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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-19 · Heft 1502 (19.4.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1502 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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l6cUe Q Wien. Donnerstag * Wetterbericht. Die Besserung macht langsame Fortschritte. Die Niederschläge haben allgemein aufgehört. In Steier- Matt und Kärnten ist oie Wolkendecke morgens bereits stellenweise aufgebrochen. In Tirol klärte e8 sich auch tagsüber teillweise auf. Innsbruck hatte mittags bereits 13 Grad, Wien nur!8 Grad. Voraussage: Bewölkungsabnahme, trocken, etwas wärmer, ^schwache Winde. Trotz Warenumsatzsteuer — keine Preiserhöhung! Infolge vorteilhaften Ankaufes großer Warenbestände ist das -wegen seiner Kulanz bestrenommiette Kaufhaus Brüder S ch i f f m a n n, 2. B e z., T a b o r ft r a ß e 48, in der -Lage, Waschwaren, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leinenwaren, Bettwäsche, Regenmäntel sowie original englische FrühjahrSstoffe für Damen und Herren m enormer Auswahl zu unerreicht billigen Preisen abzugeben. Nachstehend einige Beispiele: pro Meter Prima Webe.. „ Chiffon . .. * Streifgradl. Bettzeugs. Bettücher, 140 Zentimeter breit Matratzengradl. Blaudruck. Etamine in allen Farben . . . Dmnenhemden. . . . . . Damengarnituren (dreiteilig) . . Seidenjumper . Cretonhemden (für Herren) . » Unterhosen. Covercoats.. . Englische Schafwollstoffe.... Regenmäntel .. » « » 0 n d 11.000 K. 8.600 K. 12.000 K. 8.800 ß 14.000 _ 12.000 K. 9.800 „ 19.800 „ 28.000 _ 9.800 „ 7.900 25.000 K. 19^800 ' .... 98.000 „ .... 69.000 „ .... 29.800 „ .... 18.000 „ .... 39.800 „ .... 45.000 _ .... 125.000 „ (Entgeltlich.) Mitteilungen aus dem Publikum. Israel Lewkowltsch und Frau Tomaszöw laden alle Freunde und Bekannten zu der anlässlich der' Wiederkehr des Todestages ihrer Tochter MANIÄ (gestorben 3. Ijar 5682) heute Donnerstag den 19. April zwischen 11 und 12 Uhr vormittags am Zentralfriedhof, 3. Tor, stattfindenden Trauerandacht ein Kultus-u.Justiztalareu. Barette liefert ia schönster Ausführung die bekannteste Spezialfirma 285 BIIflfllE Äfil Zivil- und UniformschnMder KUUULr UULUMtlfl Wien. II« i'aborstr. 54. 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Anschließend literarisch-musikalische Vorträge. Urania. Heute, GroßerSaalr 6 Uhr r König Dachstein. Kurssaalr 6 Uhrt Direktor Josef Neumairr Zur Geschichte der deutschen Sprache. VII. Kleiner Saal: 6 Uhr: Dr. Helene A n d e r l er Physiologie und Hygiene der Frau. 1. KI u b s a a l r Halb 6 Uhr; Gisela K r ü ck l r Die Erreichung gesunder Tonbildung. III. Kurssaal! Halb 7r Dr. Ernst L a u d ar Der Blutkreislauf des Menschen im gesunden und krank enZustande. II. Großer Saal: Halb 8 Uhr: Dr. Josef Beraauerr Vortragsabend. KleinerSaalr Halb 8 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Ennl Schwarz: Heilbare und unheilbare Krankheiten. Klubs a'a: Halb 8 Uhr: Gustav G oriwoda: Vortragsabend. KurSsaal:8 Uhr : Univ.-Vrof. i 111111 Wie en(stehen Errlager? Ui. _Wiener Morgenzeitung. Ernährung. Die Lebensmittelmörtte. Der Rückgang der Fleischpreise. Die Rückgänge auf dem letzten Lebendviehmarkt in St. Marx machen sich nur zögernd im Kleinhandel bemerkbar, und die Erwartungen, daß ebenso rasch ein Abbau der Preise erfolgen werde, als sie sprunghaft in die Höhe gegangen sind, erweisen sich als trügerisch. Gestern haben sich in der Großmarkthalle nur die Preise für miröere und mittlere Sorten von Rindfleisch mn 2060 K. pro Kilogramm ermäßigt, alle übrigen Preise blieben noch unverändert. Die Bahn- Mfuhren nach der Großmarkthalle sind nicht günstig ausgefallen. im ganzen waren drei Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen angekommen. Auf den Griinwarenmarkten sind die Zufuhren günstig. Besonders stark sind die Sendungen au8 dem Ausland. Neben holländischen Erzeugnissen kamen heute MS Ungarn Spinat und Spargel, aus der Tschecho-Slowafei Kartoffeln und aus Italien Zwiebeln. Karfiol. Salate und Frühkartoffeln. Sehr groß warenauch die Zufuhren von italienischen Orangen und Zitronen. Trotz der guten Beschickung der Markte sind die Preise für manche Artikel unverändert und unerschwinglich hoch und kommen daher für die breiten Schichtender Bevölkerung kaum mehr in Betracht. Butter und Eier sind in genügenden Mengen angebotev» die Preise geben nur überaus langsam nach. Bon dem augenblicklich auf den Bahnhöfen eingeleiteten Feldzug der Wirtschaftspolizei gegen die Hamsterer von Butter, die bekanntlich seit Jahr und Taa nicht mehr durch den legitimer« Handel aus den österreichischen Produttionsgobieten nach Wien kommt, was wesentlich zur Verteuerung und zur Verschlechterung der Butter beiträgt, verbricht man sich nur dann Erfolg, wenn er energisch und konsequent durch längere Zeit fortgesetzt wird. Jüdisch© Bühn© isaa^deutsch) im Hotel Stephanie, 11., Tabor»trasse 12 Heul«, halb ft Uhr abends Bertschik KobhkUc in 4 Akten tob Leo Kobrin Vorverkauf an der Tageskassa* Bühne und Kunst. Sin Abenv bei Ludwig Hordt. Er ist schon sehr berühmt. Ich fürchtete, zu spät zu kommen. Man ist abgebrüht u<n4> unter triefen Enttäuschungen, die man im Laufe der Jahre erführen mußte, ist diese die schmerzlichste: daß auch die Wertvollsten, die, jahraus jahrein herumrevsend, „rezitieren", nach Ablauf Engerer oder kürzerer Frist (je nach dem Wideciduf», welche: der Erlangung solcher Immunität entZyrnwirkr) schließt dem Publikum nur so viel geben, als es fordrrt und verdien». Ich kam nicht zu spar und greise den Zufall, der mir das Glück dieser Stunde aufsparte. Maßstäbe für den Wert dieser Hardt-Abendr: Mel Jkrgend ist versammelt, wirklich neue Jugend im Vergleich zu jener etwa, die Moisti im Vortragssaale unmöglich macht» Ingens die nicht kommt, um sich in Szene zu setzen,, sondern da ist, um sich zu erheben, die nicht nach dem letzten Worte jeder Vortragsmunmer losschreit, sondern BeHall wft, wenn sie sich freut, aber schweigt, wenn es ihr nahegcht. — Er könnte mit weit geringerer Reklame und Aufmachung, Äs sie jetzt üblich ist, vor übervollen Riesensälen sprechen und wählt den keinen, schonen Saal in der Eschenbachgasse, weil er wahrhaft-vg Menschen um sich versammeln will. Er stcht über den Dichtungen, die er nachschafft, manchmal betrachtlich hoch über ihnen. Ich glaube, die Lebenden, deren Werke er vorträgt, müssen sich, in den meisten Fällen wenigstens, sehr kein fühlen, wenn.sie zugegen sind. Ms Haydn seine „Schöpfung" das erste Mal spielen hörte, fragte er: „Ist das wirklich von mir?" Autoren, die Hardt liest, dürsten nicht so fragen, denn sie müßten sich gewöhnlich di« Mttwort geben: „Es war doch nur ein Anlaß für Ludwig Hcwdt.* Und daS M nicht nur für Mittelmäßige. Auch Peter Menbergs Werk wächst und hat «in neues Antlitz, wenn Hardt ihn »Mtedeogivt". Er, begann mit einem Gebet von Heinrich Kleist. Ich kann nur sagen: Es war ein Gebet. Eine hcSbe Spunde widmete er dem jungvenstorbenen Dichter Georg Heim. Ich . weiß nicht, ob die Verse auch bei der Lektüre so vom und erschütternd sind oder ob sie es gestern waren, weil sie Hardt sprach. Höhepunkt war das Prosagedicht KastaS von den eSs Söhnen. Hardt saß da, der Vater, der seine elf Söhne schildert. Der Reihe nach. Mer bevor der nächste Sohn daran kam, gab er ihn in kurzer, inhaltsvollster Paarse zu erkennen. Nicht durch sdudiertes Menenspiel. Nur durch den Mick, mit welchem der Vater wunderbar döutlich sagt«, was ihm dieser und jener Sohn ist. Di« Augenblicke des Schweigens sind überhaupt die kostbarsten dieses Abends gewesen. Man ist abgebrüht und. es bleibt mir ein Rätssl, wie dieser Mann, trotz der hundert Abende jubelnder Zustimmung, trotz des stimmnngsmordenden WamdernS durch die KonzertMe aller' Großstädte,' ein frommer Diener der Kunst bfeiben konnte. So einfach, so froh und so voll Liebe. Danken wir ihm, daß er dieses Rätsel cmsgiibt. „ Otto Ab« les. Zionistisch-sephard. Verein „Jehuda Halcvy“ Heilte 7,9 Uhr abenda im Hotel Continental im Saale der Unione Espanola VORTRAG Dr. Nahum Goldmann (Berlin) Spaniolen,0 erschein et zahlreich! 19. AM 1928 .Nr. irm .. ..." 1 — ---—.... '■ "'»M Klavierabend Leopold Münzer. Heute findet im Mitlerest KonzerchauSsaal der Klavierabend Leopold Münzer statt. Der junge Pianist hat vor einigen Tagen ein Konzert i« Salz» bürg absolviert und wurdeauS diesem Anlaß von der dortige»! Presse mit überaus schmeichelhaften Urteilten bedacht. Für ba*| Konzert Münzer, welchem von berufenster Sott« eine große! Zukunft vorausgesagt wird, gibt sich allgemeines Jntevella! kund. Aus dm Aeatern. Durgtheaterr Morgen, 7 Uhr abmbs, „De* Grafvon CharolaiS-. Sl k a d e m i e t h e a t e rr Morgen, halb 8 Uhr abends/ „Der Krampus" von Hermann Bahr. JmDeutschen VolkStheater spielt Alexander M o i f s i morgen den Nikolai in Tolstois Drama .Und d a S Licht scheinet in der FtusterntS. ZnderNeuenWienerBühne geht heute Walters HaseneleverS Drama «Der Sohn'* mit Paul W e g e n e r,, Ernst Deutsch, Else H e i m S und Lydia S a l m a n o v a< W e g e n e r in den Hauptrollen in Szene. Da für diese Vor-i stelluna sämtliche Logen und Sitzplätze vergriffen sind, wird die! Vorstellung in der gleichen Besetzung morgen wiederholt.! Im Raimund-Theater gelangt heute um 7 Uhr! abends im Nahmen de» Ensemble-GastspieleS des Prager Deutschen! Landestheaters „Schweiger" von Franz Werfel zur Wieder-! holung. Um 10 Uhr abends geht als Nachtvorstellung Arnold! Bronnens erfolgreiches Schauspiel „V a t e r m o r d" in Szene.' Im Theater in der Josefftadt beendet Leopoldine Konstantin Mittwoch den 25. d. in der von der Concordia veranstalteten Aufführung von „Fräulein Julie* von August Strindberg und „Literatur" von Artur Schnitzler ihr diesmaliges Gastspiel. Bis dahin bleibt die Komödie ,,C l a r i s s a 8 halbes Her z" mit Frau Kon» stantin auf dem täglichen Spielplan. Gerichtssaal. Mov Sinclair und dr. Huffarek. Ein interessanter EhrenbeleidigMgSprozetz. Ueber eine in mehrfacher Richtung irvteveflartte Preß» klage werden morgen die Gcischwornen zu urteilen haben. Der kalifornische Schriftsteller UPton Sinclair hat den Minister-! Präsidenten a. D. Dr. Hnssarek wegen Bergchens gegen die Sichechett der ©)t« belangt, weil Hussavek in der .MeichSpost" Sinclarrs Buch,-Religion und Pvoftt" abfällig kvttisierl und den Verfasser als -,Schurken" bezeichnot hatte.. Uipton Sinclairs Buch, übersetzt von dam Wiener Universitätsprofessor Dr. Isidor Singer, stell» «ine Avt Entwicklungsgeschichte aller christlichen Religionen und Bekennt wisse und khver Kirchen dar, wobei der Verfasser nicht allein histovitsche Tatsachen Mw Grundlage nimmt, sondern kritische Betvachtungen nach seiner sozialistischen Weltanschauung anstevt und vssumiert: Die christlichen Kirchen, wie sie gckvorden, sind ein Hohn aus die von Jesus Christus gestiftete Kirche. Sinclair zittert hierbei Lehrsätze aiüs den Schriften des Johannes Chrhsostomus, bei heiligen Ambrosius und des heiligen Basilius, die, wie er sa-gt^ gerade so gesiprochen und geschrieben haben, wie die kommunisttschen und sozialistischen Schriftsteller der Reu-eit. In der Einfettung dcö Buches wird vornehmlich die Romkirche als „Taschendiebevereinigung «r groS" bezenchnst, die Geistlichen aller Rangstufen als deren Agenten, die den Leuten Gebetsübunge« Vo^chveiben, sto zu Andacht, Erbauung und Erhebung mahnen, um ihnen leichter das Geld aus der Lasche stehlen zu können. Die Ausfälle haben Dr. Hussarek zu der Krittk gereizh den Autor als Schurken" zu bezeichnen. . Dte SchwurgerichlSvevhcmdlung wird Vizepräsident Hof-' rat Dr. Habretinek Letten, Bor^weter der Klage ist Dr. Johann Joachim, der Geklagte Dr. Huffarek wirb von Dr. Fvang Pranter verteidigt. Aeatergarderobe «nd Lalorisatio«. Ms am 3. Februau v. I. der Lhoaterbcsucher Jos^ Hafner nach Schluß der Vorstellung in der Menarsiance-' bühne aus der Dheatergarderobe seinen.Soalflmpelz und neue»! Hut auf Grund des Garderobescheines beheben wollte, überreichte ihm dca Garderobier einen alten, schmierigen Ueberrock und einen noch älteren, schäbigen Hut. CS stellte sich hev» Ms, daß gleich nach Herrn Hafner ein Gauner dia wertlosen Ueberkleidcir abgegeben und dafür den Garderobeyeteel 68 erhalten hatte, den er geschickt auf 68 fälschte urü» damit die Ueverkleider des Herrn Hafner behob. Der letztere klagte nun die RenaifsancMhne aus Ersatz^ von.100.000 K., erweiterte aber fein das Klagckbegehren <mfj Grund dar GeldeMvertung auf fünf Millionen Kronen. Drr, Gclklagtenvertreter Dr. Robert Trebitsch bestritt die Gr-, satzpflicht des The-wtevmrternehmens, d a die Fälschung des GarderobezotMs eine derart gelungene gewesen fei, daß jedermann den Zettel als echt anfehen mußte. Das LandeLgericht sprach die Haftpflicht der Theateinlnitornchmu^ ans, verneintem aber die Zulässigkevt der Daloristerung und verurteilte dem-i \ gemäß die Rvnaiissanoebühne bloß zum Ersatz von- 100.000 Kronen, rn-dem es das Mhrbogehren ab wies.! Gegen dieses Urteil brachten beide Teile die Berufung ein, der! Kläger wogen der NichtzuläMfett dcr Dalorisieruug, di« Ge-' klagte wcgrn des AusspMches über ihre Haftpflicht. Bei der gestrigen BlemftmgSoerhaMung vor dem Ober« londesgericht beziffevte der Sachverständige Fabrikant Markus^ Schneider den Wert des PelzeS zriir Zeit de- Diebstahles ickiit 100.060 K., zur Zait der Urteilsfällung des Handels-! gerichteS (6. Oktober 1922) mit zehn Milliomn Kronen. Sterj Bernfungsjenat (Vorsitzender Hofrat Dr. Koschi n) gab b«c, Berufung des Klägers Folge, erklärte die Balovi-> sievung für Auläfsig und verunteiilte die Geklagte -mu Ersatz des^ emaeklMteu Betrags von fünf Millionen Kronen.. , iSä&te'hi »

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