Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1505 (22.4.1923)
- Date
- 1923-04-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980586--14517-3001259- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MKi'M# Lvrenes MotttzenzöNung. 22. April 1923 lIie BerWMgiWZsvrrsuche Mischen stanMschev «nd deutsche« MnWeken. Kopenhagen, 21. April. (Wolfs.) In der „Nationalltidende" veröffentlicht -die Schriftstellerin Karin Michaelis eine Unterredung mit Reichskanzler Dr. Cuno, dev auf die Frage, -wie lange die Reichsvegiermrg in der Lage fein werde, den gegenwärtigen Kurs der Mark zu ^halten, antwortete, daß der gegenwärtige Kurs sehr lange gehalten werden kann und das ist dorr größter Wichtigkeit, j Hebet die in den ausländischen Blättern aufgetauchten ^Meldungen, wonach hinter den Kulissen dauernde Verjständigungsversuche zwischen französischen und deutschen Industriellen stattgefünden hätten, äußerte sich der MeichAkanzler, daß etwas wahres daran sei, da ^msolge der wirtschaftlichen Gesetze, die sich nicht nach nationalen Grenzer: richten, ein gewisser Zusammenhang zwischen den Industrien bestehe. Unter den deutschen Vor* * schlügen für die Pariser Konferenz sei auch ein Abschnitt ge- Iweseri, der die Möglichkeit einer ZHainrmenarbeit zwischen per deutschen und der französischen Industrie vorsah. Dieser Vorschlag sei in vollem E i n v e >r st L n d n i s mit E n gicn betfolgt. Auf die Frage, wie sich dev Reichskanzler zu einer Lniernationalen Finanzkontrolle stelle, antwortete Doktor jLuno, er halte eine Finanzkmttrolle, die über das hinausgche, was Deutschland bisher bereits getan habe, nicht für möglich. Deutschland könne nicht sein Selbstbestmrmßmgs- .xocht curfgsben. Er sei aber vollkommen. damit einverstanden, daß eine Kommission von Finanzmännern gewählt werde, deren Ausgabe es tÄre, sestzusetzen, Mas Deutschland zu zahlen vermag. Ihm sei von einer solchen internationalen Untersuchung nicht bange. SM.ff —— Wie die Grazer ,Tagespost" aus Belgrad meldet, /st dort gestern abends der Chef der türkischen Delegation für die FriedensverhaMungen in Lausanne Jsmet Pascha, auf der Durchreise eingetroffen und im Bahrchof in Vertretung des Ministers des Amßern durch den Delegierten sLvdorovic begrüßt worden. Ueber Anfttag Jsmet Paschas gab sein Sekretär den Journalisten gegenüber einige Erklärungen ab, wobei er hetonte, daß Jsmet Pascha diesmal mit allen Vollmachten zum Abschluß des Friedensvertrages und zu dessen Fertigung ausgestattet sei. Ueber die Mossulfrage werde Nicht beraten werden, weil diese Frage durch die letzten Noten zwischen der Türkei und den Alliierten schon erledigt sei. Die Türkei werde eine definitive Regelung der wichtigsten wirtschaftlichen -und finanziellen Fragen verlangen. Jsmet Pascha und seine Delegierten sähen den Ergebnissen der FriedensverhaMungen sehr optimistisch entgegen und seien zu gewissen Konzessionen bereit, wenn auch auf der Gegenseite guter Wille vorhanden fei. Falls unsere Forderungen, schloß der Sekretär, wie im Pochochr aus Widerstand stoßen sollten, sind wir entschlossen, Lausanne sofort zu verlassen, was nicht eine Unterbrechung der Verhandlungen, sondern den Beginn «Mer Feindseligkeiten bedeuten würde. Lord Robert Seril für de« Konferenz mit Weizmarm. New-Zork, 20. April. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitun-g".) Im Hotel Commodove fand gestern eine Konferenz zwischen jSorb Robert Cecil, der bekanntlich in Sachen des Völkerbundes derzeit in Amerika tätig ist, und dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. W e i z m a n n statt, der gegenwärtig die Keren Hajessod-Kampagnc in Amerika führt. Lord Cecil bot dem Präsidenten seine Mitarbeit für pie Fondspropaganda an, was Dr. Weizmcmn mit Dank jentgegerrnahm. Lord Cecil erklärte sich bereit, in öffentlichen Meetings für die Idee des Keren Ha-jessod einzutveten. i§-—: ßl ■* JVCsnJ JVn Genf, 21. -April. (Schweizerische Depeschen-Agentur.) In her Nachmittagssitzuuig -des Völkerbundes erklärte der Vertoei-er per M-amschm Regierung, daß sein Land die Entscheidung des Rates vom -3. Februar 1923, -durch welchen eine Provisorische Demarkation slini e «in der nentralein Zom errichtet Wurde, keinesfalls anerkenne und daß sie auch die ^sts-e-tzung der definitiven Grenzlinie durch den ^Beschluß der Botschafter§onfevenz 'vom 16. März 1633 a dle h ne. Da der Rat dem Bericht des belgischen Delegierten Hhmans Mvstnmnt, «Märte der litauische Ministerpräsident, seine Regierung sei gewillt, die ganze Ange-lsgenhsi-t der nächsten BöMrbundversaimrÄung zu unterbreiten. Ferner lehnte der vt es ab» die Frage seiner eigenen Kompetenz zur Festsetzung der erwähnten Domaröattonslintve dem ftän-d-igen intor- Nationalen Gerichtshof im Haag zur Begutachtung zu unterbreiten. Hierauf erklärte der litauische Ministerpräsident neuerdmgs, seine Regierung werde nicht zögern, auch diese Frage der höchsten Stelle des BöAerbmÄeS, der BoLlversamml u u g. Vvrzulegen. Für eine BergMirmtg d« ÄmRmMo« New-Hork meldet I. C. B.: ÄÄe Ha-nffei& JVCenJ, JOildpfsSssiarkt £ smt Sl&b&s. KostümesJtUmieaMX^ Jeüg&mns et&oumiraa STe lefon 65373r Grosse Okkasion von Frühjahrs-Modellen und preiswerten Etaminkleidem ioow -Ä hevausgogeben, in welcher eine Vergrößerung der Einwan de rurrgsquote von 3 Prozent auf 5 Prozent geisordert wird, um dem Lande mehr Arbeitskräfte zuzuführen. Es sei aber wünschenswert, daß die Einwanderer auf vhve physische, geistige und moralische Beschaffenheit geprüft werden. Der Vorschlag wird auf der im Äkai in New-Aor! stattsinden'den Konferenz sämtlicher amerikanischen Handelskammern behandelt werden. * Vor einigen Tagen wurde berichtet, daß Präsident H a r d i n g in der gleichen Richtung die Initiative ergreifen 'wolle, weil bei einer Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes dem Lande die Gefahr des Arbeiter-Mangels erwachsen könnte. Bud -ape st. 21. April. Der Fm-MAmi-mster ordnete eine neuerliche Erhöhung der Tabakpr-ei-s-e vom 29. Ä. um 30 bis 50 Prozent an. Heute traten die erhöhten Bierpveise i-n Kraft. Budapest, 21. April. Die -Regierung bereitet viiri-cn Gesetzentwurf vor, durch den Streiks künftighin verboten werden sollen. Die GÄverkschaften sollen unter strenge polizeiliche 'Kontrolle gestellt werden. Belgrad, 21. April. J.m Gebäude ,-des Kriegsministe« rimns explodierte -eine Bombe. Drei Militärpersonen,wurden verletzt. , Essen, 21. April. Auf dem Bahnhof Vorhalle ist heute nachts eine -Eisenbaihnbrücke von unbekannten Tätern, gesprongt worden. Die Franzosen ha'ben infolgedessen -die GÄerfeanlagrn im weiten Umkreise äbgesperrt und den gesamten Straßenverkehr lahm gelegt. Graz, 21. April. Der Ausstand m der steirischen Grube Steieregg ist beendet. Die Arbeit wird am Montag wieder ausgenommen werden. Das charakteristtsche Merkmal der Juden zu oWn Zeiten war und ist seine HausbMochek. Mochte er noch so apr» und noch so wenig bewandert in der großen Weltliteratur sein, er hatte seine kleine BMiochek, die ihm zumindest daß Nottvendigste und Wichtigste über die Geschichte seines eigenen Volkes vermittelte. Die fünf Bücher Moses, die Propheten, die liturgischen Bücher, da und dort auch ettriAI Folianten, dann andere leicht erreichbare Bücher aus Mdratur und Geschichte fehlen fast in keinem jüdischen Haufe. Ms -der unsterbliche große Heinrich Graetz zum ersten Male das Mische Volk und die ganze Kulturwelt mit seiner zusamnnnfassenden „Geschichte des Judentums" öoscheM«, da war es die Sehnsucht jedes Inden, dieses Werk zu besitzen, aus ihm in allen mißlichen! Lagen des jüdischen Volkes Trost und Erhebung, Wissen und geistige Kraft zu schöpfen. -Lange noch wird Graetz'! Geschichte der Wrsiensqmell für jeden, der sich auf dem Gebote jüdischen Wissens Rat holen will, ein unerläßlicher Berater, aber auch ein treuer Freund bleiben. Leicht und spannend geschrieben, dem Gelehrten als Wegweiser, dem Laien zur Zerstreuung, macht dieses Buch jedem, der darin blättert, eine Freude. Dar Krieg und feine Folgen haben dem Mischen Nachwuchs dieses Buch fast unerschwinglich werden lassen und -deshaN ist es nur begreiflich, daß die Kunde von der Gewährung einer Prämie für I a H-« resabonnenten in Form von Graetz' dreibändiger! Geschichte von den Lesern unseres Blattes wie eine frohe! Botschaft ausgenommen wurde und daß jeder nunmehr in! den Besitz des so lauge erschnten wertvollen Werkes zugelangen wünscht. Allerdings läßt sich der Jahvesabounent, der von Vorteil der Prämie durch Vorauszahlung des ganzen Iah-, resa'bonuentents Gebrauch macht, auch von einer wirtschaftlichen Berechnung leiten, denn er erwirbt damit nicht nur das große Werk Graetz' zu einem sonst ganz umnöglichen Preise, sondern erhält auch noch einen Vorzugspreis im Abonnement. Die ,-Wiener Morgenzeitung" entspricht mit dieser Prämiengewähvnng nur ihrem Programm und den Zielen, die sie sich bei ihrer Gründung gesteckt hat: Stärkung des Selbstbewußtseius des Judentums durch Förderung Mt Kenntnis der eigenen Bolksgefchichtte. Me Sachbemobllifiermrs. Das Wiener Wohr-un-gsamt hat wiederholt Anlaß ge« habt, -die QeffenUichkeit auf die Tatsache hiNWwaisen» daß e4 bei seiner Tätigkeit von den Bundesbehörden nicht irn min« besten unterstützt wird. Der Bund hat seine Zuschüsse zu den iammer iw D«c Bölkerbundrat beschäsrigte^sich, wie bereits berichtet wurde, in seiner letzten Sitzung mit den Mitteln zur internationalen Bekämpfung deS Mädchenhandels, der infolge der großen Not der 'Nachkriegszeit wieder ganz besonders in den osteuropäischen Landern sein Unwesen treibt. Ein trauriges JÜustrationsfaktum zu diesem schmutzigsten Kapitel der Ausbeutung menschlicher Notlage aus Gewinnsucht, liefert die letzte Nummer des in Warschau erscheinenden Wochenblattes ,,Der. Emigrant", in welcher das Folgende mitgeteilt wird: Das Zentralkomitee für Bolkshilfe und Einwandererschutz in Argentinien mit dem Sitze in Buenos Aires erhielt vor kurzem das folgende Schreiben: „Im Schandhaus in der Cuningstroße Nr. 597 befindet sich eine Iran, welche hierher verschleppt und zur Prostitutton gezwungen wird. Sie wird schrecklich gepeinigt. Können Sie irgend etwas tun und helfen, so kommen Sie und retten Sie einejüdischeTochteraus dem Schmutz und vom Untergang." Der Präsident des Komitees übergab die Angelegenheit sofort der Geheimpolizei. Vorigen Mittwoch, so berichtet nun das Komitee an die Redaktton des „Emigranten", läutete ein feingekleideter Mann am Haustor 597 der Cuningstraße. Die sogenannte „Wirtin" öffnete die Tür, und als sie den Mann mit vornehmem Aenßern vor sich sah, ließ sie ihn ein' und winkte ihm, einige Sekunden zu warten, dis sie das gewünschte Mädchen herausgeruftn hat. Sie erblickte in dem Mann einen feinen „Klienten". Nach einigen Minuten erschien das Mädcher^ aus einem Nebenzimmer und näherte sich widerwillig dem Gast. Die Wirttn warf ihr wütende Blicke zu, mau sah sofort, daß das unglückliche Geschöpf in diesem Hause unter schrecklichem Terror steht. Der Gast und das Mädchen zogen sich in ein Zimmer zuvück. Kau« ccklein geblieben, frag der Gast das Mädchen: „Warum schm Sie soxMscht aus, fühlen Sie sich denn htev nicht wohk?" Das Mädchen antwortete nicht sie hatte, den Mann Verdacht, chn Spwn der Mvttn zü sein, DvMkb Mte . dsr Ihnen zugestoßen ist, dem» sch tta nicht Ihr Feind, sonder« Ihr Freund." „Wer hat Sie eigentlich geschM» vrMicht Mine Freundin Parllille?" „Ja," antwortete der Mann und fuhr dann fort, zu fra gen. „Haben Sie einen Gatten und wie heißt er?" „Mein Mann hat mich hierher verschleppt," vertzsante sie schließlich ihren Gast an. „Er heißt Josel Szerednick'i und hat mit mir in Warschau die Ehe geschlossen. Sie erzählte dann weiter. Sie heißt Rachel Feldmanu, kam vor Ms Monaten mit ihrem Verführer aus Polen nach Buenos Aires. Bor ihrer Abreife aus Polen fand die Trauung patt. Als sie nach Buenos kamen, wurde sie sofort in ein SchandhauS gebracht, von dort in zweites überführt und jetzt befindet sie sich beretts im dritten öffentlichen HauS. Anfangs versuchte man sie gütlich zur Prostitution zu bewege», man zeigte ihr Gold und Brillanten, stellte ihr das Glück auf Erden in Aussicht, Automobile und allerlei Luxus. Da sie sich nicht gefügig zeigen wollte, nahm man schärfere Mittel. Sie wurde gepeinigt, abigeschlossen und durfte mit niemandem zusammenkommen. Ihr sogenannter Gatte ließ sich nur selten blicken. Ihre ganze Um-, gebung war zu ihrer Peinigung abgerichtet. Mitten in der Erzählung des unglücklichen Geschöpfes bt i gann die Wirtin draußen heftig an die Türe zu klopfen. Der Gast beachtete zuerst diese Störung gar nicht; als das Klopfen! und Stufen immer zudringlicher wurde, - öffnete der Mann schließlich die Türe, ließ die Wirtin ein, legitimierte sich alsj Krimmalbeamter und brachte die Wirtin sowohl als auch ihr! Opfer zur Polizei. Dort wurde auch die Identität des „Gat-j ten" des verführten Mädchens seftgestellt. Sie erkannte im Ver-- brecheralbum sein Bild, unter welcher auch seine Biographie ver-! zeichnet war.' Er ist ein bekanner Franenhändler, wegen dieses! schmutzigen Gewerbes mchrfach vorbestraft. Seine Spezialität^ ist, mit naiven jüdischen Mädchen in kleinen Städten von Polen, Rumänien und Karpatho-Rußland Scheinehen einzugehen, sie dann nach Buenos Aires zu bringen, wo er sie verkauft. Der „Gatte" hat wohl von der Entdeckung seiner letzten Untat Wind ihm, aus Buenos Aires zu entkomnach ihm und hat ihn bereits den _ ..-„-Jett avisiert. unter .neuer Endstation der elektrischen 8 trassenbahn L,M, H2 u. .4) fl-csiwiij Wall Bei schlechter Witterung geheizte mm «IpII pMChfeaal. B4::itz -: Otto &a«ere