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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-24 · Heft 1507 (24.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1507 (24.4.1923)
Date
1923-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Elazelnmmn er K10 00 •' W ie n: Zum AbKolen in der! Expedition, II.,Taborstr. 1-3, \ oder in einer Verscblpisatelle ij(Trafik) monAtl. K, 28.000 1 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschccho-S lowakei: j Mon. K17. U n g ar n: Mon, - J K 600. Jugoslawien: Mon,!!)insr 35. Pol e n: Mon. I Mk.IO.OOO.Deutschland: | Mon. Mark 6000. Frank r., I Belgien: Monatl. Frcs. 8 ,'HT Naohsahlvosren "&§ i bei PreieerhShungen Vorbehalten Nk. 1507 Men. LienMg. z4. Wril 1923 rsch«cho >Sidwük«l; tschech. K f •— Italien: Monatl. 10 lir^ Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bpzyv:, Lewa, . S c h w e i z und das übrigq Ausland mopatlicK Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrassei'—3 Telephone: 44-Ö-38,43*3-19i ab Öührabds. 19-483,16-3011 Tel.-Adr.: ,Mcrgenzeitung*‘ ' Wien Oesterreichisches Poatspar« kassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Das BerLmum. , . —7. W i e n, 24. Avril. Der Präsident des Völkerbundrates hat die Beratungen über die österreichische Sanierung mit dem Ausdruck des Vertrauens in die Erklärungen des Bundeskanzlers Dr. Seipel geschlossen. Dieses Vertrauen chatte der Völkerbundrat vor der Schlußrede in einer Resolution des Kontrollkomitees manifestiert. Dieser Beschluß besagt in Punkt 3, daß die Kontrolle nicht nur > aufrecht bleibt, sondern noch durch drei Personen verstärkt wird. Man hielt-sich nämlich sehr eng m den Bericht des Generalkommissärs, der wegen des zögernden Tempos des Beamtenabbaues ungehalten ist und wieder, jetzt zum dritten Male, auf die Wirtschaft bei , den Eisenbahnen hinwies, deren Defizit er als den Zentralpunkt der gesamten Sanierungsaktion ansieht. In voller Würdigung der europäischen Bedeutung der österreichischen Frage will der Völkerbund bis auf den Grund der Sache gehen und die gesamte Verwaltung des Staates unter seine Aufsicht nehmen. Es fragt sich, ob der Bundesksnzler auch dieses Resultat als einen .Erfolg seiner Politik zu buchen geneigt ist. Die österreichische Bevölkerung, deren Vertrauen in den Völkerbund einstweilen stärker ist als in die heimischen .Funktionäre, sieht wieder ein 'ansehnliches Stück der Unabhängigkeit schwinden. Aber nicht mit allzugroßem ^Bedauern. Denn was man. hier unter Verwaltung versteht, ist seit langem ein Kinderspott geworden, der nur durch unterschiedliche Gerichtsverhandlungen, ^öffentliche Anklagen des Bundes gegen die Stadt, der Madt gegen den Bund, in ernsteres Licht kommt. - Es ist kein Wunder, daß der Völkerbund so vor-' geht, wenngleich es für die Politik und die Parteien der tterreichischen Republikeine tiefe Beschämung darstellt., as AuSlqnd weiß einer langen Beobachtungs- 'M, wie krank das politische Leben ist und wie sehr sich die führenden Parteien in dieser . Zeit selbst der Selbstbestimmung begeben haben. Alle Personen, die in Oesterreich heute in der Führung der Parteien stehen, waren schon vor dem Kriege Subjekte der Politik. Sie sind alle in einer längst von der radikalen Entwicklung im Sturmschritt verworfenen Zeit ausgewachsen, in der nicht nur Könige, sondern auch Ideen abgebaut wurden, Jbric mit unseren Notwendigkeiten in diametralem 'Gegensatz stehen. Als sie in das öffentliche Leben eintraten, regierte noch der Obrigkeitsstaat, der sich aber durch den Entschluß zum Kriege so tief kompromittiert Alte, daß mit seinem Endeauch der Glaube an jede Autorität flöten ging. Die Politiker bemühten sich, wieder eine Art Kommandogewalt zu schaffen, aber ohne Erfolg. Sie betrieben Ermüdungsstrategie, indem sie der Bevölkerung immer wieder zur Bravheit und zur Geduld rieten, selbst aber jede positive Tätigkeit unterließen. Teils weil man an sie. nicht glaubte, teils weil sie keine Initiative besaßen. Sie waren durch ihren yn Krieg bewiesenen Patriotismus in den breiten . Massen entwurzelt und da sie die Autorität als etwas - Naturnotwendiges anpriesen, das dem Staat so. notwendig sei wie das Salz auf dem Brot, so gewöhnte sich schließlich auch das Volk wieder an den Herrn Kommissär, aber an den von den Genfer Doktoren verordneten. Dieser Herr läßt einstweilen den Tabak, die Zölle und die Nationalbank kontrollieren. Jetzt kommen die Eisenbahnen daran und für die'großartigen heimischen Verwaltungsmänner bleibt nur noch das Heer-: tvesen übrig. Insoweit der Interalliierte Ueberwachungsllusschuß sich nicht einmengt. Außerdem aber haben unsere Parteien ein Gebiet vollständig frei, auf dem sie sich bisher; tummeln tonnten und dem sie sich von nun an in'verstärkter Fmpetuosität widmen können: Das.Gebiet der Verhetzung der Massen, der gegenseitigen Vernaderung und Ws für alle, die so wollen, blühende Feld der Judenchrase. Auf diesem Schindanger grasen alle, .nur arteimäßig unterschieden. Die Sozialdemokraten haben ie Bankjuden, die Christlichsozialen und . die Großfutschen die Juden schlechtwegs. Wenn sie miteinander taufen, dann werfen sie einander die Juden vor. jüngst fragten die völkerbefreienden Sozialdemokraten M Nationalrate höhnisch, weshalb denn die Ostjuden sicht ausgewiesen werden? Ihre Gegner erwiderten: kLarum habt Ihr sie nicht ausgewÄen? Das jüdische ieid ist ein Konjugationsschema für' vrese Parteien ge- . Horden, die alle zusammen von-Zeit zu Zeit die Entente nraunzen, daß das arme Oesterreich durch den Frie-. lensvertrag so schmählich behandelt werde, und die alle läge von ' der Bedeutung Oesterreichs als Kultur- .während, ihre blühende Jugend an Ae 7.. . gegen Ungarn. Einstellung des Eisenbahnverkehres zwischen Ungarn und der Tschecho-Slowakei. — Sistierung dev kleinen vrenzveÄehres. -AMweisung ungarischer Staatsbürger. ihre Heimatsorte zurückkehren. Im Laufe des morgigen Prag, 23. April. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung") Im Februar und zu Beginn des Monats März wurden, seitens organisierter ungari sche r B a n d e n.zahlreiche Ueberfälle auf slowakisches Gebiet unternommen und hierbei mehrere tschecho-flowaklsche GvenzorgaUe "angeschossen. Vor etwa 14 Tagen wurde in der Nähe von Kasch au der Zollkommissär Sedlacek von ungarischen Finanzorganen, die den Banden Vorschub leisteten, erschossen. Trotz der zahlreichen Beschwerdeu der tschecho-slowäkischen Regierung wurde seitens der Budapester Regierung in diesen systematischen Ueberfällen des tschecho-slowäkischen Gebietes keine Abhilfe geschaffen; tm Gegenteil, die ungarische Regierung ermunterte sogar die Banditen und' ihre Grenzorgane zu weiteveu Ueberfällen und ließ durch das ungarische Korrespondenzbureau im Ausland verbreiten, daß die tschechischen GrenzLchörden gegenjedes Recht' ungarische Gvenzovgane überfallen hätten. Da auch die letzte Demarche des tfchecho-flowakischen Gesandten in Budapest keine Klärung der Lage brachte und der Minister des Aeußern Herr DaruVary nicht zu-bewegen war, eine energische Verfügung zn erlassen, hat ein gestern in Prag stattgefundener Mimsterrat beschlossen, als Repressalie'sofort den EisenSahnverrehr mit Ungarn einzustellen. :';V Gleichzeitig wurde vom -slowakischen Ministerium. VerjBK, daß der kleine Grenz Verkehr von Montag früh augesangen außer .Kraft gesetzLwird,..weiters;, daß 'jede Envreffe ungarischer Staatsbürger in.die Tschecho-Slowakei As auf-weiteres it.u 5 u läss tjg fei,- und daß endlich eine K 0 n s k r i b i e r u n g der in der Slowakei wohnenden ungarischen Staatsbürger durchgesührt werden solle, um > diese später aus dem Staatsgebiet der Tschecho-Slowakei äuszuweifen. Weitere Repressalien sollen folgen, falls nicht bis dahin seitens d.er ungarischen Regierung der Tschecho- Slowakei für die fortgesetzten Grenzüberfälle Vollkommene Satisfaktion gegeben ive'rden wirdi Infolge der seit gestern früh erfolgten Einstellung des Zugsverkehrs sind zahlreiche Reisende in den ungarischen Grenzstationen steckan geblieben imb mußten am Abend in Tages dürste auch der Güterverkehr eingestellt werden. Ungarische Mitteilungen. Budapest, 23. April. (Ü. T. K. B.) Die Direktion der ungarischen Staatsbahnen teilt mit, 'daß die tschecho-slowäkischen Behörden ungarischen Staatsbürgern, auch wenn sie einen den regelmäßigen tschechoslowakischen Sichtvermerk 'aufweisenden Paß vorzeigen, die Einreise auf tschecho-slotvakisches Gebiet der w e igern. Das Motiv für diese Verfügung ist bisher unbekannt. Budapest- 23. April. Zu der von der tschechofflowaNfchen Regierung angeordneten Grenzsperre gegen Ungarn erfahren die Blätter, daß die ungarische Regierung keinerlei Maßnahmen zu treffen beabsichtigt, solange sie nicht eine amtliche Verständigung von einer Anordnung der Grenzsperre erhalten habe. Die Matter fordern, daß die.ungarisch Regierung entsprechende Schritte unternehme. - Budapest, 23. April. (Tel. d. Mr. Morgenzeitung".) Das Paßamt der tsch echo-sio wakischen Gesandtschaft stellte heute früh die Erteilung von Einretsesichtvermerken auf ungarische Reisepässe ein. Für die, Slowakei wird überhaupt keine Ein rersebe w illigm-ng erteilt, für Böhmen und Mähren nur in sehr begründeten Ausnahmsfällen. Diese Maßnahmen bleiben so-lange aufrecht,- bis'die , tschecho-slowakifche Regierung die geforderte. AenugtuMg . erhält. 'Die tschechor-slbwakische Gesimdff-chaft -H^Mgt'.W^. gens auch die Nachricht, daß. ebenfalls als Vergeltung 61 ungarische Staatsbürger aus der Slowakei ausgewiesen worden sind. : In ungarischen Regieru«tzAk«^m steht mau ganz fassungslos dieser Verfügung gegenüber. Bis heute nachmittags konnte man nichts anders Mitteilen, als daß das ungarische Außenministerium bis zur Stunde keine amtliche Verständigung über den Beschluß der tschecho-slowäkischen Regierung erhalten habe, bloß der ungarische Gesandte, in Prag, Baron Villanyi, ließ eine kurze Mitteilung dem Außenminister Daruvary zukommen. Man erklärte im Ministerium dem Berichterstatter des „Magyar Orszag" gegenüber, dajj. die Verfügung der Prager Regierung schwere Folgen (!) nach sich ziehen werde. alle Wände da_ Hakenkreuz malt und mit dem Gummiknüttel auf moralische Eroberungen ausgeht. Sie betteln im Ausland für rüre Bildungsstätten', die sie den jüdischen Studenten vor der Nase zuzusperren beflissen sind. Diest Art, als Majorität eine Minorität zu zertrampeln/ sichert der Republik das Vertrauen in Gestalt einer verstärkten Kontrolle. Aof. AOew Wer seine AOMe in WWM. 'Der dieswöchige . „Hcrolam" deröffentl'icht solgandeu Aussatz Pros. A-Ibert Einsteins-: Für die große Herzlichkeit, der ich in Palästina begegnet bin . und die ich sehr zu schätzen weiß, spreche ich meinen Dank aus. Die. Geschlossenheit -der dortigen jüdischenGesellschaft macht großen Eindruck auf den, der zum ersten Male.hinkommt. Was die Arbeit im Lande anbetrifft, so hat sie auf mich, den Eindruck gemacht, daß sich die Menschen durch keine SchwierigkesieN einschüchtevn lassen, und es ist meine feste Ueberzeugung, drß die jüdische Kolonisation Palästinas gelingen.wird. In bezug ans diese Kolonffation ist zwischen der städtischen und ländlichen Kolonisation zu unterscheiden., Was erstere betrifft, so hat auf mich den größten Eindruck Tel-Awiw gemacht, das mit großem Unternehmungsgeist und mit großer Energie hingeftellt worden ist, die Stadt, über die mir der junge Ginsbevg, der Sohn Achad Harams scherzhaft geäußert hat „unser Chicago". Was/Mich! am meisten erfreut hat, war die' Erfahrung, Läß die jüdische B'övölkevüng, die in den letzten Jahrzehnten ,uäch Palästina gek-yminen ist, 'eine, entschieden über dem Dnrchschniit'stehende Bevölkerung ' darstellt, sowohl was die Energie W auch düs kulturelle Niveau'ü'ubelangt. Was in jüdischen Dingen 'in Jerusalem den stärksten Eindruck auf mich gemacht hat, das war erstens die. KMMMBeLalel und ztoeitens die Tätigkeit dev Arberterkooperativ e n. Ich habe es auf das höchste bewundert, was die jungen Menschen, die als ungelernte Arbeiter nach Palasttna kommen, zu leisten vermögen. Ich -habe mit großer Freude sehen können, daß die . Baumaterialien — außer . Holz. — bereits im Lande hevgestellt werden. Das einzige, was mir die Freude an dieser Bcmtättgkeit einigermaßen beeinträchtigte, war. die Mitteilung, daß für, die Gelderdie von ame- .rikanischen Juden leihweise zu Bauzwecke« zur Verfügung gestellt lwerden, zu hohe Zinsen genommen werden. Die entsagungsvolle Arbeit unserer Landarbeiter habe ich sehr -bewundert. Wer den Kamps dieser Leute gesehen hat, muß Respekt vor ihnen haben und vor ihren Kämpfen gegen Schulden und Malaria. Gegen. diese beiden Uebel verschwindet praktisch beinahe das arabische Problem. Was dieses betrifft, so habe ich vielfach freundschaftliche Beziehungen zwischen jüdischen Arbeitern und Arabern angetroffen. Ich.glaube geradezu, daß alle Schwierigkeiten nur von-den Intellektuellen kommen, und zwar nicht nur von den arabischen. Die größte Sorgfalt muß dem Studium und. der Bekämpfung der Malaria gewidmet werden, die insbesondere für die Dorfbewohner, aber auch für die Stadtbewohner, eine große Plage bedeutet. In Spanien ist mir. kürzlich von spanisch-jüdischer Seite in Aussicht, gestellt, worden, daß'die spanischen Juden in Verbindung mit dev spanischen Regierung einen tüchttgen Fackchtann aus dem Gebiete der Malariaforschung nach Palästitta schicken werden, der dort, von Spanien bezahlt, in Verbindung mit der Jerusal'em-er Univevsttät arbeiten soll. Die Malaria herrscht, gegenwärtig iwch so stark, daß man. schätzen kann, daß ein Drittel der lmEHen' -AÄieitskvaft. -dichch -sie paralysiert 'wird.'; Und NUN die Schulden: ^Jn Dagania zttm Bi'spiel lliden jene famosen Leute schrecklich unter ihren Schulden. Sie müssen sich schlecht, ernähren, um nicht werter in Schulden zu geraten. Ein Mann mit einem.großen Hutzett'unh einem mittelgroßen Portemonnaie könnte diese Leure glück- . Ä machen. De« GW mtter den ländlichen AÄLttevn und!

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