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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-22 · Heft 1505 (22.4.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1505 (22.4.1923)
Date
1923-04-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Merk, Sonntag Sefterreich. Seipel in Senf. GÜch 2t. April. BundeskcmKer Dr. GeiPe'Lckst h^ntt mLttagS i« Genf swgotvüffen. Die Sitzung des österveichi-!schett Komitees des WWevbmtdtttteS findet morgen Sonntag, vormittag- 10 Ahr, statt. Die Sitzung des BälkerbundrateS ist für morgen 12 Uhr mittags ernderufm, um den Etglttdern der osterveichrfchm Regierung, Bundeskanzler Dr. Seipel und Münster des AenßernDr. Grünberger, die baldige Rückveift nach Wien zu ermöglichen. Soziale Bemawma. 1S0.000 Arbeitslose. Im Finanz- und Budgetausschuß wurde gestern die «Dlchgetdevatte Heim KapitÄ Soziale Verwaltung fortgesetzt. :Den Bericht «rstattete Abg. Dr. Re sch (christlrchsozial). Bundesminifter Schmitz «rKärte, daß die Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt «ungefähr Mitte März erreicht habe, zu welchem Zeitpunkte der Stand der unterstützten Arberä- Losen 17O.OOO überschritt. Setther sei ein immerhin bedeutender Rückgang von ungefähr 20.000 Arbeitslosen zu verzeichnen. Der Bericht über die Ergebnisse der produkjtiven Arbeitslosensürsorge werde demnächst dem Nationalrat Vovgelegt werden. Z-mr Schluß verwies der Minister darauf, daß sich das Projekt der einheitlichen A ngestelltenversicherung im ^Ministerium «bereits w deinem vorgeschrittenen Stadium der Beratung befinde. Ae Anschlußidee als WMe ßrfindnng. Der monarchistische ,verband der Ostnmrkstürmer", der sich auch Bund kaffertveuer Studenten nennt, erzählt in einem Aufruf: „Die Anfchlußidee wird nicht von bodenständigen Oesterreichern, sondern von Leuten verbreitet, die bewußt oder unbewußt Werkzeuge der Juden find, und diese hassen das deutsche Volk mä> wollen es vernichten. Deshalb haben sie auch den Sinn des Volkes verwirrt und dir Ernheitsfnut des Antisemitismus gesprengt." Man knurrt sich nicht mehr aus. Die Herren dom Hakenkreuz werdm gebeten, sich zu einigen, Dränung muß firn! Herr Wense, ehemals Gesandter, jetzt Präsident irgend enur monarchistischen Blase, sord'.rt keine Anhänger zum Beitritt zu den Frontkämpfern auf. Blloer des Kaisers Otto kosten 1000 K., die kleine Kaiserkrone als Parteia^eichen 2000 K. «Mitglieder können nur Deutschariev sein. Die RatdmalsozialWn nnb die Wahle». Wie das Hakenkrouzblatt mikteÄt, hat eine Obmännsv- Lmfevenz der Wiener Mtionailfttzialisten beschlossen, sofort die Wahlkreisorganisation durchzu«fichven. Es wurde mitgetellt, daß in Wien in allen Bezirken mit Ausnahme des 11. Bezirkes Ortsgruppen bestehen. Die stärGe ist die Ortsgruppe Leopoldstadt. 6ki055L OKKASION mwmmmmmummmmmmammmmmmmm Wiener Mmrsenzettrrng. Schuhe! Reknrs gegen die Budapefter MÄerlaffungr« befchriinkungen. Budapest, 21. April. Die Demokratische Partei der Budapefter Gemeindevertretung hat an den Mir.ister des Innern einen Rekurs gerichtet, worin die Annullierung des vor kurzem von der Budapefter Gemeindevertretung angenommenen Statuts betreffend die Niederlassrrngsbewilligungen an ungarische Staatsbürger und Ausländer verlangt wird. Als Begründung wird in dem Rekurs angegeben, daß die «einzelnen Bestimmungen des erwähnten Statuts mit den bestehenden Gesetzen in Widerspruch stünden, Pole«. Der polnische Gesandte in Berit«. Berlin, 21. April. (Ostexpreß.) Für den Posten des polnischen Gesandten in Deutschland wurde der geKrvwärttge Leiter der polnischen Delegation bei den Dresdner Behandlungen Kasimir Olszewski ausevsehen. Der frühere Vertreter Polens in Memel, Szarot, ist in einer Sondermistion nach Moskau gereist und soll später den Moskauer Geftndtenposten übernehmen. Das Mische Meeting gegen die Exzesse. Wie bereits gemeldet, fand am 17. d. m Warschau odr großes Pvotestmvettng gegen die antisemitischen Exzeße' statt. Die Vwftmmlmrg mchrn die nachstehenden Protestresolutionen an: 1. Die Bevsamullüng erhebt Mrfften Protest gegen die empörenden antiftmttischeu Exzesse vom 6. April, wobei mehrere hundert ruhige Bürger verwundet und ein bedeutender Sachschaden cmgevichtet wurde. 2. Aufs schärfste wird gegen die Nachlässigkeit der Polizeiovgcme pvotestrert, die weder genügend energisch waren noch im richtigen Zeitpunkte Maßnahmen zur Verhütung der Otz-efse trafen. . 3 . D ie BerstmvÄMry spricht die Neherzengung aus, daß die wahre Ursache, dev ij^ejfe imv in der unbestraften Hetze in Versammlungen und Presse liege. 4. Die Negierung wird aufgefvlÄert, die Opfer der Exzeße zu entschädigen, mrd 5. Bewvdnungen zu erlassen, die ähnliche Verbvechen der antisemitischen Agitation wie auch solche WMiche Exzesse ein für allemal unmöglich machen. " 6. Ferner verlangt die Versammlung eine entsprechende Bestwfimg der Bevanstalter der Exzeße wie auch der Aus« 22. April 1923 Seite 8 wregler, die während der Exzeße selbst nicht zu sehen Ware» Die national-demokratische Presse benützt «och imm« das Meeting der Juden zu einer geradezu ungilaM-ichey Iudenhetze. Sie versucht die Exzeße als „Enderspiel" darzustellen, gegen welches zu protestieren geradezu lächerlich Im Zusammenhang mit den letzten Geschehnissen im Sejm hat der Jüdische Klub eine längeve Beratung abgehalten, um über die zukünftige Takük im Sejm lerrffM-, denve Beschlüsse zu saßen. Rumönieu. Polizri und Militär in der »nlmester Ilnlversttöt. Bukarest, 20. April. (Del. d. ,Mr. Morgenzeitung".) An der Universität wiederholten sich gestew bei Gelegenheit der Eröffnung der Vorlesungen die antisemitischen Exzeße. Da der Senat dev Bewegung nicht Herr werden konnte, nmrde die Polizei berufen, die die Randalstudenten gewaltsam aus der Universität entfernte. Sodann 'wurden das Gebäude und die Hvrsäle militärisch besetzt. Bei den Krawallen «wurden zahlreiche jüdische Studenten schwer vyÄetzt. _ «olnftina. Die palMnensisch-arabische Exekutive an tzmir Abdnllah. Jerusalem, 20. April <J. C, B.) Der Präsident d« Palästinensffch-arabischen Delegation stattete dem Emir Ab» dZllah von Twnsjovdamen einen Besuch ab und unterbreitete «ihm die Bitte, das Parlament von Transjor» danien solange nicht emzrwerufen, als die arabische Frage nicht in U-eöevemstmmumg mit den arabische» Wünschen gelöst worden ist. Die ZStigfett des Jüdischen Aatimralsonds. Wie der 'I. C. B.-Bertreter erfährt, hat «der Jüdische Natiorvalsonds im Jchre 1922 154.892 ägyptische Psu«nd in Palästina ausgegoben. Von dieser Summe wuroen verwendet:'Für Bodenkau.se mnd 100.000 Pfund, für Bodenverbefferungen gegen 35.000 Pfund, für Bewaldung und Bepflanzung 7254 Pfund, «für Bauten 9800 Pfund, firr Darlehen rund 7000 Pfund. I» dem MzÜch veröffentlichten Rechenschaftsbericht der LaMy^chafilichen AbteÄung der allgemeinen Organisation Palästinas wird die Erwerbung großer Böden «durch den Jüdischen Rationcklsonds als das bedeuttMgsdvLfte Ereignis in dev Geschichte der Mischen Kolonisation bezeichiwrt. Diese «Taffache habe die MW-ichkett zu weiterer Kolonisation gegeben. Einer- ' seits wurde ermöglicht, errege Hundert neuer landwirtschaftlich Tätiger in die Landwirtschaft einKuführen, andererseits erbangten die Arbeiter die MägikichBoit, endlich die Kolonisationsfovme« zu vevwiMchen, nach denen -verschiedene Teile der jüdischen Arbeiterschaft sich sehnten. Es wurden die „Moschwe Ctobim", Rahalal und Giwat Iecheskel geschaffen, deren Ge- X^äscde, ZtrielcvLrvu!«5 fiiHtf Schiff mann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail ■M—gllllllimill II Sas weiße Auftratte». Borr Perez Hirschbein ^). Der Weg von Sydney wach Melborrme, beut fast einen halben Tag dauert, bereitet trotz der 'brennenden Hitze viel Vergnügen. Deutlich ist die Mühe zu erkennen, die der weiße Mensch mit der Kultwiemng eines jungfräulichen Landes hatte. Bedenkt man noch, wie wmig Regen hier fiM mW wie arm an Flüssen das Land ist, so «bekommt marr ordentli ch Respekt vor der Leinen lweißen BevölikeMmg. Man erkennt geradezu, wie viele Male schmr der Pflug das'Md dwchschmtten hat und wie oft die Erdschollen sich untgedveht haben; man erkennt, daß viele, viele Getreid^arben hier geschnitten wurden und noch viel Mchr. wechru geMfiMr »werden. , ' Das Weiße Australüm!. i Die Bewohner sind stolz «auf diesen! Mmtzn. Mvkn Land sonst hat — glaube ich — so strenge Gesetze und Beschränkungen gegen Menschen, deren- Hautfarbe nicht weiß ist, wie Australien. Der Neger darf nicht ins Land und nicht bester ist das Los aller anderen Menschenkinder, deren Hcmt nicht ganz und gar blaß ist. Ich hätte wahrscheiMch mehr Freude an diesem Lande, wenn die etlichen Fchrckmsend Eingeborenen, dunkelfarbige Kinder des Laichs, in chm ihr bescheidenes Plätzchen hätten mvd dort leben kömtten, «wie es ihnen gefällt. Wie man mir erzählt, wurden noch nirgends die Eingeborenen von den Weißen so brutal behandelt wie tn Australien. In man«chen Gegenden wurden sie einfach in Maßen vergiftet wie Märffe. „Der Kampf gegen die Unkultur" — «wäre es nicht besser, daß alle primitiven An» schammgen «Wer Hautfarbe Mssterben, als die pri>mi«ttven Uwöller? Nr all das denke ich, während ich' die Vultivierien Ländliche durchwandere und die besseren Werke der Weißen sehe; wenn die Erde selbst dom weißen Ma-mre einen Lobeshynrnus singt. Zur Rechten die lange Kette blauer Pepge; ein «hellblauer Nobel hüllt sie ein und die Ufer fteseS heißen Tagest Ringsum l-ervschen Erckalyptusbäuure. ^) Drr bekannte jüdische Drcmlabvker Perez Hirschb-ein -esrndet^ sich geigenwärtig auf einer Woltre-ise. Seine Be- Pachtungen in Australien gibt der ol&ioa Reine Anü'ay in WicktzI. Bou weitem schon sie eintönig aus. Die RttÄe hält nicht am Stamm fest und Mt stets ab. Die nackten Leiber der Bäume blinken howor. Das ist aber bloß der Eindruck von «weitem. Getrachtet man den Eukalyptus van der Nähe, st> umgibt er uns mtt zartem, zäMichem Ztttem. Seme Nacktheit ist nicht die trockene eures loten Baumes oder die Nacktheit eines gefällten StamureS, der entrindet wurde und sich nun tat a>uf dom Boden «wälzt. Hier fühlt «man Leben in der Nacktheit -von Stamm und Zweigen des ^Attalyptusbamnes. Einige sind bläulichweiß, andere hÄlwsa, wie die Hcmt eines neuyebovsnen VüKeins. Die nackten Zweige haben dort, wo sie sich aus dem nackten Stamm hinauM-egen, so lebendige Grübchen m der rosigen Haut, daß man überzeugt ist, >es Mße Blut fließen, «wenn mau einen leichten Schnitt macht, wie aus oinem zarten Mnscherckörper. Die grünen, saftigen Blätter und die dmMgvKnen, mit Silber «behauchten Knospen zwffchen den Blättern, der scharfe Duft, der rings um den ÄMyptUs die Luft erfüllt, — all das gibt Zeugnis von vielen kräftigen Säften «im Boden. Es gibt Gukalyptusbämne, die so hoch gewachsen find, Laß mau den Kopf stark zmückbougen muß, um ihre Krone zu erblicken. Die Nacktheit dtsftv Bäume laufet kmftvoll und doch zart zugleich. Hat vielleicht bte weihe Haut dieser Bäume psychologisch aus das blonde Volk gewirkt, daß es sich s chwo f uitter der «bremrenden Sonne weiß zu bleiben?. Weiß ist auch der austvalische Papagei. Dev KMcht ist klar weiß wie eine weiße Taube Md hat ein gelbliches Häubchen auf dem Kopf, dessen gdi&e Federn sich sträuben, wenner kokettiert oder zornig ist. Ich sah diesen ^weißen Wgeln zu, wie sie des Morgens von Ämm zu Baum flogen uvd zwischen den Eukalyptussen die Luft mit ihren durchdringenden Schreien erfüllten. M auch der Papagei ein Symbol des weißen Australien? Vielleicht trägt die Schuld an dem weihen, überavistokvattschen Anstrich der Bevölkerung auch der llmstzmd, daß die« ersten Pioniere in Australien Sträflinge waren, die von England dorthür verschickt wurden. «Ich weiß nicht genau, was «für eine Kleidung Sträflinge damals in England trugen. Sicher aber ist, -daß ihre Enkel deshalb Sveißer als -weiß sein «wollen, -weißer als die Haut des Eukalyptus, -weißer als die Federn des australischen Kokaflr. Dieser letzte iUMMd. mW Mr /wM Ms. M natürliche. iWwMMg der Bevölkerung hindern; denn ist es einerseits verwunderlich, wieso in so kurzer Zett aus der StväflingssiMung ein Land mit einer MHmillionenbevölkerung -werden , konnte, so ist es andererseits auch verwunderlich, wieso die englische Sprache nW mithalf, daß -die Bevölkerung viel größer fti. ' ' -An dem Tage dieser Gedanken konnte ich auch' beob achten, wie ein Jäger aus erhitztem Pferde, die Büchse schußbereit ans Herz gepreßt, einenr Känguruh nachjagte, jenem merkwüMgen cmttvalffchen Geschöpf mit einem Mäuse- Antrloperckopf Md-mit zwei gewalttg langen Hinterbeinen «und ganz kurzen Vorderbeinen, dem der dicke, lange Schwanz zu Hilfe kommt, aus den es sich stützt, wenn es die Hinterbeine zum Sitzen einwärts biegt. Das Känguruh entfloh, auf den Hrntersüßen springend. In den zwei zu kurzen Vorderbeinen des Känguruh, mit denen es sich höchstens^ beim Ohr kratzen, sonst aber nichts tun kannliegt ein Stück Symbol des weihen Mnschen und der von ihm neu eroberten Länder. Wr Australien ist es auch ein Symbol der neuen Formen einer Regierung, die von weitem so schön ausfthen und von der Nähe genau so sind wie aus der ganzen Welt, überall dort, wo unser Leben von weißen Menschen mit den kurzen Armen gefichrt «wird. Ms Symbol kamr auch gelten, daß der Expreßzug, welcher von Sydney nach Melbourne geht, an der Grenze beider Staaten, Neusüdwales und Victoria ('wo Melbourne liegt), hält. Me Pastagiere müssen in einen anderen Zrrg umstergen, well das Geleise eine andere Brette hat. Der Zug des einen Staates kann nicht aus dem Geleise des anderen Staates fahren. Ich weiß «nicht genau, ob NeuMwales das «brettere Geleise hat oder Victoria. Das macht nichts aus. Eines ist aber klar, daß «beide Staaten nicht das gleiche Lebensgeleift haben können. 'Je mehr man sich Melbourne nähert, desto mchr kultrviert ist der Boden. Satte Herden. Zum«eist Schaft. Die Häuser der Gutsbesitzer Winken mit Wimpeln. Die Gegend ist flach Md heißer, dünner Sommernebel Hängt über den Feldern. Noch starker ist der Geruch des Eukalyptus in der Lust zu Mren. So fahre ich in Melbmrne ein. Eine große Stadt. Der Gegensatz zu Sydney. Breite Straßen. Viele Gärten. Auch die Bevölkerung sieht fester ans. Aristokratisch. Echt englisch. Melbourne ist die Krone deS üveißen Australien.

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