Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1505 (22.4.1923)
- Date
- 1923-04-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Vvite 1 Wien, Sonntag /offen Äe besten landwirtschaftlichen Arbeiter im Lande darstellen. So wurde im Laufe von evrveiuhM Kahren die Zahl der jüdischen landwirtschafMchon« Arbeiter um daß Dreifache vermehrt. Besonders wird die hohe Bedeutung hervorgehoben, welche die AmeLiorierung dieser neuerwovbcuen Ländereien hat, welche die erste Hcmpttätigkert der Angesiedeltcn bildete. Der Keren Kejemech, -der diese gwße, bedeutlungsvolle Arbeit durchgeführt hat, habe erkannt, daß man sich auf vrnsm nicht vorbereiteten, sumpfreichen Boden nicht ansiedeln könne, er habe ein Bewässerungsprogramm geschaffen, das die AuSnützimg aller Gewässer zum Wohle der «Nobler bezweckt und schließlich die Siedler zu einer Zeit, als sie von den Erträgnissen der Wirtschaft noch nicht leben konnten, mit Arbeit versorgt, indem er außer den EntsumpfungSarbeiten und der Bewässerung, den Bau der wichtigsten Straßen durchführte, die ebenfalls eine «bedeutende Voransetzung für die Entwicklung der Kolonisation im Lande 'bilden. Me diese ArDeiten, verschafften nicht bloß den Siedlern allein, sondern auch Hunderten von Beschäftigungslosen Arbeit, die Mch Beendigung der Chaussearbeiten brotlos wnrdeni Empfang des neuen Zivilsekretars durch die palästinenfi- ^hen Juden. Der politische Berater der Zionistischen Exekutive' in Palästina, Oberst K i s ch, veranstaltete zu Ehren des neuen Zivilsekretärs der englffchen Regierung in Palästina, Sir Clahton, einen Empfang, dem zahlreiche jüdische Persönlichkeiten beiwohnten. Eine neue jüdische Siedlung in Haifa. Kn Haifa ist im Stadtviertel ath Galim" der Grundstein Marner neuen jüdischen «Siedlung gelegt worden, die von der Gesellschaft „Hamanehil" errichtet -werden wird. Es wurde bereits mit dem Bau von 25 Hausern begonnen. Rundschau. Sie Sbsrhlmsdebatte Wer die Reparationen. London, 21. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Kn der gestrigen Sitzung des Oberhauses fragte Lord Buckmaster, ob die Regierung ErLärungen über die letzte Entwicklung der Reparationsfrage und über ihre. Politik abgeöen wolle. Er wies darauf hin, daß die Reparatronsftage bisher falsch behandelt worden fei. Frankreich könne nicht bezahlt werden, wenn es die deutsche Industrie lähme und Deutschland werde durch die Besetzung des Ruhrgebietes auch unfähig gemacht, an England Zahlungen zu leisten. Die englische Besatzungsarmee, -welche ein Mittel zur Sicherung der Zahlungen Deutschlands an England sei, sei jetzt überflüssig, da es klar geworden sei, daß Deutschland nicht bohlen könne. Es müsse ein gemeinsames Einvernehmen nicht nur zwischen England und -Frankreich,-sondern auch «wischen England, Frankreich, Deutschland und den anderen Mächten hevgeftellt werden. Der Außenminister Lord Curzon beantwortete die Anfrage sofort. Er berief sich aus die Erklärungen Bonar Laws bei der Pariser Konferenz im Jänner und -führte dann die Gründe für die Notwendigkeit der Neutralität Englands im Ruhvkonflikt an, indem er sagte: Wenn England sich Frankreich angeschlosfen -hätte, so würde rs Teilnehmer an einer Unternehmung gewesen sein, deren praktische Klugheit es von Anfang an bezweifelt und bestritten habe. Wenn England die Partei Deutschland ergriffen -hätte, so wäre es in eine unfreundliche und illoyale Stellung gegenüber einem Kriegsverbündeten geraten. Die leitende Erwägung der britischen Regierung sei daher die ganze Zeit di^ gewesen, daß die Entente zwischen Großbritannien uno Frankreich und dessen Verbündeten nicht gebrochen werde. Zu dem Vorschläge Buckmasters, daß die Alliierten die gesamte Frage dem Völkerbund überweisen wollen,' sagte Lord Curzon: Es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Frage eine Last für den Völkerbund bedeuten würde, die zu tragen er nicht imstande ist. Es würde heißen, die Lösung der Frage einer Körperschaft überweisen, in der bisher Deutschland, und die Bereinigten «Staaten n i ch t v e rtreten sind. Was die Sicherheiten anlangt, sind wir «willens, in der Zukunft zu passender Zeit diesbezügliche Pläne oder Vorschläge zu erörtern, aber das könnte nicht geschehen um den Preis der Zerstückelung Deutschlands. -Und wenn Sicherungen gegeben werden sollen, dann müßten sie solche gegenseitiger Natur sein. Lord Curzon besprach dann die (von uns schon gestern wisdergegebene — Die Red.) Notwendigkeit deutscher Vorschläge und schloß: „Ich glaube, ich habe auf beiden Seiten Symptome wahrgenommen, wenn auch nicht für ein Zusammenkommen, so doch für eine Be- .-veitschaft, die Bedingungen einer zuÄmstigen Regelung in ), Zionistische Arheitspartei „Hitachdnth“ { \ QmiAa VniMtan den 22. April, y.8 Uhr abends, im Fest* (! n8UlK üUIHlldy saale d. Hotel »Continental, II., Tiborstr. j MEETING i der jüdischen Jugend Viens < DB. NAHU9S GOLDMANN über ( „Probleme der jüdischen Jugendbewegung“ j anschliessend Diskassion Ui Regiebeitrag K 2000 iA**»raji.wiNjMWnm tr , _Wiener Morgenzeitung. ' _ 22. April 1923 ghkMHS Der Bolksbetrug der Hakenkreuzler. MtzMungen eines Führers in Nürnberg. - Jie Liebesfahrtm im Auto. - Jas germanisch« Miidel. - Juden als Spender. - Die Grafenpartei. - Diktntnr als Borlöafer der Monarchie, Der Lkampf der HakenkreuKer richtet sich lediglich getzelj den schwarzen Inden, d e r' w e -i ß e Jude «darf nicht angö Der Führer der Nürnberger Hakenkvmzler hat letzten Sonntag in einer öffentlichen Versanmrlung, die von 3000 Leuten besucht war, eine blutige Abrechnung mit den Nationalsozialisten gehallten. Ein Wissender, gewissermaßen ein Mann höherer Grade dieser Ar-tifveimanrer, enthüllt hier die sittliche Fäulnis der Vorkämpfer gegen die Mische Korruption. Dieser Mann, Herr Preßl, erzählt: Es gilt heute eine Entscheidung zu fällen in der Oeffentlichkeit über Leute, die die Worte „national" und Sozialismus" mißbrauchen,, um für sich und ihre Person Vorteile persönlicher Art zu erringen«. Hören Sie und urteilen Sie dann selbst, wer die Verbrecher am deutschen Volk und an der Einheit der Arbeiterschaft sind. Ich glaube, die sogenannten Novemberverbrecher haben nicht den zehnten Teil der Schuld, als jene Verbrecher, die ich Ihnen aufzählen werde. Die Erfahrungen und meine Enttäuschungen persönlicher Art, teils auch darin, daß die großen vöttischen Führer, wie Reinhold W-u-lle (Berlin), Richard Kunze (Berlin), Prof. Rüge (Heidelberg), stets die Dummheit und die Mildtätigkeit der sich völkisch schimpfenden Mitglieder ausrrützten, um in allererster Linie sich und ihr e Familien sicherzu stellen, will ich in einem späteren Vortrag besonders kennzeichnen. Ich habe aus dem Hauptbuch der Partei folgenden Hauptbnchauszng, der. mir beweist, daß Julius Streicher (gegenwärtig - der Führer-der Nürnberger Hakenkreuzler. Red.) in zweieinhalb Monaten 115.000 Mark als sogenannte. Nebenspesen bezogen hat, trotzdem doch «Streicher einen Beruf mit gutem Gehalt hat. Ich' frage euch,-was gebührt demjenigen, der sich vor euch hmstelli und sagt, er ist Idealist und bezicht in zweieinhalb Monaten 115.000 Mark Parteigroschen? Außerdem, wie denkt ihr über den Vertreter einer sogenannten Arbeiterpartei, wenn er, wie Julius Streicher, in Pappenheim eine Versammlung abhält, für die Versammlung freie Hin- und Rückfahrt und-5000 Mark für dein Vortrag bekommt und außerdem beim Grasen Pappen he im übernachtet'M) gegessen hat? Ich nenne das. Verrat 8n der Arbeiterschaft. Preßl erwähnt, dann , auch die Autofahrt «Streichers nach Jpshemn, die mehr als 100.000' Mark gekostet hat, und erklärt:! Scht, ihr MitMeder der Nationalsozialisten, für Liebesfahrten eures Führers werden eure Mitgliedsb ertrüge und Eintrittsgelder benützt. Streicher wurde häufig in vorgerückter Morgenstunde durch seine Frau aus dem Wirtshaus, wo er zechte, abgeholt. Die Frau erklärte ihrem Mann, sie könne nicht schlafen, aus Angst, es könnte ihm etwas passieren. Die Antwort Streichers an seine Frau waren körperliche Mißhandlungen. Ihr seht nun, Volksgenossen, der Mann möchte den vöMschen Führer spielen und hat nicht -den Mut, im eigenen Haushalt völkisch zu handeln und zu leben. Die rechte Hand des großen Streicher, ein Herr Raschbacher, Winkeladvokat und Rechtskonsulent, beim Stadtral zn Nürnberg wegen nachgewiesener Unbrauchbarkeit feiner Nerven entlassen, sitzt in der einen Nacht mit einem.sogenannten germanischen Mädel bis früh 5 Uhr in der HakenkveuFklause und macht, eine Zeche von ungefähr 35.000 . Mark. Zwei Tage später sitzt er bis um 2 Uhr in der Klause mit demselben Mädel und macht eine Lilörzeche bis morgens Mi 2 Uhr von 12.000 Mark. Bor etwa vierzehn Tagen war es wiederum dieser Raschbacher, der einen hiesigen Oberingenieur dazu verleitete, mit einem sechzehnjährigen Fräulein nachts nach Heroldsbevg zu fahren-rm Auto. Dort wurde gezecht bis am frühen Morgen. Enresultat: Zechebegleichung durch den Oberingenieur mit 227.000 Mark. So sehen die nationalsozialistischen Führer aus! Die BehaMung der GeLdaiblieseruilg ist so interessant, daß ich öffentlich feststelle: Der verhaftete Agent Lüdecke hatte an die Nürnberger Partei einige Tage vor seiner Verhaftung 20.000 Mark übersendet. Als die Verhaftung bekannt wurde, telephonierte Streicher an Burger und dieser mußte das Datum dvei Wochen« früher auf das Brieffkuvert schreiben. Die Kriminalpolizei erhielt bei ihrer Nachfrage das von Streicher angegebene falsche Datum, ein Betrug der hohen Obrigkeit gegenüber. v saßt werden, weil ja das Spendenvuch aufweist, wo die Huu-erttausendmarWoiträge in» Nürnberg Herkommen und wo die geheimen Geldquellen sind Außerdem dürfte euch als Arbeiter noch folgendes inteft effieren: Der Leiter der Sturmabteilung von Mitteilftanke^ Marineoffizier Walter Steinbeck, ist jener Steinbeck, bei beim Rathenau-Prozeß viereinhalb Monate in Untersuchung saß; er ist Mitglied der Organisation Consul, Mitglied der Ehrhardt-Brigade und soll hier dm Grundstock fiir die Sturmabteilungen legen. Die Gelder der Hakenkreuz« ler kämen auch von Großgrundbesitzern und.oberschlesischen Magnaten, ferner sorgten Hi Her, Ludendorfs, die Reichstagsabgeordneten Major Hennig und Wulle für die Herbeisch-asfung von Geldern'. Im Dezember 1932 fand im Reichstag eine Vertveter-sitzun-g der Völkischen Freiheit spart st statt, an der er teilnahm. Von den 67 Vertretern waren 9 Majore, 11 Oberste, 6 Grafen und nur 2 Arbeitervertreter. Und diese Leute wollen ArbeiterMtevessm vertreten —> das glaubt doch der dümmste Arbeiter nicht. Zum Schluß er-« klärte Preßl^ die Pläne der Rechtsbolschewiken seien, vornst eir.«en Diktator einzus-etzm, >der von der Monarchie dann ab gelöst werde. Die Bevölkerung solle ein wachsames Auge haben, was alles vorgche, um die blutigen Plä-nö der Volks- Verräter zunichte zu machen. Vaterlandsverrat im Zeichen des Hakenkreuzes. Offiziöse deutsche Stellen melden: Am ersten Osterfeiertag wurde hier eine Band« Landesverräter vochaftet, deren Hmpt -der 23jährige ,Mufmann" Hans Heinrich Brüning ist. Dieser hoffnungsvolle Jüngling, der unter dem Namen eines Dr. Mrner «eine Billa iir WÄhelmshausen bei Kassel bewohnte, hat bereits, eine recht bewegte V-ergcmgenhort. Brüning unterhielt eine rege. Korrespondenz mit dem f r an z ö s-isch e n S p io nage b u r ea u in Düsseldorf, dem er Berichte über angMche rechtsradikale Organisationen in Deutschland überbrachte. Brüning sandte den Franzosen eine Liste mit den Namen von 46 Pwsvnen aus Hagen i W., die er wahllos aus dem Adreßbuch schrieb «und die einer V. K. D. (Völkische Kampfgroßfton't Deutschlands) angchören sollten. Brüning hatte sich et«wa. 40 falsche Stempel angeschafft, die er «für seine Fälschungen benützte. Seine Mel-, düngen bezogen sich hauptsächlich mvf Borbeneitimgen von. j Pu tschen von rechts und sollten den Eindruck erwecken, als ob in Deutschland eifrig gegen Frankreich gerüstet würde. Neben seiner politischen Abrieb Brüning auch militärische Spionage. Brüning betätigte sich als ' eifriger Hakenkreuzler .und fungierte bei jeder antisemitischen Propaganda in der Provirrz als einer der Hauptarrangeure. In «KaM hätte er die offizielle Vertretung des berüchtigten antst'cmitiischen Hetzblattes „Sturm", welches in Hannover herausgsgeben wird. Die Einheitsfront dev Vatevländlev. Berlin, 21. April. (Tel.-«Komp.) Nach einer Münchener Mldung der ^Poss. Ztg." haben sich die Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen «Kantpfvepbände und die vereinigten vaterländischen Berbände zusammengeschlossen. Damit ist die Einheit zwischen den BeMnden Ludendorsss, Hitlers und Yylanders sowie der gemäßigten Richtung, «die sich an den Namen Kahr knüpft, wiedschergestellt. Polnisches Hakenkreuz. In Posen hat sich eine Liga zur Verteidigung des Vaterlandes und des christlichen Glaubens gobildet. Diese Liga hat in den letzten Tagen in ganz Posen Plakate veröffentlicht, in denen die polnische Bevölkerung äusgefordert wird, Mir «bei christlichen Kaufleuten ein« zukanfen. Das Interessanteste daran ist, daß diese Plakate das Emblem des Hakenkreuzes schmückt. Scheinbar bedient man sich im .Kampfe gegen die Juden auch'eines Emblems der den Polen so sehr vechaßten Deutschen. In Demblin und Umgebung entfaltet der bekannte Judenhetzer Prof. Jaxa Chamiec, der im Vorjahre in Wilna Vorträge über 'ba§ Ritualmordmärchen gehalten hat und den Beweis erbringen wollte, daß die Juden zu rituellen Zwecken Blut benützen, eine wütende antWdrsche Propaganda. Unter anderem ftMe er die FordeMNg aus, als'Revanche für die Ermordung BMiewiez' sämtliche jüdischen Rabbiner in ganz Polen auszuhängen. Es ist begreiflich, welche Wirkung solche Hetzreden aus die Massen auSlösen können, Errwägung zu ziehen und sogar zu besprechen. Mr werden -weiterhin unser Bestes tun, um die Entwicklung dieser Symptome zu ermutigen." Mch - der Rede Lord Curzons ergriff Lord Gvey das Wort und erklärte, daß die Reparation^ frage und die Frage der Sicherheit Frankreichs viel enger Miteinander verknüpft feien, als Lord Curzon anzunehmen scheinet Wetrn nur die Mparationsfraye be-». handelt würde, so würden dadurch neue . Hindernisse geschaffen werden. Nach seiner Ansicht stehe es der englischen Regierung zu, durch eine diplomatische Aktion den gegenwärtigen Schwierigkeiten. ein Ende zu bereiielr. Dann ergriff der Herzog von Norkhum'berland das Wort. Er Wrte aus, daß die Lage den jetzigen Ernst nicht erreicht hättewenn England und.Frankreich nicht eine entgegengesetzte Reparationspolrtik verfolgt hättey. England habe nichts für die Sicherheit Frankreichs giedmt. Frankreich fei gegenwärig Wohl gesichert, das werde aber in zehn öder fünftchn Jahren voraussichtlich nicht we>hr der Fall fein. Für die Frankreich feindliche Strömung in Eng-) -laufer vor. allem Lloyd George verantwortlich zu wachem