Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1507 (24.4.1923)
- Date
- 1923-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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GeAe 2 Men, Dienstag totet* den Bauarbeitern ist ausgezeichnet. Sie sind stolz auf Kr Werk und lieben das Land und die Scholle. Geschmack- M:wmde beim Bau in Stadt und Land ziemlich gesündigt, jber der Architekt Kau fm a aut kämpft mit Eifer und Erhlg für Geschmack und Vernunft. Die Regierung, die vieles ietan hat zur Verbesserung der Straßen und zur Bekamp- ' Mg der Malaria wie überhaupt der sanitären Verhaltjlisse, -hat es nicht leicht. Es dürfte sich kaum ein zweites Ländchen finden lassen mit so heterogener Bevölkerung und tritt so viel Interessen solcher, die nicht,im Lande wohnen. Das nun aber am meisten nottut, sind gelernte Arbeiter. Und es ist zu hoffen, daß das jetzt ins Lehen zu rufende Technikum sehr wirksam beitragen wird zur Heranbildung solcher. Ich bin überzeugt, daß unser Kolorüsationswerk gelingen wird in dem Sinne, daß wir in Palästina «ine vollkommen kohärente Gesellschaft bilden werden, die Wohl geeignet sein wird, ein moralisches und geistiges Zentrum für das jüdische Volk abzugeben. Darin und nicht im Wirtschaftlichen sehe ich die hohe Bedeutung des Aufbauwerkes für uns alle. Es scheint mir weniger wichtig, daß das jüdische Palästina anöglichst bald wirtschaftlich selbständig wird, viel wichtiger scheint mir zu sein, daß Palästina von hoher geistiger und moralischer Baden tu ngsürdasganzejüdischeVolk wird. Großes ivnrde schon in diesnr Sinne.geleistet durch die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Anstalten für die Pflege der Wissenschaften und Künste müssen folgen. Unter diesem Gesichtspunkte erscheint die Gründung der Universität von höchster Wichtigkeit, die dank dem Enthusiasmus, insbesondere der amerikanischen Aerzte, gegenwärtig ihre Arbeit in Jerusalem beginnt. ' Sie hat auch bereits ein Publikationsorgan, cm dem jüdische Gelehrte aller Länder und aller Wissenschaften schon eifrig avbeiten. Palästina wird nicht die jüdische Frage losen, aber seine Entwicklung bedeutet eine Neubelebung der Seele des jüdischen Volkes, und ich bin glücklich, in dieser Zeit ULuerwacheuden Lebens, dort gewesen zu sein. Sefterreich. Rückreise am Gens. Der Bundeskanzler und der Minister des Aeußern treffen heute in Wien ein. Gemäß den Beschlüssen des Kontrollkomiices wird die Regierung nunmehr mit der Verwaltungsresorm ernstlich beginnen müssen. Sie wird zunächst die Vorlage über die R e f o r m d £ x Eisenbahnen sertigzustellen und dem Nationalrat dorznlegen haben. Es soll, wie verlautet, ein Direktorium für die zentrale Leitung der Lahnen gebildet werden, als dessen Vorsitzender Sektionschrs H i r t h genannt wird. In Innsbruck gab der Bundeskanzler gestern auf der Rückreise dem Vertreter der Amtlichen Nachrichtenstelle folgende Erklärungen: Es hat sich bei der jetzigen Tagung des Völkerbundrates darum gehandelt, den dritten großen Schritt auf dem Wege zur Sanierung Oesterreichs zu unternehmen, nämlich die rasche Begebung der großen Anleihe Zu sichern. Was der Völkerbund dazu zu tun hatte, war einerseits die Genehmigung der An le rheb rdingungen durch das Kontrollkormtee der garantierenden: Mächte und andererseits die Feststellung, daß nach den bisherigen Erfahrungen der im Herbst des Vorjahres ausgestellte Sanierungsplan innerhalb der in Aussicht genommenen zwei Jahre durchgeführt werden wird. Daß diese Frist ewgc'halten wird, ist unerläßlich, damit das V e rtrauen des Auslandes, das sich ja erst iar vollem Maße bei der Begebung der großen Anleihe bewähren muß, befestigt -werde. Es hat aber auch die größt« Bedeutung für uns Oesterreicher selbst, da es nicht in unserer Absicht gelegen sein kann, die Sani-evungsperiode und damit auch jene Periode, in der die Ausübung der Völkerbundkontrolle immerhin unsere Handlungsfreiheit einschränkt, zu verlängern. Der Bundeskanzler hob hervor, daß "ferne persönliche Aufgabe war, die Ueberzeugung von der Durchführbarkeit unseres Sanierungswerkes innerhalb der genannten Zeit durch bindende Erklärungen namens der österreichischen Regierung und des österreichischen Volkes neuerdings zu bekräftigen, damit aber auch alle Gründe, die irgendwo das Verlangen nach einer Verlängerung der Zeit der Kontrolle unserer Staatswirtschast auslosen könnten, »m vorhinein zu entkräften. I ' Kue Geldquelle der Hakmkreuzler. Die „Neue -Zürcher -Zeitung" schreibt in einem „R«akkronäre Phantasten in Oesterreich" betitelten Artikel: . . Seit Ludendorffs letztem' Wiener Aufenthalt untersteht alles, FronMmpserei und die Hakenkreuzelschreiber, den Münchner Drahtziehern des italo-ungaro-bayrischvsterreichrschen. Faszistenausmarsches. Das Geld kommt zum Dell aus München, zum Teil von einem der bekanntesten Wener Kriegs- und Nachkriegskrösuffe, der, obgleich ein Rabbrnersohn, Gefallen daran findet, eine Umsturzbewegung zu finaleren, deren populärstes'Schlagwort das „Schach dem Juden" ist." Die „Arbeiter-Zeitung" nennt den Naivem Caanill o C-astiglio n i. Dieser Herr hat nunmehr öffent- M zu antworten! Der Honorarkonsul in Saloniki. Der DundesPräsident hat Herrn Khros G. Kyrasiz /tm Honorarkynsül der Republik Oesterreich in Saloniki mit Amtswirksamkeit in den Nomarchien Ebros, . Drcmm mit Thasos, Thessaloniki, ■t Meniev Morgenzeitung. 24. April 1928 m. 1507) Sie llhriftlichnatlonalen vor Gericht. '♦ - - ..Aus Budapest wird uns berichtet: Wenn man will, kayn man. die Gerichtsverhandlung, die am.21. d. stattfand, und mit dem Freispruch eines Journalisten schloß, hex die Erwachenden Ungarn in einem Artikel scharf anfaßte, als den ersten Fäll zu begrüßen, in dem in Horthy-Ungarn das Recht nicht zugunsten des christlichnationalen Kurses gebeugt wurde. Der Fall selbst ist umso bedeutsamer, als es sich eigentlich mm eine Wiedergutmachung einer von ungarischen Gerichten bereits begangenen Rechtsbeugung handelt. In Oktober 1921 brachte „Az Est" einen langen Artikel über die Spaltung im Lager der E r w a ch e n d e'n U n g a r n und veröffentlichte im Zusammenhänge damit eine Erklärung des gewesenen Generalsekretärs dev Erwachenden. Julius Bardossy, welcher, wie wir seinerzeit berichteten, die ungeheuerlichsten Anklagen gegen die Führer der Erwachenden erhob. Der Generalsekretär behauptete, daß die Führer die Kasse des Verbandes für ihre Privatzwecke verwendeten, 'daß die Judenschlägereien in Budapest und in der Provinz sowie die Bandenkämpfe im Burgenland von bezahlten Individuen gegen Blutlohn durchgeführt wurden. Der Verband klagte damals das genannte Blatt und der Gerichtshof verurteilte die Redakteure Karl Sebe.styen und Ernst Mihalh, welche die Verantwortung für den Artikel übernahmen, zu je achttägigem Gefängnis. Der Apellsenat der Königlichen Tafel jedoch h o b d i e s es U r t e i l auf und ordnete eine neue B e rhandlung an. In dieser Verhandlung nun, welche am 21. d. stattsand, allerkannte der Gerichtshof zunächst den Verband der Erwachenden Ungarn nicht als den Hanptkläger, sondern den Verbandsdirektor Turcsanhi. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Verteidiger die Zulassung des Wahrheitsbeweises wünschen, hielt der Verteidiger Marcel B a r a c s eine Rede, in der er betonte, daß sein Klient wohl nicht die Absicht hatte, den als Hauptkläger figurierenden Verbandsdirektor zu beleidigen, aber immerhin Gewicht darauf legen müsse, nachzuweisen, daß all das, , was er und fein Redaktionskollege über die schmutzigen Vorgänge innerhalb des Verbandes der Erwachenden Ungarn in die Oeffentlichkeit brachten, wörtlich der Wahrheit entspreche. Als im August 1919 der Kommunismus zusammenbrach, setzte eine gesellschaftliche Organisationstätigkeit auf patriotischer und religiös-ethischer Grundlage ein.' In diese Bewegung haben sich unzählige Abenteurer eingeschlichen, die ihre Persönlichen und politischen Ambitionen auf diese Weis-! zu befriedigen suchten. Im Verband der Erwachenden Ungarns wimmelte es boit. . - Tagedieben - und solchen, die nichts anderes, als rauben und plündern mtbihre wilden asiatischen Instinkte stillen wollten. Es soll nun nachgewiesen werden, daß es jedesmal, ohne Ausnahme, nach einer Sitzung des Vereines der Erwachenden Ungarn p1 Plünderungen, Raubüberfällen und Schlägereien gekommen ist. Redner sei in der Lage, zumindest fünfzig solche Fälle anzuführen, in denen es nach Sitzungen der Erwachenden zu solchen größeren Ausschreitungen gekommen ist. Er weist nach, daß wenigstens in fünfzig Fällen /Unruhen, Plünderun« gen, Pogrome und blutige Schlägereien insszeniert wurden. Solche Unruhen fanden nicht nur in der Hauptstadt Budapest, sondern auch in einer ganzen Anzahl jenseits der Theiß, in Transdanubien und in dem Gebiet zwischen der Donau Theiß statt. Er hebt ganz besonders die Pogrome in Kun-Szent-Miklozs, Majfa, Ahon, Alsonemety, KiSkunhal^ Soltvadhert, Jzsak, Orgovany, Demsöd, Csenger, Budapest, Siofok und Csorna hervor, die immer nach aufreizenden Versammlungen der Erwachenden Ungarn erfolgten. Er zählt dann .die. Vorfälle Budapests, die UeberfäÜe auf das Cast City, das Klubcafe, das Leopoldstädter Kasino, den Demokratenklub,, das Elisabethstädter-Kasino, auf eine Anzahl von Theatern und die pogromartigen Unruhen im Budapester Judenviertel, sowie die Schlägereien an der Universität auf, und beweist, daß alle" diese Gewalttätigkeiten, die so vielen Menschen das Leben kosteten, immer unter dem Einfluß der aufreizenden Reden in den Versammlungen der Erwachenden und züm großen Teile von Mitgliedern des Verbandes der Erwachenden Ungarn verübt wurden.; Der Verteidiger des Redakteurs Mihaly schloß sich in allem den Ausführungen Dr. Baracs an. Der Gerichtshof sprach schließlich beide Angeklagte frei. In der Begründung ließ sich der Gerichtshof auf die Beweisführung überhaupt nicht ein, Mildern stützte sich aus die Erklärung der Beschuldigten, daß sie den als Hauptkläger erscheinenden Verbänttzdirektor-persönlich nicht beleidigen wollten, und auch der Gerichtshof zur Ueberzeugung gelangen müsst, daß die gegen der: Verband der Erwachenden erhobenen Anwürse den Kläger nicht treffen. Sie Arbeitslosen. Der Budgetnusschuß führte die Beratung des Kapitels „Soziale Verwaltung" gestern fort. Abg. Hanusch bezifferte die Anzahl der Arbeitslosen mit 150.000, wobei eine Verschärfung der gegenwärtigen Krise zu befürchten sei. Sollt« es in der Frage der Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung nicht bis zum 28. April, dem Tage des Ablaufes des Gesetzes, nicht zu einer Einigung kommen, so werde sich eine schwierige Situation ergeben. Redner besprach sodann die Frage der Lchrlingsheime. und schilderte das Anwachsen der Tuberkulose in Wien. Tschechoslowakei. Sie tschechische Sprache obligat. Prag, 23. 'April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Der Mmiftervai hat vinen Gesetzentwurf genehmigt, der die tschechisch« Sprache als Staatssprache erklärt, und ihren Unterricht als obligaten Gegenstand für alle Schulen ohne Unterschied der Unterrichtssprache verfügt. > El« »Maßregelter Hetzblatt. "Prag, 23. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Das Gesetz zum Schutze der RePubW, das vor einiger, Zeit unter dem Eindrücke des Attentats gegen Dr. R as ch i n von: Pwger Parlament an-genouunen wurde, kam dieser Tage zur ersten Anwendung. Tschechische Blätter berichten, daß ein Artikel des klerikalen Blattes „Pravo" in Prerau unter Berufung auf den § 14 des Schutzgesetzes konfisziert wurde. Das Matt hatte in einem Artikel gegen die Bcreirwilligkeit, mt der nmn einem Mitglied« der Familie Roth schild die tschechische StaatAbürg-erschast verglich und gegen die Ausnahme ausländischer Juden an tschechischen Hochschulen gehetzt. Sie tschechisch-ungarische Greuzeutscheidung. Genf, 23. April. Der Völkerbimdral hat heute die Grenzfrcrge zwischen der Tschecho-Slowakei und Ungarn. rm -Salgo Tarjaner Gebiet in der Weilst getroffen, daß die beiden Dörfer Hemelkö und Somvsujfaln sowie die Bergwerke de« Umgebung Ungarn zugeteilt werden- Diese Lösung wurde von beiden Vertretern angenommen. Polen. Sie Verhandlungen Wer einen Aegierungsblack. - Warschau, 23; April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Obzwar bischer der Mock der Rechten und des Zentrums prinzipiell noch nicht gebildet werden konnte, verhandelt Witos doch bereits auf die Austeilung der Ressorts. Die nationalen Minoritäten sind bei dieser Kombination außer Betracht gemammmammmmmmmsaimmmmmmnammamammmmaemsarA von seinem Sommersitz Spala wieder hier eingetroffen ist, hat gestern in die Verhandlungen eingegrifstn. Er ist, wie es. heißt, für ein Embeziehen der Mhzwölenia", der linken Volks- Partei, ira die Regierungskoalrtion. Sie Mehrhett der polnische» FakultSte« gem de« Aumerna tlansns. Warschau, 21. April. (Del. der „Wiener Movgentzeitung^^ Aus den der Unterrichtskommisston des Sejms zugegangenen Gutachten der Universitäten ffi $u ersehen, .daß die Meh rheit der Fakultäten sich gegen die Einführung des Numerus clausus ausgesprochen hat. Auf Grund dieser Gutachten wird nun die Unterr'lchtSkoinmist'ion zu entscheiden haben, ob dem Sejm die Einführung des Numerus clausus zu empfehlen sei. gilt Bombenattentat. Krakau, 21. April. (Del. -der Mtmer Morgenzeitung".) In >der Nähe des Kaffsehauses Esplanade erfolgte unter starker Deton-ation die Explosisn einer Bombe, die in 'der R-ähe des Hauses des Rektors der Krakauer Universität Prostssors Doktor N a t h a n so n Mchstudevt worden war. Dadurch wurde die Frontfeitie des Hauses beschädigt. In «der Stadt verlautet, daß' sich das Attentat Men den Rektor Dr. Nathanfon, -der sich gegen' die Einführung des Numerus clausus ausgesprochen hak, gerichtet ha'be. Ein anderes Gerücht besagt, daß dev Bombenwurf dem Theat-er Bagatella, in welchem zum zweiten Male die Wilnaer Truppe den „Dybnk" aufführen sollte, galt. In 'der Tat wurde auch di« Dheat-erdorstellung von der Polizei abgesagt. Eine entspvechends Untersuchung.ist bereits im Zuge. Sie orchodoxen Abgeordneten bleibe« im Wische« Klub. Warschau, 21. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die polnische Presse verbreitete m den letzten Tagen die Nachricht:, baß Sin großer Teil der Parteileitung 'der Agndäh für den Austritt der orthodoxen Abgeordneten aus dem ftidifchen Klub eintvete. Die gestern.stattgefundene Zentralratssitzung der Agu-dah in Polen hat nach längerer Deibaitte den orthodoxen Abgeordneten im jüdischen' Kliüb -das v o >l l st e Vertrau an für ihr« bisherige Dätigvett ausgesprochen und 'den Beschluß gefaßt, daß di« orchodoxen Abgeordneten und Senatoren nach wie vor >mr -jüdischen Klub zu verbleiben haben. Somit sind alle Gerüchte Über angeblich« Spaliungsiendenzen innerhalb des jüdischen töfcul&B falsch. Sine Botzkotttampagne. Warschau, 31. April'. (Del. der „Wiener Movgcnzeitung-.i> Das antistmÄische Hauptorgan „R z e c z p o s p o l i t a" publizi-evt die Namen sämtlicher jüdischer Geschästsi loka le, die während des Protestmeeüngs gegen die -Exzess« geschlossen waren, und fordert die -polnische Bevölkerung a-us betiMragen, daß diese Geschäfte 'dank einer energisch durchzus führenden BoYko'ttbchMing.für. immeir tzqWos.sen. bleibep,.. s?)i« gesamte'Lnftstmitische Presst.greift 'diese Au-ffordevung mit M