hat, wi« aus Belgrad gemeldet wird, die Reise Horchys und die ganze Regie, dieser Unievnchnmng begreiflicherweise die - erhöhte Austnerksamkeit dey jugoslawischen Regierung ertveckt. Man kann hierin durchaus kein Zeichen dafür erblicken, daß die ungarische Regierung Gewicht darauf lege', auf die Nachbar^. staaten beruhigend emzu-wirken. Re Auslandsreise der Minister. Budapest, 28.- April. (Tel. 5>, „Wr. -MoMnzeitung ., Ueber die Auslandsreise des Ministerpräsidenten und des Fimmzministers berichten die Blätter, 'daß diese zwei Ziele» befolge. Zunächst die Informierung der R e P a r a t i o n skommission , sowie der Ententeregierungelt über die finanziellen und wirtsä-aftlichen Schwierigkeiten Ungarns, und zweitens den Versuch, die Reparastvnskom- Mission zur Aufhebung der Pfandrechte zu ben wegen, damit 'Ungarn im Auslands eine Anleihe erhalte. Im allgemeimn hegen die Blätter keine besonderen Hofs-nungeu für den Erfolg der AuslaUdsi reise und konstruieren einen Zusammenhang zwischen deff letzten Grenzzwischenfällen und der Minrstev» rerse. .Der Mmsterveise wird in politischen Kreisen eine so große Bedeutung beigemessen, daß der Minister-, Präsident heute mit den Parteiobmänuern einig gewov, den ist, die Nationalversammlung Samstag auf einen ganzen Monat zu vertagen und während der Mwesenheit der Minister kein« -bedeutenderen politischen Mtionen zn.be, ginnen. Sämtliche Parteien stimmten dieser KZerernbanm'g zu, welche übrigens Anlaß zur Versöhnung Bcttzlens und Andrasfys, die seit dem Karl-Putsch die hchigsten Gegner sind, bot. , Palen. N«e Warschaaer Hochschule gegen den Anmernr elanfns. Warschau, 26. April. (I. E. B.) Das^ Pvofefforenkolle. glMtt der Hochschule für Landwirtschaft in Warschau hat sich gegen die Einführung des Numerus clausus für Mische Hörer an den polnischen Hochschulen ausgesprochen. Als Motiv wurde angegeben, daß der Numerus clausus die politischen und nationalistischen Leideuschasten entfachen und auf den Kang der S t u d i e n n a chteilig wirken würde. Lar „Saitrt" md die hebräischen Schnlen. Warschau, 27. April. (Tel. d. ,Mr. Movgenzeitung".) Auf einer von der Tavbuthovgamsation einbevufemn Pressekonferenz zur Information über die Notlage, in die das hebräische Schulwesen in Polen durch die Entziehung der Subventrouen von seiten des „Joint" geraten ist, wies Abgeordneter Dr. Thon in einer längeren Anspmche auf die drohende Schließung des gesamten heibvävschen Schillwerkes hin. welches von über 30.000 Kindern besikcht wird. D^s Schulwesen sollte eigentlich vom Staate erhalten werden und der Mische »Klub fordere die Subventiomemug des Schulwesens auf Grund der Besünmrungen der V erfassung;mrä> des Versailler Friedensvertrag es. Aber bisher konnten diese Subventionen nicht erwiät werden. Aus diesem Grunde sei das gesamte Schulwesen aus die GAdUiNtevstützung aus Amerika angewiesen. Da das „Joint", welches -sich verMchtet häbe, .durch ein Jahr das gesamte DarbuchschMvesen nrrt einer 9Nonatssubventwn von 6750 Dollar zu unterstützen, plötzlich diese Subventionierungen eingestellt habe, drohe die Gefahr, .daß der gesamte Schulunterrrcht werde eingestellt werden müssen. Es wurde beschlossen, innerha'lb der polnischen Iudenschast eine starke Schulorgamsation zu schaffen, um die nötigen Gellmnttel sicherzustellen. Gegen das Vorgehen des Iouut Distribution Committee ist scharfer Protest erhoben worden. Zur Klärung der durch diese Subventionseinstellung geschaffenen Lage trat eine Konferenz der Tavbuthschulen m W rlna zusammen, cm der etwa 50 Delegierte der hebräischen Schulen im Wiluaer Gebiet teilMchMem Die KMse-- renz nahm folgende Resolution an: „Die Konferenz pwtestier-t auf das schärfste gegen das Joint Distribution Committee, welches den hebräiWen Schulen in einer kritischen -Zeit plötzlich die Subventionen entzogen hat. Die Konferenz konstatiert mit Bedcmem, daß die offiziellen JoinEertveter das gegebene Berflprechen nicht erfüllt haben, wogegen die orchodoxeu und jiAdischrstffchen Schulen ihre Subventionen regelmäßig Wetter erhalten. Die Konferenz fordert, daß das Jomt das den hebräischen Schulen achgebme Unrecht wieder gutmache, da sonst diese Schulen, die von zehntcmsenden Mchevn sucht werden, geschloffen werden müßten." WhwsB8j!g^^ RegenmfinteB . , K 125.000 B Leinenwaren, Waschwsren, V Stoffe, Wöscho — sehr öiiHg ■ Waren-Din Ins i Schiff mann —————S—i———i■i>»i -wi «w ir - II., TaborstraBe 49 Telephon 47«1«79 En aifffis En detail