Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1505 (22.4.1923)
- Date
- 1923-04-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Tomüäg Mlenen Morgenzelkung. ri T^Mr'^.dOiLLLSirleLL der ^Wiener Morgenzeitiuig’’ PRÄMIE: Drei elegante Geschenkbände (Derzeitiger Ladenpreis K 200.000) Jeder, der ein Jahresabonnement auf die „Wiener Modenzeitung", K 330.000, bis zum 8. Mai 1923 voraus bezahlt, erhält das genannte Werk als Prämie. Dadurch verbilligt sich der Bezug der „Wiener Morgenzeitung" um K 200.000 und der Abonnent erhält ausserdem ein für jedes jüdische Haus wertvolles Werk Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ erschliesst mit dieser Prämie, die auch für Auslandsabonnenten gilt, die bedeutsamste Quelle zur Kenntnis jüdischer Geschichte und jüdischen Volkstums. Niemand wird diese Gelegenheit versäumen, das Werk Professor. Grafte1 ohne besonderen Aufwand zu erwerben Krönen, beziehungsweise in der Währung des betreffenden Laötfes vollzogen werden. Bestellungen, die nach dein 8. Mai d.J. einlangen, können nickt. ßHfeberücks^ligt werden *>1^ einer Morgen Zeitung“, TH ilfjlt'ili 1—3 _ — -— - , + jLsH'.chLtlZoautcn der Gemeinde zuerst nur zöpernd und unvollständig gclciftct, seit längerer Zerr vollständig eingestellr: die Bundesbehörden haben die durch den A'wterabbau frei werdenden- Räume nur in den seltensten Fällen und niemals ohne energische Intervention dem Wohnungsamt zur Verfügung gestellt. Nunmehr tritt, wie die,RathanskorresPcndenz meldet, eine neue bedauerliche Tatsache hinzu: Tie Bundesverwalt-u!^ nimmt es aus sich, durch rücksichtslose Abstoßung bewohnter Objekte die Wohnur-Mot in Wien zu vermehren. Lr> wurde ein großer Teil der aus der Kriegszeit stammeubcu Baracken baut err teils . an Private Unternehmer,, teils auch aus Abbruch Verkauft. Mehrere dieser Baracken sind jedoch bewohnt. Im Aege der gerichtlichen Kündigung wegen Eigenbedarf gelingt es dem Erwerber zumeist, die Räumung 3)i erwirken. Aus diese Weise stshi immer wieder eine größere Anzahl von Familien Plötzlich vor der Delogierung. Der letzte Fall dieser Art hat sich nunmehr ans Anlaß des Abbaues der I nv a lide n wo hn u n gsh e i m e in Grinzing und in Favoriten zugetragen. Für beide Heime wurde mit 1. d. jeder Beitrag aus Bnudesmitt-eln eingestellt und Ende Juni soll das ganze Jnoalidenschulungsheün in Favoriten aufgelöst werden. Ueber diese Maßnahmen h i n a u s g e h e n d, hat jedoch das Finanzministeriu in (Abteilung für Sachdemobilisi-erung) die Baracke, in der sich bisher Las Jnvalidenwohnungsheim in Grinzing befand, einfach an die Verwaltung eines Hochs chm l e r h e i m s verkauft. Dies geschah, ohne daß für die Unterbringung der Bewohner die geringste Vorsorge getroffen worden wäre. Die AWre der Kontinentalen Bank. Die Untersuchung hat bisher ergaben, daß di- Direktkoren Kornblüh und Menschel zusammen mit R uid in st ein, der ü'k^rdies verdächtig ist, an den Manipula- -tionen des flüchtigen früheren Genenaldivektors der Bank (& chaj-o wirz beteiligt zu fein, auf dem Micken der Bank sund der Kommittenten die waghäffWen Börsenspekulallioneir Letvrehen zu haben, ohne ihr eigenes Geld zn riskieren. Der intellokduellste Urheber der Hei der Kontinentalbank begangenen Unterschlerse und Malversaüonen scheint der „russische Staatsrat" Rubin sie in. gewusen zu sein, wenngleich er jedes Verschulden energisch in Abrede stellt. Es ist mich nicht möglich, eine endgültige Schadens» ziffer zu trennen. Joderifalls aber, wirdsie mehrere Millia.-rden betUHen. * Bei einer Dnrchstrchrmz der Wohnung RuLinsteins wurden fofortsechzig Millionen beschlagnahmt und heule wurde in einer Wiener Bank der Betrag von dreißigbLgsend Dollar faffiert, die Eigentum Rubinsteins )mm. Den allevgrLhten Teil feiner Kapitalien scheint Rvbinstein jedoch an ausländischen Finauzplatzm ui»» So umfassend die LätiAert Rubinstems bei der Konti neMalbank auch war, so nahm sie doch mx einen geringen Teil feiner Zeit in Archp-ruch. Setz« Haupttätigkeit scheint er bes derWienerKoMMerz-undDislontba nk ausgeübt zu hoben und es ist selbswerftändlich, daß in die Untersuchung jetzt auch die TranSaGonen emLezcgen werden, die Rubinstem bei der Kommerz. untz Diskontbank geleitet hat. Direktor > Leo ' hat in seinen Verhören bereits ein tettweises GesKndnis abgelegt. Auch Direktor M e n s ch e l mußte rn den Verhören zugeben, daß die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu Recht bestehen. Bei der gegenwärtigen Sachlage ist es fast ganz ausgeschlossen, daß die Kontznentale Bank mach all den Vorgängen -der letzten Zeit iwieder rehabilitiert werden wird. Dieselben Kreise, bte jetzt eine Sanierung anstreben, haben schon vor einiger Zeit dsrfaM englisches Kapital für diese Bank zu intevchieren. Die Mion der BankveredriMMg. Die zum Schutze der legWmen Glaarbigerans p r ü ch e, wmenÄich der Crnl^ev Md Depotinhaber, von der Bankenverernigung vegrmnem Aufnahme des Stakis wurde infolge SonderaMonen einMver Gköubrger abgebrochen. Die Organe der Bankenvererrrigimg haben ihre Reviisionstätitzkett bei der Kontinentalen Bank eingestellt. Der leitende VerwocktungsrÄ der Bank Herr Gallufser hat im G-vigen der BeveinigMg die Mitteilung gemacht, daß der Bank die zur Abwicklung der Engagements erforderlichen Mittel von anderer S eite zur Verfügung gestellt werden, so daß weder eme materielle noch «ine sonstige Hilfeleistung weiter beansprucht werde. Die kxvlostou in der Bullavester Ferrolith- Kamwfabrö. Aus Budapest wivd uns berichtet: ES ist auffällig, daß die Untersuchung über die GchMffraye an der Explosionskatastrophe in der SerrMWammMU jetzt plötzlich lax behandelt wird. Don Mitteilungen eines mit der Untersuchung betrauten Beamten ist schon jetzt zu entnehmen, das; Direktor Schneller nicht als schMrg angesehen wird. Der Grund dieser Milde ist darin zu suchen, daß die jFervolith-Mtiengesellschast den HandÄSMürrster a. D. H eg he s- Halm: zum Dtrektionsprässtdenteu Hai und, dieses Mtglied der Regierungspartei ein ziemliches Anfchen bei allen Behörden genießt. Beim gerichtlichen TokrlcmgMschein in der Fabrik wurde fcftgestellt, daß nicht einmal die primitivsten Vorsichtsmaßregeln befolgt worden sind. Auch Direktor Schneller ging rnauHnal mit brennender Zigarre durch die Räume, wo ZeMloidkisttzy standen. 22. Aprll 1923 Nr. 1808 Abstieg zur Krsthwinkel-AnlNerfiM Die deutschvöliischö Hochschulpolitik beginnt langsam aber «icher ihre Früchte zu zeitigen. Was jeder vernünftige Mensch ' chsn Vor Monaten vorausgesehen hat,, wird jetzt zur Tatsache: Die Wiener Ur.üversität sinkt nach und nach auf das' Niveau einer Provm-zuniversität etwa vom Range der Innsbrucker cder Grazer Hochschulen herab und wird, tvenn diese Politik, die dieses Ergebnis zur Folge hatte, anhält, in nicht zu ferne'' Zeit zur typischen «deutschen Krähwinkel-Hochschule werden. Mait kann diese Tatsache heute bereits an dom bisherigen Verlauf der Inskriptionen für Ausländer feststellen, wobe^ gleichzeitig zu bemerken wäre, daß im Rektorat über den groß« artigen Erfolg der deutschvMschen Politik keineswegs groß' Begeisterung herrscht. Im Gegenteil. Die materielle Lage der Wiener Universität ist, wie bekannt, eine solche, daß sie aus die Mildtätigkeit Ausländischer Spender und auf die erhöhten Ausländergebühren angewiesen ist. Es ist nicht zu viel b^auptet, wenn man sagt, daß die Wiener Mma mater ihre Existenz zum größten Teil nur diesen beiden Faktoren verdankt. Wiederholt schon hat die deutschvölkische Hakenkreuz-Universität zu Schnorraktion«n Zuflucht nehmen müssen. Ein erheblicher Teil der zur Erhaltung der Universität notwendigen Mittel fließt aus den beträchtlich erhöhten Gebühren für Ausländer. Nun zeigt es sich schon jetzt, daß gerade das valutastarke Ausland, auf das die Wiener Universi tätsmacher großen Wert legen, sich bei den Inskriptionen für das Sommersemester in auffallender Weise enihalterr. Die Zahlen stehen heute noch nicht zur Verfügung, weil die In skrrptionen noch nicht abgeschlossen sind, aber es ist Tatsache, daß der Ausfall an ausländischen Hörern im Sourmersemeste' ein ganz bedeutender ist. Wie wir hören, wurden allein an der mMzinischen Fakultät in der letzten Zeit 500 Abgangszeugnisse oon Ausländern genommen, woher es sich keineswegs nUr um jüdische Hörer, sondern auch um ganz waschechte, rassenreine „Arier" handelt. Wern man in Ertvägung zieht, daß die Jnskriptionsgebühr für ausländische Hörer im Durchschnitt rund eine Million beträgt, so ergibt dies für die Universität eine Mindereinnahnie von rund 600 Millionen Kronen pro Semester. Diese Zahl ist noch nicht endgültig, da die Jnskrifttioner noch int Gange sind und die Zahl der bisherigen ausländischen Hörer, die der gastlichen Mener Mma mater den Rücken kehren, sich zweifellos noch vergrößern dürfte. Ob die Erhaltung des dentschvöltischen Charakters der Wiener UuiveMät dieses immerhin runde Sümmchen wert ist und ob die Schuldtragenden an dem Verfall einer Bildungsstätte so viel Opfermut aufbringen werden, diesen Ausfall aus ihren Taschen zu decken, ist allerdings sehr zu bezweifeln. Eher ist anzuuchmen, daß sie unter irgendeinem Titel wieder an die jüdische Humanität ap- - pellieren werden. g—d. Eine Rauferei an der Universität. Gestern um 1' Uhr mittags kam es auf der Rampe der^ - Universität nach Beendigung des Bummels zwischen einigen deutschnationalen und, Mischen Sfudenten zu einem Reneontrr das bald in eine Rauferei ausartete, wobei die Gegner mit den Stöcken aufeinander^ loshieben. Die deutschnatio-- nalen Studenten besetzten hierauf, die Rampe. Polizistev trennten die streitenden Gruppen. GehMsfsrderilvgW der statischen Angestellten Die Gemeindeangestellten haben mit Rücksicht auf di» Teuerung ur d den steigenden Index Forderungen überreicht, über welche gestern die Verhandlung mit dem Personalreferenten und dein Finanzr-eserenten der Gsmemde stactfand. Die Stadträte Speiser und Breitner erklärten, die Gemeinde werde sich bemühen, unter voller Anspannung der ihr gebotenen Möglichkeiten diesem Notstand abzuhsffeu. die Zwei Millionen Zollar-Kamvagne in Rew-Vork. Eine Million Dollar bereits aufgebracht. Außer berat bereits erwähnten großen Bankett, den: die Teilnahme Louis Marshalls als eines dar Hauptredr.er und seine Zusage der Mit'arbel't für den Keren Haijefsod' ein besonderes Gepräge gegeben hat, fanden bisher in den verschiedensten Viert-eln New-Aovks Bankette und Dorsammlungen statt, die die Kampagne ei-Meiteien und cnff denen für -jedes Quartier die Summe festgesetzt wurde, die es zu den kontingentierten 2 Millionen Dollar beizutragen habe. Alle diese Verfantmfamgeu zeichneten sich ausnahmslos durch ihren außerov denMchen Enthusiasmus für Dr. Weüznmnn rntib den Keren Hajessdd aus. Die größte Verisaullmil-nng fand am 28. MÄH in der Gas, Gilde statt, wo auf dem Bankett mben Werzmann noch Dr. Schmavjch Levin, Louis Lipsky und Karl Eher mann, Attorney General von NewDovk, sprachen. Bon bei für die East Gide -festgesetzten Quote von 200.000 Dollar ist bereits ein großer DeM anchgebracht. In einem besonderen Aufruf appelliert Weizm a ' um zahlreiche Meldungen für die Eigen 6000 freiwiil. ligen M-itar iberter für -die HMsssamiinlllnngen. Eiw große Zahl FreÄrnlsiger ist diesem Rufe gefolgt. Während fce\ Pessach-Woche fand auch in den Synagogen eine rege Kampagne statt, die am 1. Llpril in über 60 0 Nelw-Norke> Synagogen durch Propagandareden für den AuDau Palästmal und den Keren Hajessod vinyeMet wurde. Das Hauptbureau des New-Dorker Keren Hajessod bekannt, daß bis jetzt ein« Summe von «ins» Million Dollar als Erfolg der MgmwärtSgen KamWpve aufgeSrachr tvorden ist, von der ein bedeutender Teil m har »inaszahK^ wurde ' 4