Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1510 (27.4.1923)
- Date
- 1923-04-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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"T ^1J' 11!. 90» C Win«. gWtag fit einem Straßenbahnzug der Linie ,^2" eine Brieftasche, die «. a. einen Bon dir. M.693 der Länderbank (Filiale Landstraße) auf 25 Aktien -er Brown-Bovery-Werke und 26 Aktien ver A. E.-G. „Union" enthielt, gestohlen. In der Stoatsoper wurde am 24. d. der Gattin des Dr. Karl Klimesch von der Halskette ein ovaler Platinanhänger, umgeben von Brillanten und kleinen Perlen, rm Werte von 20 Millionen abgezwickt. An: 21. d., mittags, erstattete der Realschüler Ferdinand Budina beim Praterkommrssariate die Anzeige, er sei grundlos von vier Knaben in der Schüttelstraße überfallen worden. f wei hätten ihm eine Schnur nach Art eines L a s s o S um oen als geworfen und sie so fest zugezogen, daß er in Gefahr kam, erwürgt zu werden. Die vier Knaben wurden ermittelt und der Schule und dem Jugendgericht angezeigt. * Antisemitische Methode«. An zahlreichen jüdischen Geschäftslokalen in Warschau, die während des jüdischen Protest-! Meetings geschloffen waren, wurden folgende Flugschriften von antisemitischer Seite angebracht: „Wir verständigen sämtliche treue Polen, daß dieses Geschäft am Dienstag geschloffen war und sich zum Schoden Polens mit den Bolschewiken dereinigt batte. Wir fordern sämtliche Polen auf, dieses jüdischbolschewikffche Geschaftslokal zu meiden und hier nichts einzukaufen." * Die Not -er polnisch-jüdischen Flüchtlinge in Weißrußland. Der Sonderberichterstatter des I. C. B .in Rußland meldet: In Minsk und m anderen Städten Weißrußlands haben sich über 1000 jüdische Kriegsflüchtlinge und ehemalige Evakuierte angesammelt, die die polnische Staats« nehörigkeit besitzen und sich auf ihrem Wege nach Polen efindeu. Der polnische Konsul in Minsk weigert sich jedoch systematisch, die Pässe der Juden sowie der Griechisch-Orthodoxen zu vidieren. Dre einigen, die ohne weiiers Einreffeerlaubnis vom Konsulat erhalten, sind polnische Katholiken. Unter den jüdischen Flüchtlingen gibt es viele, die eine weite Reise hinter sich haben. Mehrere sind aus Sibirien, z. B. aus Omsk und Tomsk nach Weißrußland gekommen, in der Absicht, sofort nach Polen weiterzureifen. Der Aufenthalt in Weißrußland hat ihre Lage kritisch gestaltet. Sie sind meist ohne Geld und leiden Not an allem. * Eine Tobsüchtige in der Stephanskirche. Gestern in der Mittagsstunde har sich im Hauptschiff der St^charMrche ein aussehenerregender Vorfall abgespielt. Die 65jährige Pfründnerin Luise Muhansky begann plötzlich lau: irre zu reden und nahm gegen die anderen Andächtigen eine bedrohliche Haltung ein. Die Frau tobte und konnte nur mit Mühe von den Wachebeamten entfernt werden. * Ein nach vier Jahre» aufgeklärter Mord. Vor vier Jahren, im März 1919, wurde in der Nähe des Gendarmerieqebaudes in Tulln der Tullner Sicherheitswachmann Johann Grieslechner ermordet aufgefunden. Die Erhebungen lenkten den Verdacht gegen fünf Burschen aus Tulln, die denn auch verhaftet uns dem Bezirksgericht Tulln eingelrefett wurden. Bald danach wurde auch der Polizeihund „Relli" nach Tulln aus den Tatort gebracht. Bei der Jdentitätsprobe hat der Hund einen der fünf Burschen, den Anton Klaus, verbellt. "Das Gericht prüfte die Berdachtsgründe, hat aber nach sicbenmonatiger Dauer die Untersuchung gegen KlauS e i n g e st e l l t und den Burschen auf freien Fuß gesetzt. Nunmehr ist es nach vier Jahren gelungen, die 'Sache ganz zu klären. Die .Gendarmerie hat sestgestellt, daß Klaus der Mörder ist. Er wurde, wie aus Tulln berichtet wird, neuerlich verhaftet und hat bei dem eindringlichen Verhör seine Schuld einbekannt. * Internationales Schachmeifkerturnier in Karlba-. Die Liste der Teilnehmer an dem in Karlsbad beginnenden internationalen Schachmeisterturnrer ist: D. Janowski, N. T. Whttaker, O. ChajeS, I. Bernstein (Amerika), F. D. Dates, Sir G. A. Thomas (England), A. Aurbach (Frankreich), Aron Nianzowitsch «Dänemark), Geza Maroczy, Richard Retr (Ungarn), Akiba Rubinftetn (Polen), Alexander Aljechin, E. D. Bogoljubow, DuS-Chotimirsky (Rußland), Rudolf Spielmanu, Richard Teichmann, Doktor SiegLert Tarrasch (Deutschland), Ernst Grünfeld, Dr. Savielly Tartakower, Heinrich Wolf (Oesterreich), Oldrich DuraS, Dr. Karl Treybal (Tschecho-Slowakei), Dr. Milan Vidmar (Jugoslawien), als Turnierleiter wird Viktor Titz, der Präsident des Karlbader Schachklubs, stmgieren. * Wetterbericht. Eine warme südwestliche Luftströmung ist von Südftankreich her über 'Mitteleuropa nach Polen vorgedrungen und hat überall starke Erwärmung gebracht. Von England her sind kalte nordwestliche Winde gegen die ganze Nordseeküste vorgedrungen und verursachten dott kühles Regenwetter. In Oesterreich herrschte heute allgemein heiteres Wetter. Mittags erhob sich die Temperatur auf 17, in Graz und Innsbruck auf 18 Grad. Voraussage: Schönwetter, warm, aber nicht mehr von langer Dauer, Trübung im Anzuge. Nachlaß Alexander Koppel. Ab heute Freitag wird der Kunstnachlaß dieses bekannten Philanthropen und Sammlers, dessen Erlös dem Nothschild-Spital in Wien zufällt, im Auktionssaale vonAlbert K e n d e, 1. Be z., Kärntnerst r a ß e 4, zur Schau gestellt. Besichttgung bis inklusive Dienstag den 1. Mai von 10 bis 6 Uhr. Versteigerung: Mittwoch den 2. und Donnerstag den 3. Mai ab 3 Uhr nachmittags. _ (Entgeltlich.) Vereine, Vorträge und Versammlungen. Zionistische Bezirks sektion Alsergrund, 9. Bez., Liechtensteinsttaße 11/13. Morgen Sarndtag, Cafe City, 0. Bez., Porzellcmgaste 1, 8 Uhr abends, geschlossener Gesellschaftsabend mit reichhaltigem Programm und anschließendem Tanz. Gäste herzlichst willkommen! Mittwoch den 2. Mai, 8 Uhr abends, im Sektionslokale düngende AuSschußfitzung sowie auch Schekelkommiffionsfitzung. Alle Damen und Herren werden dringend anfgefordett, die zum Verkauf übernommenen Schekel blocks im Sektionslokale zwischen 6 und 8 Uhr abends zu verrechnen. — Vereinigung der jüdischen Akadem i k e r, 2. Bez.. 3ro Werd 13. SamStag den 28. d., halb 2 Uhr nachmittags, Vorttag des Herrn Rabbiner Wundermanv. — Hebräischer Klub. Wien, 2. Bez., Taborstraße 1, Mezz. Samstag, halb 8 Uhr abenos, Vottrag Dav. H o s (Palästina), Leiter des Amtes für öffentliche Arbeiten, über: Die Arbeiterbewegung in Palästina. Gaste willkommen! Urania. Heute: GroßerSaalrö Uhr: Wild- Afrika. Halb 8 Uhr: Deutscher Volkslieder-Abend. — Kleiner Saal: Halb 6 Uhr r Dr. Karl P o k o r n y : Bilden aus dem Gesellschastsleben Wiens im Vormärz. III. Halb 8 Uhr: Univ.- Pros. Dr. Rudolf Martin (München) r Körpererziehung und Körperkultur. — K u r s s a a l: 5 Uhr: Dr. Reinhold L o r e n zt Die berühmten Frauen der Welt- und Literaturgeschichte. II. Halb 7 Uhr: Oberbaurat Ing. Gustav Adolf Witt: Salzgewinnung im Salzkammergute. 6 Uhr r Univ.--Dozent Dr. Julius P i a: Die gesteiubildenden Pflanzen und Tiere, l. — Klubsaal: 6 Uhr: Univ.-Lektor Ferd. M a t r a s: Sprechkurs. V. Halb 8.Uhr r Hochschulprofessor^Dr. Hans Frisch: Politische Porträts, t. - M i k r o s k o p i e r s a a l: 7 Uhr: Univ.-Assist. Dr. Hans P l e n k: Der mikroskopische Aufbau des Menschen. V. Technisches Museum. Morgen, 3 Uhr nachmittags, Fiihruugsvorttag von Dr. O. B r y k r Energielehre. Sonntag den 29. d., .10 Uhr vormittags, Lichtbildecvortrag von Vorstand Ing. E. Stelzer: Technischer Monatsbericht über nette Erkenntnisse und Erfindungen Wiener Morgeuzeitung. Möhrmg. Re LebenMittelmärkte. Troß guter fttMtett keine Preisrückgänge. Auf allen Marktgebieten sind die Z-uftchren so gut, daß die Vorräte den Bedarf weit übersteigen. Trotzdem wollen sich namentlich die heimischen Gärtner nicht zu Preisnachlässen bequemen. me dem Konsum zugute kämen, sondern klaffen eher Ware zugrunde gehen. So kann man allenthalben beobachten, daß sich vielfach aus dem Ausland bezogenes Gemüse, das mft vielen Spesen belastet fft, billiger stellt als hiesiges. Wohl sind gestern Frühkartoffeln etwas billiger abgegeben worden. Bei einem Kilogramm-Preis von 9000 bis 11.000 «K. hat dies jedoch für -die breiten Schichten nichts zu bedeuten. Ausländische paketierte Deeebutber kostete auf dem Naftchrnarkt 73.000 K. pro Kilogramm, während die schlechteste hiesige Butter, die für den Tafe-lgebrauch nicht in Betracht kommt, sich auf 00.000 K. und darüber stellt. In der Großmarkthalle waren die Aufuhren besonders gut ausgefallen. Cs waren 21 Waggons mit 136 Tonnen verschiedener Fleischgottungen angekommen,' trotzdem sind die Preffe unverändert hoch geblieben. Einzelne Sorten ha'ben sich, sogar etwas erhöht. So wurde Schaf-, Ziegen- und Kitzfleisch um 1000, bezw. 2000 K. pro Kilogramm lenerer. Jüdische Bühne iasaakdeut3c^) im H ot e I S t e ph a n i e, 11,, Tab°rstr aas e 12 HeutOf halb 8 Uhr abaitds Im Rebbe’s Hojf Fhanta^üche» Bild aus dem Leben der Chasidim von Bielaezewald Jttl, Ang»«teUt«r ln> AffentUohn» Planst* Od»t«Tf lohn Vor verkauf ao der Ta jeslcassa Bühne und Kunst. Ser schwane Tenor. Gm Neger, der engjlffche, franMsche und italienische Lieder in der Originalsprache wiedvvgibt, ein kleiner, -beweglicher Schwarzer mit krausen Haaren, dicken Lippen und leuchtenden Zähnen, der Brahms und Hp-go Wolf singt — man denkt zunächst an einen gelunge.nen Varietetrick, der in den Konzertsaal ubersiedelte! Doch schon erfüllt Roland H a y e s mit seiner warmen,^ leuchtenden Stimme den Raum und man überhört die ftmndartige Aussprache, masi -übersieht fein schwarzes Gesicht und vernimmt nur mehr die vnternationale Sprache der Melodie. Sein wunderschöner Tenor, der namentlich im Piano des zartesten und zärtlichsten Ausdruckes fähig fft, mutz durch eine gute Schule gegangen sein, denn alles Technische fft ihm Kinderspiel. Sein Brahms befremdet wohl, die ,Maldeinsamtett"'orMlte nicht vom deutschen Märchenwalde, sondern von anderen Baumen und «mderen Blumen in einem fernen Weltteile, dafür bot sein reizvoller Borttag ronvanffcher Gesänge mehr als angemessene Entschädigung, und in „sogenannten" geglichen Nogergesängen, in denen exotische Melodien durch den Bearbeiter allzu frei bchaudelt und durch die aufdringliche Klavierbegleitung geradezu mißhandelt wurden, zeigt« sich die ganz große, ernste Kunst seines GestaltenS. Hier fan-g er ans tiefftem Herzen und sein heimatlich: S Schnen fand schlichte, ergreifende Töne. — Unsere schassende Tonbunst versiegt und bekommt schon längere Zeit Ms primitiven und exotffchen Quellen willkommene Zuflüsse; >nutz hat zum «ersten Male auch in der reproduzierenden Kunst ein Angehöriger einer wenig geschälten Rasse einen unbestvittenen Erfolg errungen« Den Liebhaber interessiert« die schöne Stimme, den Fachmann die sonderbare Verquickung europäischer »und fremdartiger Musikidiome <hn Vovtrage und die weißen Frauen bewunderten den schwarzen Mann, der mit der zauberhaften Macht «eines unwiderstehlichen Tenors in vier Sprachen aus sie einredste. «*< Arno Holz. Zum 60. Geburtstag des Dichters. Der Dichter der DaphniS-Moder und des „PhantasuL" hat es zuwege gebracht, ein berühmter, gepriesener Poet zu sein, ein Wegweffer deutscher Kunst — und blutarm zu blerben. Hier ein Beffpiel, daß sich herrliche Begabung nicht mtt Sinn für Aweckmäßige, einträglrche Bettiebsamkvdt paaren muß — und BewnndevM.«g für einen der Gesten nicht mit PflichterfüllMg der Nation gegen ihn. Und doch müßt-en fie -ihm jeden Tag seines Lebens vergolden, weil er, der Spender königlicher Gaben, ein Bettler geblieben ist. Sonst pflegen die Schasfendm -lhrffche Ergüsse nur von sich zu geben, um sich also Gehör für einträglichere Werke zu erzwinge« und vor allem das Theater zu erobern,' Obwohl Arno Holz auch Äs Drämatiker Eignung zeigte (<S fti vor allem an „Draumuilus" -und „Büxl" erinnert), blieb er seiner lyrischen Sendung treu und sattelt« nicht um, wie klügere, geschäftstüchtige«, wer.u auch unvergleichlich weniger begabte Aeitgenosslvn. Er tM das Schicksal der Größten aller Zeiten. «Hoffen wir, daß ihm -der Nobel-Preis, auf den er Anspruch hat, verlichen wird. Dann gibt es neue, rasch vergriffene Auflagen seiner Biicher und die bittere Not hat ein Ende. A. Konzert Mall Piro». * Die amerikanisch-jüdische Künstlerin Mali Pico«, die während ihres diesmaligen kurzen Auftretens in Wien wieder lebhaftes Interesse lpb starke Begeisterung des Publikums erweckte, verläßt in den nächsten Tagen Wien, um ihre kontraktlichen Verpflichtungen in Paris m.d London zu erfüllen, die sie/einige Monate au dieie Städte' binden. Bor chwr Abreife 27. April 1923 Nr. IM gibt Mali Pieon zusammen mit ihrem Partner- Jakä Ka l i ch noch ein Konzert - k< Wien. Dieses findet Sonntai den 29. d. »nn 8 Uhr nachmittags im Cärl-The ater statt Das Programm umfaßt außer den bekanntesten Vortragsj nummern der Künstlerin (PoLkSlieder,^ Soloszenen, Duett«' usw.) auch , einige neue Lieder, die Mali Pieon hier noch nichs zum Vortrag gebracht hat. Restliche Karten an den TageSi kaffen des Earl-Theaters, in der BuchhaMurg R. Löwtt 1. Dez., Rotenturmstratze, und in der Miener Morgenzeitung^ 2. Gez^ Taborsttaße 1—3. Entgeltlich. Dir Dttektion des Wiener Bürger-Theaters hat dH dreiattige Operette „A g r i" von Willner und Stärk, Musik vor Emst S t e f f a n, zur UrauMrung anfangs Septemherer worbenj Aus de« Aeatem. Bnralheater. Morgen, 7 Uhr abends, ^Auto» ninS uno Kleopatra". 'Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr abends e r g u t e K S n i g". Deutsches VolkStheater. Heute, 7 Uhr abends, Erstauffühmng von Hermann Bahrs „Die gelbe Nachtsi g a l l. VolkSoper. George Baklanoff wird ein zweiabend« RcheS Gastspiel absolvieren. Sein erstes Auftreten findet cm: 4. Mai als Tonis in „B a j a z z o" statt. Raimund-Theater. Montag Erstaufführung „D a 4 wetßeLä m m ch e n" mtt Max Pallenberg. Serichtsfaal. Horthtz-8«fttz. Budapest, 36. April. (Del. der ,M>imer Morgenzeitung".) Der Strafgevichtshof sprach heute'" den 'berüchtigten Erwachen^ den LadislMs I l -l h von der Anklage der E r p r e s s u n g frei, Jlly hat mit einem Oberleutnant gemeinsam den Möbell, Händler Gros durch Drohung zur Zahlung eines Geldbe-, trageS gezwungen. Der Staatsanwalt beantragte strenge Be<, sttafung, weil Jlly vor zwei Jahren mehrere Personen in Budapest ermordet hatte, hierfür zu 16 Jahren Zuchthms verutteAt, jedoch vom Reichsverweser als guter Pa-, triot, der aus Men Motiven handelte, begnadigt wurde. Das Gericht sprach Jlly jedoch ftei, obwohl die Tat bewiese^ worden fft. Ser Mdchenhmdel. In Berlin wird seit einigen Tagen sin Prozeß gegen einen Holländ-cr Z w a a n verhandelt, der ein schönes Berliner Mädchen kenrven gelernt, mit noch Amsterdam genommen novd dort geheiratet hat. Zwaan hat seine Frau mißhandelt und veranlaßt, ihn und sich durch Berkehr mit reichen Männern zu ernähren. Das Paar ist dann wieder nach Berlin zurückgekehrt und jetzt hat die Frau Anzoige erstattet. In diesem Prozeß trat auch der Krrmmalkommffsär Dr. Ko pp als Sachverständiger auf, um ein Gutachten über das Wesen deS Mädchenhandels abzugeben. Dr. Kopp hat zehn Jahre lang dieses Dezernat bearbeite rmd Tausende von Ermittlungen gemacht, ist aber zu dem Ergebnis gekommen, daß es einen Mädchenhandel in dem Sinne, daß anständige Mädchen durch Täuschung oder Gewalt in öffentliche Häuser verschleppt wurden, nicht gebe. Es sei nicht ein einziger solcher Fall nachweisbar gewesen. Die Allgemeinheit sei jahrzehntelang von Privatvereinigungen in ungehemrlicher Weise getäuscht worden. Die Beremigimgen verfügen übe-r große Geldmittel und erfteuen sich hohe, ProbcMon, so daß' fie das Bestreben hätten, etwas zu tun. Auf den Kongressen dieser Bereinigungen wu-vde immer von-,geretteten Mä-dchen" geredet; das sei aber alles Schwindel gewesen. Die Leute hätten mit Ach und Krach einmal eine Prostituierte, die auf dem Wege von einem Bordell zum anderen war, gegen ihren Willen aufgegriffen. In den 8000 Fällen, die in dem Dezernat bearbeitet wurden, fft nicht ein Fall der gewaltsamen Verschleppung in ein Bordell vorgckommen. Auf dem Gebiet der ZuhAterei offenbart sich die UnglaMvürbigkcit der Dirnen m ungcheuerttcher Weise. Keine Gewalt der Welt kann eine Dimr-e veranlassen, gegen ihren Zuhältzr, wenn von dritter Seite Anzeige erstattet wird, eine Aussage zu machen. Anders ist es, wenn die Lisbe zu Ende fft, ixrrm kann sie nicht schwarz genug aussagen. Nach den lan-gfähvigen Erfahrungen des Sachverständigen bei der Sittenpolizei, ist ein Zwang zur Unzucht nicht denkbar. Holland fft das einzige Land außer Deutschland, wo die Bekämpfung des Mädchenhandels sehr ernst genommen wird. Das Mädchen braucht, sich nur an den nächsten Schutzmann zu wenden und sofort fft eine MiffionSdame bei der Hand, die ihr Aufnahme gewährt. Der Vorsitzende fragt: Hier in Berlin fft doch aber in der letzten Zeit eine große Anzahl von Mädchen aus au» ständigen Familien verschwunden?; . Sachverständiger Dv. Kopp: Das sind a-lles Enten; wir werden auch noch weiter von der Festnahme von Madchew Händlern und der Verschleppung von Mädchen hören, diese Legenden sind nicht aus der Welt zu schaffen. Wenn ein Mädchen auf unerklärliche Weise verschwindet, dann ist es eher das Opfer eines Lustmordes geworden. Aber daß Mädchen mtt Geweilt festgehalten werden, ist in keinem Fall e-rwiesen. Am ivenigsten eignet sich -ein öffentliches Haus dazu, ein unbescholtenes Mädchen gegen seinen Willen dauernd festznhalten. Vorsitzender: Weshalb tun denn die Bchörden! nichts, um dies« Dinge klar zu stellen? Dr. Kopp: Ich habe schon vor mehreren Jahren fordert, daß man sich auf den Schutz der Mindevjährigen / schränken {ölte; aber im Ministerium hat man keine Zeit, j mtt Lolchen Dingen D beschäftigen.' '. ' -. /" feaam&q* y«S£»2 iü \