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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-25 · Heft 1508 (25.4.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1508 (25.4.1923)
Date
1923-04-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wim, Wiener Morgenzettung. W. AW K23 Gelte H Sonntag, 29. April 3 Uhr nachmittags im Carl-Theater JAKOB KALIGH SOLOSZENEN 7/ LIEDER // TÄNZE Karten: Buchhandlung: Löwit, Kartenbureau Aida, II., Taborstrasse 6, „Wiener Morgenzeitung“, Carl- Tlieater, Warenhaus Schiff mann, II., Taborstrasse 48 Sefterreich. M innere Lase. .UMN'rktMrr «nach seimer Rückkehr aus Genf konferierte der ßsrmdeskanzler mit «dem Mzekanzler Dr. Frank, dem Finanzmmifter Dr. Kienböck und dem Präsidenten -es Nationalratles Dr. WeiSkirchner. Mittags nahm Bundespräsident Dr. Harnisch die Anjelabung des Ministers Dr. GvunÄerger vor, der bskcimlitlich ^ur Zeit der Neuwahl der Regierung schon in Gens weilte, sttachmrt-tags erschien der Gunde8banzler im Finanz- und Gwdgetansschnß, .mn Mi-t den Parteiführern Fühlung zu nchmen. Int Lause .des Nachmittages fand im Parlament ein Ministevrat statt, der ausschließlich der Berichterstattung über die Tagung des WölNerbundrates und der Erörterung der Arbeit slosensrage gewidmet war. Heute vormittags inerden die Parteienbesprechun-gen über die Novelliemug des Arbe'vtslosenversiche-vmrgsgsetzes Nieder ausgenommen. Fkvanz» Md MdgÄMsfchaß. Gestern wurde di«r Spezialdebatte über die soziale Verwaltung sortgesetzt. Der Hakenkreuzler Jerza bet ivandte sich gegen -die Razzien in den Stundenhotels nmd verlangte eine Regelung der Prostiinmnsfrage. Die Abgeordnete Freundlich urgierte die Schaffung eines Jngendwohlfahrtsgesetzes, das notwendig sei, um die Zersplitterung auf dem GMete der JugenMrforgs einzudännnen. Die bureaukratische GMtirnigleit stiftet hier viel Schaden. Abgeordneter Dr. Danneberg beschwerte sich, daß die Bollzrrgsanweisiung gum KrankenamstallerMfetz noch immer' nicht erschienen ist. Das Land Wien, das fünf Achtel des Milliavdendefizits der M-enier Krankenanstalten decken soll, hat no ch n ie linen Voranschlag erhalten, sondern >be5ommt alle Monate nur einen Dienstzettel mit der Mitteilung Mer die Höhe des Defizits und die auf Wien entfallende Leistung. Der Redner bespricht dann die Wohnungsnot amd beantragt die Vorlage eines Gesetzes, wonach Personen mit einem bestimmten Einkommen zu verpflichten wären, sich selbst sine Wohnung zu bauen oder den für die HevstkNung einer entsprechenden Wohnung entfallenden Betrag gtt entrichten. Abgeordneter Glöckel teihe mit, daß sich in dem ehemcckvgssn Gebäude des Offiziersspiiabrs im Ä. Bezirk eine größere Zahl von Studenten befinde, die aus der Bukowina stammen. (Nach nuferen Informationen handelt es sich um deutschn'atiionale aus Ezernvwitz.) Dieses Gebäude wiÄ> gegenwärtig zu einer Hochschule für körperliche Hebungen adaptiert, weshalb -der Redner Auskunft darüber verlangt, wer den Kredit für diese Umgestaltung bewilligt hat. Abgeordneter Dr. Bauer hebt hervor, daß in dem Mtnistevium für soziale Verwaltung der letzte Rest des Respekts vor dem Gesetz verloren gegangen ist. Es 'besteht auch dort kein S'mu für Dveue und Glauben im Verkehr zwischen der Regierung und den Doganffativusn. BersaffmmsrWsschNß. ■ Der Berfassungsausschuß hält heute vorEags Sitzung. Auf der Tagesordnarg stehen das Gesetz über die Wahlordnung fär den Nationalrat und iJmmunitätScm^-legMhsiten. 986h0iIi!SI!8{« Die nächste Sitzung des N-ationalvaies findet Freitag den 87. b., 2 Uhr nachmittags, statt. In Innsbruck erklärte Abgeordneter Seitz in einer BersammLmg, daß die Sozialdemokraten Seiptol eine Wa.hlfchlacht l,ie^fern werden, an .die er denken Ed. rr. WkMMM irr «e»f. Bem, QL April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Bölkerbundkcnmnissär für Oesterreich Dr. Z'immerman ist gestern auf seiner Rückvgife nach Wien in Barn smgetvoffen. Er stattete heute dem Vorsitzenden des politischen Departements Bundesrat Mott a einen Besuch ab. Dr. Zimmermcm setzt hetdte nachmittags seim Reife nach Wen fort. '' ' AcheitÄose vor dem Parlment. GOevn rnrttags vevcmMeien etwa 1000 AMitslvfe tmm Dstnorrstvationsgug von den MatzlÄnsdovstr Baracken;^ach der Stadt. Die DeüronstvcMen marschierten mit roten zWhmn vor dem PaÄattEsgMM auf, entsendeten eine AMvNmny W Httts und tnavMvten dann. Wer M .L«Hsnstratzs ab. ' L. A« PrBöWMdWMe:sinZm st-aMen WWN WW» Eher war^ekwr t^mzrgKiedvige MorLimmg im Parlament erschienen, um hier mit den Führern dhr einzelnen politischen Parteien Verbindung zu suchen und die in der Vevsammlrmg der Arbeitslosen: ausgestellten Forderungen zu überreichen. Mitglieder per Negierung, befanden sich um diese Zeit nicht im Hause. Nach etwa einer halben Stunde begab sich die Abordnung zu den hinter dem Parlament versammelten Demonstranten und teilte ihnen mit, daß sie mit den Führer der Parteien gesprochen und von den S o z i a l d e m ok x a t e n die Versicherung erhalten haben, daß diese Partei die Forderungen ratlos unterstützen werde. Die Arbeitslosen zogen dann in geschlossenem Zuge ab. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Nach ldem Abzug der Demonstranten begab sich die Abordnung neuerdings ins Parlamentsgebäude, wo inzwischen vom Ministerium für soziale Verwaltung Ministerialrat Dr. Korompay eingetroffen war. Sie trugen auch ihm* ihre Forderungen vor. Dr. Korompay erklärte, dem Minister hierüber Bericht erstatten zu wollen. per erße ÜM. Das Bureau ' des Internationalen Gewerkschaftsbundes veröffentlicht einen von I. H. Thomas (England) als Vorsitzenden, L. Jouhaux (Frankreich), Th. Leipart (Deutschland), C. Mertens (Belgien) als Vizevorsitzenden und E. F immer:, I. Oirdegeeft, I. Saßenbach, John W. Brown als Sekretären gezeichneten Aufmrf „an die Arbeiter aller Länder", in dem es unter andrrem heißt: „Der Frieden Europas ist neuerlich in Gefahr. Der Krieg ist noch nicht da, aber es kann dazu koimnen, ivenn die international vereinigten Arbeiter dieser Gefahr nicht entgegentvirken. Diktatur und Krszisnms in allen Spielarten sind das Gepräge unserer Zeit. Beides Bewegungen, die auf den Untergang der Freiheit zielen. „Die Befreimrg der Arbeiterklasse kam: nur das Werk der Arbeiter selbst fein!" Das will heißen, daß die Arbeiter nur durch eigene Kraft und ihre eigenen Mttel, und nur durch diese allein, imstande sind, das entwürdigende Joch der modernen Lohnsklaverei abzuwerfen und durch neue moralische und materielle GHolge ihre '«ndgAtige Befreiung vorzubereiten. Der 1. Mai 1083 mutz in entscheidender.Weise der Welt das Erwachen tzes BewuUeins der international organisierten MbÄteMcKr' DüdLm" M MMr-Bermltwortlrchkeits-Tefrtz. Praß, A. AprA. Me die „Pmger Presse" erfährt, ist ein Gesetzentwurf Mer die DrranÜvorMchkeit der Regierung in VorbeIseitung, wonach das AbgeordnetenhMs das Recht erhalten soll, fcie Rkgievung urw den Präsidenten mit qualisizierter MchovM unter Anklage zu stellen. Der Senat hätte scdami einen besondeveu Gerichtshof zu wählen, der dem Pkumn fernen Antrag Wwreicht. Im Sinne des Entwurfes kann der PMDttt. vWwtkilte Regiertmgsmitglieder nicht brgttMM». Ne la Vmm i« Prag. Wr haben kürzlich mÄgeteilt, daß der Vorsitzende des französisch-ungarischen Schiedsgerichtes Professor de la Barra bestrebt sei, eine Armäherung Ungarns an die kleine Entente diplomatisch vorznbereiten. Herr Barra, der am letzten Samstag in Prag eingetrosfen ist, erklärte in einem Interview, er werde eine Pegegnüng mit Minifter Benes ch haben, doch handelt es sich um keine offizielle Miifsion, da er weder mit H orthy noch mit Bethlen eine Vereinbarung getroffen habe. „Allerdings " sagt er. „ist die Situation Ungarns, 'besonders in fiitanzieller Begehung, äußerst heikel und nur durch Anbahnung wirtschaftlicher Beziehungen aller Nachbarstaaten kann hier in Mitteleuropa eine Gesundlmg der Bsrhälimsse erfolgen, welche alle modernen Menschen erstreben, die ohne die geringste Preisgabe ihres NationaliAmls »den Nationalismus der anderen gelten 'lassen." Ueber die Aussichten einer Anleihege Währung für Ungarn lehnte de la Barva vorläufig jede Auskunft ab, -da er «rst lder franMifchen Regieru-ng Bericht erstatten müsse. Er betonte, daß' er m der nächster^ Woche nach W i e-n abreisen werde, um mit Dr. Seipel zu sprechen und nach Paris wsiterfahre. _• Pole«. Mn «errer Mrsther keaatsr. Aus Warschau meldet man .Ms: In der letzten Ssnatssitzung Hot lder an Stelle ^des vevsto^snen jüdischen Senators Tw. Max Bienenstock tve^ude-. Senator Jtckob B obe-k -die Angelobung geleistet, Der NachAmg der SejmkrawMe. Aus Warschau wird uns geschvivben: In der letzter. Sitzung des S e n i o r e n k o n v e n t s wurden die wüsteil Szenen im Sejm 'behandelt, während welcher die jüdischen Abgeordneten von den Nationaldemokraten attackiert wurden. 'Dojmmarschall Rataj erklärte, daß er eine strenge Untersuchung einge'leitet habe, es sei ihm jedoch nicht gelun-gtil, die eigentlichen Schuldigen ausfindig zu machen. Aus dem ihm zur Berfügurrg ftehellden Material äst zu ersehen, daß au diesell Geschehnissen die Abgeordneten Zerbe (Deutscher), H a r tglas (Zionist) und Sawicki Schuld tragen. Er beantrage, den Abgeordnetell Zerbe von zehn, den Abgeordneten Hartglas von zwei Sitzungen auszuschließen, dagegen den: Abgeordneten Sawicki eine Rüge zu erteilen. Abgeordneter Reich erklärte, daß es für jeden Fall Wunder nehmen müsse, daß der Leimmarschall, ohne daß die Untersuchung, wie er ja selbst zugegeben habe, ein klares Ergebnis zu Tage gefördert hätte, die Bestrafung >der Abgeordneten beantrage. Es sei interessant, daß der deutsche und der jüdische Abgeordnete, die sich gegen die wüsten Llngrisse .der NationaLdemokraien gewehrt ha.ben, bestraft werden sollen, dagegen der national dem okrati s d)e Abgeordnete Sawicki nur eine Rüge erhalte. Nach emer längeren Debatte wurde der Antrag des Abgeordneten M o r a c z e w s k i angenommen, daß ^der. Sejmmarschall ermächtigt wird, im Rahmen der Geschäftsordnung die schuldigen A'bgsordnieten ohne Aüftim-milng im Plenum zu .bestrafen. ' Der jüdische Klub veröffentlicht ein Communique, in dem festgestellt wird, daß die Nat'ionaldemokraten unt'cr der Führung 'der Abgeordneten ManteryL und Sawicki die jüdischen Abgeordneten angegriffen haben, -während sich die jüdischen Abgeordneten und der deutsche.Abgeordnete Zerbe gegen die Ueberfälle bloß gewehrt haben. In i>er letzten S e j m s i tz u n g teilte bcr Seljmmarschall R at a j mit, daß Abgeordneter Zerbe von drei, Abgeordneter 'Hartglas von zwei Sitzmvgen ausgeschlossen werde. Ire Juden und der MMKrdienst. Aus Warschau wird uns gemeldet: In der letzten Sitzung der Sejmkommission für Militärangelegenheiten, aus deren Tagesordnung die «eue Gesetzesvorlage über die Mrlitärdienstpflicht stand, ergriff unter anderen der nationaldemokratifche Abgeordnete Zaluska das Wort und erging sich in verleumderischen Angriffen gegen die Juden im allgemeinen und die jüdischen Soldaten im besonderen, die ec vom Standpunkt der staatlichen Interessen als unzuverlässig bezeichnete, weshalb die Juden von der Mrlitärdienstpflicht auszuschließen wären. Der anwesende /Vertreter des Kriegs Ministeriums hatte gegen diese Anwürfe nur wenig einzuwenden und erörterte ganz sonderbarerweise, scheinbar nach altrussischem Muster, die Eventualität der Einführung einer Militärenthebungssteuer für die jüdischen Wehrpflichtigen. Die Vertreter des jüdischen Sejmklubs Dr. Reich und Abg. Dr. Feldmann nahmen in ebenso sachlicher als entschiedener Weise gegen die ganz unglaublichen, alle Begriffe einer modernen Konstitution ■hv Frage stellenden Auslassungen des Referenten und seiner politischen Anhänger Stellung. Auch die Vertreter der Polnischen Sozialdemokraten und der Gruppe „Wyzwolenie" sprachen sich gegen den Antrag aus. Die Debatte wurde dann bis zur nächsten Sitzung abgebrochen. Me Rumernr elaufur-Hetze im Sejm. Warschau, 21. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Hetzpater Lutoslawski beabsichtigte in der Bi!> dungskommission den Antrag auf Einführung des N u in e r n i clausus trotz des Einspruches 'des Vertreters des Bildungsministeriums „durchzupeiffchen", was ihm beinahe gelungen -wäre. Im letzten Augenblick gelang es dem Vertreter deS Sejmklubs Abg. Dr. Thon eine Vertagung der Bera> tnngen zwecks Ergänzung des Materials durchzusetzen. AlW«a. Das Ha«belözentmm in Jerusalem. Die Geneiralver». ftmMMng des ,Merkas Mschari" in Jerusalem beistätigte den BebaE-ngAPlam, laut welchem das „Handelszentrum" IW Läden, 76 Magazine, 40 Kellevrnogazine und 164 Bureaus enHatten soll. Die Plätze sind, entsprechend ihrer Lage, <ht fi'mif Klassen geteÄt, deren Preis dementsprechend zwischen 263 -und 600 Pfund schwankt. Die Beavspmchung -er Augenklinik in Jemsalem. Wäh rend des abgMchenen Jahres fanden, auf der Mischen AugerMiM m JerusaLsm 57.828 llntevsuchungen statt, davon betralfen 86LW Fälle Muisekmanen, 10.706 Chvist'sn, 8302 - I^dtzn und 58 Ande rsgläubige. in u Leinenwaren, Waschwaren, Stoffe, Wäsche, Sülckwaren zii tiwrreicht chiffmann II.. Taborstraße 48 TeEephon 47-1-78 En ':Enjre isii

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