Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1505 (22.4.1923)
- Date
- 1923-04-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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^wwttaig Wiener Mörgeuzettung. 22. April 1923 «veae 7 Berlöngerung desAufmthÄtes fSr MS Flüchtlinge in Polen. Warschau, 21. April. (I. C. B.) Der Rbgie-'mngskom- Eriffär hat 2006 rufsisch-ukrainischerl Flüchtin g e tt, bk nicht nach überseeischen Ländern fahren kauen, dm Aufenthalt in Polen 'bis zum 1. Mai. 1923 unter ■kr Bedäuguny gestattet, daß die Flüchtlinge bis zu diesem Dermin in Flüchtlings baracken interniert bleiben, flnier den gleichen Bedingungen wurde einer Anzahl Flüchtlingen, die ihre Amerika-Visa aus Grund der neuen Quote bestimmt erwarten, die Aufenthaltserlaubnis bis ’putt 1. September 1923 verlängert. Das Warschauer Palästina-Amt hat die Abreise polnischer Chal-utzim nach Palästina verschoben und ihre fieisezertisrtate den ausgewiesenen Chaluzrm av3 Rußland ausgefolgt, denn die Gefahr der Zwairgsabschiesm'Ng droht. Auf einen besonderen Wunsch > des Palästina-!,Amtes hat die Zionistische Exekutive in Palästina eine größere Zahl Zertifikate für die russischen Chaluzim bbgesandt. Dieser Tage ist aus Warschau der letzte Transport russischer EHÄuzim abgegangen. Es sind i m g a n z e n ^236 Chaluzim aus Rußland nach Palästina ia-bgeveist. (I. C. B.) __ Die MMe WchMssM. Zu SK»«8«reu. Der «Manische Ministerrat beschloß, Len Aufenthalt /tt auf rumänischem Territorium befindlichen ttfmine* Mchtlmge bis 1. Dezember d. I. zu gestatten. Mchtlmge, die Wer diesen Dermin hinaus auf rumänikschen Territorien «rgetroffen werden, sollen schonungslos Lber die Grenze geschoben werden, jedoch nicht Wer die russische Grenze. Irr Beßarabien wurde den FlüchUrngen eine Ans« -nthaltszone dorgeschrieben, die überall 36 Kiloincfe^?|p^ Grenze entfernt muß. Danzig. Die DÄ'wz rA e r Behörde stellt' nM immer der Erwwandermrg der aus Polen ausgewiesemn jüdischen Flüchtlinge Schwievigkeiien entgegen, cmch wenn es sich um Emigranten handelt, die bereits Pässe für Kuba oder Argentinien besitzen. Dastk der Bemühungen Mischer Persönlichkeiten gelang es, die an der Grenze zurückgewiesenen Flüchtlinge «n EmigrantenlageL NnterMbringen. Da es unter den FlWMchen zahlreiche Wbmrrttelte M, wnvde in Danzig Mb Zoppot ein Hilfskomitee gegründet, das auch schon größere Sivnmren für den Unterhalt der mittellosen Flüchtlinge gesammelt hat. Dieser 'Lage wird hier ein Bureau für juridische Hilfe an die eMnet werden. (I. C. B.) Mt der ffielfe" W Nicht zeitg«W. . Wie evirmeÄlich, haben hetzcmtflemitksche Kreist m DÄschland, denen lbekan-ntlich kein Mittel zu schlecht ist, um gegen das Judentum mobil zu machen, auch die öffentliche ^Bovfühmng eines Mms „Nathan d^r Weisfür ihre Pwpagauda benützt, so daß sich amtliche FAmprüfungsstellen Mit >der Frage der Freigabe dieses „gefährlichen" FilmwerkeZ 'beschästigen maßte«, welches eine Dvhtung eines der freiesten repräsentativsten Geister der deutschen KlassÄ zur Grundlage hat. Gewisi-en Kreisen scheint es nicht unbedenklich, wenn die BevöAerunlg, die man sonst mit blutrünstig hetzenden [Flugblättern überschüttet, mit Darstellrmgen in Berührung kommen soll, in welchen ein, Jude <msnahmsweist foKusagen -auch als Mensch erscheint und sogar über gewisse Repräsentanten anderer Religionen durch seine sittliche Haltung Lsn Sieg dcckEtragt. Diese Anschauung. scheint sich auch die Warschauer Etliche Fälmprüfungsrommission zu eigen gemacht zu haben, welche besagten Film ,Kathan der Weife", wie I. C. B. aus Warschau meidet, in, Verein wit .der dortigen» Staatsanwaltschaft verboten hat. Jntrresstnter aber noch als das Verbot ist dessen Begründung, 'vÄche arach der genannten Quelle folgendermaßen lautet: «Nachdem der Geistliche Budkiewicz durch dir Bvffchewkkn erschossen wurde, welche die Mehrheit der BevoNernng mit den Juden identifi- Bert, ist die Auffichvung eines Lichtfilms, der das kacho- ^sche Konzil als eine faratifche Institution hmstellt und de« Juden Nathan mit idealen Zügen ausstatt et, für bk nächsten Monate unpassend und . die '^-^iche Ordmmg bedrohend. Später wird die Es ist jedenfalls sehr merkwürdig, daß Stellen mit Amtschavakter sich loichtevdings zur 5donstatierung entschließen und es als gegebene Tatsache hinnehmeu wollen, daß „die Mehrheit der Bevölkerrmg" die Bolschewiken mit den Juden idsntifizkre. „Nathan der Weise" ist derzeit, da die rationaldemokratische und die Rozwoi-Hetze das Wort hat sicherlich nicht zeitgemäß. Sine Grenzbeftimmms. Roda-Roda, «der jetzt in Amerika weilt, gibt km Retv- Aorker „Vorwärts" eine, trenn auch nicht wahre, so doch lustige und gut erfundene. Gchchichte darüber zum besten, wie die Grenze zwischen Rußland und Litauen festgesetzt wurde. „Es war" — erzählt er — „aus der Friedenskonferenz zwischen Rußland und Litauen. Dre Delegierten konnten sich über die Grenze beider Staaten nicht einigen. Am letzten Konferenztag trafen Trotzki, der russische Kriegsminister, mrd Rose« bäum, der Bitze-minister von SHaSuen, ein, beide zu dem Zwecke, um die Vechandlungen zu beschleunigen und möglichst rasch einen Ausgleich der schwebenden Differenzen hevbeiznführen. Bekanutbich sind 'beide Inden, haben zusammen an einer deutschen Universität studiert und waren damals gute' Freunde. Trotzki und Rosenbaum debattierten zuerst sehr erregt in russischer Sprache und es gab' lebhaften Wortwe-chsÄ. Schließlich sprang Trotztt erregt auf -und rief in deutscher Sprache: „Was wollen Sie eigentlich? W«e!lche Grenzen soll ich Ihnen denn geben?" RoseNbau-m, nicht minder erregt, antwortete deutsch und allmählich kam er ins Jüdische. Ms sein Zorn aufs hö-chste gestiegen war, schlug er aus den Tisch und schrie: „Dort, wo die litawisch-jüldische Zlusfprache herrscht, dort ist Litauen! Und dort, wo man „sch" statt „s" sagt, endet Litauen, wo man nicht mehr „Säbes", sondern „Schäbes" sagt, dort ist.die litauische Grenze!" * „Du hast recht," attfetoortete Trotzki. Und nach diesem Gesichtspunkte wurde die -litauische Grenze bestimmt. Lee Ka«chf der Tr.eMMgrsrthvdoxie gegen dis hebräische Schule. „Ujkelet" meldet: Es wurde 'bereits kurz berichtet, daß hie Prager Regierung die orthodoxe Landeskanzlei für Karpachorußlaud aufgelöst und das Tätigkeitsgebiet der Pveßburger orthodoxen Laudeskanzlei auch auf Karpathorußland erstreckt hat. Die karpachovusiische Presse erklärt diese Reg-ierungs-maßnahme damit, 'daß die tremmugsorchodoxe Kanzlei in Bratrs la va die Juden von Karpcrthorußland irr Prag denunziert habe. Diese Tvennuugsorchodoxen behaupten nämlich, daß die Juden, die sich ent die Schulen mit ungarischer Urrterrrchtssprache Kammern, sowie die der Zionistischen Partei angchürigen Juden der tschecho-slowaNschen Republik gegenWber illoyal seien. Die Lcmdeskmtzlei von BraMlava habe sich in Prag verpflichtet, die j-Mschen Schulen mit hebräischer oder MMvffcher UntervichtSfprache in KarPathoauWand ernzuftellen rmd die jüdischen Kinder den städtischen stSchllen Musühven. Gegen diese unerhörte verleumderische '^Dermnziation dev Trennunc^orchodoxen richten sich jetzt die imasserchaft besuchten Protestkundgebungen in ganz Karpachorußlaud. Bisher wurden solche Kur^gebu-ngen in Hnst, Eckevm>ezö, Toronya und in anderen Städten Vevcmstaltet. Die Empörung gegen das Verholten der Garde des Führers der Trennungsorthodoxie OberraMners Weber ist in ganz Karpachorußlaud so allgemein, daß an den Protesten nicht nur die tzüdrschnationalen und Zionisten, sondern auch solche 'Kreise tellnehmen, die bichev nicht mit den Zionisten zusammen gingen. Wezeich- Uerch hierfür ist die' Haltung des Muukaczer Oberrabbiners Spira, der in allen seinen Predigten gegen den ZivnisuruZ Stellung uahan mrd jetzt sich an die Spitze des Kampfes gegen den schädlichen Einfluß der Pvchburger 'Landeskanzlei gestellt hat. Das unMrsche Vorgehen der Preßburger Orthodoxen wird um fo mchr verurteilt, als die in Karpachonchlmch errichteten hebräischen Schulen sich des besten Besuches aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und steter Fortschritte erfreuen. Diese Schulen ^finden übrigens auch in den Kreise« der grieMch-kathalifchen Bevölkerimg Verständnis und Unterstützung. Wir geben hiermit allen, die teilnehmen an < I unserer Trauer, Nachricht von dem Ableben unserer jirmigstgeliebten Gattin, resp. Tochter, Schwester und j Schwägerin der Frau geh. Roth aus Bolechow, [welche am 30. April d. ]. im 38. Lebensjahre nach! [kurzem Leiden ln ein besseres Jenseits abberufen| wurde. Die Beerdigung der teueren Verblichenen I [findet heute Sonntag den 22, April um 3 Uhr nachmittags vom Trauerhause zum Zentralfriedhofei [.(I. Tor, Iöt. Abu) statt Wien, 22. AprH t928. [Jakob Krochmal Chaim Rothl al« Oatte als Vater Max, Josef, Jakob, Bezald, Wvrmskm Roth] als Brüder Rosa Roth, geb. Uri Frieda Roth, geb.,Klein | als Schwägerirnwn. Samstag bis 6 Uhr geöffnet Kleine Lokalchrouik. In Wien treiben sich Gauner herum, die -mit gofälschw»v Dokumenten -der Barmherzigen Brüder Sammlungen vornehmen. Der wiederholt abg.est-rafte Heinrich Cngl hat -drci Musiker, das D^rz-cit Plauenstein, -dessen „Impresario" er war, m\ ihre wertvollen Musikinstrument betrogen und ist fluch!ia geworden. Der wegen des Milliardeudie'bstähles ans der Hohen Wirrte verurteilte Wolfgairg Weinstein hat eingestanden. daß er einen Toil seimr Beute im Polizeiarrest versteckt habe, uaiiächlich wurden auch an den von ihm angegeben'e-n Orten die Fassungen eines kostbaren Ringes und eines Anhängers gefunden. Die Edelstein-e hatte Weinstein früher herausgebrochen. Vor einiger Zeit wurden hier der serbische Großgrundbosrtzer BogoHub St« kitsch -und der Kaufmann Fra-uä Jsnengh-i unter »dem Verdachte des Betruges verhaftet. Es hat sich damals um eine LichsntNig von Ledergarnituren für die serbische Armee gehandelt. Das Strasverfahren gegen beide wurde mangels feglichen Tatbestandes ^ur Gänze eingestellt. In der Gegend des Karmeliterplatz-es treibt sich «cn-tu Diebsbande herum, die sich darauf verlegt, an Waschtagen iv den Häusern Wäsche zu stellen. Auf der Linie A in -der Ausstellungsstraße -kam es infolge Kurzschlusses ans einem Mowrwagen der Straßenbahn zv eä-Mr halbstündigen Verkehrsstörung. In der Kochgasse stürzte vm dveistöckiges Ba-ugerüst zusammen. Gm Arbeiter, der sich -cms dem Gerüst, befand, tarnt!" gerettet werden. Es ereignete sich 4ein Unfall. * Einweihung des Kriegerfriedhosts und Enthüllung Allenbh-Deukmales in Berseba. Am 22. März fand i-n Berseba in Anwesenheit des High Commission er sowie der Führer aller Gemeinden und der Bient-veter -der Jewrsh Eooperative Labo-ur Association -Mtsrad Laawodoch Z-rburmtlh) die Einweihu-ng des Frvedhofes für die gefallenen Kvi'egshelden und die Enthüllung ei-nes Denksteines Genevail Menbhs, ein Merk des -Jerusalemer jüdischen Künstlers MÄniLow. statt. Der High Commi-ssioner zollte irn seiner Rede dem prächtigen Werk des Misrcrd Laawodoch Zibnr-voth. der den Friedhof erbaut hatte — di>e B-ankosten bewogen über 19.00V Pfund — Bewunderung und ba den Vortrsder des Misrad, Herrn Gevschberg. -den Arbeitirrn u\u dem Misrad seinen Dank zu übermitteln. Der Hcmptdwaktot der Imperial War Graves CorMnission in London hat .gelegeu^- lich feines letzten Palästinabesuches sich dahin geäußert, daß diese Leistung des Misväd Laawodoch Zfimrioch in keiner Weist den franMschen '.Kvse-guch>ve!dhöfen nachstche. * Elternversammlmra im 18. Bezirk. Am 17. d. fand im «M 'st des Proponen>-enkomst-ees, da! >r. Sommer stand, ist es gelungen, solches Interesse für die Ziele und Zweä-e des 31t gramdeniden Bereiines bei dW Wähvinger Ju-den m wecken, daß der Saal dve erschienenen Väter und Mütter -kaMU zu fassen der aufopferungsvollen Täti unter Le-rtüng des Herrn vermochte. Nach EviWwung durch Herrn Dr. Sommer, der im Namen des vorbeveiterHen Komitees über Zweck und Ziele des zu gründenden Vereines sprach, hielt Herr Rab-biner Dr. Feuchtwang einen Vortrag über J&ie ErKichuug dcs jüdischen Kindes", der den Weüdeg-ang des SchuLweferrs bei den Juiden vom frühesten Mtert-um bis Aur Sch-affung der sogenannten „Mnsch-deiuischen" Schule fchildevte, aus der bedeutende Männer hervorgeMngen seien, die weder wollfremd noch in-Wlervnt, sondern NÄchahmu-ngswevt-e, vollwertige Menschen geworden seien. Er bK>vach ferner die Entstehung und Entwicklung der österreichischen allgememen Schüle, die für andere Staaten beHpieWbeuld wurde, heute aber leider nicht das zu leisten vermag, was man von ihr erhoMe, vielmehr in vielen Fällen bloß das BetaiM-ngsseld polnischer Agitatoren ge-worjft. Mternveveme seien nichts Neues und hcwen i>n anderen /.Staaten bedvittenden Einfluß auf das SchMoesen, so vor allein in Amerika; es ist seAbistverstäMich, daß jüdische Eltern üch zum Schuhe ihrer Kinder und damit deren BiWung, vor allein auf dem Gebiete Mischer Kultur, gefördert werde, ManMien- Miehen. Reben der Talmud Dhora-Schuile sollen Säulen für Rvuhebräisch errichtet werden. Jüdilsche Kindergärten nud Bibliotheken müssen erstehen und das Müsfioinsiunweisen, das unter dem Deckmant-eü der Jugendfürsorge noch immer jüdische Kinder an sich zu reißen sucht, bekämpft werden, vor allem durch Schaffung von eigenen Smnmerhe'stnen. öbach Annahme der vorgÄegten Statuten sprach der Obmann der Da-lnpud Zhora-Schube und bat, zwei Vertreter dieiser Schule in den Auslschnß zu wählen. Jmr Natnen des Hiomstiischen LandeSkoimitees begrüßt Dr. Jltdor Kl ab er die Vensa>mmlnng «und erinnert daran, daß es m Lverrvgen Wochen gelungen lei, das Interesse für die jüdische Ju>gendarbest im 16. Bezirt zu wecken und daß der Dank vor allem den jungen Lehrern und den Mhvern der Jugendgruppe Mähre, die auch bereits positive Aübest geleistet haben. Die Bevsammliung möge tätige Menschen an die Spitze ihres-Vereines stellen und nicht vergessen, daß auch die Wahri-nger Inden bloß ein Teil des jüdischen BEs seien «nd alle Juden aenreinsame Arbeit und gemeiusaure Feilte haben. Hierauf fand die Wahl des AusschrrsstS- Mit, zu dessen Obmann Dr. Rothblum gewählt wurde. Er wies nt seinem Schlußwort darauf hin. daß nicht ririzÄne die Arbeit leisten können, sondern jeder Vater mrd jede Mutter michelen müsie Mn Gedeihen der neu zu schchfenden Jnstit». trvnen. * Zionisten des Praterspeengels sowie sämtUche . Mst* glieder der Frauengruvpe treffen sich heute um 8 Uhr nachtmu tags beim Hause, 2. Bez., Arnezhofersttaße 4, um cm der-.Bc, stattung der Frau Mirjam K r 0 ch m a l teilzunehme«. — Mo Zionistrsche Frauenaruppo. Vraiersprergel bat aus den Namvtz der Verbucheneu ei ~ "ro.tronalsonds