Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1510 (27.4.1923)
- Date
- 1923-04-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ifcimtt Meih Frekkag Wiener Morgenzeitnns. 27. April 19-23 Seite 3 i Sonntag, 29 April 3 Uhr nachmittags im Carl-Tbeater MALI PICON JAKOB KALIGH SOLOSZENEN // LIEDER // TÄNZE Karten: Buchhandlung Löwit, Kartenbureau Aida, II., Taborstrasse 5, „wiener Morgenzeitung“, Carl- Theater, Warenhaus Schiffmann, II., Taborstrasse 48 gehalten werben, sowie den Fürsorgebezirken, Beträge überwiesen werden, deren Höhe die Landesregierung bestimmt. Der Gesetzentwurf wurde angenommen«. Nach einem Bericht des Abg. Karpfinger wurde die Erhöhung der Geldstrafen im VerjoattMgSstrasrecht beschlossen. Alle Geldstrafen werden in den Obevgrenzrn auf das 1090fache, aber nicht über 5,009.090 K. erhöht.Wenn die gesetzlichen Vorschriften, wonach die Geldstrafen zu bemessen sind, nach dem 26. IM 1917 in Wirksamkeit getreten sind, sind die Geldstrafen mir auf das 500sache des ursprünglichen gesetzlichen Strafbetrages. wiederum aber nicht über 6,000.000 K. zu erhöhen. Es gelangt sodann ein Gesetzentwurf zur Annahme, der die Gemeinden Niederösterreichs ermächtigt, eine Fremdenzimmerabzabe einzuhebeu. Die Höhe, dieser Abgabe wird vom Gemeindcrat -festgesetzt, sie darf 30 Prozent der Bemessungsgv tndlage nicht übersteigen. . Eine sehr lebhafte Debatte löste das Referat betreffend das Gesetz über, die Alm- und Weidewirtschaft in Niederösterreich ans. Die Sitzung wurde erst nach mehrstündiger Tauer geschlossen. v Ser Taufschein des großdeutschen Landtagsabgeorvneten Dr. Reich. In einer der letzten Sitzungen des niederösterreichischen «Landtages wurde dem großdeutschen Abgeordneten Dr. Reich von gegnerischer Serie zugerufen, daß er ein „Indenstämmling" sei. Dr. Reich schien ob dieser Zumutung sehr gekränkt, und man konnte >beobachten, wie er in einer Gruppe von Sozialdemokraten und Ehristlichsogialen -eifrig bestrebt war, sich von dieser „Beschüldigur-g" reinzuwaschen. Denn, wie die Erfahrung lehrt, auch Deutschnationale machen'wohl mit Inden gern Geschäfte, aber sie wollen sich nicht zu erkennen geben. Ob Doktor Reich zu dieser Klasse gchört, soll nicht -behauptet werden, aber er wehrt sich dagegen, daß man ihm jüdisches Mut ändichtet. Deshalb hat er in seinem Stammbaum uachgesorscht und das Resultat hat er gestern in der Sitzung des niederösterr-eichischen Landtages vor Eingang in die Tagesordr-ung dem Präsidenten Juckel mitgeteilt. Er hat die Taufscheine väterlicher- und mütterlicherseits sowohl als auch die bezüglichen Dokumente auf 200 Jahre zurück vorgewiesen, aus denen sich ergeben soll, daß er „arischer" Abstammung sei. Zugleich erklärte er sich bereit, allen, die sich für die Sache interessieren, Einsicht in die Dokumente zu gewähren. Die Beweiskraft von zweihundert Jahren scheint , für die Ziveifler seiner „reinen" Abstammung nicht besonders groß zu fein. Denn zweihundert Jahve können doch unmöglich diesen nngcheuwu Makel verwischen. Eine Ahnenprobe, die nur aus zweihundert Jahre zurückreicht, verleiht noch nicht die ,Ebenbürtigkeit". Armer Dr. Reich! War bei Urahne vor zweihundert Jahren vielleicht doch ein —- nein, wir wollen es nicht ausmalen.' Seit zweihundert Jahren ist Dr.-Reich arischer Abstammung, die Dokumente vor dieser Zeit schien, wir hoffen und wünschen, daß sie nicht auf eine Mische Abstamnrung Hinweisen. Das H-cckenkreuzabzeichen, mit dem Dr. Reich so gern in den Sitzungen paradiert und welches nach der neuesten Forschung sogar ein jüdisches Symbol sein soll, bietet leider keine Gewähr für seine arische Abstammung und sein nur zweihundertjähriger Taufschein'erst recht nicht. Armer Dr. Reich! Tschecho-Slowakei. Ae gavorina an Polen? Prag, 26. April. (Tel. der „30t. MorgeiHeitung".) Wie EÄautet, hat in der vorgestrigen vertraulichen Sitzung des Außenausschusses Minister,B en e s ch mitgetM, daß die Botschafterkonfsrlenz die Javoriwa-Frage zugunsten Polens entschieden habe. Abg. Hajn erklärte, daß es einen Geheimvertrag zwischen der Tschecho-Slowakei und Polen gebe. Ser tschechisch-ungarische Konflikt- Äte gemeinsame Untersuchungskommission. Budapest, 26. April. (Del. der ,Miener Wdorgetrzeitung".) Amtlich ^wird nntget-eilt, daß der Eisenbcchnverikehr über Hrdasnemeti ungavischerseits deshM eingestellt worden ist, weil das tschechAslowakrsche Bahn-personal die Übernahme der ungarischen Zugsgarnituren verweigert. Ungarn hat bisher nur insofern« zu Retorsionsmaßnahmen gegriffen, daß es die Grenzübertritt ÄegiiimatiMen «für die Umgebung von HidaSnemeti außer Kraft gesetzt hat. Die Matter hoffen auf eine friedliche Beileguwg des Zwischenfalles. Das Ministerium des Aieußem ernannte heute mchmittags die drei ungarischen Mitglieder für die gemeinsame Untersiuchungskom« Mission. Wie verlautet, wird die Kommission schon am Samstag nach Hldasnemeti abreisen und ihre.2W6©it beginnen. Die Ausweisungen. Pretzbung, 26. Llpril. (Tel. der ,/Wiener Movgenzeitung".) Die sloüvakrscherz Behörden führen die Ausweifuugsbestimmungen energisch durch. Gestern wurden gus Pveßburg neunzig ungarische Staats bür ge« ausgswi-esen und 'den ungarischen Passagieren der von Budapest kommenden Schiffe die Landung verweigert. Sie mußten nach Budapest heimkehren. Die tschechischen Eisenbahnstationen an der Grenze lehnen die Weiterbeförderung ungarischer Eisenbahntznge ab; diese werden samt den ungarischen Passagieren nach Ungarn zurückgeschickt. In Budapest verbreitete sich heute die Nachricht, -daß die ungarische Regierung zn Gegenmaßnahmen greisen und die Landung tschechischer Passagiere der Donauschiffe untersagen werde. Doch wurde eM solche Anordnung nicht heran sgegeben, weil der ungarischen Regierung viel daran liegt, den Zwischenfall friedlich zu erledigen. Hojjas an der Arbeit. Prag, 26. April. Die Blätter melden, daß sich -der Führer der „Erwachenden", Ivan Hej-jas, an der tschechischen Grenze bei Somoskö auMlt, wo er mit, seinen bewaffneten Abteilungen einen „Aufstand" vorbereitet. Die Prager Regierung sei genau unterrichtet, daß HejjaS. Oberbefehlshaber einer irredentistischen Armee sei, welche einen allgemeinen Ausstand in den abgetretenen Gebieten plant. Die tschechische Re-K-ierung habe unmittelbar nach der Ermordung des Finanzers Sedla'cek eine scharf gefaßte Note an die Budapester Regierung gerichtet, -in welcher genaue Einzelheiten über die Umtriebe -des Hchjas und seiner Truppen vorgebracht und die ungarische Regierung -aufgesordevt wurde, Hchjas und seine Banden sofort zurückzuruftn, um der Gefahr eines Zusammenstoßes Vvrzu-be-ugen. 8k» neuer Ueberfall au der tschecho-flMMchungarischen Grenze. -Wie uns aus Pveßburg gemeldet wird, -hat gestern früh eine Bande „Erwachender Magyaren" an der Grenze unweit Uzhorod einen Feuerüberfall auf eine tschecho-slowakische Grvnzpatvou-ille verübt. Auf tschecho-slowakischer Seite wurde niemand verletzt. Die Untersuchung wurde eingel-eitet. Der Ueberfall geschah auf tschecho-slowakischem Boden. Nach der Tat flüchteten die magyarischen Banditen. "J Gegen Die Todesstrafe. Prag, 26. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In der heutigen Sitzung des AbgeordmtLr.Hauses brachten die deutschen Wgeordneten einen Dringl-ichkeitsantrag auf Abschaffung der Todesstrafe ein. Abg. Hillebr and, -der die Todesstrafe Äs letzten Rest urittelalteplicher Unkultur 'bezeichnete, schilderte den furchtbaren Eindruck, -den die beiden letzten Hinrichtungen in der Bevölkerung hirüe-rlassen haben. Bei der Abstimmung wurde der Antrag auf Zuerkenuung der Dringlich keil mit den Stimmen der -Koalitionsparteien abgelehnt. - llugaru. Hotthy instziziett. Budapest, 26. April. (Tel. der ,/Wr. MorgeMitung".) Wie Ihr Korrespondent erfahrt, hat H o r t h h gestern eine Jnspizieruwgsreise entlang der nga-risch-jugoslawisch en Grenze angetveten. Ob diese Reise mit militärischen Angelegenheiten zusammenhängt, konnte bisher nicht festgestellt werden. Ae Maifeier verboten. Budapest, 26. April. (Tel. der „Wr. MorgeriKeitnng".) Die Staatspolizei schielt heute eine vertrauliche Verordnung des Ministers des Innern, wonach am 1. Mai keine Arbeiterversamnrlungen, Aufmärsche oder andere Veranstaltungen, wissenschaftliche Vorträge inbegriffen, gestattet werben dürfen. Die Anwendung von roten Fahnen oder roten Abzeichen ist ebenfalls verboten. Um Mißverständnissen voMbmgen, verbietet der .Minister auch, die landesübliche Maifeier, die -mit der Sozialdemokratie nichts zu tun hat. Me Generalhvvothek. Budapest, 26. April. (Ung. Tel.°-Korr.«Bme>art.) Mnistcrpväsident Gras Beth I c u und Finanzminister v. Kallay begeben sich am 29. April nach Paris, sodann nach London und Rom, um vor der Wiedergutmachungs-Kommission und der französischen, der englischst und der italienischen Regierung die schwere wirtschaftliche Lage Ungarns klarzulegen und die Vorbedingungen einer später aufzulegenden Anleihe zu schaffen, nameMch um die Aufhebung des im Sinne des Friedensvertrages über das gesamte Vermögen Ungarns > verhängten Pfandrechtes, zu ersuchen. Ae Spfer der kxßlojionrkataftrophe. Budapest, 26. April. (Tel. der ,Mr. Morgenzeituug".) .heute nachmittags fand die Beisetzung der Opfer bei ExplosionskatastroPhe in der Ferrolith-Kuopfsabvik statt. Vierzehn Tote wurdetc gemeinsam, aus Koster der Fabrik, begraben, den sünft-hnten trug seine Familie zu Grabe. Während -des Begräbnisses ruhte in allen Fa, briken der Stadt die Arbeit auf zehn Minuten. Die Särgi ivaren hoch mit Blumen 'bedeckt. Vierzehn Geistliche, zehn katholische, zwei evangelische, ein griechisch,orientaler und ein reformierter Priester, fungierten bei der Versetzung. (siiu 40.000- bis 50.000 köpfige Menge erschien im Friedhöfe, um den Verunglückten das letzte Geleite zu geben. Beim Grabe sprachen Vertreter der Gewerkschaften, sowie di« Abgeordneten Kethly -imd.Farkas. Ein großes Aufgebot von beriiten'en Wachleuten sorgte dafür, daß die Menge sich beim Verlassen des Friedhofes sofort zerstreute. Rundschau. Nr Alfted Mond gegen Lord Beaverbroot. London, 26. April. (I. C. B.) Mit Bezug auf die gs, heimnisvolletr Ändrutun-gen Lord Be-averbrooks, der unter anderem bcha-upwte, die Namen der englischen Jude-!, die Beaverbrook ersucht hüben, gsgen den Ziouismus Stellung zu nehmen, seien Viellvi-cht Sir Alfred Mond bekannt, veröffentlicht der letztere einen Brief im „Jewish World", in welchem -er den Behauptungen des -Lord Beaverbrook auf das entschiedenste entgegeMvitt. Sir Alfred Mond widerlegt auch Lord -Beabvvbrooks Be- Haupt-Mgen, er tväre vocher Antizionist gewesen und hätte sich erst später zu-m Zionismus bei-chrt. „Ich vertrat nur die Ansicht," erklärte Sir Alfred Mond, ,/daß die Errichtung eines jüdischen nationalen Heims in Palästina so lange einer realen Politik nicht entspricht, als Palästina umt-er 'türkischer Herrschaft stcht. Seitdem äber die Balso-ur-Deklaratiorr «erlassen iiwtben ist, halte ich -es für meine Pflicht als Jude und englischer N-ndertan -die tu dieser Deklaration sestgelegt-e Politik loyal zu unterstützen -und zu fördern. Berfolsungeo der ziouifte« i» Weißrußland. I. C. B. meldet: Nach Minsk wurden fünf Mische -junge Leute gewacht, die wegen ziomstischer Betätigung in südischen Orten verhaftet too^ten sind. In Jarzewo, in der Nähe vor: Smolensk, sind zehn EhMzim verhaftet worben. Ueberhcmpt sind setzt in allen Gegenden Weißrußlands Verfolgungen der Zionisten an der Tagesordmmg. Die antisozialistische -Kampagne Hai einen starken Aufschwrmg erfahren. Irr B o b r n i s k sind drei Synago-M geschlossen und den Mischen Arbeitern zwecks Umwandl-nug in Mrbeiiterklubs zur Verfügung gestellt worden. Ae »MemWche Universitiitshetze. -Ans Bukarest wird uns gemelldet: Die blutigen Zu« fanunerrstöße zwischen antisenritifchen rumänischen Studenten mit jüdischen Hörern anläßlich der Wiedereröffmmg der Bnkarester Universität haben die Union einheimischer Juden veranlaßt, bei der Regierung und den llniversitätsoehörderr gegen das fortgesetzte Treiben Äer Antiftnriten scharfen Protest einzrrlsKN. Auch die Mische Studeuienfchaft hat dem Rektor ein Protestm-elnovandmn überreicht. Bei den autisemitischeir Exzessen der Hochschüler, welche sich am 18. und 19. April an der Universität abfpielten, sind über 79 jüdische Studenten verletzt -ivorde«. Die an den Toren der Universität postierten Soldaten -verweigerten die Intervention, da sie laut Befehl im Innern der lU-mversitat nicht ernschreiten durften. An der juridischen jFackrkli-ät und der FavrrM für schöne -Künste finden die Vorlesungen -ohne Inden statt. Die Stellung des Untervichtsminifters A-ngh-elesen scheint erschüttert zu s-eiu und man rechnet mit seinem baldigerr Rücktritt. Man wirft ihm vor, -daß er gegen die Hochschnilhetze nicht die nötige Energie anfbringe. In Jassy ^vuvde Professor Simioneseu, der kürzlich die Wahl zum Rektor unter Hinweis a.us die ° umiwürdige au-iisemitische Haltlmg der: Stndentenscha.fi Mchnte, -vi-eder-urn zum R-ecktor gewählt. Die Regierung hat seine Wahl bestätigt. , Simioneseu ist ein ervtschiedener Gegner der von dem be-rüchtigten Jassyer HochschEchrer Cu za eutMeten antisemitischen Hetze. In Czernowitz wurden die BorlesMvgen au der i Hochschule wieder sistiert, weil die rumänischen Studenten den; Juden den Zutritt zur Universität ixvwchrten. Der Czernowitzer Polizeipräftkt M a n e s c u hat seine Demission gegeben und diesen Schritt damit begründet, daß er in fctit-em Vorgehen gegen die antisemitischen Exzedenten nicht die -teuügeuve Unterstützung finde. 6^!055L QKKASION Reeenminlel . . K 129*000 Lolnenwaren, Waschwaren, Stoffe, Wüsche — sehr billig V I»M [Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-!-79. En gres En Oetais