Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1503 (20.4.1923)
- Date
- 1923-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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pna» MNMW8 Polen. «aMmüdemolratische Propagauva. Alttser Lemverger Korvefporvömt meldet ums: Die jtMan«lüdomokvaÄfchen Abgeordneten haben in der letzten Kevt eine ausgedehnte Pvopcoganda in ihren Wvihkkveistn > entsaget, um sich eine Basis für Ähre künftige Hetzavbeit im!Sejm zu schaffen. Daß bei dieser „Aufklärungsarbeit" najmentlich der Antisemitismus geschürt wird, ist sstlbstverstaMich. Im Mittelpunkt dieser Tätigkeit stand die vor einigen Dagen in Lemberg abgehaltem Kundgebung mit «der Tagesordnung: Wie soll Polen aussthen, wo zwei Semrstoren und fünf Abgeordnete referierten? Zmn Mißvergnügen der BevsanmÄung entfiel die Hauptattraktion, weil der jHetzgerstüche Lutoslawski in letzter Stunde abgesagt Chatte. Dafür bemühten sich die übrigen Redner wacker gegen e\, was nicht rmtionaldemokvatisch ist und hauptsächlich n die Juden loszulegen. ZU dieses Horn stieß namentlich Abgeordneter Gr ab skr, der Leiter' des „Slowo jPolskie", welcher die Juden als Staatsstvnde bezeichnte und die Emanzipation Polens vom wirtschaftlichen Einfluß der Juden forderte. Es sei dringend notwendig, daß die sFuden in oben dem Maße aus wandern, als dies bisher die reinpolmfche Bevölkerung getan hat. Abgeordneter D Y m o w s L i erklärte, es sei zu befürchten, daß die Juden 'Polen ,/rls unteilbares Gebiet" fordern werden und beklagte jderen demoralisierende Wirkung, und der Geistliche Doktor -.Wyrebowski wußte sogar zu erzählen, daß in manchen «Schulen christlichen Kindern von jüdischen Lehrern Reliigronsmrterricht erteilte werde. (!) So sieht nationaldemoikvatische Aufilävungsarbeit aus! Eine Konferenz der jüdischen Kultusgemeinde. Ueber Initiative der Lemberger jüdischen Kultusgemeinde hat die Warschauer jüdische Gemeinde für den 20. d. eine vertrauliche Beratung der Vertreter der größeren jüdischen Gemeinden Polens einberufen, welche sich mit der Wahlreform ftir die jüdischen Kultusgememden beschäftigen soll. _ Rundschau. Wem über den Ruhrkonflikt. Paris, 19. April. (Tel.-Komp.) Fmanzwinister Le Kastehrie und Verkchrsminrster Le Troequer sind wieder in Paris eingetroffen. De Lasteyrie erteilte dem ^Temps" ein Interview, worin er unter anderem erklärte, i)u Beginn der Besetzung seien die ZollemgäriM fast Null gewesen, jedoch vom 1. bis 10. März habe die Ausfuhriubgabe 213.638 Franken, vom lL bis 20. März 204.386 Franken und vom 21. bis 30. März 432.338 Franken ergeben. Die finanzielle Lage Deutschlands seigeradezu erschreckend. Vom 10. bis 31. März hätten sich die deutschen Staatsausgaben auf 2411 Mlliarden Mark belaufen. Diesen Ausgaben stünden für den genannten Zeitraum nur 181 Milliarden an Steuern gegenüber. Die schwebende Schuld Deutschlands sei von 1611 Mlliarden auf 6601 Milliarden Mark am 31. März gestiegen. Der Banknotenumlaus Deutschlands habe denjenigen Rußlands überschritten. Deutschland gehe einer gewaltigen Katastrophe entgegen und mW sich als vollständig besiegt erklären. - Sie Anfftmidsvorberettnngen in Thüringen. Weimar» 13. April. (Del. der ,Mr. Mvrgenzeitung".) Der thüringische Minister des Innern erklärte gestern im thüringischen Landtag, das bei der Nationalsozialistischen Arbe iterp ar«t ei in verschiedenen thüringischen Städten beschlagnahmte Material, habe derart schwerwiegende Aiefi-larungen gegeben, daß sich die Staatsanwaltschaft genötigt gesehen habe, das gesamte Material dem Ob erreich sanwalt beim Reichsgericht Vvrzulegen. Aus focm Material gehe hervor, -daß die Nationalsozialistische Arbeiterpartei versucht habe, in Thüringen Hundertschaften militärischer Natur zu organisieren. Ferner hätten die Geständnisse der in Thüringen Berhasteten gezeigt, daß die Partei ihren Mitgliedern und Organisationen in Thüringen Anweisung gegeben habe, kte in ihrem Besitz befiMichen Waffen an die in Nordbayern stehenden Kampftruppen der Nationalsozialisten abzuführen. Ser Wester-Vertrag. Paris, 19. April. (Havas.) „New York Harald" weidet ans Washington: Gutunterrichtete Kreise glauben zu wissen, daß zwischen Washington und Paris Besprechungen behufs Regelung der Chester-Frage durch ein internationales Schiedsgericht eingeleitet worden seien. Im 20. ÄlMl iosu ■ir^w. . > Wie die Blätter berichten, stellt die New-Dorker Guacantee Trust Company der Erklärung des Innenministers per Angora-Regierung, «wonach die Company die zur Durchführung des ChesteMbkommeus notwendige Anleihe von 400 Millionen zu garantieren versprochen eint formelles Dementi entgegen. K» Wrmischer Lag im Sejm. (Bon unserem Ko r reff pon deuten.) Warschau, 17. ApviL 1923. Der heutige Tag gehörte zu den Sturrntagen des polnischen Sejms. Anläßlich einer Interpellation der Ncrtionaldemokraten über die Ausweisung der j ü bischen F l ü ch t l i ng e aus Rußland kam es zu tmnultavischen Szenerr zwischen den jüdischen und Nationaldemo-- kratifchen Abgeordneten. Abg. Rhmer interpellierte den Jnnemnimster im Namen des nationaldemokratischen Klubs, ob es wahr sei, daß das Inmnmnwstermm gegen die Interessen des «Staates, des Volkes und der ärmsten polnischen Bevölkerung den Ausweisungsbefehl zurückziehen wolle, und ob angeordnet worden sei, die Gründe des großen Zuflufies von rnMchen Inden nach Polen zu untersuchen,, wie auch die in Polen illegal weiveiÄen «Flüchtlinge zu verfolgen. Der Vertreter des Innenministeriums erklärte, daß die, Verordnung des früheren Innenministers nur jene Kategorie der Flüchtlinge betraf, die sich einer Evidenz durch die Staatsbehörden unterworfen halben. Bisher betrug die Zahl der registrierten Flüchtlinge 26.000, jedoch sei bis Ende 1921 bereits die größere Hälfte aus Polen emigriert, so daß sich gegenwärtig die Anzahl der Flüchtlinge dieser Kategorie um ein Wesentliches verringert habe. Bezüglich der Ausweisung der Flüchtlinge, die illegal in Polen weilen, habe das Mmisterium die schärfsten Maßnahmen getroffen. Hierauf erklärte Abg. Ry me r, Laß die Beantwortung seiner Interpellation den parlamentarischen Sitten nicht entspreche. Er stelle sest, daß die Juden masserchaft nach Polen kommen wollen, obzwar sich auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung ein Dringlichkertsantrag des I irdischen Klubs in Angelegenheit der letzten Exzesse in Warschau befinde. Polen könne diese Judenmassen nicht vertragen und die Natiomldemokraben wollten wissen, ob die Regierung fest entschlossen sei, diejenigen Juden auszuweisen, die kein Recht besitzen, in Polen zu bleiben. Schließlich beantragte Rymer die Eröffnung einer Debatte über seine Interpellation, welcher Antrag auch angenommen «wurde. Abg. Schipper erklärte, daß der gegenwärtige Innenminister Sikorski den ehemaligen Befehl des Iurvenmiwstermms 'Betreffs der Registrierung der Flüchtlinge nur verschärft 'habe. Nach dem Äbg. Schipper sprach der bekannte Iudenhetzer Ilski, der in schärffter Weise die Juden «attackierte. Unter anderem erklärte er, daß die jüdischen Abgeordneten provokant rmd illoyal austrete«, sich' ibestveben, Polen im ärgsten Lichte darzustellen. Während seiner Rede kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen den jüdischen Abgeordneten und den Nationaldemokraten. Nach der Rede -e8 Abg. Ilscki auf Unterbrechung der Debatte angenommen, auf berichtete der Justiz min ist er über de« Fall de^ Verhaftung des ukrainischen Abg. Luczkiewrez. Dev Vertreter der Witos-Partei Brodaeki, welcher hierF« das Wort ergriff, bemerkte, 'daß Liest Interpellation nW nur die ukraimschen, sondern auch die weißrusiischett mü jüdischen Abgeordneten unterfertigt hätten, «weshalb man die Angelegenheit mit besonderer VorHich-t behandeln müsse. Die nervöse Stimmung, welche diese Rede im Haust hervorrief, steigerte sich später bei der Behandlung des Dringlichkertsantrages des Jüdischen Klubs m Angelegenheit der letzten Exzesse m Warschau. Abgeovl^ netrr Hartglas begründete die Dringlichkeit und for-j derte, daß jene> welche die Exzesse vorbereitet und aus! dem Gewissen haben, 'der strengsten Bestrafung zugeführt werden. «Abg. Staniszki (Nationaldemokrat) behauptete, Laß die organisierte Iudenschaft von den am 5. April stattgefundenen Exzessen übertriebene Darstellungen verbreite und bestrM sei, die öffentliche Meinung des Auslandes über die Zustande in Polen irre zu führen. Die Dringlichkeit des Antrages wurdq vom Haufe abgelehnt. Hierauf rief Las Präsidial- Mitglied des Jüdischen Klubs Abg. Kirfchbrauitz (Aguda): „Zum Zeichen des Protestes verlassen wir Mischers Abgeordneten die Sitzu«wg", worauf sämtliche jüdischeu Abgeordneten unter stürmischen Zurufen deq Mtiomlldemokraten sich korporativ entfernten^ Am Ausgange des Sitzungssaales wurde Abg. K i r schbraun von den Nationaldemokraten Abg. Manteres und Sawicki tätlich angegriffen. Die jüdischen Abgeordneten eilten ihm zu Hilst, worauf die National-! demokraten auf sie emstürmten, so daß es zu regelrechtes Keile rein kam, die sich in den Couloirs fortsttzteii^ Bezeichmnderweist 'wurden die Nationaldewokraien von« Abgeordneten der Witos-Gruppe unterstützt. Es ist sestgestellt, daß ein rvationaldenrokvatischer Abgeordneter die Tätlichkeiten gegen Abg. Kirschbvaun begonnen hat. Der Jüdische Klub «beabsichtigt, gegen diest skandalösen und uinparlamentarischen Sitten des parlamentarischen Kampfes schärfste Stellung zu nchmen. Nach Schluß dev Sitzung erklärte der Sejmmarschall Rataj, daß er eine, strenge Untersuchung einleiten werde, wer von best Abgeordneten den ersten Anlaß zu dieser Prügelei gegeben habe. 'Nach dem Ergebnis dieser Untersuchung 'werde er deü Airtvag auf Ausschließung des betrefferwen Abgeord- Mten von «mehreren Sitzungen einbringen. vor der Konferenz von Lansanue. Die englische Delegation an der Lausanner Konferenz wird Samstag nach Lausanne abveistn. Sie wird von dem errglischen Oberkommissar in Konstantinopel Sir Hovace Rn mb old geführt. Im englischen Uuterhause teilte die Regierung mit,, daß die Anberau'mung der Berhcmdllwgen mit der Düickei den Regierungen von Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Griechenlands Jugoslawien, Rumänien, Belgien «uÄ der Vereinigten Staaten bekaimtgegeben worden sei. Aus KonstantinopÄ wird berichtet: Ismet Pascha und die anLeven türkischen Delegierten särd nach Lausanne abgereist. Ismet Pascha 'hat Preffevertretew gegenüber erklärt, er gehe mit dem Wunsche nach Lausanne, einen ehrenvollen Frieden zu schließen, der die Rechte der Türkei in ihrem gegenwärtigen Bestände garantiert. Er werde jede politische, juristische «und wirtschaftliche Sklaverei zurückweistn. Vor seiner Mreise hatte Ismet Pascha'mit dem amerikanischen Oberkommrsiär in Konstantmopel Admiral Bristol eine Unterredung. Der Kalif hat den englischen und den französischen Oberkommissär vor ihrer Mreist nach Lausanne in Audienz empfarvgen. Auflösmg der Angora-Kmnmer. Angora, 18. April. (Havas.) Die große Nationalversammlung hat sich aufgelöst und vorher mit Rücksicht auf die bev orstehenden Wahlen einen Gesetzentwurf angenommen, der das Hochverratsgesetz in der Weist ändert, daß als Vaterlandsverräter auch alle jene anzuschen sind, die durch ihre Handlungen und Worte die Akte des früheren Regimes gebilligt haben. «Sonntag Zionistische Arbeitspartei „Hitachduth“ j den 22. April, Vs® Uhr abends, km Fest- ( saale des Hotel Continental, II., Taborstr. MEETING der jüdischen Jagend Wiens DB. NAHÜM GOLDMANN über „Probleme der jüdischen r. " . Regiebeitrag K 2000 anschliessend Diskussion Aus aller Welt. Preßbnrg. 19. April. Das Wirtschaftsamt hat bei verschiedenen Firmen insgesamt 140.000 «Kilogramm Zucker be- .schlagnahm't, da der Verdacht «bestcht, daß dieser zu «pckularionszwecken aufaespeichert iverde. Budapest. 19. April. Heute sind die Schuhmacher- Elsen von den Meistern ansgesp errt worden, die ihre Lohnforderungen nicht bewilligen «wollten. Mühlhei m. 19. April. Zu den gestrigen Ausschreitungen «der Arbeitslosen aus dem Rathausplatz wird noch f«- m-eldet, daß zwei Personen schwer und sünszchn leicht v.rwundet «worden sind. Berlin, 19. April. In Mühlheim fanden heute Wiederum wüste AuÄsch-veitungrn «der radikalen Elemente statt. Die Ruhestörer, die mit Stöcken und zum Teil auch mit alten Gewchren bewaffnet waren, sperrten die Straßen ab uuf hielten Fchrzeuge und Fußgänger an. Die Demonnrancen! plünderten einen WafferÄQ«den. Berlin. 19. April. Einer Mätztermeldung aus «Dresden! zufolge, hat die sächsische Regierung mit der Muß'i'schen Re-! gieruna Bechandlungen vingeleiLet, am den M 5^cn§lan^. lichem Zuchthoms verureMen Max H'ölz aus dem GefaWno»! in Breslau nn cm sächsisches Gefängnis zu transportierm. j Berlin, 19. April. Zü Berlin haben in letzter Zeit die' Barckuotensälschungen sehr zuge-nommen. Die FälschunMN er-i strecken sich auf 200. 6000 rmd 60.000 Mark-iScheme. London. 16. «April. Ramsah Maedonald «ist von« französischen «SoMiften ausgefordevt worden, em ne-uej englisch^talienischb^islch^ «DozralrstenLo^' f e r e n 8 enMberusen. ‘ Rom 19. April. Die Agentur Volta meldet, daß der, Führer der' Popolari Don Sturzo seine 'bMstchttÄe Reise« nach Wien infolge der jüngsten politischen Erergulsse verschoben hcche. Rom 19. April. Auf «Ersuchen Äor deutschen Behörden fahndet die '.Polizei «in Genua eifrig nach dem «des Mordes an Erzberger b^chulÄgten Kaufmann Schulz. Schulz war noch nicht ausizufinden. Mailand. 19. Aprr'u Graf Cesave Ragzari '.vurde« wegen Wechielfälschnngen im Be«tcage von 930.000 &i* pai: Schaden des Crediw Conmtniale verhaftet. Paris. 19. April. Die franMische Akademie hat heute^ an Stelle Duchesnes und Deschanels den Abbe Bremond und Jonnart zu Mitgliedern gewählt. Die Wahlgänge für: das an Stelle Aiccrrds zu wählende Mitglied bliedeu ergeönis-: los. G e n f, 16. April. Der Böllerbundvat hat nach ^Beratung: des gegenwärtigen «Standes «der Bekämpfung «des Mädchenhan-! dels beschlossen, all Megrevungun aufznsvrde>rn, dem «AAvm-« men zur Unterdrückung des Mädchenhandels vom I^rhre 1621! beiMtveten oder. wrE sie «schon beiigetreterr sind, es zu mti-: fizieven. Sarajevo, 16. «April. Im Kreist Zw'ornik kam eS bei der Aufteilung verschied.'ner Besitztümer durch die Kom-^ Mission für Agrarreform zu einer Bauernrevolte. Die Bauern' trieben dw Kommission mit Waffengewalt in die Flucht. 6kr055L OKKASION «MSMWWWW, Wäsche, Strickwaren bllltfien Pl'CISen ■ [ Schiffmann i!.. TaborstraBe 48! Teiephon 47-1-79 Ln '"■'■na Kn «SqIbBI« 75