Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1510 (27.4.1923)
- Date
- 1923-04-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,5 JWu 1510 Men, Fveitüg der Wmichische Keren Haleffod-Monat. Der verlaus der zweiten Arbeitswoche. Die Parole her zionistischen Loitlung mb der österreichisihen Keren HajesivtaKommission, einen.Monat der ausschließliichen Propaganda für den Pakäftinv- Grundfonds zu widmen, P, wie man schon heute festste ll-en darf, fchr erfolgreich. Wichtiger noch oCä die unerwartet günstigen Eingänge und Zeichnungen 'für den Palläfttna-GrunidifondS ist die Aufttärung weiter Mischer Kreise, welche bis mtn der aktiven Beteiligung an dem Paläsl-inaMffbEwerke ferne ftandem Täglich finden in Privälhäiufern und KlVuVüMen Zuf-mlmeMniste Weiner Kreise statt. Herr Dr. N-ahüm Golldm an n (Berlin), dessen Wiener WirEsamSeit für die Herantzi-chung dis «M Fernstehender öon größter Bedeutlmg ist, sprach auch in der verflossenen Woche bei zahlreichen Veranstülltunigen. Wiener zionistische Führer und hervorragende Mische Persönlichkeiten, welche der "ziomst-ischen Bewegung nicht angchören, aber die Beteiligung aller Juden an der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina' als dringend nötig und wünschenswert erkannt halben, haben sich ebenfalls in den Dienst dieser wichtigen Pvo- ^pagawdarbeit gestellt. HeberauS eindrucksvoll waren zwei Massenversammlungen der letzten Woche mit Dr. Nahum Golvmann als Redner. Ueber Einladung der Zioniistiischen Be- .zirkÄsektiM Prater sprach er Wer das Dhema „Der Mische Mensch und Palästina", und in einer In gendv ersamm- Vu ng, an welcher ein großer Dell der ’ Erschienenen wegen Uebevfüllnng des Saales nicht tÄnehm-en konnte, leitete er, als 'Gast der Mischen Arbeitspartei Hidachdulh, eine Diskussion Wer die Pvobleme ^der neuen jiddischen Jugend ein. Besonders wirksam ist die Kleinarbeit für den Keren Hajeffoid in jemn Bezirken, welche nach einem fovglüich ansge- 'arbeiteten System alltäglich bestimmte Kreise der Judenschaft ^des.Bezirkes versammeln. Die Einsicht, daß nur rm Wege deiner Seldstdesteuerung aller Juden die Auf- ^banavbeit in. Palästina mit der wünschenswerten Intensität be- /dtteben werdm kann, ringt sich überall durch. Wie man Ms omerikanisch-jiüldifchen Mättern ersieht, ihaben die günstigen bisherigen Ergebnisse der gegenwärtigen -Keren Hajessod-Arbe.it in Oesterreich und Deutschilond eine Erfreuliche Rückw irkung auf die gleichzeitige lKeren Hajessod-Kampagne in Amerika. Es zeigt -sich wieder, -daß die Opferfreuvigkeit der Juden in den valutaschwachen Ländern bei den Juden Amerikas ein Echo findet. Es ist nicht die geringste Bedeutung eines möAchst großen Ergebnisses-der Arbeit in Oesterreich, daß sie den Ansporn zu entsprechenden Leistungen der Juden in den vailutastarken. Ländern gibt. . Anfangs Mai wird der Direktor deS Keren Hajesfod, Herr Dr. Berwld Feiw eh in Men erwartet. Segen de« Wohnnngswncher in de« Sommer« Nische«. Die Wiener städtischen Abg-eordweten haben einen großen lAnlauf genomnren, um gegen die Wucherpreise in den Sommerfrischen mergisch zu Felde zu ziehen.' Man hat auch im porigen Jahre mehrmals solche weitausholende Gesten zur Ab- - wehr gemacht — es ist immer nur f£>et der Geste geblieben. Die biedere, schlichte, Bevölkerung unserer Alpengegenden Wer. hat in echt deutscher Treuherzigkeit die „dummen Stadtsracks" ausgebeutet und hat am Schluß der Saison, als sie ihr Prositchen hübsch im Trockenen hatte, unter Heppgeschrei sine regelrechte Fremdenhetze begonnen. In Salzburg und in Oberösterreich hat man die Fremdensaison vorzeitig geschlossen, um die arme, bodenständige Bevölkerung vor der ,Mus-. Plünderung" zu schützen, und in einigen Orten Tirols und Kärntens ist eS vovgÄommen, daß man jüdische Sommerfrischler unter Drohungen zum sofortigen Verlassen der Orte aufgeftrdert hat. Dies alles geschah im Zeichen deS sogenannten „Fremdenverkehres", einer Einrichtung, die, wie es von maßgebenden LeMen immer und immer wieder betont wird, für die österreichische Volkswirtschaft von höchster Bedeutung ist. Mt dem. Herannahen der schönen Jahreszeit rückt auch die Frage nach dem Sommeranfenchabt naher und gleichzeitig auch die Frage, ob man heuer einen österreichischen.Ort aufsuchen soll. Gestützt auf die Erfahrungen des vergangenen Sommers und die Auspizien, die sich heuer für die Preise von Sommerwohnungen bis jetzt eröffnen, wäre diese Frage glatt mit Nein zu beantworten. In -der vorgestrigen Aussprache der städtischen Abgeordneten sind Tatsachen erörtert worden, die jedermann vor dem Besuch einer österreichischen Symmerfrische warnen müssen. In einzelnen Orten (Ischl, Strobl, St. Wollfg-ang, St. Gilgen)-werden für einfache Sommerwohnungen bis zu zwanzig Millionen Kronen gefordert und es ist vorauszusehtzn, daß das Beispiel' dieser Orte anderwärts Nachahmung finden wird. Den Wohnungs- Preisen entsprechend dursten auch die Preise für Lebensmittel sein. Die anderen FvemdenverkehrSläntar bemühen sich nach Kräften, den Fremdenstrom in ihre Gegenden zu lenken. Man hat es also nicht nötig, in Oesterreich Wahnsinns- Preise zu zahlen, wenn man beispielsweise in italieni- Ischen Adria bä dern S4 Lire für volle Pension bezahlt. Wohnlich ist es in Dalmatien und in der Schweiz. Aber abgesehen von den enormen Preisen und der Ausswucherung durch die Wohnungsvermieter taucht »roch eine zweite, nicht weniger wichtige Fva-ge aus: Wie verhallen sich die Bevölkerung und die Gemeindebehörden zu dem Aufenthalt jüdischer Sommerfrischler? Davon wurde >n der Sitzung der städtischen Abgwrd^'en lein ©an gesprochen, obwohl es gewiß -wünschenstm* wäre, in tisier R'.h^.rg Klarheit zu Polinnen. Rach, den Erfahrungen, die man im vergangenen Jahve leider nur zu oft machen mußte, ist es unbedingt notwendia. aus diese Tatsache besonderes Augenmerk zu richten. Wiener Morgenzettung. «rteilMgm ms dm Vublik«. IN JEDEM HAUSHALT IST DAS BEWÄHRTE 100% REINES FETT AUS KOKOSNÜSSEN. 70. Kunstauktion von Albert Elende Vien, I., Kgrutnerstrasse 4 Telephon 6567 ALEXANDER KOPPEL Der Erlös ist laut testamentarischer Bestimmung 1 dem Rothschild-Spital in Wien zugedacht Nebst wertvollen Beiträgen aus Wiener Privatbesitz Gepiälde erstklassiger alterund neuerer Meister. 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Wenn Man die Sommergäste vor Uebeworteilung und Auswuchevung sowie antisemitischer Hetzpropaganda durch entsprechende Maßnahmen schützen wird, tarnt wird es in Oesterreich^äuch- -den für die Volkswirtschaft so notwendigen und segensreichen Fremdenverkehr geben. Unter anderen Umständen gibt es nur einen Rat und der heißt: Boykott der österreichischen SEmeraufenthalte. g—d. WeMund für Frauenftimmrecht. Der Kongreß in Rom. Der Weltbund für Frauenstimmrecht hat soeben seine Einladung zu dem. zwischen 18, und 19. Mai in Rom stattfindenden Kotrgreß verschickt. Das Programm des. Kongresses gliedert sich in vier Hauptfragen. Die erste Gruppe umfaßt die Fragen, die sich auf g'l e i ch e E n tlo hn ung und glei ch e§ R echt der Frau auf Arbeit beziehen. Die Kweite Gruppe umstrßt die Frage der Moral. Bei diesen Besprechungen werden alle Möglichkeiten erörtert werden, die mithelfen könnten, eine kö r p erlich und geistig gesündere Generationzu erziehen. Die dritte Gruppe der Fragen befaßt sich mit der Staatsbürgerschaft der verheirateten Frau. In einzelnen Staaten Amerikas bchält die Frau auch nach ihrer Verheiratung ihre Staatsbürgerschaft, kann aber die O p t i o n auSüben. Nur internationale Gesetze und Abmachungen können in dieser Frage, die besonders im Weltkrieg manche Komplikationen heworgevufen hat, Klarheit bringen. Die vierte Gruppe erörtert die Gesetze bezüglich der Mutterschaft und der auß er ehelich geborenen Kinder. Man weiß, wie marvgelhast tm allgemeinen die Gesetze für die Erhaltung der außerehelich geborenen Kinder sorgen und wie schwer m den Ehen Md in der Sterblichkeit die Folgen der gesetzlichen Mängel sind. Außer diesen wichtigen sozialen Fragen wird auch die politische Tätigkeit der Frau zur Diskussion gestellt werden, und die Vertreterinnen der Länder, in denen die Frau, politische Rechte ausübt, werden darüber beraten, ob es für die Frauen vorteilhafter ist, wenn sie sich dm poli.iischen Parteien anschließen oder aber eigene Frauenparteien bilden. Die Erörterung der für die Frauen erforderlich erscheinenden internationalen Gesetze und das möglichste Zusammenarbeiten der verschiedenen großen internationalen Frauenorganisationen bilden dm -weiteren Inhalt des Progvamstrs. An der Spitze des Kongresses wird die Präsidentin, des.Frauenbundes Mrs. Chapman-Catt stchen,.die übrigens ihre Absicht kundgetan hat, sich von der Präsideutichast, die sie seit Jahrzehnten ümchat. qurüch;tlzichen. Kür 27. April 1923 Seite 5 die gute Beschickung des Kongressts wird in einem Flugblatt mit dem Schlagworte „Alle Woge führen Mch Rom" in depi ganzen Welt Propaganda gemacht. 61« merkwürdiger Lükume«te«diebstahl. Die m Wien erscheinende Tageszeitung ,^Die Stundet ist, wie wir berichteten, jüngst wegen ihren Aussühnrngen über die Konfidenten der FinanzbezirkSdiroktion an zwei aufeinanderfolgenden Tagen konfisziert worden. Wie nun das Blatt mitteM, wurden vor kurzem Buchungsunterlagen des Verlages, -in welchem „Die Stunde" erscheint, entwen» d e t. Als Anstiftcr dieses Diebstahles bezeichnet das Blatt einen jener Vertrauensmänlrer der Finanzbezirksdivektion, gegen den sich die Angriffe des Blattes unter anderem richteten. Es ist nun mtevessant, daß nach den Mitteilungen des Blattes derselbe Mann, welcher die Entwendung der Dokumente angestistet hat, durch eine Mittelsperson dom^ Verlage der „Stunde" die Dokumente gegen Bezahlung an bieten ließ'und sich gleichzeitig erM-ig macht«, gegen entsprechende Entlohnung auch belastendes Material gegen jenen Oberbeamten der Fi na nz-beztrksdire-ktion zu lnsern, als dessen Vertrauensmann er stets bezeichnet wurde. Der Vermittler dieses Angebotes, der -unter falschem Namen cmsftrat, wurde über Veranlassung des Blattes verhaftet. Die Zeitung ließ auch die polizeiliche Untersuchung gegen den von ihr als Anstifter des Diebstahles bezeichneten Vertrauensmann wegen des Vergchens des Diebstahls, wegen Verbrechens -der versuchten'Erpressung einleiten. Soweit der Tatbestand, wie er von dem davon bet-rosfeneic Blatte mitgetnlt wird. Genaueres wird'wohl erst durch die zuständigen Gerichte sestgestM werden und es wird um so notwendiger sein, daß die Oeffentlichkeit möglichst bald Klarheit darüber bekomme, was denn eigentlich in der Finanzlandesdirektiou -vorgcht, da das, was bisher über deren Vertrauensmänner und ihre Tätigkeit in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, durchaus geeignet erscheint, die Geschäftswelt in Unruhe zu versetzen. Stchen die Dinge so, wie sie geschildert wurden, dann s-ähe sich die Geschäftswelt einem System gegenüber, dessen Aus-Wirkungen, Korruption und Spitzellum, nicht nur verwerflich, sondern auch gefährlich sind. Es ist -doch höchst . merkwürdig, daß eine Behörde Vertrauensmänner hat, welche sich erböt-ig machen, über hohe Beamte dieser Behörde belastendes Material an den Meistbietenden abzugeben, und ebenso merkwürdig, daß eine Bchörde Personen zu Vertrauensmännern macht, denen man öffentlich Anstiftung zu Diebstählen vorwerfen kann. Für «in gutes Verhältnis zwischen der Geschäftswelt und der Steuerbehörde, das ja Vorbedingung der so stark angestrebten Gesundung der Staatssinanzen ist, sind solche Dinge durchaus nicht von Vorteil. Die neuen Strchenbahntarise. Auf Grund der vorgestern mit den Straßenbahnbediensteten abgeschlossenen Bereinbanmgen wurden gestern dem Gemeinderatsausschuß für die städtischen Unternehmungen bereits die neuen Straßenbahntarise zur Genehmigung vorgelegt. Die Gesmntkosten ' der von der Gemeinde zugestandenen Erhöhung der Bezüge der Straßenbahner betragen auf das Jahr gerechnet rund 72 Milliarden Kronen, wovon etwa 20 Milliarden auf die Auswirkung des Aprilindex, der Rest, auf Erhöhung der Löhne und Pensionen entfallen. Demgegenüber beträgt das MehrerträgniS des 1700 Kronentarifes 49'8 MMarden Kronen, wobei, auf das Jahr gerechnet, ein Frequenzrückgang von bloß 1 Prozent bei Einzelfahrscheinen und 7i Prozent bei den Zeitkatten angenommen wurde. Demnach bleibt ehr GebarungSabgarg von rund 22 MMarden unbedeckt. Die n e u e n T a r i f a n s ä tz e sind die gleichen wie si» während der Geltung deS 1700 Kronen-TarifeS im Herbst v. I bestanden. Danach wirb der Tagesfahrschein 1700 K., im Vorverkauf 1600 K. der ALendfahrfchein 2200 K. > der Nachtfahrschein 4400 K. der Frühfahrschein 1100 K. der Hin-nnb Rückfahrschein 2460 K. die Wochenkarte 11.600 K. kosten. Die Preise der Kinderfahrscheine (200-K.) und der Schülerfahrscheine (300 K.) bleiben ü n v e v Lnder t. Die Netzkarte (einmonatig) kostet 180.000 K. „ „ (halbjährig) „ 900.000 „ - „ St recken karte (2 Teilstrecken) kostet 72.000 K. „ , (5 „ „ 92.000 „ V (über 5 „ „ 110.000 „ Für heute vormittags ist, eine Sitzung deS Stadte n a t e S einberufrn, um den neuen Tattf zu genehmigen, der nachmittags vom Gemeinderat beschloffen werden soll. Der Tarif tritt Mittwoch Len 2. Mai für die Fahrscheine und Zeitkarten Montag den 7. Mat für die Wochenkatten in Kraft. Kleim Lokalchrontt. In der Winckelmannstraße entstand gestern ein Wasser» leitungsrobrbrnch, der das Pflaster aufriß und mehrere Keller unter Wasser setzte. Der Verkehr war aestört. Das geborsten- Rohr gehört zur Hauptleitung Rosenhügel-Schmelz. Die Wiederherstellungsarbeiten werden mchrere Tage in Anspruch nehmen.' In derselben Straße ereignete sich vor einigen Monaten schon ein Rohrbmch. der großen Schaden angerichtet hat In der Trafik des Kriegsblinden Josef B o r es ch wurde gestern nachts eingebrochen. Als Täter wuroen der Hilfsarbeiter Karl Schulz Mb der Metallschleifer Josef Amas lauf er verhaftet. Mittwoch abends ist' dem Kommerzialrat Alexander Neu mann im Hotel Union ein Scheck über 400 Dollar, ani den Namen Alexander W. ..Reumann lautend, ausgestellt von einer Schweizer Bank sin New Bott!, abhanden gekommen. Der Reisende Richard Frankfurter wurde am 24. d. wegen gewerbsmäßiger Fälschung von Reisepässen unl Heimatscheinen verhaftet. . Dem Kaufmann HolzmüN r wurde gestern mittags